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Full text of "Sitzungsberichte und Abhandlungen der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Isis in Dresden"

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der 


Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft 


in  Dresden. 


Herausgegeben 

von  dem  Redactions- ComitO. 


Jahrgang  1897. 


Mit  3 Tafeln  und  3 Abbildungen  im  Text. 


Dresden. 

In  Commission  von  Warnatz  & Lehmann,  K.  Sachs.  Hofbuchhändler. 

1898. 


Inhalt  des  Jahrganges  1897. 


A.  Sitzungsberichte. 

I.  Section  für  Zoologie  S.  3 und  17.  — Drude,  0.:  P.  Matschie’s  Karte  der  geographischen 
Verbreitung  der  Säugethiere,  naturwissenschaftliche  Nomenclatur  S.  4.  — Engel- 
hardt, H.  : Vorlage  einer  Abhandlung  über  böhmische  Tertiärpflanzen  S.  4.  — Kuntze,  A. : 
Eine  seltene  Diptere  vom  Osterherge  und  eine  Tanzmücke  von  Borkum  S.  4.  — Nitsche,H. : 
Arbeiten  der  biologischen  Station  zu  Helgoland  S.  3;  Funde  von  Cancans -Larven 
und  Noctua-  Raupen  auf  dem  Schnee  im  Erzgebirge,  Dipteren -Familie  der  Pupipara 
S.  4;  Hörnerformen  der  Hufthiere,  Vorlagen  S.  17.  — Haspe,  F.:  Vorlagen  S.  17. 
— Schiller,  K.:  Berichte  der  ornithologischen  Beobachtungsstationen,  neue  Litteratur 
S.  3;  Vorkommen  des  Mauerläufers  in  Sachsen  S.  17.  — Schneider,  0.:  Entdeckungs- 
geschichte einer  Pelzmilbe  des  Bibers,  Thierwelt  Borkums  S.  3. 

II.  Section  für  Botanik  S.  4 und  17.  — Drude,  0.:  Historische  Entwickelung  der 
farbigen  Pflanzenabbildungen  S.  4;  System- Anordnung  zu  floristischen  Zwecken  S.  5; 

Kobelt’s  Studien  zur  Zoogeographie  S.  18;  neue  Litteratur  S.  19; und 

K.  Wobst:  Petition  zur  Erhaltung  des  mikroskopischen  Museums  S.  18.  — Hof- 
mann,  H.:  Sächsische  Mentha -Porrnen  S.  18;  Rubus -,  Hieracien-  und  Bosen-Arten, 
neue  Standorte  von  Asplenium  germanicum  und  Euphrasia  - Arten  S.  19.  — Nau- 
mann, F.:  Seltenere  Pflanzen  von  Gera  S.  19.  — Kitsche,  H. : Demonstration  einer 
blüthenbiologischen  Tafel  S.  17;  praktischer  Werth  der  Plankton-Forschung  S.  18.  — 
Haspe,  F.:  Convolvulus  Soldanella  L.  von  Norderney  S.  17.  — Schorler,  B.: 
Das  Süsswasser- Plankton,  Neu-Erwerbungen  der  Flora  Saxonica  S.  18;  Heise  durch 
den  Böhmer  Wald  S.  19.  — Vetters,  K.:  Präparirte  Blüthe  von  Passiflora  S.  17. 

III.  Section  für  Mineralogie  und  Geologie  S.  6 und  19.  — Bergt,  W. : Geologische 
Beschaffenheit  der  Lausitz  S.  6;  neue  Litteratur  S.  6 und  7.  — Engelhardt,  H.: 
Tertiärpflanzen  von  Sardinien,  neue  Litteratur  S.  21.  — Kalkowsky,  E.:  Gebirgs- 
bau  der  skandinavischen  Halbinsel,  zur  Erinnerung  an  C.  Fr.  Naumann ’s  hundert- 
jährigen Geburtstag  S.  6;  über  Hogenstein  und  Näpfstein  S.  7;  obligocäner  Sandstein- 
gang an  der  Lausitzer  Ueberschiebung  bei  Weinböhla,  geologische  Heliefkarte  Sachsens 
von  Dr.  0.  Barth,  neue  Litteratur,  Vorlagen  S.  20.  — Nessig,  H. : Das  tertiäre 
Thonlager  von  Löthhain  S.  6;  Diluvialsande  bei  Dresden  S.  19.  — Schiller,  K. : 
Neue  Litteratur  S.  7.  — Beschluss  betr.  Erwerbung  der  geologischen  Reliefkarte 
Sachsens  von  Dr.  0.  Barth  S.  21. 

IT.  Section  für  prähistorische  Forschungen  S.  7 und  21.  — Deichmüller,  J.: 
Massregeln  zum  Schutze  und  zur  Erhaltung  prähistorischer  Alterthümer  in  Sachsen, 
Vorlagen  S.  8;  paläolithische  Station  bei  Ehringsdorf  bei  Weimar,  neolithische  Funde 
von  Casabra,  Bronzedepotfund  von  Laubegast  S.  21 ; Thier  Zeichnungen  auf  einer  Urne 
von  Stetzsch,  Burgwallfunde  von  Zehren  S.  22.  — Döring,  H.:  Neolithische  Funde 
in  Löbtau  S.  8;  der  Burgwall  bei  Niederwartha  S.  22.  — Ebert,  0.:  Vorgeschicht- 
liche Funde  von  Kudenitz  bei  Saaz,  neue  Litteratur  S.  22.  — Jentsch,  A.:  Vor- 
slavische  Burgwarte  bei  Klotzsche  S.  7.  — Osborne,  W.:  Bericht  über  eine  Reise 
nach  Aegypten,  prähistorische  Funde  bei  Worms  S.  7;  gleichzeitiges  Vorkommen  des 
Menschen  und  des  Mammuth  in  Sibirien,  neue  Litteratur  S.  8.  — Put  sch  er,  W. : 
Vorlagen  S.  7. 

V.  Section  für  Physik  und  Chemie  S.  8 und  22.  — Fo  erster,  F.:  Demonstration 
eines  Apparates  zur  Sichtbarmachung  der  Complementärfarbe  einer  lichtstarken  Farbe 
S.  9 ; Herstellung  von  Calciumcarbid  im  Hochofen  S.  23 ; elektrochemische  Darstellung 
von  Jodoform  S.  23.  — Hall  wachs,  W. : Diflerentialspectrometer  mit  streifender 
Incidenz  S.  23;  Erzeugung  Hertz’scher  Wellen  und  Aussonderung  ultrarother  Wellen 


IV 


S.  24.  — Hempel,  W.:  Ueber  Acetylen  S.  22.  — Meyer,  E.  von:  Justus  von 
Liebig  in  seiner  Bedeutung  für  den  chemischen  Unterricht  S.  8;  über  colloidales 
Silber  S.  28.  — Schlossmann,  A.:  Chemie  des  Blutes  S.  9.  — Toepler,  M. : 
Structur  der  Atomgewichtsskala  S.  8.  — Walther,  R. : Natur  der  Flamme  S.  8. 

VI.  Section  für  Mathematik  S.  9 und  24.  — Gravelius,  H. : Dynamik  der  Körper- 
systeme S.  24.  — Helm,  G.:  Neuere  mechanische  Aufgaben  aus  der  Technik  S.  25. 

— Krause,  M.:  Einige  Punkte  aus  der  Theorie  der  elliptischen  Functionen  S.  9.  — 
Naetsch,  E.:  Geodätische  Linien  auf  Rotationsflächen  S.  10.  — Pockels,  F.:  Gegen- 
wärtige Kenntniss  von  der  Dichtigkeit  des  Erdkörpers  S.  9. 

VII.  Hauptversammlungen  S.  10  und  25.  — Veränderungen  im  Mitgliederbestände 
S.  12  und  28.  — Beamte  der  Isis  im  Jahre  1898  S.  80.  — Kassenabschluss  für  1896 
S.  11  und  14.  — Voranschlag  für  1897  S.  11.  — Freiwillige  Beiträge  zur  Kasse  S.  29. 

— Geschenk  an  die  Bibliothek  S.  28.  — Bericht  des  Bibliothekars  S.  32.  — 25jähriges 
Jubiläum  des  Kassirers  S.  27.  — Massregeln  zum  Schutze  und  zur  Erhaltung  der 
vorgeschichtlichen  Alterthümer  S.  10,  12  und  27.  — Petition  um  Erhaltung  des  mikro- 
skopischen Museums  S.  28.  — Lesemuseum  in  Dresden  S.  10.  — Verlegung  der  Osiris 
S.  28.  — Vorlagen  S.  11.  — Deichmüller,  J.:  Neue  Litteratur  S.  10.  — Drude,  0. : 
Floristischer  Charakter  des  Elb  Sandsteingebirges  und  der  Lausitz  im  Vergleich  zu 
dem  böhmischen  Mittelgebirge  S.  11 ; die  für  den  Schulunterricht  wichtigsten  Richtungen 
der  modernen  Botanik  S.  25.  — Fischer,  H. : Technische  Verfahren  zur  Trennung 
von  Körpergemengen  S.  11.  — Gravelius,  H.:  Wettertypen  und  Hochwasserprognosen 
S.  27.  — Helm,  G.:  Neue  Litteratur  S.  25.  — Kalkowsky,  E.:  Erosionserscheinungen 
im  Elbsandsteingebirge  S.  11;  Excursion  des  VII.  internationalen  Geologencongresses 
in  den  Ural  S.  27.  — Möhlau,  R.:  Grundlagen  und  Entwickelung  der  Färberei  S.  11. 

— Nits  che,  H.:  Stimmen  der  Thiere  S.  12.  — Salb  ach,  F. : Ueber  Grundwasser 
unter  besonderer  Berücksichtigung  der  Dresdner  Wasserwerke  S.  27.  — Schneider,  0.: 
Thierwelt  von  Borkum  S.  11.  — Töpler,  A. : Hertz’sche  Wellen  und  Telegraphie  ohne 
Drähte  S.  28.  — Töpler,  M.:  Geschichtete  Funkenentladungen  in  freier  Luft  S.  11. 

— Vater,  H.:  Ueber  Krystalliten  S.  10.  — Excursionen:  Ausflug  nach  den  Tyssaer 
Wänden  S.  11;  nach  Tharandt  S.  12. 

B.  Abhandlungen. 

Bergt,  W. : Zur  Geologie  von  San  Domingo.  S.  61. 

Deichmüller,  J. : Ueber  Massregeln  zur  Erhaltung  und  Erforschung  der  urgeschicht- 
lichen  Alterthümer  im  Königreich  Sachsen.  S.  49. 

Deichmüller,  J.:  Eine  vorgeschichtliche  Niederlassung  auf  dem  Pfaffenstein  in  der 
Sächsischen  Schweiz,  mit  Taf.  II.  S.  73. 

Engelhardt,  H.:  Sardinische  Tertiärpflanzen.  S.  56. 

Hofmann,  H. : Beiträge  zur  Flora  Saxonica.  S.  93. 

Kalkowsky,  E. : Ueber  einen  obligocänen  Sandsteingang  ander  Lausitzer  Ueber- 
schiebung  bei  Weinböhla  in  Sachsen,  mit  Taf.  III.  S.  80. 

Kuntze,  A. : Tethina  illota  Hai.  S.  19. 

Menzel,  P. : Beitrag  zur  Kenntniss  der  Tertiärflora  des  Jesuitengrabens  bei  Kundratitz, 
mit  Taf.  I.  S.  3. 

Petraczek,  W.:  Ueber  das  Alter  des  Ueberquaders  im  sächsischen  Elbthalgebirge.  S.  24. 
Schneider,  0.:  Ueber  eine  zuerst  in  Dresden  aufgefundene  neue  Pelz  milbe  des  Bibers.  S.  21. 
Schorler,  B.:  Bereicherungen  der  Flora  Saxonica  in  den  Jahren  1896  und  1897.  S.  65. 
Schorler,  B. : Ein  Beitrag  zur  Flora  des  Böhmerwaldes.  S.  71. 

Toepler,  M. : Ueber  elektrische  Gleitfunken  von  ausserordentlicher  Länge,  mit  3 Ab- 
bild. S.  41. 

Trouessart,  E.,  und  Schneider,  0.:  Nachträge  zu  der  Abhandlung  von  0.  Schneider: 

Ueber  eine  zuerst  in  Dresden  aufgefundene  neue  Pelzmilbe  des  Bibers.  S.  90. 


Die  Autoren  sind  allein  verantwortlich  für  den  Inhalt  ihrer 

Abhandlungen . 


Die  Autoren  erhalten  von  den  Abhandlungen  50,  von  den  Sitzungsberichten  auf 
besonderen  Wunsch  25  Sonder  - Abzüge  gratis,  eine  grössere  Anzahl  gegen  Erstattung 

der  Herstellungskosten. 


Sitzungsberichte 

der 


Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft 

ISIS 


in  Dresden. 


1897. 


I.  Section  für  Zoologie. 


Erste  Sitzung  am  21.  Januar  1897.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  H. 
Nit  sehe.  — Anwesend  27  Mitglieder. 

Privatus  K.  S chiller  legt  an  Litteratur  E.  Hackel:  Systematische 
Phylogenie,  II.  Theil.  Phylogenie  der  wirbellosen  Thiere,  Berlin  1896, 
vor  und 

giebt  ein  Referat  ans  den  umfangreichen  Berichten  der  ornitho- 
lo  gisch  en  Be  ob  achtungs  Stationen. 

Diese  Berichte  reichen  zunächst  bis  1894.  Vorstand  für  die  sächsischen  Stationen 
ist  Geh.  Hofrath  Dr.  A.  B.  Meyer  in  Dresden.  Die  Zahl  der  sächsischen  Stationen 
resp.  Beobachter  beträgt  augenblicklich  21,  die  Beobachter  sind  besonders  Forstleute  und 
Lehrer.  Es  wurden  für  Sachsen  bis  jetzt  Notizen  über  280  Vogel- Arten  gemacht, 
das  sind  zwei  Drittel  der  deutschen  Ornis.  Herr  K.  Schiller  führt  speciell  an  die 
Beobachtungen  über  Baubvögel,  Schwalben,  den  Kuckuck,  und  widmet  am  Schlüsse 
auch  dem  Anhänge  der  Berichte  (über  Säugethiere,  Fische,  Insecten  etc.)  seine  Auf- 
merksamkeit. 

Bemerkungen  zu  dem  Vortrage  macht  Prof.  Dr.  H.  Nitsche. 

Prof.  Dr.  0.  Schneider  giebt  die  merkwürdige  Entdeckungsgeschichte 
einer  auf  dem  Biber  lebenden  Milbe.  (Vergl.  Abhandlung  III.) 

Ihre  Synonyme  lauten:  Haptosoma  truncatum  Kramer,  Histiophorus  castoris 
Friedr. , Schizocarpus  Mingaudi  Trouessart.  Welcher  Bezeichnung  die  Priorität  zu- 
kommt, ist  noch  nicht  entschieden.  • 

Prof.  Dr.  H.  Nitsche  berichtet  über  die  Arbeiten  der  biologischen 
Station  zu  Helgoland  und  legt  die  bisher  erschienenen  Pub licationen  vor. 


Zweite  Sitzung  am  18.  März  1897  (in  Gemeinschaft  mit  der  Section 
für  Botanik).  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  H.  Nitsche.  — Anwesend  30  Mit- 
glieder. 

Prof.  Dr.  0.  Schneider  vervollständigt  seinen  in  der  Hauptversamm- 
lung am  25.  Februar  1897  gehaltenen  Vortrag  über  die  Thierwelt  Bor- 
kums durch  Anfügung  eines  speciellen  Theiles. 

Der  Vortragende  beobachtete  das  Vorkommen  folgender  Arten:  Säugethiere  14, 
Brutvögel  39,  Beptilien  1 ( Lacerta  vivipara  eingeschleppt),  Lurche  2,  Käfer  860  ( — 930), 
Schmetterlinge  269  ( — 302),  Hymenopteren  390  ( — 397),  Dipteren  463,  Geradflügler, 
Schnabelkerfe,  Tausendfüssler  8,  Spinnenthiere  180,  Krebse  57  (—61),  Würmer  17, 
Weichthiere  45  ( — 51),  Polypen  3. 

Er  macht  ferner  zahlreiche  Bemerkungen  über  deren  allgemeine  Verbreitung,  ihre 
Lebensweise  und  die  besten  Methoden  des  Sammelns.  Eine  grössere  Anzahl  vollständig 
neuer  Arten  wurde  aufgefunden. 


4 


An  Litteratur  circnlirt  v.  Droste  -Hülshoff:  Die  Yogelwelt  Borkums,  und  zahlreiche 
entomologische  Autsätze,  darunter  auch:  „Zwei  neue  deutsche  Käfer“,  vom  Vortragenden. 
An  Präparaten  legt  Letzterer  die  Reptilien  und  Lurche  in  Spiritus  vor  und  eine  Aus- 
lese von  Insecten,  besonders  Käfer,  endlich  eine  Anzahl  Süsswasser-Conchylien. 

Prof.  Dr.  0.  Drude  hält  einen  Vortrag  über  P.  Matschie’s  Karte 
der  geographischen  Verbreitung  der  Säugethiere,  und 

berichtet  über  neue,  nach  seiner  Ansicht  ungerechtfertigte  Umtaufungen 
auf  dem  Gebiete  der  naturwissenschaftlichen  Nomenclatur.  Er 
empfiehlt  dagegen  als  das,  was  die  Wissenschaft  am  Köthigsten  brauche, 
ein  „Maximum  der  Stabilität  und  ein  Minimum  des  Wechsels“. 

Prof.  H.  Engelhardt  empfiehlt  eine  Abhandlung  von  Dr.  P.  Menzel 
über  Tertiärpflanzen  von  Kundratitz  in  Böhmen  zur  Veröffentlichung 
in  den  Berichten  der  Isis.  (Vergl.  Abhandlung  I.) 

Prof.  Dr.  H.  Kitsche  berichtet,  dass  in  diesem  Frühjahr  im  Neu- 
dorfer  Staatsforstrevier  im  Erzgebirge  in  700  m Höhe  wieder  einmal 
Larven  von  Cantharis  und  Raupen  von  Noctua  ( Chareas)  graminis  in 
grosser  Menge  lebend  auf  dem  Schnee  gefunden  wurden. 


Dritte  Sitzung  am  6.  Mai  1897.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  H.  Kitsche. 
— Anwesend  23  Mitglieder. 

Prof.  Dr.  H.  Kitsche  hält  im  Anschluss  an  eine  Abhandlung  über 
Ascodipteron  phyllofhinae  nov.  gen.,  nov  sp.,  beschrieben  von  Dr.  Aden- 
samer,  Wien  1896,  d.  i.  einen  regressiv  metamorphosirten  stationären 
Parasiten  in  der  Flughaut  einer  javanischen  Fledermausart,  einen  Vortrag 
über  die  Dipteren-Familie  der  Pupipara. 

Ausgestellt  sind  eine  Anzahl  den  Vortrag  illustrirender  mikroskopischer  Präparate 
und  Sammlungsobjecte. 

Bankier  A.  Kuntze  legt  eine  von  ihm  neulich  am  Osterberge  ge- 
sammelte seltene  Diptere,  Rhamphomyia  platyptera  Mg.,  vor,  desgl. 
eine  von  ihm  1895  in  Borkum  gesammelte  Tanzmücke,  Tethina  illota 
Hai.  (Vergl.  Abhandlung  II.) 


II.  Section  für  Botanik. 


Erste  Sitzung  am  4.  Februar  1897.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  0.  Drude. 

Der  Vorsitzende  spricht  über  die  historische  Entwickelung 
der  farbigen  Pflanzenabbildungen  und  erläutert  an  zahlreichen,  aus 
der  Bibliothek  des  botanischen  Instituts  der  K.  Technischen  Hochschule 
vorgelegten  Beispielen  von  den  ältesten  Kräuterbüchern  an  deren  künst- 
lerische Darstellungsmethode  und  naturwissenschaftliche  Correctheit. 

Die  Wichtigkeit  originaler  Abbildungen  (mit  oder  ohne  Analysen)  in  ihrem  Beruf, 
zusammen  mit  dem  Herbarium  die  Grundlagen  der  mühsam  nach  Vollständigkeit 
ringenden  systematischen  Pflanzenbeschreibung  und  allgemein  verständlichen  Pflanzen- 
benennung als  Mittel  zum  Zweck  zu  bilden,  wird  einleitend  kurz  hervorgehoben. 


5 


Nach  Erläuterung  der  um  1500  — 1600  verfertigten  ältesten  Abbildungen  und  des 
Fortschrittes  in  der  frühen  Linnee’schen  Periode  (Hortus  Romanus !)  werden  die  grossen 
Kupfer  werke  aus  der  ersten  Hälfte  unseres  Jahrhunderts  besprochen:  Duhamel,  Traite 
des  arbres;  Martius,  Historia  naturalis  palmarum ; Wall  ich,  Plantae  asiaticae  rariores; 
Blume,  Rumphia  u.  a.  Als  vollendetste  colorirte  Tafeln  werden  die  Kupferdrucke  der 
von  G.  F.  W.  Meyer  unvollendet  gelassenen  „Flora  Hannoverana“  bezeichnet,  welche 
Hand -Aquarellen  am  nächsten  kommen. 

Die  Letzteren  werden  sodann  in  ausführlicher  Demonstration  im  Herbarium  - Saal 
vorgeführt,  und  zwar  sowohl  einige  Umbelliferen  aus  der  von  P.  de  Candolle  gegründeten 
systematischen  Aquarellsammlung  des  botanischen  Instituts  zu . Montpellier,  dem  Vor- 
tragenden durch  Prof.  Charles  Flahault  freundlich  geliehen,  als  einige  Bände  der  grossen, 
von  Friedrich  August  I.  und  II.  hinter! assenen  Pillnitzer  Hof-Sammlung,  einer  besonderen 
Zierde  des  hiesigen  botanischen  Instituts.  Dann  aber  führt  der  Vorsitzende  als  neuen  Besitz 
des  Instituts  die  etwa  100  Exemplare  zählende  Pflanzen- Aquarellsammlung  des  verstorbenen 
Fräulein  Susanne  von  Zahn  in  ausgewählten  Beispielen  vor;  diese  reizenden,  wundervoll 
naturgetreu  und  stimmungsvoll  den  natürlichen  Standorten  abgelauschten  Aquarelle 
sind  grösstentheils  in  den  Alpen  gemalt  und  erläutern  somit  unsere  Specialherbarien  der 
Alpenflora.  Nach  dem  Tode  der  genialen  Künstlerin,  welche  zeigte,  dass  auch  noch 
heute  liebevoller  Fleiss  Bilder  schaffen  kann,  welche  allen  von  der  Naturforschung  zu 
stellenden  Ansprüchen  an  Naturtreue  entsprechen,  sind  den  testamentarisch  ausgesprochenen 
Wünschen  zufolge  von  der  Familie  von  Zahn  der  botanischen  Bibliothek  geschenkt  und 
von  Herrn  Buchhändler  R.  von  Zahn  überliefert. 


Zweite  Sitzung  am  3.  Juni  1897  (im  K.  Botanischen  Garten).  Vor- 
sitzender: Prof.  Dr.  0.  Drude.  — Anwesend  23  Mitglieder. 

Prof.  Dr.  0.  Drude  spricht  über  die  System-Anordnung  zu 
flo ristischen  Zwecken.  (Vergl.  Isis  1886,  Abhandl.  X.) 

Für  die  Floristik  möchte  die  übliche  phylogenetische  Anordnung  des  Systems 
ersetzt  werden  durch  eine  mehr  dem  praktischen  Bedürfniss  angepasste.  Es  empfiehlt 
sich  durchaus,  bei  der  Anordnung  der  Speciesliste  mit  den  höchstentwickelten  Pflanzen 
zu  beginnen,  um  einen  bestimmten,  festen  Ausgangspunkt  zu  haben.  Bei  der  Ver- 
vollständigung der  Specieslisten  bis  zu  den  vielleicht  nur  allgemein  zu  erwähnenden 
Gruppen  der  niedersten  Organismen  braucht  man  dann  keine  Inconsequenzen  zu  begehen; 
sonst  zählt  man  Klassen  als  erste  (Schizophyten  u.  a.)  auf,  von  denen  man  gar  nichts 
Floristisches  nennt.  Das  De  Candolle’sche  System  wird  aber  besser  verlassen  und  die 
Anordnung  den  jetzt  geklärten  Ansichten  betreffs  der  Anschlüsse  zwischen  den  Familien 
angepasst.  Die  Stellung  der  Monocotylen  zwischen  den  Gymnospermen  und  Dicotylen 
ist  danach  unrichtig,  weil  sie  keinen  Anschluss  bieten,  aber  den  richtigen  Anschluss 
zerstören.  Man  stelle  deswegen  die  Monocotylen  an  die  Spitze,  jedenfalls  ganz  isolirt. 
Es  folgen  dann  die  Leguminosen,  Rosaceen,  Compositen  und  verwandten  Sympetalen, 
die  Choripetalen  (im  Anschluss  an  die  Ericaceen-Üleaceen)  mit  Euphorbiaceen,  Ranuncula- 
ceen  u.  s.  w.,  dann  die  Amentaceen  (Casuarinen,)  Coniferen,  Gefäss-Kryptogamen,  niedere 
Sporenpflanzen.  ^ 

Wenn  P.  de  Candolle  aus  zu  Anfang  des  Jahrhunderts  nicht  richtig  verstandenen 
Urtheilen  über  Blüthenmorphologie  die  Ranunculaceen  aus  lauter  freien,  unverwachsenen 
Organen  aller  vier  Kreise  als  die  höchst  organisirte  Familie  ansah  und  ihnen  die 
allmählich  zunehmende  Verwachsung  anreihte,  so  ist  das  für  uns  jetzt  kein  Grund  mehr, 
dasselbe  zu  thun.  Aber  mit  klarem  Blick  hatte  P.  de  Candolle  eine  besonders  wichtige 
Verbindungsreihe  zwischen  Familien  mit  freiblätteriger  und  verwachsener  Corolle  erkannt, 
nämlich  die  der  Calycifiorae  perigynae  und  epigynae , endend  mit  Umbelliferae, 
Araliaceae,  Cornaceae , mit  den  Sympetalae  epigynae , also  beginnend  mit  Caprif ’oliaceae, 
Rubiaceae,  Dipsaceae  u.  s.  w. 

Dies  ist  in  der  That  eine  der  wichtigsten  Verbindungsreihen  (entsprechend  etwa 
der  A rchegoniaten-Reihe  im  Gesammtsystem)  zwischen  morphologisch  sonst  getrennt 
gehaltenen  Systemgruppen,  und  dieselbe  wird  zerstört,  wenn  man  die  Dicotyledonen  mit 
der  Aufzählung  der  Compositae  beginnen  und  mit  den  Ericaceae  enden  lässt,  wie  das 
die  meisten  modernen  Darstellungen  des  entwickelungsgeschichtlichen  Systems  thun,  so 
auch  Engler-PrantFs  bedeutendes  und  im  Allgemeinen  als  systematische  Grundlage  wie 
kein  anderes  zu  empfehlendes  Werk.  — Anderseits  besteht  eine  nicht  ganz  so  klare, 
aber  doch  nicht  minder  wichtige  Verbindung  zwischen  den  Sympetalen  Ericaceae  und 


6 


Oleaceae  einerseits,  und  den  choripetalen  Euphorbiaceae  mit  anderen  Discifloren  und 
den  Sapindaceae,  Rhamnaceae  u.  s.  w.  anderseits,  welche  benutzt  werden  muss,  um  den 
Anschluss  der  Sympetalen  nach  der  anderen  Seite  hin  zu  bewirken.  Das  Weitere  ver- 
steht sich  dann  von  seihst  und  es  macht  sich  hei  solcher  Darstellung'  des  Systems  für 
Diejenigen,  welche  sich  an  das  in  Koch,  Garcke  und  unzähligen  deutschen  Floren 
gebräuchlich  gewesene  De  Candolle’sche  System  gewöhnt  haben,  nur  eine  Umstellung 
der  Hauptgruppen  nöthig,  die  man  leicht  merken  kann:  man  beginnt  wie  Endlicher  und 
Eichler  (im  Syllabus  1.  Aufl.)  mit  den  Leguminosen  und  geht  dann  im  Wesentlichen  wie 
das  De  Candolle’sche  System  bis  zum  Schluss  der  CorolMoren  ( Oleaceae , Aquifoliaceae ) 
weiter;  den  zuerst  fortgelassenen  Theil  des  De  Candolle’schen  Systems,  also  Ranun- 
culaceae  bis  Rhamnaceae,  Rutaceae , lässt  man  nun  in  verkehrter  Reihenfolge  (mit  den 
Rhamnaceae  beginnend)  folgen,  und  dann  die  Monochlamydeen  u.  s.  w.  bis  zu  den 
Coniferae  hin,  welche  die  Archegoniaten  im  weitesten  Sinne  eröffnen. 

Im  Einzelnen  besitzt  ja  Jeder  nach  den  Traditionen,  die  wir  schon  besitzen,  viel 
Bewegungsfreiheit , da  der  verschiedenen  System  dar  Stellungen  so  viele  sind,  dass  jeder 
Geschmack  schon  Muster  und  Vorlagen  finden  wird.  Man  vergleiche  nur  die  Anordnungen 
in  Garcke  mit  denen  von  Wünsche,  Buchenaus  Flora  von  Bremen,  Wigand’s  Flora  von 
Hessen,  Celakovsky’s  Prodromus  von  Böhmen,  Prantl’s  Excursionsflora  von  Bayern  und 
die  neueste  nach  Engler-Prantl  angeordnete  Excursionsflora  für  Deutsch- Oesterreich  und 
Istrien  von  Fritsch,  um  dies  bestätigt  zu  finden. 

Zum  Schluss  sei  wiederholt,  dass  ebenso,  wie  sich  für  das  floristische  System  der 
Beginn  mit  den  höchsten  Pflanzen,  den  Angiospermen,  und  das  Herahsteigen  zu  den 
Zellenpflanzen  empfiehlt,  es  für  einen  methodischen  Unterricht  und  ein  planvolles  System- 
werk aller  Klassen  und  Familien  sich  gehört,  entwickelungsgeschichtlich  anzuordnen 
und  demnach  von  unten  nach  oben  aufzusteigen.  Eine  Flora  ist  aber  kein  Lehrbuch 
für  Phylogenie  der  Pflanzen. 


III.  Section  für  Mineralogie  und  Geologie. 


Erste  Sitzung  am  11.  Februar  1897.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  E.  Kal- 
kowsky.  — Anwesend  30  Mitglieder. 

Dr.W.B  erg  t berichtet  überM.  Bauer:  Edelstein  künde,  Leipzig  1896, 
unter  Erwähnung  älterer,  über  denselben  Stoff  erschienener  Litteratur. 

Dr.  R.  Nessig  bespricht  das  tertiäre  Thonlager  von  Löthhain 
bei  Meissen.  Einige  Bemerkungen  dazu  werden  von  Prof.  H.  Engelhardt 
und  Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky  gemacht. 

Der  Vorsitzende  hält  einen  Vortrag  über  den  Gebirgsbau  der 
skandinavischen  Halbinsel. 


Zweite  Sitzung  am  1.  April  1897.  Vorsitzender:  Dr.  W.  Bergt.  — 
Anwesend  26  Mitglieder. 

Der  Vorsitzende  legt  vor  J.  E.  Hibsch:  Geologische  Karte  des 
böhmischen  Mittelgebirges,  Bl.  I und  III  nebst  Erläuterungen,  und 
hält  dann  einen  Vortrag  über  die  geologische  Beschaffenheit 
der  Lausitz. 


Dritte  Sitzung  am  17.  Juni  1897.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  E.  Kal- 
kowsky. — Anwesend  26  Mitglieder. 

Der  Vorsitzende  eröffnet  die  Sitzung  mit  Worten  der  Erinnerung 
an  Carl  Friedrich  Naumann,  dessen  hundertjährigen  Geburtstages 
am  30.  Mai  in  akademischen  Kreisen  gedacht  worden  ist. 


7 


Prof.  H.  Engelhardt  und  Prof.  Dr.  0.  Schneider  fügen  Bemerkungen 
nach  ihrem  persönlichen  Verkehr  mit  Naumann  hinzu. 

Die  Werke  Naumann’s  und  sein  Bildniss  sind  vorgelegt. 

Bibliothekar  K.  Schiller  macht  auf  eingegangene  geologische  Karten 
von  Java,  Russland  und  Mexiko  aufmerksam. 

Dr,  W.  Bergt  referirt  über  E.  Dathe:  Das  schlesisch-sudetische 
Erdbeben  am  11.  Juni  1895  (Abh.  d.  K.  Preuss.  geol.  Landesanstalt, 
n.  F.  Heft  22). 

Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky  hält  seinen  angekündigten  Vortrag  über 
Rogenstein  und  Napfstein. 


IY.  Section  für  prähistorische  Forschungen. 


Erste  Sitzung  am  14.  Januar  1897.  Vorsitzender:  Rentier  W.  Osborne. 
— Anwesend  11  Mitglieder. 

Der  Vorsitzende  berichtet  über  eine  von  ihm  im  vergangenen  Herbste 
unternommene  Reise  nach  Aegypten,  insbesondere  bespricht  er  die 
Frage,  ob  in  Aegypten  prähistorische  Gegenstände  Vorkommen. 

Die  alten  Aegypter  treten  schon  in  den  ältesten  Zeiten  als  ein  „geschichtliches“ 
Volk  auf,  welches  Baudenkmäler  und  Schriftzeichen  hinterlassen  hat.  Die  ältesten 
Denkmäler  reichen  bis  über  4000  Jahre  v.  Chr.  zurück,  und  in  der  Cheops  - Pyramide, 
die  3733  v.  Chr.  erbaut  ist,  kommen  schon  Eisenklammern  vor.  Nach  altägyptischen 
Inschriften  sind  die  Aegypter  kein  autochthones  Volk,  sondern  nach  Aegypten  einge- 
wandert; ob  aber  vor  ihnen  das  Land  schon  bewohnt  war  oder  oh  sie  in  unbewohnte 
Gegenden  einwanderten , lässt  sich  mit  Bestimmtheit  nicht  feststellen.  War  das  Land 
vor  Einwanderung  der  Aegypter  bewohnt,  so  könnte  man  erwarten,  prähistorische 
Gegenstände  als  Hinterlassenschaft  dieser  Urbewohner  zu  finden.  Bisher  ist  es  aber  nicht 
gelungen,  das  Vorhandensein  prähistorischer  Alterthümer  in  Aegypten  mit  voller 
Sicherheit  festzustellen.  Zwar  sind  dort  in  ziemlich  grosser  Anzahl  Feuersteine  ge- 
funden worden,  die  in  ihren  Formen  den  sogenannten  Messern  und  Schabern  der  paläo- 
lithischen  Zeit  ähnlich  sehen,  aber  gewiegte  Kenner  des  Landes,  wie  Brugsch-Bey  und 
Lepsius  behaupten,  dass  diese  Feuersteine  keine  künstlichen  Gebilde  seien,  sondern 
dass  die  in  der  Wüste  vorkommenden  Feuersteinknollen  infolge  des  Temperaturunter- 
schiedes von  Tag  und  Nacht  zersprungen  und  so  Feuersteinsplitter  entstanden  seien, 
die  paläolithischen  Geräthen  täuschend  ähnlich  sehen.  Die  Stein  Werkzeuge,  die  man 
in  Theben,  Luxor  und  an  anderen  Orten  findet  (zwei  Exemplare  davon  legt  der  Vor- 
tragende vor),  sind  nicht  prähistorisch,  sondern  stammen  aus  den  Gräbern  der  18.  Dynastie. 

Neuerdings  wird  berichtet,  dass  in  der  Nähe  von  Heluan  prähistorische  Feuerstein- 
artefacte  gefunden  worden  seien,  doch  bedarf  die  Richtigkeit  dieser  Behauptung  noch 
der  wissenschaftlichen  Bestätigung. 

Privatus  W.  Put  scher  legt  eine  Sammlung  ägyptischer  Alterthümer, 
Gemmen,  Scarabaen  etc.  vor. 

Lehrer  A.  Jentsch  bespricht  eine  vorslavische  Burgwarte  an  der 
Priessnitz,  oberhalb  des  Steinbruchs  gegenüber  der  Eisenbahnstation 
Klotzsche,  die  in  der  Feder’schen  Karte  als  „Burgstadl“  angegeben  ist. 

Der  Vorsitzende  berichtet  über  einen  bedeutenden  Fund  prä- 
historischer Gegenstände  in  der  Nähe  von  Worms  und  legt  die 
denselben  behandelnde  Schrift  von  C.  Koehl:  Neue  prähistorische  Funde 
aus  Worms,  vor. 


8 


Weiter  bespricht  er  den  in  den  Mittheil.  d.  Anthrop.  Ges.  in  Wien 
erschienenen  Aufsatz  über  das  gleichzeitige  Vorkommen  von  mensch- 
lichen Resten  mit  Mammuthknochen  bei  Tomsk  in  Sibirien  und 
knüpft  daran  Vermuthungen  über  die  Heimath  der  Urbewohner  Europas. 


Zweite  Sitzung  am  L.  März  1897.  Vorsitzender:  Rentier  0 sborne.  — 
Anwesend  18  Mitglieder. 

Dr.  J.  Deichmüller  erstattet  einen  Bericht  über  zu  ergreifende 
Massregeln  zum  Schutze  und  zur  Erhaltung  prähistorischer 
Alterthümer  in  Sachsen. 

Dem  Beschlüsse  der  Hauptversammlung  vom  25.  Februar  1897  entsprechend,  wählt 
die  Section  ein  Comite  (Dr.  J.  D e i c h m ü 1 1 e r , Rentier  W.  0 s b o r n e und  Lehrer  H.  D ö r i n g ), 
welches  die  Angelegenheit  berathen  und  der  Hauptversammlung  Bericht  erstatten  soll. 

Dr.  J.  Deichmüller  legt  ein  am  nördlichen  Russe  des  Valtenberges 
bei  Niederneukirch  gefundenes  Beil  aus  Diabas  vor. 

Lehrer  H.  Döring  bespricht  die  in  Löbtau  in  den  letzten  Jahren 
gemachten  Funde  aus  neolit bischer  Zeit,  unter  Vorlage  zahlreicher 
Gefässsch erben,  die  meist  das  sogenannte  Band-Ornament  tragen. 

Rentier  W.  0 sborne  legt  einen  Aufsatz  von  Herb.  A.  Newton: 
Worship  of  Meteorites  (Meteoriten -Cultus)  aus  dem  Amer.  Journ.  of 
Science,  Vol.  III,  Jan.  1897,  vor. 


Y.  Section  für  Physik  und  Chemie. 


Erste  Sitzung  am  7.  Januar  1897.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  W.  Hall- 

wachs. 

Prof.  Dr.  E.  von  Meyer  hält  einen  Vortrag  über  Justus  von  Liebig 
in  seiner  Bedeutung  für  den  chemischen  Unterricht. 

Dr.  M.  Toepler  spricht  über  die  Structur  der  Atomgewichts- 
skala. 

Der  Inhalt  dieses  Vortrags  ist  in  den  Abhandlungen  der  Isis  1896,  S.  28  u.  f.  ab- 
gedruckt. 


Zweite  Sitzung  am  18.  Februar  1897.  Vorsitzender:  Dr.  F.  Förster. 
Dr.  R.  Walther  spricht  über  die  Natur  der  Flamme. 

Der  Vortragende  erörtert  zunächst  an  der  Hand  von  Versuchen  die  Ursachen, 
unter  denen  Verbrennung  und  Flammenbildung  auftritt.  Die  Ursache  des  Leuchtens 
der  gewöhnlichen  Kohlenwasserstoffflamme  hat  man  einerseits  in  der  hohen  Erhitzung 
der  verbrennenden  Gase  selbst  vermuthet,  andererseits  aber  in  der  Abscheidung  glühenden 
Kohlenstoffs  in  den  verbrennenden  Gasen.  Letztere  Ansicht  ist  allgemeiner  angenommen 
worden,  giebt  aber  keine  Erklärung  dafür,  dass  die  Flammen  von  Wasserstoff  oder 
Kohlenoxyd  unter  hohem  Druck  intensiv  leuchtend  werden. 

Die  Leuchtkraft  der  gewöhnlichen  Leuchtgasflammen  kann  erhöht  werden  durch 
Benutzung  des  Systems  der  „gespannten  Flammen“  oder  durch  das  Regenerativsystem, 
das  namentlich  von  Siemens  für  die  Praxis  ausgebildet  worden  ist,  ferner  durch  Zufuhr 
kohlenstoffreicher  Materialien  oder  chemischer  Agentien  (Chloroform). 


9 


Die  Entfeuchtung  dagegen  kann  hervorgerufen  werden  durch  Abkühlung,  allzugrosse 
Ausströmungsgeschwindigkeit  oder  durch  Verdünnung  des  Gases  mit  anderen  Gasen. 
Alle  diese  Punkte  werden  durch  Versuche  erläutert. 

Dr.  F.  Förster  führt  einen  Apparat  vor,  welcher  durch  schnelles 
Fallenlassen  gefärbter  Flüssigkeitssäulen  zu  zeigen  gestattet,  dass  das 
Auge  an  der  Stelle,  wo  es  eben  den  Eindruck  einer  lichtstarken  Farbe 
erhalten  hat,  unmittelbar  nach  Aufhören  dieses  Eindrucks  an  der  gleichen 
Stelle  statt  Weiss  die  Complementärfarbe  der  eben  verschwundenen  sieht. 


Dritte  Sitzung  am  8.  April  1897.  Vorsitzender:  Dr.  F.  Förster. 

Dr.  A.  H.  Schlossmann  hält  einen  Vortrag  über  die  Chemie  des 
Blutes. 

An  der  Hand  von  Demonstrationen  werden  die  Bestandtheile  des  Blutes  besprochen 
und  im  Anschluss  hieran  die  Grundlagen  der  neueren  Serumstherapie  eingehend  erörtert. 

In  der  sich  anschliessenden  Discussion  macht  der  Vortragende  noch  interessante 
Mittheilungen  über  die  jüngsten  von  Koch  bekannt  gegebenen  Fortschritte  in  der  Her- 
stellung und  Anwendung  des  Tuberkulins,  welches  zur  Zeit  schon,  besonders  für  die 
Erkrankung  an  Tuberkulose,  werthvolle  Dienste  leistet. 


Yl.  Section  für  Mathematik. 


Erste  Sitzung  am  14.  Januar  1897.  Vorsitzender:  Prof.  B.  Patten- 
hausen. — Anwesend  8 Mitglieder. 

Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  M.  Krause  spricht  über  einige  Punkte  aus 
der  Theorie  der  elliptischen  Functionen. 

Vortragender  zeigt  zunächst,  wie  die  Grössen 

sn  («!  + + «r),  cn  («J  -F  ......  -P  «r),  dn  («1  -f  ......  -f  ar) 

durch  die  elliptischen  Functionen  sn  u,  cn  u,  dn  u ausgedrückt  werden  können,  wobei  u 
der  Beihe  nach  die  YYerthe  «1 , a9,  . . . . «r  annehmen  kann.  Diese  Formeln,  insbesondere 
die  Formeln  für  die  Sinusamplitude,  werden  für  die  Theorie  der  linearen  homogenen 
Differentialgleichungen  mit  doppeltperiodischen  Co  effizienten  verwandt,  deren  Integrale 
gebrochene  transzendente  Functionen  sind.  Die  Anwendung  besteht  darin,  dass  mit 
Hilfe  der  genannten  Formeln  der  Uebergang  von  der  Productform  der  Integrale  in  die 
Summenform  ermöglicht  wird,  soweit  es  sich  um  die  Bestimmung  des  Argumentes  der 
in  der  letzten  Form  vorkommenden  Thetafunction  handelt. 


Zweite  Sitzung  am  11.  März  1897.  Vorsitzender:  Prof.  B.  Patten- 
hausen. — Anwesend  23  Mitglieder  und  Gäste. 

Prof.  Dr.  F.  Pockels  hält  einen  Vortrag  über  unsere  gegenwärtige 
Kenntniss  von  der  Dichtigkeit  des  Erdkörpers. 

Die  Masse  und  somit  die  mittlere  Dichtigkeit  der  Erde  lassen  sich  aus  der  Schwer- 
kraft an  der  Erdoberfläche  erst  berechnen,  wenn  die  Constante  des  Newton’schen  Gravita- 
tionsgesetzes bekannt  ist,  und  zu  deren  Bestimmung  sind  absolute  Messungen  der  An- 
ziehung zweier  bekannter  Massen  erforderlich.  Ueber  die  zahlreichen  zu  diesem  Zwecke 
unternommenen  Untersuchungen  giebt  der  Vortragende  eine  zusammenfassende  Uebersicht 
unter  besonderer  Berücksichtigung  der  erst  neuerdings  abgeschlossenen,  überaus  sorg- 
fältigen Arbeiten  von  Boys  einerseits,  von  Bicharz  und  Krigar- Menzel  andererseits. 


10 


Der  Erstere  benutzte  die  Cavendish’sche  Drehwage,  konnte  aber  durch  die  Anwendung 
feiner  Quarzfäden  zur  Suspension  die  anziehenden  Massen  auf  einige  kg,  die  angezogenen 
auf  circa  1 g,  den  Hebelarm  auf  wenige  cm  reduciren  und  dennoch  Ablenkungen  von 
mehr  als  1°  erzielen,  Richarz  und  Krigar- Menzel  arbeiteten  im  Gegentheil  mit  sehr 
grossen  Massen;  sie  massen  mittelst  einer  feinen  Hebelwage  mit  doppelten  Gehängen 
die  Anziehung  eines  nahezu  cubischen  Bleiklotzes  von  circa  100000  kg,  der  zwischen 
den  oberen  und  unteren  Wagschalen  aufgebaut  wurde.  Aus  beiden  Untersuchungen 
ergab  sich  die  mittlere  Erddichte  wenig  grösser  als  5,5  mit  einem  wahrscheinlichen 
Fehler  von  etwa  2 pro  inille.  Da  die  Dichte  der  oberflächlichen  Erdschichten  nur  2,5 — 3 
beträgt,  so  muss  die  Dichte  gegen  den  Erdmittelpunkt  hin  beträchtlich  zunehmen.  Ueber 
das  Gesetz  dieser  Zunahme  bietet,  wie  der  Vortragende  zum  Schluss  ausführt,  das  aus 
der  Präcessionsbewegung  und  Abplattung  ableitbare  Trägheitsmoment  der  Erde'  den 
einzigen  Anhaltspunkt ; es  lässt  sich  hiernach  vermuthen,  dass  die  Dichte  im  Erdmittel- 
punkt etwa  11,5  sein  wird. 


Dritte  Sitzung  am  13.  Mai  1897.  Vorsitzender:  Prof.  B.  Patten- 
ha usen.  — Anwesend  12  Mitglieder  und  Gäste. 

Dr.  E.  Naetsch  spricht  über  geodätische  Linien  auf  Rotations- 
flächen. 

Nach  allgemeinen  analytischen  Bemerkungen  über  Curvenscharen  in  der  Ebene  und 
auf  krummen  Flächen  stellt  der  Vortragende  die  Differentialgleichung  der  geodätischen 
Linien  auf  Rotationsflächen  dar  und  bespricht  deren  Integration  nebst  Folgerungen  für 
einzelne  Fälle. 


VII.  Hauptversammlungen. 


Erste  Sitzung  am  28.  Januar  1897.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  G,  Helm. 
— Anwesend  35  Mitglieder. 

Das  vom  Ausschuss  für  Begründung  eines  Lesemuseums  in  Dresden 
an  die  Isis  gerichtete  Ersuchen,  die  für  die  Bibliothek  derselben  ein- 
gegangenen Zeitschriften  und  angekauften  Bücher  zuerst  für  einige  Zeit 
im  Lesemuseum  aufzulegen,  wird  abgelehnt,  dagegen  beschlossen,  dem 
Lesemuseum  alljährlich  ein  Verzeichniss  der  Bibliothekszugänge  zu  über- 
lassen. 

Dr.  J.  Deichmüller  legt  Köhler’s  nützliche  Vogelarten  und 
ihre  Eier,  Berlin  1895,  vor. 

Prof.  Dr.  H.  Vater  hält  einen  Vortrag  über  Krystalliten. 

Ueber  den  Inhalt  dieses  Vortrags  vergl.  Groth’s  Zeitschrift  für  Krystallographie, 
XXVII.  Bd.,  5.  Heft,  S.  477-512. 


Zweite  Sitzung  am  25.  Februar  1897.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  G.  Helm. 

— Anwesend  32  Mitglieder. 

Zur  Vorlage  kommt  eine  an  den  K.  Sächs.  Alterthumsverein  gerichtete 
und  von  demselben  der  Isis  überwiesene  Denkschrift  des  Oberlehrers 
Dr.  Pfau  in  Rochlitz,  in  welcher  der  Verfasser  auf  die  Nothwendigkeit 
hin  weist,  baldigst  ein  Verzeichniss  der  im  Lande  noch  vorhandenen  ur- 
gescliichtlichen  Alterthümer  aufzunehmen  und  dieselben  vor  der  Zerstörung 
und  Verschleppung  zu  schützen.  Die  Hauptversammlung  beschliesst,  diese 
Angelegenheit  der  Section  für  prähistorische  Forschungen  zur  Prüfung 
und  Berichterstattung  zu  übergeben. 


11 


Dr.  Fr.  Raspe  legt  den  Kassenabschluss  für  1896  vor  (s.  S.  14). 
Als  Rechnungsrevisoren  werden  Bankier  A.  Kuntze  und  Prof.  Dr.  K.  Rohn 
gewählt. 

Der  Voranschlag  für  1897  wird  einstimmig  genehmigt. 

Prof.  Dr.  0.  Schneider  hält  dann  den  ersten,  die  allgemeinen  Ver- 
hältnisse behandelnden  Theil  seines  angekündigten  Vortrags  über  die 
Thierwelt  von  Borkum. 

Ueber  den  speciellen  Theil  desselben  vergl.  Sitzung  der  Section  für  Zoologie  am 
18.  März  1897. 


Dritte  Sitzung  am  25.  März  1897.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  G.  Helm. 
— Anwesend  32  Mitglieder. 

Die  Rechnungsrevisoren  haben  den  Kassenabschluss  für  1896  geprüft 
und  für  richtig  befunden.  Dem  Kassirer  wird  Decharge  ertheilt. 

Prof.  Dr.  R.  Möhlau  spricht  unter  Vorführung  zahlreicher  Experimente 
über  die  Grundlagen  und  die  Entwickelung  der  Färberei. 

Dr.  M.  Toepler  macht  kurze  Mittheilungen  über  geschichtete 
Funkenentladungen  in  freier  Luft  und  bringt  photographische  Dar- 
stellungen derartiger  Entladungen  zur  Ansicht. 


Vierte  Sitzung  am  29.  April  1897.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  G.  Helm. 
— Anwesend  29  Mitglieder. 

Prof.  H.  R.  Fischer  spricht  über  technische  Verfahren  zur 
Trennung  von  Körpergemengen. 


Fünfte  Sitzung  am  20.  Mai  1897  (im  K.  Botanischen  Garten).  Vor- 
sitzender: Prof.  Dr.  G.  Helm.  — Anwesend  48  Mitglieder  und  Gäste. 

Ausgestellt  sind  verschiedene  blühende  Gewächse  aus  dem  K.  Botani- 
schen Garten. 

Als  Vorbereitung  zu  der  für  den  Himmelfahrtstag  geplanten  Excursion 
nach  den  Tyssaer  Wänden  spricht 

Prof.  Dr.  0.  Drude  über  den  floris tischen  Charakter  des  Elb- 
sandsteingebirges und  der  Lausitz  im  Vergleich  zu  dem  böhmi- 
schen Mittelgebirge,  und 

Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky  über  Erosionserscheinungen  im  Elb- 
sandsteingebirge. 


Excursion  am  27.  Mai  1897. 

Am  Himmelfahrtstage  machte  die  Gesellschaft  einen  in  der  voran- 
gehenden Sitzung  durch  Prof.  Dr.  0.  Drude  und  Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky 
vorbereiteten  Ausflug  von  Langhennersdorf  durch  das  Bahrathal  zum 
Zeisigstein,  von  da  nach  Tyssa  mit  seinen  durch  besondere  Erosions- 
erscheinungen bemerkenswerthen  Sandsteinwänden  und  dann  zurück 


12 


über  Hellendorf  nach  Berggiesshiibel.  Es  betheiligten  sich  24  Mitglieder 
und  Gäste.  Das  Wetter  war  für  den  weiten  Marsch  günstig.  Apotheker 
R.  Weber  aus  Königstein  hatte  freundlicher  Weise  von  Markersbach  an 
die  Wegführung  übernommen. 


Sechste  Sitzung  und  Excursion  am  24.  Juni  1897. 

Ein  zweiter  Ausflug  führte  39  Mitglieder  und  Gäste  der  Isis  nach 
Tharandt,  wo,  nach  kurzem  Aufenthalt  im  dortigen  Albertsalon,  in  der 
K.  Forstakademie. 

Prof.  Dr.  H.  Kitsche  einen  Vortrag  mit  Demonstrationen  über  die 
Stimmen  der  Thiere  hielt. 

Nach  einem  Spaziergang  durch  den  Forstgarten  unter  Führung  von 
Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  E.  Nobbe  versammelten  sich  die  Mitglieder  auf 
dem  Burgkeller  zu  einer  kurzen  Hauptversammlung. 

In  derselben  wird  beschlossen,  im  Einvernehmen  mit  dem  K.  Sächs. 
Alterthumsverein,  unter  Beifügung  einer  von  Dr.  J.  Deichmüller,  Rentier 
W.  Osborne  und  Lehrer  H.  Döring  ausgearbeiteten  Denkschrift,  die 
Staatsregierung  um  Massregeln  zur  Belehrung  über  die  Bedeutung  und 
den  Werth  der  urgeschichtlichen  Funde  und  zum  Schutze  der  im  Lande 
noch  vorhandenen  zu  ersuchen,  und  der  Vorstand  mit  der  Ausführung 
dieses  Beschlusses  beauftragt. 


Veränderungen  im  Mitgliederbestände. 

Gestorbene  Mitglieder: 

Am  21.  Januar  1897  verschied  in  Dresden  nach  langem  Leiden  der 
chilenische  Consul  Albert  Alexander  Engelmann,  Bergdirector  a.  D., 
wirkliches  Mitglied  der  Isis  seit  1870. 

Am  1.  Februar  1897  starb  in  Graz  im  71.  Lebensjahre  der  bekannte 
Phytopaläontologe  Dr.  Constantin  Freiherr  von  Ettingshausen,  Pro- 
fessor der  Botanik  an  der  dortigen  Universität,  Ehrenmitglied  unserer 
Gesellschaft  seit  1852. 

Am  20.  Februar  1897  starb  Robert  Ewald  Schur ig,  Oberlehrer 
am  Fletclier’schen  Seminar  in  Dresden,  wirkliches  Mitglied  seit  1877. 

In  Lugano  starb  am  14.  März  1897  im  80.  Lebensjahre  Dr.  Adolf 
Kenngott,  vormals  Professor  für  Mineralogie  an  der  Universität  und 
am  Polytechnikum  in  Zürich,  Ehrenmitglied  seit  1868. 

Am  25.  März  1897  verschied  in  Dresden  Privatus  Richard  Kramsta, 
ein  eifriges  und  treues  wirkliches  Mitglied  der  Isis  seit  1868. 

Am  30.  März  1897  verschied  Maler  Alexander  Flamant  in  Dresden, 
wirkliches  Mitglied  seit  1875.  Seit  1883  gehörte  der  Verewigte  dem  Ver- 
waltungsrathe  unserer  Gesellschaft  an. 

Am  20.  Juni  1897  starb  in  Kopenhagen,  84  Jahre  alt,  Staatsrath 
Dr.  med.  et  phil.  Johannes  Japetus  Steenstrup,  emer.  Professor  an 
der  Universität  Kopenhagen,  Ehrenmitglied  seit  1846. 


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Am  25.  Juni  1897  starb  in  Breslau  Geh.  Bergrath  Dr.  Wilhelm  Bunge, 
Oberbergrath  a.  D.,  correspondirendes  Mitglied  seit  1868. 

Am  28.  Juni  1897  verschied  im  74.  Lebensjahre  der  K.  Sachs.  Kammer- 
herr Arthur  Freiherr  von  Burgk,  Mitglied  der  ersten  Kammer  der 
Ständeversammlung,  Bergherr  und  Fideicommissbesitzer  der  seinen  Namen 
tragenden  bekannten  Steinkohlenwerke  des  Plauen’schen  Grundes  bei 
Dresden.  Unserer  Gesellschaft  gehörte  der  Verewigte  seit  1886  als  wirk- 
liches Mitglied  an. 

Neu  aufgenommene  wirkliche  Mitglieder: 

Böttcher,  Adolf,  Realschul-Oberlehrer  in  Dresden, 

Calberla,  Heinr.,  Privatus  in  Dresden, 

Gravelius,  Harry,  Dr.  phil.,  Privatdocent  an  der  K.  Techn. 

Hochschule  in  Dresden, 

Pohle,  Bich.,  Assistent  am  botanischen  Institut  der  K.  Te< 
in  Plauen  bei  Dresden,  am  20.  Mai  1897 ; 

Beichardt,  Alex.  Wilib.,  Dr.  phil.,  Gymnasial-Oberlehrer  in  Dresden,  am 
24.  Juni  1897; 

Stiefelhagen,  Hanns,  Lehrer  in  Dresden,  am  25.  März  1897; 
Stresemann,  Bich.  Theod.,  Dr.  phil.,  Apotheker  in  Dresden,  am 
28.  Januar  1897. 


am  25.  März 
1897; 

hn.  Hochschule, 


Kassenabschluss  der  ISIS  vom  Jahre  1896. 

Position.  Einnahmen.  Position.  Ausgaben. 


14 


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Dresden,  am  24.  Februar  1897.  H.  Warnatz,  z.  Z.  Kassirer  der  Isis. 


Abhandlungen 

der 

Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft 

ISIS 

in  Dresden. 


1897, 


I.  Beitrag  zur  Kenntniss  der  Tertiärflora  des 
Jesuitengrabens  bei  Kundratitz. 

Von  Dr.  Paul  Menzel  in  Hainitz. 

(Mit  Tafel  I.) 


Die  Brandschiefer  des  Jesuitengrabens  bei  Kundratitz  im  böhmischen 
Mittelgebirge,  deren  reiche  Einschlüsse  an  tertiären  Pflanzenresten  seit 
dem  Jahre  1878  ausgebeutet  worden  sind,  haben  in  Prof.  H.  Engelhardt 
ihren  berufenen  Floristen  gefunden,  dessen  Abhandlung  über  diese  Flora 
im  Bande  XLV1II  der  Nova  Acta  der  Kaiserl.  Leop.-Carol.  Deutschen 
Akademie  der  Naturforscher  uns  mit  mehr  als  300  Arten,  darunter  zahl- 
reichen neuen  Entdeckungen,  bekannt  gemacht  hat. 

Seit  der  Entdeckung  des  Fundortes  haben  wiederholte  Aufsammlungen 
daselbst  stattgefunden;  gegenwärtig  ist  leider  infolge  von  Verschüttung 
den  Schichten  nur  wenig  mehr  zu  entnehmen.  Verfasser  hat  bei  mehreren 
Excursionen  in  das  romantische  Thal  des  Jesuitengrabens  eine  nicht  ganz 
unbedeutende  Menge  von  Fossilien  aus  den  Brandschiefern  sammeln 
können,  und  es  ist  ihm  gelungen,  auch  der  Polierschieferschicht,  welche 
den  Brandschiefer  überlagert,  und  zwar  an  einer  Stelle,  die  mehrere 
hundert  Meter  unterhalb  des  klassischen  Ortes  am  „frischen  Brünnei“ 
gelegen  ist*),  eine  wenn  auch  geringe  Anzahl  von  Pflanzenfossilien  zu  ent- 
nehmen, die  sich  zum  Theil  durch  treffliche  Erhaltung  auszeichnen. 

Da  diesen  letzteren  bisher  eine  besondere  Aufmerksamkeit  nicht  ge- 
widmet worden  ist,  andererseits  aber  auch  aus  den  Brandschieferschichten 
eine  Anzahl  noch  nicht  von  da  bekannter  Pflanzenfossilien  gesammelt 
werden  konnte , dürfte  die  Mittheilung  derselben  als  ein  Beitrag  zur  Er- 
weiterung unserer  Kenntniss  der  aquitanischen  Flora,  die  der  Jesuiten- 
graben birgt,  nicht  ganz  überflüssig  sein. 

A.  Neue  Pflanzenreste  aus  dem  Brandschiefer. 

Cryptogamae. 

Familie  Hyphomycetes. 

PhyUerium  Friesii  A.  Br.  sp. 

Heer:  Flor.  tert.  Helv.  I,  p.  14,  tab.  II,  fig.  3. 

Erineum  Friesii  A.  Br.  Stizenb.  Verz.,  p.  74. 


*)  Vergl.  Beschreibung  der  Localität  in  Sitzungsber.  u.  Abhandl.  d.  naturwissensch. 
Gesellsch.  Isis  zu  Dresden,  1882,  Abh.  2,  p.  13. 


4 


Phyllerium  maculas  fuscas  planas  formans  (Heer). 

Auf  einem  Blatte  von  Acer  trilobatum  Stbg.  sp.  verstreut  mehrere 
flache,  unregelmässig  gestaltete  Flecken,  die,  etwas  dunkler  als  die  Blatt- 
fläclie,  von  einem  schwach  vertieften  Rande  umgeben  sind. 

Von  Heer  mit  Pli.  acerinum  Fries,  verglichen. 


Familie  Pyrenomyeetes, 

Sphaeria  effossa  Heer. 

Heer:  Flor.  tert.  Helv.  III,  p.  148,  tab.  CXL1I,  fig.  19,  20. 

Sphaeria  peritheciis  sparsis,  orbiculatis,  planis,  apice  ostiolo  rotundato 
pertusis  (Heer). 

Auf  einem  unbestimmbaren  Blattfetzen  eine  Anzahl  kleiner,  bis  3/2  mm 
Durchmesser  erreichender,  runder  dunkelgefärbter  Scheiben,  die  grössten- 
theils  in  der  Mitte  eine  kreisrunde,  im  Verhältniss  zum  Umfange  der 
Flecken  ziemlich  grosse  Oeffnung  tragen,  zum  Theil  keine  Andeutung  einer 
Mündung  besitzen.  Es  liegen  also  ältere  und  jüngere  Perithecien  eines 
Pyrenomyceten  vor,  welcher  mit  der  von  Heer  beschriebenen  Sph.  effossa 
übereinstimmt. 

Familie  Gasteromycetes. 

Sclerotium  Cinnamomi  Heer. 

Heer:  On  the  fossil  flora  of  Bovey  Tracey,  p.  1045,  pl.  LXVII,  fig.  19. 

— Miocäne  baltische  Flora,  p.  52,  tab.  XII,  fig.  21  — 25. 

Sclerotium  perithecio  orbiculato,  duro,  plano,  margine  elevato  (Heer). 

Auf  einem  Blatte  von  Cinnamomum  lanceolatum  Ung.  sp.  und  einem 
Fetzen  von  Cinnamomum  sp.  grössere  und  kleinere  fast  kreisrunde  Scheiben 
mit  scharfen  Rändern;  in  der  mittleren  Partie  theilweise  höckerig;  die  ge- 
fundenen Exemplare  entsprechen  den  Figuren  21  und  25  bei  Heer  1.  c. 


Familie  Polypodiaceae. 

Goniopteris  stiriaca  Ung.  sp. 

Polypodites  stiriacus  Unger,  Chlor,  prot.,  p.  121,  tab.  XXXVI,  fig.  1 — 5. 

Lit.  vergl.  Staub:  Die  aquitanische  Flora  des  Zsilthales  (Mitth.  a.  d.  Jahrb. 
d.  königl.  ung.  geol.  Anst.,  Bd.  VII,  Heft  6,  p.  232). 

Goniopteris  fronde  pinnata,  pinnis  linearibus,  praelongis,  inferioribus 
grosse  crenatis  serratisve,  superioribus  argute  serratis  vel  serrulatis; 
nervatione  Goniopteridis  Aspidii,  nervo  primario  valido  prominente,  recto, 
nervis  secundariis  sub  angulis  50—65°  orientibus,  tenuibus,  subrectis  vel 
paullo  arcuatis,  nervis  tertiariis  in  pinnis  inferioribus  plerumque  6 — 7,  in 
pinnis  superioribus  plerumque  4-5,  curvatis,  subparallelis,  angulo  acuto 
egredientibus.  Soris  rotundatis,  biseriatis  (Ett.  et  Gardner). 

Es  fanden  sich  ein  breiteres  Fieder  Stückchen,  welches  Lastraea 
(Goniopteris)  stiriaca  Heer,  Fl.  tert.  Helv.  I,  tab.  VIII,  fig.  4,  und  ein 
schmäleres,  das  Lastraea  (Goniopteris)  helvetica  Heer,  1.  c.,  tab.  VT,  fig.  2 
entspricht. 

Die  Zusammengehörigkeit  von  G.  stiriaca  Ung.  sp.  und  G.  helvetica 
Heer  ist  durch  Gardner  und  Ettingshausen  wahrscheinlich  gemacht 
(G.  and  E.,  A monograph  of  the  British  eocene  flora,  Vol.  I,  p.  39).  Die 


5 


als  G.  Helvetica  Heer  beschriebenen  Fiedereben  entstammen  jedenfalls 
den  oberen  Wedeltheilen  von  G.  stiriaca  Ung.  sp. 

Als  entsprechende  lebende  Form  wird  G.  prolif er a Mett,  im  tropischen 
Amerika  angesehen. 

Phanerogamae. 

Familie  Abietineae  Rieh. 

Pinus  Laricio  Poir.  Taf.  I,  Fig.  1. 

Heer:  Miocäne  baltische  Flora,  p.  22,  tab.  I,  fig.  1—18. 

Ettingshausen:  Beitr.  z.  Phyllogenie  der  Pflanzenarten  (Denkschr.  d.  kais. 
Akad.  d.  Wissensch.,  math.-naturwissensch.  Klasse,  XXXVIII.  Bd.,  1.  Abth), 
p.  73,  75,  76,  tab.  VI,  fig.  1,  2,  4;  tab.  VII,  fig.  1,  3—11;  tab.  VIII,  fig.  4a, 
5 a,  6 ; tab.  IX,  fig.  11,  12;  tab.  X,  fig.  2 a,  3 — 5. 

Ettingshausen:  Foss.  Flora  von  Leoben  I,  p.  16,  tab.  II,  fig.  6,  7. 

Pinus  seminum  ala  nucleo  bis  triplove  longiore,  apice  attenuata  (Heer). 

Ein  Same  mit  ovalem  Samenkern,  dessen  Flügel  am  Innenrande  fast 
geradlinig,  am  Aussenrande  stark  convex  verläuft  und  eine  stumpfe,  wenig 
verschmälerte  Spitze  besitzt;  stellt  sich  dem  von  Ettingshausen  in  Beitr. 
z.  Phyllogenie,  tab.  VII,  fig.  8 abgebildeten  Samen  von  Schönegg  zur  Seite. 

Familie  Gramineae  Juss. 

Phragmites  oeningensis  A.  Br. 

Al.  Braun:  Stizenb.  Verz.,  p.  75. 

Lit.  vergl.  Pilar:  Flora  fossilis  Susedana,  p.  11. 

Phragmites  rhizomate  ramoso,  internodiis  plerumque  elongatis,  tubu- 
losis;  culmis  elongatis;  foliis  latis,  multinerviis  nec  medio  costatis  (Schimper). 

Es  liegen  mehrere  Blattbruchstücke  vor. 

Familie  Cyperaeeae  R.  Br. 

Car  ex  antiqua  Heer. 

Heer:  Miocäne  baltische  Flora,  p.  28,  tab.  III,  fig.  18—20. 

Carex  fructibus  in  spicam  densam  congestis,  breviter  ovalibus,  2 mm 
longis  (Heer). 

Ein  einzelnes  Früchtchen,  das  den  von  Heer  aus  der  Flora  des  Sam- 
landes  dargestellten  Früchten  von  C.  antiqua  entspricht. 

Familie  Typhaceae  DO. 

Sparganium  valdense  Heer. 

Heer:  Flor.  tert.  Helv.  I,  p.  100,  tab.  XLV,  fig.  7—9;  tab.  XLVI,  fig.  6—7. 

Vergl.  Engelhardt:  Tertiärflora  des  Jesuitengrabens,  p.  17,  Taf.  2,  Fig.  2. 

Es  haben  sich  noch  zwei  Blüthenköpfchen  gefunden,  die  den  von 
Heer,  1.  c.,  tab.  XLVI,  fig.  6d,  und  Engelhardt,  1.  c.,  Taf.  2,  Fig.  2 ab- 
gebildeten gleichen. 

Familie  Hajadeae  Ricli. 

Potamogeton  Schro tzburgensis  Heer. 

Heer:  Flor.  tert.  Helv.  III,  p.  170,  tab.  CXLVII,  fig.  34. 

Potamogeton  foliis  petiolatis,  oblongis,  apice  obtusis;  nervis  acrodromis 
primariis  11 — 12,'  interstitialibus  2 — 3,  nervis  transversis  nullis  (Heer). 


6 


Die  untere  Hälfte  eines  gestielten  länglichen  Blattes  mit  11  Parallel- 
nerven, welches  in  Gestalt  und  Grösse  dem  Potamogeton  scwmewsis.Ettingsh. 
(Foss.  Flora  von  Sagor  I,  p.  16,  tab.  III,  fig.  20,  21)  nahesteht,  aber  in 
der  Zahl  und  Beschaffenheit  der  Nerven  mit  dem  von  Heer  als  Potamo- 
geton Schrotzburgensis  beschriebenen  Fragment  fast  übereinstimmt. 

Najadopsis  dichotoma  Heer. 

Heer:  Flor.  tert.  Helv.  I,  p.  104,  tab.  XL VIII,  fig.  1 — 6. 

Yergl.  Engelhardt:  Tertiärflora  des  Jesuitengrabens,  p.  17,  Taf.  1,  Fig.  33. 

Von  dieser  Art  fanden  sich  zahlreiche  Reste,  Stengelstücke  mit  Blättern 
und  vereinzelten  Fruchtständen.  Die  von  Heer  beschriebene  Mittelfurche 
an  den  Stengeln  ist  vielfach  deutlich  erkennbar. 

Familie  Cupuliferae  Endl. 

Quercus  üicoides  Heer. 

Heer:  Regel’s  Gartenflora,  Taf.  66,  Fig.  10. 

— Flor.  tert.  Helv.  II,  p.  55,  tab.  LXXVII,  fig.  16;  III,  p.  180,  tab.  CLI, 
fig.  25. 

Quercus  foliis  coriaceis,  ellipticis,  apice  cuspidatis,  lateribus  utrinque 
trilobatis,  lobis  acutis  spinulosis  (Heer). 

Ein  theilweise  erhaltenes  Blatt,  welches  der  fig.  16,  tab.  LXXVII  bei 
Heer  1.  c.  in  der  Form  völlig  entspricht,  nur  kleiner  ist. 

Analoge  lebende  Form:  Qu.  ilicifolia  Willd.  Nordamerika  (vergl. 
Ettingshausen:  Heber  die  Nervation  der  Blätter  bei  der  Gattung  Quercus. 
Denkschr.  d.  mathem.-naturwissensch.  Klasse  d.  kaiserl.  Akad.  d.  Wissensch., 
Bd.  LXIII). 

Quercus  tephrodes  Ung.  Taf.  I,  Fig,  2. 

Unger:  Iconogr.  pl.  foss.,  p.  37,  tab.  XVIII,  fig.  13. 

Heer:  Flor.  tert.  Helv.  II,  p.  54,  tab.  LXXVI,  fig.  11. 

Ludwig:  Palaeontogr.  VIII,  p.  102,  tab.  XXXIV,  fig.  9,  10. 

Ettingshausen:  Foss.  Flora  d.  alt.  Braunkoblenform.  d.  Wetterau  (Sitzb. 
d.  kaiserl.  Akad.  d.  Wissensch.,  Bd.  LVII,  1.  Abth.),  p.  32. 

— Foss.  Flora  v.  Sagor  III,  p.  10,  tab.  XXVIII,  fig.  17. 

— Foss.  Flora  v.  Leoben  I,  p.  29. 

— Beitr.  z.  Kenntniss  d.  Tertiärflora  d.  Insel  Java  (Sitzb.  d.  kaiserl.  Akad. 
d.  Wissensch.,  Bd.  LXXXVII,  Abth.  1,  p.  4,  tab.  I,  fig.  1.  2;  tab.  II,  fig.  1. 

S y n o n.  (nach  Ettingshausen) : 

Qu.  subsinuata  Goeppert,  Tertiärflora  der  Insel  Java,  p.  42,  tab.  VIII, 
fig.  55. 

Qu.  Ellisiana  Lesquereux,  Contrib.  to  the  foss.  flora  of  the  Western  Terri- 
tories,  P.  II:  The  tert.  flora,  p.  155,  tab.  XX,  fig.  4,  5,  7,  8. 

Quercus  foliis  glabris  coriaceis,  breviter  petiolatis,  obovato-cuneatis 
vel  oblongo -o vatis,  sparsim  sinuato  dentatis,  basi  integerrimis , margine 
saepe  revolutis;  nervatione  mixta,  nervis  secundariis  superioribus  cras- 
pedodromis,  reliquis  camptodromis,  nervis  tertiariis  sub  angulo  recto 
exeuntibus,  inter  se  conjunctis  (Ett.). 

Ein  bis  auf  den  Blattstiel  wohlerhaltenes  Blatt,  das  in  der  Gestalt 
der  Fig.  17,  tab.  XXVIII  der  Flora  von  Sagor,  bezüglich  der  Rand- 
beschaffenheit mehr  der  Unger’schen  Figur  in  der  Iconographie  entspricht. 
Deutlich  ist  die  derbe  Consistenz  des' Blattes  zu  erkennen;  auch  die  Um- 
rollung des  Blattrandes  ist  angedeutet. 

Die  untersten  Secundärnerven  entspringen  unter  etwas  spitzerem  Winkel 
als.  bei  den  angeführten  Abbildungen;  doch  variiren  die  Ursprungswinkel 


7 


ebenso  bei  der  von  Ettingshausen  als  nächstverwandte  lebende  Art  be- 
zeichn eten  Quercus  aquatica  Walt,  (vergl.  Sitzb.  d.  kaiserl.  Akad.  d.  Wissensch., 
Bd.  LXXXVII,  1.  Abth.,  tab.  I — IV),  wie  überhaupt  diese  Verhältnisse 
innerhalb  derselben  Quercus  -Arten  mannigfachen  Veränderlichkeiten  unter- 
worfen sind  (vergl.  Ettingshausen:  Untersuchungen  über  Ontogenie  und 
Phyllogenie  der  Pflanzen.  Denkschr.  d.  kaiserl.  Akad.  d.  Wissensch.,  math.- 
naturwissensch.  Kl.,  Bd.  LVII,  und  Ettingshausen:  Ueber  die  Nervation 
der  Blätter  bei  der  Gattung  Quercus.  Denkschr.  der  kaiserl.  Akad.  der 
Wissensch.,  math.-naturwissensch.  KL,  Bd.  LXIII). 

Ettingshausen  hält  für  wahrscheinlich,  dass  Quercus  tephrodes  dem 
Formenkreise  seiner  Qu.  Palaeo-Ilex  angehört  (vergl.  Foss.  Flora  von 
Leoben  1,  p.  29). 

Quercus  Pseudo- Laurus  Ett. 

Ettingshausen:  Foss.  Flora  von  Bilin  I,  p.  60,  tab.  XVII,  fig.  13—15. 

Wie  im  Polierschiefer  des  Jesuitengrabens  (vergl.  hinten  S.  13)  fand 
sich  auch  im  Brandschiefer  ein  Blatt  dieser  Eichenart. 

Carpinus  grandis  Ung. 

Unger:  Syn.  plant,  foss.,  p.  220. 

Lit.  vergl.  Staub:  Aquitan.  Flora  des  Zsilthales,  p.  267. 

Engelhardt:  Fossile  Pflanzenreste  aus  dem  Teplirittuff  von  Birkigt  (Lotos 
1896,  Nr.  2,  p.  5). 

— Zur  Kenntniss  der  Tertiärpflanzen  von  Sulloditz  (Lotos  1896,  Nr.  4,  p.  8). 

Ausser  zahlreichen  Blättern,  deren  schon  Engelhardt  in  Tertiärflora 
des  Jesuitengrabens,  p.  24,  Taf.  3,  Fig.  30,  31;  Taf.  4,  Fig.  2,  5,  6,  23,  24 
Beschreibung  und  Abbildungen  geliefert  hat,  fand  sich  eine  jugendliche 
Fruchthülle  mit  dem  Früchtchen,  welche  am  meisten  mit  den  von  Goeppert, 
Tertiäre  Flora  von  Schossnitz,  tab.  V,  fig.  3 dargestellten  übereinstimmt. 

Familie  Moreae  Endl. 

Ficus  arcinervis  Rossm.  sp. 

Heer:  Flor.  tert.  Helv.  II,  p.  64,  tab.  LXX.  fig.  24b;  tab.  LXXXII,  fig.  4. 

— Beitr.  z.  Kenntniss  d.  sächs.  - thüring.  Braunkohlenflora,  p.  6,  tab.  VI, 
fig.  4,  121- 

Ettingshausen:  Foss.  Flora  von  Bilin  I,  p.  70,  tab.  XXI,  fig.  6. 

— Foss.  Flora  von  Sagor  I,  p.  29,  tab.  VI,  fig.  5—7. 

Engelhardt:  Tertiärflora  von  Göhren,  p.  22,  tab.  III,  fig.  11. 

— Braunkohlenpflanzen  von  Meuselwitz,  p.  18,  tab.  I,  fig.  15. 

— Foss.  Pflanzen  aus  tert.  Tuffen  Nordböhmens  (Ges.  Isis,  Dresden  1891, 
Abh.  3,  p.  24). 

— Foss.  Pflanzenreste  aus  dem  Teplirittuff  von  Birkigt  (Lotos  1896,  Nr.  2,  p.  7). 

Velenovsky:  Flora  d.  tert.  Letten  von  Vrsovic  bei  Laun,  p.  28,  tab.  IV, 
fig.  18-20. 

Synon. : Phyllites  arcinervis  Rossmässler,  Versteinerungen  von  Altsattel,  p.  29, 
tab.  III,  fig.  15. 

Apocynophyllum  acuminatum  Weber,  Palaeontogr.  II,  p.  189,  tab.  XXI, 
fig.  2. 

Ficus  Lobkoivitzii  Ettingshausen,  Foss.  Flora  von  Bilin  I,  p.  71, 
tab.  XX,  fig.  1. 

Ficus  Lobkoivitzii  Ettingshausen,  Foss.  Flora  von  Leoben  I,  p.  37. 
— Sieber,  Zur  Kenntniss  der  nordböhm.  Braunkohlenflora  (Sitzb. 
d.  kaiserl.  Akad.  d.  Wissensch.,  Bd.  LXXXII,  p.  77). 

Ficus  foliis  elliptieis,  lanceolatis,  basi  apiceque  acuminatis;  nervis 
secundariis  plerumque  oppositis,  distantibus,  arcubus  a margine  remotis 
(Ett.). 


8 


Ein  Blattrest,  der  mit  tab.  YI,  fig.  6 der  Foss.  Flora  von  Sagor  zu 
vergleichen  ist. 

Mit  der  vorliegenden  Art  vereinigt  Velenovsky  (1.  c.),  wie  mir  scheint 
mit  vollem  Rechte,  Ficus  Lobkowitzii  Ett.  Im  Brandschiefer  des  Jesuiten- 
grabens fand  sich  ein  Blatt,  das  in  allen  Eigenschaften  mit  den  Dar- 
stellungen von  Ficus  Lobkowitzii  Ett.,  fig.  la  und  lh  auf  tab.  XX  der 
Fossilen  Flora  von  Bilin  übereinstimmt. 

Familie  Daphnoideae  Yent. 

Daphne  protogaea  Ett. 

Ettingshausen:  Foss.  Flora  von  Bilin  II,  p.  13,  tab.  XXXIV,  fig.  1—3,  10. 

— Foss.  Flora  von  Leoben  I,  p.  52,  tab.  IV,  fig.  3 — 5. 

Sieber:  Zur  Kenntnis s der  nordböhmischen  Braunkohlenflora  (Sitzb.  d.  kaiserl. 

Akad.  d.  Wissensch.,  Bd.  LXXXII,  1880,  p.  80). 

Daphne  foliis  petiolatis,  submembranaceis,  cuneato-lanceolatis,  integer- 
rimis  basi  angustatis,  apice  acutis  vel  breviter  cuspidatis;  nervatione  campto- 
droma,  nervo  primario  apicem  versus  valde  attenuato  vel  evanescente, 
nervis  secundariis  sub  angulo  peracuto  orientibus,  tenuissimis  simplicibus, 
nervis  tertiariis  obsoletis  (Ett.). 

Ein  Blattrest,  der  mit  Ettingshausen’s  Abbildungen  wohl  überein- 
stimmt. 

Familie  Ebenaceae  Vent. 

Diospyros  brachysepala  A.  Br. 

S.  Engelhardt:  Tertiärflora  des  Jesuitengrabens,  p.  43. 

Ausser  Blättern  zweier  Diospyros  - Arten  und  einem  Kelche  von  D. 
palaeogaea  Ett.  (vergl.  Engelhardt,  1.  c.)  fand  sich  der  wohlerhaltene  Ab- 
druck einer  Beere,  welche  mit  der  Beere  von  D.  Lotus  L.  grosse  Ueber- 
einstimmung  aufweist  und,  soweit  ihre  Zuweisung  zu  Diospyros  ohne  den 
umgebenden  Kelch  überhaupt  zulässig  ist,  wohl  zu  D.  brachysepala  gestellt 
werden  kann. 

Familie  Ericaeeae  DC. 

Andromeda  protogaea  Ung. 

S.  Engelhardt:  Tertiärflora  des  Jesuitengrabens,  p.  44. 

Neben  nicht  seltenen  vom  Jesuitengraben  bereits  bekannten  Blättern 
fand  sich  ein  kleines  Früchtchen,  welches  mit  den  von  Heer:  Miocäne 
baltische  Flora,  p.  82,  tab.  XXV,  fig.  4 beschriebenen  und  abgebildeten 
und  zu  Andromeda  protogaea  gestellten  Früchtchen  übereinstimmt. 

Familie  Loranthaeeae  Lindl. 

Loranthus  Circes  Ett.  Taf.  I,  Fig.  3. 

Ettingshausen:  Foss.  Flora  von  Leoben  II,  p.  18,  tab.  VI,  fig.  25,  26. 

Loranthus  foliis  coriaceis,  minimis,  lanceolatis,  integerrimis,  apice 
acuminatis ; nervatione  craspedodroma,  nervo  primario  recto  excurrente, 
nervis  secundariis  utrinque  3,  sub  angulis  acutis  orientibus,  simplicibus 
curvatis,  tertiariis  et  rete  vix  conspicuis  (Ett.). 

Ein  Blättchen,  das  mit  den  von  Ettingshausen  von  Leoben  dargestellten 
überein  stimmt. 

Nächstkommende  lebende  Form:  L.  Poeppigii  DC.,  Chile. 


9 


Familie  Saxifrageae  DO. 

Weinmannia  glabroides  Eglh. 

Engelhardt:  Tertiärpflanzen  a.  d.  Leitmeritzer  Mittelgebirge,  p.  46,  tab.  YI, 
fig.  20—22. 

Sy  non. : Weinmannia  microphylla  Ettingshausen,  Tertiärflora  von  Häring, 
p.  66,  tab.  XXIII,  fig.  8—29. 

Weinmannia  foliis  impari  pinnatis,  rhachidibus  alatis;  foliolis  coriaceis 
remote  dentatis,  brevissime  petiolatis,  terminalibus  ovato-lanceolatis  vel 
ovato-oblongis,  basi  et  apice  acutis,  lateralibus  rotundis  vel  obovatis  vel 
ellipticis;  5 — 20  mm  longis,  3— 6 mm  latis,  nervis  secundariis  paucis,  ten- 
uissimis,  e nervo  primario  debili  sub  angulo  recto  orientibus  (Ett.). 

Ein  Blättchen,  das  am  meisten  der  Fig.  27  bei  Ettingshausen  1.  c. 
nahekommt. 

Lebendes  Analogon:  Weinmannia  glabra  DC.,  Westindien. 

Cunonia  formosa  Friedr.  Taf.  I,  Fig.  4. 

Friedrich:  Beiträge  zur  Kenntniss  der  Tertiärflora  der  Provinz  Sachsen 
(Abh.  z.  geol.  Specialkarte  von  Preussen,  Bd.  IV,  Heft  3,  p.  226,  tab.  VII, 
fig.  6—9;  tab.  XXIX,  fig.  8—9). 

Cunonia  foliis  subcoriaceis,  impariter  pinnatis;  foliolis  petiolatis, 
oblongo-lanceolatis,  utrinque  attenuatis,  basi  inaequilateris  vel  aequilateris, 
obtuse  serratis;  nervo  primario  valido;  nervis  secundariis  numerosis,  cur- 
vatis,  subparallelis,  camptodromis ; nervis  tertiariis  angulis  acutis  exorienti- 
bus,  rete  nervis  secundariis  parallelum  formantibus  (Friedr.). 

Ein  wohlerhaltenes  unsymmetrisches  seitliches  Fiederblättchen,  das 
sich  den  von  Friedrich  gegebenen  Abbildungen  anschliesst,  insbesondere 
mit  tab.  VII,  fig.  9 übereinstimmt. 

Als  lebende  analoge  Form  ist  Cunonia  capensis  L.  zu  betrachten. 

Familie  Acerineae  DO. 

Acer  trilobatum  Stbg.  sp.  Taf.  I,  Fig.  6. 

S.  Engelhardt:  Tertiärflora  des  Jesuitengrabens,  p.  52. 

Neben  zahlreichen  Blättern  und  ausgewachsenen  Flügelfrüchten  fand 
sich  ein  Fruchtstiel  mit  zwei  jugendlichen  Theilfrtichten , bei  deren  einer 
der  Flügel  wohlerhalten  ist.  Das  Fossil  ist  den  von  Heer  in  Flor.  tert. 
Helv.  III,  tab.  CXI,  fig.  18  abgebildeten  Ahornfrüchtchen  von  Oeningen  zu 
vergleichen  und  nähert  sich  in  der  Gestalt  und  der  Richtung  der  Flügel 
noch  mehr  als  diese  den  jugendlichen  Früchtchen  von  Acer  rubrum  L. 

Acer  Bruckmanni  A.  Br.  Taf.  I,  Fig.  5. 

Al.  Braun:  Stizenb.  Verz.,  p.  85. 

Heer:  Flor.  tert.  Helv.  III,  p.  54,  198,  tab.  CXVI,  fig.  6—10;  tab.  CLV,  fig.  11. 

Ettingshausen:  Foss.  Flora  von  Bilin  III,  p.  20,  tab.  XLIV,  fig.  6. 

— Foss.  Flora  der  älteren  Braunkohlenformation  der  Wetterau,  p.  68, 
tab.  IV,  fig.  3. 

Velenovsky:  Flora  d.  tert.  Letten  v.  Vrsovic  b.  Laun,  p.  38,  tab.  IX,  fig.  1. 

Acer  foliis  trilobatis,  lobis  sparsim  et  obtuse  inaequaliter  dentatis, 
lateralibus  abbreviatis,  apice  obtusis,  sinubus  obtusangulis  (Ett.). 

Ein  unvollständig  erhaltenes  Blatt,  das  der  Fig.  7 bei  Heer  1.  c.  am 
nächsten  kommt. 

Auf  dem  Blatte  befinden  sich  mehrere  runde  querrunzelige  Einsenkungen, 
die  mit  manchen  der  als  fossile  Pilze  beschriebenen  Gebilde  Aehnlichkeit 
besitzen,  die  ich  aber  als  von  Schildläusen  herrührend  ansprechen  möchte. 


10 


Familie  Rhamnaceae  R.  Br. 

Zizyphus  ovatus  Weber.  Taf.  I,  Fig.  7. 

Weber:  Palaeontogr.  II,  p.  203,  tab.  XXII,  fig.  12;  tab.  XXIII,  fig.  1. 

Ettingshausen:  Foss.  Flora  von  Bilin  III,  p.  40,  tab.  L,  fig.  16. 

Zizyphus  foliis  petiolatis,  ovatis,  serrulatis,  triplinerviis;  nervis  validis 
ad  apicem  vix  evanidis;  nervis  secundariis  patentibus,  fere  strictis,  con- 
fertis,  scalaribus;  rete  venoso  tenuissimo  (Ett.). 

Ein  Blatt  mit  fast  ganzem  Rande,  das  dem  in  der  Biliner  Flora, 
tab.  L,  fig.  16  dargestellten  am  meisten  entspricht. 

Familie  Myrtaceae  R.  Br. 

Callistemophyllum  bilinicum  Ett. 

Ettingshausen:  Foss.  Flora  von  Bilin  III,  p.  53,  tab.  LV,  fig.  1,  2. 

Wentzel:  Flora  d.  tert.  Diatomeenschiefer  von  Sulloditz  (Sitzb.  d.  kaiserl. 
Akad.  d.  Wissensch.,  Bd.  LXXXIII,  p.  18,  fig.  7). 

Engelhardt:  Tert.  Pflanzen  von  Sulloditz  (Lotos  1896,  Nr.  4,  p.  33). 

Callistemophyllum  foliis  coriaceis  petiolatis  linearibus  acuminatis  in- 
tegerrimis;  nervatione  brochidodroma,  nervo  primario  valido  prominente 
recto,  nervis  secundariis  tenuibus  numerosis  abbreviatis,  sub  angulis  70—80° 
orientibus;  arcubus  laqueorum  margini  parallelis  (Ett.). 

Der  untere  Theil  eines  dickgestielten  derblederigen  Blattes,  das  sich 
an  Fig.  2 bei  Ettingshausen  1.  c.  anschliesst. 

C.  bilinicum  wird  von  Ettingshausen  mit  den  lebenden  Callistemön 
rigidum  R.  Br.  und  C.  linearifolium  DC.  aus  Neuholland  verglichen. 

Familie  Papilionaeeae  Endl. 

Cercis  antiqua  Sap.  Taf.  I,  Fig.  8. 

Saporta:  Etudes  sur  l’etat  de  la  Vegetation  du  sud-est  de  la  France  ä l’epoque 
tertiaire  I,  p.  134,  pl  XIV,  fig.  4. 

— Revision  de  la  flore  des  gypses  d’Aix,  p.  123,  pl.  XVII,  fig.  7 — 15. 

Cercis  foliis  subcoriaceis  vel  saltum  firmis,  longiuscule  petiolatis, 
superficie  plerumque  tenuissime  rugoso  punctulatis,  ad  apicem  petioli 
leviter  tumidi  quandoque  biglandulosis,  ovato-vel  saepius  obovato-orbiculatis, 
apice  obtuse  attenuatis  vel  obtusatis  etiamque  emarginatis;  nervis  infimis 
basilaribus  utrinque  2 plus  minusve  inaequalibus,  ceteris  longe  productioribus, 
extus  oblique  ramosis,  ascendentibus,  dein  ad  marginem  arcuatim  conjunctis, 
oblique  inter  se  flexuoso-reticulatis  (Sap.). 

Es  fand  sich  ein  kleines,  des  Stieles  beraubtes,  vorn  ausgerandetes 
Blättchen,  das  in  allem  zu  Saporta’s  Beschreibung  stimmt  und  der  Fig.  13 
(pl.  XVII  der  Rev.  de  la  flore  d’Aix)  am  nächsten  kommt. 

Pflanzenreste  von  unbestimmter  Stellung. 

Antholithes  eleagnaceus  nov.  sp.  Taf.  I,  Fig.  9 a und  b. 

Antholithes  perigono  infundibuliformi,  quadrifido ; laciniis  lanceolatis, 
erecto  patentibus;  antheris  IV  sinubus  laciniorum  adnatis,  gynaeceo  non 
conspicuo. 

Es  liegen  zwei  höchst  wahrscheinlich  gleichartige  Blüthenreste  vor,  deren 
einer  eine  nur  des  untersten  Theiles  entbehrende  seitlich  zusammengedrückte 
Blüthe,  der  andere  ein  Blüthenbruchstück  im  Anblick  von  oben  darstellt. 


11 


Das  trichterförmige  vierzipfelige  Perigon  mit  vier  ziemlich  grossen  sitzenden, 
dem  Perigonraride  an  den  Buchten  der  Zipfel  angefügten  Antheren  stimmt 
so  mit  den  männlichen  Blüthen  von  Eleagnus  überein,  dass  die  vor- 
liegenden Reste  mit  grösster  Wahrscheinlichkeit  als  Eleagnus- Blüthen 
aufzufassen  sind. 

Eleagnus  ist  in  der  Flora  des  Jesuitengrabens  durch  Blätter  von 
E.  acuminatus  Web.  vertreten  (vergl.  Engelhardt,  Tert.  Flora  des  Jesuiten- 
grabens, p.  35).  Die  vorliegenden  Blüthen  mit  diesen  Blättern  zu  ver- 
einigen, erachte  ich  jedoch  nicht  für  angezeigt. 

Antholühes  myrtaceus  nov.  sp.  Taf.  I,  Fig.  10  a,  b. 

Antholithes  pedunculatus  epigynus;  fructu  infero  cyathiformi,  apice 
truncato,  stylo  valido  superato,  residuis  calicis  ornato;  antheris  nonnullis 
conspicuis ; corolla  non  conservata. 

Der  vorliegende  Rest  stellt  eine  bereits  im  Verblühen  begriffene 
Bliithe  dar;  die  deutlich  über  den  Fruchtknoten  verlängerte  Blüthenaxe 
bildet  eine  becherförmige  Achsencupula,  die  oben  breit  gestutzt  ist  und 
drei  erkennbare  Kelchzipfel  trägt;  von  einer  Krone  sind  keine  Reste  vor- 
handen. Die  Stellung  der  länglichen  zugespitzten  Kelchblätter  macht 
wahrscheinlich,  dass  deren  vier  vorhanden  waren;  das  Fossil,  von  dem 
nur  eine  Platte  vorliegt  — die  Gegenplatte  ist  leider  zersplittert  — , zeigt 
deutlich,  dass  die  Bliithe  in  der  Mitte  zerrissen  ist;  man  sieht  die  Höhle 
des  Fruchtknotens  vor  sich,  leider  ohne  dadurch  Aufschluss  über  Frucht- 
fächer und  Samen  zu  erhalten;  der  Abdruck  des  vierten,  dem  Beschauer 
zugekehrten  Kelchblattes  ist  mit  der  Gegenplatte  verloren  gegangen.  Der 
Fruchtknoten  ist  von  einem  kurzen  dicken  Griffel  überragt;  mehrere 
Staubfäden  sind  in  zarten  Abdrücken  erhalten. 

Der  Bau  des  vorliegenden  Blüthenrestes  lässt  mit  Wahrscheinlichkeit 
vermuthen,  dass  es  sich  um  eine  Myrtacee  handelt;  er  kommt  insbesondere 
dem  Blüthenbau  von  Pimenta  nahe. 

Auf  Blattreste  begründeter  Myrtaceenarten  sind  aus  dem  Jesuiten- 
graben mehrere  bekannt  (vergl.  Engelhardt,  1.  c.,  p.  69  flg.). 

Antholithes  lageniferus  nov.  sp.  Taf.  I,  Fig.  11a,  b. 

Antholithes  pedunculatus,  germine  supero  lageniformi  sulcato;  sepalis  IV 
ovalibus;  corollae  residuis  incerte  conspicuis;  antheris  IV. 

Eine  kleine  Blüthe,  welche  einen  oberständigen  flaschenförmigen, 
längsgefurchten,  vermuthlich  mehrfächerigen  Fruchtknoten  deutlich  er- 
kennen lässt;  derselbe  erhebt  sich  über  einem  vierblätterigen  Kelche,  von  dem 
drei  eiförmige  Blättchen  ganz,  ein  viertes  fragmentarisch  erhalten  sind ; von 
einer  Krone  sind  nur  unsichere  Andeutungen  erhalten,  so  dass  über  deren 
Beschaffenheit  sich  nichts  aussagen  lässt;  Antheren  sind  vier  erkennbar. 

Bei  der  mangelhaften  Erhaltung  des  Restes  ist  die  Zuweisung  des- 
selben zu  einer  bestimmten  Familie  — geschweige  denn  Gattung  — nicht 
thunlich;  die  erkennbaren  Blüthentheile  zeigen  in  verschiedenen  Familien 
Aehnlichkeiten. 

Carpolithes  empleuriformis  nov.  sp.  Taf.  I,  Fig.  12. 

Carpolithes  pedunculatus  rostratus  ensiformis  compressus. 

Eine  auffällige  Frucht,  welche  mit  den  seitlich  zusammengedrückten 
geschnäb eiten  Carpellen  der  capländischen  Rutacee  Empleurum  ensatum  . 
Eckl.  et  Zeyh.  eine  bemerkenswerthe  Aehnlichkeit  aufweist. 


12 


Carpolithes  coronatus  nov.  sp.  Taf.  I,  Fig.  13. 

Carpolithes  pedunculatus  globosus  longitudinaliter  striatus,  sepalis  Y 
coronatus. 

Eine  kurzgestielte  mit  Längsstreifen  versehene  Kapsel,  die  von  fünf 
erhaltenen  kurz-pfriemenförmigen  Kelchzipfeln  gekrönt  ist.  Sie  erinnert 
an  die  lederartige  Kapselfrucht  der  centralamerikanischen  Rubiacee  Deppea 
erythrorrhiza  Cham,  et  Schl. 

Carpolithes  rlioideus  nov.  sp.  Taf.  I,  Fig.  14. 

Carpolithes  globosus  laevis,  Stigmata  duo  parvula  ferens. 

Eine  kleine  rundliche  glatte  Frucht,  die  auf  der  Spitze  zwei  kleine 
Narben  trägt;  gleicht  den  Früchten  von  Uhus  toxicodendron  L. 

Carpolithes  trimerus  nov.  sp.  Taf.  I,  Fig.  15  a,  b. 

Carpolithes  carpellis  tribus  subcoriaceis  tenue-striatis  longis  acumi- 
natis  supra  distantibus  compositus. 

Ein  schwer  zu  deutender  Pflanzenrest.  Die  kohlige  Beschaffenheit 
des  Abdruckes  lässt  auf  ein  derbhäutiges  Organ  schliessen;  an  eine  Blüthen- 
hülle  dürfte  daher  nicht  zu  denken  sein;  vielmehr  handelt  es  sich  wohl 
um  eine  aus  drei  verlängerten,  zart  gestreiften,  mit  den  Spitzen  auseinander 
weichenden  Carpellen  bestehende  Fruchtanlage,  die  Verfasser  einer  be- 
stimmten Familie  zuzuweisen  nicht  vermag. 

B.  Pflanzenreste  aus  dem  Polierschiefer. 

Cryptogamae. 

Familie  Pyrenomycetes. 

Xylomites  Daphnogenes  Heer. 

Heer:  Flor.  tert.  Helv.  I,  p.  20,  tab.  I,  fig.  11. 

Xylomites  maculas  rotundatas  fuscas,  disco  albas  formans  (Heer). 

Auf  einem  Blatte  von  Laurus  primigenia  Ung.  eine  Anzahl  grösserer 
und  kleinerer  flacher,  rundlicher  und  unregelmässig  gestalteter  Flecken, 
die  dunkler  gefärbt,  einen  helleren  Theil  im  Innern  umschliessen. 

Hysterium  colpomaeforme  nov.  sp.  Taf.  I,  Fig.  16. 

Hysterium  peritheciis  elongatis  curvatis  (longit.  6 mm,  latid.  1 mm), 
epidermidem  perrumpentibus  fissura  longitudinali  apertis,  margine  elevato 
circumdatis. 

Auf  einem  Blatte  von  Cinnamomum  lanceolahm  Ung.  sp.  findet  sich 
ein  gebogener  6 mm  langer  und  1 mm  breiter,  älterer,  in  weitem  Längs- 
spalt geöffneter  Fruchtkörper;  die  erhabenen  Ränder  des  Spaltes  heben 
sich  mit  der  dunkleren  Färbung  von  der  braunen  Blattfläche  ab  und  um- 
schliessen  eine  helle  Innenschicht.  Der  Pilz  erinnert  in  Gestalt  und  Grösse 
der  Perithecien  an  Colpoma  Wallr. 

Phanerogamae. 

Familie  Myricaceae  Ricli. 

Myrica  hakeaefolia  Ung.  sp. 

S.  Engelhardt:  Tertiärflora  des  Jesuitengrabens,  p.  20,  Taf.  2,  Fig.  3-8,  27. 

Ein  fast  völlig  erhaltenes  Blatt  mit  ungleichen  Zähnen  am  vorderen  Theile. 


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Familie  Betulaceae  Bartl. 

Betula  Brongniartii  Ett. 

S.  Engelhardt:  1.  c.,  p.  21,  Taf.  2,  Fig.  21,  24,  25;  Taf.  21,  Fig.  7. 

Ein  Blatt,  neben  dem  sich  Batrachierknochen  finden. 

Familie  Cupuliferae  Endl. 

Quer cus  ar gute  - s er rata  Heer. 

S.  Engelhardt:  1.  c.,  p.  23,  Taf.  3,  Fig.  19. 

Ein  an  Basis  und  Spitze  beschädigtes  Blatt,  das  sich  der  Engelhardt- 
schen  Abbildung  aus  dem  Brandschiefer  an  die  Seite  stellt. 

Quer  cus  Pseudo -Laurus  Ett. 

Ettingshausen:  Foss.  Flora  von  Bilin  I,  p.  60,  tab.  XVII,  fig.  13 — 15. 

Quercus  foliis  subsessilibus  vel  brevissime  petiolatis,  coriaceis  rigidis, 
ovato-lanceolatis,  acuminatis,  basi  rotundatis,  margine  integerrimis  vel 
solum  modo  apice  remote  denticulatis ; nervatione  mixta,  nervo  primario 
valido  prominente,  nervis  secundariis  sub  angulis  50  — 60°  orientibus, 
subapproximatis,  inferioribus  et  mediis  camptodromis,  superioribus  saepe 
craspedodromis,  nervis  tertiariis  latere  interno  sub  angulis  obtusis,  externo 
sub  angulis  acutis  exeuntibus,  inter  se  conjunctis  (Ett.). 

Die  untere  Hälfte  eines  kleinen,  derben,  kurzgestielten  Blattes,  dessen 
Form  und  aufs  Beste  erhaltene  Nervatur  durchaus  zu  Ettingshausen’ s 
Beschreibung  und  Abbildungen  stimmt. 

Fagus  Feroniae  Ung. 

Unger:  Chlor,  prot.,  p.  106,  tab.  28,  fig.  3,  4. 

Lit.  und  Synon.:  s.  Engelhardt:  Foss.  Pflanzenreste  aus  dem  Tephrittuff 
von  Birkigt  (Lotos  1896,  Nr.  2,  p.  6); 

ferner  Ettingshausen:  Formelemente  der  europäischen  Tertiärbuche  (Denk- 
schrift. d.  kaiserl.  Akad.  d.  Wissensch.,  Bd.  LXI), 

und  derselbe : Beitr.  z.  Phyllogenie  d.  Pflanzenarten  VI  (Denkschr.  d.  kaiserl. 
Akad.  d.  Wissensch.,  Bd.  XLIII,  1 Abth.,  p.  99). 

Fagus  foliis  petiolatis,  o vatis  vel  ellipticis,  acuminatis  vel  acutis,  in- 
aequaliter  dentatis  vel  serratis;  nervatione  craspedodroma,  nervo  primario 
prominente,  recto,  excurrente,  nervis  secundariis  6 — 9 sub  angulis  acutis 
exeuntibus,  simplicibus,  rarius  nervis  externis  instructis;  nervis  tertiariis 
tenuissimis,  irregulariter  conjunctis  (Ett.). 

Ein  einziges  elliptisches  Blatt  dieser  weitverbreiteten  und  vielgestaltigen 
Art  mit  schwach  gezähntem  Rande. 

Carpinus  grandis  Ung. 

S.  Engelhardt,  Tertiärflora  des  Jesuitengrabens,  p.  24,  Taf.  3,  Fig.  30,  31; 
Taf.  4,  Fig.  2,  5,  6,  23,  24. 

Verschiedene  Blattreste. 

Familie  Salicineae  Rieh. 

Salix  varians  Go  epp. 

S.  Engelhardt:  1.  c.,  p.  28,  Taf.  5,  Fig.  7,  8. 

Ein  Blatt. 

Populus  sp. 

Ein  männliches  Bliithenkätzchen  von  mangelhafter  Erhaltung,  das 
mit  den  durch  Ettingshausen  in  Beitr.  zur  Kenntniss  der  Tertiärflora  Steier- 


14 


marks  (Sitzb.  d.  kaiserl.  Akad.  d.  Wissensch.,  Bd.  LX,  p.  41,  tab.  III,  fig.  9). 
und  Fossile  Flora  von  Leoben  1,  p.  40  bekannt  gegebenen  Blüthenkätzchen 
von  Populus  Geinitzi  Ett.  verglichen  werden  kann. 

Familie  Laurineae  Juss. 

Laurus  primigenia  Ung. 

S.  Engelhardt:  Tertiärflora  des  Jesuitengrabens,  p.  30,  Taf.  5,  Eig.  12; 
Taf.  6,  Fig.  19,  20,  22,  23;  Taf.  7,  Fig.  2. 

Einige  mehr  oder  weniger  vollständige  Blätter  von  verschiedener 
Grösse. 

Cinnamomum  lanceolatum  Ung.  sp. 

S.  Engelhardt:  1.  c.,  p.  33,  Taf.  7,  Fig.  7,  13,  18—22,  25;  Taf.  8,  Fig.  3,  4, 
6,  7,  12,  13. 

Fand  sich  nebst  der  folgenden  Art  in  zahlreichen  Blattexemplaren 
als  häufigste  Pflanze  vor. 

Cinnamomum  Scheuchzeri  Heer. 

S.  Engelhardt:  1.  c.,  p.  32,  Taf.  5,  Fig.  15—23;  Taf.  6,  Fig.  11,  12;  Taf.  7, 
Fig.  9,  12,  14,  16,  17,  26,  27;  Taf.  21,  Fig.  6. 

Cinnamomum  polymorphum  A.  Br. 

S.  Engelhardt:  1.  c.,  p.  32,  Taf.  6,  Fig.  13—18;  Taf.  7,  Fig.  6,  11;  Taf.  8, 
Fig.  2. 

Im  Polierschiefer  wurde  nur  ein  Blatt  dieser  Art  entdeckt. 

Litsaea  Deichmülleri  Eglh. 

S.  Engelhardt:  1.  c.,  p.  34,  Taf  8,  Fig.  5. 

Von  dieser  im  Jesuitengraben  zum  ersten  Male  entdeckten  Art  wurde 
die  untere  Hälfte  eines  Blattes  gefunden. 


Familie  Myrsineae  B,.  Br. 

Myrsine  Doryphora  Ung. 

Ung  er:  Sylloge  plant,  foss.  III,  p.  19,  tab.  VI,  fig.  1—10. 

Heer:  Miocäne  baltische  Flora,  p.  86,  tab.  XXVIII,  fig.  13—16. 
Ettingshausen:  Foss.  Flora  von  Bilin  II,  p.  35,  tab.  XXXVII,  fig.  5,  6,  13. 
— Beitr.  z.  Kenntn.  d.  Tertiärflora  von  Steiermark,  p.  72. 

— Foss.  Flora  d.  Wetterau,  p.  57,  tab.  IV,  fig.  5. 

— Foss.  Flora  von  Sagor  II,  p.  10. 

— Foss.  Flora  von  Leoben  II,  p.  11. 

Engelhardt:  Ueber  Braunkohlenpflanzen  von  Meuselwitz,  p.  24. 

Pilar:  Flora  fossilis  susedana,  p.  80,  tab.  XIII,  fig.  2. 

Velenovsky:  Tertiärflora  von  Vrsovic,  p.  34,  tab.  VI,  fig.  10,  11;  tab.  IX, 
fig.  23,  24. 

Boulay:  Notice  sur  les  plantes  fossiles  des"  gres  tertiaires  de  Saint- Saturnin 
(Journal  de  Botanique  1888,  p.  10). 

Sy  non:  Apocynophyllum  lanceolatum  Unger,  Synops.  plant,  foss.,  p.  230,  und 
gen.  et  spec.  plant,  foss.,  p.  434. 

Myrsine  Centaurorum  (pp.)  Unger,  Sylloge  III,  tab.  VII,  fig.  15,  17. 
Myrsine  foliis  lanceolatis  vel  ovato-oblongis,  utrinque  angustatis,  bre- 
viter  petiolatis,  integerrimis,  coriaceis;  nervo  primario  valido,  nervis  se- 
cundariis  tenuibus  sub  angulo  acuto  exorientibus , ramosis  vel  obsoletis 
(Schimper). 

Es  fand  sich  nur  ein  beschädigtes  Blatt. 


15 


Familie  Ebenaceae  Yent. 

Diospyros  brachysepala  A.  Br. 

S.  Engelhardt:  Tertiärflora  des  Jesuitengrabens,  p.  43,  Taf.  9,  Fig.  22,  37; 

Taf.  10,  Fig.  1. 

Mehrere  Blätter. 

Familie  Styraceae  Bich. 

Styrax  stylosa  Heer. 

S.  Engelhardt:  1.  c.,  p.  43,  Taf.  10,  Fig.  4. 

Ein  Blatt. 

Familie  Vaceiniaceae  Bich. 

Vaccinium  acheronticum  Ung. 

S.  Engelhardt:  1.  c.,  p.  44,  Taf.  9,  Fig.  27-30,  33-36. 

Ein  Blatt. 

Familie  Saxifrageae  D C. 

Cunonia  bilinica  Ett. 

S.  Engelhardt:  1.  c.,  p.  47,  Taf.  10,  Fig.  28,  29. 

Ein  Blatt  mit  fehlender  Spitze. 

Callicoma  bohemica  Ett. 

S.  Engelhardt:  1.  c.,  p.  48,  Taf.  10,  Fig.  22,  23;  Tafel  21,  Fig.  2. 

Ein  Blatt. 

Familie  Samydeae  Gärtn. 

Samyda  borealis  Ung. 

S.  Engelhardt:  1.  c , p.  50,  Taf.  11,  Fig.  6,  12. 

Ein  schön  erhaltenes,  nur  an  der  Spitze  verletztes  Blatt. 

Familie  Tiliaceae  Juss. 

Tilia  prae-grandifolia  nov.  sp.  Taf.  I,  Fig.  17. 

Tilia  foliis  magnis,  petiolatis,  oblique -cordatis,  apice  productis  (?), 
inaequaliter  serratis;  palminerviis,  nervatione  craspedodroma,  nervis  basi- 
laribus  majoribus  sex,  uno  recto  prominente,  ceteris  curvatis,  latere  uno 
nervös  externos  emittentibus , infimis  brevissimis;  nervis  secundariis  sub 
angulis  40—50°  exeuntibus,  parallelis;  nervis  tertiariis  tenuibus,  arcuatis, 
e secundariis  angulis  subrectis  egredientibus  simplicibus  vel  furcatis. 

Im  Polierschiefer  des  Jesuitengrabens  fand  sich  der  grössere  Theil 
eines  gestielten  Lindenblattes,  welches  zu  den  bisher  aus  den  Tertiär- 
schichten Böhmens  bekannten  Lindenarten  (T.  lignitum  Ett.,  T.  Zephyri  Ett., 
T.  gigantea  Ett.  cf.  Foss.  Flora  von  Bilin  III,  p.  16,  17)  keinerlei  nähere 
Beziehungen  hat.  Unter  den  fossilen  Lindenblättern  sind  die  der  Tilia 
Malmgreni  Heer  — besonders  das  tab.  XIX,  fig.  18  in  Heer,  Beitr.  zur 
foss.  Flora  Spitzbergens  abgebildete  — ihm  ähnlich,  unterscheiden  sich 
aber  in  der  Bandbezahnung  und  der  Nervatur  hinlänglich,  um  nicht  zur 
selben  Art  gebracht  werden  zu  können. 

Dagegen  weist  das  vorliegende  Blatt  eine  so  augenfällige  Ueberein- 
stimmung  mit  den  Blättern  unserer  lebenden  Tilia  grandifolia  Elirh. 
(=  T.  platyphyllos  Scop.)  auf,  dass  es  — so  weit  ein  solcher  einzelner 
Best  dazu  Berechtigung  bietet  — mit  dieser  identificirt  werden,  zum 


16 


wenigsten  als  directer  Vorläufer  derselben  betrachtet  werden  kann.  Es 
ist  zu  wünschen,  dass  weitere  Funde  diese  Annahme  bestätigen;  es  würde 
sich  daraus  eine  Bereicherung  unserer  Kenntniss  vom  Stammbaume  unserer 
recenten  Linden  ergeben. 

Die  bisher  wahrscheinlich  gemachten  genetischen  Beziehungen  lebender 
zu  fossilen  Tilia  - Arten  sind  folgende: 


T.  Mälmgreni  Heer  — 

T.  expansa  Sap.  — 

T.  Vidalii  Rer.  — 

T.  vindobonensis  Stur  1 
T.  Mastaiana  Massai  | — 

T.  sachalinensis  Heer  J 
T.  prae-grandifolia  nov.  sp.  — 


T.  americana  L. 

T.  pubescens  Vent. 

T.  argentea  Desf. 

T.  mandschurica  Mazim. 

T.  parvifolia  Ehrh. 

T.  grandifolia  Ehrh. 


Vergl.  Unger:  Geologie  der  europäischen  Waldbäume. 

Engler:  Versuch  einer  Entwickelungsgeschichte  der  Pflanzen- 
welt. 

Saporta:  Origine  paleontologique  des  arbres  cultives  ou  utilises 
par  Phomme. 


Familie  Aeerineae  DC. 

Acer  angustilobum  Heer. 

S.  Engelhardt:  Tertiärflora  des  Jesuitengrabens,  p.  53,  Taf.  13,  Eig.  5,  6, 
8,  11-16;  Taf.  14,  Fig.  6;  Taf.  21,  Fig.  18. 

Blätter,  Blattbruchstücke  und  eine  Flügelfrucht. 

Familie  Sapindaceae  Juss. 

Sapindus  cassioides  Ett. 

S.  Engelhardt:  1.  c.,  p.  55,  Taf.  12,  Fig.  6,  7,  10;  Taf.  14,  Fig.  13,  16. 
Verschiedene  wohlerhaltene  Blätter. 


Familie  Celastrineae  R.  Br. 

Celastrus  cassinefolius  Ung. 

S.  Engelhardt:  1.  c.,  p.  57,  Taf.  14,  Fig.  10—12. 

Ein  Blatt. 

Evonymus  Napearum  Pitt. 

S.  Engelhardt:  1.  c.,  p.  59,  Taf.  15,  Fig.  9. 

Ein  Blatt. 

Elaeodendron  degener  Ung. 

S.  Engelhardt:  1.  c.,  p.  60,  Taf.  15,  Fig.  16,  17,  19—24,  30,  31. 
Blattreste. 

Elaeodendron  dnbium  Ett. 

S.  Engelhardt:  1.  c.,  p.  60,  Taf.  15,  Fig.  5. 

Ein  unvollständiges  Blatt. 


17 


Familie  Rhamnaceae  R.  Br. 

Rhamnus  Gaudini  Heer. 

S.  Engelhardt:  1.  c.,  p.  63,  Taf.  16,  Fig.  1,  6 - 8,  14. 

Ein  theilweise  beschädigtes  Blatt. 

Familie  Juglandeae  DC. 

Juglans  Ulinica  Ung. 

S.  Engelhardt:  1.  c.,  p.  65,  Taf.  16,  Fig.  23,  28,  29;  Taf.  17,  Fig.  1-4,  6,7. 
Mehrere  wohlerhaltene  Fiederblättchen. 

Juglans  vetusta  Heer. 

S.  Engelhardt:  1.  c.,  p.  66,  Taf.  17,  Fig.  11. 

Ein  ausgezeichnet  erhaltenes  Blättchen. 

Carya  elaenoides  Ung.  sp. 

S.  Engelhardt:  1.  c.,  p.  67,  Taf.  18,  Fig.  2—6. 

Ein  Blatt. 

Engelhardtia  Brongniartii  Sap. 

S.  Engelhardt:  1.  c.,  p 67,  Taf.  17,  Fig.  22. 

Ein  Blatt,  das  dem  von  Engelhardt  1.  c.  abgebildeten  entspricht. 

Familie  Anaeardiaceae  Lindl. 

Rhus  sp. 

Ein  Früchtchen,  das  mit  den  von  Unger  (Chlor,  protog.,  tab.  XXII, 
.fig.  5)  zu  Rhus  stggia  gestellten  und  mit  den  Früchten  von  Rh.  radicans  L. 
verglichenen  sowie  mit  den  von  Ettingshausen  (Foss.  Flora  von  Sagor, 
tab.  XVII,  fig.  5,  7)  zu  Rh.  sagoriana  Ett.  und  Rh.  stygia  Ung.  gezogenen 
übereinstimmt  und  wohl  von  einer  Rhus- Art  herrühren  kann. 

Familie  Amygdaleae  Bartl. 

Amygdalus  per  eg  er  Ung. 

S.  Engelhardt:  1.  c,  p.  71,  Taf.  19,  Fig.  2,  3,  14;  Taf.  21,  Fig.  16. 

Ein  Blatt. 

Familie  Mimosaceae  W.  K. 

Mimosites  haeringianus  Ett. 

S.  Engelhardt:  1.  c.,  p.  81,  Taf.  20,  Fig.  39  — 43. 

Zahlreiche  lose  Fiederblättchen. 

Von  unbestimmter  Stellung. 

Carpolithes  drupaceus  nov.  sp.  Taf.  I,  Fig.  18. 

Drupa  parva,  reniformis,  rugulosa. 

Eine  kleine  nierenförmige,  runzelige  Steinfrucht,  die  einigermassen  an 
Früchtchen  von  Myrica  erinnert.  — 

Ausser  den  aufgeführten  Pflanzenresten  sammelte  Verfasser  noch  eine 
grosse  Anzahl  anderer,  die  aber  theils  von  Haus  aus  mangelhaft  erhalten 
waren,  theils  beim  Transporte  — das  Material  ist  ausserordentlich  mürbe  — 
dermassen  beschädigt  wurden,  dass  sie  zu  einer  Verwerthung  untauglich 


18 


wurden.  Die  36  einer  Bestimmung  zugänglichen  Arten  schliessen  sich, 
wie  aus  Vorstehendem  hervorgeht,  aufs  Engste  an  die  Pflanzeneinschlüsse 
des  Brandschiefers  an,  in  welchen  die  Polierschieferschicht  unmittelbar 
übergeht. 


Erklärung  der  Abbildungen  auf  Tafel  I. 

/ 

, Fig.  1.  Pinus  Laricio  Poir.  Same. 

}y,  Fig.  2.  Quercus  tephrodes  Ung.  Blatt. 

^ Fig.  3.  Loranthus  Circes  Ett.  Blatt. 

V Fig.  4.  Cunonia  formosa  Friedr.  Fiederblatt. 

V Fig.  5.  Acer  Bruckmanni  A.  Br.  Blattfragment  mit  Schildläusen. 
f Fig.  6.  Acer  trilobatum  Stbg.  sp.  Junges  Früchtchen. 

V Fig.  7.  Zizyplius  ovatus  Web.  Blatt. 

V Fig.  8.  Cercis  antiqua  Sap.  Blatt. 

1/  Fig.  9 a,  b.  Antholithes  eleagnaceus  nov.  sp.,  nat.  Gr. 

, Fig.  10a,  b.  Antholithes  myrtaceus  nov.  sp.,  a)  nat.  Gr.,  b)  vergr. 

V Fig.  11a,  b.  Antholithes  lageniferus  nov.  sp.,  a)  nat.  Gr.,  b)  vergr. 

| f Fig.  12.  Carpolitkes  empleuriformis  nov.  sp.,  nat.  Gr. 

Vf  Fig.  13.  Carpolitlies  coronatus  nov.  sp.,  nat.  Gr. 

\ Fig.  14.  Carpolitkes  rhoideus  nov.  sp.,  vergr. 

1/  Fig.  15  a,  b.  Carpolitkes  trimerus  nov.  sp.,  a)  nat.  Gr.,  b)  vergr. 

V Fig.  16.  Blattstück  von  Cinnamomum . lanceolatum  Ung.  sp.  mit  Hysterium 

colpomaeforme  nov.  sp.,  nat.  Gr. 

Fig.  17.  Tilia  prae-grandifolia  nov.  sp.  Blatt,  ergänzt. 

Fig.  18.  Carpolitkes  drupaceus  nov.  sp.,  nat.  Gr. 


II.  Tethina  illota  Hai. 

Von  A.  Kuntze  in  Dresden. 


In  den  Annals  of  natural  Instory,  Yol.  I,  Novemb.  1838,  nag.  188  er- 
richtet A.  H.  Haliday  zur  Gattung  Opomyza  das  Subgenus  Tethina  für 
eine  kleine  Fliege,  welche  in  ihrer  äusseren  Erscheinung  einer  Rhicnoessa 
Löw  ausserordentlich  ähnelt,  aber  doch  bei  näherer  Untersuchung  sehr 
weit  abweiclit.  So  kurz  und  ungenügend  die  Beschreibung  Haliday’s  ist, 
so  lässt  sie  sich  doch  zwanglos  auf  die  von  mir  in  Borkum  gesammelte 
Fliege  anwenden;  um  sie  jedoch  auch  den  continentalen  Dipterologen 
kenntlich  zu  machen,  da  sie  an  den  friesischen  Inseln  vorkommt,  so  halte 
ich  es  für  nützlich,  das  Thier  genauer  zu  beschreiben. 

Tethina  Curt. 

Genere  Rhicnoessae  Löw  affinis  sed  differt:  Fronte  haud  setulosa,  an- 
tennis  nutantibus,  vibrissis  deficientibus;  alaram  vena  transversaria  prima 
secundae  valde  approximata,  cellula  basali  posteriore  vacante. 

Die  Stirn  ist  ausser  den  Borsten  an  der  Scheitelgegend  fast  borstenlos, 
jedoch  ist  meist  ein  oberes  Frontorbitalborsten-Paar  sichtbar.  Fühler  nickend, 
erstes  und  zweites  Glied  sehr  klein,  das  zweite  mit  einem  zarten  Börstchen, 
das  dritte  länglich,  fast  rund,  mit  dorsaler  nackter  Borste.  Augen  nackt, 
beim  6 fast  rund,  beim  9 quer  länger,  Backen  breit,  ungefähr  so  breit 
wie  die  Augen  hoch,  Knebelborsten  fehlen,  ebenso  die  Börstchen  am 
Seitenrande  der  Mundöffnung.  Schildchen  vierborstig,  Schienen  ohne  Prä- 
apicalborsten.  Flügel  den  Hinterleib  weit  überragend,  Vorderast  der  ersten 
Hilfsader  vom  Hauptaste  kaum  getrennt.  Kleine  Querader  der  hinteren 
Querader  stark  genähert.  Hintere  Basalzelle  fehlend,  Analader  und  Analzelle 
vorhanden,  sechste  Längsader  unscheinbar. 

Tethina  illota  Hai. 

Fronte  flava,  vertice  cinereo  pauce  setuloso.  Facie  lata,  albida,  ab 
antennis  usque  ad  epistomium  carinata.  Antennis  obscuris.  Proboscide 
bruneo  apice  bigeniculata , palpis  flavis.  Alis,  calyptris  halteribusque 
albidis.  Femoribus  tibiisque  cinereis.  Tarsis  luteis,  articulo  ultimo  obscuro. 
Long.  2,2  mm,  alar.  long.  2 mm. 

Das  Thier  ist  etwa  halb  so  gross  als  Rhicnoessa  cinerea  Löw,  welche 
Dr.  B.  Wandolleck  die  Güte  hatte,  mit  der  Löw’schen  Type  zu  identificiren, 
und  gleich  dieser  aschgrau.  Stirne  gelb,  am  Scheitel  und  an  den  Stirn- 
Seitenrändern  aschgrau  und  wenig  beborstet,  Backen  breit,  weiss  und  von 
den  Fühlern  bis  zum  Mundrande  gekielt.  Fühler  verdunkelt,  innen  oft 


20 


gelblich.  Rüssel  braue,  mit  kurzen  gelblichen  Sauglappen  und  gelbweissen 
Tastern,  meist  zurückgezogen.  Thorax  aschgrau,  mit  zwei  vierborstigen 
Haarreihen.  Akrostikalbörstchen  fehlend;  Hinterleib  gleichfarbig,  Legeröhre 
vorgestreckt.  Beine  kahl,  grau,  nur  die  Knie  und  die  vier  ersten  Tarsen- 
glieder gelb,  das  letzte  verdunkelt,  nicht  verbreitert.  Metatarsus  so  lang, 
als  die  vier  übrigen  Glieder  zusammen.  Mittelschienen  am  inneren  Ende 
mit  einem  Dörnchen.  Flügel  wTeisslich  mit  braunen  Adern.  Die  kleine 
Querader  steht  weit  hinter  der  Mündung  der  ersten  Längsader,  der  hinteren 
Querader  nahe  gerückt  und  etwa  auf  3/4  der  Discoidalzelle.  Randader  bis 
zur  Mündung  der  vierten  Längsader  reichend. 

Ich  fand  das  Thier  im  Juli  1895  auf  der  Südseite  der  Insel  Borkum 
in  den  Watten,  wo  es  sich  in  grosser  Menge  zwischen  den  niedrigen 
Salicornien,  Glaux  und  Le^igonum  herumtrieb. 


III.  lieber  eine  zuerst  in  Dresden  aufgefundene  neue 
Pelzmilbe  des  Bibers. 

Von  Prof.  Dr.  O.  Schneider. 


Als  am  13.  September  1892  im  hiesigen  Zoologischen  Garten  ein  am 
10.  desselben  Monats  in  der  Elbe  bei  Schönebeck  gefangener  ausgewach- 
sener Biber  zur  Pflege  aufgenommen  wurde,  verabredete  ich  sofort  mit 
Herrn  Director  Schöpf,  dass  derselbe,  falls  das  Thier  verende,  mir  sofort 
durch  Eilboten  nach  Blasewitz  davon  Mittheilung  mache  und  den  Leichnam 
bis  zu  meinem  Eintreffen  möglichst  ruhig  und  unberührt  liegen  lasse;  es 
war  für  mich  von  hohem  Interesse,  zu  untersuchen,  ob  auch  die  Elbbiber 
mit  Platypsüla  castoris , jenem  höchst  merkwürdigen  Käfer  behaftet  seien, 
der  zuerst  von  Ritsema  an  einem  canadischen  Biber  des  Amsterdamer 
Zoologischen  Gartens  und  später  sowohl  in  Amerika  wie  in  Südfrankreich 
(an  den  Bibern  des  Rhone)  aufgefunden  worden  war.  Am  Vormittag  des 
26.  Septembers  bereits  erhielt  ich  die  Meldung  von  dem  Absterben  unseres 
Bibers  und  eilte  sofort  nach  dem  Zoologischen  Garten,  wo  der  Cadaver 
für  die  von  mir  beabsichtigte  Absuchung  bereit  lag.  Leider  war  alles 
Suchen  nach  dem  kostbaren  Käfer,  auch  an  den  weniger  behaarten  Stellen, 
wie  Schwimmhäuten  und  Mundwinkeln,  vergeblich;  dafür  aber  fand  sich 
eine  winzige,  noch  nicht  1/2  mm  grosse  helle  Milbe  in  grosser  Menge,  ins- 
besondere hinter  den  Ohren,  vereinzelter  auch  überall  im  dichten  Pelz, 
weshalb  ich  denn  auch  diesen  möglichst  durchsuchte  und  schliesslich  aus- 
kämmte. Herr  Gustos  Dr.  Heller  am  hiesigen  Zoologischen  Museum  und 
Herr  Prof.  Dr.  0.  Taschenberg  in  Halle,  denen  ich  das  Thier  zunächst  vor- 
legte, hielten  es  beide  für  neu,  konnten  sieh  jedoch,  weil  sie  anderweitig 
mit  Arbeit  überhäuft  und  augenblicklich  nicht  in  das  schwierige  Gebiet 
der  Milben  eingearbeitet  waren,  nicht  entschlossen,  es  näher  zu  untersuchen 
und  zu  veröffentlichen,  deshalb  sandte  ich  das  ganze  Material  an  Herrn 
Provinzialschulrath  Prof.  Dr.  Paul  Kramer  in  Magdeburg,  der  mir  nach 
kurzer  Zeit  meldete,  dass  die  Milbe  zweifellos  nach  Gattung  und  Art  neu 
sei  und  von  ihm  als  Haptosoma  truncatum  beschrieben  werden  solle.  Im 
Frühjahr  1895  sah  ich  in  Magdeburg  die  fertig  vorliegende  Zeichnung 
des  Thieres  sowie  dessen  vorläufige  Beschreibung  und  drängte  zur  Be- 
schleunigung der  Veröffentlichung.  Inzwischen  hatte  Herr  Gymnasiallehrer 
Dr.  H.  Friedrich  in  Dessau  auf  einem  Muldebiber  mit  einer  Anzahl  von  Platyp- 
silla  auch  Milben  gefunden,  die  er  erst  unbeachtet  liess,  schliesslich  aber 
— ich  weiss  nicht,  wodurch  aufmerksam  geworden  — untersuchte,  für 
neu  befand  und  beschrieb.  Als  er  das  Manuscript  im  Herbst  1895  an 


£2 


Prof.  Brandes,  den  Redacteur  der  Zeitschrift  für  Naturwissenschaften 
sandte,  theilte  ihm  derselbe  mit,  dass  eine  solche  Milbe  schon  vor  längerer 
Zeit  von  mir  auf  einem  Biber  gefunden  und  wohl  bereits  bekannt  gegeben 
worden  sei.  Als  darauf  Herr  Friedrich  sich  brieflich  an  mich  um  Auskunft 
wandte,  ertheilte  ich  ihm  solche  und  verwies  ihn  des  Weiteren  an  Prof.  Kramer, 
betonend,  dass  jedenfalls  die  Beschreibung  Kram  er’ s wohl  längst  in  Druck 
gegeben  sei;  ausserdem  aber  schrieb  ich  sofort  an  Herrn  Kramer  und 
erbat  nochmals  schleunige  Drucklegung.  Trotz  meiner  Eröffnungen  ver- 
anlasste  Herr  Friedrich  das  Erscheinen  seiner  Beschreibung,  die  im  5.  und 
6.  Hefte  des  68.  Bandes  der  obengenannten  Zeitschrift  (1895)  erschien  und 
das  Thier  mit  dem  Namen  Histiophorus  castoris  nov.  gen.,  nov.  spec.  be- 
legte, sowie  auf  einer  Tafel  abbildete.  Unvorsichtigerweise  hatte  aber 
Herr  Friedrich  vor  seiner  Veröffentlichung  der  Milbe  seinen  „Freund“ 
„Galien  Mingaud  in  Nimes,  der  mit  vielem  Eifer  die  Rhonebiber  studiert, 
veranlasst,  nach  dem  Schmarotzer  zu  fahnden,  und  gleich  der  erste  von 
ihm  am  Ende  des  vorigen  Monats  — (Mingaud  fand  die  Thiere  im  October 
und  November  1895)  — untersuchte  Biber  lieferte  den  Beweis  für  das 
Vorkommen  der  Milbe  auch  auf  den  Bibern  Frankreichs“.  Der  Freund 
Mingaud  hatte  nun  nichts  Eiligeres  zu  thun,  als  seinen  Fund  an  Dr.  E.  Troues- 
sart  in  Paris  zu  senden,  der  die  Milben  schleunigst  untersuchte,  todte  Exem- 
plare auch  an  ausgestopften  Bibern  des  Pariser  Museums  aus  Frank- 
reich und  Kalifornien  nach  wies,  die  Ergebnisse  seiner  Arbeit  der  Societe 
Entomolog.  de  France  vorläufig  in  deren  Sitzung  vom  22.  Januar  1896  und 
ausführlicher  in  der  vom  26.  Februar  1896  mittheilte  und  über  beide 
Vorlagen  prompt  in  dem  Bulletin  de  la  Soc.  Entom.  de  France  1896, 
S.  27—29  („Genre  nouveau  et  espece  nouvelle  de  Sarcoptides  pilicoles“) 
und  ebenda  S.  91 — 97  („Description  du  Schizocarpus  Mingaudi ; nouveau 
Sarcoptide  pilicole  vivant  sur  le  Castor“)  mit  Abbildung  des  6 und  Q 
von  der  Unterseite,  des  Vorderfusses  des  6 wie  eines  erwachsenen  und 
gepaarten  9 berichtete.  Schliesslich  erschien  denn  auch  in  dem  Zoologi- 
schen Anzeiger  Nr.  199,  1896  die  nach  einer  Notiz  am  Ende  der  Ab- 
handlung am  18.  Februar  abgeschlossene  Arbeit  von  Kramer  über  unsere 
Dresdener  Thiere  mit  Abbildung  zweier  „Haptosoma  truncatum“  in  Copula 
sowie  eines  5 von  der  Unterseite,  leider  ohne  den  Ort  und  die  Zeit  der 
Auffindung  sowie  die  Herkunft  des  Bibers  anzugeben.  Herr  Kramer  ist 
geneigt,  das  von  ihm  beschriebene  Thier  für  verschieden  von  dem  zu  halten, 
das  Trouessart  veröffentlichte,  und  in  der  That  stimmen  weder  die  Be- 
schreibungen noch  die  Abbildungen  der  zwei  Genannten  völlig  überein; 
dasselbe  gilt  aber  auch,  wenn  wir  die  Veröffentlichung  Friedrich’s  mit  in 
Betracht  ziehen,  obwohl  es  sich  bei  dem  Dresdener  und  dem  Dessauer 
Funde  doch  wohl  sicher  um  das  gleiche  Thier  handelt.  Einige  gewiegte 
Milbenkennner,  die  ich  fragte,  wie  Poppe  in  Vegesack,  glauben  denn  auch, 
dass  alle  drei  Beschreiber  dieselbe  Art  vor  Augen  hatten.  Ist  das  der 
Fall,  so  hat  unser  Dresdener  Thier  zweifellos  die  Priorität  der  Veröffent- 
lichung leider  nicht  erlangt;  ob  dieselbe  dem  von  Dessau  oder  dem  von 
Nimes  zuzuweisen  sei,  das  müsste  wohl  nach  dem  Zeitpunkte  bestimmt 
werden,  an  welchem  die  Hefte  jener  Zeitschriften  zur  Ausgabe  gelangten; 
Friedrich’s  Veröffentlichung  erschien  zwar  in  dem  Bande  der  Zeitschrift  für 
Naturwissenschaften  vom  Jahre  1895,  doch  sollen,  wie  man  mir  sagte,, 
die  letzten  Hefte  der  betreffenden  Jahrgänge  immer  erst  in  den  ersten 
Monaten  des  folgenden  Jahres  gedruckt  und  versandt  werden,  es  kann 


23 


also  leicht  sein,  dass  Trouessart’s  erster  Bericht  ihr  den  Bang  abgelanfen 
hat,  und  dann  hat  auch  Herr  Friedrich,  der  die  Priorität  des  Dresdener 
Fundes  und  der  Kramer’schen  Arbeit  an  dem  Thiere,  obwohl  er  sie  kannte, 
nicht  achtete,  Verdientermassen  durch  die  von  ihm  selbst  erst  veranlasste 
wissenschaftliche  Strauchdieberei  der  Herren  Mingaud  und  Trouessart  die 
Frucht  seiner  Arbeit  verloren.  Der  Komik  würde  es  nicht  entbehren, 
wenn  das  Thier  nach  Herrn  Mingaud  benannt  bliebe,  der  erst  als  Dritter 
das  Thier  gesehen  hat  und  obwohl  „er  mit  vielem  Eifer  die  Rhonebiber 
studiert“,  also  deren  gewiss  viele  gesehen  hat,  die  Milbe  erst,  dann  aber 
auch  sofort,  fand,  als  er  von  Friedrich  darauf  aufmerksam  gemacht 
worden  war;  wie  schwach  muss  nach  alledem  sein  Beobachtungsvermögen 
sein!  Ich  fand  die  wohl  auf  allen  Bibern  schmarotzende  Milbe  auf 
dem  ersten,  der  mir  unter  die  Hand  kam;  ob  das  auch  von  Friedrich 
gilt,  weiss  ich  nicht.  Interessant  und  der  weiteren  Forschung  werth  ist 
Trouessart’s  Vermuthung,  dass  Platypsilla  nicht  im  eigentlichen  Sinne  ein 
Schmarotzer  des  Bibers  sei,  sondern  nur  auf  ihm  lebe,  weil  er  sich  von 
den  nun  bekannt  gewordenen  Pelzmilben  desselben  nähre. 


IY.  Ueber  das  Alter  des  Ueberquaders  im  sächsischen 

Elbthalgebirge. 

Von  Wilhelm  Petraczek  in  Dresden -Plauen. 


Bei  der  Aufnahme  des  Gebietes  zwischen  Pirna  und  Wehlen  für  die 
geologische  Specialkarte  des  Königreiches  Sachsen  wurde  von  Beck  eine 
Sandsteinschicht  als  Ueberquader  ausgeschieden,  über  deren  Stellung  bis- 
her nichts  Sicheres  bekannt  geworden  ist.  Credner,  der  diese  Schicht 
in  seinen  Elementen  der  Geologie  erwähnt,  Hess  es  ursprünglich*)  un- 
entschieden, ob  der  Ueberquader  noch  dem  Oberturon  oder  dem  Emscher 
oder  dem  Untersenon  angehört.  Neuerlich**)  hält  er  es  für  wahrschein- 
lich, dass  der  Ueberquader  mit  den  Cuvieri- Plänern,  die  bei  Tetschen 
nachgewiesen  wurden,  zu  parallelisiren  sei  und  noch  dem  Oberturon  an- 
gehöre. Eine  Begründung  dieser  Annahme  wird  nicht  gegeben. 

Die  Trennung  des  Ueberquaders  vom  Liegenden  wird  durch  eine 
Thonschicht  hervorgerufen,  deren  Lagerungsverhältnisse  in  den  Erläuter- 
ungen zu  den  betreffenden  Sectionen***)  ausführlich  geschildert  sind.  Der 
Thon  lässt  sich  von  Zatzschke,  wo  er  eine  reiche,  von  Geinitz f)  auf- 
gezählte Fauna  geliefert  hat,  im  Elbthal  mit  einigen  Unterbrechungen  am 
rechten  Ufer  aufwärts  bis  in  die  Gegend  von  Zeichen  und  am  linken  Ufer 
von  Naundorf  bis  zur  Königsnase  bei  Obervogelgesang  herab  verfolgen. 
Die  Funde  von  Zatzschke  erwiesen  die  Identität  dieser  Thone  mit  den 
Bakulitenthonen  Böhmens  und  Hessen  diese  Schicht  den  Scaphiten-Plänern 
Norddeutschlands  gleichstellen.  Von  Zeichen  beschreibt  Beussff)  sieben 
Foraminiferen,  die  bis  auf  Haplophragmium  irreguläre  Köm.  alle  auch 
in  den  böhmischen  Bakulitenthonen  häufig  sind.  Endlich  gelang  es  auch 
uns,  in  dem  Thone  des  an  der  Biegung  des  Elbthaies  bei  Zeichen  auf  der 
Höhe  gelegenen  Steinbruches  (Nr.  39)  einige  Petrefacten  zu  finden,  darunter 
mehrere  Exemplare  der  bei  Zatzschke,  wie  auch  in  den  entsprechenden 
Schichten  Böhmens  sehr  häufigen  Nucula  producta  Nilss.  Ob  der  nördlich 
von  Lohmen  vorkommende  Thon  wirklich  cretaceisch  ist,  oder  ob  er  nicht 
ein  wahrscheinlich  diluvialer  Thon,  wie  er  um  den  Kohlberg  bei  Doberzeit 
Hegt,  und  wie  er  auch  kürzlich  bei  einem  Brunnenbau  in  Doberzeit  dicht 
an  der  Chaussee  aufgeschlossen  wurde,  ist,  bleibt  zweifelhaft. 


*)  7.  Auflage,  p.  650. 

**)  8.  Auflage,  p.  650. 

***)  Section  Pirna  (Blatt  83),  p.  71,  und  Königstein  (Blatt  84),  p.  14. 

f)  Elbtbalgebirge  II,  p.  197. 
ff;  Daselbst  II,  p.  77. 


25 


Im  Elbthal  zeigt  sich  eine  deutliche  Ueberlagerung  dieser  zur  Stufe 
der  Scaphiten  gehörenden  Thone  durch  Quadersandstein.  Dieser  Sand- 
stein soll  nach  Beck  bisher  nirgends  organische  Reste  geliefert  haben. 
Es  dürften  ihm  also  zwei  Bemerkungen  Geinitz’s  entgangen  sein.  Im 
Elbthalgebirge*)  wird  darauf  hingewiesen,  dass  Cyprina  quadrata  d’Orb. 
ihre  grösste  Entfaltung  im  Quadersandstein  der  alten  Poste  zeigt.  Audi 
eine  ältere  Notiz**)  besagt,  dass  in  den  obersten  Sandsteinschichten  in 
der  Nähe  des  Dorfes  Wehlen  Isocardia  cretacea  (soll  nach  einer  späteren 
Bemerkung***)  Cyprina  quadrata  heissen)  und  Pecten  quadricostatus  Vor- 
kommen. Das  K.  Mineralogisch -geologische  und  prähistorische  Museum 
zu  Dresden  besitzt  denn  auch  einige  Exemplare  der  Cyprina  aus  der 
alten  Poste,  während  die  K.  Technische  Hochschule  eine  Vota  quadricostata 
von  diesem  Fundorte  auf  bewahrt.  Die  Sandsteine  des  Ueberquaders  er- 
wiesen sich  sogar  als  verhältnissmässig  reich  an  Petrefacten.  Doch  steht 
dem  Reichthum  an  Individuen  Armuth  an  Species  gegenüber. 

Geologisches. 

Die  Lagerung  des  Ueberquaders  ist,  wie  aus  den  Aufschlüssen  im 
Elhthale  hervorgeht,  eine  fast  schwebende.  Der  Sandstein  zeigt  ein  unter 
etwa  3°  nach  NW.  gerichtetes  Einfallen.  Am  Besten  lassen  sich  diese 
Verhältnisse  von  der  am  rechten  Elbufer  gelegenen  Struppener  Bastei 
aus  überblicken.  Man  kann  von  hier  die  Thonbank  von  den  Steinbrüchen 
bei  Ober-Posta  bis  zur  Thongrube  bei  Wehlen  verfolgen.  Zugleich  er- 
kennt man  schon  von  hier  aus,  dass  die  beiden  auf  der  Höhe  liegenden 
Steinbrüche  vollständig  im  Gebiet  des  Ueberquaders  liegen.  Diese  beiden 
Brüche,  der  erste  hat  die  Nummer  39,  der  zweite  näher  an  Wehlen  ge- 
legene 44,  sind  bezüglich  der  Lagerungsverhältnisse  am  Interessantesten. 
Der  Stein,  der  hier  gebrochen  wird,  wird  allgemein  als  „feine  Wacke“ 
bezeichnet,  nicht  als  „weisse  Wacke“,  wie  Beck  sagt.  Ueberhaupt  ist 
ein  E arbenunterschied  zwischen  dem  Ueberquader  und  dem  Brongniarti- 
Quader  nicht  zu  bemerken.  Die  feine  Wacke  ist  bald  weiss,  bald  gelb, 
sie  ist  aber  auch  bald  grobkörnig,  bald  feinkörnig.  Dasselbe  ist  bei  den 
Quadersandsteinen  der  alten  Poste  der  Fall. 

Ersteigt  man  vom  Elbthal  aus  den  Steinbruch  Nr.  39,  so  gewahrt 
man,  bevor  man  die  Höhe  der  Brüche  erreicht,  die  von  Beck  erwähnte 
und  fast  überall  unter  der  Thonbank  zu  beobachtende  Schicht  von  Braun- 
eisenstein, die  hier  etwa  5 cm  Stärke  hat.  Darüber  folgt  ein  grauer, 
weicher,  in  Thon  übergehender  Sandstein.  Die  Thonbank  hat  eine  durch- 
schnittliche Mächtigkeit  von  2 m.  Der  Thon,  der  hier  die  erwähnten 
Petrefacten  führte,  ist  ziemlich  frei  von  Quarzkörnern,  und  ausserordent- 
lich plastisch.  Selten  führt  er  ganz  kleine  Kohlenbröckchen.  Seine  im 
frischen  Zustande  tiefschwarze  Farbe  geht  beim  Austrocknen  bald  in 
Blaugrau  über.  Der  Sandstein  bildet  hier  ein  stark  zerklüftetes  mächtiges 
Blockwerk;  man  gewahrt  nur  wenig  anstehendes  Gestein,  was  jedenfalls 
auf  einen  Bergrutsch  zurückzuführen  ist.  Zwischen  den  Blöcken  wölbt 
sich  der  Thon  infolge  des  Druckes  der  darüber  liegenden  Massen  manch- 


*)  Bd.  II,  p.  197. 

**)  Charakteristik,  p.  106. 

***)  Elbthalgebirge  II,  p.  62. 


26 


mal  in  die  Höhe,  wodurch  die  Thonbank  scheinbar  stellenweise  eine 
grössere  Mächtigkeit  zu  erlangen  scheint.  Der  Sandstein  des  Ueberquaders 
ist  im  Elbthal  in  zwei  verschiedenen,  getrennten  Bänken  ausgebildet,  einer 
unteren  mit  scharf  brechendem  Sandstein,  der  durch  grösseren  Eisengehalt 
oft  gelb  gefärbt,  oder  weiss  und  dann  von  gelben  Streifen  durchzogen  ist, 
und  einer  oberen  Bank  von  weissen,  bald  grob-,  bald  feinkörnigem  Sand- 
stein, der  von  lockerem  Bindemittel,  stark  porös  und  oft  von  flachen,  an- 
nähernd horizontal  liegenden  Hohlräumen  durchsetzt  ist,  die  gewöhnlich 
lehmige  oder  kohlehaltige  Substanz  führen.  Sehr  scharf  heben  sich  beide 
Bänke  in  dem  alten  Bruche  westlich  von  Bruch  39  ah.  Zwischen  den 
beiden  Sandsteinbänken  machen  sich  zuweilen  sandig-thonige  Einlagerungen 
geltend.  Am  Deutlichsten  ist  dies  im  Bruche  44  zu  bemerken.  Hier  be- 
obachtet man  an  einer  Wand  ungefähr  in  der  Mitte  des  Bruches  von  oben 


nach  unten  folgendes  Profil: 

Weisser,  lockerer  Sandstein 7 m, 

Blaugrauer,  stark  sandiger  Thon  . . . ca.  1 m, 

Werkstein  6 m, 

Gelbe,  etwas  thonige  Sandschicht  . . . . 0,2  m, 

Werkstein 1,5  m. 


Diese  Thoneinlagerung,  die  in  der  Mitte  der  Wand  auffällt,  unter- 
scheidet sich  petrographisch  bedeutend  von  dem  die  Sohle  des  Bruches 
bildenden  Scaphitenthon.  Sie  ist  reich  an  Kohlenbrocken,  die  zuweilen 
Faustgrösse  erreichen.  Der  Thon  enthält  in  Menge  groben  Quarzsand, 
der  sich  gewöhnlich  in  kleinen  Partien  stärker  anhäuft,  die  dann  in  Ge- 
stalt weisslicher  Schlieren  in  dem  blaugrauen  Thone  auftreten.  Im  Walde 
zwischen  den  Brüchen  39  und  44  fehlt,  wie  man  an  einer  Stelle  beobachten 
kann,  diese  Thoneinlagerung.  Im  Bruche  39  treten  dieselben  Thone  nicht 
selten  zwischen  dem  Blockwerk  in  halber  Höhe  des  Bruches  zu  Tage. 
Foraminiferen  konnten  wir  nirgends  in  diesen  Thonen  entdecken.  Das 
Hangende  dieser  Thonschicht  bildet  auch  im  Bruche  44  der  sogenannte 
faule  Stein,  hier  auch  als  Muschelwacke  oder  Buschwacke  bezeichnet. 
Dieser  Sandstein  ist  entweder  weiss  und  dann  von  feinem  Korn,  losem 
Bindemittel  und  von  vielen  Hohlräumen  durchsetzt,  oder  er  ist  gelb 
und  dann  von  sehr  grobem  Korn  und  festem  Bindemittel.  Beim  Zerlegen 
der  gelben  Steine  kommen  oft  auf  den  Schichtungsflächen  eine  Menge 
kleiner  Ostreen  und  schöne  scharfe  Steinkerne  von  Volä  quadricostata 
zum  Vorschein.  Die  weissen  lockeren  Sandsteine  sind  ärmer  an  Ver- 
steinerungen. 

Wesentlich  anders  sind  die  Verhältnisse  in  der  alten  Poste,  dem  sich 
vom  Dorf  Wehlen  in  nordwestlicher  Pachtung  nach  Mockethal  herab- 
ziehenden Thale.  Die  Thoneinlagerungen  haben  sich  ausgekeilt;  von 
einer  Absonderung  in  Bänke  ist  an  den  50  m Höhe  erreichenden  Sand- 
steinwänden nichts  mehr  zu  bemerken.  Das  Gestein  ist  überall  von 
scharfem  Bruch.  Grobkörnige  und  feinkörnige  Lagen  wechseln  regellos 
und  gehen  ohne  Grenze  in  einander  über.  In  der  Richtung  nach  Mocke- 
thal und  Zatzschke  nehmen  grobkörnige  Sandsteine  an  Häufigkeit  zu.  In 
den  letzten  Steinbrüchen,  insbesondere  im  Bruche  308  sind  grobkörnige 
gelbe  und  feinkörnige  weisse  Sandsteine  in  scharf  getrennte,  sich  rasch 
und  unregelmässig  auskeilende  Bänke  geschieden.  Die  Farbe  des  Sand- 
steines ist  auch  in  der  alten  Poste  eine  wechselnde,  bald  gelb,  bald  weiss. 


27 


Gewöhnlich  sind  auch  hier  die  weissen  Sandsteine  in  regelmässigem  Ab- 
stande von  eisenreichen  gelben  Streifen  durchzogen.  Diese  gebändert  er- 
scheinenden Sandsteine  sind  in  der  Regel  am  ärmsten  an  Petrefacten. 
Auffallend  häufig  findet  man,  besonders  in  den  grobkörnigen  Sandsteinen, 
rosenrothe  Quarze.  Auf  das  Vorkommen  solcher  Quarze  im  Brongniarti- 
Quader  weist  Beck*)  hin.  Ihre  grosse  Verbreitung  in  den  Sanden  um 
Dresden  wurde  durch  Nessig**)  erwiesen. 

Auf  das  reichliche  Vorkommen  von  Petrefacten  wurde  schon  aufmerksam 
gemacht.  Es  macht  sich  hierbei  ein  auffallend  scharfer  Unterschied 
zwischen  dem  Steinbruchgebiet  der  alten  Poste  und  dem  an  der  Elbe 
geltend.  Bei  achtmaligem  Besuche  dieser  Gebiete  gelang  es  mir,  mit 
Unterstützung  der  Arbeiter  in  der  alten  Poste  folgende  Species  aufzu- 
sammeln : 


Nautilus  rugatus  Fr.  u.  Schlbch. 
Fholadomya  nodulifera  Mstr. 
Cyprina  quadrata  d’Orb. 

Pinna  cretacea  Schl. 

Inoceramus  Brongniarti  Sow. 
Vola  quadricostata  Sow. 


Lima  canalifera  Goldf. 

Catopygus  Albensis  Gein. 

Micraster  cf.  cor  testudinarium  Gldf. 
Cidaris  cf.  subvesiculosa  d’Orb. 
cf.  Cycldbacia  Fromenteli  Bölsche. 
Spongites  Saxonicus  Gein. 


Auffallend  war,  dass  manche  dieser  Species  auf  enge  Räume  be- 
schränkt sind.  Lima  canalifera  Goldf.  ist  in  den  Brüchen  der  unteren 
alten  Poste  sehr  häufig,  besonders  in  den  gröbsten,  fast  als  Quarz- 
conglomerat  zu  bezeichnenden  Bänken  des  Steinbruches  308.  Thalaufwärts 
nimmt  sie  an  Häufigkeit  ab  und  wird  in  den  Brüchen  der  Herrenleithe 
durch  Cyprina  quadrata  d’Orb.  ersetzt,  die  nun  rasch  an  Häufigkeit  zu- 
nimmt, während  Lima  ganz  verschwindet.  Es  ist  dies  nicht  darauf  zurück- 
zuführen, dass  man  im  Thale  aufwärtssteigend  aus  den  unteren  Horizonten 
in  die  höheren  kommt.  Auch  auf  die  Gesteinsverhältnisse  lässt  sich  dies 
nicht  zurückführen,  denn  im  Bruche  308  kommt  Lima  canalifera  auch  in 
den  feinkörnigen  Schichten  nicht  selten  vor.  Fholadomya  nodulifera  fand 
sich  nur  in  zwei  Brüchen  im  oberen  Ende  der  alten  Poste. 

Ganz  anders  ist  die  Fauna,  der  man  im  Elb  thale  begegnet.  Fast 
Alles,  was  hier  gesammelt  wurde,  entstammt  der  oberen  Bank  des  Bruches  44. 
Es  fanden  sich: 

Cardium  Ottoi  Gein. 

Vola  quadricostata  Sow. 

Lima  cancdifera  Goldf. 

Ostrea  frons  Park. 

Nur  zwei  Species  treten  also  überall  im  Ueberquader  auf.  Lima 
canalifera  Goldf.,  die  in  der  alten  Poste  so  häufig  ist,  kam  hier  in  zwei 
Exemplaren  vor.  Vola  quadricostata  Sow.  hingegen,  die  hier  ganz  gemein 
ist,  begegnete  ich  nur  ein  einziges  Mal  in  der  alten  Poste.  Es  lässt  sich 
dies  nicht  anders  als  dadurch  erklären,  dass  im  Elbthal  die  tieferen,  dem 
Thone  direct  auflagernden  Schichten  aufgeschlossen  sind.  Vielleicht  ändern 
längere  Beobachtungen,  wozu  mir  auch  weiterhin  Gelegenheit  gegeben 
ist,  noch  manches  an  den  Verhältnissen  des  Vorkommens  der  Species. 


Ostrea  semiplana  Sow. 
Exogyra  lateralis  Nilss. 
Exogyra  cf.  laciniata  Nilss. 


*)  Erläut.  zu  Sect.  Königstein,  p 12. 

**)  Abhandl.  der  Isis  1895,  p.  78. 


28 


Beschreibung  der  Arten. 


Nautilus  rugatus  Fr.  et.  Schl. 

1870.  Nautilus  elegans?  Körner,  Geologie  von  Oberschlesien,  p.  819,  Taf.  35, 
‘ Fig.  4. 

1872.  — rugatus.  Fritsch  und  Schlönbach,  Cephalopoden  der  Böhm. 

Kreide,  p.  23,  Taf.  12,  Fig.  2;  Taf.  15,  Fig.  2. 

1875.  — rugatus  Geinitz,  Elbthalgebirge  II,  p.  181,  Taf.  31,  Fig.  16. 

Es  liegt  nur  ein  Bruchstück,  das  der  Wohnkammer  angehören  mag, 
vor.  Der  Durchmesser  desselben  kann  12  cm  betragen  haben.  Durch 
die  dicliotomen  Falten,  von  denen  es  bedeckt  ist,  giebt  es  sich  als  zu 
Nautilus  gehörig  zu  erkennen.  Bei  Nautilus  elegans  Sow.,  mit  dem  das 
Stück  zu  vergleichen  man  wohl  zunächst  geneigt  ist,  sind  die  Rippen  viel 
feiner,  was  am  deutlichsten  der  Vergleich  mit  einem  aus  dem  Cenoman 
von  Welschhufe  stammenden,  im  Dresdener  Museum  aufbewahrten  Stücke 
zeigt,  das  einem  Individuum  von  annähernd  derselben  Grösse  angehört. 
Das  Stück  passt  sehr  gut  zu  dem  von  Fritsch,  Taf.  12,  Fig.  2 abgebil- 
deten, in  den  Iser-Schichten  gesammelten  Exemplar.  Es  ist  im  obersten 
Bruche  auf  der  linken  Thalseite  der  alten  Poste  (283)  gefunden. 

Nach  Geinitz  kommt  diese  Species  in  den  Plänerkalken  von  Wein- 
böhla und  Strehlen  vor,  ferner  bei  Oppeln.  F ritsch  nennt  sie  aus  den  Iser- 
Schichten,  den  Teplitzer  Schichten  von  Hundorf  und  Koschtitz,  sowie  aus  den 
obersten  Quaderschichten  von  Kreibitz.  Schlüter*)  stellt  zu  dieser  Species 
Exemplare  aus  dem  turonen  Grünsande  des  südlichen  Westfalens. 


Pholadomya  nodulifera  Münst. 


1840.  Pholadomya  nodulifera  Münster  in  Goldfuss,  Petrefacta  Germaniae  II, 

p.  273,  Taf.  158,  Fig.  2. 

1846.  — — Reuss,  Versteinerungen  der  böhmischen  Kreide  II, 


1872. 

1876. 

1887. 

1887. 

1887. 


p.  18. 

— Geinitz,  Elbthalgebirge  II,  p.70,  Taf.  19,  Fig.  5. 
elliptica  Goldf.  Brauns,  Salzbergmergel.  Zeitschr.  für 
d.  gesammte  Naturwissensch.,  p.  360. 
nodulifera.  Müller  in  Jahrb.  d.  preuss.  geol.  Landes- 
anstalt, p.  433. 

nodulifera  Holzapfel,  Palaeontographica , Bd.  85,  p.  135, 
Taf.  15,  Fig.  1. 

— Fritsch,  Iserschichten.  Archiv  für  d.  natur- 
wissensch. Landesdurchforschung  v.  Böhmen, 
Bd.  5,  p.  108. 


Quer  ovale,  stark  bauchige  Steinkerne  mit  weit  nach  vorn  liegendem 
Wirbel,  von  dem  durch  die  Anwachsrippen  geknotet  erscheinende  Rippen  aus- 
strahlen, deren  Zahl  gewöhnlich  14  ist,  gehören  hierher.  Bei  einem  Exemplar 
sind  nur  11  solche  Rippen  vorhanden,  die  von  einander  entfernter  liegen 
und  etwas  schwächer  geknotet  sind.  Uns  liegen  5 wohlerhaltene  Steinkerne 
vor,  die  sämmtlich  aus  den  obersten  Steinbrüchen  der  alten  Poste  stammen. 

Geinitz  bildet  ein  Exemplar  aus  dem  oberen  Quadersandstein  der 
sächsischen  Schweiz  ab.  Dasselbe  wurde,  wie  im  Kataloge  des  K.  Museums 
angegeben  ist,  von  einem  Sandmanne  erworben.  Da  also  der  Fundort 
gänzlich  unbekannt  ist,  ist  nicht  ausgeschlossen,  dass  sein  Exemplar  ebenfalls 
aus  der  alten  Poste  stammt.  Nach  Reuss  soll  Pholadomya  nodulifera  im 
unteren  Quader  von  Tetschen  Vorkommen,  was  aber,  wie  auch  Fritsch 


{)  Palaeontographica,  Bd.  24,  p.  172. 


29 


bemerkt,  unwahrscheinlich  ist.  Mit  Sicherheit  ist  sie  in  Böhmen  erst  in  dem 
obersten  Quader  von  Kreibitz  nachgewiesen.  Man  kennt  sie  ferner  aus  den 
mit  Kreibitz  gleichalterigen  Ablagerungen  von  Kieslingswalde  und  Lücken- 
dorf  südlich  von  Zittau,  sowie  aus  dem  Unter-Senon  der  Löwenberger  Kreide- 
mulde*), von  Waldau  östlich  von  Görlitz,  des  nördlichen  Harzrandes  und  des 
Aachener  Beckens.  Auch  in  obersenonen  Ablagerungen  ist  sie  verbreitet. 

Cyprina  quadrata  d’  Orb. 

1840.  Isocardia  cretacea  Geinitz,  Charakteristik  II,  p.  53,  Taf.  11,  Big.  6,  7. 

1843.  Cyprina  quadrata  d’Orbigny.  Pal.  frang.  terr.  cret.  III,  p.  104,  PL  276. 

1873.  — — Geinitz,  Elbthalgebirge  II,  p.  62,  Taf.  17,  Eig.  14—16. 

1883.  r — — Fritsch,  Iserschichten,  p.  101. 

Steinkerne  von  vierseitigem  Umriss  und  hochgewölbtem,  sich  weit 
nach  vorn  drängenden  Wirbel  liegen  in  grosser  Zahl  vor.  Ihre  Grösse 
ist  sehr  schwankend  und  bewegt  sich  zwischen  45  und  75  mm  Länge  sowie 
35  und  55  mm  Höhe.  Ob  Alles,  was  ich  vorläufig  hierher  stelle,  wirklich 
Cyprina  quadrata  ist,  und  nicht  auch  andere  Cyprina- Arten  vorliegen, 
muss  zur  Zeit  unentschieden  bleiben.  Mangel  an  Vergleichsmaterial  und 
der  Erhaltungszustand  der  Steinkerne  lassen  keine  eingehende  Untersuchung 
zu.  Die  Abbildungen,  die  Geinitz  und  Fritsch  geben,  sind  gleich  wenig 
geeignet.  Der  Vergleich  mit  den  Abbildungen  d’Orbigny’s  und  den 
Originalexemplaren  von  Strehlen  lässt  jedoch  keinen  Zweifel  zu,  dass  die 
Mehrzahl  der  Steinkerne  der  Cyprina  quadrata  d’Orb.  angehört. 

Auf  das  zahlreiche  Vorkommen  im  oberen  Theile  der  alten  Poste 
wurde  schon  hingewiesen.  In  einem  Bruche  ist  sie  so  häufig,  dass  ich 
an  einem  Blocke  auf  der  Fläche  eines  Quadratmeters  über  30  Exemplare 
zählen  konnte.  Geinitz  führt  diese  Species  als  Seltenheit  des  unteren 
Pläners  von  Plauen  und  des  Plänerkalkes  von  Strehlen  und  Weinböhla  an. 
Häufiger  soll  sie  im  oberen  Quadersandstein  des  Elbthales  bei  Ober- 
vogelgesang und  Posta  sein.  Da  jedoch  weder  das  K.  Museum,  noch  die  Samm- 
lung der  K.  Technischen  Hochschule  zu  Dresden  Belegstücke  von  diesen  Orten, 
wohl  aber  solche  aus  der  alten  Poste  besitzen,  so  ist  eine  Verwechslung  mit 
letzterem  Orte  nicht  ausgeschlossen.  In  Bayern,  Westfalen  und  Frankreich 
ist  Cyprina  quadrata  ebenfalls  aus  cenomanen  Schichten  bekannt  geworden. 
Das  von  Geinitz**)  citirte  Vorkommen  der  Isocardia  cretacea  in  den 
Mühlsteinbrüchen  bei  Johnsdorf  ist  vielleicht  ebenfalls  auf  Cyprina  quadrata 
zurückzuführen.  Aus  den  senonen  Quadersandsteinen  von  Kreibitz  und 
Kieslingswalde  wird  Cyprina  Ligeriensis  d’Orb.  genannt. 


Cardium  Ottoi  Gein. 

1843.  Cardium  Ottonis  Geinitz,  Yerstein.  von  Kieslingswalde,  p.  14,  Taf.  1, 
Fig.  31.  32. 

1850.  — Ottoi  Geinitz,  Quadergebirge  in  Deutschland,  p.  154. 

1863.  — — Drescher,  Zeitschr.  d.  d.  geol.  Ges.,  p.  347,  Taf.  9,  Fig.  15. 

1876.  — — Brauns,  Salzbergmergel,_p.  370. 

1885.  — pectiniforme  Müll.  Holzapfel,  Zeitschr.  d.  d.  geol.  Ges.,  p.  598. 

1887.  . — — Frech,  Zeitschr.  d.  d.  geol.  Ges.,  p.  164,  Taf.  14, 

Fig.  1—4. 

1887.  — Ottoi  Gein.  Müller,  Jahrb.  d.  preuss.  geol.  Landesanst.,  p.  426. 

1887.  — Becksii  Müll.  Holzapfel,  Palaeontogr.,  Bd.  35,  p.  184,  Taf.  18, 

Fig.  5-9. 


*)  Williger,  Jahrb.  der  preuss.  geol.  Landesanstalt  1881,  p.  82. 

**)  Charakteristik,  p.  108. 


30 


Es  liegt  ein  Abdruck  vor,  der  nur  hierher  gestellt  werden  kann.  Das 
Verhältnis  der  Höhe  zur  Breite  ist  18: 16.  Ueber  die  hochgewölbte,  etwas 
schiefe  Schale  laufen  25  gerundete  Radialrippen. 

Dieses  Stück  wurde  im  Elbthal  im  Bruche  39  gesammelt.  Die  Species 
ist  bezeichnend  für  das  Unter-Senon.  Sie  kommt  vor  in  den  Chlomeker- 
Schichten  Böhmens*),  im  Sandstein  von  Kieslingswalde,  am  Marterberg 
in  Bayern**),  in  den  Mergeln  am  Salzberge  und  im  Quader  des  Butterberges. 
Im  Aachener  Sande  fehlt  sie  und  tritt  erst  in  den  darüber  liegenden 
Grünsanden  in  grosser  Menge  auf,  ebenso  erscheint  sie  in  der  Löwenberger 
Mulde***)  erst  in  der  Mucronaten-Kreide. 

Pinna  cretacea  Schloth. 


1840.  Pinna  quadr  angularis  Goldf.,  Petref.  Germ.  II,  p.  166,  Taf.  127,  Fig.  8. 

1850.  — restituta  Goldf.  Geinitz,  Charakteristik,  p.  55,  Taf.  X,  Fig.  1. 

1873.  — cretacea  Schloth.  Geinitz,  Elbthalgeh.  II,  p.  54,  Taf.  14,  Fig. 2, 3. 

1876.  — diluviana  Schloth.  Brauns,  Salzbergmergel,  p.  176. 

1887.  — — Williger,  Jahrb.  d.  preuss.  geol.  Landesanst.,  p.  83. 

1887.  — quadr angularis  Goldf.  Frech,  Zeitschr.  d.  d.  geol.  Ges.,  p.  158. 

1887.  — — G.  Müller,  Jahrb.  d.  preuss.  geol.  Landesanst.,  p.  420. 

1887.  — cretacea  Schloth.  Holzapfel,  Palaeontographica,  Bd.  35,  p.  214. 

Die  Steinkerne  weisen  deutlich  vier  oder  auch  fünf  Radialrippen 
unterhalb  des  Kieles  auf.  Sie  würden  also,  wenn  die  Trennung  dieser  Species 
aufrecht  gehalten  werden  soll,  der  Pinna  cretacea  Schloth.  im  engeren  Sinne 
zuzuzählen  sein.  Das  Studium  der  im  Brongniarti-Quader  Sachsens  häufig  Yor- 
komm enden  Formen  zeigt,  dass  die  Zahl  der  unter  dem  Kiel  auftretenden 
Rippen  sehr  schwankend  ist  und  eine  Vereinigung,  wie  sie  Geinitz  vor- 
genommen hat,  berechtigt  ist. 

Diese  Species  kommt  in  Sachsen  in  beiden  dem  Turon  angehörenden 
Quadersandsteinen  vor.  Man  kennt  sie  ferner  aus  dem  Quader  von 
Kieslingswalde,  Kreibitz  und  vom  Südhange  des  Hochwaldes  bei  Zittauf). 
Sehr  verbreitet  ist  sie  ferner  im  Unter-  und  Ober-Senon  am  Nordrande 
des  Harzes,  Westfalens,  des  Aachener  Beckens  und  der  Löwenberger 
Kreidemulde.  Gümbelff)  citirt  sie  aus  den  senonen  Grossberg-  und 
Marterberg-Schichten,  v.  Hagenowfff)  aus  der  Kreide  Rügens.  Mit  dem 
Vorkommen  im  Turon  Sachsens  stimmt  das  von  Uchaux  überein. 


Inoceramus  Brongniarti  Sow. 


1840.  Inoceramus  annulatus  Goldf.,  Petref.  Germ.  II,  p.  114,  Taf.  110,  Fig.  7. 
1846.  — Brongniarti  Park.  Reuss,  Verst.  d.  böhm.  Kreide  II,  p.  24. 

1870.  — — Römer,  Geol.  v.  Oberschlesien,  p.  316,  Taf.  34,  Fig.  13. 

1872.  — — Sow.  Geinitz,  Elbthalgeb.  II,  p.  43,  Taf.  11, 

Fig.  3-10;  Taf.  13,  Fig.  3. 

1877.  — — Sow.  Schlüter,  Palaeontogr.,  Bd.  24,  p.  263. 

1883.  — — Fritsch,  Iserschichten,  p.  110,  Fig.  80. 


Da  an  dem  einzigen  vorliegenden  Steinkern  der  Schlossrand  nicht 
erhalten  ist,  ist  die  Species  nicht  mit  voller  Sicherheit  festzustellen. 
Er  ist  etwas  schlanker,  als  man  es  bei  In.  Brongniarti  gewöhnt  ist.  (Länge 


*)  Kreici,  Archiv  f.  d.  naturw.  Landesdurchforsch.  v.  Böhmen,  Bd.  1,  p.  157. 

**)  Gümbel,  Beschr.  d.  ostbayr.  Grenzgeb.,  p.  765. 

***)  Williger,  Jahrb.  der  preuss.  geol.  Landesanstalt  1881,  p.  105. 

f)  Danzig,  Quadergeb.  südl.  von  Zittau.  Sitzb.  der  Isis  1874,  p.  17. 
ff)  Geogn.  Beschr.  Bayerns  II,  p.  756, 
fff)  N.  Jahrb.  1842,  p.  561. 


31 


12,  Breite  8 cm.)  Die  Schale  ist  sehr  flach  gewölbt.  Die  concentrischen 
Wülste  sind  auffallend  flach,  zwischen  ihnen  verlaufen  noch  ganz  feine 
Runzeln.  Da  jedoch  diese  Merkmale  bei  In.  Brongniarti  sehr  schwanken, 
kann  das  nicht  gegen  die  Bestimmung  sprechen.  Die  Vorderseite  ist  scharf 
und  rechtwinkelig  abgeschnitten  und  bildet  in  ihrem  Verlaufe  eine  seichte 
Bucht,  die  nahe  am  Wirbel  am  tiefsten  ist.  Die  Vereinigung  der  Vorder- 
seite mit  der  Unterseite  erfolgt  ähnlich  wie  bei  Geinitz  II,  Taf.  11,  Fig.  3 
durch  einen  scharfen  Vorsprung  der  Schale.  Auf  der  Hinterseite  werden 
die  Rippen  der  Oberfläche  undeutlicher  und  verschwinden  dort,  wo  die 
Schale  in  den  Flügel  übergeht,  ganz.  Der  Flügel  selbst  ist  nicht  mehr 
erhalten. 

Inoceramus  Brongniarti  ist  für  turone  Ablagerungen  bezeichnend  und 
ist  auch  im  Quader  des  Elbthaies  weit  verbreitet  und  häufig.  Er  kommt 
auch  im  Quader  von  Kreibitz  vor  und  ist  von  Danzig*)  mehrere  Male 
in  den  mit  Kreibitz  gleichalterigen  Quadern  südlich  von  Zittau  gefunden 
worden.  Das  von  Drescher**)  ervrähnte  Vorkommen  im  Untersenon  von 
Löwenberg  wird  von  G.  Müller  bestritten. 

Vota  quadricostata  Sow.  sp. 

1834.  Pecten  quadrico Status  Goldfuss,  Petref.  Germ.  II,  p.  54,  Taf.  92,  Fig.  7. 

1839.  — — Geinitz,  Charakteristik,  p.  22. 

1843.  — — Geinitz,  Kieslingswalde,  p.  16,  Taf.  3,  Fig.  14,  15. 

1846.  — versicostatus  Reuss,  Verst.  d.  böhm.  Kreide  II,  p.  31. 

1852.  Neithea  quadricostata  Bronn,  Leth.  geogn.  V,  p.  277,  Taf.  30,  Fig.  16. 

1873.  Vota  quadricostata  Sow.  Geinitz,  Elbthalgeb.  II,  p.  37,  Taf.  10,  Fig.  14 

bis  16. 

1876.  — quadricostata  Brauns,  Salzbergmergel,  p.  388. 

1887.  — — G.  Müller,  Jahrb.  d.  preuss.  geol.  Landesanst.,  p.  409. 

1887.  — — Holzapfel,  Palaeontograph.,  Bd.  35,  p.  237,  Taf.  26, 

Fig.  20. 

Diese  Species  ist,  wie  auch  Geinitz  bemerkt,  nicht  immer  ganz 
leicht  von  Vota  quinquecostata  Sow.  zu  unterscheiden,  da  zuweilen  durch 
Spaltung  der  Hauptrippen  der  Anschein  hervorgerufen  wird,  als  lägen  vier 
schwächere  Rippen  zwischen  den  Hauptrippen.  Man  kann  dies  auch  häufig 
an  unseren  Exemplaren  beobachten.  Ausserdem  erscheinen  unsere  Stücke, 
wie  auch  die  aus  dem  turonen  Quader  Sachsens  stammenden,  etwas  spitzer. 
Die  Seitenkanten  der  Unterschale  bilden  am  Wirbel  einen  Winkel  von 
gewöhnlich  70°  (70 — 75°),  während  ich  an  Exemplaren  von  Haltern  und 
vom  Salzberge  meist  80°  (75 — 80°)  mass.  Das  Exemplar,  das  Geinitz, 
Elbthalgebirge  II,  Taf.  10,  Fig.  14  abbildet,  ist  nach  unten  auffallend  breit, 
wie  wir  es  an  keinem  unserer  Exemplare  bemerken  konnten.  Doch  lehren 
Stücke  vom  Salzberge  und  von  der  Insel  Wight,  dass  auch  solche  Formen 
Vorkommen.  Auch  Drescher***)  bemerkt  ausdrücklich  das  Vorkommen 
von  verschiedenartigen  Varietäten.  Zu  beachten  ist,  dass  er  aus  den 
untersenonen  Schichten  von  Neu -Warthau  sowohl  Vola  quadricostata  als 
auch  Vola  quinquecostata  aufführt.  Vermuthlich  lagen  auch  ihm  Exemplare 
vor,  bei  denen  die  Hauptrippen  in  der  erwähnten  Weise  gespalten  wraren. 
Offenbar  sind  die  Charaktere  der  Vota  quadricostata  sehr  schwankend, 


*)  1.  c.  p.  18  ft. 

**)  1.  c.  p.  532. 

***)  1.  c.  p.  354. 


32 


es  ist  aber  kein  Grund  vorhanden,  sie  in  einzelne  Arten  zu  zersplittern. 
Im  Gegentheil  wäre  die  Frage  zu  erörtern,  ob  Vola  quinquecostata  und 
quadricostata  nicht,  wie  es  schon  Reuss  that,  zusammengezogen  werden 
sollten,  und  beide  mit  einer  Uebergangsform  als  Subspecies  weitergeführt 
werden  sollten.  Auf  den  Oberschalen  ist  kaum  etwas  von  stärker  hervor- 
tretenden Rippen  zu  bemerken,  in  ihrem  Umriss  sind  sie  stumpf  sechs- 
eckig. An  den  Holzapfel’schen  Abbildungen  sind  die  Ohren  nicht 
glücklich  ergänzt,  sie  zeigen  sich  in  Wirklichkeit  stets  etwas  nach  innen 
eingebogen. 

Es  liegen  zahlreiche  Exemplare  aus  dem  Bruche  44  bei  Zeichen  vor, 
nur  eins  stammt  aus  dem  unteren  Theil  der  alten  Poste  (Bruch  308). 
In  ihrer  Grösse  schwanken  sie  zwischen  12  und  45  mm  Höhe  und  9 und 
42  mm  Breite.  Diese  Species  ist  schon  aus  dem  Cenoman  bekannt,  im 
Brongniarti-Quader  des  Elbthaies  wird  sie  häufig.  Sehr  verbreitet  ist  sie 
nach  Danzig  im  Quader  südlich  von  Zittau  und  den  damit  gleichalterigen 
Quadern  von  Kreibitz  und  Kieslingswalde.  Ihre  grösste  Verbreitung 
erreicht  sie  im  Untersenon.  East  an  allen  Punkten  nördlich  vom  Harze 
und  in  Westfalen,  wo  ausgiebig  gesammelt  wurde,  kam  Vola  quadricostata 
vor.  Williger*)  nennt  sie  aus  der  Quadraten-Kreide  der  Löwenberger 
Mulde  und  Gümbel**)  aus  der  des  Marterbergs.  Aus  dem  der  Quadraten- 
Kreide  entsprechenden  Etage  Santonien  ist  sie  durch  Coquand***)  bekannt 
geworden.  Dass  sie  auch  noch  in  die  Mucronaten-Kreide  hinaufsteigt, 
beweist  das  Vorkommen  im  Aachener  Grünsand  und  besonders  das  im 
Kreidetuff  von  Mastricht. 

Lima  canalifera  Goldf. 

1834.  Lima  canalifera  Goldfuss,  Petref.  Germ.  II,  p.  89,  Taf.  104,  Fig.  1. 

1839.  — multicostata  Geinitz,  Charakteristik,  p.  24,  Taf.  8,  Fig.  3. 

1843.  — — Geinitz,  Kieslingswalde,  Taf.  6,  Fig.  10. 

1846.  — — Renss,  Verst.  d.  böhm.  Kreide  II,  p.  34,  Taf.  38, 

Fig.  7,  8,  18. 

1873.  — canalifera  Goldf.  Geinitz,  Elbthalgebirge  II,  p.  38,  Taf.  9,  Fig.  6 

bis  8. 

1876.  — canalifera  Brauns,  Salzbergmergel,  p.  386. 

1883.  — multicostata  Gein.  Fritsch,  Iserschichten,  p.  113,  Fig.  83. 

1887.  — canalifera  Goldf.  G.  Müller,  Jahrb.  d.  preuss.  geol.  Landesanst., 

p.  404. 

Die  Schale  ist  oft  schief  eiförmig,  oft  fast  halbkreisförmig.  Die  Zahl 
der  Rippen  schwankt  zwischen  17  und  23.  An  den  Steinkernen  erscheinen 
die  Rippen  so  breit  wie  die  sie  trennenden  Zwischenräume.  Auch  An- 
deutungen der  Anwachsstreifen  sind  trotz  des  sehr  grobkörnigen  Gesteins- 
materials erhalten.  Die  Höhe  der  zahlreich  vorliegenden  Exemplare 
schwankt  zwischen  32  und  70  mm. 

Am  häufigsten  ist  Lima  canalifera  in  den  grobkörnigen  Sandsteinen 
des  unteren  Theiles  der  alten  Poste.  Im  oberen  Theile  verschwindet  sie. 
Aus  dem  Bruche  44  bei  Zeichen  liegen  zwei  Exemplare  vor.  Diese  Species 
gehört  ebenfalls  zu  den  gewöhnlichsten  Erscheinungen  im  Brongniarti-Quader 
des  sächsischen  Elbthaies.  Im  Quader  südlich  von  Zittau,  von  Kreibitz 
und  von  Kieslingswalde  ist  sie  sehr  häufig.  Im  Untersenon  von  Westfalen 


*)  1.  c.  p.  83. 

**)  1.  c.  p.  748. 

***)  Bull.  soc.  geol.  France  1859,  p.  977. 


38 


und  des  nördlichen  Harzrandes,  insbesondere  des  Salzberges  wird  sie  oft 
beobachtet.  In  der  Quadraten-Kreide  von  Löwenberg*)  ist  ihr  Vorkommen 
wahrscheinlich.  Hingegen  scheint  sie  im  Aachener  Becken  noch  nicht 
gefunden  zu  sein. 

Oslrea  semiplana  Sow. 

1834.  Ostrea  flabelliformis,  sulcata,  armata  Goldfuss,  Petref.  Germ.  II,  p.  12, 13, 
Taf.  76,  Fig.  1-3. 

1843.  — semiplana  d’Orb.,  Pal.  franQ.  terr.  cret.  III,  p.  747,  PI.  488,  Fig.  4, 5. 

1873.  — — Geinitz,  Elbthalgebirge  II,  p.  29,  Tat.  8,  Fig.  8 -11,  13. 

1876.  — sulcata  Blumb.  Brauns,  Salzbergmergel,  p.  393. 

1887.  — — G.  Müller,  Jahrb.  d.  preuss.  geol.  Landesanst.  p.  400. 

1887.  — semiplana  Sow.  Holzapfel,  Palaeontogr.,  Bd.  35,  p.  251 , Taf.  28, 

Fig.  5,  6. 

Die  Steinkerne  gehören  der  rechten  Klappe  an.  Sie  haben  rundlich 
dreiseitigen  Umriss.  Am  Rande  geben  sich  die  Enden  der  Falten  zu 
erkennen.  Scharf  ausgeprägt  ist  der  Muskeleindruck,  auch  die  dreieckige 
Ligamentgrube  ist  angedeutet. 

Sie  ist  im  Bruche  44  bei  Zeichen  ziemlich  häufig.  Ihr  Vorkommen 
im  Cenoman  ist  wahrscheinlich.  Im  Turon  tritt  sie  häufiger  auf.  Geinitz 
nennt  sie  von  Kieslingswalde.  Diesem  Vorkommen  entspricht  das  in  der 
Quadraten-Kreide  von  Löwenberg**).  Gümbel  führt  sie  aus  dem  Unter- 
Senon  des  Marterberges  an.  Häufig  ist  sie  am  Salzberge  und  in  den 
gleichalterigen  Schichten  am  Nordrande  des  Harzes  und  Westfalens. 
Ebenso  ist  sie  im  Grünsande  Aachens  sehr  verbreitet. 

Älectryonia  frons  Park. 

1834.  Ostrea  prionota  und  serrata  Goldf.,  Petref.  Germ.  II,  p.  10,  Taf.  74, 
Fig.  8,  9. 

1843.  — frons  d’Orb.,  Pal.  fran§.  III,  p.  733,  PI.  483. 

1868.  — JEggeri  Gümbel,  geogn.  Beschr.  d.  ostbayr.  Grenzgeb.,  p.  768, 

Fig.  8 (?) 

1871.  — pectinata  Lam.  Stoliczka,  Cret.  Fauna  of  S.  India  III,  p.  469, 

Taf.  48,  Fig.  1,  2. 

1873.  — frons  Park.  Geinitz,  Elbthalgeb.  II,  p.  30,  Taf  8,  Fig.  12. 

Von  der  sehr  ähnlichen  Älectryonia  carinata  durch  die  flachere 
Schale,  die  in  spitzen  Winkeln  mit  der  Mittellinie  zusammentreffenden 
Rippen  und  das  Fehlen  der  Flügel  unterschieden.  Die  Schale  ist  11  mm 
breit  und  25  mm  hoch. 

Diese  Species  ist  im  Bruche  44  bei  Zeichen  sehr  häufig.  Bekannt  ist 
sie  noch  aus  dem  Plänerkalk  von  Strehlen.  Ob  die  Ostrea  frons , die 
Fritsch***)  aus  den  Trigonia-  und  Bryozoen-Schichten  abbildet,  wirklich 
hierher  gehören  oder  nicht  zu  Ostrea  semiplana  zu  stellen  ist,  ist  zweifel- 
haft. Vermuthlich  ist  auch  die  Ostrea  carinata , die  Willigerf)  aus  dem 
Untersenon  der  Löwenberger  Mulde  citirt,  hierher  zu  stellen.  Häufig  ist 
nach  Danzig  Älectryonia  frons  im  Kreidegebirge  südlich  von  Zittau.  Diese 
Species  wird  als  charakteristisch  für  die  senonen  Ablagerungen  Frankreichs, 
Hollands  und  Schwedens  angeführt. 


*)  Williger,  1.  c.  p.  83. 

**)  Williger,  1.  c.  p.  83. 

**+)  Iser schichten,  p.  121,  Fig.  96. 
f)  1.  c.  p.  83. 


34 


Exogijra  lateralis  Nilss. 

1834.  Ostrea  lateralis  Goldfuss,  Petref.  Germ.  II,  p.  24,  Taf.  82,  Fig.  1. 

1843.  — canaliculata  d’Orbigny,  Pal.  fr.  terr.  cret.  III,  p.  709,  PL  471, 

Fig.  4-8. 

1846.  Exogyra  lateralis  Reuss,  Yerstein.  der  böhm.  Kreide  II,  p.  42,  Taf.  27, 
Fig.  38—47. 

1870.  — lateralis  Römer,  Geologie  v.  Oberschlesien,  p.  341,  Taf.  29, 

Fig.  4 — 5. 

1871.  — canaliculata  Stoliczka,  Cret.  Fauna  of  S.  India  III,  p.  463,  PI.  48, 

Fig.  6—8. 

1873.  — lateralis  Geinitz,  Elbthalgebirge  I,  p.  179,  Taf.  41,  Fig.  28 — 35; 

II,  Taf.  8,  Fig.  15—17. 

1887.  — canaliculata  G.  Müller,  Jahrb.  d.  preuss.  geol.  Landesanst., 

p.  401. 

1887.  — lateralis  Holzapfel,  Palaeontogr.  Bd.  35,  p.  256. 


Diese  Art  ist  leicht  zu  erkennen  an  dem  hochgewölbten,  spiralförmig 
eingebogenen  Wirbel  der  Unterschale  und  an  ihrer  oft  recht  grossen 
fiügelartigen  Erweiterung.  Formen,  die  am  Wirbel  breiter  sind,  wie  es 
Geinitz  an  Exemplaren  von  Strehlen  abbildet,  kommen  unter  den  ge- 
wöhnlichen spitzen  auch  vor. 

Etliche  Exemplare  liegen  aus  dem  Bruche  44  bei  Zeichen,  wo  sie  recht 
häufig  ist,  vor.  Sie  tritt  bereits  im  Cenoman  in  grosser  Individuenzahl 
auf  und  reicht  bis  in  das  Obersenon.  Schlüter*)  führt  sie  noch  aus  den 
höchsten  Stufen  der  Mucronaten-Kreide  Schwedens  an.  Geinitz  nennt 
sie  von  Kieslingswalde  und  von  Kreibitz.  Von  anderen  untersenonen  Fund- 
orten sind  die  mit  den  Salzbergmergeln  zu  parallelisirenden  Mergel  bei 
Harzburg  zu  nennen.  Bei  Löwenberg  scheint  sie  zu  fehlen  und  auch  von 
Aachen  wird  sie  nur  aus  der  oberen  Quadraten-Kreide  aufgeführt. 


Exogyra  cf.  laciniata  Nilss.  sp. 


1834.  Exogyra  laciniata  Goldf.,  Petref.  Germ.  II,  p.  33,  Taf.  86,  Fig.  2. 


1843.  — 

1871.  — 

1876  — 

1883.  — 

1887. 

1887.  — 


d’Orbigny,  Pal.  frang.  III,  p.  739,  Taf.  486,  Fig.  1,  2. 
Stoliczka,  Cret.  Fauna  of  S.  India  III,  p.  460,  Taf.  38, 
Fig.  1 — 3. 

Brauns,  Salzbergmergel,  p.  394. 

Fritsch,  Isersckichten,  p.  119,  Fig.  93. 

G.  Müller,  Jahrb.  d.  preuss.  geol.  Landesanst.,  p.  402. 
Holzapfel,  Palaeontogr.,  Bd.  35,  p.  254. 


Ilochgewölbte  Steinkerne,  wie  sie  nicht  selten  im  Bruche  44  bei  Zeichen 
auftreten,  dürften  hierher  gehören.  Da  niemals  Reste  der  Schale  erhalten 
sind,  ist  die  Species  nicht  mit  voller  Sicherheit  festzustellen.  Die  Stein- 
kerne dürften  der  linken  Schale  angehören,  die  stumpfe  Längskante  ist 
angedeutet.  Im  Uebrigen  passen  sie  sehr  gut  zu  den  im  Dresdener  Museum 
auf  bewahrten,  von  Mastricht  stammenden  Stücken.  Sie  sind  bedeutend 
kleiner,  als  es  die  Abbildungen  zeigen.  Vielleicht  stellen  sie,  wie  die  von 
Fritsch  abgebildeten,  Jugendzustände  dar. 

Fritsch  führt  sie  aus  den  Iserschichten  an.  In  Sachsen  ist  die  Species 
noch  nicht  bekannt  geworden.  Sie  ist  kennzeichnend  für  das  Senon  und 
geht  durch  alle  Horizonte  desselben.  Gümbel**)  fand  sie  im  Unter-Senon 
Bayerns.  Am  Nordrande  des  Harzes  und  im  Aachener  Becken  ist  sie  im 
Unter-Senon  häufig. 


*)  Neues  Jahrbuch  1870,  p.  951. 

**)  1.  c.  p.  758. 


85 


Catopygus  Älbensis  Gein. 

1871.  Catopyqus  Älbensis  Geinitz,  Elbthalgebirge  I,  p.  82,  Taf.  19,  Fig.  3; 

II,  p.  9,  Taf.  3,  Fig.  1. 

1883.  — — Fritsch,  Iserschichten,  p.  131,  Fig.  122. 

1887.  — — Novak,  Echinodermen  der  böhm.  Kreide.  Abh.d.böhm. 

Ges.  d.  Wiss.  VII.  Folge,  2.  Bd.,  p.  36,  Taf.  1, 
Fig.  4 — 5. 

Diese  Art  unterscheidet  sich  von  dem  nahe  verwandten  Catopygus 
carinatus  durch  die  grössere  Breite,  doch  sind  die  Verhältnisse  sehr 
wechselnd.  Geinitz  giebt  als  Verhältnis  von  Länge  zu  Breite  zu  Höhe 
an  28:27:  18.  Bei  einem  von  ihm  bestimmten  Exemplare  von  Rathen  ist 
es  28:25:21.  Die  Länge  zu  100  gesetzt,  erhält  man  100:96:64,  bez. 
100:89:75.  Bei  Catopygus  carinatus  ist  das  Verhältnis  100:84:72. 
Wir  besitzen  Exemplare  in  verschiedenen  Grössen,  einige  zeigen  folgende 

\ PT*n  Q|‘f  TI1  QQP  • 

14:14  : 9;  das  entspricht  100  : 100  : 64, 

20:17:11;  „ „ 100:  85:55, 

25:24:15;  „ „ 100:  96:60, 

26:22:15;  „ „ 100:  85:58, 

30:25:16;  „ „ 100:  83:53. 

Kennzeichnend  ist,  dass  die  grösste  Breite  in  die  Mitte  der  hinteren 
Hälfte  fä  lt,  und  dass  die  grösste  Höhe  kurz  hinter  dem  Scheitel  liegt. 
Die  Unte  yeite  ist  immer  eben.  Das  fünfseitige  Peristom  liegt  vor  der 
Mitte.  an  kann,  wie  auch  Novak  hervorhebt,  höhere  Formen  von 
flacheren  unterscheiden. 

Catopygus  Älbensis  ist  im  mittleren  Theile  der  alten  Poste  ziemlich 
häufig.  Es  liegen  11  zum  Theil  recht  gut  erhaltene  Exemplare  vor.  Diese 
Art  wurde  im  unteren  Quader  von  Dippoldiswalde  entdeckt,  später  fand 
sie  Deichmüller*)  im  Cenoman  von  Dohna.  Häufiger  kommt  sie  nach 
Geinitz  im  Brongniarti-  Quader  vor.  Auch  aus  dem  böhmischen  Cenoman 
und  Turon  ist  diese  Art  wiederholt  bekannt  geworden. 

Micraster  cf.  cor  testudinarium  Goldf.  sp. 

1833.  Spatangus  cor  testudinarium  Goldfuss.  Petref.  Germ.  I,  p.  156,  Taf.  48, 

Fig.  5. 

1846.  Micraster  cor  anguin%m  Reuss,  Verst.  d.  böhm.  Kreide  II,  p.  56. 

1873.  — cor  testudinarium  Geinitz,  Elbthalgeb.  II,  p.  11,  Taf.  4, 

Fig.l — 4. 

1875.  Spatangus  — — Quenstedt,  Petrefaktenkunde,  Bd.  3,  p.  646, 

Taf.  87,  Fig.  30,  31. 

Einen  etwas  verdrückten  Steinkern  aus  der  alten  Poste  glaubte  ich 
wegen  seiner  flachen  Gestalt  hierher  stellen  zu  müssen.  Länge : Breite  : Dicke 
sind  38  : 36  : 20.  Die  Schale  ist  herzförmig.  Das  hintere  Ende  ist  gerade 
abgeschnitten.  Der  obere  Rand  über  dem  After  ist  vorstehend,  sodass  die 
Vorderseite  etwas  nach  hinten  einfällt.  Vom  Scheitel  bis  zum  hinteren 
Ende  ist  kaum  ein  Abfallen  der  Schale  zu  bemerken.  Das  Peristom  liegt 
stark  vertieft,  nahe  dem  Vorderrande.  Die  Lippe  ist  vorspringend.  Hinter 
dem  Munde  erhebt  sich  auf  der  flachen  Unterseite  ein  flacher  gerundeter 
Rücken,  der  sich  nach  vorn  zu  verbreitert  und  verflacht  und  allmählich 
.verliert. 


* 


*)  Sitzber.  der  Isis  1881,  p.  79. 


Micraster  cor  testudinarium  gehört  zu  den  vorzüglichsten  Leitfossilien 
des  Turons.  Im  Plänerkalke  Strehlens  ist  er  sehr  gewöhnlich.  Auch  hei 
Zatzschke  wurde  er  gefunden. 

Cidaris  cf.  subvesiculosa  d’Orb. 

1846.  Cidaris  armata  Reuss,  Verstein.  d.  böhm.  Kreide  II,  p.  57,  Taf.  20, 

Fig.  28,  24. 

1873.  — subvesiculosa  Geinitz,  Elbthalgebirge  II,  p.  6,  Taf.  2,  Fig.  1—4. 

1875.  — subvesiculosus  Quenstedt,  Petrefaktenkunde,  Bd.  3,  p.  166, 

Taf.  67,  Fig.  151—155. 

In  der  alten  Poste  fand  sich  ein  Abdruck  von  einem  Stachel,  der 
3 mm  Dicke  hat.  Das  erhaltene  Stück  ist  14  mm  lang  und  von  cylin- 
drischer  Gestalt.  Die  Längsrippen  erscheinen  mit  deutlichen  Höckern 
versehen. 

Diese  Species  kommt  im  Plänerkalke  von  Strehlen  und  Hundorf  vor. 
Geinitz  erwähnt  sie  noch  aus  dem  Brongniarti- Quader  von  Ottendorf. 
Auch  aus  der  senonen  Kreide  von  Rügen  ist  sie  bekannt. 

cf.  Cyclabacia  Fromenteli  Bölsche. 

1866.  Cyclabacia  Fromenteli  Bölsche,  Zeitschr.  d.  d.  geol.  Ges.,  p.  474,  Taf.  9, 

Fig.  4. 

1873.  — — Geinitz,  Elbthalgebirge  II,  p.  6. 

1876.  — — Brauns,  Salzbergmergel,  p.  408. 

Die  von  Geinitz  erwähnten,  1871  bei  Struppen  gefundenen  Exemplare 
befinden  sich  in  der  Sammlung  der  K.  Technischen  Hochschule  zu  Dresden 
und  konnten  zum  Vergleiche  benutzt  werden.  Die  Gestalt  ist  halbkugel- 
förmig, die  Unterseite  ist  eben.  Die  Septen,  die  in  fünf  Cyklen  entwickelt 
sind,  stehen  dicht  gedrängt.  Auf  2 mm  kommen  8 Septen.  Die  Columella 
ist  rudimentär. 

Diese  Art  wurde  in  der  alten  Poste,  gegenüber  dem  Gasthofe  zur 
Herrenhütte  gefunden  und  ist  ziemlich  selten.  Geinitz  führt  sie  aus 
dem  Brongniarti -Quader  von  Struppen  an.  Nach  Bölsche  und  Brauns 
kommt  sie  im  Unter -Senon  am  nördlichen  Harzrande  vor. 

Spongites  Saxonicus  Gein. 

Die  unter  diesem  Namen  bekannt  gewordenen  Wülste  sind  in  den 
Sandsteinen  des  Uebergangsquaders  merkwürdig  selten.  Ein  einziges  Mal 
bekam  ich  eine  hierzu  gehörende,  knotige  Verdickung  in  der  alten  Poste 
vorgelegt. 

Geologische  Stellung  des  Ueberquaders  im  Kreidesystem. 

Zum  besseren  Vergleiche  gebe  ich  nebenstehend  zunächst  die  übliche 
Uebersicht  über  die  gesammelten  Fossilien. 

Bei  flüchtigem  Vergleiche  könnte  man  unseren  Quader  für  turon  halten, 
nicht  nur  weil  die  Mehrzahl  seiner  Fossilien  auch  dem  Turon  angehört, 
sondern  weil  zwei  für  das  Turon  ganz  besonders  charakteristische  Arten 
darin  Vorkommen.  Begnügen  wir  uns  aber  nicht  mit  dem  schematischen 
Abzählen,  sondern  gehen  wir  genauer  auf  die  Verhältnisse  ein,  so  müssen 
wir  zu  wesentlich  anderen  Schlüssen  gelangen.  Zu  den  an  Zahl  hervor- 
ragendsten Vorkommnissen  gehört  Vola  quadricostata.  Wenn  diese  auch 
in  den  darunter  liegenden  Brongniarti-Quadern  eine  gewöhnliche  Erscheinung 
ist,  so  tritt  sie  doch  im  Ueberquader  ungleich  massenhafter  auf,  ein  Vor- 


37 


Brong- 

niarti- 

Quader 

Sachsens 

Turon 

von 

Strehlen 

Unter- 

Senon 

von 

Kreibitz 

u.  Um- 
gegend 

Unter- 

Senon 

Kreideschichten, 

die 

älter  | jünger 
als  Unter-Senon 

sind 

Nautilus  rugatus  Fr.  et.  Schlb.  . . 

X 

X 

X 

X 

Pholadomya  nodulifera  Mün.  . . . 

? 

X 

X 

? 

X 

Cyprina  quadrata  d’Orb 

? 

X 

X 

Cardium  Ottoi  Gein.  ...... 

X 

X 

X 

Pinna  cretacea  Schloth 

X 

X 

X 

X 

X 

Inoceramus  Brongniarti  Sow.  . . . 

X 

X 

X 

X 

X 

Vola  quadricostata  Sow 

X 

X 

X 

X 

X 

Lima  canalifera  Goldf. 

X 

X 

X 

X 

Ostrea  semiplana  Sow 

X 

. 

X 

X 

X 

Alectryonia  frons  Park 

X 

X 

X 

X 

Exogyra  lateralis  Nilss 

X 

X 

X 

X 

X 

— cf.  laciniata  Nilss.  . . . 

X 

X 

X 

Catopygus  Albensis  Gein 

X 

X 

Micraster  cf.  cor  testudinarium  Goldf. 

X 

X 

Cidaris  cf.  subvesiculosa  d’Orb.  . . 

X 

X 

X 

X 

cf.  Cyclabacia  Fromenteli  Bölsche.  . 

X 

X 

X 

kommen,  das  sehr  an  jenes  von  Haltern  und  am  Salzberge  erinnert. 
Zudem  behauptete  Schlüter  *),  die  eigentliche  Vola  quadricostata  nur  aus 
der  Quadraten -Kreide  zu  kennen.  Wenn  auch  diese  Behauptung  später 
dahin  berichtigt  worden  ist,  dass  diese  Species  auch  in  höheren  Schichten 
vorkommt,  und  wenn  auch  das  Vorkommen  im  Brongniarti-Quader  Sachsens 
das  Herabgehen  in  tiefere  Schichten  beweist,  so  besteht  doch  immer  noch 
die  Thatsache,  dass  Vola  quadricostata  für  die  Quadraten -Kreide  höchst 
charakteristisch  ist.  Dasselbe  gilt  für  Lima  canalifera.  Wenn  auch  diese 
Art  schon  in  den  Turonen- Quadern  Sachsens  häufig  auftritt,  so  ist  sie 
doch  in  der  übrigen  deutschen  Kreide  fast  ausschliesslich  an  das  Unter- 
Senon  gebunden.  Die  in  grosser  Menge  auftretende  Alectryonia  frons 
Park.,  sowie  die  Ostrea  semiplana  Sow.  gelten  als  kennzeichnend  für  das 
Senon.  Cardium  Ottoi  Gein.  und  Exogyra  laciniata  Nilss.  treten  erst  mit 
am  Unter -Senon  auf.  Schwerwiegend  ist  endlich  das  Vorkommen  der 
Pholadomya  nodulifera  Münst.  Dass  Catopygus  Albensis  Gein.  uns  in 
grösserer  Zahl  vorliegt,  beweist  eben  nichts  anderes,  als  dass  diese  Species 
in  jüngeren  Schichten  häufiger  wird.  Inoceramus  Brongniarti  Sow.  und 
Micraster  cor  testudinarium  Goldf.,  die  beide  nur  in  je  einem  Exemplar 
vorliegen,  deuten  an,  dass  unsere  Schichten  noch  eng  mit  dem  Turon 
verknüpft  sind,  weshalb  der  Ueberquader  wohl  in  die  tiefsten  Horizonte 
des  Unter -Senons  zu  versetzen  ist.  Ausserdem  steht  der  Fall,  dass  diese 
für  das  Turon  charakteristischen  Species  im  Senon  Vorkommen,  nicht  ver- 
einzelt da.  Weniger  scheint  in  diese  Gruppierung  das  Auftreten  der 
Cyprina  quadrata  zu  passen,  einer  Form,  die  am  ehesten  noch  als  Leit- 
fossil für  cenomane  Schichten  gelten  kann.  Beachten  wir  aber,  dass  mit 
der  Verflachung  der  — um  den  Gümbel’schen  Namen  zu  gebrauchen  — 


*)  Neues  Jahrbuch  1870,  p.  987. 


38 


wendischen  Bucht  des  ehemaligen  Kreidemeeres  sich  auch  im  Senon  anderer 
Orte  schon  aus  dem  Cenoman  bekannte  Strandbewohner  einfanden,  so 
kann  das  Auftreten  der  Cyprina  quadrata  nicht  befremden.  Es  kann 
mithin  nicht  zweifelhaft  sein,  dass  der  Ueberquader  dem  Unter- 
Senon  angehört.  Es  fragt  sich  nur  noch,  welcher  der  von  Schlüter  auf- 
gestellten Stufen  er  einzureihen  ist. 

Die  Stufe  des  Ammonites  Margae  Schlüt.,  der  Emscher  kann  für 
uns  kaum  in  Betracht  kommen.  Mag  er  auch  an  verschiedenen  Orten, 
so  auch  in  Kieslingswalde,  nachgewiesen  sein,  so  bleibt  er  in  seiner 
typischen  Entwicklung  doch  eine  rein  locale  Erscheinung.  Zu  beachten 
ist,  dass  der  Emscher  auch  in  der  Löwenberger  Kreidemulde  fehlt,  wenigstens 
ist  er  trotz  wiederholter  Untersuchung  bis  jetzt  noch  nicht  nachgewiesen 
worden.  Die  Mergel  von  Lückendorf,  südlich  von  Zittau  und  von  Kreibitz 
bilden  nach  Danzig*)  nur  Einlagerungen  innerhalb  des  Quadersandsteines; 
man  wird  sie  daher,  wie  auch  die  Fossilien  beweisen,  kaum  als  besondere 
Schicht  dem  Emscher  zuweisen  können.  Die  Fauna  des  Ueberquaders 
mit  der  des  Emschers  zu  vergleichen,  ist  schon  von  vornherein  aussichts- 
los, da  bekannt  ist,  wie  stark  gerade  in  der  Kreide  Facies -Verschieden- 
heiten die  Fauna  beeinflussen.  In  der  That  ist  den  beiden  Ablagerungen 
einzig  die  Vota  quadricostata  gemeinsam,  denn  Micraster  cor  testudinarium 
wird  von  Schlüter  als  im  Emscher  vorkommend  bezweifelt.  Schlüter**) 
glaubt  Aequivalente  des  Emschers  im  Gebiete  der  Priesener  und  Chlo- 
mecker  Schichten  Böhmens , die  unseren  Thonen  von  Zatzschke  bez.  dem 
Ueberquader  entsprechen,  suchen  zu  dürfen.  Die  bei  Zatzschke  gefundenen, 
von  Geinitz  aufgezählten  Petrefacten  sind  nicht  geeignet,  diese  Ver- 
muthung  zu  bestätigen.  Die  Thone  von  Zatzschke  lassen  sich  mit  grosser 
Sicherheit  in  Böhmen  wiederfinden  und  weiter  verfolgen;  sie  erreichen 
hier  eine  grössere  Entwicklung  und  weisen  eine  reichere  Fauna  auf.  Eine 
neue  Untersuchung  derselben  durch  Jahn***)  hat  gezeigt,  dass  von  den 
charakteristischen  Fossilien  der  grösste  Theil  dem  Turon  angehört,  nur 
wenige  Formen  sind  -dem  Senon  eigen.  Wenn  er  daher  die  Grenze  in 
diese  Schicht  hineinlegt  und  die  obersten  Horizonte  derselben  zum  Senon 
bez.  Emscher  zieht,  lässt  sich  dies  eben  wegen  der  schwachen  Entwickelung 
nicht  auf  Sachsen  übertragen.  So  viel  ist  aber  sicher:  hier  wie  dort 
besteht  keine  scharfe  Grenze  zwischen  Senon  und  Turon. 

Vom  eigentlichen  Unter -Senon  ist  die  Zone  mit  Marsupites  orna- 
tus  Mill.  diejenige,  der  sich  der  Ueberquader  am  ehesten  gleichstellen 
lässt.  Die  übereinstimmenden  Petrefacten  sind:  Pholadomya  noduli- 
fera  Mün.,  Cardium  Ottoi  Gein.,  Ostrea  semiplana  Sow.,  Exogyra  late- 
ralis Nilss.  und  laciniata  Nilss.,  Pinna  cretacea  Schlofh.,  Lima  canali- 
fera  Goldf.,  Vola  quadricostata  Sow.  und  Cyclabacia  Fromenteli  Bölsche. 
Im  Ganzen  neun  Species,  von  denen,  was  besonders  beachtet  werden  muss, 
die  Mehrzahl  im  Ueberquader,  sowie  in  der  Zone  mit  Marsupites  orna- 
tus  Mill.  in  grosser  Verbreitung  auftritt.  Wir  haben  mithin  im  Ueber- 
quader ein  Aequivalent  der  Sandmergel  von  Recklinghausen 
und  der  Mergel  des  Salzberges. 

Noch  grösser  ist  die  Uebereinstimmung  mit  den  gleichalterigen  Schichten 
innerhalb  der  wendischen  Kreidebucht.  In  den  Schichten  von  Neu -Warthau 

*)  1.  c.  p.  14. 

**)  Palaeontogr.,  Bd.  24,  p.  231. 

***)  Jährlich.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt,  Bd.  45  (1895). 


39 


in  Niederschlesien,  von  Kieslingswalde  und  dem  Ueberquader  der  südlichen 
Lausitz  und  Nordböhmens  (Chlomecker  Schichten)  fehlen,  soweit  sich  aus 
dem  bis  jetzt  über  die  Fossilien  dieser  Schichten  bekannt  gewordenen 
Materiale  ersehen  lasst,  nur  fünf  von  unseren  Species,  nämlich:  Cyprina  qua- 
drata  d’Orb.,  Catopygus  Alhensis  Gein.,  Micraster  cor  testudinarium  Goldf., 
Cidaris  subvesiculosa  d’Orb.  und  Cyclabacia  Fromenteli  Bölsche,  also 
Arten,  auf  die  kein  besonderes  Gewicht  gelegt  wurde. 

■Die  Lagerungsverhältnisse  des  Scaphitenmergels  von  Zatzschke  und 
des  Ueberquaders,  insbesondere  die  Tendenz  der  Thone  sich  in  der  Richtung 
nach  Osten  auszukeilen,  nach  Westen  hingegen  an  Mächtigkeit  zuzunehmen, 
könnten  der  Vermuthung  Raum  geben,  dass  es  sich  hier  um  eine  sich  aus- 
keilende Wechsellagerung  gleichalteriger  Sedimente  handelt,  wie  wir  es  bei 
den  Brongniarti- Quadern  der  sächsischen  Schweiz  und  den  Brongniarti- 
Mergeln  von  Strehlen  annehmen  müssen.  Eine  solche  Annahme  wird 
dadurch  widerlegt,  dass  die  eine  Ablagerung  entschieden  senon,  die 
andere  entschieden  turon  ist.  Wir  haben  in  der  That  im  Ueber- 
quader die  höchste  Schicht  der  Kreide  des  sächsischen  Elbthales 
vor  uns.  Dass  sich  die  Scaphitenmergel  einstmals  über  das  gesammte 
Sandsteingebiet  der  sächsischen  Schweiz  ausgedehnt  haben  mögen,  wird 
durch  die  Art  ihres  Auftretens  bei  Tetschen  wahrscheinlich  gemacht.  Die 
sächsische  Schweiz  stellt  eine  im  Osten  an  der  Bruchlinie  des  Erzgebirges 
gehobene  Sandsteinplatte  dar.  Die  an  der  grössten  Erhebung  stärker 
wirkende  Erosion  hat  daher  im  Osten  ältere  Schichten  blossgelegt,  während 
im  Westen  in  der  Tiefe  die  jüngsten  Schichten  erhalten  bleiben  konnten. 
Das  Vorhandensein  der  Scaphitenmergel  bei  Strehlen  und  im  Untergründe 
Dresdens  wird  durch  Beck*)  betont.  Leider  sind  in  früherer  Zeit  beim 
Aufsammeln  der  Petrefacten  Strehlens  die  Horizonte  gar  nicht  berück- 
sichtigt worden,  eine  nachträgliche  Aufstellung  derselben  kann  natürlich 
nur  hypothetisch  sein.  Zwischen  Pirna  und  Wehlen  liegt  unter  dem 
Scaphiten-Thon  der  Brongniarti-Quader,  bei  Dresden  hingegen  der  Brongni- 
arti Pläner,  in  dem  der  Kalkstein  von  Strehlen  Lager  bildete.  Es  ist  kaum 
zu  bezweifeln,  dass  beide  Ablagerungen  nur  Faciesverschiedenheiten  der- 
selben Schicht  sind.  Verschiedene  Umstände  deuten  darauf  hin,  dass  beide 
in  der  Gegend  von  Copitz  durch  auskeilende  Wechsellagerung  verbunden 
sind.  Diese  Brongniarti-Pläner,  besser  gesagt  Mergel,  sind  die  eigentlichen 
Strehlener  Schichten  und  nur  diese  dürfen  mit  den  Teplitzer  (Hundorfer) 
Schichten  Böhmens  identificirt  werden.  Die  Pläner  Schicht,  die  auf  den 
Sectionen  Pirna  und  Rosenthal  weite  Verbreitung  besitzt,  sollte  nicht  mehr 
mit  den  Strehlener  Schichten  gleichgestellt  werden,  weil  sie  bei  Strehlen 
im  Liegenden  dieser  Schichten  zu  suchen  ist.  Diese  Bezeichnung  führt 
nur  dazu,  die  Pläner  von  Krietzschwitz  dann  auch  als  zu  den  Teplitzer 
Schichten  gehörend  zu  betrachten,  was  falsch  ist.  Aus  der  Lagerung, 
wie  aus  den  Petrefacten  geht  hervor,  dass  ihr  Aequivalent  in  Böhmen 
die  Launer  Kalkknollen  sind,  also,  dass  sie  einem  tieferen  Horizonte 
angehören.  In  der  Umgebung  Dresdens  werden  sie  durch  die  Mergel 
vertreten,  die  den  Labiatus-Pläner  direct  überlagern,  die  aber  nur  gelegentlich 
aufgeschlossen  werden  und  daher  nur  mangelhaft  palaeontologisch  durch- 
forscht sind.  Diesem  Umstande,  dass  wir  im  Untergründe  Dresdens  in 
den  Mergeln  der  Brongniarti-Stufe  drei  Schichten  zu  unterscheiden  haben, 


*)  Erläuterungen  zu  Sect.  Dresden,  p.  60. 


40 


die  mächtigen  Ablagerungen  im  Gebiete  der  sächsischen  Schweiz  ent- 
sprechen, ist  es  zuzuschreiben,  dass  die  genannten  Mergel  die  bedeutende 
Mächtigkeit  von  152  m erreichen.  Es  ist  daher  kein  Grund  vorhanden, 
wie  Beck  es  glaubt,  im  Untergründe  Dresdens  Schichten  zu  suchen,  die 
jünger  als  die  Scaphiten -Thone  von  Zatzschke  sind. 

Es  sei  noch  daran  erinnert,  dass  schon  Geinitz  das  Vorhandensein 
senoner  Schichten  im  sächsischen  Elbthal  annahm.  Konnte  auch  die 
geologische  Landesuntersuchung  dies  nicht  bestätigen,  so  zeigt  das  Vor- 
stehende doch,  dass  diese  Annahme,  wenigstens  für  eine  Schicht  zu  Recht 
besteht.  — 

Zum  Schluss  ist  es  mir  eine  angenehme  Pflicht,  meinem  hochverehrten 
Lehrer,  Herrn  Professor  Dr.  E.  Kalkowsky  sowohl  für  die  Anregung  zu 
diesem  interessanten  Thema,  als  auch  für  die  freundliche  Unterstützung, 
die  er  mir  jederzeit  gern  zu  Theil  werden  liess,  meinen  wärmsten  Dank 
auszusprechen. 


Juli  1897. 


Mineralogisch-geologisches  Institut 
der  K.  Technischen  Hochschule  zu  Dresden. 


V.  Ueber  elektrische  Gleitfunken  von  ausserordentlicher 

Länge. 

Yon  Dr.  Mas  Toepler. 


Es  ist  schon  lange  bekannt,  dass  man  unter  sonst  gleichen  Umständen 
längs  Glasoberflächen  wesentlich  längere  Funkenentladungen  erhalten  kann 
als  in  freier  Luft,  wenn  man  die  Glasrückseite  leitend  macht,  sie  z.  B.  mit 
Stanniol  belegt.  Man  bezeichnet  derartige  Funken  bekanntlich  (ebenso 
wie  die  besonders  von  Antolik  beobachteten  Entladungserscheinungen 
längs  berusster  Flächen)  als  „gleitende  Funken“.  Die  erste  eingehendere 
Untersuchung  der  Gleitfunken  an  rückwärts  belegten  Glasflächen  dürfte 
von  A.  y.  Obermayer*)  herrühren.  Neuerdings  ist  eben  der  Umstand, 
dass  man  bei  relativ  kleinen  Potentialdifferenzen  doch  ansehnliche  Schlag- 
weiten durch  Gleitfunken  überbrücken  kann,  von  den  Herren  Sk  inner 
und  Wurts**)  zur  Construction  von  Blitzschutzvorrichtungen  benutzt 
worden.  Noch  nicht  bemerkt  ist  aber  meines  Wissens,  wieweit  man  mit 
den  in  grösseren  physikalischen  Instituten  gebräuchlichen  Hilfsmitteln 
gelangen  kann.  Nach  meinen  Beobachtungen  ist  es  leicht,  durch  zweck- 
mässige Yer Suchsanordnung  und  geeignete  Abmessung  aller  die  Funkenlänge 
wesentlich  mitbestimmenden  Grössenverhältnisse  Entladungen  von  1 bis  1,5  m 
Länge  herzustellen;  der  längste  von  mir  erzielte  gleitende  Funken  besass 
sogar  die  bei  künstlichen  Funkenentladungen  wohl  noch  nie  beobachtete 
Länge  von  187  cm.  Dabei  sei  gleich  hier  bemerkt,  dass  sich  alle  im 
Folgenden  mitgetheilten  Angaben  auf  die  Ausbildung  von  Gleitfunken  längs 
blanker,  unberus  st  er  Glasoberflächen  beziehen. 

Zur  Erzielung  möglichst  langer  Entladungen  erwies  sich  die  Anwendung 
sehr  grosser  Batterien  als  dringend  nöthig.  Es  standen  mir  zur  Verfügung 
5 Schachtelbatterien***)  von  je  ca.  40  000  cm  Capacität,  jede  zusammen- 
gesetzt aus  8 grossen  Leydnerflaschen  von  20  bis  10  cm  Durchmesser  und 
41  cm  Beleghöhe.  Die  im  Späteren  erwähnten  einzelnen  Flaschen  hatten 
15  cm  Durchmesser  und  40  cm  Beleghöhe;  ihre  Capacität  dürfte  demnach 


*)  A.  v.  Obermayer:  Ueber  gleitende  Funken.  Wiener  Acad.  Ber.  101,  1892, 
S.  327.  — Die  von  Herrn  v.  Obermayer  beobachteten  Funken  waren,  soweit  die  cit.  Abh. 
ersehen  lässt,  bis  zu  50  cm  lang. 

**)  C.  E.  Skinner  u.  A.  J.  Wurts:  Eine  Methode  zur  Vergrösserung  der  Funken- 
länge einer  gegebenen  EIK.  Elektrotechn.  Zeitschr.  1896,  S.  525.  — Der  längste  gleitende 
Funken,  welchen  diese  Beobachter  längs  einer  unberussten  Glasoberfläche  erhielten,  betrug 
bis  zu  25  cm. 

***)  Eine  eingehende  Beschreibung  derartiger  Schachtelbatterien  findet  sich  im 
Lehrbuch  von  Pouillet-Pfaundler,  Bd.  III,  S.  230. 


42 


auf  je  V8  einer  Schachtelbatterie  zu  veranschlagen  sein.  Alle  diese  Leydner 
Flaschen  Hessen  sich  bis  auf  eine  Potentialdifferenz  von  40  000  Volt  laden. 

Um  so  grosse  Batterien  rasch  zu  laden,  ist  dann  natürlich  auch  die  Anwen- 
dung einer  entsprechenden  Stromquelle  nöthig;  ich  benutzte  bei  allen  meinen 
Versuchen  eine  grosse  60plattige  Toepler’sche  Influenzmaschine,  welche  einen 
Strom  von  3/70 o Amp.  bei  Potentialdifferenzen  bis  zu  100000  Volt  lieferte  *) 
Als- besonders  zweckmässig  erwies  sich  die  aus  der  schematischen  Fig.  1 
ersichtliche  Versuchsanordnung. 


Hierin  bedeutet: 


M.  die  Influenzmaschine; 

8.  eine  Sicherheitsfunken- 
strecke ; 

F.  die  primäre  Funkenstrecke 
an  einem  Funkenmikro- 
meter, meist  mit  grossen 
Polkugeln  von  6 cm  Durch  - 
messer  gemessen; 

L1  L2.  zwei  Batterien,  deren 
Inennbelege  mit  M in V er- 
bindung  standen,  während 
die  Aussenbelege  durch  W 
hindurch  leitend  mit  ein- 
ander verbunden  waren; 


W.  je  nach  Bedarf  eine  Draht- 
rolle, einen  grossen  Wasserwiderstand  oder  einen  Hochspannungstransformator; 
p1p%.  Polkugeln  von  1 cm  Durchmesser,  liegend  auf  Gr; 

Gr.  eine  Fensterglasplatte  von  0,2  bis  0,3  cm  Dicke,  60  cm  Breite  und  160  cm  Länge. 


Die  beiden  Polkugeln  p±  und  p%  lagen  unmittelbar  auf  der  blanken 
Gflasplattenoberfläche,  deren  Rückseite  mit  einem  Stanniolstreifen  beklebt 

war.  Dieser  reichte,  wie  Fig.  2 
Fiy.Z.  / (im  Durchschnitte)  zeigt,  von 

/ G JPi  Pv  seine  Breite  betrug 

in  der  Regel  1 cm.  Ausser  bei 
Benutzung  eines  Transfor- 
mators stand  er  durch  ein  (in  Fig.  2 schraffirtes)  um  den  Glasrand  gehendes 
Stanniolstreifenstück  mit  p%  in  leitender  Verbindung. 


Beobachtungen. 

Es  sei  zunächst  an  der  Stelle  W in  Fig.  1 eine  Drahtrolle  mit  kleinem 
Widerstande  eingeschaltet.  Diese  war  folgendermassen  hergestellt:  3 mit 
Guttapercha  umgebene,  je  0,2  cm  starke  Kupferdrähte  waren  (parallel 
geschaltet)  in  je  28  Windungen  um  einen  grossen  Glascylinder  von  26  cm 
Durchmesser  gewickelt;  alle  Zwischenräume  waren  mit  Paraffin  durch 
Aufstreichen  in  flüssigem  Zustande  isolirend  ausgefüllt. 

Bei  jeder  Primärentladung  F wird  nun,  veranlasst  durch  die  Selbst- 
induction  der  Drahtrolle,  vorübergehend  eine  Potentialdifferenz  zwischen 
pl  und  (resp.  dem  Stanniolstreifen)  auftreten.  Genügt  diese  noch 

nicht,  um  einen  den  Abstand  pA  p2  voll  überbrückenden  Gleitfunken 
auszubilden,  so  veranlasst  sie  wenigstens  die  Ladung  eines  Stückes  Glas- 
oberfläche in  der  Umgebung  von  pv  Die  Begrenzung  dieser  Fläche 

*)  Funkeninductorien  sind  aus  bekannten  Gründen  für  das  Experimentiren  mit 
hochgespannten  Batterie -Entladungen  nicht  brauchbar. 


43 


besitzt,  hervorgerufen  durch  den  Stanniolstreifen  auf  der  Glasrückseite, 
eine  scharfe  Spitze  von  p1  nach  p2  zu;  die  Flächenladung  geschieht 
durch  zahlreiche,  von  p1  ausgehende,  stark  verästelte  lichtschwache 
röthliche  Funken,  deren  Gesammtheit  einen  tannenbaumartigen  Anblick 
gewährt  mit  scharf  ausgeprägtem  Hauptstamme  in  der  Richtung  p±  p 2. 
Diese  Ladungserscheinung  ist  als  eine  besonders  vollkommene  Ausbildung 
der  bekannten  elektrischen  Rose*)  aufzufassen.  ‘ 

Für  den  speciellen  Fall,  dass  der  Abstand  f = p1  p2  = 70  cm  fest  ein- 
gestellt bleibt,  zeigt  die  nachstehende  Tabelle  und  Fig.  3b  die  allmähliche  Ver- 
grösserung  der  geladenen  Fläche  bei  wachsendem  F.  Als  Capacitäten  L1  und 
L2  der  Fig.  1 wurden  hierbei  je  zwei  Schachtelbatterien  benutzt;  der  Stanniol- 


streifen war  1 cm  breit. 


Tabelle  I. 


F 

A 

B 

c„ 

ct 

c2 

c3 

R 

0,50 

0,7 

1,8 

0,7 







0,7 

0,75 

1,5 

6,5 

1,5 

— 

— 

— 

1,3 

1,00 

2,7 

15,0 

2,5 

0,5 

— 

— 

2,6 

1,25 

1 4,5 

29,5 

4,0 

2,5 

1,5 

— 

4,8 

1,50 

9,0 

51,0 

9,0 

4,5 

3,5 

2 

8,6 

Co  Ci  Ci 

s 1 ' 

v : : 


r\ 

7o 


Aus  Fig.  3a  ist  die  Bedeutung  der  (in  cm  ausgedrückten)  Längen- 
angaben A,  B,  C0,  C1,  C2  und  C3  der  Tabelle  ohne  Weiteres  ersichtlich. 
In  der  letzten  Columne  ist 

zum  Vergleiche  der  Radius  R 3 * 

derjenigen  Kreisfläche  ange- 
geben, welche  jedesmal  ge- 
laden wird,  wenn  man  den 
Stanniolstreifen  entfernt  und 
p2  an  die  Glasplattenrück- 
seite p1  unmittelbar  gegen-  B 

über,  anlegt;  man  sieht  aus 
den  B-Werthen,  wie  bedeu- 

tend  der  Stanniolstreifen  die 

jedesmal  geladene  Glasfläche, 

einseitig  vergrössert.  ** 

Verlängert  man  allmäh- 
lich die  Primärschlagweite  F 
soweit,  dass  die  Spitze  des 

von  p±  ausgehenden  Haupt-  / ^ h 

ladungsfunkens  gerade p2  er-  v ~ 

reicht,  so  erfolgt  zum  ersten  y' 

Male  eine  laut  krach  ende, 
blendend  helle  Gleitent- 
ladung zwischen  p1  und^>2. 

Diese  wird  um  so  heller  und  _ 

lauter,  je  weiter  man  nun 

noch  den  Funken  F vergrössert;  immer  aber  erkennt  man  noch  (sobald 
man  nur  den  hellen  Gleitfunken  p±  p2  abblendet)  die  verästelten  röth- 

*)  Vergl.  Wiedemann:  Elektricität,  Bd.  IV,  § 1054,  S.  765. 


44 


liehen  Ladungsfünkchön,  deren  Hauptast  dem  hellen  Endfunken  jedesmal 
erst  die  Bahn  öffnete. 

Die  kleinste  Primärfunkenlänge  JE,  hei  der  gerade  noch  der  Abstand 
p±  p%  = f durch  einen  hellen  Gleitfunken  voll  überbrückt  wird,  will  ich  im 
Folgenden  stets  als  die  zur  Funkenlänge  f zugehörige  Länge  F bezeichnen. 

Es  seien  nun  zunächst  einige  Messungen  zusammengehöriger  Werth e f und 
F mitgetheilt.  Wurde  f nacheinander  10,  20,  ....  90  cm  lang  gewählt, 
wobei  der  1 cm  breite  Stanniolstreifen  stets  unterhalb  p1  endigte,  und  benutzte 
ich  (bei  L1  und  L2  in  Fig.  1)  je  zwei  Schachtelbatterien,  so  erhielt  ich  die 
zugehörigen  Primärfunkenlängen  F der  zweiten  Zeile  in  nachstehender 
Tabelle,  wenn  F zwischen  Polkugeln  von  1 cm  Durchmesser  überging,  die 
Werthe  der  dritten  Zeile,  wenn  der  Durchmesser  letzterer  6 cm  betrug. 


Tabelle  II. 


f in  cm  .... 

10 

20 

30 

40 

50 

60 

70 

80 

90 

F in  cm  . . . . j 

0,92 

1,37 

1,65 

1,95 

2,28 

2,66 

3,12 

3,99 

4,82 

0,83 

0,91 

1,19 

1,28 

1,39 

1,47 

1,62 

1,73 

x 1,80 

Die  den  Funkenlängen  _F entsprechenden  Potentialdifferenzen  sind  speciell 
für  die  hier  benutzten  Kugeln  früher  von  Herrn  J.  Freyberg*)  bestimmt 
worden;  aus  seinen  Angaben  ersieht  man,  dass  den  gefundenen  beiden  Werthe- 
folgen  der  Funkenlängen  F sehr  nahe  ein  und  dieselbe  algebraische  Reihe 
der  zugehörigen  Potentialdifferenzen  entspricht.  Es  gilt  also  angenähert  der 
Satz:  Gleichen  Zuwüchsen  der  Potentialdifferenzen  bei  F ent- 
sprechen gleiche  Zuwüchse  der  Funkenlänge  /*,  und  zwar  wächst 
für  3500  Volt  Potentialsteigerung  hei  F der  Gleitfunken  f um  10  cm. 

Bemerkenswerth  ist  auch  die  relativ  grosse  Länge,  welche  F erreichen 
muss,  damit  sich  die  ersten  10  cm  des  Gleitfunkens  ausbilden;  dies  gilt 
auch  dann,  wenn  man  bei  p±  und  p2  statt  der  Polkugeln  von  1 cm  Durch- 
messer feine  Metallspitzen  anbringt. 

Inwieweit  bei  gegebenem  fest  eingestelltem  f die  zugehörige  Funken- 
länge F (zw.  Polkugeln  von  6 cm  Durchmesser)  von  der  Breite  des 
verwendeten  Stanniolstreifens  einerseits,  von  der  Grösse  der  Batterien 
andererseits  abhängt,  zeigt  folgende  Tabelle. 

Tabelle  III. 


Breite  des  Streifens  in  cm 

1 

2 

4 

8 

12 

32 

f=  35  cm 

F in  cm  bei  einer  Leydnerflasche 

1,57 

1,51 

1,17 

1,53 

1,70 

1,96 

F in  cm  bei  einer  Schachtelbatterie . 

1,19 

1,14 

1,19 

1,19 

— 

F in  cm  hei  zwei  Schachtelbatterien 

1,28 

1,25 

1,21 

1,16 

1,16 

1,22 

f — 70  cm 

F in  cm  hei  einer  Schachtelbatterie . 

1,64 

1,57 

1,51 

1,49 

1,55 

F in  cm  bei  zwei  Schachtelbatterien 

1,58 

1.53 

1,49 

1,46 

1.50 

1,75 

*)  J.  Freyberg  in  Wied.  Ann.,  38,  1889,  S.  231. 


45 


Man  sieht,  dass  bei  der  benutzten  Extrastromrolle  möglichst  grosse 
Batterien  und  Streifen  von  4 bis  8 cm  Breite  besonders  günstig  sind. 

Da  die  Toeplermaschine  zwischen  Polkugeln  von  6 cm  Durchmesser 
leicht  Funken  bis  zu  3,2  cm  Länge  lieferte,  und  die  Batterien  bei  der 
benutzten  Schal tweise  ohne  Gefährdung  bis  zu  2,5  cm  lange  Funken  F 
anwenden  Hessen,  so  hätte  von  dieser  Seite  einerweiteren  wesentlichen 
Verlängerung  der  gleitenden  Funken  über  90  cm  hinaus  nichts  im  Wege 
gestanden.  Jedoch  wurden  mir  hierbei  mehrmals  Glasplatten  zerschlagen, 
zum  Theil  wohl  nur  durch  die,  die  Funkenbildung  f begleitende  heftige 
mechanische  Erschütterung. 

Der  längste  mit  der  bisher  behandelten  Versuchsanordnung  erhaltene 
Funken  betrug 

f = 102  cm. 

Nicht  ganz  so  lange,  aber  besonders  laute  und  lichtstarke  gleitende 
Funken  erhielt  ich  auch,  wenn  an  Stelle  der  Drahtrolle  (bei  W in  Fig.  1) 
ein  grosser  Widerstand  eingeschaltet  wurde.  So  ergab  ein  Wasserwiderstand 
von  etwa  4500  000  Ohm  die  Werthe  der  nachstehenden  Tabelle,  bei  der 
die  Versuchsanordnung  im  Uebrigen  dieselbe  war  wie  bei  der  dritten 
Tabelle. 


Tabelle  IV. 


Breite  des  Streifens  in  cm 

1 

2 

4 

8 

12 

f = 35  cm 

F in  cm  bei  einer  Schachtelbatterie  . . . 

1,44 

1,37 

1,40 

1,40 

1,47 

F in  cm  bei  zwei  Schachtelbatterien.  . . 

1,42 

1,39 

1,43 

1,45 

1,50 

f =70  cm 

F in  cm  bei  zwei  Schachtelbatterien.  . . 

2,05 

1,85 

>2 

Ein  noch  wesentlich  günstigeres  Verhältniss  c 

er  Funken 

ängen 

f und  F als  mittels  Extrastromes  erzielt  man  natürlich  mit  Hilfe 
geeigneter  Paraffin-Transformatoren.  Als  Transformator  wurde 
folgende  Drahtrollencombination  benutzt  *) : primär  die  Rolle  mit 
28  Windungen  3 fach  gewickelt,  welche  oben  den  Extrastrom  zu  liefern 
hatte,  secundär  64  gut  isolirte  Windungen  1 mm  starken  Kupferdrahtes, 
gewickelt  auf  einen  Glascylinder  von  30  cm  Durchmesser.  Diese  Spulen- 
combination  gab,  bei  W in  Fig.  1 eingeschaltet,  bei  Anwendung  der 
Schwingungen  von  beiderseits  je  2 Schachtelbatterien,  in  freier  Luft 
zwischen  Polkugeln  von  6 cm  Durchmesser  sehr  intensive  Funken  von 
mehr  als  8 cm  Länge.  Bei  diesen  hohen  Spannungen  ist  es  aus  ver- 
schiedenen, ohne  Weiteres  ersichtlichen  Gründen  vortheilhaft,  nicht  wie 
bisher  p2  mit  dem  Stanniolstreifen  zu  verbinden,  sondern  beide  Pole  p± 
und  p 2 frei  auf  die  blanke  Vorderseite  der  Platte  zu  legen  und  von  den 
Polen  isolirt  auf  der  Rückseite  . einen  von  p1  bis  p%  reichenden  Stanniol- 
streifen aufzukleben. 


*)  Es  sind  die  von  meinem  Vater  construirten  und  schon  früher  von  demselben 
hei  Ausführung  der  sog.  Teslaversuche  mittels  Condensatorschwingungen  mit  Erfolg 
benutzten  Spulen,  welche  in  der  Beschreibung  jener  Versuche  in  der  "Wiener  Zeitschr.  für 
Elektrotechn.  XXIII  u.  XXIV,  1894,  mit  III  und  IV  bezeichnet  sind.  Vergl.auch:  Abhandl. 
Isis  Dresden  1894,  S.  22. 


46 


Bei  Anwendung  von  Glasplatten  von  0,2  bis  0,3  cm  Dicke  war  hier 
eine  Vergrösserung  der  Funken  auf  120  cm  und  mehr  ohne  Weiteres  zu 
erreichen.  Freilich  waren  diese  mittels  des  Transformators  erhaltenen 
Gleitfunken  nicht  so  lichtstark  und  laut  krachend  wie  die  bisher  be- 
handelten. Schliesslich  schien,  selbst  bei  Anwendung  von  beiderseits  je 
zwei  Schachtelbatterien,  die  von  dem  benutzten  Transformator  gelieferte 
Elektricitätsmenge  zur  Ladung  der  immer  grösser  werdenden  Flächenstücke 
bei  p±  und  p2  nicht  mehr  auszureichen.  Funken  bis  zu  150  cm  Länge 
erhielt  ich  aber  in  der  That  leicht,  als  ich  die  zu  ladende  Fläche  mög- 
lichst verkleinerte.  Dies  geschieht  am  einfachsten,  indem  man  die  Gleit- 
funken an  der  Aussenfläche  einer  innen  mit  Stanniol  belegten  Glas -Röhre 
entlang  schlagen  lässt.  Die  Anwendung  von  Glasröhren  empfiehlt  sich 
auch  wegen  ihrer  geringen  Kostspieligkeit;  ein  weitaus  prächtigeres 
Demonstrationsobject  als  die  Gleitfunken  längs  Rohren  bilden  freilich 
solche  längs  grossen  Platten.  Bei  sehr  engen  Rohren  (z.  B.  von  5 mm 
äusserem  Durchmesser)  kann  man  zweckmässig  die  Innenbelegung  durch 
einen  von  p±  bis  p2  reichenden  Quecksilberfaden  ersetzen. 

Der  längste  lückenlose  gleitende  Funken,  den  ich  so 
mittels  des  oben  beschriebenen  Paraffin-Transformators  her- 
steilen konnte,  hatte,  wie  schon  erwähnt,  die  sehr  bedeutende 
Länge  von 

f = 187  cm. 

Es  sei  noch  bemerkt,  dass  ja  hierbei  auch  bis  auf  etwa  30  cm  dies- 
seits p±  und  jenseits  p2  ein  Stück  Glasrohrwand  geladen  und  entladen 
wurde;  die  fernstgelegenen  Glaswandtheilchen,  welche  durch  eine  nur 
bei  p±  und  p2  punktförmig  unterbrochene  Funkenbahn  ihre  Elektricität 
ausglichen,  hatten  also  bei  diesem  längsten  Funken  einen  Abstand  von 
etwa  2,5  m. 

Man  sieht  aus  dem  Gesagten,  dass  sich  ziemlich  leicht  gleitende 
Funken  erstaunlicher  Länge  erzielen  lassen.  Weitere  interessante  Ver- 
suche, sowie  eine  Erklärung  der  Erscheinung  werde  ich  nächstens  an 
anderer  Stelle  mittheilen. 


Juli  1897. 


Physikalisches  Institut 
d.  K.  Technischen  Hochschule  zu  Dresden. 


JlbhandL.  d,  Isis  in  Dresdem,  1897. 


Taf.I. 


Sitzungsberichte 

$ 

der 

Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft 

ISIS 

in  Dresden. 


1897, 


I.  Section  für  Zoologie. 


Vierte  Sitzung  am  21.  October  1897«  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  H. 
Nit  sehe.  — 1 Anwesend  38  Mitglieder. 

Prof.  Dr.  H.  Nits  che  bespricht  den  morphologischen  Werth  der  ver- 
schiedenen Hö'rnerfor men  der  Hufthiere  und  schildert  im  Speciellen 
den  Bau  der  Hörner  des  Rhinoceros,  der  Gemse,  der  Gabelgemse  ( Anti - 
locapra  americana)  und  der  Giraffe,  sowie  der  Geweihe  der  Hirsche.  Er 
erläutert  den  Vortrag  durch  Demonstration  verschiedener  Präparate  aus 
der  Tharandter  zoologischen  Sammlung  und  durch  eine  von  ihm  ge- 
zeichnete Wandtafel. 

Hefr  K.  Schiller  macht  Mittheilung  über  das  Vorkommen  des 
ursprünglich  der  alpinen  Ornis  angehörenden  Mauerläufers  (Tichodroma 
muraria)  in  Sachsen  und  zwar  an  den  Schramm  steinen  und  in  den 
Steinbrüchen  bei  Posteiwitz  in  der  sächsischen  Schweiz. 

Zusätze  zu  diesen  Mittheilungen  geben  Prof.  Dr.  0.  Drude,  Director 
A.  Schöpf  und  Prof.  Dr.  H.  Nitsche,  welcher  auch  ein  aus  der  säch- 
sischen Schweiz  stammendes,  ausgestopftes  Exemplar  dieses  Vogels,  der 
Tharandter  zoologischen  Sammlung  gehörig,  vorweist. 

Dr.  Fr.  Raspe  weist  einige  von  ihm  in  Norderney  gesammelte  zoo- 
logische Objecte  vor. 


II.  Section  für  Botanik. 


Dritte  Sitzung  am  4.  November  1897  (in  Gemeinschaft  mit  der 
Section  für  Zoologie).  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  0.  Drude.  — Anwesend 
41  Mitglieder  und  Gäste. 

Dr.  Fr.  Raspe  legt  schöne  selbstgesammelte  Exemplare  von  Convol- 
viilus  Soldanella  L.  vor,  welche  Art  von  mediterraner  Herkunft  die  deutsche 
Flora  in  den  ostfriesischen  Inseln  (Norderney)  erreicht. 

Oberlehrer  K.  Vetters  zeigt  eine  Blüthe  von  Passiflora , welche  in 
ganz  ausgezeichneter  Weise  präparirt  aus  trockenem  Sande  hervorging. 

Prof.  Dr.  H.  Nitsche  demonstrirt  eine  von  ihm  nach  der  Natur  für 
Vorlesungszwecke  verfertigte  blüth enbiologische  Tafel  in  vier  Ab- 
theilungen. 


18 


Darauf  hält  Dr.  B.  Schorler  einen  Vortrag  über  das  Süsswasser- 
P lankton. 

Der  Vortragende  gielbt  an  der  Hand  der  vor  Kurzem  erschienenen  Arbeit  von 
C.  Schröter:  „Die  Schwebeflora  unserer  Seen“  und  des  ausführlicheren  Werkes  von 
Schröter  und  Kirchner:  „Die  Vegetation  des  Bodensees“  einen  Ueberblick  über  die 
Geschichte  der  limnologischen  Forschungen  auf  botanischem  Gebiete  und  über  die  bisher 
erreichten  Resulsate  in  Bezug  auf  die  Abgrenzung  und  schärfere  Fassung  der  einzelnen 
Begriffe,  die  Ausbildung  geeigneter  Fang-  und  Untersuchungsmethoden  und  die  Kennt- 
niss  der  Wasserorganismen  nach  Arten  und  ihren  Mengen-  und  Verbreitungsverhältnissen 
in  den  einzelnen  Jahresabschnitten.  Eingehender  wird  dann  das  eigentliche  Phytoplankton 
nach  Zusammensetzung  und  Anpassungserscheinungen  besprochen.  Zum  Schluss  regt 
der  Vortragende  wegen  der  grossen  praktischen  Bedeutung  zu  derartigen  systematischen 
Untersuchungen  in  Sachsen  an  und  empfiehlt  die  Moritzburger  Teiche  als  namentlich  für 
Dresdner  Herren  sehr  geeignete  Untersuchungsobjecte. 

Prof.  Dr.  H.  Nitsclie  weist  auf  den  praktischen  Werth  der 
Plankton-Forschung  hin,  da  das  Plankton  einen  grossen  Theil  der 
Fischnahrung  bildet.  Man  kann  nach  dem  Plankton -Reichthum  eines 
Teiches  dessen  Werth  für  die  künstliche  Fischzucht  bestimmen. 

Prof.  Dr.  0.  Drude  hält  als  Schluss  der  Tagesordnung  einen  Vortrag 
über  Kobelt’s  Studien  zur  Zoogeographie,  Wiesbaden  1897.  . 

Diese  wichtige  und  interessante  Abhandlung  bespricht  die  Verbreitung  der  Mol- 
lusken in  der  paläarktischen  Region  und  verwerthet  unter  grösseren  Gesichtspunkten 
die  Resultate  für  allgemeine  Fragen  der  Biographie.  Mit  dem  Verfasser  muss  man 
darin  einig  sein,  dass  die  geographische  Bedeutung  der  Schneckenverbreitung  eine  sehr 
hohe  ist,  da  die  Lebensweise  dieser  Thiere  zufälligen  Verschlagungen  sehr  Ungünstig 
ist,  wenn  auch  die  Erfahrungen  an  Burgruinen  im  Taunus  und  auf  isolirten  Kalkhügeln 
im  norddeutschen  Flachlande  bestätigen,  dass  kleinere  Entfernungen  sicher  überbrückt 
werden  können.  Es  ist  von  grossem  Interesse,  dass  sich  die  Molluskenreiche  der  Erde 
viel  enger,  als  manche  andere  zoogeographische  Eintheilungen,  an  die  vom  Referenten 
verfertigten  Florenreich'e  anschliessen , dass  insbesondere  ein  holarktisches  Reich  ein- 
schliesslich Canada  und  der  nördlichen  Union  der  „Nordischen  Flora“  entspricht,  dass 
in  diesen  Molluskenreichen  Nord-  und  Ost-Australien  zu  Papuasien-Melanesien  gezogen 
wird,  Südost- Australien  dagegen  mit  Tasmanien  und  Neuseeland  davon  getrennt  wird  etc., 
auch  laden  die  Südgrenzen  der  paläarktischen  Molluskenfauna  direct  zu  einem  Vergleiche 
mit  der  Südgrenze  der  boreal-subtropischen  Floren  zwischen  Sahara  und  dem  Amur  ein. 
Noch  wichtiger  erscheinen  dem  Referenten  die  vom  Verfasser  über  gewisse  Eiszeitfragen 
in  Deutschland  erzielten  Resultate,  wonach  die  jetzige  Molluskenfauna  und  ihre  geo- 
graphische Vertheilung  älter  ist  als  die  grosse  Eiszeitperiode,  welche  letztere  demnach 
nicht  als  trennende  Kluft,  sondern  als  Episode  erscheint. 


Vierte  Sitzung  am  9.  December  1897  (Floristen- Abend).  Vorsitzender: 
Oberlehrer  K.  Wobst.  — Anwesend  26  Mitglieder. 

Der  Vorsitzende  macht  darauf  aufmerksam,  dass  in  nächster  Zeit  eine 
Petition  zur  Erhaltung  des  Schubert’schen  mikroskopischen  Mu- 
seums für  die  Stadt  Dresden  in  unserer  Gesellschaft  circuiiren  wird  und 
empfiehlt  aus  mancherlei  Gründen  ein  wohlwollendes  Entgegenkommen. 

Prof.  Dr.  0.  Drude  schliesst  sich  diesen  Ausführungen  an  unter  Hin- 
weisen auf  eine  etwaige  fernere  Gestaltung  des  nützlichen  Institutes. 

Dr.  B.  Schorler  spricht  über  Neu-Erwerbungen  für  die  Flora 
Saxonica,  soweit  thatsächliche  Belegexemplare  in  dem  Herbarium  der 
K.  Technischen  Hochschule  vorliegen  (vergl.  Abhandlung  IX). 

Lehrer  H.  Hofmann- Grossenhain  legt  unter  entsprechenden  Erläu- 
terungen eine  reiche  Sammlung  sächsischer  Mentha- Formen  vor, 


19 


lässt  interessante  sächsische  Rubus- Arten  circuliren  mit  Bemerkungen 
über  die  geographischen  Verbreitungs- Areale  und  zeigt  einzelne  kritische 
Hieracien-  und  Rosen-Arten. 

Ausserdem  theilt  er  noch  neue  Standorte  von  Asplenium  ger- 
manicum  und  Euphrasia- Arten  mit. 

Im  Anschluss  an  diese  Ausführungen  legt  Prof.  Dr.  0.  Drude  ein 
Specialwerk:  Les  Labiees  des  Alpes  maritimes  par  Briquet  vor. 

Dr.  B.  Schorler  referirt  über  eine  in  Gemeinschaft  mit  Prof. 
Dr.  Drude  unternommene  Reise  durch  den  Böhmerwald  unter  Angabe 
neuer  Standorte  (Yergl.  Abhandlung  X). 

Zur  Ansicht  ausgelegt  werden  seltenere  Pflanzen  von  Gera,  ge- 
sammelt durch  Stabsarzt  Dr.  F.  Naumann- Gera. 


III.  Section  für  Mineralogie  lind  Geologie. 


Vierte  Sitzung“  am  11»  November  1897.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  E. 
Kalkowsky.  — Anwesend  45  Mitglieder  und  Gäste. 

Oberlehrer  Dr.  R.  Nessig  spricht  über  Diluvialsande  bei  Dresden. 

Auf  der  südöstlich  von  Dresden  sich  aushreitenden  fruchtbaren  Thallehmfläche  sind 
zwischen  Leuben,  Grossdobritz  nnd  Tolkewitz  sterile  Sandhügel  aufgesetzt,  die  eine 
dürftige  Vegetation  von  Akazien,  Birken  und  Kiefern  tragen.  Sowohl  die  Art  der 
Abböschung  nach  West  und  Ost,  wie  ihr  innerer  Aufbau  lassen  diese  Erhebungen  als 
Elugsandhaufen  erkennen.  Sie  bestehen  nur  aus  sehr  feinkörnigem  Sande  mit  gut  ge- 
rundeten Körnern,  ohne  jedes  kiesige  Material,  nur  an  der  Basis  stellen  sich  Basalt- 
blöcke u.  s.  w.  ein.  Die  ausgezeichnete  Schichtung  steigt  am  Westende  der  Hügel  mit 
etwa  20 — 25°  nach  Ost  an  und  verläuft  dann  wellig  durch  die  Aufschlüsse.  Discordante 
Schichtung,  wie  sie  wässerige  Sedimente  zeigen,  tritt  nie  auf.  Dreikanter  waren  weder 
im  Sande  noch  in  der  Umgehung  aufzufinden,  wohl  wegen  der  tiefen  Lage  der  Thal- 
lehmebene, auf  der  die  Verwehung  sich  vollzog. 

Eine  andere  Art  von  Diluvialsand  lagert  am  westlichen  Thalhange  des  Plauenschen 
Grundes  zwischen  Döltzschen  und  der  Jochhöhe,  im  Niveau  der  Horizontalen  250  bis 
210.  In  der  am  „Fürstenwege“  angesetzten  grossen  Sandgrube  von  Christmann  sind 
folgende  Lagerungsverhältnisse  erkennbar : Im  Grunde  des  schönen  Aufschlusses  lagert 
vermuthlich  verwitterter  Pläner,  da  beim  Tiefergraben  sich  reichlicher  Wasserzufluss 
einstellte.  Am  auffälligsten  ist  die  Schichtung  der  aufgeschlossenen  Sande.  Zu  oberst 
lagert  brauner,  lehmiger,  glimmerfreier  und  leidlich  geschichteter  Sand,  im  nördlichen 
Theile  der  Grube  von  den  tiefer  liegenden  grauen  Sanden  durch  eine  graue,  braun  ge- 
flammte und  zu  Tage  ausgehende  Thonschicht  getrennt.  Die  namentlich  verwertheten 
unteren,  grauen  Sande  zeigen  eine  eigenartig  kuppelförmige  Schichtung,  die  ausser- 
ordentlich scharf  und  ohne  jede  Schwankung  mit  etwa  20—25°  nach  dem  Plauenschen 
Grunde  zu,  aber  auch  nach  Nord,  West  und  Süd  einfällt.  In  den  Sanden  eingebettet 
lagern  zahlreiche  Plänerplatten  bis  1 m Grösse,  welche  vollkommen  in  der  Schichtung 
liegen  und  oft  wie  Nägel  oder  Bolzen  aus  der  Grubenwand  hervorragen.  Kieslagen 
fehlen  vollkommen,  ebenso  jede  Discordanz,  nur  sind  neben  den  Plänerstücken  noch 
Geschiebe  von  nordischen  Porphyren,  von  Feuerstein  und  namentlich  von  Syenit  und 
Gesteinen  des  ßothliegenden  im  Sande  eingebettet.  Der  Sand  selbst  ist  zumeist  stark 
zersetzter  Syenitgrus,  ohne  eine  Spur  von  Abrollung.  Dazu  gesellen  sich  kaolinisirte 
Feldspathfragmente , zahlreiche  Splitterquarze  neben  vereinzelten  gerundeten  Quarzen, 
während  Glimmer  und  Magneteisen  so  gut  wie  fehlen.  Das  Ganze  bietet  den  Anblick 
einer  gewaltigen  Schutthalde. 

Auffällig  sind  weiter  auf  den  grauen  Sandwänden  zahlreiche  rostbraune  Flecken 
von  etwa  Thalergrösse,  in  deren  Centrum  man  meist  ein  kleines  eisenschüssiges  Pläner- 


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fragment  entdeckt,  Auch . grosse  breite  Flecken  kommen  vor.  Schliesslich  verdienen 
thonige  Ballen  von  graubrauner  Farbe  Erwähnung,  die  im  Sande  sitzen  und  beim  Auf- 
weichen und  Abschlämmen  Syenitgrus  hinterlassen. 

Der  dritte  Aufschluss  grober  altdiluvialer  Schotter  befindet  sich  bei  Mederpesterwitz. 
Dort  lagern,  durch  spärlichen  Syenitgrus  gebunden,  grosse  Platten  von  Cenomansand- 
steinen, die  man  zu  technischen  Zwecken  herausliest,  neben  Quarzen,  Feuersteinen  und 
nordischem  Porphyrgeröll. 

Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky  legt  vor  R.  Nessig:  Geologische  Ex- 
cursionen  in  der  Umgegend  von  Dresden,  I.  Theil, 

berichtet  über  einen  oligocänen  Sandsteingang  an  der  Lau- 
sitzer U eher  Schiebung  bei  Weinböhla  (vergl.  Abhandlung  XII)  und 

legt  vor  die  Petrefacten  des  Ueberquaders  zu  der  Abhandlung  von 
W.  Petraczek  in  diesem  Jahrgang  S.  24. 

Alsdann  erläutert  Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky  an  17  Sectionen  die  von 
Dr.  0.  Barth  zur  Reliefkarte  verarbeitete  geologische  Special- 
karte des  Königreichs  Sachsen. 

Dr.  med.  Otto  Barth  in  Lindhardt  bei  Naunhof  hat  in  jahrelanger  mühsamer 
Arbeit  mit  ausserordentlichem  Geschick  sämmtliche  von  der  geologischen  Landesanstalt 
in  Leipzig  unter  der  Direction  des  Geheimen  Bergrathes  Prof.  Dr.  H.  Credner  bearbeitete 
Sectionen  der  von  dem  K.  Finanzministerium  herausgegebenen  geologischen  Specialkarte 
des  Königreichs  Sachsen  zu  Reliefs  verarbeitet;  auf  der  sächsisch- thüringischen  Industrie- 
Ausstellung  zu  Leipzig  war  das  ganze  Werk  zum  ersten  Male  dem  grossen  Publikum 
vorgeführt  worden.  Einige  Sectionen,  so  das  zu  einem  Tableau  aus  6 Blättern  ver- 
einigte Elbsandsteingebiet,  die  Umgegend  von  Dresden  und  das  Elbthal  bis  über  Meissen 
hinaus,  Theile  des  Steilabfalles  des  Erzgebirges  gegen  Süden  u.  s.  w.  waren  dem  Vor- 
tragenden freundlichst  für  eine  Erläuterung  in  der  Isis  übersandt  worden. 

Dr.  Barth  hat  es  zuwege  gebracht,  die  Reliefs  aus  je  einem  Abdruck  der  Sectionen 
herzustellen,  ohne  dass  dabei  irgendwie  die  Genauigkeit  der  Karten  gestört  worden  ist; 
die  Reliefs  lassen  sich  ebenso  lesen  wie  die  ebenen  Blätter.  Dabei  ist  bei  allen  Gebirgs- 
sectionen  das  natürliche  Verhältnis  der  Höhen  zu  den  Längen  streng  eingehalten  worden, 
nur  bei  den  Blättern  des  flachen  Leipziger  Kreises  und  des  Granulitgebietes  wurde  eine 
1,6  bis  2 fache  Ueberhöhung  durchgeführt,  da  sonst  die  geringen  Höhenunterschiede  zu 
wenig  hervorgetreten  wären. 

Wer  die  Reliefs  studirt,  blickt  gleichsam  aus  der  Vogelperspective  auf  das  Land 
hinab  mit  seinen  flachen  und  steilen  Bfergen,  mit  seinen  engen  und  breiten  Thälern. 
Er  sieht  aber  noch  mehr:  die  geologische  Kartirung  zeigt  durch  verschiedene  Farben 
ja  noch  zugleich  die  Zusammensetzung  der  Berge,  das  Material,  aus  dem  sie  bestehen, 
an.  Werfen  wir  einen  Blick  z.  B.  auf  das  Tableau  mit  dem  Elb  Sandsteingebirge , so 
sehen  wir,  wie  sich  auf  den  Urgesteinen  der  südöstlichen  Ecke  des  Erzgebirges  die 
Schichten  des  Quadersandsteins  «‘lagern  mit  ihrem  schwachen  Einfallen  nach  NO,  bis 
sie  dort  auf  dem  rechtenUfer  der  Elbe  an  der  grossen  Lausitzer  Verwerfung  ein  plötz- 
liches Ende  erreichen;  man  übersieht  handgreiflich  den  Aufbau  des  Quadersandstein- 
gebietes aus  einzelnen  Schichtensystemen,  das  Hervortauchen  seiner  Unterlage  im  tiefen 
Elbthaleinschnitt  nördlich  von  Tet sehen-,  seine  Zertheilung  durch  Erosion  in  die  so 
mannigfaltig  gestalteten  Berge  der  sächsischen  Schweiz,  man  sieht  die  Berge  und  Thäler 
vor  sich  mit  ihren  natürlichen  Böschungen,  und  bei  ganz  schräger,  einseitiger  Beleuchtung 
wie  durch  die  aufgehende  Sonne  tritt  auf  diesem  Tableau  die  ganze  Oberflächenbeschaffenheit 
des  Gebietes  vom  hohen  Schneeberg  bis  nach  Pirna  hin  ganz  vorzüglich  hervor.  Auf 
Section  Zittau-Oybin  sehen  wir  auch  dort  das  Quadersandsteingebiet  plötzlich  am  alten 
tiefer  liegenden  Granitgebiete  abstossen,  wir  sehen  die  dortigen  Basalt-  und  Phonolitli- 
berge  sich  über  ihre  älteste  Grundlage  erheben,  wir  sehen  an  der  tiefsten  Stelle  die 
Braunkohlenformation  auftreten;  ein  Blick  auf  das  geologische  Relief  lehrt  uns,  die 
Oberflächengestaltung  der  dortigen  Gegend  ihrer  Entstehung  nach  begreifen.  Prachtvoll 
tritt  auf  der  Section  Oelsnitz  die  Widerstandsfähigkeit  des  Hofes  umgewandelter  Schiefer 
gegen  Verwitterung  gegenüber  dem  Granitstock,  der  ihn  erzeugt  hat,  hervor;,  auf  der 
ebenen  geologischen  Karte  kann  man  nur  mit  vieler  Mühe  unter  den  kräftigen,  z.  Th. 
dunklen  Farben  der  geologischen  Darstellung  die  Höhencurven  und  die  Höhenverhält- 
nisse herausfinden  — auf  dem  geologischen  Relief  liegt  alles  auf  den  ersten  Blick  klar 
vor  Augen.  So  lassen  sich  an  jedem  Gebiete,  an  jeder  Section  der  geologischen  Relief- 


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karte  die  interessantesten  und  auch  für  den  Geologen  von  Fach  werthvollen  Studien 
anstellen. 

Das  Königreich  Sachsen  hatte  zuerst  eine  geologische  Uebersichtskarte,  die  des 
verewigten  C.  F.  Naumann,  aufzuweisen;  die  zweite  Kartirung  in  grossem  Massstabe  und 
unter  Aufwand  von  viel  Arbeit  und  Sorge  und  von  viel  Mitteln  ist  soeben  vollendet, 
und  ihr  Erfolg  wird  durch  die  bewundernswerthe  Barth’sclie  Reliefkarte  in  _ eindring- 
lichster Weise  Jedermann  offenbart.  Ist  doch  eine  geologische  Reliefkarte  im  natür- 
lichen Massstabe  der  Höhen  zu  den  Längen  die  vollkommenste  Art  der  kartographischen 
Darstellung  des  geologischen  Aufbaues  eines  Landes. 

Prof.  H.  Engelhardt  giebt  dem  Wunsche  Ausdruck,  dass  dieses  müh- 
sam hergestellte,  ausgezeichnete  Anschauungsmittel  nicht  in  Privathänden 
bleibe,  sondern  dem  allgemeinen  Studium  zugänglich  gemacht  werde. 

Oberlehrer  Dr.  R.  Nessig  macht  den  Vorschlag,  aus  der  Isis  heraus 
den  Antrag  an  das  Ministerium  zu  stellen,  diese  Reliefkarte  für  Dresden 
zu  erwerben;  in  gleichem  Sinne  sprechen  sich  Prof.  H.  Engelhardt,  Prof. 
Dr.  G.  Helm,  von  Al  vensleben,  Dr.  W.  Bergt  aus. 

Die  mineralogisch  - geologische  Section  der  Isis  hält  es  darnach  ein- 
stimmig für  äusserst  wünschenswert!!,  dass  die  geologische  Reliefkarte  von 
Dr.  0.  Ilarth  erworben  und  der  Oeffentlichkeit  zugänglich  gemacht  werde. 

Prof.  H.  Engelhardt  legt  eine  Arbeit  über  Andrias -Reste  aus 
der  böhmischen  Braunkohlenformation  von  G.  Laube,  Prag  1897, 
vor  und 

berichtet  über  neue  von  ihm  untersuchte  tertiäre  Pflanzenreste 
von  Sardinien  (vergl.  Abhandlung  VII). 


IV.  Section  für  prähistorische  Forschungen. 


Dritte  Sitzung-  ans  18.  November  1897.  Vorsitzender:  Rentier 
W.  Osborne.  — Anwesend  18  Mitglieder. 

Dr.  J.  D'eichmüller  berichtet  über  neue  Erwerbungen  der  K.  prä- 
historischen Sammlung  in  Dresden. 

Aus  dem  diluvialen  Kalktuff  von  Ehringsdorf  bei  Weimar  erhielt  das 
Museum  durch  Steinbruchsbesitzer  Kämpfe  ausser  Resten  von  Elephas , Rhinoceros , 
Cervus  und  einem  Yogelei  mehrere  Kalktuffstücke  mit  eingeschlossenen  Holzkohlen, 
Feuersteinsplittern  und  frisch  zerschlagenen  Kieselschief ergeröllen,  welche  darauf  hin- 
weisen,  dass  sich  auch  hier,  wie  in  dem  benachbarten  Taubach,  eine  Niederlassung  des 
älteren  Steinzeitmenschen  befunden  hat. 

Von  der  durch  H.  Döring  1896  bekannt  gewordenen  neolithischen  Fundstelle 
auf  dem  Gaumnitzhügel  bei  Casabra  südlich  Oschatz  werden  eine  Anzahl  Stein- 
geräthe  und  ein  Gefässscherben  mit  Bandverzierung  vorgelegt,  welche  Lehrer  Gutte  in 
Casabra  dort  gesammelt  und  dem  Museum  geschenkt  hat.  In  der  daselbst  angelegten 
Kiesgrube  ist  im  Sommer  d.  J.  auch  eine  Herdstelle  aufgeschlossen  gewesen. 

Im  Herbst  1897  fanden  Arbeiter  auf  einem  der  Firma  T.  J.  Seidel  gehörigen  Felde 
südwestlich  von  Laubegast  beim  Pflügen  in  ca.  40  cm  Tiefe  ein  grösseres,  einem 
irdenen  Gefässe  eingelegtes  Bronzedepot  aus  36  Stücken  im  Gesammtge wicht  von 
« 6,07  kg.  Der  Fund  besteht  aus  4 Knopfsicheln,  10  Sicheln  mit  Nietlöchern  und  5 Bruch- 

stücken solcher,  4 angebrochenen  Flügelkelten  und  11  z.  Th.  zusammengehörigen  Bruch- 
stücken, sowie  einem  schadhaften,  grösseren  Ringe  mit  imitirter  Torsion.  Das  zur  Auf- 
bewahrung benutzte  doppelhenkelige  Gefäss  hat  eine  in  den  Gräberfeldern  des  Lausitzer 
Typus  sehr  häufige  Form.  Der  werth volle  Fund  ist  von  dem  Besitzer  des  Feldes  der 
K.  prähistorischen  Sammlung  als  Geschenk  überwiesen  worden. 


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Der  Vortragende  legt  ferner  Abgüsse  mehrerer  Gefässsclierben  vor,  auf  welchen 
neben  zwei  senkrecht  stehenden  Kreuzen  auch  zwei  Thierzeichnungen,  Füchse  oder 
Hunde  darstellend,  eingeritzt  sind.  Die  interessanten  Stücke,  deren  nähere  Beschreibung- 
später  erfolgen  soll,  stammen  aus  dem  bekannten  Gräberfelde  von  Stetzsch  bei 
Dresden. 

Eine  Beihe  Gefässscherben  von  dem  Wall  auf  dem  Burgberg  bei  Zehren  an 
der  Elbe  beweisen,  dass  dieser  Wall,  wie  die  Heidenschanze  bei  Koschütz,  ein  doppel- 
schichtiger ist,  bereits  vor  der  Völkerwanderung  benutzt  und  später  wieder  von  einer 
slavischen  Bevölkerung  bewohnt  worden  ist. 

Lehrer  H.  Döring  spricht  über  neue  Burgwallfunde  vom  Burg- 
berg in  Niederwartha. 

In  den  letzten  Jahren  wurde  infolge  der  Erweiterung  des  am  Südhange  gelegenen 
Weinberges  die  Culturschicht  aufs  neue  angeschnitten,  und  es  fanden  sich  darin  zahl- 
reiche Gefässbruchstücke,  an  welchen  die  bekannten  charakteristischen  Verzierungen  in 
den  verschiedensten  Variationen  zur  Anwendung  kommen.  Unter  den  weiteren  Funden 
sind  bemerkenswert!!  ein  eisernes  Messer,  dessen  Knochengriff  Punktverzierungen  zeigt, 
eine  eiserne  Pfeilspitze  mit  schneidenartiger  Spitze  und  einige  Thonscherben,  deren 
Masse  mehr  oder  weniger  reichlich  Graphit  beigemengt  ist. 

Lehrer  0.  Ebert  legt  eine  von  der  Provinzial- Commission  zur  Er- 
forschung und  Erhaltung  der  Kunstdenkmäler  in  der  Provinz  Hannover 
1897  herausgebene  Anschauungstafel:  Vor-  und  frühgeschichtliche 
Alterthümer  aus  der  Provinz  Hannover,  vor  und 

bespricht  zum  Schluss  vorgeschichtliche  Funde  aus  der  Gegend 
von  Kudenitz  bei  Saaz  in  Böhmen. 


V.  Section  für  Physik  und  Chemie. 


Vierte  Sitzung*  am  7.  October  1897.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  W.  Hall- 
wachs.  — Anwesend  104  Mitglieder  und  Gäste. 

Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  W.  Hempel  spricht  über  Acetylen. 

Der  Vortragende  geht  aus  von  der  Gewinnung  des  Calciumcarbids  nach  dem  von 
Wilson  angegebenen,  schon  ziemlich  wohlfeilen  Verfahren,  Glühen  eines  puiverförmigen 
Gemisches  von  Kohle  und  kohlensaurem  Kalk  im  elektrischen  Ofen,  wobei  die  an- 
gewendeten Mengen  der  Gleichung 

Ca  C03  + 4 C = Ca  C|  + 3 CO 

entsprechen  müssen.  Die  Herstellung  des  Calciumcarbids  nach  diesem  Verfahren  und 
die  Zersetzung  des  erhaltenen  Productes  durch  Wasser  unter  Entwickelung  von  brenn- 
barem Acetylengas  wird  vorgeführt.  Hieran  schliessen  sich  Versuche  über  die  An- 
wendung des  mit  Hilfe  von  Calciumcarbid  gewonnenen  Acetylens  zu  Beleuchtungszwecken. 
Durch  mehrere  Versuche  wird  der  bedeutende  Einfluss  einer  mehr  oder  weniger  reich- 
lichen Beimengung  von  Sauerstoff  auf  die  Explosibilität  des  Gases  erläutert,  und  ferner 
gezeigt,  wie  auch  ein  Gehalt  des  Acetylens  an  selbstentzündlichem  Phosphorwasserstoff, 
eine  Folge  der  Verarbeitung  phosphorhaltigen  Bohmateriales  bei  der  Carbidgewinnung, 
wohl  zu  beachtende  Gefahren  bringt.  Die  ausserordentliche  Lichtentwickelung  der 
Acetylenflammen  — eine  Acetylenlampe  brennt  viermal  so  hell  wie  ein  Auerbrenner  — 
und  ihr  jetzt  schon  niedriger  Preis  sprechen  jedoch  schon  zu  Gunsten  des  Acetylens. 
Dasselbe  würde  namentlich  für  diejenigen  Zwecke  in  Frage  kommen,  für  welche  heute 
das  Oelgas  dient,  wie  für  die  Beleuchtung  von  Eisenbahnwagen  und  Seezeichen.  Hinder- 
lich ist  nur  der  Umstand,  dass,  wie  ein  Versuch  lehrt,  das  comprimirte  Gas  im  Falle 
einer  Entzündung  sich  explosionsartig  in  seine  Bestandtheile  zerlegt,  auch  wenn  es 
keinen  Sauerstoff  enthält.  Da  aber  die  Versuche,  dieses  Hinderniss  durch  Verdünnen 
mit  anderen  Gasen  zu  beseitigen,  ergeben  haben,  dass  ein  Gemisch  von  30%  Acetylen 


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mit  70%  Oelgas  ohne  Explosionsgefahr  comprimirt  werden  kann,  so  ist  nunmehr  Aus- 
sicht vorhanden,  die  bessere  Leuchtkraft  des  Acetylens  für  die  angegebenen  Zwecke 
nutzbar  zu  machen. 

Es  folgen  Mittheilungen  und  Versuche  über  die  explosiven  Verbindungen  des 
Acetylens  mit  Metallen  und  über  die  unter  Flammenerscheinung  erfolgende  Vereinigung 
des  Grases  mit  Chlor. 

Bemerkt  wird  noch,  dass  das  Calciumcarbid  sich  organischen  Verbindungen  gegen- 
über durchaus  nicht  so  reactionsfähig  gezeigt  habe,  wie  man  mit  Rücksicht  auf  sein 
Verhalten  zum  Wasser  gehofft  hätte;  dagegen  seien  die  Carbide  des  Natriums  reactions- 
fähiger. 

Der  Vortragende  macht  noch  einige  Angaben  über  die  Auflösung  des  Acetylens 
in  Aceton  und  ihr  Verhalten  bei  höherem  Drucke. 

Im  Anschluss  an  den  Vortrag  bemerkt  Prof.  Dr.  F.  Förster,  nach 
einer  Mittheilung  von  Dr.  Rathenau  sei  man  in  Bitterfelcl  im  Begriffe, 
Calciumcarbid  in  continuirlichem  Betriebe  mittels  einer  dem  Hochofen 
ähnlichen  Vorrichtung  darzustellen. 

Prof.  Dr.  E.  von  Meyer  hält  einen  Vortrag  über  colloidales  Silber. 

Der  Vortragende  berichtet  über  Untersuchungen,  welche  er  mit  Dr.  Lottermoser 
angestellt  hat,  um  die  Bedingungen  zu  ermitteln,  unter  denen  das  colloidale,  in  Wasser 
mit  schwarzbrauner  Farbe  lösliche  Silber  in  das  unlösliche  übergeht.  Die  Untersuchungen 
sind  von  besonderem  Interesse  deshalb,  weil  es  gelungen  ist,  das  colloidale  Silber  durch 
Salben  in  den  Blutkreislauf  einzuführen  und  damit  seine  antiseptischen  Wirkungen  in 
alle  Theile  des  Körpers  zu  tragen.  In  diesem  Falle  verhindern  die  Eiweissstoife  des 
Blutes  den  unerwünschten  Uebergang*  in  die  unlösliche  Form,  welchen  das  Chlornatrium 
allein  bewirken  würde.  Bei  der  Umwandlung  des  colloidalen  Silbers  in  unlösliches  durch 
Säuren  ergeben  sich  Beziehungen  zu  der  Affinität  der  Säuren.  Halogene  führen  das 
colloidale  Silber  in  die  colloidalen  Formen  der  entsprechenden  Halogensilber  Verbin- 
dungen über.  _ 


Fünfte  Sitzung  am  2.  Becember  1897.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  W. 
Hall  wachs.  — Anwesend  52  Mitglieder. 

Prof.  Dr.  F.  Förster  spricht  über  die  elektrochemische  Dar- 
stellung von  Jodoform. 

Wie  ein  vorgeführter  Versuch  lehrt,  lässt  sich  die  elektrochemische  Darstellung 
von  Jodoform  in  einer  mit  Soda  versetzten  Lösung  von  Jodkalium  in  verdünntem  Alkohol 
bei  etwa  60°  und  bei  Stromdichten  von  1 — 3 Amp.  / qdm  bewerkstelligen,  wenn  der 
Strom  an  einer  Platinanode  eintritt  und  an  einer  aus  Platin  oder  Blei  bestehenden,  mit 
Pergamentpapier  zu  umhüllenden  Kathode  austritt.  Die  Stromausbeute  beläuft  sich  je 
nach  der  gewählten  Stromdichte  auf  97  bis  80  %;  die  Aufarbeitung  des  Jodkaliums 
kann  ebenfalls  bei  geeigneter  Leitung  des  Verfahrens  bis  zu  80%  der  angewandten 
Salzmenge  fortgeführt  werden. 

Im  Anschluss  hieran  werden  die  Erscheinungen  bei  der  Elektrolyse  wässriger 
J odkaliumlösungen  erörtert;  hierbei  entsteht  an  der  Anode  Jod,  an  der  Kathode  unter 
Wasserstoff entwickelung  Kalilauge,  welche  mit  dem  Jod  zu  Kaliumjodid  und  Kalinm- 
jodat  sich  umsetzt.  Letzteres  wird,  im  Gfegensatz  zu  Kaliumchlorat,  durch  den  an  der 
Kathode  auftretenden  Wasserstoff  zu  Kaliumjodid  reducirt.  Diese  sich  entgegenwirkenden 
Vorgänge  führen  im  Allgemeinen  schliesslich  zu  einem  stationären  Zustand  im  Elektro- 
lyten, welcher  alsdann  den  Strom  leitet,  ohne  chemische  Aenderungen  zu  erfahren.  Die 
Entstehung  von  unterj odigsaurem  Kalium  bei  der  Elektrolyse  wässriger  Jodkaliumlösungen 
konnte  bei  der  grossen  Zersetzlichkeit  des  Salzes  nicht  unmittelbar  festgestellt  werden. 
Dass  sie  aber  als  Zwischenstufe  bei  der  Jodatbildung  auftritt,  zeigt  die  Entstehung  des 
Jodoforms,  welche,  wie  gezeigt  wird,  das  Vorhandensein  von  unterj  odigsaurem  Alkali 
voraussetzt. 

Prof.  Dr.  W.  Hallwachs  hält  einen  Vortrag  über  sein  Diff erential- 
spectrometer  mit  streifender  Xncidenz  und  schildert  die  durch 
Tornöe  eingeführte  Anwendung  dieses  Apparates  zur  raschen  und  sicheren 
Bestimmung  des  Alkohol-  und  Extractgehaltes  im  Biere. 


24 


Derselbe  berichtet  ferner  über  die  Erzeugung  Hertz’scber  Wellen 
von  möglichst  geringer  Wellenlänge  (6  mm  Lebedew)  und  die  Aus- 
sonderung ultrarot  her  Wellen  von  möglichst  grosser  Wellenlänge 
(0,03  mm  Rubens). 


VI.  Section  für  Mathematik. 


Vierte  Sitzung  am  14.  October  1897.  Vorsitzender:  Prof.  B.  Patt  en- 
tlausen. — Anwesend  11  Mitglieder. 

Dr.  PI.  Gravelius  spricht  über  Dynamik  der  Körpersysteme. 

Der  Vortragende  giebt  einige  allgemeine  Darlegungen  zur  Dynamik  eines  Systems 
starrer  Körper,  d.  i.  einer  beliebigen  endlichen  Menge  von  starren  Systemen,  die  in 
irgend  welcher  Abhängigkeit  von  einander  oder  auch  vollkommen  frei  sein  können,  und 
zeigt  zunächst,  dass  die  allgemeine  Elementarbewegung  eines  solchen  Systems  dadurch 
zu  Stande  kommt,  dass  jedes  Individuum  des  Systems  eine  Windung  um  eine  Axe 
ausführt. 

Es  lässt  sich  dann  nachweisen,  dass  eine  solche  Elementarbewegung  eines  Körper- 
systems charakterisirt  ist,  wenn  die  Windungsamplitude  eines  als  ersten  augenommenen 
Individuums  aus  dem  System  gegeben  wird.  Sind  nämlich  a1:  a2,  ...  . die  Axen  für 

den  ersten , zweiten , . . . . Körper , so  lassen  sich  immer  Axen  a1  2,  ö2  3 , . . . . finden 

von  der  Art,  dass  alt  ax  2,  a2,  ferner  a?:  a23,  a3  u.  s.  w.  auf  je  einem  Cylindroid  liegen, 
und  ist  dann  die  Amplitude  der  Windung  um  a15  so  lassen  sich  vermöge  eines  ele- 
mentaren Satzes  die  Amplituden  a2,  a8, mit  Hilfe  der  eingeführten  „inter- 
mediären“ Axen  a12,  a28,  . . . . bestimmen.  Die  Reihe  der  ursprünglichen  Axen  a*, 

ajc,  . . . . und  der  intermediären  an  wird  von  Sir  .Robert  Ball  als  Axenkette  bezeich- 
net, und  es  lässt  sich  dann  vermöge  des  eben  Gesagten  die  Elementarbewegung  eines 
Körpersystems  als  eine  Windung  um  eine  Kette  bezeichnen.  Ganz  analog  wird  die 
Wirkung  eines  Kräftesystems  auf  ein  Körpersystem  sich  darstellen  lassen  als  eine 
Dyname  auf  einer  Kette. 

Es  wird  nun  die  Zusammensetzung  von  Windungen  um  Ketten  und  Dynamen  auf 
Ketten  gezeigt  und  daraus  der  Begriff  der  Kettencoordinaten  hergeleitet.  Sind  von 
allen  Ketten,  um  die  ein  System  sich  bewegen  kann,  nur  n von  einander  unabhängig, 
d.  h.  lässt  sich  keine  der  n Ketten  aus  2 oder  mehreren  anderen  der  Gruppe  herleiten, 
so  hat  das  System  Freiheit  wten  Grades.  Zur  Beschreibung  seiner  Bewegung  sind 
dann  n und  nur  n Coordinaten  erforderlich,  als  welche  die  auf  die  einzelnen  Fundamental- 
ketten bezogenen  Amplituden  dienen,  also  «ü1),  .... 

Aus  dem  Ausdruck  der  Arbeit  Äa,  ß einer  Dyname  (auf  der  Kette  «)  in  Bezug 
auf  eine  Windung  (um  die  Kette  ß)  wird  der  Begriff  der  reciproken  Ketten  (Aa,  ß — 0) 
und  daran  anschliessend  der  eines  Systems  von  n coreciproken  Ketten  gewonnen.  Ein 
solches  System  wird  von  nun  ab  als  Ooordinatensystem  benutzt,  wobei  sich  für  Aa,p  ein 
sehr  einfacher  eleganter  Ausdruck  ergiebt. 

Mit  Hilfe  dieser  Coordinaten  werden  die  Lagrange’schen  Bewegungsgleichungen 
für  das  Körpersystem  gegeben.  Aus  einem  von  Sir  Robert  Ball  aufgestellten  Princip 
wird  sodann  eine  Bedingungsgleichung  für  die  kinetische  Energie  liergeleitet.  Das 
angeführte  Princip  lässt  sich  so  ausdriicken:  Wenn  ein  um  eine  Kette  sich  bewegendes 
Körpersystem  angehalten,  in  eine  benachbarte  Position  auf  der  Kette  verschoben  und 
dann  mit  der  ursprünglichen  Geschwindigkeit  um  dieselbe  Kette  wieder  in  Bewegung 
gebracht  wird,  so  ist  seine  kinetische  Energie  wie  ursprünglich.  (Das  Princip  ist  durch 
Verallgemeinerung  aus  der  Wahrnehmung  gewonnen,  dass  die  kinetische  Energie  eines 
um  eine  feste  Axe  sich  drehenden  Körpers  unabhängig  ist  von  dem  Anfangsazimuth, 
von  dem  aus  die  Bewegung  begonnen  hat.)  Mit  Hilfe  der  vorhin  erwähnten  Bedingungs- 
gleichung für  die  kinetische  Energie  werden  die  Lagrange’schen  Gleichungen  trans- 
fonnirt  und  nach  einigen  weiteren  Darlegungen  über  ein  besonderes  Ooordinatensystem, 
dessen  Elemente  nicht  nur  coreciprok,  sondern  auch  conjugirt  sind,  eine  äusserst  ein- 
fache Form  der  Bewegungsgleichungen  erlangt,  welche  den  Euler’schen  für  die  Drehung 
eines  Körpers  um  einen  festen  Punkt  ganz  analog  sind. 


25 


Bei  der  Discussion  dieser  Gleichungen  werden  die  Beziehungen  zwischen  im- 
pulsiver und  instantaner,  Widerstands-  und  Beschleunigungskette  besprochen  und  zum 
Schlüsse  wird  noch  eine  kurze  Darstellung  der  permanenten  Windungsaxen  eines  Körper- 
systems gegeben. 


Fünfte  Sitzung  am  9 .December  1897.  Vorsitzender:  Prof.  B.  Patt  en- 
tlausen. — Anwesend  10  Mitglieder  und  Gäste. 

Prof.  Dr.  G.  Helm  spricht  über  neuere  mechanische  Aufgaben 
aus  der  Technik. 

Föppl  und  sein  Assistent  Klein  haben  die  elastische  Laval’sche  Turbinenwelle  und 
die  Bewegung  schnell  umlaufender  elastischer  Hängespindeln  theoretisch  und . experi- 
mentell untersucht  (Civilingenieur  von  1895).  Der  Vortragende  .zeigt,  wie  man  dieselben 
Probleme  mit  Hilfe  der  zweiten  Form  der  Lagrange’schen  Differentialgleichungen  der 
Bewegung  behandeln  kann. 


VII.  Hau ptversammlungen. 


Siebente  Sitzung  am  80.  September  1897.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  G. 
Helm.  — Anwesend  34  Mitglieder  und  Gäste. 

Prof.  Dr.  G.  Helm  begrüsst  die  als  Gäste  der  Isis  erschienenen  Theib 
n eh  in  er  an  der  44.  Versammlung  deutscher  Philologen  und  Schulmänner 
in  Dresden  und 

legt  das  neu  erschienene  Programm  der  K.  Sächs.  Bergakademie 
zu  Freiberg  für  1897  — 98  vor. 

Prof.  Dr.  0.  Drude  hält  den  angekündigten  Vortrag  über;  die  für 
den  Schulunterricht  wichtigsten  Richtungen  der  modernen  Bo- 
t anik. 

Das  Thema  des  heutigen  Vortrages  ist  mit  Rücksicht  auf  die  in  unserm  Dresden 
weilenden  Gäste  aus  den  Kreisen  deutscher  Schulmänner  gewählt,  nicht  etwa,  uni  eine 
Discussion  über  die  Methodik  des  botanischen  Unterrichts  herbeizuführen  — welche  mir 
ganz  fern  liegt  — sondern  um  zu  bezeichnen,  welche  Ziele  sich  der  Fachmann  in  diesem 
Gebiete  der  Wissenschaft  von  der  Schule  geleistet  zu  sehen  wünscht,  damit  die  drei 
hauptsächlichsten  Punkte  erreicht  werden: 

1.  Achtung  in  den  Kreisen  der  Gebildeten  vor  den  Gegenständen,  mit  denen  die 
Botanik  auch  schon  auf  den  Anfangsstufen  ihres  Unterrichts  sich  zu  beschäf- 
tigen hat; 

2.  Ueberlieferung  einer  Reihe  nützlicher  Kenntnisse  aus  dem  weiten  Umfange 
botanischer  Wissenschaft  an  die  Schuljugend  aller  späteren  Berufskreise  und 
ohne  Rücksicht  auf  bestimmte  Fachrichtungen; 

3.  Vorbereitung  einer  guten,  in  massigem  Umfange  gehaltenen  Grundlage,  auf 
welcher  bei  den  Naturwissenschaften- Studierenden  dann  um  so  erfolgreicher 
der  Hochschul -Unterricht  auf  bauen  kann. 

Diese  Grundlage,  weil  ganz  anders  gehalten  als  in  den  Sprachwissenschaften, 
bringt  dann  ganz  von  selbst  einen  Theil  des  G egengervichtes  hervor,  welches  man  von 
Mathematik  und  Naturwissenschaften  jenen  gegenüber  geleistet  sehen  will  und  welches 
insbesondere  für  künftige  Theologen,  Philologen  und  Juristen  nützlich  weiterwirken  soll.' 

Was  von  diesen  als  erstrebenswert!!  bezeichneten  Zielen  erreicht  werden  kann,  ist 
naturgemäss  je  nach  dem  Charakter  der  Schule  und  dem  Klassenalter  ihrer  Schüler  sehr 
verschieden  und  diese  Unterschiede  hervorzuheben  gehört  nicht  hierher.  Mit  Rücksicht 
auf  Punkt  3 denke  ich  selbst  in  diesem  Vortrage  an  diejenigen  Schulen,  welche  mit 
Reifezeugniss  für  ein  späteres  Hochschulstudium  abschliessen.  — Der  hier  zu  behandelnde 
Gegenstand  muss  aber  auch  für  unsere  „Isis“  ein  allgemeines  Interesse  haben,  da  mit 


26 


der  Güte  naturwissenschaftlichen  Unterriclits  auf  den  Schulen  die  Möglichkeit  sich  steigert, 
in  naturforschenden  Gesellschaften  die  Mitglieder  gut  vorbereitet  zu  finden. 

Wenn  man  für  eine  Wissenschaft  Achtung  und  Liehe  erwecken  will,  so  ist  es 
nothwendig,  ihren  inneren  Geist  zu  erkennen  zu  gehen,  und  nicht  etwa  nur  die  äussere 
Form.  Die  Fehler,  die  in  dieser  Hinsicht  auf  botanischem  Gebiete  ziemlich  allgemein 
noch  heute  begangen  werden,  lassen  sich  gar  nicht  verkennen  und  betreffen  hauptsächlich 
das  viel  zu  bedeutende  Gewicht,  welches  der  Namensgebung,  den  Nomenclaturfragen, 
zugewendet  wird.  Und  doch  ist  dies  nur  fachmännischer  Apparat  als  Mittel  zum  Zweck, 
und  die  Stunden  in  Botanik  sollen  durchaus  nicht  solche  für  Erlernen  lateinischer  Vocabeln 
sein.  Es  ist  zu  hoffen,  dass  die  jetzt  eingetretene  Bewegung  für  Schaffung  einheitlicher 
deutscher  Pflanzenbenennungen  für  die  Schule  hier  günstig  einwirken  und  die  Namen 
auf  das  Nothwendigste  beschränken  wird. 

Früher  beschränkte  sich  der  botanische  Unterricht  auf  Organbeschreibung  und 
die  im  Anschluss  daran  erlernte  methodische  Bestimmungskunst.  Ich  möchte 
vom  Standpunkt  der  wissenschaftlichen  Bedürfnisse  diese  Richtung  als  erste,  formell 
gut  durchgebildete  Grundlage  nicht  aufgeben,  da  sie  ein  positives  Wissen  und  Können 
schafft;  nur  darf  sie  nicht  länger  auf  veraltetem  Standpunkte  beharren  und  muss  dahin 
streben,  die  Kenntniss  des  Linneeffschen  Systemes  völlig  zu  beseitigen.  Bestimmungs- 
schlüssel sind  viel  zweckmässiger  auf  jetziger  Blüthenmorphologie  aufzubauen  und  können 
für  die  Schule,  in  weiser  Beschränkung  auf  typische  Auswahlen,  viel  leichter  zum  Ziele 
führen,  als  unter  Befolgung  jener  veralteten  Methode.  Nach  meiner  Meinung  gehört 
aber  eine  Anleitung  zur  Kenntniss  der  gesammten  deutschen  Flora  überhaupt  nicht  in 
die  Schule,  sondern  in  den  Kreis  besonderer  Privatbeschäftigung  oder  fachmännischen 
Studiums. 

Würde  nun  nichts  weiter  betrieben  als  dieser  Theil  der  Botanik,  so  wäre  der  Ver- 
gleich nicht  unpassend,  dass  gleichsam  die  Grammatik  einer  fremden  Sprache  getrieben 
würde,  ohne  Lektüre  der  in  ihr  geschriebenen  herrlichen  Werke.  Zur  morphologischen 
Systematik  müssen  auch  in  der  Schule  Biologie  und  Physiologie  hinzutreten! 

Ich  weiss  wohl,  dass  sich  diese  Forderung  vielfach  an  der  zu  sehr  beschränkten 
Stundenzahl  stösst,  allein  auf  Umwegen  kann  man  ihr  doch  wohl  gerecht  werden.  In 
der  Schule  können  sehr  wohl  Fächer  combinirt  gelehrt  werden,  welche  im  Hochschul- 
unterricht besonderen  Professoren  zugewiesen  sind.  Und  so  ist  das  nächstliegende, 
die  wichtigsten  biologischen  Kapitel  über  Anpassung,  Vererbung,  Fortpflanzung,  Ab- 
hängigkeit von  äusseren  Einflüssen ' und  Schutzmitteln  gegen  dieselben  in  Botanik  und 
Zoologie  zusammenzufassen  und  möglichst  an  das  Ende  des  naturwissenschaftlichen  Unter- 
richts zu  legen.  Dadurch  wird  den  Schülern  hauptsächlich  das  Verständniss  der  organi- 
schen Welt  als  einer  besonderen,  von  der  anorganischen  himmelweit  verschiedenen  nahe 
gelegt,  und  hierauf  hat  die  heutige  Wissenschaft  besonderen  Nachdruck  zu  legen. 

Eine  jReihe  der  wichtigsten  experimental -physiologischen  Vorgänge  kann  sodann 
mit  Leichtigkeit  in  den  Stunden  für  Chemie  und  Physik  in  den  oberen  Klassen  behandelt 
werden,  so  besonders  die  überaus  wichtige  Ernährungslehre  der  Pflanzen  in  der  Assi- 
milation der  Kohlensäure  durch  die  chlorophyllhaltigen  Zellen,  die  Eigenschaften  des 
Chlorophylls  als  eines  spezifisch  pflanzlichen  Körpers,  ferner  die  allen  Organismen  ge- 
meinsame Athmungsthätigkeit  unter  Ausscheidung  von  Kohlensäure  zu  jeder  Tageszeit. 
Wenn  dabei  das  Mikroskop  gelegentlich  zur  Erklärung  herangezogen  oder  auf  Skioptikon- 
Deinonstration  von  Präparaten  eingegangen  werden  kann,  so  ist  es  um  so  besser;  übrigens 
leisten  einige  geschickt  an  der  Wandtafel  entworfene  Figuren  schon  das  Nothwendige. 

Wird  durch  die  vorstehend  genannten  Gegenstände  der  richtige  Geist  der  Botanik 
überliefert  und  Liebe  zu  ihr  erweckt,  so  muss  es  sich  schliesslich  darum  handeln,  dem 
Schüler  auch  eine  Reihe  positiver  Kenntnisse  aus  der  Pflanzenkunde  mit  auf  den  Weg 
zu  geben,  die  schliesslich  gerade  so  Gegenstände  der  allgemeinen  Bildung  sein  sollten, 
wie  der  Besitz  von  Geschichtsdaten,  Kenntniss  von  Einwohnerzahlen,  politischen  Grenzen 
u.  dergl.  Es  betrifft  eine  gute  Auswahl  aus  der  speziellen  Pflanzenkunde. 

Mit  Vergnügen  habe  ich  öfters  bemerkt,  wie  die  Lehrer  schon  im  botanischen  An- 
fangsunterricht bemüht  sind,  ihren  Schülern  eine  Kenntniss  der  einheimischen  Baumarten 
einzuprägen,  damit  sie  lernen,  die  Elemente  des  deutschen  Waldes  im  Ausdruck  so 
vieler  landschaftlicher  Schönheiten  zu  verstehen.  Die  geselligen  Pflanzen  und  die  Cultur- 
arten  des  Vaterlandes  sollten  vor  allen  anderen  zur  besonderen  Betrachtung  herange- 
zogen werden. 

Ganz  reicht  aber  auch  dies  nicht  aus,  und  es  bleibt  vieles  im  Anschluss  an  den 
geographischenünterricht  zu  sagen  übrig,  was  von  der  grössesten  Bedeutung  für 
das  Verständniss  des  Welthandels  im  Austausch  seiner  Produkte  und  zugleich  für  den 
wahren  Charakter  exotischer  Länder  ist.  Bücher  wie  Humboldt’s  „Kosmos“  liefern  einen 


27 


Massstat)  dafür,  wie  viel  etwa  von  botanischen  Charakterarten  der  Schnle  zu  erklären 
übrig  bleibt,  nm  znr  Erhöhung  der  allgemeinen  Bildung  beizutragen.  Jetzt  ist  auch 
Deutschland  ein  Kolonien  besitzendes  .Reich  geworden  und  zahlreiche  Produkte  ferner 
Länder  mischen  sich  mit  den  selbsterzeugten  auf  unseren  Märkten;  für  diese  hat  der 
Schüler  naturgemäss  ein  grösseres  Interesse,  und  dieses  Interesse  kann  in  Fortsetzung 
des  botanischen  Anfangsunterrichts  unter  Verzicht  auf  die  umständliche  botanische  Be- 
schreibung und  wissenschaftliche  Namengebung  leicht  genährt  werden.  Es  ist  ja  auch 
diese  Richtung  gar  nicht  mehr  neu,  sondern  zahlreiche  Lehrmittelsammlungen  für  den 
geographischen  Unterricht  bezeugen  ihre  stattgehabte  Einbürgerung.  — 

Zusammenfassend  halte  ich  also  dafür,  dass  die  Befreiung  des  botanischen  Unter- 
richts von  unnöthigem  Formalismus,  namentlich  von  nomenclatorischem  Beiwerk  umfang- 
reicherer Art,  die  Belebung  der  morphologischen  Kapitel  durch  später  folgende  biologische, 
die  geschickte  Vereinigung  botanischer  und  zoologischer  Charakterzüge  und  Weiterführung 
dieses  Unterrichts  in  einzelnen  Abschnitten  des  chemischen  und  als  Belebung  der  Geo- 
graphie den  wissenschaftlichen  Interessen  der  Botanik  dienen  wird,  so  lange  als  dieser 
Wissenschaft  allein  nur  ein  verhältnissmässig  kleiner  Spielraum  als  selbstständiger  Schul- 
disciplin  eingeräumt  werden  kann. 

Dabei  ist  der  individuellen  Neigung  und  Thätigkeit  des  Lehrers  ein  der  erweiterten 
Wissenschaft  entsprechend  erweitertes  Feld  gegeben,  auf  welchem  er  sich  in  eigener 
Fortarbeit  viel  besser  bethätigen  kann,  als  in  der  früher  herrschenden  einseitigen  Be- 
schränkung. 

An  der  sich  anschliessenden  Debatte  betheiligen  sich  Oberlehrer 
Dr.  A.  Witting,  Prof.  H.  Engelhardt  und  Oberlehrer  Taube -Naumburg. 

Dr.  II.  Gravelius  spricht  über  Wettertypen  und  Hochwasser- 
prognosen. 


Achte  Sitzung  am  28.  October  1897.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  G.  Helm. 
— Anwesend  82  Mitglieder  und  Gäste. 

Vorgelegt  wird  die  Einladung  zum  100jährigen  Stiftungsfeste  der 
naturhistorischen  Gesellschaft  in  Hannover. 

Der  Vorsitzende  theilt  mit,  dass  der  II.  Sächs.  Alterthumsverein  sich 
bereit  erklärt  hat,  die  um  Schutz  der  vorgeschichtlichen  Alterthümer  in 
Sachsen  ersuchenden  Eingaben  an  die  K.  Ministerien  gemeinschaftlich  mit 
der  Isis  zu  unterzeichnen. 

Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky  berichtet  eingehend  über  die  Excursion 
des  VII.  internationalen,  in  St.  Petersburg  tagenden  Geologen- 
Congresses  in  den  Ural  und  bringt  eine  grosse  Zahl  trefflicher  Photo- 
graphien zur  Ansicht. 


Nennte  Sitzung  am  25.  November  1897.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  G. 
Helm.  — Anwesend  49  Mitglieder. 

Der  Vorsitzende  macht  darauf  aufmerksam,  dass  nach  Ablauf  des 
Jahres  1897  Hofbuchhändler  H.  Warn  atz  25  Jahre  lang  ununterbrochen 
dem  Vorstande  der  Isis  als  Kassirer  angehört  hat.  Der  Vorsitzende  wird 
beauftragt,  Herrn  H.  Warnatz  den  Dank  der  Gesellschaft  für  die  lang- 
jährige, mühevolle  Verwaltung  dieses  Amtes  schriftlich  auszusprechen. 

Das  Ergebniss  der  hierauf  statutengemäss  vorgenommenen  Neuwahl 
der  Beamten  der  Isis  für  1898  ist  auf  S.  80  zusammengestellt. 

Ingenieur  Frz.  Salb  ach  spricht  über  Gr  und  wasser  unter  be- 
sonderer Berücksichtigung  der  Dresdner  Wasserwerke. 


28 


Auf  Antrag  mehrerer  Mitglieder  beschliesst  die  Hauptversammlung, 
die  Osiris -Vereinigungen  nach  dem  Restaurant  des  Hauptbahnhofs  (böh- 
mischen Bahnhofs)  zu  verlegen. 


Zehnte  Sitzung  am  18.  Decemher  1897.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  G. 
Helm.  — Anwesend  143  Mitglieder  und  Gäste. 

Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  A.  Töpler  hält  einen  durch  zahlreiche  Ex- 
perimente erläuterten  Vortrag  über  Hertz’sche  Wellen  und  Tele- 
graphie ohne  Drähte. 

Im  Namen  des  Verfassers  überreicht  der  Vorsitzende  als  Geschenk 
für  die  Gesellschaftsbibliothek  das  Werk  von  Dr.  A.  St  übel:  Die  Vulkan- 
berge von  Ecuador,  Berlin  1897,  4°  und 

giebt  weiter  eine  Uebersicht  über  den  gegenwärtigen  Mitgliederbestand 
der  Isis,  nach  welcher  die  Zahl  der  Ehrenmitglieder  34,  der  wirklichen 
Mitglieder  211  und  die  der  correspondirenden  135  beträgt. 

Zum  Schluss  wird  eine  Petition  vorgelesen  und  zur  Unterzeichnung 
ausgelegt,  in  welcher  Rath  und  Stadtverordnete  von  Dresden  um  Ankauf 
des  mikroskopischen  Museums  von  W.  Schubert  ersucht  werden, 
um  dieses  werthvolle  Institut  der  Stadt  Dresden  zu  erhalten  und  der  all- 
gemeinen Benutzung  dauernd  zugänglich  zu  machen.  Der  Vorsitzende 
wird  beauftragt,  die  Petition  im  Namen  der  Gesellschaft  zu  unterzeichnen. 


Veränderungen  isn  Mitgliederbestände. 

Gestorbene  Mitglieder: 

Am  18.  Juli  1897  starb  in  Harlem  Dr.  T.  C.  Winkler,  Gustos  am 
dortigen  Teyler  Museum,  correspondirendes  Mitglied  seit  1875. 

Am  8.  August  1897  starb  in  Klotzsche  bei  Dresden  der  geniale  Schöpfer 
der  neuen  Dresdner  Bahnhofsanlagen  Baurath  Otto  Klette,  wirkliches 
Mitglied  seit  1893. 

Am  2.  September  1897  verschied  in  Dresden  der  Civilingenieur  und 
Fabrikbesitzer  Emil  Kelling,  wirkliches  Mitglied  seit  1879. 

Am  10.  October  1897  starb  in  Pirna  der  Senior  unserer  correspon- 
direnden Mitglieder,  Hofrath  Dr.  med.  Emil  Bech.  Unserer  Gesellschaft 
gehörte  der  Verewigte  seit  1846  an. 

Im  74.  Lebensjahre  verschied  am  22.  November  1897  Dr.  Oskar 
von  Fr  aas,  Oberstudienrath  und  Director  a.  D.  am  K.  Naturalien-Cabinet 
zu  Stuttgart,  Ehrenmitglied  seit  1867. 

Am  5.  December  1897  starb  Consistorialrath  Anton  Buck,  Pfarrer 
an  der  katholischen  Kirche  in  Dresden-N.,  wirkliches  Mitglied  seit  1871. 

Neu  auf  ge  nommene  wirkliche  Mitglieder: 

Bartel,  Alfr.,  Assistent  am  chemischen  Laboratorium  in  Tharandt, -am 
18.  December  1897; 

Beck,  Heinr.,  Lehrer  in  Dresden,  am  25.  November  1897; 


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Drossbach,  Gr.  P.,  Dr.  phil.,  in  Deuben,  am  28.  October  1897; 

Flachs,  Rieh.,  Dr.  med.,  in  Dresden,  ] 

Grundier,  Joh.,  Dr.  med.,  in  Dresden,  / am  25.  November  1897; 

Hähle,  H.,  Dr.  phil.,  Chemiker  in  Radebeul,  1 
Hoyer,  E.,  Dr.  phil.,  Realschul-Oberlehrer  in  Dresden, 

Ludwig,  Herrn,,  Lehrer  in  Dresden,  am  18.Decßmber 

Mollier,  Rieh.,  Dr.  phil.,  Prof,  an  der  K.  Technischen  1897; 

Hochschule  in  Dresden, 

Polscher,  A.,  Zahnkünstler  in  Dresden, 

Schanz,  Alfr.,  Dr.  med.,  in  Dresden, 

Schöpf,  Adolf,  Betriebsdirector  des  zoologischen 
Gartens  in  Dresden, 

Streit,  Willi.,  Verlagsbuchhändler  in  Dresden, 

Umlauf,  Karl,  Dr.  phil.,  Realgymnasial-Oberlehrer  in  Dresden,  am  18.  De- 
cember  1897; 

Wagner,  P.,  Dr.  phil.,  Realschul-Oberlehrer  in  Dresden,  am  25.  No- 
vember 1897. 


In  die  c or r es pondir enden  Mitglieder  sind  übergetreten: 

Neubert,  Gust.  Ad.,  Hofrath,  Professor  a.  D.,  in-  Klotzsche  bei  Dresden; 
Schneider,  Osk.,  Dr.  phil.,  Professor  a.  D.,  in  Blasewitz. 


am  25.  November 
1897; 


Freiwillige  Beiträge  zur  Gesellschaftskasse 

zahlten : Dr.  A m t h o r , Hannover , 3 Mk. ; Oberlehrer  Dr.  ßaclimann, 
Plauen  i.  V.,  3 Mk. ; K.  Bibliothek,  Berlin,  3 Mk.;  naturwissensch.  Mo- 
delleur Blaschka,  Hosterwitz,  3 Mk.  5 Pf.;  Ingenieur  Carstens,  Varel, 
3 Mk. ; Privatus  Eisei,  Gera,  3 Mk.;  Prof.  Dr.  Hib sch , Liebwerd,  3 Mk.; 
Bürgerschullehrer  Hofmann,  Grossenhain,  3 Mk. ; Oberlehrer  Dr.  Lohr- 
mann,  Annaberg,  3 Mk.;  Betriebs -Ingenieur  Prasse,  Leipzig,  6 Mk.; 
Dr.  Reiche,  Santiago,  Chile,  9 Mk.;  Director  Dr.  Reidemeister,  Schöne- 
beck, 3 Mk. ; Oberlehrer  Seidel  I,  Zschopau,  3 Mk.;  Oberlehrer  Seidel  II, 
Zschopau,  3 Mk.;  Rittergutspachter  Sieber,  Grossgrabe,  3 Mk.;  Fabrik- 
besitzer Siemens,  Dresden,  100  Mk.;  Chemiker  Dr.  Stauss,  Hamburg, 
3 Mk.;  Oberlehrer  Dr.  Sterzei,  Chemnitz,  3 Mk. ; Privatdocent  Dr.  Steuer, 
Jena,  3 Mk.;  Oberlehrer  Dr.  Thallwitz,  Pirna,  3 Mk.  5 Pf.;  Baurath 
Wiechel,  Chemnitz,  3 Mk.,  Oberlehrer  Wolf f,  Pirna,  3 Mk.  5 Pf.;  Prof. 
Dr.  Wünsche,  Zwickau,  3 Mk.  — In  Summa  175  Mk.  15  Pf. 

H.  Warn  atz. 


BO 


Beamte  der  Isis  im  Jahre  1898. 

Vorstand. 

Erster  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  G.  Helm. 

Zweiter  Vorsitzender:  Prof.  H.  Engelhardt. 

Kassirer:  Hofbuchhändler  H.  Warn  atz. 

Directorium. 

Erster  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  G.  Helm. 

Zweiter  Vorsitzender:  Prof.  H.  Engelhardt. 

Als  Sectionsvorstände: 

Dr.  J.  Deichmüller, 

Prof.  Dr.  0.  Drude, 

Prof.  Dr.  F.  Förster, 

Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky, 

Prof.  Dr.  H.  Nit  sehe, 

Prof.  Dr.  K.  Rohn, 

Erster  Secretär:  Dr.  J.  Deichmüller. 

Zweiter  Secretär:  Oberlehrer  K.  Vetters. 


Yerwaltimgsratli. 

Vorsitzender:  Prof.  H.  Engelhardt. 

1.  Civilingenieur  und  Fabrikbesitzer  Fr.  Siemens, 

2.  Geheimer  Rath  Prof.  Dr.  G.  Zeuner, 

3.  Fabrikbesitzer  L.  Guthmann, 

4.  Privatus  W.  Putscher, 

5.  F abrikant  E.  Kiihnsche r f , 

6.  Dr.  Fr.  Raspe. 

Kassirer:  Hofbuchhändler  H.  Warnatz. 

Bibliothekar:  Privatus  K.  Schiller. 

Secretär:  Oberlehrer  K.  Vetters. 

Sectionsfoeamte. 

I.  Section  für  Zoologie. 

Vorstand:  Prof.  Dr.  H.  Nit  sehe. 

Stellvertreter:  Privatus  K.  Schiller. 

Protokollant:  Institutsdirector  A.  Thümer. 

Stellvertreter:  Dr.  A.  Naumann. 

II.  Section  für  Botanik. 

Vorstand:  Prof.  Dr.  0.  Drude. 

Stellvertreter:  Oberlehrer  K.  Wobst. 

Protokollant:  Garteninspector  F.  Le  dien. 

Stellvertreter:  Dr.  A.  Naumann. 


31 


III.  Seetion  für  Mineralogie  und  Geologie. 

Vorstand:  Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky. 

Stellvertreter:  Privatdocent  Dr.  W.  Bergt. 

Protokollant:  Dr.  H.  Francke. 

Stellvertreter:  Oberlehrer  Dr.  K.  Nessig. 

IV.  Seetion  für  Physik  und  Chemie. 

Vorstand:  Prof.  Dr.  F.  Förster. 

Stellvertreter:  Prof.  Dr.  F.  Pockels. 

Protokollant:  Oberlehrer  Dr.  Gr.  Schulze. 

Stellvertreter:  Dr.  R.  Engelhardt. 

V.  Seetion  für  prähistorische  Forschungen. 

Vorstand:  Dr.  J.  Deichmüller. 

Stellvertreter:  Rentier  W.  Osborne. 

Protokollant:  Taubstummenlehrer  0.  Ebert. 

Stellvertreter:  Lehrer  A.  R.  Bergmann. 

VI.  Seetion  für  Mathematik. 

Vorstand:  Prof.  Dr.  K.  Rohn. 

Stellvertreter:  Oberlehrer  Dr.  A.  Witting. 

Protokollant:  Oberlehrer  Dr.  J.  von  Vieth. 

Stellvertreter:  Privatdocent  Dr.  E.  Naetsch. 


Hedactioiis  - Comite. 

Besteht  aus  den  Mitgliedern  des  Directoriums  mit  Ausnahme  des 
zweiten  Vorsitzenden  und  des  zweiten  Secretärs. 


Bericht  des  Bibliothekars. 


Im  Jahre  1897  wurde  die  Bibliothek  der  „Isis“  durch  folgende  Zeit- 
schriften und  Bücher  vermehrt: 

A.  Durch  Tausch. 


I«  Europa. 


1.  Deutschland. 

Altenburg : Naturforschende  Gesellschaft  des  Osterlandes.  — Mitteil.,  neue 
Folge,  7.  Bd.  [Aa  69.] 

Annaber g -Buchholz : Verein  für  Naturkunde. 

Augsburg : Naturwissenschaftlicher  Verein  für  Schwaben  und  Neuburg. 
Bamberg:  Naturforschende  Gesellschaft. 

Bautzen:  Naturwissenschaft!.  Gesellschaft  „Isis“.  — Bücherverzeichniss  1896. 
[Ab  85.] 

Berlin:  Botanischer  Verein  der  Provinz  Brandenburg.  — Verhandl.,  Jahrg.38. 
[Ca  6.] 

Berlin:  Deutsche  geologische  Gesellschaft.  — Zeitschr.,  Bd.  48,  Heft  3 
und  4;  Bd.  49,  Heft  1 und  2.  [Da  17.] 

Berlin:  Gesellschaft  für  Anthropologie,  Ethnologie  und  Urgeschichte.  — 
Verhandl.,  Juni  1896  bis  Juli  1897.  [G  55.] 

Bonn:  Natur  historischer  Verein  der  preussischen  Rheinlande,  Westfalens 
und  des  Reg. -Bez.  Osnabrück.  — Verhandl.,  53.  Jahrg.,  2.  Hälfte; 
54.  Jahrg.,  1.  Hälfte.  [Aa  93.] 

Bonn:  Niederrheinische  Gesellschaft  für  Natur-  und  Heilkunde.  • — Sitzungs- 
berichte, 1896,  2.  Hälfte;  1897,  1.  Hälfte.  [Aa  322.] 

Braunschiveig:  Verein  für  Naturwissenschaft.  — 10.  Jahresber.  für  1895 — 97. 
'[Aa  245.] 

Bremen:  Naturwissenschaftlicher  Verein.  — Abhandl.,  Bd.  XIV,  Heft  1 — 2. 
[Aa  2.] 

Breslau:  Schlesische  Gesellschaft  für  vaterländische  Cultur.  — 74.  Jahresber., 
1896,  mit  Ergänzungsheft  bibliograph.  Inhalts.  [Aa  46.] 

Chemnitz:  Naturwissenschaftliche  Gesellschaft.  — 13.  Bericht,  1892 — 95. 
[Aa  20.] 

Chemnitz:  K.  Sächsisches  meteorologisches  Institut.  — Abhandl,  Heft  2. 

[Ec  57b.]  — Klima  des  Königreichs  Sachsen,  Heft  4.  [Ec  79.] 
Danzig:  Naturforschende  Gesellschaft.  — Schriften,  Bd.  IX,  Heft  2.  [Aa  80.] 


Ot'j 


O.) 


Darmstadt : Verein  für  Erdkunde  und  inittelrheinischer  geologische]' 
Verein.  — Notizbl.,  4.  Folge,  17.  Heft.  [Fa  8.] 

Donauescliingen : Verein  für  Geschichte  und  Naturgeschichte  der  Baar  und 
der  angrenzenden  Landestheile. 

Dresden : Gesellschaft  für  Natur-  und  Heilkunde.  — Jahresber.,  1896 — 97. 
[Aa  47.] 

Dresden : K.  Mineralogisch -geologisches  und  praehistorisches  Museum.  — 
Mittheil.,  Heft  XII-XIII.  [Db  51.] 

Dresden : K.  Zoologisches  Museum. 

Dresden:  K.  OefTentliche  Bibliothek. 

Dresden:  Verein  für  Erdkunde. 

Dresden:  K.  Sächsischer  Altertumsverein.  — Neues  Archiv  für  sächs. 

Geschichte  und  Altertumskunde,  Bd.  XVIII.  [G  75.] 

Dresden : Oekonomische  Gesellschaft  im  Königreich  Sachsen.  — Mittheil., 

1896- 97.  |Ha  9.] 

Dresden:  K.  Thierärztliche  Hochschule.  — Bericht  über  das  Veterinärwesen 
in  Sachsen,  41.  Jahrg.  [Ha  26.] 

Dresden : K.  Sächsische  Technische  Hochschule.  — Die  Bibliothek  der 
Technischen  Hochschule  Dresden  im  Jahre  1896.  [Je  101.]  — Bericht 
über  die  K.  Sächs.  Techn.  Hochschule  a.  d.  Jahr  1896 — 97.  [Je  63.] 
Dürkheim:  Naturwissenschaftlicher  Verein  der  Rheinpfalz  „Pollichia“.  — 
LIIL— LIV.  Jahresber.;  Mitteil.  Nr.  10 — 11.  [Aa  56.] 

Düsseldorf:  Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Elberfeld : Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Emden:  Naturforschende  Gesellschaft.  — 81.  Jahresber.,  1895 — 96.  [Aa48.] 
Emden:  Gesellschaft  für  bildende  Kunst  und  vaterländische  Altertümer.  — 
Jahrbücher,  11. — 12.  Bd.  [G  124.] 

Erfurt:  K.  Akademie  gemeinnütziger  Wissenschaften.  — Jahrbücher, 
Heft  XXIII.  [Aa  263.] 

Erlangen:  Physikalisch-medicinischeSocietät. — Sitzungsber.,  28. Heft,  1896. 
[Aa  212.J 

Frankfurt  a.  M.:  Senckenbergische  naturforschende  Gesellschaft.  — Bericht 
für  1897.  [Aa  9 a.] 

Frankfurt  a.  M.:  Physikalischer  Verein.  — Jahresber.  für  1895 — 96.  [Eb  35.] 
Frankfurt  a.  0.:  Naturwissenschaftlicher  Verein  des  Regierungsbezirks 
Frankfurt.  — „Helios“,  14.  Bd.  — Societatum  litterae,  Jahrg.  X, 
Nr.  7—12;  Jahrg.  XI,  Nr.  1—6.  [Aa  282.] 

Freiberg:  K.  Sächs.  Bergakademie.  — Programm  für  das  132.  Lehrjahr 

1897- 98.  [Aa  323.] 

Freiburg  i.  B.:  Naturforschende  Gesellschaft. 

Gera:  Gesellschaft  von  Freunden  der  Naturwissenschaften.  — 36.  bis 
38.  Jahresber.  [Aa  49.] 

Giessen:  Oberhessische  Gesellschaft  für  Natur-  und  Heilkunde.  — 31.  Bericht. 
[Aa  26.] 

Görlitz:  Naturforschende  Gesellschaft. 

Görlitz:  Oberlausitzische  Gesellschaft  der  Wissenschaften.  — Neues  Lau- 
sitzisches  Magazin,  Bd.  73,  1.  Heft.  [Aa  64.] 

Görlitz:  Gesellschaft  für  Anthropologie  und  Urgeschichte  der  Oberlausitz. 
Greifswald:  Naturwissenschaftlicher  Verein  für  Neu -Vorpommern  und 
Rügen.  — Mittheil.,  28.  Jahrg.,  1896.  [Aa  68.] 

Greif  sivald:  Geographische  Gesellschaft. 

** 


34 


Güstroiv:  Verein  der  Freunde  der  Naturgeschichte  in  Mecklenburg.  — 
Archiv,  49. — 50.  Jahrg.  [Aa  14.] 

Halle  a.  S.:  Naturforschende  Gesellschaft. 

Halle  a.  S.:  Kais.  Leopoldino-Carolinische  deutsche  Akademie.  — Leopoldina, 
Heft  XXXII,  Nr.  12;  Heft  XXXIII,  Nr.  1-11.  [Aa  62.] 

Halle  a.  S.:  Verein  für  Erdkunde.  — Mitteil.,  Jahrg.  1897.  [Fa  16.] 
Hamburg : Natur  historisches  Museum. 

Hamburg : Naturwissenschaftlicher  Verein.  — Abhandl.,  XV.Bd.  [Aa293a.]  — 
Verhandl.,  III.  Folge,  4.  Heft,  1896.  Aa  293b.] 

Hamburg : Verein  für  naturwissenschaftliche  Unterhaltung. 

Hanau : Wetterauische  Gesellschaft  für  die  gesammte  Naturkunde. 
Hannover:  Naturhistorische  Gesellschaft. 

Hannover : Geographische  Gesellschaft. 

Heidelberg:  Naturhistorisch-medicinisch er  Verein.  — Verhandl.,  n.  F.,  Bd.  V, 
Heft  5.  [Aa  90.] 

Hof:  Nordoberfränkischer  Verein  für  Natur-,  Geschichts-  und  Landes- 
kunde. — Bericht  I,  1896.  [Aa  325.] 

Karlsruhe : Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Kassel:  Verein  für  Naturkunde. 

Kassel:  Verein  für  hessische  Geschichte  und  Landeskunde,  — Zeitschr., 
20. — 21.  Bd.  u.  11.  Suppl.;  Mittheil.,  Jahrg.  1894—95.  [Fa  21.] 

Kiel:  Naturwissenschaftlicher  Verein  für  Schleswig-Holstein.  — Schriften, 
Bd.  11,  Heft  1.  [Aa  189.] 

Köln:  Redaction  der  Gaea.  — Natur  und  Leben,  Jahrg.  33.  [Aa  41.] 
Königsberg  i.  Fr.:  Physikalisch -ökonomische  Gesellschaft.  — Schriften, 
37.  Jahrg.,  1896.  [Aa  81.] 

Königsberg  i.  Fr.:  Altertums-Gesellschaft  Prussia. 

Landshut:  Botanischer  Verein. 

Leipzig:  Naturforschende  Gesellschaft.  — Sitzungsber. , Jahrg.  22  — 23. 
[Aa  202.] 

Leipzig:  K.  Sächsische  Gesellschaft  der  Wissenschaften.  — Berichte  über 
die  Verhandl.,  mathem.-physikal.  Klasse,  1896,  IV— VI;  1897,  I — IV. 
[Aa  296.] 

Leipzig:  K.  Sächsische  geologische  Landesuntersuchung. 

Lübben:  Niederlausitzer  Gesellschaft  für  Anthropologie  und  Urgeschichte.  — 
Mittheil.,  IV.  Bd.,  Heft  7—8.  [G  102.] 

Lübeck:  Geographische  Gesellschaft  und  naturhistor.  Museum.  — Mitteil., 
2.  Reihe,  Heft  10  u.  11.  [Aa  279b]. 

Lüneburg:  Naturwissenschaftlicher  Verein  für  das  Fürstentum  Lüneburg. 
Magdeburg:  Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Mannheim:  Verein  für  Naturkunde. 

Marburg:  Gesellschaft  zur  Beförderung  der  gesammten  Naturwissenschaften. 

— Sitzungsber.,  Jahrg.  1896.  [Aa  266.] 

Meissen:  Naturwissenschaftliche  Gesellschaft,,  Isis“.  — Beobacht,  d.  Isis- 
Wetterwarte  zu  Meissen  i.  J.  1896.  [Ec  40.] 

Münster:  Westfälischer  Provinzialverein  für  Wissenschaft  und  Kunst.  — 
24.  Jahresber.,  Jahrg.  1895  —96.  [Aa  231.] 

Neisse:  Wissenschaftliche  Gesellschaft  „Philomathie“. 

Nürnberg:  Naturhistorische  Gesellschaft.  — Jahresber.  für  1896,  nebst 
Abhandl.,  X.  Bd.,  Heft  5.  [Aa  5.] 

Offenbach:  Verein  für  Naturkunde. 


35 


Osnabrück : Naturwissenschaftlicher  Verein.  — 11.  Jahresber.,  1895 — 96. 
[Aa  177.] 

Passau:  Naturhis  torisch  er  Verein. 

Posen'.  Naturwissenschaftlicher  Verein.  — Zeitschr.  der  botan.  Abtheil. , 
2.  Jahrg.,  Heft  2;  3.  Jahrg.,  Heft  2;  4.  Jahrg.,  Heft  1 — 2.  [Aa  316.] 
Regensburg : Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Pegensburg : K.  Bayerische  botanische  Gesellschaft.  — Katalog  der  K.  botan. 

Gesellschaft  in  Regensburg,  II.  Teil.  [Cb  42b.] 

Peichenbach  i.  V.:  Vogtländischer  Verein  für  Naturkunde. 

Pentling en:  Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Schneeberg:  Wissenschaftlicher  Verein. 

Stettin:  Ornithologischer  Verein.  — Zeitschr.  für  Ornithologie  und  prakt. 
Geflügelzucht,  Jahrg.  XXI.  [Bf  57.] 

Stuttgart : Verein  für  vaterländische  Naturkunde  in  Württemberg.  — Jahres- 
hefte, Jahrg.  55.  [Aa  60.] 

Stuttgart : Württembergischer  Altertumsverein.  — Württemberg.  Viertel- 
jahreshefte für  Landesgeschichte,  n.  F.,  5.  Jahrg.  [G  70.] 

Tharandt:  Redaction  der  landwirtschaftlichen  Versuchsstationen.  — Land- 
wirtsch.  Versuchsstationen,  Bd.  XLVIH,  Heft  3—6;  XLIX,  Heft  1 — 3. 
(In  der  Bibliothek  der  Versuchsstation  im  botan.  Garten.) 

Thorn:  Coppernicus -Verein  für  Wissenschaft  und  Kunst.  — 43.  Jahresber. 
[Aa  145.] 

Trier:  Gesellschaft  für  nützliche  Forschungen. 

Ulm:  Verein  für  Mathematik  und  Naturwissenschaften. 

Ulm:  Verein  für  Kunst  und  Altertum  in  Ulm  und  Oberschwaben. 
Weimar:  Thüringischer  botanischerVerein.  — Mittheil;,  n.  F.,  10.  Heft.  [Ca  23.] 
Wernigerode:  Naturwissenschaftlicher  Verein  des  Harzes.  — Schriften, 
XI.  Bd.,  1896.  [Aa  289.] 

Wiesbaden:  Nassauischer  Verein  für  Naturkunde.  — Jahrbücher,  Jahrg.  50. 
[Aa  43.] 

Würzburg:  Physikalisch-medicinische  Gesellschaft.  — Sitzungsber.,  Jahrg. 
1896.  [Aa  85.] 

Zivickau:  Verein  für  Naturkunde.  — Jahresber.  1896.  [Aa  179.] 

2.  Oesterreich-Ungarn. 

Aussig:  Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Bistritz:  Gewerbeschule. 

Brünn:  Naturforschender  Verein,  — Verhandl.,  Bd.  XXXIV— XXXV  und 
14. — 45.  Ber.  der  meteorolog.  Commission.  [Aa  87.] 

Budapest:  Ungarische  geologische  Gesellschaft.  — Földtani  Közlöny,  XXVI. 

köt.,  11. — 12.  füz.;  XXVII.  köt.,  1. — lO.  füz.  [Da  25.] 

Budapest:  K.  Ungarische  naturwissenschaftliche  Gesellschaft,  und:  Ungarische 
Akademie  der  Wissenschaften. 

Graz:  Naturwissenschaftlicher  Verein  für  Steiermark.  — Mittheil.,  Jahrg. 
1896.  [Aa  72.] 

Hermannstadt:  SiebenbürgischerV erein  für  Naturwissenschaften.  — V erhandl. 

und  Mittheil.,  XLVI.  Jahrg.  [Aa  94.] 

Iglo:  Ungarischer  Karpathen-Verein. 

Innsbruck:  Naturwissenschaftlich-medicinischer  Verein.  — Berichte,  22.Jahrg. 
[Aa  171.  J 


Klagenfurt : Naturhistorisches  Landes -Museum  von  Kärnthen.  — Jahrb., 
24.  Heft.  [Aa  42.]  — Diagramme  der  magnet.  meteorol.  Beobacht,  zu 
Klagenfurt  i.  J.  1895  u.  1896.  [Ec  64.] 

Krakau : Akademie  der  Wissenschaften.  — Anzeiger,  1896,  Nr.  9—10;  1897, 
Nr.  1-8.  [Aa  302.] 

Laibach : Musealverein  für  Krain. 

Linz:  Verein  für  Naturkunde  in  Oesterreich  ob  der  Enns. 

Linz : Museum  Francisco -Carolinum.  — 55.  Bericht  nebst  der  49.  Liefe- 
rung der  Beiträge  zur  Landeskunde  von  Oesterreich  ob  der  Enns. 
[Fa  9.] 

Prag : Naturwissenschaftlicher  Verein  „Lotos“. 

Prag’.  K.  Böhmische  Gesellschaft  der  Wissenschaften.  — Sitzungsber., 
mathem.-naturw.  CL,  1896.  [Aa  269.]  — Jahresber.  für  1896.  [Aa  270.] 
Prag : Gesellschaft  des  Museums  des  Königreichs  Böhmen. 

Prag:  Lese-  und  Redehalle  der  deutschen  Studenten. 

Prag:  Ceska  Akademie  Cisare  Frantiska  Josefa.  — Rozpravy,  Trida  11, 
Rocnik  5.  [Aa  313.]  ■ — Bulletin  international,  classe  des  Sciences 
mathematiques  et  naturelles,  Nr.  III.  [Aa  313 b.j 
Pressburg : Verein  für  Heil-  und  Naturkunde. 

Reichenberg : Verein  der  Naturfreunde.  — Mittheil.,  Jahrg.  28.  [Aa  70.] 
Salzburg:  Gesellschaft  für  Salzburger  Landeskunde.  — Mittheilungen, 
Bd.  XXXVI.  [Aa  71.] 

Temesvär:  Südungarische  Gesellschaft  für  Naturwissenschaften.  — Termes- 
zettudomänyi  Füzetek,  XXL  köt.  [Aa  216.] 

Trencsin:  Naturwissenschaftlicher  Verein  für  das  Trencsiner  Comitat. 
Triest : Museo  civico  di  storia  naturale. 

Triest:  Societä  Adriatica  di  scienze  naturali. 

Wien:  Kais.  Akademie  der  Wissenschaften.  — Anzeiger,  Jahrg.  1896, 
Nr.  27;  1897,  Nr.  1—26.  [Aa  11.] 

Wien:  Verein  zur  Verbreitung  naturwissenschaftlicher  Kenntnisse.  — 
Schriften,  Bd.  XXXVII.  [Aa  82.] 

Wien:  K.  K.  naturhistorisches  Hofmuseum.  ■ — Annalen,  Bd.  XI,  Nr.  3 — 4; 
Bd.  XII,  Nr;  1.  [Aa  280.] 

Wien:  Anthropologische  Gesellschaft.  — Mittheil.,  Bd.  XXVI,  Heft  6; 
Bd.  XXVII,  Heft  1—5.  [Bd  1.] 

Wien:  K.  K.  geologische  Reichsanstalt.  — Verhandh,  1896,  Nr.  13  — 18; 
1897,  Nr.  1—13.  [Da  16.]  - Jahrbuch,  Bd.  XIV— XVI;  Bd.  XVII,  Heft  1. 
[Da  4.] 

Wien:  K.  K.  geographische  Gesellschaft. 

Wien : K.  K.  zoologisch-botanische  Gesellschaft.  — Verhandl.,  Bd.  XL VI, 
10.  Heft.  [Aa  95.] 

Wien:  Naturwissenschaftlicher  Verein  an  der  Universität.  — Mittheil.,  1896. 
[Aa  274.] 

Wien:  Central  - Anstalt  für  Meteorologie  und  Erdmagnetismus.  — Jahr- 
gang 1894—1896.  [Ec  82.] 


3.  Rumänien. 

Bukarest:  Institut  meteorologique  de  Roumanie.  — Annales,  tomeXT,  1895. 
[Ec  75.]  — Buletinul  meteorologica,  1896.  [Ec  75  b.] 


37 


4.  Schweiz. 

Aarau : Aargauische  naturforschende  Gesellschaft. 

Basel:  Naturforschende  Gesellschaft.  — Verhandl.,  Bd.  XI,  Heft  3.  [Aa  86.] 
Bern:  Naturforschende  Gesellschaft. — Mittheil..  1895,  Nr.  1373  — 98;  1896, 
Nr.  1399-1435.  [Aa  254.] 

Bern:  Schweizerische  naturforschende  Gesellschaft.  — ■ Verhandl.  der  78. 

[Zermatt  1895.]  u.  79.  [Zürich  1896.]  Jahresversammlung.  [Aa  255.] 
Chur:  Naturforschende  Gesellschaft  Graubündens. 

Frauenfeld:  Thurgauische  naturforschende  Gesellschaft. 

Freiburg:  Societe  Fribourgeoise  des  Sciences  naturelles. 

St.  Gallen:  Naturforschende  Gesellschaft.  — Bericht  für  1894  — 95. 
[Aa  23.] 

Lausanne:  Societe  Vaudoise  des  Sciences  naturelles.  — Bulletin,  3.  ser., 
vol.  XXXIX,  no.  122;  vol.  XXXIII,  no.  123 — 125.  [Aa  248.] 

Neuchatel:  Societe  des  Sciences  naturelles. 

Schaffhausen:  Schweizerische  entomologische  Gesellschaft.  — Mittheil,, 
Vol.  IX,  Heft  10;  Vol.  X,  Heft  1.  [Bk  222.] 

Sion:  La  Murithienne,  societe  Valaisanne  des  Sciences  naturelles. 
Zürich:  Naturforschende  Gesellschaft.  — Viertel] ahrsschr. , Jahrg.  41, 
Supplement;  Jahrg.  42,  Heft  1 — 2.  [Aa  96.] 

Zürich:  Schweizerische  botanische  Gesellschaft.  — Berichte,  Heft  7.  [Ca  24.] 

5.  Frankreich. 

Amiens:  Societe  Linneenne  du  nord  de  la  France.  — Bulletin  mensuel, 
tome  XII,  no.  271—282.  [Aa  252.] 

Bordeaux:  Societe  des  Sciences  physiques  et  naturelles. 

Cherbourg : Societe  nationale  des  Sciences  naturelles  et  mathematiques. 
Dijon:  Academie  des  Sciences,  arts  et  helles  lettres. 

Le  Alans:  Societe  d’agriculture,  Sciences  et  arts  de  la  Sarthe.  — Bulletin, 
tome  XXVII,  fase.  4;  tome  XXVIII,  fase.  1.  .[Aa  221.] 

Lyon:  Societe  Linneenne. 

Lyon:  Societe  d’agriculture,  d’histoire  naturelle  et  des  arts  utiles. 
Lyon:  Academie  nationale  des  Sciences,  helles  lettres  et  arts. 

Paris:  Societe  zoologique  de  France.  — Bulletin,  tome  XXL  [Ba  24.] 
Toulouse:  Societe  Frangaise  de  botanique. 

6.  Belgien. 

Brüssel:  Societe  royale  malacozoologique  de  Belgique. 

Brüssel:  Societe  entomologique  de  Belgique.  — Annales,  tome  39 — 40. 

[Bk  13.]  — Memoires,  tome  III — V.  [Bk  13  b.] 

Brüssel:  Societe  royale  de  botanique  de  Belgique.  — Bulletin,  tome  XXXV. 
[Ca  16.] 

Gembloux:  Station  agronomique  de  l’etat.  — Bulletin,  no.  61  — 63.  [Hb  75.] 
Lüttich : Societe  geologique  de  Belgique. 

7.  Holland. 

Gent:  Kruidkundig  Genootschap  „Dodonaea“.  — Botanisch  Jaarboek, 
8.  Jaargang,  1896.  [Ca  21.] 


38 


Groningen ; Naturkim dig  Qenootschap.  — 96.  Verslag,  1896.  [Je  80.] 
Hartem:  Musee  Teyler.  — Archives,  ser.  II,  vol.  V,  p.  3.  [Aa  217.] 
Hartem : Societe  Hollandaise  des  Sciences.  — Archives  Neerlandaises, 
tome  XXX,  livr.  4-5;  ser.  II,  tome  I,  livr.  1 — 3.  [Aa  257.] 


8.  Luxemburg. 

Luxemburg : Societe  de  botanique. 

Luxemburg:  Institut  royal  grand-ducal.  — Publications,  tome  XXIY — XXY. 
[Aa  144.] 

Luxemburg : Verein  Luxemburger  Naturfreunde  „Fauna“. — Mittheil.,  1896. 
[ßa  26.] 

9.  Italien. 

Brescia:  Ateneo.  — Commentari  per  Fanno  1896.  [Aa  199.] 

Catania:  Accademia  Gioenia  di  scienze  naturale.  — Atti,  ser.  IV,  vol,  9* 
— Bullettino,  fase.  XLIV— XLIX.  [Aa  149.] 

Florenz:  E.  Instituto. 

Florenz:  Societa  entomologica  Italiana.  — Bullettino,  anno  XXVIII,  trim. 
3-4.  [Bk  193.] 

Mailand:  Societa  Italiana  di  scienze  naturali.  — Atti,  vol.  XXXVI,  fase.  3 — 4; 

vol.  XXXVII,  fase.  1.  [Aa  150.]  — Memorie,  tomo  VI,  fase.  1.  [Aa  150b.] 
Mailand:  B,  Instituto  Lombardo  di  scienze  e lettere.  — Eendiconti,  ser.  2, 
vol.  XXIX.  [Aa  161.]  . 

Modena:  Societa  di  naturalisti.  — Atti,  ser.  3,  vol.  XIV,  fase.  2.  [Aa  148.] 
Padua:  Societa  Veneto  Trentina  di  scienze  naturali.  — Atti,  vol.  III,  fase.  1. 
[Aa  193.] 

Parma:  Bedazione  del  Bullettino  di  paletnologia  Italiana.  — Bullettino, 
ser.  III,  anno  XXII,  no.  7 — 12;  anno  XXIII.  [G  54.] 

Pisa:  Societa  Toscana  di  scienze  naturali.  — Memorie,  vol.  XV.  [Aa  209.  | 
Pom:  Accademia  dei  Lincei. 

Pom : E.  Comitato  geologico  d’Italia.  — Bollettino,  1896,  4.  trim.  [Da  3.] 
Turin:  Societa  meteorologica  Italiana.  — Bollettino  mensuale,  ser.  II, 
vol.  XVI,  no.  10 — 12;  vol.  XVII,  no.  1 — 8.  [Ec  2.] 

Venedig : E.  Instituto  Veneto  di  scienze,  lettere  e arti. 

Verona:  Accademia  d’agricoltura,  arti  e commercio.  — Memoire,  ser.  III, 
vol.  LXXII,  fase.  3-4.  [Ha  14.] 

10.  Grossbritannien  und  Irland. 

Dublin:  Eoyal  geological  society  of  Irland. 

Edinburg:  Geological  Society. 

Edinburg:  Scottish  meteorological  society. 

Glasgoiv:  Natural  history  society.  — Proceedings  and  transaetions,  vol.  IV, 
p.  3.  [Aa  244.] 

Glasgoiv:  Geological  society. 

Manchester:  Geological  society.  — Transaetions,  vol.  XXV,  p.  1 — 11.  [Da  20.] 
Neiccastle-upon-Tyne:  Tyneside  naturalists  field  club,  und:  Natural  history 
society  of  Northumberland,  Durham  and  N e wcastle-upon - Tyne. 


39 


11.  Schweden,  Norwegen. 

Bergen:  Museum.  — Aarbog  for  1896.  [Aa  294.] 

Christiania : Universität. — Barth,  J. : Norronaskaller.  Crania  antiqua  in 
parte  Orientali  Norvigiae  meridionalis  inventa.  [Aa  25.]  — Den  Norske 
Nordhavs-Expedition  1876 — 78,  Bd.  XXIII  u.  XXIV.  [Aa  251.] 
Christiania : Foreningen  til  Norske  fortidsmindesmerkers  bevaring.  — Aars- 
beretning  for  1895.  [G  2.]  — Kunst  og  bandverk  fra  Norges  fortid, 
Supplement  VII.  [G  81.] 

Stockholm : Entomologiska  Föreningen.  — Entomologisk  Tidskrift,  Arg.  17. 
[Bk  12.1 

Stockholm’.  K.  Vitterhets  Historie  och  Antiqvitets  Akademien.  — Antiquarisk 
Tidskrift,  Delen  II— IX,  Hft.  1-3;  X,  XI,  1-5;  XII,  XIII,  1-3; 
XIV,  2—3;  XV,  1-2;  XVI,  1—3.  [G  135.]  — Mänadsblad,  1887—93. 
[G  135  a.] 

Tromsoe:  Museum.  — Aarshefter,  XVIII.  [Aa  243.] 

Upsala:  The  geological  institution  of  the  university.  - — Bulletin,  vol.  III,  p.  1 
(no.  5),  1895.  [Da  30.] 

12.  Russland. 

Ekatharinenburg : Societe  Ouralienne  d’amateurs  des  Sciences  naturelles.  — 
Bulletin,  tome  XVIII,  livr.  1;  Rapports  pour  1895.  [Aa  259.] 
Helsingfors : Societas  pro  fauna  et  flora  fennica.  — Meddel.,  Heft  22. 
[Ba  20.]  — Acta,  vol.  XI.  [Ba  17.]  — Botan.  Sitzungsberichte,  I — IV. 
[Cd  110b.]  — Herbar.  musei  fennici.  II,  musci.  [Cd  110.] 

Kharkow : Societe  des  naturalistes  ä Funiversite  imperiale.  — Travaux, 
tome  XXX.  [Aa  224.] 

Kieiu : Societe  des  naturalistes. 

Moskau:  Societe  imperiale  des  naturalistes.  — Bulletin,  annee  1896,  no.  3—4; 
annee  1897,  no.  1.  [Aa  134.] 

Odessa:  Societe  des  naturalistes  de  la  N ouvelle-Russie.  — Memoires,  tome 
XX,  p.  2;  tome  XXI,  p.  1.  [Aa  256.] 

Petersburg : Kais,  botanischer  Garten. 

Petersburg : Comite  geologique.  — Bulletins,  vol.  XV,  no.  5 — 9;  vol.  XVI, 
no.  1 — 2;  supplem.  au  tome  XV.  [Da  23.]  — Memoires,  vol.  XIV,  no.  2, 
4,  5;  carte  geologique,  feuille  114:  Astrachan.  [Da  24.] 

Petersburg : Physikalisches  Centralobservatorium.  — Annalen,  Jahrg.  1895. 
[Ec  7.] 

Petersburg:  Academie  imperiale  des  Sciences.  — Bulletin,  nouv.  serie  V, 
tome  III,  no.  2—5;  tome  IV — VI;  tome  VII,  no.  1.  [Aa  315.] 
Petersburg:  Kaiserl.  Russische  mineralogische  Gesellschaft.  — Verhandle, 
2.  Ser.,  Bd.  32;  Bd.  33,  2.  Lief.;  Bd.  34.  [Da  29.]  — Materialien  zur 
Geologie  Russlands,  Bd.  XV HL  [Da  29b.] 

Piga:  Naturforscher -Verein.  — Korrespondenzblatt,  XXXIX.  [Aa  34.] 


II«  A.  merika. 

1.  Nord-Amerika. 

(Canada,  Vereinigte  Staaten,  Mexiko.) 

Albany:  New  York  state  museum  of  natural  history.  — Annual  report  48. 
[Äa  119.] 


40 


Baltimore:  John  Hopkins  university.  — University  circulars,  vol.  XVI, 
no.  128  — 133.  [Aa  278.]  — American  journal  of  mathematics,  vol.  VIII, 
no.  8—4.  [Ea  38.]  — American  Chemical  journal,  vol.  XVIII,  no.  7 — 10; 
vol.  XIX,  no.  1—4.  [Ed  60.]  — - Studies  in  histor.  and  politic.  Science, 
ser.  XIV,  no.  8 — 12;  ser.  XV,  no.  1 — 2.  [Fb  125.] — American  journal 
of  philology,  vol.  XVII.  [Ja  64.] 

Berkeley : University  of  California.  — Departement  of  geology,  bulletin, 
vol.  1,  no.  12 — 14;  vol.  II,  no.  1 — 3.  [Da  31.]  — Agriculturial  experiment 
Station,  bull.  110,  111,  113—115;  report  of  1887 — 95.  [Da  31b.| 
Boston : Society  of  natural  history.  — Proceedings,  vol.  XXVII,  p.  75  -330. 
[Aa  111.] 

Boston:  American  academy  of  arts  and  Sciences.  — Proceedings,  new  ser., 
vol.  XXIII.  [Aa  170.], 

Buffalo : Society  of  natural  Sciences. 

Cambridge : Museum  of  comparative  zoology.  — Annual  report  for 
1895 — 1896.  — Bulletin,  vol.  XXV III,  no.  2 — 3;  vol.  XXX,  no.  2 — 6; 
vol.  XXXI,  no.  1-4;  vol.  XXXII,  no.  1.  [Ba  14.] 

Chicago : Academy  of  Sciences.  — Bulletin,  vol.  II,  no.  1;  39.  annual  report, 

1896.  [Aa  123b.] 

Chicago : Field  Columbian  Museum.  — Publications  1 — 11,  14 — 20;  second 
annual  exchange  catalogue  for  1897 — 98.  [Aa  324.] 

Bavenport:  Academy  of  natural  Sciences.  — Proceedings,  vol.  VI.  [Aa  219.] 
Halifax:  Nova  Scotian  institute  of  natural  Science.  — Proceedings  and 
transactions,  2.  ser.,  vol.  II,  p.  2.  [Aa  304.] 

Madison:  Wisconsin  Academy  of  Sciences,  arts  and  letters. 

Mexiko:  Sociedad  cientifica  „Antonio  Alzate“.  — Memorias  y Bevista, 
tomo  VIII,  cuad.  9 — 12;  tomo  IX,  cuad.  11 — 12.  [Aa  291.] 
Milwaukee : Wisconsin  natural  history  society.  — Public- Museum  of  the 
City  of  Milwaukee,  14.  ann.  report.  [Aa  233b.] 

Montreal : Natural  history  society.  — The  canadian  record  of  Science, 
vol.  VII,  no.  3 — 4.  [Aa  109.] 

New-Haven:  Connecticut  academy  of  arts  and  Sciences. 

Neiv-  York:  Academy  of  Sciences.  — Annals,  vol.  IX,  no.  4-5.  [Aa  101.]  — 
Transactions,  vol.  XV.  [Aa  258.] 

New -York:  American  museum  of  natural  history. 

New- York:  State  geologist.  — 14.  report.  [De  232.] 

Philadelphia:  Academy  of  natural  Sciences.  — Proceedings,  1896,  p.  II— III; 

1897,  p.  I.  [Aa  117.] 

Philadelphia:  American  pbilosophical  society.  — Proceedings,  vol.  XXXV, 
no.  151 — 152;  vol.  XXXVI,  no.  154.  [Aa  283.] 

Philadelphia:  Wagner  free  institute  of  Science. 

Philadelphia:  Zoological  society.  — Annual  report  25.  [Ba  22.] 
Pochester:  Academy  of  Science. 

Pochester:  Geological  society  of  America.  — Bulletin,  vol.  VIII.  [Da  28.] 
Salem:  Essex  Institute. 

San  Francisco : California  academy  of  Sciences.  — Proceedings,  2.  ser., 
vol.  VI;  3.  ser.,  vol.  I,  no.  1 — 3.  [Aa  112.] 

St.  Louis:  Academy  of  Science.  — Transactions,  vol.  VII,  no.4  -16.  [Aa  125.] 
Topeka:  Kansas  academy  of  Science. 

Toronto:  Canadian  institute.  — Proceedings^  5.  ser.,  vol.  I,  p.  1.  [Aa  222b.] 
Tuffs  College:  Studies, 


41 


Washington : Smithsonian  Institution.  — Annual  report,  1894 — 95.  [Aa  120.] 
Washington : United  States  geological  survey.  — XVI. — XVII.  annual  report, 
1893—1895.  [De  120  a.] 

Washington : Bureau  of  education.  — Report  of  1894—95.  [Je  103.] 
Washington : Geograph,  and  geolog.  survey  of  the  Rocky  mountain  region. 

2.  Süd -Amerika. 

(Argentinien,  Brasilien,  Chile,  Costarica.) 

Buenos- Aires\  Museo  nacional.  — Anales,  tomo  V;  Memoria,  1894 — 97. 
[Aa  147.] 

Buenos -Aires:  Museo  de  La  Plata. 

Buenos- Aires:  Sociedad  cientifica  Argentina.  — Anales,  tomo  XLIII; 
tomo  XLIV,  entr.  1 — 4.  [Aa  230.] 

Cordoba:  Academia  nacional  de  ciencias.  — Boletin,  tomo  XIV,  entr. 
1—3.  [Aa  208  b.] 

Montevideo:  Museo  nacional.  — Anales  IV — VII.  [Aa  326.] 

Rio  de  Janeiro:  Museo  nacional.  — Archivos,  vol.  VIIL  [Aa  211. | 

San  Jose:  Instituto  fisico-geografico  y del  museo  nacional  de  Costa-Ilica.  — 
Informe  1896—97.  [Aa  297.] 

Säo  Paulo:  Commissao  geographica  e geologica  do  estado  de  S.  Paulo. 

La  Plata:  Museum.  — Revista,  tomo  VI — VII.  [Aa  308.] 

I,a  Plata:  Redaction  der  Revista  argentina  de  historia  natural. 

Santiago  de  Chile:  Deutscher  wissenschaftlicher  Verein.  — Verhandl., 
Bd.  III,  Heft  3—4.  [Aa  286.] 


111.  Asi  e n. 

Batavia:  K.  natuurkundige  Vereeniging.  — Natuurk.  Tijdschrift  voor 
Nederlandsch  Indie,  Deel  56.  — Boekwerken,  1896.  [Aa  250.] 
Calcutta:  Geological  survey  of  India.  — Records,  vol.  XXIX,  no.  4; 
vol.  XXX,  no.  1 — 3.  [Da  11.] 

Tokio:  Deutsche  Gesellschaft  für  Natur-  und  Völkerkunde  Ostasiens.  — 
Mittheil.,  Bd.VI,  Heft  58 — 60;  4.  Supplem.  zu  Bd.  VI;  Supplem.:  Ehmann, 
Japan.  Sprichwörter,  Th.  I.  [Aa  187.] 


IV.  Australien. 

Melbourne:  Mining  department  of  Victoria.  — Annual  report  of  the  secretary 
for  mines,  1896.  [Da  21.] 


B.  Durch  Geschenke. 

Arnold , F. : Lichenenflora  von  Labrador.  - — München  1896.  [Ce  34b.] 
Coniuentz , H. : Die  Moorbrücken  im  Thale  der  Sorge.  1897.  G 131b.] 
Engelhardt , B.  v.\  Observatoire  et  villa  Engelhardt  a Dresde.  [Ja  62.] 


42 


Gebirgsverein  für  die  Sächsische  Schweiz:  lieber  Berg  und  Thal,  227 — 236. 
[Fa  19.] 

Geinitz , E. : XVI.  Beitrag  zur  Geologie  Mecklenburgs.  Sep.  1896.  [De  201.] 
Geinitz,  E.\  Mittheil.  a.  d.  Grossherzogi.  Mecklenburgischen  geologischen 
Landesanstalt.  Die  Dünen  der  südwestl.  Heide  Mecklenb.,  u.  über 
die  mineralogische  Zusammensetzung  der  diluvialen  u.  alluvialen  Sande. 
[De  217.] 

Girard,  R.  de:  Le  caractere  naturel  du  deluge.  Fribourg  1897.  [De  223b.] 
Hauser,  Er.:  Theoretische  Studien  über  Wasser  u.  seine  Verwandt.  Sep.  1897. 
[Eb  45.] 

Jentzsch , A.:  Das  Interglacial  bei  Marienburg  u.  Dirschau.  Sep.  1896. 
[De  114  aa.] 

Köhlers  Nützliche  Vogelarten  und  ihre  Eier,  Sep.  1896.  [Bf  70.] 
Kowarz,  F.\  Verzeichniss  der  Fliegen  Böhmens.  1894.  [Bk  241.] 
Lamprecht,  G.:  Wetterperioden.  Sep.  1897.  [Ec  86.] 

Laska,  V.:  Vyssi  geodesie.  Prag  1896.  [Ea  44.] 

Lorenz,  Th.:  Verzeichniss  zur  Sammlung  abnormer  und  hybrider  Wild- 
hühner. 1895.  [Bf  69.] 

Mehlis , C.:  Der  Drachenfels  bei  Dürkheim.  II.  Abth.,  1897.  [G  59  b.' 
Mexico:  Instituto  geologico.  — Bosquejo  geologico  de  Mexico.  [Da  32. 
Nessig,  W.  R.:  Geologische  Excursionen  in  der  Umgegend  von  Dresden. 
Progr.  I.  Teil,  1897.  [De  236.] 

Ferner,  J.:  Foraminiferen  der  Weissenberger  Schichten.  1896.  [Dd  140  b.] 
Raleigh:  Elisha  Mitchell  scientific  society.  — Journal,  vol.  XIII.  [Aa  300.] 
Sanchez,  A.:  Observat.  meteorol.  1897.  [Ec  81.] 

Sars,  G.:  An  account  of  the  Crustacea  of  Norway,  vol.  II,  p.  5 — 8.  [Bl  29  b.] 
Siemens,  E.:  8 Abhandl.  über  gas-technische  Gegenstände.  (Geschenk  von 
Dr.  Deichmüller.]  [Hb  109  d—1.] 

Sterzei,  S.  T.:  Beiträge  zur  Kenntniss  der  Medulloseae.  Sep.  1896.  [Dd  93h.] 
Stirling,  S. : Inaugural  adress.  Session  1896.  [De  235.] 

Stossich,  M.:  Elminti,  in  un  Orthagoriscus  mola.  Sep.  1896.  [Bm  54 x.] 
Stossich , M.\  Ricerche  elmintologiche.  Sep.  1896.  [Bm  54y.] 

Stossich,  M.:  Filarie  e Spiroptere.  Monografia,  1897.  [Bm  54z.] 

Stossich,  M.:  Note  parassitologische.  Sep.  1897.  [Bm  54 aa.] 

Stiibel,  A.:  Die  Vulkanberge  von  Ecuador.  1897.  [De  237.] 

TJpsala:  Zoologiska  Studier.  Festskrift,  1896.  [Bb  61.] 

Vayssiere,  A. : Etüde  sur  le  Temnocephalus.  [Bm  56.] 


C.  Durch  Kauf. 


Abhandlungen  der  Senckenbergischen  naturforschenden  Gesellschaft,  Bd.XX, 
Heft  1;  Bd.  XXIII.  [Aa  9.] 

Anzeiger  für  Schweizer  Alterthümer,  Jahrg.  XXX,  Nr.  1.  [G  1.] 
Anzeiger,  zoologischer,  Jahrg.  XX.  [Ba  21.] 

Bronn' s Klassen  und  Ordnungen  des  Thierreichs,  Bd.  II,  Abth.  2,  Lief.  15 — 17 ; 
Bd.  II,  Abth.  3 (Echinoderm.) , Lief.  20- — 21;  Bd.  III  (Mollusca), 
Lief.  25 — 29;  Supp].,  Lief.  6 — 10;  Bd.  IV  (Vennes),  Lief.  48  — 55;  Suppl., 
Lief.  1 — 4;  Bd.  VI,  Abth.  5 (Mammalia),  Lief.  45 — 50.  [Bb  54.] 
Hedivigia,  Bd.  36.  [Ca  2. 

penclub.  Jahrg.  32.  [Fa  5.] 


Jahrbuch  des  Schweizer  A' 


43 


Monatsschrift , deutsche  botanische,  Jahrg.  15.  [Ca  22.] 

Nachrichten , entomologische,  Jahrg.  13.  [Bk  235.]  (Vom  Isis-Lesezirkel.) 
Natur , Jahrg.  45.  [Aa  76.]  (Vom  Isis-Lesezirkel.) 

Prähistorische  Blätter , Jahrg.  IX.  [G  112.] 

Wochenschrift , naturwissenschaftliche,  Bd.  XII.  [Aa  311.]  (Vom  Isis-Lese- 
zirkel.) 

Zeitschrift  für  die  gesaminten  Naturwissenschaften,  Bd.  69,  Nr.  5 — 6; 

Bd.  70,  Nr.  1—2.  [Aa  98.] 

Zeitschrift  für  Meteorologie,  Bd.  15.  [Ec  66.] 

Zeitschrift  für  wissenschaftliche  Mikroskopie,  Bd.  XIII,  Heft  3—4;  Bd.  XIV, 
Heft  1—2.  [Ee  16.] 

Zeitschrift , Oesterreichische  botanische,  Jahrg.  47.  [Ca  8.] 

Zeitung , botanische,  Jahrg.  55.  [Ca  9.] 

Abgeschlossen  am  31.  December  1897. 

C.  Schiller, 
Bibliothekar  der  „Isis“. 


Zu  besserer  Ausnutzung  unserer  Bibliothek  ist  für  die  Mitglieder  der 
„Isis“  ein  Lesezirkel  eingerichtet  worden.  Gegen  einen  jährlichen  Beitrag 
von  3 Mark  können  eine  grosse  Anzahl  Schriften  bei  Selbstbeförderung 
zu  Hause  gelesen  werden.  Anmeldungen  nimmt  der  Bibliothekar  entgegen. 


Abhandlungen 

der 

Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft 

ISIS 

in  Dresden. 


1897. 


VI.  Ueber  Massregeln  zur  Erhaltung  und  Erforschung 
der  urgeschichtlichen  Altertliümer  im  Königreich 

Sachsen. 

Yon  Dy.  J.  Deicbmüller. 


Die  geschichtlich  verbürgten  Nachrichten  über  die  Entwickelung 
unseres  Volkes  fliessen  um  so  spärlicher,  je  früheren  Zeiten  sie  ent- 
stammen, und  für  die  älteste  Vergangenheit  versiegen  die  Quellen  der 
Ueb erlief erung  gänzlich.  Nur  dunkle  Andeutungen,  welche  die  Sage  giebt, 
und  gelegentlich  im  heimischen  Boden  gefundene  Gegenstände  unbekannter 
Herkunft,  welche  aber  zweifellose  Spuren  menschlicher  Arbeit  und  Kunst- 
fertigkeit an  sich  tragen,  beweisen,  dass  unsere  Gegenden  bereits  zu  einer 
Zeit,  die  weit  vor  dem  Beginne  der  Geschichte  zurückliegt,  von  Menschen 
bewohnt  waren. 

Schon  frühzeitig  haben  diese  Zeugen  einer  urgeschichtlichen  Ver- 
gangenheit unseres  Volkes  die  Aufmerksamkeit  denkender  Menschen  erregt, 
doch  erst  der  Gegenwart  ist  es  Vorbehalten  geblieben,  das  Interesse  für 
dieselben  zu  verallgemeinern,  in  weitere  Kreise  zu  tragen  und  den  hohen 
Werth  dieser  oft  unscheinbaren  Ueberreste  für  die  Erforschung  der  Ur- 
geschichte zu  würdigen.  Sind  die  von  so  Manchem  bespöttelten  Scherben 
und  Urnen,  mangels  schriftlicher  Aufzeichnungen,  oft  doch  die  einzigen 
und  letzten  Zeugen  des  Vorlebens  unserer  Nation  1 

Es  muss  daher  die  Pflicht  eines  jeden  Vaterlandsfreundes  sein,  dafür 
Sorge  zu  tragen,  dass  diese  spärlichen  Ueberreste  nicht  vernichtet  werden, 
sondern  erhalten  bleiben,  und  die  letzten  Erinnerungen  an  ein  unter- 
gegangenes Geschlecht  gesammelt  werden.  Denn  nur  hierdurch  wird  es 
möglich,  das  über  der  Urgeschichte  unseres  Landes  schwebende  Dunkel 
allmählich  zu  lichten  und  aus  den  schweigenden  Zeugen  der  Vergangenheit 
die  Geschichte  seiner  Bevölkerung  zu  erforschen. 

Die  sozialen  und  wirtschaftlichen  Verhältnisse  der  rasch  lebenden 
Gegenwart  mit  ihren  gewaltigen  Fortschritten  auf  den  Gebieten  der 
Technik,  der  Industrie  und  der  Landwirtschaft  üben  nun  einen  geradezu 
vernichtenden  Einfluss  auf  das  aus,  was  an  altehrwürdigen  Resten  einer 
urgeschichtlichen  Vergangenheit  noch  erhalten  ist,  und  es  ist  hohe  Zeit, 
dafür  zu  sorgen,  dass  die  urgeschichtlichen  Denkmäler,  soweit  sie  noch 
vorhanden  sind,  mit  allen  Mitteln  vor  der  Vernichtung  geschützt  oder, 
wenn  ihre  Beseitigung  nicht  zu  umgehen  ist,  wenigstens  der  wissenschaft- 
lichen Forschung  der  Gegenwart  und  Zukunft  in  Sammlungen  erhalten 
bleiben. 


50 


Die  immer  weiter  fortschreitende  Entwickelung  unseres  Eisenbahn- 
und  Strassennetzes  giebt  sehr  oft  Veranlassung  zur  Entdeckung  uralter 
Grabstätten,  deren  Bedeutung  und  Werth  nur  in  den  seltensten  Fällen 
erkannt  werden.  Die  im  Erdboden  ruhenden  Urnen  mit  den  Gebeinen 
unserer  Vorfahren  und  den  über  den  Culturzustand  derselben  vor  Tausenden 
von  Jahren  Aufschluss  gebenden,  meist  unscheinbaren  Schmuck-  und  Ge- 
hrauclisgegenständen  werden  zumeist  von  den  Arbeitern  aus  Unkenntniss 
oder  in  der  Erwartung,  darin  Geld  oder  Werthsachen  zu  finden,  zer- 
schlagen; die  hei  den  Wasserbauten  und  Stromregulirungen  sich  nicht 
selten  in  den  Flussgeröllen  findenden,  durch  weiten  Transport  im  fliessenden 
Wasser  oft  abgerollten  und  mehr  oder  weniger  unkenntlich  gewordenen 
uralten  Stein-  und  Bronzegeräthe  werden  achtlos  bei  Seite  geworfen  oder 
wandern  mit  dem  Flussschotter  in  die  Ausfüllungsmassen  von  Untiefen 
oder  in  die  Anschüttungen  von  Strassen-  und  Eisenbahnkörpern,  in  deren 
Innerem  sie  dann  für  immer  verschwinden,  wenn  nicht  zufällig  das  Auge 
eines  kundigen  Ingenieurs  sie  vorher  erblickt  oder  ihre  eigentümliche 
Form  und  ihr  Material  den  Finder  veranlasst,  sie  als  Merkwürdigkeit  auf- 
zuheben oder  zu  verkaufen,  sodass  sie  in  der  Folge  der  wissenschaftlichen 
Forschung  noch  zugänglich  werden.  In  gleicher  Weise  bewirkt  die  Forst- 
wirtschaft mit  ihren  ausgedehnten  Bodenveränderungen  und  Rodungen, 
dass  immer  mehr  urgeschichtliche  Denkmäler  verschwinden.  Besonders 
häufig  geschieht  dies  durch  die  moderne  Landwirtschaft,  deren  verbesserte 
Hilfsmittel  viel  tiefer  als  die  früheren  in  den  Boden  eindringen.  Nur 
selten  werden  die  beim  Ackern  vom  Pfluge  angeschnittenen,  unter  der 
Ackerkrume  verborgenen  Feuerstätten  beachtet,  an  denen  die  Bewohner 
unseres  Landes  in  der  Steinzeit  vor  mehr  als  3000  Jahren  gesessen  und 
in  denen  sie  Hunderte  von  Gefässscherben,  zerbrochene  Steingeräthe  und 
mancherlei  Reste  des  täglichen  Gebrauchs  als  letzte  Zeugen  ihrer  An- 
wesenheit zurückgelassen  haben.  Vereinzelte,  durch  die  Pflugschar  zu  Tage 
geförderte  Steinwerkzeuge  werden  beim  Ablesen  der  Felder  auf  die  Stein- 
haufen an  den  Rainen  und  Buschrändern  geworfen,  wo  sie  entweder  dem 
Hammer  des  Steinklopfers  verfallen  und  zur  Wegbesserung  verwendet  oder 
beseitigt  werden,  wenn  bei  den  in  der  Jetztzeit  häufigen  Grundstücks- 
zusammenlegungen die  Geröllhaufen  mit  den  Feldrainen  verschwinden.  Die 
Gräberfelder  der  Metallzeit  werden  beim  Pflügen  zerstört,  die  zu  Tage 
kommenden  Gefässscherben  bleiben  unbeachtet  liegen,  bis  atmosphärische 
Einflüsse  sie  zerstören  oder  unkenntlich  machen,  ohne  dass  ihr  Vorkommen 
zuvor  bekannt  geworden  ist  und  zu  wissenschaftlicher  Nachforschung  Ver- 
anlassung gegeben  hat.  Die  oft  ausgedehnten  Schanzen  und  Wälle,  deren 
Anlage  zumeist  durch  die  während  der  Völkerwanderung  eingewanderten 
Slaven  in  der  zweiten  Hälfte  des  ersten  nachchristlichen  Jahrtausends 
erfolgte  und  die  unzweifelhaft  die  reichsten  Fundgruben  für  die  Be- 
urtheilung  der  Cultur  jener  Zeit  sind,  werden  abgetragen  und  geebnet, 
weil  sie  entweder  ein  Hinderniss  für  die  Bestellung  der  Fluren  bilden  oder 
ihr  aus  Lehm,  Mergel,  Asche,  Knochen  etc.  bestehendes  Material  sie  in 
hohem  Grade  zur  Verbesserung  des  Bodens  geeignet  macht. 

Unzählige  dieser  urgescliichtlichen  Denkmäler  sind  bereits  ver- 
schwunden, ihr  ehemaliges  Vorhandensein  wird  theils  durch  Sagen  an- 
gedeutet, die  sich  an  die  Oertlichkeit  knüpfen,  theils  ist  es  noch  einzelnen 
älteren  Leuten  bekannt,  mit  deren  Ableben  aber  auch  jede  Erinnerung  an 
dieselben  verschwinden  wird;  andere  fallen  in  der  Jetztzeit  der  Zerstörung 


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anheim.  Wenn  die  Wissenschaft  der  Zukunft  den  jetzigen  Geschlechtern 
nicht  mit  Recht  den  Vorwurf  machen  soll,  dass  sie  aus  Theilnahmlosigkeit 
die  ehrwürdigen  Zeugen  der  Vergangenheit  zu  Grunde  gehen  Hessen,  wenn 
die  Erforschung  der  Urgeschichte  unseres  Volkes  nicht  für  immer  lückenhaft 
oder  auf  unsicheren  Combinationen  begründet  bleiben  soll,  ist  es  dringend 
nothwendig,  bei  Zeiten  für  durchgreifende  Massregeln  zum  Schutze  und 
zur  wissenschaftlichen  Durchforschung  unserer  Urgeschichtsdenkmäler  Sorge 
zu  tragen.  Denn  fast  täglich  ist  dem  Fachmann  Gelegenheit  geboten,  zu 
beobachten,  wie  unsere  heimischen  Alterthümer  nicht  allein  von  Arbeitern, 
sondern  auch  von  Leuten,  bei  denen  man  auf  Grund  ihrer  Bildung  wohl 
ein  höheres  wissenschaftliches  Interesse  voraussetzen  könnte,  aus  Un- 
kenntnis vernichtet  oder  aus  reinem  Sammlerinteresse  in  einer  für  wissen- 
schaftliche Zwecke  völlig  ungeeigneten  Weise  dem  heimischen  Boden  ent- 
nommen, wie  die  gefundenen  Gegenstände  verschleppt,  zum  Theil  ins 
Ausland  weggeführt,  wie  sie  in  Privatsammlungen  aus  Unwissenheit  und 
Nachlässigkeit  derart  behandelt  werden,  dass  der  Besitzer  nach  Jahren 
oft  selbst  oder  nach  seinem  Ableben  dessen  Erben  nicht  mehr  wissen, 
woher  die  nicht  selten  unschätzbaren  Funde  stammen,  wie  in  Folge  einer 
derartigen  Behandlung  alljährlich  eine  grössere  Zahl  urgeschichtlicher 
Reste  für  die  Wissenschaft  verloren  geht. 

Deshalb  ist  es  wohl  ein  Gebot  der  Nothwendigkeit,  dass  hierin  recht- 
zeitig eine  Wandelung  herbeigeführt  werde  vor  Allem  dadurch,  dass  in 
den  weitesten  Kreisen  die  nöthigen  Kenntnisse  über  die  Bedeutung  und 
den  wissenschaftlichen  Werth  und  über  eine  sachgemässe  Behandlung 
unserer  Alterthumsfunde  verbreitet  und  dass  dieselben,  soweit  es  möglich, 
gesetzlich  gegen  Zerstörung  geschützt  werden.  Dass  dies  nur  von  Seiten 
des  Staates  geschehen  kann,  ist  wohl  zweifellos,  wenn  überhaupt  ein  Erfolg 
erreicht  werden  soll. 

In  der  richtigen  Erkenntniss  von  der  Wichtigkeit  vorgeschichtlicher 
Alterthümer  für  die  Klarlegung  der  Urgeschichte  eines  Landes  haben  nun 
verschiedene  Staaten  bereits  seit  Jahren  durch  Gesetze  und  Verordnungen 
für  Erhaltung  und  Schutz  der  vorgeschichtlichen  Denkmäler,  für  Belehrung 
der  Bevölkerung  in  ausgedehntem  Masse  und  für  Inventarisirung  der 
innerhalb  der  Landesgrenzen  noch  vorhandenen  und  zerstörten  urgeschicht- 
lichen  Reste,  soweit  letztere  noch  bekannt  waren,  gesorgt,  so  in  den 
skandinavischen  Ländern,  in  Preussen,  Bayern,  Württemberg,  in  den 
Ländern  der  österreichischen  Monarchie.  In  Schulen  und  Seminarien  wird 
den  Schülern  durch  Wandtafeln,  auf  welchen  die  charakteristischen  Typen 
verschiedener  urgeschichtlicher  Zeitabschnitte  dargestellt  sind,  Anleitung 
gegeben,  worauf  vor  Allem  zu  achten  ist;  die  bei  Staatsbauten,  im  Forst- 
wesen und  staatlichen  Landwirtschaftsbetriebe  beschäftigten  Techniker 
und  Beamten  sind  auf  dem  Verordnungswege  angewiesen,  die  gelegentlich 
gefundenen  Alterthümer  sofort  einer  staatlichen  Centralstelle  oder  der 
Direction  einer  Staatssammlung  anzuzeigen  und  es  dieser  hierdurch  zu 
ermöglichen,  rechtzeitig  die  zur  Ausbeutung  der  Fundstelle  nöthigen  Mass- 
regeln zu  ergreifen;  strenge  Verbote  verhindern,  dass  Unberufene  durch 
unvorsichtige  Ausgrabung  die  auf  Staats-  oder  Gemeindegrund  gelegenen 
Denkmäler  einer  unbekannten  Vorzeit  beschädigen;  vor  Allem  werden  auch 
die  im  Lande  vorhandenen  urgescliichtlichen  Reste  inventarisirt,  ehe  sie  der 
V ernichtung  anheimfallen.  Unschätzbare  Erfolge  der  letzteren  Massregel  sind 
die  werthvollen  vorgeschichtlichen  Fundkarten,  welche  z.  B.  unter  Beihilfe 


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der  Staatsregierungen  für  Westpreussen,  die  Mark  Brandenburg,  Hannover, 
Bayern,  Holienzollern,  Thüringen  bereits  erschienen  oder  in  Vorbereitung  sind. 

Innerhalb  des  Königreichs  Sachsen  ist  in  dieser  Hinsicht  bisher  nur 
sehr  wenig  gethan  worden;  das  Wenige  beschränkt  sich  auf  einige  Ver- 
ordnungen, durch  welche  die  Verwaltungsbehörden  des  Landes  aufgefordert 
werden,  derartige,  bei  staatlichen  Bauten  gemachte  Funde  zur  Anzeige 
zu  bringen,  leider  jedoch  nicht  bei  den  Staats- Sammlungen  (Verordnung 
vom  1L  Mai  1872).  Welch’  geringen  Erfolg  diese  Verordnungen  gehabt 
haben,  beweist  z.  B.  der  Fall,  dass  beim  Bau  des  neuen  Bahnhofes  in 
Dresden -Friedrichstadt  ein  ausgedehntes  Urnengräberfeld  entdeckt  wurde, 
aus  welchem  die  Arbeiter  Hunderte  von  Urnen  vernichteten,  ehe  die 
Direction  der  K.  prähistorischen  Sammlung  im  Zwinger  in  Dresden  Kenntniss 
von  diesem  reichhaltigen  Fundplatze  erhielt.  Dann  war  es  freilich  zu  spät, 
um  noch  eine  grössere  Anzahl  der  interessanten  Fundgegenstände  für  die 
Staatssammlung  zu  retten.  Sicher  wäre  dies  bei  einer  sofortigen  Anzeige 
der  ersten  Funde  möglich  gewesen. 

Unser  Sachsenland  ist  durch  seine  geographische  Lage  im  Herzen 
Deutschlands  dazu  berufen,  zur  Lösung  wichtiger  Fragen  über  den  Zu- 
sammenhang der  Culturen  von  Nord-  und  Süd-Europa  nicht  unwesentlich 
beizutragen.  Deshalb  ist  es  eine  Pflicht  unserer  hohen  Staatsregierung, 
auch  ihrerseits  zur  Erhaltung  und  Erforschung  der  vorgeschichtlichen 
Denkmäler  unserer  engeren  Heimath  beizutragen.  Wenn  dies  mit  einiger 
Aussicht  auf  Erfolg  geschehen  soll,  so  ist  in  erster  Linie  dafür  zu  sorgen, 
dass  diejenigen  Berufsklassen,  die  durch  ihre  Thätigkeit  am 
ehesten  Gelegenheit  haben,  der  Urgeschichtsforschung  wirk- 
same Hilfe  zu  leisten  — neben  den  Geistlichen  vor  Allem  die  Lehrer, 
Techniker,  Forstleute  und  Landwirthe  — auch  in  den  Stand  gesetzt 
werden,  an  den  Lehranstalten,  wo  sie  für  ihren  Beruf  vor- 
gebildet werden,  sich  diejenigen  Kenntnisse  zu  erwerben,  die 
ihnen  zu  dem  gedachten  Zwecke  später  von  Werth  sind.  Ihnen 
muss  auf  ihren  Bildungsstätten  eine  allgemeine  Uebersicht  über  die  bis- 
herigen Resultate  der  Urgeschichtsforschung  gegeben,  ihnen  muss  an  Fund- 
gegenständen oder  an  guten  Abbildungen  gezeigt  werden,  worauf  sie  in 
erster  Linie  zu  achten  und  wie  sie  die  Funde  zu  behandeln  haben,  um 
dieselben  der  wissenschaftlichen  Forschung  nutzbar  zu  machen. 

Wohl  Niemand  hat  nun  so  viel  Gelegenheit,  ausserhalb  der  Städte 
auf  den  dörflichen  Fluren,  die  naturgemäss  noch  heute  die  ergiebigsten 
Fundstellen  von  Ueberresten  aus  grauer,  unbekannter  Vorzeit  sein  müssen, 
auf  urgeschichtliche  Alterthümer  zu  achten  und  von  den  Landleuten  und 
deren  Kindern  Kenntniss  von  solchen  zu  erlangen,  wie  die  Lehrerschaft. 
Nicht  zu  unterschätzen  ist  hierbei  das  Vertrauen,  welches  gerade  der 
Lehrer,  in  Gemeinschaft  mit  dem  Geistlichen,  bei  unserer,  bekanntlich  oft 
recht  schwer  zugänglichen  und  misstrauischen  Landbevölkerung  geniesst. 
Ihm  wird  man  sicher  leichter  eine  Mittheilung  geben,  als  einem  un- 
bekannten Fremden  oder  von  der  Regierung  gesendeten  Beauftragten,  vor 
Allem  in  Gegenden,  wo  dem  Letzteren  die  Beherrschung  der  fremden 
Umgangssprache,  wie  in  der  Lausitz  die  wendische,  Schwierigkeiten  macht. 
Dem  Lehrer  muss  Gelegenheit  gegeben  sein,  auf  seiner  Bildungsstätte, 
dem  Seminare,  bei  der  Einführung  in  die  Geschichte  der  Heimath  auch 
das  Interesse  und  das  Verständniss  für  die  heimische  Vorgeschichte  zu 
erlangen;  hier  müssen  ihm  die  nothwendigsten  Kenntnisse  von  der  Wichtig- 


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keit  und  der  Bedeutung  der  oft  so  unscheinbaren  Ueberreste  und  von 
deren  sachgemässer  Behandlung  gelehrt  werden,  damit  er  später  in  seinem 
ländlichen  Wirkungskreise  auf  seine  Schüler  anregend  einwirken  und  sie 
veranlassen  kann,  auf  derartige  Altsachen  zu  achten  und  sie  ihm  vorzu- 
legen, sodass  er  in  den  Stand  gesetzt  wird,  dieselben  zunächst  zu  er- 
halten und  dann  zu  weiteren  systematischen  Nachforschungen  Veranlassung 
zu  geben.  Dass  hierzu  die  Anlage  kleiner  Lehrsammlungen  vor- 
geschichtlicher Alterthümer  ebenso  nothwendig  ist,  wie  für  die  natur- 
wissenschaftlichen Disciplinen,  ist  zweifellos.  Derartige  kleine  Sammlungen 
brauchen  ja  nicht  immer  Originale  zu  enthalten;  von  werthvolleren  und 
selteneren  Sachen,  wie  Steinbeilen  und  Metallgegenständen,  genügen  auch 
gute,  naturgetreue  Nachbildungen.  Die  in  mehreren  anderen  Staaten  des 
deutschen  Reiches  als  Unterrichtsmittel  bereits  eingeführten  oder  vorbe- 
reiteten Anschauungstafeln  mit  den  wichtigsten  vorgeschichtlichen  Typen 
würden  ausserdem  eine  zur  Erreichung  des  Zweckes  nicht  zu  unterschätzende 
Hilfe  gewähren,  wie  es  überhaupt  höchst  wünschenswerth  wäre,  derartige 
Tafeln  als  Anschauungsmittel  an  alle  Schulen  des  Landes  zu  vertheilen. 

Doch  nicht  allein  der  Lehrer  kann  bei  der  Vorgeschichtsforschung 
mitwirken,  auch  andere  Kreise,  die  in  ihrer  Thätigkeit  auf  die  freie  Natur 
mehr  oder  weniger  angewiesen  sind,  müssen  hier  unterstützend  eingreifen: 
Eisenbahn-,  Wasserbau-,  Strassenbautechniker,  Forstleute  und 
Landwirthe.  Auch  diese  müssen  auf  ihren  beruflichen  Bildungsstätten 
in  gleicher  Weise  wie  die  Lehrerschaft  zur  Hilfe  bei  der  Erforschung  der 
heimischen  Vorgeschichte  herangezogen  und  herangebildet  werden. 

So  wichtig  und  nothwendig  nun  auch  diese  in  erster  Linie  auf  Be- 
lehrung der  Bevölkerung  über  die  Bedeutung  der  heimischen  Alterthümer 
gerichteten  Massregeln  sind , so  kann  durch  dieselben  allein  der  Zweck, 
die  Erforschung  der  Urgeschichte  unseres  Volkes  zu  fördern  und  das  über 
derselben  schwebende  Dunkel  zu  lichten,  nicht  erreicht  werden,  wenn 
nicht  seitens  des  Staates  auch  die  im  Lande  noch  vorhandenen  oder  in 
Zukunft  entdeckten  Alterthümer  durch  Gesetze  und  Verordnungen  nach 
Möglichkeit  vor  der  Vernichtung  geschützt  werden.  Es  muss  vor 
Allem  verhindert  werden,  dass  die  urgeschichtlichen  Alter- 
thümer vom  Erdboden  verschwinden  oder  ausser  Landes  wan- 
dern, ehe  die  heimische  Forschung  von  ihrem  Vorhandensein 
Kenntniss  erlangt  und  ihre  Bedeutung  für  die  Urgeschichte  des 
Landes  festgestellt  hat. 

Welche  Massnahmen  zur  Erreichung  dieses  Zweckes  zu  ergreifen  sein 
würden,  lehrt  das  Beispiel  anderer  Staaten,  wie  Preussens,  Oesterreichs, 
Skandinaviens,  in  welchen  Fundgesetze  und  Verordnungen  verbieten,  dass 
die  auf  Staats-  oder  Gemeindegrund  gelegenen  Denkmäler  aus  urgeschicht- 
licher  Zeit  ohne  Erlaubniss  der  Staatsregierung  ausgegraben  oder  beseitigt 
werden.  In  Preussen  z.  B.  haben  die  Minister  für  Landwirtschaft  und 
des  Inneren  Verfügungen  in  Betreff  der  Liegenschaften  der  städtischen  und 
ländlichen  Gemeinden  getroffen,  nach  welchen  eigenmächtige  Ausgrabungen 
und  die  Verschleppung  der  dabei  gewonnenen  Fundstücke  untersagt  sind, 
und  die  Denkmäler  der  Vorzeit  ausdrücklich  als  Gegenstände  von  be- 
sonderem geschichtlichen  und  wissenschaftlichen  Werthe  erklärt  werden, 
zu  deren  Veräusserung  und  wesentlicher  Veränderung,  insbesondere  Auf- 
grabung, Blosslegung,  Zerstörung  ihres  äusseren  Ansehens,  gänzlicher  oder 
theilweiser  Entfernung  ihres  Inhalts,  sei  es  durch  die  Gemeinde  selbst  oder 


54 


mit  ihrer  Erlaubniss  durch  Dritte,  ein  Gemeindebeschluss  — und  auf  Grund 
des  gütigen  Zuständigkeitsgesetzes,  der  Städte-  und  Landgemeinde  Ordnung, 
dessen  Genehmigung  durch  die  Vorgesetzte  Aufsichtsstelle  erforderlich  ist. 

In  anderen  Staaten  bestimmen  Gesetze  und  Verordnungen,  dass  alle 
urgeschichtlichen  Denkmäler  und  Funde  einer  staatlichen  Central- 
stelle angezeigt  werden  müssen.  Als  empfehlens wertheste  Einrichtung 
dieser  Art  ist  wohl  die  in  Oesterreich  eingesetzte  „K.  K.  Central-Commission 
zur  Erforschung  und  Erhaltung  der  Kunst-  und  historischen  Denkmale“ 
zu  bezeichnen,  welche  durch  ihre  in  allen  Ländern  des  ausgedehnten 
Reiches  angestellten  Conservatoren  Kenntniss  von  den  urgeschichtlichen 
Funden  erlangt.  Diese  Conservatoren  sind  gleichzeitig  verpflichtet,  die 
Ausgrabung  und  Erhaltung  der  auf  Staats-  oder  Gemeindegrund  und, 
soweit  die  bestehenden  Gesetze  es  gestatten,  auch  auf  Privatboden  ge- 
fundenen Alterthümer  zu  überwachen. 

Hierdurch  wird  nicht  allein  der  Zerstörung  derselben  durch  Laien 
oder  Unberufene  vorgebeugt,  sondern  es  wird  vor  Allem  auch  erreicht, 
dass  derartige  Funde  von  Fachleuten  geprüft  werden  können,  ehe  sie  der 
Finder  veräussert,  und  andererseits  wird  dem  Staate  zuerst  Gelegenheit  ge- 
geben, eventuell  die  für  die  Urgeschichte  des  Landes  bedeutungsvollen  Fund- 
gegenstände für  die  Staatssammlungen  selbst  zu  erwerben,  oder,  wenn  dies 
nicht  unbedingt  nöthig  ist,  Provinzialstädten  oder  Vereinen,  welche  für 
Erforschung  und  Erhaltung  der  heimischen  Vorgeschichtsdenkmäler  thätig 
sind,  zu  ermöglichen,  dieselben  für  ihre  Sammlungen  anzukaufen,  erforder- 
lichen Falls  selbst  durch  vom  Staate  zu  gewährende  finanzielle  Beihilfen. 

Eine  ähnliche  Einrichtung  Hesse  sich  wohl  leicht  auch  für  das  König- 
reich Sachsen  treffen,  wenn  die  hier  seit  dem  vorigen  Jahre  bestehende 
„Königl.  Sächsische  Kommission  für  Geschichte“  durch  Berufung  eines 
oder  mehrerer  mit  den  urgeschichtlichen  Verhältnissen  Sachsens  vertrauten 
Mitglieder  erweitert  und  ihr  Arbeitsgebiet  auch  auf  die  urgeschichtlichen 
Denkmäler  ausgedehnt  würde,  oder,  was  wohl  das  Empfehlenswertheste 
und  Richtigste  wäre,  die  Direction  der  K.  prähistorischen  Sammlung  in 
Dresden  als  diejenige  staatliche  Centralstelle  ernannt  würde,  bei  welcher 
die  urgeschichtlichen  Funde  sofort  anzuzeigen  sind. 

Diese  Anzeige  pflicht  müsste  sich  zunächst  erstrecken  auf  alle  Funde, 
welche  auf  Staatsgrund  und  bei  Staatsunternehmungen  gemacht 
w erden.  Die  hierbei  beschäftigten  Techniker,  Forstleute,  Landwirthe  und 
anderen  Beamten  müssen  verpflichtet  werden,  dieselben  sofort  bei  der 
Commission  oder  bei  der  Direction  der  Staatssammlung  anzuzeigen, 
damit  diese  bei  ausgedehnteren  Fundplätzen  rechtzeitig  weitere  Massregeln 
zur  wissenschaftlichen  Ausbeutung  ergreifen  können,  sowie  die  Fund- 
gegenstände selbst  an  die  Staatssammlung  zur  Aufbewahrung 
abzuliefern,  um  eine  Beschädigung  oder  Zerstörung  derselben  zu  ver- 
hüten und  so  dem  Staate  die  auf  seinem  Grund  und  Boden  gefundenen 
Alterthümer  zu  erhalten.  Zur  vollständigen  Erreichung  dieses  Zweckes 
ist  es  weiter  unbedingt  erforderlich,  dass  Ausgrabungen  nach  ur- 
geschichtlichen Alterthümern  auf  staatlichem  Grund  ohne  Ge- 
nehmigung der  Staatsregierung  und  ohne  Hinzuziehung  eines 
Sachverständigen  streng  untersagt  werden,  wie  dies  in  einzelnen 
Fällen  in  Sachsen  bereits  geschehen  ist,  so  z.  B.  für  die  interessante  Gruppe 
von  Hügelgräbern  im  Thümmlitzer  Walde  bei  Leisnig  auf  dem  Staatsforst- 
revier Seidewitz. 


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Die  gleiche  Anzeigepflicht  und  das  Verbot  unbefugter  Aus- 
grabungen würde  auch  Gemeinden  aufzuerlegen  sein.  Auch  diese 
müssten  gesetzlich  verpflichtet  werden,  die  auf  ihrem  Grundeigenthum 
entdeckten  Alterthumsfunde  der  staatlichen  Centralstelle  sofort  zu  melden, 
und  es  müsste  ihnen  untersagt  werden,  dieselben  zu  veräussern,  ehe  deren 
wissenschaftlicher  Werth  von  einem  mit  der  Untersuchung  beauftragten 
Fachmann  geprüft  worden  ist.  Dagegen  dürfte  es  nach  den  bestehenden 
Gesetzen  wohl  rechtlich  unmöglich  sein,  Gemeinden  zu  zwingen,  die  auf 
ihrem  Grund  und  Boden  gefundenen  Alterthümer  an  die  Staatssammlung 
abzugeben,  selbst  gegen  eine  vom  Staate  festgesetzte  Entschädigung. 

Als  höchst  wünschenswerth  wäre  es  zu  bezeichnen,  wenn  auch  Privat- 
leute veranlasst  werden  könnten,  die  auf  ihrem  Grundbesitz  aufgefundenen 
Alterthümer  zur  Kenntniss  einer  staatlichen  Commission  zu  bringen  und 
eine  wissenschaftliche  Prüfung  derselben  zu  gestatten. 

Um  eine  möglichst  vollständige  Uebersicht  über  alle  im 
Lande  vorhandenen  urgeschichtlichen  Alterthümer  zu  erlangen, 
würde  es  sich  empfehlen,  durch  Vermittelung  der  K.  Amtshauptmann- 
schaften und  der  Schulbehörden  an  alle  Gemeindebehörden  und  auch 
an  alle  Lehrer  des  Landes  Sammelbogen  nach  Muster  des  von  der 
Vereinigung  Thüringischer  Alterthums -Vereine  ausgegebenen  mit  dem  Er- 
suchen  zu  versenden,  dieselben,  nach  Eintragung  aller  ihnen 
in  ihrem  Wirkungsbereiche  bekannt  gewordenen  Funde,  an 
eine  von  der  Staatsregierung  bestimmte  Centralstelle  zurück- 
zusenden. Nur  auf  diese  Weise  würde  es  möglich  werden,  eine  Inven- 
tarisirung  aller  urgeschichtlichen  Ueberreste  innerhalb  der  Landesgrenzen 
auszuführen  und  so  einen  Ueberblick  über  die  Culturzustände  des  Landes 
vor  dessen  Eintritt  in  die  Geschichte  zu  erlangen. 


VII.  Sardinische  Tertiärpflanzen. 

Von  Prof.  H.  Engelhardt. 


Ein  ziemlich  reiches  Material  von  pflanzlichen  Tertiärfossilien  Sar- 
diniens, das  von  Herrn  Prof.  Lovisato  in  Cagliari  im  Laufe  der  Jahre 
gesammelt  wurde  und  mir  durch  die  Vermittelung  des  Herrn  Dr.  Sterzei 
in  Chemnitz  zukam,  konnte  von  mir  durchgesehen  werden.  Es  ist  insofern 
von  grossem  Werthe,  als  uns  über  die  in  den  tertiären  Schichten  dieser 
Insel  eingeschlossenen  Pflanzenreste  bisher  nur  kärgliche  Nachrichten  zu- 
kamen*) und  halte  ich  es  deshalb  für  Pflicht,  nachfolgende  Notiz  zu  ver- 
öffentlichen, wobei  ich  mich  auf  die  von  oben  genanntem  Gelehrten  ge- 
gebenen Altersangaben  der  Fundstätten  beziehen  werde. 

Mittleres  Eocän. 

Aus  dem  äusserst  feinkörnigen  röthlichen  Sandstein  der  Braunkohlen- 
grube von  Bacu-Abis  (Gonnesa,  Dorf  in  der  Provinz  Cagliari): 

Sabal  Lamanonis  Heer  (?).  Es  kann  nur  eine  Vermuthung  ausge- 
sprochen werden,  da  bloss  tiefgefaltete,  gestreifte  Blattstrahlentheile  vor- 
handen sind,  die  Rhachis  aber  fehlt. 

Juglans  Ungeri  Heer.  Eine  Platte  mit  Gegenplatte  zeigt  ein  Blatt 
von  der  Grösse  des  in  Rossmässler,  Altsattel,  Taf.  4,  Fig.  16  abgebildeten; 
das  andere  ist  18  cm  lang  und  hat  11  cm  grösste  Breite,  ist  somit  das  grösste 
bis  jetzt  bekannt  gewordene.  Beide  sind  wahre  Prachtexemplare. 

Tongrien  oder  Aquitanien. 

Aus  dem  feinkörnigen  festen  Sandstein  von  Nurri  (Dorf  in  der  Pro- 
vinz Cagliari),  welcher  an  unsere  Süsswasserquarzite  erinnert,  aber  sich 
durch  die  von  ihm  eingeschlossenen  Conchilien  und  Seeigelgehäuse  als  marine 
Bildung  erweist: 

Pinus  Lardyana  Heer.  Mehrere  Zapfenabdrücke,  welche  die  Schilder, 
an  einigen  Stellen  auch  die  vollständigen  Schuppen  sehr  schön  erhalten 
zeigen.  Sonst  noch  eine  Anzahl  verletzte  Zapfen. 

Pinus  Ferrerii  Massai.  Ein  Zapfenabdruck  zeigt  deutlich  die  kaum 
hervortretenden,  an  der  Spitze  gerundeten  Schuppen,  ein  anderer  auch 
die  versteinerten  Samen. 


*)  Menegliini:  Voyage  en  Sardaigne.  — Bozzi:  Sopra una  specie  pliocenica  di  Pino 
trovata  a Castelsardo  in  Sardegna. 


57 


Pinus  Haidingeri  Ung.  Ein  Zapfen. 

Unbestimmbare  Theile  eines  grösseren  Zapfens. 

Stammstücke,  von  denen  Partieen  in  Faserkalk,  andere  in  Braun- 
kohle verwandelt  sind. 

Möglicherweise  Langliian. 

Aus  den  Thonmergeln  des  Beckens  von  Perfugas  (Gemeinde  in  der 
Provinz  Sassari  an  der  Nordküste): 

Auf  einem  Blattfetzen , der  die  Nervatur  von  Apocynophyllum  zeigt, 
befinden  sich  eine  Anzahl  kreisrunde  oder  etwas  längliche  Pilze,  welche 
Sphaeria  anmdus  Gaud.  nahestehen. 

Arundo  Göpperti  Heer.  Ein  Blattfetzen. 

Die  Spitze  eines  Blattes,  welches  Salix  angusta  Al.  Br.  angehören 
dürfte.  Grössere  Blattstücke  von  Salix  angusta  Al.  Br. 

V 'accinium  Empetrites  Ung.  Ein  wohlerhaltenes  Blatt. 

Cfr.  Carya  Heeri  Ett.  Nur  der  untere  Theil  eines  Blättchens  ist  zu 
sehen,  der  obere  von  anderen  Pflanzenresten  bedeckt.  Soweit  es  erhalten, 
stimmt  es  mit  den  Blättchen  dieser  Art  überein: 

Eucalyptus  oceanica  Ung.  (?).  Ein  Blattspitzenstück. 

Aus  demselben  Becken  von  Sa  E untana  de  Su  Turchis: 

Ein  Blattstück,  höchst  wahrscheinlich  zu  Apocynophyllum  gehörig,  mit 
Sphaeria  sp. 

Palmacites  sp.  Blattstrahlentheile. 

Arundo  Göpperti  Heer.  Ein  Blattstück. 

Phragmites  oeningensis  Al.  Br.  Ein  grosses  Blattstück  mit  beinahe 
durchgängig  gut  erhaltener  Nervatur.  Ein  kleineres. 

Ein  Halmbruchstück  von  der  Breite  der  Halme  von  Poacites  repens 
Heer,  auch  so  fein  gestreift. 

Poacites  caespitosus  Heer.  Ein  Blattstück  mit  deutlich  sichtbarer 
Nervatur. 

Poacites  laevis  Al.  Br.  Mehrere  Blattstücke  mit  gut  erhaltener  Nervatur. 

Poacites  Procaccinii  Massai.  Ein  Blattstück. 

Cfr.  Poacites  arundinarius  Ett.  Ein  kleines  Bruchstück. 

Cyperites  sp. 

Glyptostrohus  europaeus  Heer.  Ein  verästeltes  und  ein  unverzweigtes 
Zweigstück. 

Quercus  myrtilloides  Ung.  Ein  Blatt. 

Cfr.  Quercus  Weberi  Heer.  Das  Spitzenstück  eines  Blattes,  das  in 
Breite,  Bezahnung  und  Nervatur  mit  den  Schweizer  Stücken  übereinstimmt. 

V 'accinium  reticulatum  Al.  Br.  Ein  Blatt. 

Santalum  acheronticum  Ett.  Ein  Blatt. 

Cfr.  Gastrolobium  andromedoides  Massai.  Vordere  Hälfte  eines  Blattes. 

Gleditschia  Wesseli  Web.  Ein  Blättchen. 

Aus  dem  Becken  von  0 schiri  (Dorf  in  der  Provinz  Lassari  im  Norden) 
in  einem  viele  Pflanzenreste  umschliessenden  Hornstein,  der  an  der  Ober- 


58. 


fläche  der  Verwitterung  anheimgefallen  ist  und  da  ein  weisses  dem  Kessel- 
stein oder  Kalktuff  gleichendes  Aussehen  erhalten  hat.  (Bei  einem  grossen 
3 cm  dicken  Stücke  zeigen  sich  nur  noch  durch  Verwitterungsmasse  ge- 
trennte, aber  auch  bereits  matt  gewordene  Hornsteinfragmente,  an  einer 
Stelle  eine  Ader  von  Chalcedon): 

Phragmites  oeningensis  Al.  Br.  Ein  Stengelstück. 

Poacites  laevis  Al.  Br.  Ein  Halmstück.  Ein  zweites  gehört  wahr- 
scheinlich hierher,  wie  auch  eine  grössere  Anzahl  von  Abdrücken  von 
solchen  auf  diese  Art  hindeuten  mögen. 

Cfr.  Poacites  angustus  Heer.  Halmstücke  von  1,5  mm  Durchmesser. 

Poacites  sp.  Ein  herausgeschältes  Halm  stück  von  1 cm  Durchmesser, 
das  die  Streifung  nur  an  winziger  Stelle  zeigt,  darum  nicht  näher  bestimmt 
werden  kann. 

Cyperites  reticulatus  Heer.  Ein  zusammengedrücktes  Halmstück. 

Populus  sp.  Ein  Stück  Stengel  mit  länglichen  Narben. 

Aus  den  sandigen  Schiefern  derselben  Localität: 

Unbestimmbare  Zweig-  und  Stengelstücke. 

LangMan. 

Aus  dem  sehr  feinkörnigen  dunkelgrauen  Sandstein  von  Castelsardo 
(Festung  und  Hafenstadt  an  der  Nordküste): 

Eine  grosse  Anzahl  von  Zapfen  und  Zapfenstücken,  von  denen  vielfach 
nur  einzelne  Partieen  sichtbar  sind,  welche  z.  Th.  Spuren  der  Abrollung 
zeigen.  Durch  vorsichtiges  Ausmeisseln  Hessen  sich  manche  derselben 
freilegen.  Indem  ich  von  der  Beschreibung  der  einzelnen  Stücke  absehe, 
bemerke  ich  nur,  dass  ein  Zapfen  von  Pinus  sp.  und  mehrere  Stamm- 
stücke sich  in  Calcit  umgewandelt  vorfanden,  dann  ein  Stammstück,  mit 
Teredogängen,  die  mit  Calcit  bekleidet  oder  ausgefüllt  sind,  ferner  ein  in 
Pechopal  umgewandeltes  Stammstück  mit  zahlreichen  schmalen  Jahresringen 
vorhanden  waren.  Die  Zapfen  erwiesen  sich  angehörig: 

Pinus  Haiding eri  Ung. 

Pinus  Strozzi  Gaud.  Die  Mehrzahl  aller  Zapfen. 

Pinus  vexatoria  Gaud. 

Pinus  Laricio  Thomasiana  Göpp. 

Pinus  pinastroides  Ung.  (?) 

Aus  dem  Thonmergel  von  Fangario  bei  Cagliari  stammen  eine 
grössere  Anzahl  von  Fossilien.  Die  Blätter  sind  durchgängig  mit  einer 
verschieden  dicken  gelbbraunen  bis  rothen  Eisenschicht  bedeckt,  welche 
dieselben  von  dem  grauen  Mergel  stark  abhebt,  aber  auch  die  Bestimmung 
wegen  der  Verwischung  der  Nervation,  die  nur  stellenweise  gut  erkannt 
werden  kann,  äusserst  schwierig,  ja  zuweilen  ganz  unmöglich  macht,  wes- 
halb eine  Reihe  als  unbestimmbar  bezeichnet  werden  musste.  Einmal 
zeigte  sich  die  Blattmasse  abgesprengt  und  der  Abdruck  konnte  als  ebenso 
gut  von  Ficus  als  von  Populus  herrührend  bezeichnet  werden.  Die  übrigen 
Reste  gehören  an: 

Fasciculites  sp.,  bestehend  aus  parallelen  dichtgedrängten,  festen  weissen 
Gefässbündeln,  welche  in  chocoladenbrauner  erdiger  Braunkohle  lagern. 


59 


Petiolus  Flabellariae. 

Arundo  Göpperti  Münst.  sp.  Ein  Rhizom. 

Typha  latissima  Al.  Br.  Ein  Blattstück. 

Cf.  Pinus  pinastroides  Ung.  Ein  langer  gespaltener  Zapfen,  an  dem 
die  Schilder  nicht  zu  erkennen  sind.  Der  übrige  Theil  der  Schuppen  ist 
entsprechend. 

Querem  chlorophylla  Ung.  Drei  Blätter. 

Ficus  Maravignae  Massai.  Ein  Blatt. 

Ficus  obtusata  Heer.  Ein  Blatt. 

Ficus  Columetlae  Massai.  Ein  Blatt. 

Ficus  midtinervis  Heer.  Zwei  Blattstücke; 

Laurus  sp.  Die  Hälfte  eines  Blattes. 

Diospyros  brachysepala  Al.  Br.  (?)  Mehrere  Blätter. 

Bumelia  Oreadum  Ung.  Zwei  Blätter. 

Porana  oeningensis  Heer.  Ein  Blatt. 

Cfr.  Magnolia  Dianae  Ung.  Ein  Blatt. 

Andromeda  Vetidoniae  Massai.  Ein  Blatt. 

Olea  Osiris  Ung.  Drei  Blätter. 

Arbutus  diospyrifolius  Massai.  Ein  Blatt. 

Erythroxylon  laurinum  Massai.  Ein  Blatt. 

Carya  costata  Stbg.  sp.  Mehrere  wohl  erhaltene  Früchte. 

Juglans  Blancheti  Heer.  Mehrere  wohl  erhaltene  Früchte. 

Juglans  acuminata  Al.  Br.  Eine  Nuss. 

Palaeolobium  sotzJäanum  Ung.  Ein  Blättchen. 

Microtropis  Peddi  Massai.  Ein  Blättchen. 

Cassia  Berenices  Ung.  Zwei  Blättchen. 

Cassia  phaseolites  Ung.  Vier  Blättchen. 

Leguminosites  sp.  Ein  Stück  einer  Hülse; 

Im  Uebrigen  seien  ein  Blatt  mit  Minirlarvengängen,  ein  Ast  mit  Borken- 
käfergängen, eine  grössere  Zahl  Stengelabdrücke,  ein  Stück  sehr  leichten, 
röthlich-braunen,  wohl  von  einer  dikotyledonen  Pflanze  herrührenden  Lignits 
und  mehrere  Fruchtschalen  erwähnt.  Ein  grosses  Stück  möchte  ich  als 
Zoophycus  ähnlich  bezeichnen.  Bei  ihm  findet  sich  keine  Spur  organischer 
Masse.  Es  erweckt  den  Eindruck,  als  hätte  fliessendes  Wasser  die  nicht 
immer  regelmässigen  Vertiefungen  und  Erhöhungen  hervorgerufen. 

Helvetien. 

Aus  dem  tlionigen  Kalke  des  Monte  San  Micheli  bei  Cagliari: 

Arundo  Göpperti  Heer.  Ein  zusammengepresstes  Rohrstück  von  13  cm 
Länge  und  5 cm  Breite.  Ein  kleineres  von  derselben  Breite. 

Cylindrites  convolutus  Fisch.- Ost.  Eine  grössere  Anzahl  Stücke  von 
verschiedener  Länge  und  Dicke,  welche  sehr  an  Spongia  saxonica  Gein. 
aus  dem  Quadergebirge  Sachsens  erinnern. 

Cylindrites  compressus  Fisch. -Ost.  Eine  grosse  Anzahl  Stücke. 


60 


Cylindrites  sp.  Ein  fast  durchgängig  4 cm  im  Durchmesser  haltendes 
Stück  zeichnet  sich  vor  allen  anderen  aus.  An  der  Aussenseite  wechseln 
gerundete  convexe  Querleisten  mit  concaven  Vertiefungen  ab.  Der  an 
mehreren  Stellen  vollzogene  Querbruch  zeigt  eine  kreisförmige,  gelblich 
gefärbte  Kernpartie  von  etwa  2 cm  Durchmesser,  welche  durch  den  ganzen 
Cylinder  an  Grösse  und  Farbe  gleich  bleibt  und  von  einer  1 cm  mächtigen 
Ringpartie  von  weissem  thonigem  Kalke  umgeben  wird.  Der  innere 
Cylinder  zeigt  an  einer  Stelle  eine  längliche,  nur  bis  an  die  Rindenpartie 
hinanreichende  Höhlung. 

Zusatz.  Ein  unter  den  Cylindriten  liegendes  Stück  dürfte  nichts 
anderes  sein,  als  die  Ausfüllung  einer  von  einem  Wurme  herrührenden 
Röhre.  Ein  anderes  erwies  sich  als  ein  viel  Fischschuppen  und  Gräten 
zeigender,  jedenfalls  von  einem  Raubfische  herrührender  Coprolith. 

Localitäten  ohne  Angabe  des  geologischen  Alters. 

Aus  dem  Mergel  von  Sanluri  (Flecken  in  der  Provinz  Cagliari): 

Sphaeria  pristina  Ett.  auf  einem  Grasblattstück. 

Aus  dem  feinkörnigen,  harten,  im  Innern  grauen,  an  der  Oberfläche 
hellgelblichen  Sandsteine  von  Man  das  (Flecken  in  der  Provinz  Cagliari): 

Drei  gut  erhaltene  Bruchstücke  von  Zoophycus , welche  mit  Z.  Brian - 
teus  Massai,  völlig  übereinstimmen,  daher  von  mir  zu  ihm  gezogen  werden. 
Massalongo  lernte  sie  aus  der  oberen  Kreide  kennen.  Von  pflanzlicher 
Masse  ist  keine  Spur  vorhanden. 

Aus  dem  sehr  feinen  grauen  Sandsteine  von  Gesico  (Dorf  in  der 
Provinz  Cagliari): 

Unbestimmbare  Pflanzenreste  monokotyledoner  Natur  (. Poacites ?)  und 
Stengelabdrücke. 

Von  Perdaliana  (im  Centrum  der  Insel)  lagen  Stücke  ausgezeich- 
neter schwarzer,  starrer  Pechglanzkohle  vor.  Hervorzuheben  sind  ein 
breit  gedrücktes  Stammstück  mit  Quetschungserscheinungen  und  ein  Stamm- 
stück, dessen  Aussenpartie  in  braunem  Lignit  besteht,  der,  nach  dem 
Querbruche  zu  urtheilen,  aus  der  dicken  Borke  (ähnlich  der  von  Pinus 
silvestris  L.)  einer  Conifere  entstanden  zu  sein  scheint.  Mikroskopische 
Untersuchung  wird  darüber  nähere  Auskunft  geben. 

Aus  den  vulkanischen  Tuffen  des  Beckens  von  Oschiri  lagen 
vor  Stücke  mit  einer  Menge  verkohlter  Holzbröckchen,  dann  ein  Stück 
mit  grauem  unverkohltem,  sehr  weichem  Stengelchen. 


VIII.  Zur  Geologie  von  San  Domingo. 

Von  Dr.  W.  Bergt. 


Untersuchungen  von  Gesteinen  und  Versteinerungen  aus  Venezuela 
und  von  den  Antillen,  mit  denen  der  Unterzeichnete  beschäftigt  ist,  lieferten 
in  Bezug  auf  die  venezolanische  Halbinsel  Paraguanä,  vor  Allem  aber  für 
San  Domingo  auf  der  grossen  Antilleninsel  Haiti  recht  interessante  Ergeb- 
gebnisse, welche  hier  kurz  im  V oraus  mitgetheilt  sein  mögen. 

Auf  Paraguanä  ist  neben  anderen  normalen  archäischen,  vielleicht 
auch  paläozoischen  Schiefern  und  Eruptivgesteinen  eine  ausgezeichnete 
Gabbro -„Formation“  entwickelt.  Dieselbe  besteht  aus  wechselreichen 
Gabbros,  unter  denen,  wie  in  Schlesien  von  G.  Rose,  ein  schwarzer  zuweilen 
porphyrartiger  Gabbro  und  ein  grüner  als  zwei  Hauptarten  unterschieden 
werden  können,  ferner  aus  Amphiboliten,  chromeisenreichen  Serpentinen, 
Forellensteinen.  Die  Gabbro-,, Formation“  von  Paraguanä  bildet  so  ein 
vortreffliches  Gegenstück  zu  den  schlesischen  Vorkommnissen. 

Die  Ergebnisse  für  San  Domingo  berichtigen  wesentlich  das  geologische 
Bild,  welches  Gabb*),  der  Verfasser  einer  ausführlichen  Monographie 
von  San  Domingo,  entworfen  hat. 

Auf  Gabb’s  geologischer  Karte  von  San  Domingo  sind  mit  besonderen 
Farben  eingetragen: 

1.  Eruptivgesteine, 

2.  Kreide, 

3.  Miocän  mit  2 Farben, 

4.  Postpliocän  mit  2 Farben. 

Die  Kreideschichten  bilden  nach  Gabb  den  Untergrund  der  Insel,  sind 
überhaupt  hier  die  ältesten  Gesteine.  Sie  wurden  nebst  einem  Theil  des 
Tertiärs  durch  riesige  Massen  eruptiver  Gesteine  in  ihrer  ursprünglichen 
Lagerung  gestört,  in  Falten  und  Wellen  gelegt  und  dabei  metamorphosirt. 
Naturgemäss  müssen  dann  diese  Eruptivgesteine  jünger  sein  als  die 
gestörten  und  metamorphosirten  Schichten.  Sehr  auffallend  erscheint  aber 
selbst  Gabb  die  Thatsache,  dass  diese  vermeintlichen  jungcretaceischen 
und  tertiären  Eruptivgesteine  in  ihrer  Zusammensetzung  und  in  ihren 
wesentlichen  Eigenschaften  den  ältesten  Eruptivgesteinen  zum  Verwechseln 
gleichen. 


*)  W.  M.  Gabb:  On  tbe  topography  and  geology  of  Santo  Domingo.  Transact.  of 
tbe  Amer.  Philosoph.  Soc.  Philadelphia,  Vol.  XV,  new  series,  p.  49 — 259.  2 Karten. 


62 


Bei  der  Untersuchung  der  Gesteine  von  San  Domingo  erhoben  sich 
nun  in  dem  Unterzeichneten  die  stärksten  Zweifel  an  der  Richtigkeit 
der  Gabb’schen  Darstellung.  Diese  Zweifel  erhielten  bedeutende  Nahrung 
namentlich  durch  zwei  Umstände, 

1.  dadurch,  dass  Gabb  die  geologischen  Verhältnisse  noch  nach 
der  plutonistischen  Theorie  beurtheilt  und  deutet  und  durch  sie  zu 
dem  erwähnten  Ergebniss  kommt,  und 

2.  dadurch,  dass  Gabb’s  Gesteinsbestimmungen  selbst  nach  dem 
Stand  der  Petrographie  um  das  Jahr  1870  unsicher,  ja  theilweise 
falsch  sind. 

Dass  in  einer  1881  gedruckten  Arbeit  noch  plutonistische  Ansichten  die 
Grundlage  bilden,  erklärt  sich  einigermassen  daraus,  dass  die  „geological 
Survey“  von  Domingo  unter  Gabb’s  Leitung  bereits  in  den  Jahren 
1869 — 1871  stattgefunden  hat,  dass  die  Arbeit  schon  1872  der  American 
Philosophical  Society  vorgelegt,  aber  erst  1881  gedruckt  worden  ist. 

Da  nach  plutonistischer  Anschauung  die  Eruptivmassen  die  Ursachen 
der  Lagerungsstörung  und  Faltung  der  auf  lagernden  Schichten  sind,  müssen 
die  ersteren  jünger  als  die  letzteren  sein.  Es  verschwinden  bei  einer 
solchen  Auffassung  hier,  wie  es  auch  in  anderen  Gebieten,  z.  B.  in  den 
Alpen  der  Fall  war,  die  älteren  Gesteine  zum  Theil  oder  vollständig  aus 
dem  geologischen  Bilde. 

Die  petrographischen  Begriffe  und  Bezeichnungen,  deren  sich  Gabb 
bedient,  sind  zum  Theil  verschwommen,  zum  Theil  selbst  nach  den 
damaligen  Verhältnissen  unrichtig.  Die  folgende  Liste  seiner  petro- 
graphischen Ausdrücke  giebt  von  dieser  Unbestimmtheit  nicht  einmal  eine 
genügende  Vorstellung,  weil  darin  die  Fälle  weggelassen  sind,  in  denen 
Gabb  nur  eine  äusserliche  Beschreibung,  nicht  aber  eine  Bestimmung  und 
Bezeichnung  der  Gesteine  vornimmt.  Gabb  spricht  von: 

Granitoid  material  und  rocks,  „es  sind  wenige  oder  keine  wahren 
Granite  vorhanden“; 

Syenit,  fast  immer  aus  Quarz  (makroskopisch!),  Feldspath  und  Horn- 
blende bestehend,  Hauptgestein; 

Porphyr; 

Gneissoid  rocks; 

Mica  slate; 

Chloritic  slate; 

Talcose  und  semitalcose  slate; 

Clay  slate; 

Jaspery  slate; 

Metamorphosed  cretaceous  slate. 

Welche  geologische  Stellung  die  krystallinen  Schiefer,  die  gneissoid 
rocks  u.  s.  w.  einnehmen,  ist  in  Gabb’s  Ausführungen  nicht  zu  ersehen. 
Zum  Theil  mag  er  sie  zu  den  intrusive  rocks,  zum  grösseren  Theil  zu  den 
metamorphosed  cretaceous  slates  rechnen,  welche  eine  hervorragende 
Rolle  bei  ihm  spielen.  Dabei  bleibt  man  über  dieselben  sehr  im  Unklaren. 
Wir  haben  hier  eines  der  schönsten  Beispiele  dafür,  welchen  ausgiebigen 
Gebrauch  ältere  Geologen,  von  denen  Mancher  „die  Jungen“  wegen  ihres 
vermeintlichen  Fanatismus  für  Contact-  und  Dynamometamorphose  scheel 
ansieht,  von  der  Metamorphose  der  Gesteine  machen  und  wie  unklar  und 
unbestimmt  sie  diese  Metamorphose  lassen. 


63 


Dem  Unterzeichneten  liegen  aus  den  südlichen  und  südwestlichen 
Theilen  Domingos  folgende  Gesteine  vor: 

Aeltere  Eruptivgesteine. 

Normale  Glimmergranite  und  zwar  vom  Aussehen  der  Gehirgsgranite 
sowohl  wie  Ganggranite ; 

Protogingranite  mit  den  deutlichsten  Spuren  des  Druckes ; 

Hornblendegranite,  schon  makroskopisch  so  reich  an  grossen  Quarz- 
körnern, dass  eine  Verwechselung  mit  Syenit  ausgeschlossen  ist; 

Syenit  untergeordnet; 

Diorit,  Quarzdiorit,  ,,Blue  beache“; 

Diabas,  Quarzdiabas; 

Pikrit,  Olivinfels,  Serpentin. 

Jüngere  Eruptivgesteine. 

Basalte  in  doleritischer,  anamesitischer  und  basaltischer  Ausbildung, 
letztere  compact  und  feinporös  lavaartig; 

Andesite,  auf  der  kleinen  Insel  Alta  Vela  auch  Trachyte. 

Krystalline  Schiefer. 

Hornblendegneiss ; 

Pyroxengranulit ; 

Feinkörnige  typische  Hornblendeschiefer; 

Chloritische  Hornblendeschiefer,  dünnschiefrig,  phyllitähnlich,  gefaltet; 

Granatamphibolit,  augithaltig,  eklogitartig ; 

Chloritschiefer  u.  s.  w. 

Während  also  nach  Gabb  Domingo  eine  Ausnahme  bilden  soll,  indem 
nur  junge  Eruptivgesteine  mit  ganz  altem  Aussehen  vorhanden  seien,  zeigt 
die  obige  Reihe,  dass  auch  hier  ganz  normaler  Weise  der  bekannte 
petrographische  und  geologische  Gegensatz  zwischen  älteren  und  jüngeren 
Eruptivgesteinen  besteht.  Dass  die  Angabe  Gabb’s,  die  intrusive  rocks 
hätten  die  cretaceischen  und  tertiären  Schichten  gestört,  durchbrochen, 
injicirt  und  verändert,  nicht  auf  unanfechtbaren  geologischen  Beobacht- 
ungen beruht,  sondern  vielmehr  eine  aus  theoretischen  Voraussetzungen 
folgende,  in  die  Natur  hineingelegte  Deutung  der  Verhältnisse  darstellt, 
braucht  nicht  noch  erwiesen  zu  werden.  Die  oben  als  ,, älter“  bezeichneten 
Eruptivgesteine  unterscheiden  sich  durch  ihren  Erhaltungszustand,  durch 
Umsetzungen  und  Mineralneubildungen  auf  das  Deutlichste  von  den  vul- 
kanischen Gesteinen;  sie  haben  nicht  einmal  Aehnlichkeit  mit  den  in  ganz 
Amerika  verbreiteten  Uebergangsgesteinen  (Propyliten,  Andendiorit^n  u.  s.  w.). 
Die  älteren  Eruptivgesteine  von  San  Domingo  sind  nicht  die  Ursachen 
der  Gebirgsbewegungen , sie  wurden  vielmehr  selbst  von  letzteren  mit- 
betroffen und  tragen  theilweise  die  Spuren  derselben  in  Form  der  sog. 
dynamometamorphischen  Erscheinungen;  sie  haben  gemäss  den  auf  der 
ganzen  Erde  gemachten  tausendfältigen  Beobachtungen  und  wegen  der 
Hinfälligkeit  der  Gabb’schen  Beweise  so  lange  als  „älter“  zu  gelten,  bis 
ihr  jüngeres  Alter  unanfechtbar  festgestellt  ist,  was  kaum  angenommen 
werden  kann. 

Die  krystallinen  Schiefer,  deren  Reihe  durch  nicht  blos  gelegentliches, 
sondern  systematisches  Beobachten  und  Sammeln  beträchtlich  vervoll- 
ständigt werden  dürfte,  haben  durchaus  keinen  contactmetamorphischen 


64 


Charakter;  sie  müssen  als  normale  archäische  Gesteine  angesehen  werden, 
dagegen  sind  sie  theilweise  wie  die  älteren  Massengesteine  durch  Gebirgs- 
druck  verändert,  im  Kleinen  gefaltet. 

Das  archäische  Alter,  welches  P.  Frazer*)  für  die  Centralketten  des 
südöstlichen  Cuba  feststellen  konnte  und  das  er  für  ganz  Jamaika,  für 
San  Domingo,  Puerto  Pico  und  die  Windwardinseln  vermuthete,  kann  nun- 
mehr bestimmter  für  San  Domingo  angenommen  werden. 

Wir  haben  demnach  in  San  Domingo  neben  den  jüngeren  Schichten 
der  Kreide  und  des  Tertiärs  auch  als  deren  Unterlage  ein  wohlent- 
wickeltes archäisches  Gebiet,  welches  mit  den  gleich-  oder  ähnlich 
beschaffenen  Gebieten  von  Guatemala,  der  Halbinsel  Yucatan,  der  Inseln 
Cuba,  Jamaica,  Puerto  Rico,  der  Windwardinseln  und  des  nördlichen 
Venezuela  zu  einem  geologischen  Ganzen  gehört.  Aehnlich  wie  in 
Guatemala  das  archäische  und  alteruptive  Gebiet  im  Süden  von  einer  mit 
jungen  zum  Theil  noch  thätigen  Vulkanen  besetzten  Bruchlinie  begrenzt 
wird  (Suess,  Antlitz  I,  699),  so  scheint  der  Südrand  von  San  Domingo 
(Haiti)  von  jungeruptiven  Gebilden  begleitet  zu  sein. 


*)  P.  Frazer:  Archean  characters  of  the  rocks  of  the  nucleal  ranges  of  the 
Antilles.  Report  of  the  15th  meeting  of  the  British  Association  1888,  London  1889, 
p.  654/5. 


IX.  Bereicherungen  der  Flora  Saxonica  in  den 
Jahren  1896  und  1897. 


Von  Dr.  B.  Sehorler. 


Seit  der  letzten  Veröffentlichung  der  neuen  Funde  unserer  Flora  in 
den  Isis-Abhandlungen  1895,  S.  89  sind  eine  grosse  Anzahl  neuer  Eingänge 
für  das  Herbarium  der  Flora  Saxonica  zu  verzeichnen,  für  die  auch  an 
dieser  Stelle  herzlich  gedankt  sei.  In  dem  nachstehenden  Verzeichniss 
sind  nur  die  als  Belegexemplare  unserem  Herbarium  eingelieferten  Pflanzen 
und  zwar  nur  insoweit,  als  sie  neue  Funde  oder  neue  Standorte  darstellen, 
berücksichtigt.  Es  sind  insbesondere  folgende  Herren,  die  sich  an  diesen 
Beiträgen  betheiligten:  F.  Fritz  sehe -Kötzschenbroda,  Lehrer  H.  Hof- 
mann- Grossenhain,  Hilfslehrer  H.  Müll  er- Medingen,  Apotheker  Schlim- 
pert-Cölln  hei  Meissen,  Dr.  phil.  Rieh.  Schmidt-Leipzig  und  Bürger- 
schullehrer H.  Stiefelhagen-Dresden. 

Sehr  umfangreich  und  werthvoll  ist  namentlich  die  Sendung  von  Herrn 
Dr.  Schmidt,  der  die  Umgebung  von  Leipzig  botanisch  durchforschte  und 
die  wichtigen  Resultate  seiner  Forschungen  in  einer  Abhandlung  unter 
dem  Titel:  „Beiträge  zur  Flora  von  Leipzig“  in  den  Berichten,  der  Natur- 
forschenden  Gesellschaft  zu  Leipzig,  Jahrgang  1895/96  niederlegte,  die 
in  ausserordentlich  kritischer  Durcharbeitung  eine  Menge  interessanter 
Angaben  über  Verbreitung,  Biologie  etc.  enthält,  auf  die  deshalb  hier  nach- 
drücklichst  hingewiesen  sei.  Einen  Vorschlag  in  jener  Abhandlung,  der  das 
Herbarium  Florae  Saxonicae  betrifft,  möchte  ich  auch  zu  dem  meinigen 
machen.  Dr.  Schmidt  schreibt:  „Die  Schaffung  einer  derartigen  Centralstelle 
für  alle  floristischen  Bestrebungen  schätze  ich  — abgesehen  von  dem  unmittel- 
bar in  die  Augen  springenden  Nutzen  — - noch  in  einer  besonderen  Hinsicht 
sehr  hoch.  Ich  meine:  jetzt,  wo  diese  Centralstelle  erstanden  ist,  darf 
man  verlangen,  dass  sie  allgemein  als  Centralstelle  respektiert  wird;  das 
will  sagen:  alle,  nicht  von  anerkannten  Autoritäten  ausgehenden  Veröffent- 
lichungen neuer  sächsischer  Standpunkte  von  wichtigen  Pflanzen  — erfolge 
die  Veröffentlichung  nun  in  Gesellschaftsschriften,  Schulprogrammen,  Floren 
oder  sonstwo  — haben  so  lange  als  nichtig  und  belanglos  zu  gelten,  als 
nicht  ein  Belegexemplar  von  der  betr.  Oertlichkeit  beim  Dresdener  Herhar 
eingereicht  und  die  Richtigkeit  der  Bestimmung  in  den  Isisberichten  oder 
anderwärts  bestätigt  worden  ist“. 

Es  ist  ja  klar,  dass  es  nur  so  möglich  ist,  allmählich  ein  richtiges 
Bild  von  der  Vertheilung  der  Arten  in  unserem  engeren  Vaterlande  zu 


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erhalten.  Die  genaue  Feststellung  der  Vertheilung  der  einzelnen  Arten 
nach  den  Territorien,  nach  der  Höhe  etc.  muss  das  nächste,  wenn  auch 
nicht  letzte  Ziel  der  sächsischen  Floristik  sein,  nachdem  der  Pflanzen- 
hestand  in  seinen  einzelnen  Arten  bekannt  ist.  Es  werden  ja  jedes  Jahr 
neue  Arten  und  Formen  durch  Anwendung  einer  schärferen,  leider  oft  zu 
scharfen  Analyse  von  alten  längst  bekannten  Arten  abgetrennt.  Und  es 
ist  gewiss  für  Viele  interessant,  diesen  bekannt  gewordenen,  oft  recht 
minutiösen  Abweichungen  nachzuspüren  oder  solche  selbst  aufzufinden  und 
die  abweichende  Form  mit  einem  Namen  zu  belegen.  So  nöthig  auch  diese 
Thätigkeit  bis  zu  einem  gewissen  Grade  ist  und  so  verdienstlich  sie  werden 
kann,  wenn  sie  nur  Mittel  zum  Zweck  und  nicht  Selbstzweck  ist,  so  darf 
man  doch  nie  vergessen,  dass  die  Artsplitterei  und  die  Auffindung  kleinster' 
Abweichungen  nun  und  nimmer  das  letzte  Ziel  localfloristischer  Bestre- 
bungen sein  kann.  Dadurch  wird  nur  der  Artenkatalog,  die  Florenliste 
eines  Landes  vergrössert,  also  die  erste  nächstliegende  Aufgabe  erfüllt. 
Eine  weitere  sehr  wichtige  Aufgabe  ist,  wie  schon  erwähnt,  die  genaue 
Feststellung  der  Vertheilung  der  einzelnen  Arten  und  ihrer  Bestände  nach 
den  Territorien  (s.  Drude:  Deutschlands  Pflanzengeographie,  S.  18),  der 
Höhe  (sehr  wichtig  ist  z.  B.  die  Feststellung  mittlerer  normaler  Höhen- 
grenzen für  die  Bestände  der  Niederungspflanzen,  ibid.  S.  71),  den  Forma- 
tionen etc.  In  dieser  Hinsicht  ist  auch  in  unserem  engeren  Vaterlande 
noch  viel  zu  thun.  Es  giebt  ja  bereits  eine  grosse  Anzahl  von  Special- 
floren, die  kleinere  Theile  Sachsens  oder  nur  die  nähere  Umgebung  ein- 
zelner Städte  behandeln.  Dadurch  ist  beispielsweise  die  Flora  der  Leipiger 
Gegend,  des  Vogtlandes,  des  oberen  Erzgebirges,  des  Elbthales  und  der 
Lausitz  allgemein  bekannt  geworden,  während  das  von  dem  Gebiet  der 
mittleren  und  unteren  Mulde  nicht  in  gleichem  Masse  gilt.  Trotz  alle- 
dem können  wir  bei  vielen  interessanten  sächsischen  Pflanzen  nicht  einmal 
die  genauere  Verbreitung  nach  und  in  den  Territorien  angeben,  und  für 
weitere  Formationsstudien  versagen  diese  Pflanzenlisten  ganz.  Auch  auf 
das  etwaige  Fehlen  oder  Spärlicherwerden  gewisser  „gemeinen“  Pflanzen 
wird  in  denselben  nicht  genug  geachtet.  Die  Bezeichnung  „zerstreut“ 
oder  höchstens  „fehlt  im  Erzgebirge“  darf  in  Zukunft  nicht  mehr  genügen. 
Hier  kann  jeder  Pflanzenkenner  an  dem  weiteren  Fortschritt  zu  seinem 
Theile  leicht  mitarheiten,  wenn  er  sich  eben  nicht  damit  begnügt  und  als 
einziges  erstrebenswertes  Ziel  sich  steckt,  die  Pflanze  wohl  bestimmt  in 
seinem  eigenen  Herbarium  zu  vergraben.  Dadurch  wird  kein  Fortschritt 
erzielt  und  es  geht  die  Arbeitskraft  des  Einzelnen  auf  floristischem  Gebiet 
für  die  Allgemeinheit  verloren.  Wenn  sich  dagegen  jeder  Jünger  der 
Seien tia  amabilis  bemüht,  seine  neuen  Funde  und  Entdeckungen  durch  Ein- 
senden von  Belegexemplaren  an  die  Centralstelle  allen  Interessenten  be- 
kannt und  zugängig  zu  machen,  so  sichert  er  sich  nicht  nur  für  alle  Zeiten 
das  Recht  der  Priorität,  sondern  trägt  auch  sein  Scherflein  bei  zum  Aus- 
hau unserer  Kenntnisse  von  der  vaterländischen  Flora.  Dass  auf  die  Weise 
eine  etwa  untergelaufene  falsche  Bestimmung  am  ersten  corrigirt  werden 
kann,  ist  ein  weiterer  Vorzug  der  eingesandten  Belegexemplare.  Besonders 
wichtig  sind  Belegexemplare  von  allen  Pflanzen,  die  in  der  Excursions- 
flora  von  Wünsche  als  selten  oder  zerstreut  angegeben  sind,  ferner  solche 
von  interessanten  Pflanzen  aus  dem  Gebiet  der  mittleren  und  unteren  Mulde, 
aus  der  Umgehung  der  Städte  Wurzen,  Grimma,  Colditz,  Rochlitz,  Mitt- 
weida, Waldheim,  Rosswein,  Döbeln,  Oschatz  und  Dahlen. 


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Neben  den  beiden  oben  bezeicbneten  Aufgaben  der  localen  Floristik, 
Feststellung  eines  vollständigen  Pfianzenkataloges  und  der  genauen  Ver- 
breitung der  einzelnen  Arten,  kann  dieselbe  aber  auch  noch  höheren 
Zwecken  sich  dienstbar  erweisen,  sie  kann  schätzbares  Material  liefern  für  die 
pflanzengeographische  Bearbeitung  der  heimischen  Vegetation.  Man  sollte 
sich  immer  daran  erinnern,  worauf  Herr  Prof.  Drude  an  dieser  Stelle  schon 
öfters  hingewiesen  hat,  dass  nicht  die  Ausarbeitung  einer  systematischen  und 
analytischen  „ Flora“  unseres  Landes,  sondern  einer  Pflanzengeographie  des- 
selben das  Endziel  aller  botanischen  Forschungen  bleiben  muss.  Auch  zur 
Erreichung  dieses  hohen  Zieles  kann  jeder  Florist  in  Sachsen  seinen  Beitrag 
liefern.  Nur  muss  er  sich  daran  gewöhnen,  auf  botanischen  Excursionen  Be- 
obachtungen anzustellen.  Nicht  die  blosse  Aufspürung  eines  neuen  Stand- 
ortes genügt,  es  müssen  auch  sichere  Beobachtungen  über  die  Standortsver- 
hältnisse, über  Besonnung,  Bewässerung  und  Bodenarten,  über  Biologie, 
Vegetationsformen  und  Lebensbedürfnisse  und  namentlich  auch  über  die 
Pflanzengesellschaft  oder  über  die  Formation  gemacht  werden,  in  der  sich 
die  gefundene  Pflanze  befindet.  Werden  derartige  Beobachtungen  aus- 
führlich auf  den  Etiquetten  der  eingesandten  Pflanzen  niedergelegt,  so 
liefern  diese  werthvolles  Material  für  spätere  weitere  pflanzengeographische 
Bearbeitungen.  Das  gilt  natürlich  ebensogut  für  Kryptogamen  wie  für 
Phanerogamen.  Es  braucht  wohl  nicht  erst  betont  zu  werden,  dass  unser 
Herbarium  der  Flora  Saxonica  auch  diese  bis  zu  den  Algen  herunter  mit 
umfasst.  . Getrocknete  Moose  und  Pilze  sind  uns  ebenso  willkommen  wie 
Algenauftragungen  auf  Papier  oder  mikroskopische  Präparate  (englisches 
oder  kleineres  Format)  der  letzteren.  Möglichst  ausführliche  Etiquetten 
sind  hier  ebenso  wichtig  wie  bei  den  Phanerogamen.  Da  auf  den  mikro- 
skopischen Präparaten  für  derartige  Angaben  kein  genügender  Platz  vor- 
handen ist,  so  empfiehlt  es  sich,  besondere  Zettel  mit  diesen  von  der 
Länge  des  Präparates  und  beliebiger  Breite  beizulegen. 

Die  neuen  Funde  sind  diesmal  nach  dem  von  Wünsche  in  seiner  Ex- 
cursionsflora  von  Sachsen  befolgten  Eichler’schen  System  aufgezählt.  Es 
dürfte  sich  dieser  Anschluss  an  Wünsche  beim  Nachtrag  der  neuen  Stand- 
orte für  viele  als  bequem  erweisen. 

Convallaria  majalis  L.  var.  rosea  Reichb.  Dresden:  Niederlössnitz  im 
Gebüsch  bei  der  Sennhütte  (Fritzsche). 

Juncus  tenuis  Willd.  Diese  mehrjährige  Binse  unterscheidet  sich  von 
J.  bufonius  und  compressus , mit  denen  sie  eine  gewisse  Aehnlichkeit 
hat,  leicht  durch  ihren  aufrechten  rasenartigen  Wuchs,  ihre  meist 
gelbgrüne  Farbe  und  durch  das  lange  unterste  Deckblatt  an  dem  blatt- 
losen Stengel.  Die  nordamerikanische  Art  ist  besonders  in  Westeuropa 
verbreitet,  wandert  aber  neuerdings  auch  in  Deutschland  und  breitet 
sich  immer  mehr  aus.  Von  Sachsen  wird  sie  zuerst  von  Reichenbach 
in  seiner  Flora  Saxonica  1842  in  dem  Nachtrag,  S.  452  erwähnt,  und 
als  Standort  die  Buschschenke  bei  Kemnitz  zwischen  Löbau  und  Bern- 
stadt angegeben.  Auch  Rabenhorst  giebt  in  seiner  1859  erschienenen 
Flora  von  Sachsen  nur  diesen  einen  Standort  an.  Jetzt  ist  sie  in 
der  sächsischen  Oberlausitz  auf  sandig-lehmigen  Feld-  und  Waldwegen 
ziemlich  verbreitet,  wie  ich  im  Sommer  1896  zu  beobachten  reichlich 
Gelegenheit  hatte.  Die  Verbreitung  in  Sachsen  gliedert  sich  dem 
grösseren  schlesischen  Areal  westlich  des  Bober  an,  das  gleichsam 

#* 


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eine  Zunge  nach  Sachsen  vorstreckt.  Durch  die  Linien  Görlitz-Reichen- 
bach-Löbau -Mehltheuer  nördlich  vom  Czorneboh  — Weiss-Nausslitz  — 
in  die  Gegend  von  Bischofswerda  und  von  hier  über  den  Falkenberg 
nach  Schluckenau-  Seifhennersdorf  - Grossschönau  -Zittau  wird  diese 
Zunge  ungefähr  begrenzt.  Ausser  in  der  Oberlausitz  kommt  die  Pflanze 
auch  noch  bei  Leipzig  vor.  Kuntze,  der  die  Art  für  einen  Bastard 
J.  compressusxeffusus  hält,  giebt  in  seiner  Flora  von  Leipzig  als 
Standorte  Eutritzsch  und  Wurzen  an.  Nach  Wünsche  kommt  sie 
neuerdings  auch  bei  Tharandt  vor.  (Willkomm  erwähnt  sie  in  seiner 
Vegetationsschilderung  der  Umgegend  von  Tharandt  im  Tharandter 
Jahrbuch  1866  noch  nicht.)  Wie  weit  diese  Binse  an  den  beiden 
letzten  Standorten  bei  Leipzig  und  Tharandt  verbreitet  ist  und  ob  sie 
hier  auch  wandert,  vermochte  ich  nicht  festzustellen.  Im  Herbarium  der 
Flora  Saxonica  finden  sich  von  den  beiden  letzten  Standorten  keine 
Belegexemplare.  Jedenfalls  ist  auf  die  weitere  Ausbreitung  dieser  Art 
zu  achten. 

Sparganium  ramosum  Huds.  * neglectum  Beeby.  Die  verschiedenen  Formen 
des  Sp.  ramosum , die  man  jetzt  unterscheidet  (s.  Ascherson  und  Gräb- 
ner’s  Synopsis  der  mitteleuropäischen  Flora,  S.  280),  lassen  sich  leicht 
an  den  Früchten  erkennen.  Sp.  polyedrum  hat  ungestielte,  verkehrt- 
pyramidenförmige, kurzgeschnäbelte,  kantige  Früchte,  bei  Sp.  * neglec- 
tum dagegen  sind  sie  deutlich  gestielt,  verkehrt-kegelförmig,  allmählich 
in  den  Griffelrest  verschmälert,  sodass  sie  denen  von  Sp.  simplex 
ähnlich  werden.  Die  kugeligen  Fruchtstände  erscheinen  daher  mehr 
locker,  stachelig-morgensternartig.  Beim  Trocknen  werden  die  Frucht- 
stände bei  Sp.  * polyedrum  und  in  geringerem  Masse  die  ganze  Pflanze 
schwärzlich,  die  von  Sp.  * neglectum  dagegen  meist  gelblich.  Das  Sp. 
* neglectum  ist  nicht  nur  in  Westeuropa,  sondern  auch  in  Deutschland 
und  Oesterreich  an  den  gleichen  Standorten  und  vielfach  in  Gesell- 
schaft des  Sp.  * polyedrum  weit  verbreitet.  Im  Dresdner  Herbarium 
fand  ich  das  erstere  unter  Sp.  ramosum  in  einem  einzigen  Exemplar, 
das  Kochel  im  Jahre  1833  am  Fusse  des  Balkan  gesammelt  hatte. 
Das  erste  sächsische  Exemplar  von  Sp.  * neglectum  wurde  von  mir 
am  4.  October  1896  in  der  Nähe  des  Dorfes  Koselitz  nordwestlich  von 
Grossenhain  gesammelt,  wo  es  in  einer  teichartigen  Ausschachtung 
der  kleinen  Köder  bestandbildend  auftritt.  ln  dem  Bestände  bemerkte 
ich  vom  Ufer  aus  kein  Sp.  * polyedrum,  das  sich  an  einer  anderen 
Stelle  derselben  Ausschachtung  in  vereinzelten  Exemplaren  fand.  Herr 
Fritzsche  konnte  dann  zwei  weitere  Standorte  dieser  Varietät  bei 
Kadeburg  und  Coswig  feststellen.  Der  letztere  ist  ebenfalls  eine  Aus- 
schachtung, die  erst  seit  ungefähr  3 Jahren  besteht.  Einen  vierten 
Standort,  Pausa  im  Vogtland,  fand  ich  nachträglich  in  meinem  eigenen 
Herbarium  vertreten.  Die  Pflanze  wurde  von  mir  1882,  wenn  ich  nicht 
irre  an  einem  Bache,  als  Sp.  ramosum  gesammelt.  Von  den  gesammten 
Flxemplaren  haben  sich  die  von  Radeburg  etwas  gebräunt  beim  Trocknen, 
die  anderen  sind  entweder  etwas  gelblich  geworden  oder  grün  ge- 
blieben. 

Car  ex  teretiuscida  Good.  Grossenhain:  Frauenhain  bei  Raden,  in  einem 
Moorgraben  mit  Hottonia  palustris  und  Car  ex  Pseudo  -Cyp  er  us. 

— longifolia  Host.  Dresden:  im  Dohnaer  Kirchholz  (Stiefelhagen). 


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Carex  Buxbaumii  Wahlbg.  Dresden:  auf  einer  sumpfigen  Waldwiese  bei 
Kötzschenbroda  (Fritzsche). 

— obtusata  Liljb.  Der  uralte,  seit  1820  wieder  bekannte,  interessante 
Standort  dieser  Art  am  Bienitz  existiert  trotz  der  grossen  Umwäl- 
zungen, die  dieser  Theil  der  Umgebung  Leipzigs  in  der  Neuzeit  erfahren 
hat,  noch  immer.  Dr.  Schmidt  sammelte  sie  laut  der  den  eingesandten 
Pflanzen  beiliegenden  Etiquette  im  Mai  1895  auch  in  der  Form  A.  capi- 
tata Peterm. 

Älopecurus  agrestisL.  Dieser  Fuchsschwanz  taucht  von  Zeit  zu  Zeit  ein- 
mal in  Sachsen  auf,  verschwindet  aber  eben  so  rasch  wieder,  ohne  sich 
irgendwo  wirklich  einzubürgern.  1890  wurde  er  von  Stiefelhagen  bei 
Dresden  auf  Kleefeldern  bei  Cotta  beobachtet  und  jetzt  an  das  Her- 
barium abgeliefert. 

— arundinaceus  Poir.  (=  A.  nigricans  Hornem.).  Die  Art  wird  in  den 
Floren  als  in  der  Umgebung  von  Dresden  nicht  selten  angegeben. 
Sie  findet  sich  aus  diesem  Gebiet  auch  in  einer  Anzahl  von  Exemplaren 
von  verschiedenen  Sammlern  im  Herbarium  der  Flora  Saxonica.  Es 
stellte  sich  jedoch  bei  der  Untersuchung  dieser  Exemplare  heraus, 
dass  kein  einziges  zu  der  echten  A.  arundinaceus  Poir.  gehört, 
sondern  sämmtliche  nur  die  eine  Form  des  A.  pratensis  mit  dunk- 
leren Aebrchen,  die  gewöhnlich  als  A.  nigricans  Sonder  bezeichnet 
wird,  darstellen.  Das  Vorkommen  von  A.  arundinaceus  Poir.  im  Elb- 
thal erscheint  mir  daher  noch  zweifelhaft  und  der  Bestätigung  be- 
dürftig. Das  beste  Unterscheidungsmerkmal  der  beiden  nahe  stehenden 
Arten,  namentlich  wenn  der  Wurzelstock  nicht  mit  gesammelt  worden 
ist,  bieten  immer  noch  die  Hüllspelzen,  die  bei  A.  arundinaceus  stark 
aus  einander  gehen,  sodass  das  ganze  Aehrchen  glockenförmig,  dem 
des  A.  geniculatus  etwas  ähnlich  wird.  Der  obere  Ausschnitt  zwischen 
den  beiden  Hüllspelzen  zeigt  dabei  stark  concave  Ränder,  während  diese 
bei  A.  pratensis  fast  gerade  sind.  Dadurch  unterscheiden  sich  auch 
jene  leicht  mit  A.  arundinaceus  zu  verwechselnden  Aehrchen  von  A. pra- 
tensis, die  beim  Trocknen  etwas  zu  stark  gepresst  worden  sind  und 
nun  an  der  Spitze  auseinander  spreitzen. 

-\Festuga  rigida  Kunth.  Dresden:  Elbufer  im  Gehege,  1891  in  Menge 
(Stiefelhagen). 

Bromus  mollis  L.  var.  leiostachys  Tausch.  Dresden:  Plauenscher  Grund 
(Stiefelhagen). 

— patulus  M.  u.  K.  Dresden:  Berliner  Bahnhof  nach  den  Schusterhäusern 
zu  (Stiefelhagen  1891).  Dürfte  durch  die  Bahnhofsumbauten  bereits 
wieder  verschwunden  sein.  Die  Angabe  in  Wünsche  „zwischen  Strehla 
und  Lockwitz“,  die  Reichenbach’s  Flora  Saxonica  entnommen  ist, 
kann  zu  falschen  Deutungen  Veranlassung  geben;  es  muss  natürlich 
Strehlen  heissen. 

f — squarrosus  L.  Dresden:  Altstädter  Elbquai  mit  Bromus  arvensis , hier 
auch  unter  der  typischen  Form  die  Varietät  villosus  (Stiefelhagen  1891): 
Für  diese  Art  gilt  auch  das  von  Älopecurus  agrestis  Gesagte. 

Goodyera  repens  R.  Br.  Zittau:  am  Oderwitzer  Spitzberg  (Hofmann). 

Cerastium  brachypetalum  Desp.  Meissen:  an  den  trocknen  Hügeln  vor 
Zadel  (Stiefelhagen). 


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Silene  nutans  L.  Exemplare  mit  rosenrothen  Blüthen  fand  Fritzsche  am 
22.  Mai  1897  in  der  Nieder -Lössnitz  unterhalb  der  Friedensburg  auf 
Geröll. 

Corydalis  solida  Sm.  Am  linken  Röderufer  oberhalb  Radeburg  unter 
Brombeer-Gestrüpp  (Müller). 

f Viola  suavis  M.  B.  Dresden:  in  einem  Hohlweg  zwischen  Naundorf  und 
Lindenau  (Fritzsche).  Die  Pflanze  ist  richtig  bestimmt,  kann  aber 
an  dem  aufgefundenen  Standorte  ohne  Zweifel  nur  ein  Gartenflüchtling 
sein.  Sie  unterscheidet  sich  von  den  im  Dresdner  Herbarium  liegen- 
den, von  M.  von  Bieberstein  selbst  herrührenden  Exemplaren  der 
echten  südeuropäischen  Art  nur  durch  ihren  viel  robusteren  Wuchs. 

Trifolium  hybridum  L.  var.  elegans  Savi  (als  Art).  Die  Varietät  findet 
sich  noch  in  verschiedenen  Floren,  auch  in  Wünsche’s  Excursionsflora, 
als  eigene  Art  neben  T.  hybridum  aufgeführt,  wozu  meines  Erachtens 
kein  Grund  vorliegt.  Schon  in  den  alten  Floren  von  Döll,  Neilreich  und 
Anderen  ist  dieselbe  zu  Tr.  hybridum  gezogen  worden,  und  die  grösseren 
neueren  Floren  folgen  diesem  Beispiel.  Die  Unterschiede  sind  minimale 
und  zum  Theil  sogar  schwankend.  Im  Dresdner  Herbarium  befindet 
sich  z.  B.  ein  Exemplar,  das  nach  der  Etiquette  von  Savi  selbst  stammt, 
mit  weichem  hohlem  Stengel.  In  dem  Verzeichniss  vogtländischer 
Pflanzen  von  Artzt,  das  in  den  Isis-Abhandlungen  1896,  S.  1 erschienen 
ist,  wird  von  dieser  Form  ein  für  Sachsen  neuer  Standort  angegeben, 
nämlich  Pausa  im  Vogtland.  Derselbe  ist  jedoch  zu  streichen.  Die 
Mittheilung  dieses  Standortes  rührte  seinerzeit  von  mir  selbst  her.  Ich 
fand  nämlich  im  Jahre  1885  auf  trocknem  Kieselschieferboden  eine  auf- 
fällige Form  von  Tr.  hybridum  mit  sehr  langen  Blüthenstielen,  welche 
es  den  gleichmässig  rosen-rothen  Blüthen  gestatteten,  sich  in  Hohl- 
cylinderform  anzuordnen.  Da  mir  damals  kein  Vergleichsmaterial  und 
auch  keine  grössere  Flora  mit  ausführlichen  Diagnosen  zur  Verfügung 
stand,  so  vermochte  ich  die  Form  nicht  richtig  zu  bestimmen.  Höchst 
wahrscheinlich  beruht  auch  das  schon  von  Reichenbach  angegebene 
Vorkommen  „bei  Zittau“  auf  einer  ähnlichen  fehlerhaften  Bestimmung. 
Im  Herbarium  der  Flora  Saxonica  sind  keine  Belegexemplare  vorhanden. 

Pirola  umbellata  L.  Dresden:  bei  Medingen  in  lichtem  Nadelwald  (Müller). 

— chlorantha  Sw.  Dresden:  sporadisch  im  Nadelwald  bei  Medingen  (Müller). 

Anagallis  caerulea  Schreb.  Dresden:  bei  Hermsdorf  (Müller). 

Thrincia  hirta  Roth.  Radeburg:  bei  Würschnitz,  südlichster  bis  jetzt  be- 
kannter Standort  in  Sachsen  (Müller). 

j*  Ambrosia  artemisiifolia  L.  Meissen : bei  Oberspaar  und  auf  einem 
Stoppelacker  bei  Winkwitz  (Schlimpert). 


X.  Ein  Beitrag  zur  Flora  des  Böhmerwaldes. 

Yon  Dr.  B.  Sehorler. 


Ende  Juli  und  Anfang  August  dieses  Jahres  machten  Herr  Prof. 
Dr.  Drude  und  der  Verfasser  eine  gemeinsame  botanische  Excursion  nach 
dem  Böhmerwald,  die  sich  auf  den  ganzen  Gebirgszug  bayerischen  und 
böhmischen  Antheils  vom  Südfusse  des  Fichtelgebirges  bis  zum  Dreisessel 
undBlöckenstein  erstreckte.  Obgleich  hierbei  nicht  in  erster  Linie  fioristische 
sondern  pflanzengeographische  Ziele  verfolgt  wurden,  so  konnten  doch 
auch  eine  Anzahl  neuer  Standorte  von  Böhmerwaldpflanzen  festgestellt 
werden,  von  denen  die  wichtigsten  hier  kurz  mitgetheilt  seien. 

Allosoms  crispus  Bernh.  In  Felsspalten  am  Arber  in  ca.  1400  m Höhe. 
Der  Arber  ragt  mit  seinem  mehrzackigen  Gneissgipfel  über  die  Wald- 
grenze empor  und  trägt  auf  dieser  unteren  Hochgebirgsregion  drei 
Formationen  in  ziemlich  weiter  Ausdehnung:  die  Borstgrasmatte  mit 
Poa  alpina , das  Krummholz  mit  riesigen  Mengen  von  Athyrium  alpestre 
und  die  Formation  der  trockenen  Felsen,  die  besonders  durch  Juncus 
trifidus , den  ,, Gamsbart“,  das  „Edelweiss  des  Bayerischen  Waldes“, 
und  durch  Agrostis  rupestris  charakterisirt  wird.  Zu  der  letzten  gehört 
Allosorus , der  wie  Juncus  trifidus  in  Gesteinsspalten  wächst,  nur 
nicht  wie  dieser  auf  den  obersten  sonnigen  Kuppen,  sondern  mehr  in 
schattigen,  tieferen  und  humusreicheren  Spalten.  Dieser  interessante 
Gebirgsfarn,  der  in  den  Alpen  von  1000 — 2200  m häufig,  von  den 
mitteldeutschen  Gebirgen  aber  nur  im  Riesengebirge  und  ganz  ver- 
einzelt im  Harz  gefunden  worden  ist,  wurde  nach  Sendtner  zuerst  von 
W.  Gümbel  für  den  Bayerischen  Wald  constatirt,  seit  dieser  Zeit  aber, 
so  viel  ich  aus  der  Litteratur  ersehen  konnte,  nicht  wieder  aufgefunden. 
Gümbel  entdeckte  ihn  am  Keitersberge,  „um  die  Mitte  desselben  bei 
3100'“,  also  im  nordwestlichen  Theile  des  zusammenhängenden  Rückens 
zwischen  dem  Weissen  und  Schwarzen  Regen,  dessen  südöstliches  Ende 
der  Arber  darstellt,  und  der  auch  als  Arbergebirge  bezeichnet  wird. 
Die  Angaben  in  den  Floren  über  das  Vorkommen  von  Allosorus  im 
Böhmerwalde  stützen  sich  sämmtlich  auf  den  Sendtner’schen  Standort. 

Asplenium  viride  Huds.  Mit  dem  vorigen  in  schattigen  Felsspalten  am 
Arbergipfel  in  einem  einzigen  Exemplar.  Ich  fand  das  Vorkommen 
dieses  Farns  im  Böhmerwald  nirgends  angegeben. 

Scheuchzeria  palustris  L.  In  dem  Prodromus  der  Flora  von  Böhmen  und 
in  den  Resultaten  der  botanischen  Durchforschung  Böhmens  werden 


72 


von  Celakovsky  nur  der  kleine  Arbersee  und  das  Weig&rfilz  bei  Kusch- 
warda  als  Standorte  der  Art  für  den  Böhmerwald  angegeben.  Wir 
fanden  sie  auch  im  grossen  Arbersee  mit  Scirpus  caespitosus  und 
Carex  pauciflora  auf  einem  schwimmenden  Caricetum  am  nördlichen 
Ufer  in  geringer  Anzahl  von  Exemplaren. 

Rhynchospora  alba  Yahl.  In  der  Gesellschaft  der  vorigen  Art  am  grossen 
Arbersee  reichlich,  ebenso 

Carex  limosa , die  nach  Celakovsky  bisher  nur  bei  Kuschwarda  und 
Schattawa  und  im  höheren  Theile  des  Böhmerwaldes  in  einem  Sumpfe 
an  dem  Teufelsee  bei  Eisenstein  gefunden  worden  ist.  Wir  sammelten 
die  Art  jedoch  auch  noch  in  dem  Filz,  das  im  Süden  den  kleinen 
Arbersee  begrenzt,  in  ziemlicher  Menge.  Sie  ist  auch  hier  wie  am 
grossen  Arbersee  mit  Carex  pauciflora  vergesellschaftet,  hier  gesellt 
sich  aber  noch  Calla  palustris  zu  ihnen. 

— filiformis  L.  Ein  neuer  Standort  dieser  für  den  Böhmerwald  sehr 
seltenen  Pflanze,  die  nur  aus  zwei  Filzen  bei  Fürstenhut  bekannt 
ist,  konnte  in  der  Filz-Au  südlich  von  Wallern  festgestellt  werden.  Sie 
wächst  hier  truppweise  in  Moorgräben. 

Senecio  subalpinus  Koch.  Am  Arber  bei  1000  m Höhe  am  Bodenmaiser 
Weg  auf  einer  sumpfigen  Wiese  mit  Homogyne  alpina  und  Meum 
Mutellina  ganz  vereinzelt. 


XI.  Eine  vorgeschichtliche  Niederlassung  auf  dem 
Pfaffenstein  in  der  Sächsischen  Schweiz. 

Yon  Dr.  J.  Deichmüller. 

(Mit  Tafel  II.) 


Kaum  ein  anderer  Landstrich  Sachsens,  das  Erzgebirge  ausgenommen, 
ist  so  arm  an  Ueberresten  aus  urgeschichtlicher  Zeit  wie  das  Elbsand- 
steingebirge. Bis  vor  Kurzem  waren  aus  diesem  Gebiet  weder  Gräber- 
felder noch  Wohnstätten  als  Beweise  einer  Besiedelung  desselben  in  der 
Vorzeit  bekannt  geworden;  nur  ganz  vereinzelte  Funde  von  Stein-  und 
Bronzegeräthen  im  Thal  der  Elbe  deuteten  darauf  bin,  dass  schon  damals 
der  Mensch  versuchte,  längs  des  Elbstroms  in  das  unwirthsame  Gebirge 
einzudringen.  Neuere  Funde  haben  jedoch  gezeigt,  dass  einzelne  der  zum 
Theil  schwer  zugänglichen  Felsen  schon  frühzeitig  dem  Menschen  als 
Wohnstätte  oder  vorübergehender  Zufluchtsort  gedient  haben,  wie  der  bei 
Königstein  an  der  Elbe  gelegene  Pfaffenstein. 

Bereits  in  den  siebenziger  Jahren  haben  Oberlehrer  Emil  Friede- 
mann und  Maler  Ernst  Fischer  zu  wiederholten  Malen  auf  einen  an- 
scheinend uralten  Wall  hingewiesen,  welcher  am  westlichen  Fusse  dieses 
Felsens  den  einzigen  bequemen  Zugang  zu  demselben  abschliesst*),  das 
Vorhandensein  urgeschichtlicher  Ansiedelungsreste  auf  dessen  Hochfläche 
selbst  aber  wurde  erst  zwanzig  Jahre  später  bekannt.  Im  Januar  1896 
veröffentlichte  H.  Engert  im  Organ  des  Gebirgsvereins  für  die  Sächsische 
Schweiz:  ,,Ueber  Berg  und  Thal“,  No.  215,  eine  kurze  Notiz,  nach  welcher 
der  Bergwirth  des  Pfaffensteins,  Herr  Keiler,  in  der  Nähe  seines  Gast- 
hauses beim  Roden  einer  kleinen  Waldfläche  Mahlsteine  und  irdene  Ge- 
fässe  gefunden  hatte;  letztere  sollten  nach  einer  Angabe  von  Otto  Ebert 
(a.  a.  0.  No.  217)  solchen  vom  „Lausitzer  Typus“  entsprechen.  Einige  mir 
inzwischen  zur  Begutachtung  vorgelegte  Gefässscherben  bewiesen  die 
Richtigkeit  dieser  Ansicht  und  veranlassten  mich,  im  September  1896 
während  eines  mehrtägigen  Aufenthaltes  auf  dem  Pfaffenstein  eine  Unter- 
suchung der  Fundstelle  vorzunehmen. 

Der  Quadersandsteinfelsen  des  Pfaffensteins  erhebt  sich  2 km  südlich 
Königstein  an  der  Elbe  bei  Pfaffendorf  mit  mehr  als  60  m hohen,  senk- 
rechten, wild  zerklüfteten  Wänden  über  das  umgebende  Gelände;  der 
südliche  höchste  Theil  erreicht  nach  der  topographischen  Karte  eine 
Meereshöhe  von  428,6  m.  An  der  Westseite  führt  in  einer  engen  Schlucht 


*)  Sitzungsber.  Isis  Dresden,  1876,  25;  1878,  25;  1882,  26. 


74 


ein  steiler  Anstieg  zur  Hochfläche  des  Felsens  empor,  welche  eine  un- 
regelmässig begrenzte,  von  NNW  nach  SSO  gestreckte  Ellipse  von  wenig 
mehr  als  650  m Längen-  und  gegen  300  m Breitenausdehnung  bildet. 
Die  zerklüftete,  durch  Erosion  und  Verwitterung  höckerig  gestaltete  Ober- 
fläche ist  mit  Heideibeergestrüpp  und  Nadelwald  bedeckt  und  nur  in  der 
Umgebung  des  Wirthschaftsgebäudes,  welches  nahe  der  Mitte  der  Hoch- 
fläche in  einer  Bodeneinsenkung  liegt,  für  Garten-  und  Feldanlagen  urbar 
gemacht.  Beim  Roden  einer  etwa  270  □ m grossen  Waldparzelle  nord- 
östlich von  dem  in  der  Nähe  des  Gasthauses  errichteten  Aussichtsthurm 
wurden  nun  im  Herbst  1895  die  erwähnten  Gefässreste  und  Mahlsteine 
entdeckt;  einzelne  Scherben  fand  ich  selbst  beim  sorgfältigen  Absuchen 
des  Feldes  noch  in  den  Ackerfurchen  verstreut.  Eine  Fortsetzung  der 
Rodung  durch  Herrn  Keiler  im  December  1897  führte  dann  zur  Entdeckung 
weiterer  Scherben  und  eines  Mahlsteins,  sowie  einer  Feuerstätte. 

Um  einen  Einblick  in  die  Bodenverhältnisse  an  der  Fundstelle  zu  er- 
langen, liess  ich  am  Rande  des  Feldes  auf  noch  unberührtem  Boden  eine 
Grube  ausheben,  in  welcher  nach  Abräumen  eines  etwa  15  cm  dicken 
Filzes  von  Heidelbeer-  und  Baumwurzeln  zunächst  eine  10  cm  mächtige 
graue,  lockere  Sandschicht  durchschnitten  wurde,  welche  ihre  Entstehung 
der  Zusammenwehung  und  Anschwemmung  der  Sandkörner  benachbarter 
verwitterter  Sandsteine  durch  Wind  und  atmosphärische  Niederschläge 
verdankt,  wie  die  überall  in  den  Vertiefungen  der  erodirten  Felsenober- 
fläche angesammelten  Sande.  Unter  dieser  Schicht  folgte  sandiger,  gelber, 
oft  grau  gefleckter,  ungeschichteter  Lehm,  welchem  an  der  oberen  Grenze 
bis  gegen  15  cm  Tiefe  vereinzelte  stumpfkantige  oder  gut  gerundete,  bis 
über  faustgrosse  Gerolle  regellos  vertheilt  eingelagert  sind.  Unter  diesen 
Gerollen,  deren  mikroskopische  Untersuchung  ich  Herrn  Dr.  W.  Bergt 
verdanke,  wiegt  feinkörniger,  weisser,  gelblicher  und  röthlicher,  zum  Theil 
mit  Muscovitblättchen  gemengter  Quarzfels  vor,  dazu  gesellen  sich  Quarz, 
Hornstein,  quarzitischer  Sandstein,  weiss  geaderter  Kieselschiefer-ähnlicher, 
durch  Kohle  schwarz  gefärbter  Quarzit,  Quadersandstein,  mikrogranitischer, 
krystallarm'er  und  glimmerhaltiger  Quarzporphyr,  Felsitporphyr  und  Feld- 
spathbasalt,  selten  ein  faustgrosses  Feuersteinbruchstück.  Die  dem  Lehm 
beigemengten,  gerundeten,  rosafarbigen  Quarzkörnchen  verrathen  deutlich 
ihren  Ursprung  aus  dem  Sandsteingebiet  der  Nachbarschaft,  wie  auch 
manche  der  oft  scharf  begrenzten  grauen  Flecke  in  den  tieferen  Lehm- 
schichten durch  verwitterte,  vollständig  gelockerte  Quadersandsteingerölle 
hervorgerufen  werden.  Die  Ausdehnung  dieser  Lehmablagerung,  deren 
untere  Grenze  bei  1,6  m Tiefe  in  der  Grube  noch  nicht  erreicht  wurde, 
lässt  sich  nach  dem  in  der  Umgebung  überall  zu  Tage  austretenden  Sand- 
stein des  Untergrunds  auf  etwa  2000  □ m schätzen. 

Eine  zweite  derartige  Lehmeinlagerung  im  Quadersandstein  von  circa 
1000  □ m Flächeninhalt  befindet  sich  südlich  jener,  durch  anstehenden 
Sandstein  davon  getrennt,  an  der  Stelle,  wo  jetzt  das  Gasthaus  erbaut 
ist,  dessen  Südseite  gegenüber  unter  einem  20  cm  dicken  Wurzelgeflecht 
15  cm  grauer,  lockerer  Sand,  darunter  45  cm  sandiger,  gelber  Lehm  auf- 
geschlossen ist. 

Diese  Lehmlager  sind  offenbar  isolirte  Reste  altdiluvialer  Schichten, 
welche  in  Vertiefungen  der  erodirten  Oberfläche  des  Felsens  zurückgeblieben 
sind. 


75 


Auf  diese  Ablagerungen  sind  nun  auch  die  auf  dem  Pfaffenstein  ent- 
deckten Reste  einer  urgeschichtlichen  Cultur  beschränkt.  Auf  der  nörd- 
lichen Fundstelle  am  Aussichtsthurm  wurden  sie  beim  Umwenden  der 
oberen  Erdschichten  auf  der  ganzen  urbar  gemachten  Fläche  verstreut 
gefunden;  sie  entstammen,  wie  die  in  der  Versuchsgrube  am  Feldrande 
gesammelten  Gefässscherben  und  Holzkohlen  zeigen,  der  obersten  Schicht 
des  Lehmlagers,  in  welcher  sie  zerstreut  eingelagert  sind,  während  die 
überdeckende  Sandschicht  keine  Artefacte  enthält.  Letztere  ist  hiernach 
erst  in  späterer  Zeit,  als  der  Platz  von  seinen  Bewohnern  bereits  wieder 
verlassen  war,  durch  Regen  und  Wind  darüber  geschwemmt  und  geweht 
worden,  und  hat  so  die  Spuren  einer  mehrtausendjährigen  Vergangenheit 
bis  jetzt  vor  der  Vernichtung  und  Zerstörung  durch  Menschenhand  und 
atmosphärische  Einflüsse  unversehrt  bewahrt.  Auch  im  Bereich  der  zweiten 
Lehmablagerung  am  Gasthaus  sind  nach  mündlichen  Mittheilungen  des 
Herrn  Keiler  beim  Bau  des  Hauses  von  den  Arbeitern  Gefässreste  ge- 
funden, aber  vernichtet  worden,  eine  Angabe,  die  bestätigt  wird  durch 
Auffindung  von  Scherben  und  Mahlsteinen  auf  dem  Kartoffelfelde,  welches 
auf  dem  nach  dem  Aussichtsthurm  hin  ansteigenden  Hange  dicht  neben 
dem  Gasthaus  angelegt  ist.  Stark  verwitterte  Gefässscherben  liegen  hier 
nicht  selten  an  der  Erdoberfläche. 

Die  Hinterlassenschaft  der  vorgeschichtlichen  Bewohner  des  Pfaffen- 
steins besteht  nun,  wie  schon  erwähnt,  in  zahlreichen  Scherben  irdener 
Gefässe,  in  Mahl-  und  Reibsteinen  und  in  einer  Feuerstätte;  Metallgegen- 
stände sind  nicht  aufgefunden  worden.  Die  meisten  der  gesammelten 
Reste  befinden  sich  noch  auf  dem  Pfaffenstein,  wo  sie  Herr  Keiler  in 
seiner  Gastwirthschaft  ausgestellt  hat,  ein  kleiner  Theil  ist  in  den  Besitz 
der  Königl.  prähistorischen  Sammlung  in  Dresden  übergegangen,  zwei 
Mahlsteine  besitzt  Herr  H.  Engert  in  Dresden. 

Die  Gefässtrümmer  sind  zumeist  vereinzelte  Bruchstücke  ohne  Zu- 
sammenhang, die  nach  Aussehen  und  Material  von  einer  grösseren  Zahl 
von  Gefässen  herrühren.  Nur  wenige  Scherben  konnten  zu  grösseren 
Stücken  vereinigt  werden;  fast  vollständig  reconstruiren  Hessen  sich  nur 
zwei  Gefässe:  ein  doppeltgehenkelter  Topf  und  ein  Napf  mit  niedrigem 
Fuss.  Ersterer  stand  nach  Angabe  des  Herrn  Keiler,  welcher  den  Fund 
eigenhändig  dem  Boden  entnahm,  in  geringer  Tiefe  aufrecht  im  Lehm  und 
war  in  viele  Stücke  zerbrochen.  Der  durch  Austrocknen  hart  gewordene 
Lehmkern  war,  als  mir  der  Fund  vorgelegt  wurde,  noch  fast  unversehrt 
und  gab  die  ursprüngliche  Form  des  Gefässes  recht  gut  wieder,  sodass  ein 
Zusammensetzen  der  Bruchstücke  mit  Hülfe  der  dem  Lehmkern  noch  an- 
haftenden Theile  ohne  grosse  Schwierigkeit  möglich  war.  Das  Gefäss 
(Fig.  6)  ist  ein  19  % cm  hoher  Topf  von  eiförmig  bauchiger  Gestalt,  mit 
niedrigem,  eingeschnürtem  Hals,  der  sich  nach  oben  nur  mässig  erweitert; 
die  beiden  Henkel  sind  abgebrochen  und  nur  durch  die  Ansatzstellen  an- 
gedeutet; die  Oberfläche  des  gelbgrauen  Topfes  ist  glatt.  Bruchstücke 
ähnlicher,  auch  aussen  gerauhter  Gefässe  sind  noch  mehrfach  vorhanden. 
Der  Inhalt  bestand  nur  aus  dem  sandigen  Lehm  der  Fundstelle,  ohne 
jede  Spur  von  Knochenbeimengung.  Das  zweite  Gefäss  ist  ein  14  cm 
hoher,  doppelconischer  Napf  mit  wagrecht  umgelegtem  Rand  (Fig.  4), 
welcher  auf  einem  niedrigen  Fuss  aufgesetzt  ist;  Fuss  und  mittlerer  Theil 
des  Gefässes  sind  mit  je  drei  Horizontalfurchen  verziert.  Von  einem 
grösseren  weitbauchigen  Napf  mit  niedrigem,  senkrechtem  Hals  (Fig.  1) 


76 


ist  die  obere  Hälfte  erhalten,  ebenso  von  einem  ähnlichen,  an  dessen 
hohem,  nach  der  Mündung  conisch  verengtem  Hals  zwei  kleine  Henkel 
angesetzt  sind  (Fig.  2).  Von  derartigen  Näpfen  befinden  sich  noch 
mehrere  Bruchstücke  in  dem  gesammelten  Scherbenvorrath.  Weiter  sind 
vertreten  Fragmente  grösserer  doppelconischer  Näpfe,  welche  an  dem  bis- 
weilen kielartig  vorstehenden  grössten  Umfange  durch  senkrechte  oder 
schräge  Einschnitte  (Fig.  10)  oder  durch  Fingereindrücke  kettenartig  ge- 
kerbt und  zum  Theil  auf  der  Unterseite  gerauht  sind.  Die  Aussenseite 
einer  kegelförmigen  Tasse  mit  leicht  gewölbter  Wandung  (Fig.  3)  ist  dicht 
mit  radial  gestellten,  scharf  eingeschnittenen  Furchen  bedeckt.  Von 
Schüsseln  sind  niedrige,  oben  mehr  oder  weniger  nach  aussen  umgebogene 
Handstücke  vorhanden,  die  in  das  flache,  mit  Strichen  verzierte  Untertheil 
kantig  oder  gerundet  übergehen  (Fig.  11,  12);  auf  kleinere  Schalen  weisen 
Handstücke  hin,  die  eine  Reihe  flacher,  durch  Fingereindrücke  hervor- 
gerufener Gruben  tragen  (Fig.  7)  oder  durch  scharfe  Einschnitte  gekerbt 
sind  (Fig.  8).  Auch  Theile  von  Buckelgefässen  sind  erhalten,  sowohl 
solche  der  gewöhnlichen  Form,  bei  denen  der  Buckel  durch  einen  elliptischen 
Hof  vom  Gefässbauch  scharf  abgesetzt  ist,  als  auch  solche,  bei  welchen 
der  Buckel  nur  als  flacher  Höcker  ohne  Umrandung  aus  der  Gefäss- 
wandung  hervortritt  (Fig.  9).  Als  Seltenheit  ist  das  kleine  Bruchstück 
eines  Siebgefässes  (Fig.  5)  zu  erwähnen.  Ausserdem  sind  noch  Reste 
zahlreicher  anderer  Gefässe  vorhanden,  deren  Formen  aber  sich  aus  der 
geringen  Grösse  der  Scherben  nicht  bestimmen  lassen.  Die  meisten 
weisen  auf  solche  von  mässiger  Wandungsstärke  hin,  doch  fehlen  auch 
dickwandige,  mehr  als  centimeterstarke  nicht.  Das  Material  ist  grobsandig, 
oft  mit  gröberen  Quarzkörnern  gemengt,  die  Farbe  meist  lichtbraun  bis 
gelblich,  auch  ziegelroth. 

Mit  den  Gefässen  zusammen  sind  zehn  Mahlsteine  und  ein  Klopf-  oder 
Heibstein  gefunden  worden;  drei  der  ersteren  stammen  von  dem  Kartoffel- 
felde am  Gasthaus,  der  Rest  von  der  Fundstelle  am  Aussichtsthurm.  Die 
Mahlsteine  haben  dickplattige  Form,  sind  mehr  oder  weniger  viereckig, 
durch  den  Gebrauch  einseitig  eben  oder  concav  abgeschliffen,  auf  der 
Unterseite  zum  Theil  roh  behauen  und  gerundet.  Ihre  Länge  schwankt 
zwischen  26  und  40  cm,  die  Breite  von  171/2 — 25  cm  bei  einer  Dicke 
von  5 — 10  cm.  Als  Material  zu  drei  derselben  ist  ein  fester  Quarz- 
sandstein, zu  sieben  ein  braunrother  Quarzporphyr  verwendet  — Gesteine, 
welche  in  der  nächsten  Umgebung  des  Pfaffen steins  anstehend  oder  in 
grossen  Geschieben  nicht  gefunden  werden,  und  aus  weiterer  Entfernung 
nach  der  jetzigen  Fundstelle  gebracht  worden  sein  müssen.  Durch  eine  von 
Dr.  W.  Bergt  ausgeführte  mikroskopische  Untersuchung  des  Quarzporphyrs 
hat  sich  nicht  feststellen  lassen,  ob  derselbe,  wie  man  vermuthen  könnte, 
aus  dem  grossen  Altenberg-Zinnwalder  Quarzporphyrgebiet  herstammt. 

Als  Klopf-  oder  Reibsteine  dienten  bis  faustgrosse  Quarzitgerölle, 
welche  neben  den  ursprünglichen  glatten,  gerundeten  Geschiebeflächen 
auch  rauhe,  ebene,  durch  den  Gebrauch  beim  Zerkleinern  der  Körner- 
früchte entstandene  Abnutzungsflächen  aufweisen. 

Die  auf  Seite  74  erwähnte  Feuerstelle  wurde  dicht  neben  der  im 
September  1896  ausgehobenen  Grube  aufgefunden,  war  muldenförmig  in 
den  Lehm  eingeschnitten  und  mit  Erde  und  Holzkohlen  angefüllt.  Der 
Lehm  der  Grubenwandung  hatte  durch  Einwirkung  des  Feuers  ziegelrothe 
Färbung  angenommen.  — 


77 


Jlhhand/  d.  Js/s  //?  Dresden J ISdZ  Ta.  f.  IT. 


78 


Die  hier  aufgefiilirten  Reste  menschlicher  Cultur  gehören  unzweifel- 
haft der  vorgeschichlichen  Zeit  an,  wie  ein  Vergleich  mit  ähnlichen  von 
anderen  Fundorten  lehrt.  In  Form,  Material  und  Herstellungsweise 
stimmen  die  Gefässe  vollkommen  mit  denjenigen  überein,  die  als  charakte- 
ristisch für  die  älteren  Gräberfelder  des  Lausitzer  Typus  angesehen  werden 
und  die  sich  allerorts  finden,  soweit  dieser  Typus  in  Sachsen  und  in  den 
Nachbargebieten  verbreitet  ist:  doppelconische  Näpfe,  eiförmige  Töpfe  mit 
ausladendem  Rand,  kegelförmige  Tassen,  flache  Schalen  und  vor  Allem 
Buckelgefässe.  Es  unterliegt  keinem  Zweifel,  dass  die  Pfaffensteinfunde 
aus  derselben  Periode  herrühren,  wie  die  im  nördlichen  Flachlande 
Sachsens,  in  der  Elbniederung  thalabwärts  Pirna  und  in  einem  Theil  der 
Lausitz  so  häufigen  älteren  Urnenfeldern,  aber  es  ist  ausgeschlossen,  dass 
sich  ein  derartiges  Gräberfeld  auch  auf  dem  Pfaffenstein  befunden  hat. 
Dagegen  spricht  nicht  allein  die  Beschaffenheit  der  Fundstücke:  das  Fehlen 
vollständiger  Gefässe  und  calcinirter  Menschenknochen,  sondern  auch  die 
Lagerungsweise  derselben  in  der  dünnen  Culturschicht,  welche  eine  in 
späterer  Zeit  durch  äussere  Einflüsse  bewirkte  Verstreuung  und  Ver- 
schleppung ursprünglich  zusammenhängender  Gefässtheile  ausschliesst. 
Es  rühren  die  Scherben  offenbar  her  von  beim  Gebrauch  zertrümmerten 
Gefässen,  deren  Bruchstücke  weggeworfen  und  so  zufällig  über  die  Fund- 
stellen verstreut  wurden.  Berücksichtigt  man  ferner  die  für  die  geringe 
Ausdehnung  der  Fundplätze  verhältnissmässig  grosse  Zahl  der  zum  häus- 
lichen Gebrauch  bestimmten  Handmühlen,  das  häufige  Vorkommen  von 
Holzkohlen  in  der  Culturschicht  und  die  Ueberreste  alter  Feuerstätten,  so 
kann  man  kaum  anders  schliessen,  als  dass  die  vorliegenden  Reste  aus  einer 
Ansiedelung  stammen  müssen,  welche  auf  der  Höhe  des  Pfaffensteins 
zu  derselben  Zeit  bestand,  in  welcher  in  den  Niederungen  und  im  Flach- 
lande Sachsens  die  älteren  Gräberfelder  vom  Lausitzer  Typus  angelegt 
wurden,  das  ist  etwa  in  der  Mitte  des  letzten  vorchristlichen  Jahrtausends, 
und  dass  der  durch  seine  isolirte  Lage  und  seine  schroffen  Felswände 
von  Natur  aus  reichlich  Schutz  gewährende  Pfaffensteinfelsen  einer  gleichen 
Bevölkerung,  wie  diejenige  war,  deren  spärliche  Ueberreste  in  jenen  Gräber- 
feldern erhalten  sind,  zeitweise  als  sicherer  Zufluchtsort  gedient  hat. 

Durch  die  Angaben  von  Friedemann  und  Fischer,  nach  welchen  sich 
auf  der  Höhe  des  Pfaffensteins  ein  alter  Opferaltar  mit  Spuren  der  Be- 
arbeitung durch  Menschenhand  befinden  soll,  könnte  man  veranlasst 
werden,  den  Felsen  als  eine  Cultusstätte  aus  heidnischer  Vorzeit  aufzu- 
fassen. Eine  Betrachtung  des  am  westlichen  Rande  der  Hochfläche  ge- 
legenen, im  Volksmunde  als  Opferstein,  Druiden-  oder  Teufelssitz  be- 
zeichneten  Sandsteinblocks  zeigt  aber,  dass  dieser  seine  eigenthümliche 
Gestalt  nicht  der  Arbeit  der  Menschenhand,  sondern  nur  der  durch 
atmosphärische  Einflüsse  bewirkten  Verwitterung  des  ungleich  harten 
Gesteins  verdankt,  wie  nicht  seltene,  ähnlich  geformte  Blöcke  im  Ver- 
breitungsgebiet des  Quadersandsteins.  Eine  Bezeichnung  desselben  als 
„Opferstein“  seiner  Form  wegen  ist  ebenso  unberechtigt,  wie  die  der 
dicht  dabei  befindlichen  kesselförmigen  Vertiefungen  in  der  Felsenober- 
fläche als  „Opferkessel“.  Letztere  sind  wohl  ebenfalls  nur  Folgen  der 
Verwitterung  des  Sandsteins,  wenn  sie  nicht,  wie  besonders  der  soge- 
nannte grosse  „Opferkessel“,  als  alte  Strudellöcher  aufzufassen  sind. 

Ueber  das  Alter  und  die  Bestimmung  des  am  westlichen  Fusse  des 
Felsens  gelegenen  Walles,  wie  über  dessen  Zusammenhang  mit  der  An- 


79 


siedelung  auf  der  Hochfläche  lassen  sich  nur  Vermuthungen  aussprechen. 
Der  aus  Sand  und  grösseren  Sandsteinstücken  errichtete  Wall  schliesst 
den  zur  Höhe  führenden  und  noch  in  der  Jetztzeit  vorwiegend  benutzten 
Zugang  zum  Pfaffenstein  bogenförmig  ab  und  lehnt  sich  mit  seinen 
Flanken  an  die  den  Fuss  des  Berges  umgebende  Trümmerhalde;  seine 
Länge  beträgt  nach  Fischer  50 — 60  Schritt,  seine  Höhe  an  der  Stelle, 
wo  er  vom  Zugangsweg  durchschnitten  wird,  fast  1 1/2  m.  Von  einer 
nach  Friedemann  früher  vorhandenen  Bedeckung  mit  Geschieben  aus  dem 
Bielafluss  ist  jetzt  nichts  mehr  zu  sehen.  Letzterer  berichtet  auch  über 
die  Auffindung  zahlreicher  Urnenscherben  und  einer  fast  1/2  m mächtigen 
Kohlenschicht  am  Wall  selbst,  doch  konnte  mir  Herr  Friedemann  keine 
Auskunft  über  den  Verbleib  dieser  Funde  geben.  Weitere  Nachforsch- 
ungen verbietet  zur  Zeit  der  niedere  Waldbestand,  welcher  den  Wall 
und  seine  Umgebung  bedeckt.  Lage  und  Form  des  Walles  machen  es 
allerdings  wahrscheinlich,  dass  derselbe  von  den  vorgeschichtlichen  Be- 
wohnern des  Pfaffensteins  zum  Schutze  ihres  Zufluchtsortes  errichtet 
worden  ist.  Eine  ähnliche  Anlage  ist  vor  Kurzem  durch  E.  Wilisch*) 
vom  Sandsteinfelsen  des  Oybin  bei  Zittau  beschrieben  worden,  auf  dessen 
Höhe  sich  ebenfalls  Spuren  einer  vorgeschichtlichen  Niederlassung  gefunden 
haben,  welche  durch  Wälle  am  Fusse  des  Felsens  gedeckt  wird.  Eine 
sorgfältige  Beobachtung  anderer  Felshochflächen  im  Quadersandstein- 
gebirge würde  vielleicht  die  Zahl  der  Beweise  für  eine  Besiedelung  dieses 
Gebietes  in  vorgeschichtlicher  Zeit  noch  vermehren. 


*)  E.  Wilisch:  Zur  Vorgeschichte  des  Oybin.  Zittau  1897.  8°.  2 Tat. 


XII.  Ueber  einen  oligocänen  Sandsteingang  an 
der  Lausitzer  Ueberscliiebung  bei  Weinböhla  in  Sachsen. 

Von  Prof.  Dr.  Ernst  Kalkowsky. 

(Mit  Tafel  III.) 

i-'v  ^ * 

Gänge  von  Gesteinen,  die  gewöhnlich  nur  als  sedimentäre  Massen  in 
Form  von  Schichten  auftreten,  sind  als  seltene  und  untergeordnete 
Gebirgsglieder  schon  lange  bekannt;  meist  aber  hat  man  sich  gescheut, 
diese  Gebilde  geradezu  Gänge  zu  nennen.  Man  hat  sie  vielmehr  in  ver- 
schiedenster Weise  als  Gesteinskämme,  als  Rücken,  als  Klüfte  und  Spalten 
schlechtweg,  als  Kluftausfüllungen,  als  gangähnliche  Gebilde  bezeichnet. 
Noch  neuerdings  schlug  A.  P.  Pawlow  in  seiner  Abhandlung:  On  dikes  of 
oligocene  sandstone  in  the  neocomian  clays  of  the  district  of  Alatyr,  in 
Russia,  im  Geol.  Magazine  Dec.  IV,  Vol.  III,  p.  49,  1896  vor,  in  einem 
solchen  Falle  von  ,,neptunischen  Gängen“  zu  sprechen.  So  wenig  wir 
aber  in  der  Benennung  der  Lagerungsform  einen  Unterschied  machen 
zwischen  Gängen,  bei  denen  die  Klufterfüllung  wesentlich  durch  chemische 
Processe  zu  Stande  gekommen  ist,  und  denjenigen,  bei  denen  Eruptiv- 
gestein in  eine  Kluft  eingedrungen  ist,  so  wenig  liegt  doch  wohl  auch 
Veranlassung  vor,  eine  plattenförmige  Masse  von  klastischem  Gestein  in 
durchgreifender  Lagerung  anders  denn  als  Gang  zu  bezeichnen.  Dem- 
gemäss haben  denn  auch  J.  S.  Diller  in  seiner  die  in  Frage  stehenden 
Erscheinungen  in  etwas  umfassenderWeise  berücksichtigenden  Abhandlung: 
Sandstone  dikes  im  Bull,  of  the  geol.  Soc.  of  America,  Vol.  I,  p.  411,  1890 
und  W.  Cross  in  seiner  Arbeit:  Intrusive  sandstone  dikes  in  granite,  ebenda 
Vol.  V,  p.  225,  1894,  und  schliesslich  doch  auch  Pawlow  einfach  von 
Gängen  gesprochen.  Diese  Gelehrten  haben  ferner  unzweifelhaft  das 
Richtige  getroffen,  indem  sie  die  betreffenden  Ganggesteine,  deren  Haupt- 
gemengtheil allothigene  Quarzkörner  sind,  ohne  Umschweife  Sandstein 
nannten;  nur  in  gezwungener  Weise  könnte  man  in  einem  oder  dem 
anderen  solcher  Fälle  unter  Betonung  der  genetischen  Verhältnisse  eine 
besondere  Benennung  zu  rechtfertigen  versuchen. 

Wenn  in  Nordamerika  im  nördlichen  Californien  und  am  Pikes  Peak 
in  Colorado  zahlreiche  und  zum  Theil  mächtige  und  weithin  verfolgbare 
Sandsteingänge  auftreten,  so  dürfte  doch  auch  der  vereinzelte  Sand- 
steingang bei  Weinböhla  in  Sachsen  Beachtung  verdienen , weil  er 
unter  besonderen  tectonischen  Verhältnissen  auftritt,  und  weil  über  sein 
Alter,  seine  Entstehung  und  seine  Geschichte  genaue  Erkenntniss  möglich 
ist.  Und  an  und  für  sich  ist  doch  ein  Sfindsteingang  ein  immerhin  seltenes 
geologisches  Phänomen. 


81 


Bei  Weinböhla  im  Elbthale,  östlich  von  Meissen  und  nordwestlich 
von  Dresden  ist  seit  langer  Zeit  eine  kleine,  von  der  Vernichtung  durch 
Erosion  wegen  besonderer  Lagerungsverhältnisse  bewahrt  gebliebene  Scholle 
von  dem  der  Stufe  des  Inoceramus  Brongniarti  ungehörigen  Pläner  kalk 
abgebaut  worden.  Sie  wurde  zuletzt  bei  der  Bearbeitung  der  Section 
Kötzschenbroda  der  geologischen  Specialkarte  des  Königreichs  Sachsen 
von  Th.  Siegert  untersucht,  der  die  Aufnahme  der  Section  im  Frühjahr  1890 
abschloss.  Als  später  der  Abbau  des  Kalkes  weiter  nach  Südosten  vor- 
rückte, stiess  man  auf  eine  dünne,  vertikale  Sandstein-, , Mauer“ ; eine 
Notiz  in  einer  Dresdner  Zeitung  hat  leider  keine  Beachtung  gefunden, 
wohl  weil  die  ganze  Erzählung  zu  phantastisch  erschien.  Mancherlei 
Beobachtungen  sind  allerdings  damit  versäumt  worden.  Als  ich  nach 
meiner  Berufung  nach  Dresden  die  Brüche  bei  Weipböhla  im  Frühling  1895 
zum  ersten  Male  besuchte,  erkannte  ich  die  wahre  Bedeutung  des  Bestes 
der  vermeintlichen  Mauer,  zeichnete  Skizzen,  nahm  Photographien  auf  und 
untersuchte  das  Gestein.  Ich  zögerte  aber  mit  einer  Veröffentlichung, 
weil  der  Werkführer  des  Bruches  einen  weiteren  Abbau  gerade  an  der 
Stelle  des  anstehenden  Sandsteinganges  in  Aussicht  stellte.  Der  Aufschluss 
ist  aber  nicht  besser  geworden,  vielmehr  jetzt  schon  fast  ganz  überrollt, 
und  in  diesem  Herbste  ist  wohl  der  ganze  Abbau  des  Weinböhlaer  Kalkes 
zum  Erliegen  gekommen;  in  Zukunft  ist  weder  der  petrefactenreiche  Pläner- 
kalk noch  der  Rest  des  Sandsteinganges  mehr  zugänglich;  sie  sind  beide 
abgebaut,  und  die  Brüche  werden  eingeebnet. 

Die  ehemaligen  Plänerkalkbrüche  von  Weinböhla  sind  ausser  durch 
ihren  Reichthum  an  Petrefacten  für  die  Geologie  Sachsens  auch  noch  da- 
durch wichtig,  dass  in  ihnen  der  grösste  Aufschluss  für  die  grosse  Lausitzer 
Ueber Schiebung  vorhanden  war.  In  den  Erläuterungen  zur  Section 
Kötzschenbroda  sind  die  Profile,  die  durch  den  Abbau  des  Pläners  bloss- 
gelegt wurden,  abgebildet  und  beschrieben  worden:  die  ganz  flach  in  NO 
einfallenden  Plänerschichten  sind  an  der  Ueberschiebung  durch  den  Syenit 
in  gleichmässiger  Krümmung  bis  zur  Ueberkippung  aufgerichtet  worden. 
An  der  jüngsten  Abbaustelle  zeigte  sich  zu  unterst  Plänerkalk,  darüber 
Pläner mergel  3 m mächtig,  dann  Syenitgrus  1 m mächtig  und  zu  oberst 
eine  gegen  das  Elbthal  bis  zu  einer  Mächtigkeit  von  9 m zunehmende 
Ablagerung  von  diluvialem  Haidesand.  In  diesem  Profile  ist  besonders 
wichtig,  dass  der  Plänerkalk  nochmals  deutlich  von  Mergel  überlagert 
wird,  worüber  ältere  Angaben  nicht  berichten  konnten.  Es  zeigt  sich, 
dass  bei  Weinböhla  in  ganz  derselben  Weise  wie  bei  Dresden-Strehlen  der 
Kalkstein  mit  Inoceramus  Brongniarti  von  Plänermergel  unter-  und  über- 
lagert wird. 

Dieses  System  von  Plänermergel  und  Plänerkalkstein  wird  nun  durchs 
setzt  von  dem  Sandsteingang,  der  noch  auf  eine  Länge  von  ca.  12  m 
und  eine  Höhe  von  6 m im  Anstehenden  untersucht  werden  konnte. 
Der  Gang  ist  nach  glaubwürdiger  Aussage  des  Werkführers  durch  die 
ganze  Breite  des  Bruches  auf  eine  Strecke  von  ca.  50  m hindurchgegangen; 
zahlreiche  Blöcke  des  Ganggesteins  konnten  noch  als  Fundamente  für  die 
Rohre  und  Gerüste  zur  Wasserbewältigung  im  Bruche  und  in  der  Nähe  der 
Werkführerwohnung  beobachtet  werden,  da  man  den  Sandstein  als  einziges 
nicht  zerfrierendes  Gestein  des  Bruches  fürsorglich  ausgebeutet  hatte. 

Der  Sandsteingang  hat  in  einzelnen  solcher  abgebauten  Blöcke  eine 
Mächtigkeit  von  33  cm  und  mehr;  in  seinem  anstehenden  Rest  betrug  die 


82 


Mächtigkeit  40—44  cm.  Die  Seitenflächen  sind  nicht  ganz  aber  doch  im 
Allgemeinen  eben.  Der  Gang  streicht  in  seinen  später  zu  erwähnenden 
Theilen  N 60—65  0 0 geogr.  Mer.  und  fällt  mit  86  0 in  N;  in  seinem  noch 
zu  beobachtenden  Rest  steht  er  also  annähernd  saiger  und  streicht 
ungefähr  senkrecht  gegen  die  allgemeine  Richtung  der  Lausitzer  Ueber- 
schiebung  an  dieser  Stelle. 

Quer  durch  den  Bruch  hat  der  Gang  Kalkstein  und  den  darunter- 
liegenden Mergel,  vielleicht  auch  den  darüberliegenden  Mergel,  falls  dieser 
dort  vorhanden  war,  durchsetzt,  doch  war  der  Gang  zur  Zeit  meines 
ersten  Besuches  in  der  Sohle  des  Bruches  infolge  Ueberschüttung  durch 
Abraum  bereits  nicht  mehr  zu  sehen;  im  Anstehenden  an  der  östlichen 
Wand  des  Bruches  durchsetzte  er  ebenfalls  den  Kalkstein  und  den  unteren 
durch  Aufrichtung  und  Ueberkippung  hinter  dem  Kalkstein  emportauchen- 
den Mergel.  Diese  Gesteine  sind  aber  an  der  erwähnten  Wand,  wo  sie 
dicht  vor  der  hier  leider  doch  nicht  mehr  aufgeschlossenen  Ueberschiebungs- 
fläche  liegen,  vielfach  von  Klüften  durchsetzt  und  zum  Theil  ganz  zermalmt. 
So  ist  es  zunächst  nicht  weiter  auffällig,  dass  das  linke  und  das  rechte 
Nebengestein  des  Ganges  in  Bezug  auf  Kalkgehalt  und  Spaltbarkeit  meist 
nicht  ganz  übereinstimmen.  Von  dem  Nebengestein  ist  der  Gang  durch 
einen  schwachen  Lettenbesteg  getrennt. 

Das  Gestein  des  Ganges  ist  ein  hellgrauer,  kalkiger  Sandstein; 
seine  allothigenen  Quarzkörner  sind  durch  Kalkspath  zu  einem  sehr 
festen  und  zähen  Gestein  verkittet.  Die  allothigenen  Quarzkörner  sind 
farblos,  ohne  äusseres  oder  eingelagertes  Pigment.  Sie  haben  die  Form 
kantiger  Bruchstücke  mit  geringer  Rundung  an  manchen  Stellen;  selten 
sind  gut  abgerollte  Körner.  Ihre  durchschnittliche  Grösse  ist  0,2  bis  0,3  mm; 
die  meisten  haben  annähernd  dieselbe  Grösse,  einige  wenige  sind  auch 
etwas  grösser.  Zerkleinert  man  das  Gestein  gröblich,  und  entfernt  man  den 
Kalkspath  durch  Salzsäure,  so  findet  man  auch  noch  viel  kleinere  Quarz- 
bröckchen  hinab  bis  zu  den  winzigsten  Splitterchen,  die  im  Wasser  unter  dem 
Mikroskop  nicht  zur  Ruhe  kommen.  Die  Menge  dieses  Quarzstaubes  liess 
sich  quantitativ  aus  im  Folgenden  zu  erwähnenden  Gründen  nicht  bestimmen; 
sie  ist  aber  jedenfalls  sehr  gering  im  Verhältniss  zu  d$n  gleichinässig 
grösseren  Quarzkörnchen.  In  dem  ausgeschlämmten  feinen  Staube  konnten 
durchaus  nur  Bruchstückchen  von  Quarz  und  recht  wenig  Partikelchen  von 
„Thon“  zu  nennender  Substanz  gefunden  werden:  authigene  Elemente,  Neu- 
bildungen, waren  nicht  aufzufinden.  Auch  wenn  Dünnschliffe  mit  ganz  ver- 
dünnter Salzsäure  langsam  entkalkt  werden,  sind  in  dem  wieder  mit  Canada- 
balsam-Lösung  vorsichtig  bedeckten  Präparate  authigene  Gemengtheile  (ab- 
gesehen von  dem  alsbald  zu  erwähnenden  Eisenkies)  nicht  zu  beobachten. 

Die  Quarzkörner  enthalten  bald  kleinere,  bald  grössere  Flüssigkeits- 
einschlüsse, vereinzelt  auch  die  für  manche  Granitquarze  charakteristischen 
opaken  Nüdelchen.  Die  meisten  Körner  bestehen  aus  einem  Individuum, 
selten  sind  feinkörnige  Aggregate  als  allothigene  Körner.  Undulöse  Aus- 
löschung ist  in  den  Quarzen  recht  häufig. 

Nur  ganz  vereinzelt  waren  braune  Blättchen  von  Biotit  und  Blättchen 
von  gestauchtem,  ganz  zersetztem  Glimmer  und  Körner  von  anderen  allo- 
thigenen Gemengtheilen  unter  dem  Mikroskop  zu  finden.  Feldspath  fehlt 
durchaus;  dagegen  sind  noch  ganz  vereinzelte  „Viridit“-Körnchen  zu  er- 
wähnen, die  Glaukonit  sein  könnten;  es  waren  ihrer  aber  nur  eines  in  je 
zwei  Dünnschliffen  zu  finden. 


83 


Diese  allothigenen  Quarzkörner  sind  nun  wesentlich  durch. Kalk- 
spath  cementirt.  Der  Kalkspath  tritt  in  Körnern,  meist  ohne  Zwillings- 
streifung, auf;  nicht  selten  lässt  sich  ein  Kalkspathindividuum  zwischen 
mehreren  Quarzkörnern  hindurch  verfolgen;  im  Schliff  liegen  wohl  auch 
bisweilen  Quarzkörner  ganz  isolirt  im  Kalkspath  und  anscheinend  ganz 
von  ihm  umschlossen.  Doch  steckt  der  Kalkspath  auch  auf  engsten  Fugen 
zwischen  den  Quarzkörnern.  Fast  überall  enthält  der  Kalkspath  den  vor- 
hin erwähnten  allerfeinsten  Quarzstaub  in  ungleichmässiger  Vertheilung 
als  Einschluss,  so  dass  er  dadurch  ganz  trübe  erscheint. 

Die  chemische  Analyse  ergab  an  vier  Proben  einen  durchschnittlichen 
Gehalt  des  Sandsteins  von  30  Procent  kohlensauren  Kalkes ; von  Magnesia 
wurde  in  dem  Carbonat  auch  nicht  eine  Spur  gefunden.  Es  ist  kein  merk- 
barer oder  sicherer  Unterschied  im  Gehalt  an  Kalkspath  zwischen  mittleren 
und  seitlichen  Partien  des  Sandsteinganges  vorhanden.  Der  Gehalt  an 
Kalkspath  ist  nur  in  dem  Gestein  nicht  ganz  gleichmässig  verth eilt,  wie 
das  auch  die  mikroskopische  Analyse  erkennen  lässt.  An  manchen  Stellen 
fehlt  der  Kalkspath  gänzlich,  die  Gesteinsmasse  ist  dann  porös;  solche 
Stellen  haben  auffälliger  Weise  immer  die  Form  von  etwa  1 cm  langen 
und  1 — 2 mm  dicken  Stäbchen,  die  auf  den  Flächen  derjenigen  Blöcke, 
die  schon  einige  Jahre  den  Atmosphärilien  ausgesetzt  waren,  als  durch 
Staub  und  Buss  dunkel  gewordene  Streifchen  zu  erkennen  sind.  Ursprung 
und  Bedeutung  dieser  durchaus  nicht  überall  in  den  Blöcken  vorhandenen 
Gebilde  kann  ich  nicht  erklären. 

Kocht  man  Scherbchen  des  Sandsteins  anhaltend  mit  starker  Salz- 
säure, bis  chemische  Beactionen  erkennen  lassen,  dass  durchaus  aller 
Kalkspath  aufgelöst  ist,  so  behalten  die  Scherbchen  trotz  des  sehr  hohen 
Kalkgehaltes  im  Gestein  ihre  Form;  nur  wenige  Quarzkörnchen  fallen  ab. 
Die  Extraction  des  Kalkspathes  aus  Stückchen  des  Sandsteins  auch  durch 
kochende  concentrirte  Salzsäure  geht  nur  sehr  langsam  von  Statten,  und 
die  ausgelaugten  Stückchen  stellten  einen  porösen,  aber  immerhin  noch 
recht  festen  „cementlosenu  Sandstein  dar,  dessen  einzelne  Sandkörner  sich 
unter  der  Lupe  mit  einer  starken  Nadelspitze  meist  nur  mit  einiger  Mühe 
loslösen  lassen.  Entkalkte  Scherbchen  des  Sandsteins  lassen  sich  zer- 
brechen und  zerreiben,  aber  kleinere  Stückchen  von  wenigen  Millimetern 
Durchmesser  kann  man  durch  Druck  zwischen  den  Fingern  nicht  in  Sand- 
körner zertheilen.  Aus  diesem  Grunde  konnte  der  Quarzstaub  nicht 
quantitativ  bestimmt  werden.  Unter  der  Lupe  zeigt  sich,  dass  in  der 
zerriebenen  Masse  neben  vielen  einzelnen  Sandkörnern  immer  auch 
Aggregate  von  Sandkörnern  in  Menge  vorhanden  sind,  in  denen  also  die 
einzelnen  Körner  wirklich  fest  mit  einander  vereinigt  sind.  Ganz  anders 
verhält  sich  der  sogenannte  krystallisirte  Sandstein  von  Fontainebleau, 
der  bei  der  Behandlung  mit  Salzsäure  ganz  zerfällt.  Ausser  dem  Kalk- 
spath ist  in  dem  Sandsteingange  von  Weinböhla  in  geringerer  Menge  noch 
Eisenkies  als  authigener  Gemengtheil  vorhanden,  der  zwar  seinerseits  auch 
manche  Quarzkörnchen  verkittet;  da  aber  sonst  durchaus  keine  anderen, 
fein  vertheilten  authigenen  Gemengtheile,  etwa  Kieselsäure,  in  irgend  einer 
Form  vorhanden  sind,  so  müssen  die  allothigenen  Quarzkörner  selbst  unter 
einander  Zusammenhängen,  mit  einander  verschweisst  sein.  Das  ist  nun 
auch  unter  dem  Mikroskope  zu  beobachten. 

Kantige  Quarzkörner  im  Dünnschliff  eines  klastischen  Gesteins  sind 
ja  namentlich  bei  irgendwie  reichlich  vorhandenem  Kalkspath- Cement 


84 


scharf  begrenzt,  und  man  erkennt  im  polarisirten  Lichte  leicht,  ob  ein 
Quarzkorn  aus  einem  oder  aus  mehreren  Krystallkörnern  besteht:  im 
letzteren  Falle  sind  die  Grenzen  zwischen  den  krystallinen  Individuen  im 
zerstreuten  Lichte  nicht  zu  erkennen.  Mit  Verwunderung  sieht  man  nun 
in  den  Dünnschliffen  dieses  Gang-Sandsteins  mit  seinem  reichlichen  Kalk- 
cement,  wie  oft  mehrere,  zwei,  drei,  ja  sechs  und  sieben  und  noch  mehr 
kantige  Quarzkörner  an  einzelnen  Stellen  oder  mit  einzelnen  Spitzen  so 
dicht,  so  eng  neben  einander  sitzen,  dass  die  Grenze  zwischen  ihnen  im 
zerstreuten  Lichte  manchmal  kaum,  manchmal  durchaus  gar  nicht  wahr- 
nehmbar ist.  Auch  wenn  man  den  Schliff  entkalkt  und  dann  seine  nackte 
Oberfläche  unter  dem  Mikroskope  studirt,  wird  man  an  solchen  Stellen 
keine  Discontinuität  wahrnehmen.  Die  Umrisse  aber  eines  solchen  Com- 
plexes  von  zwei  allothigenen  Quarzkörnern  lassen  meist  keinen  Zweifel 
daran  auf  kommen,  dass  wirklich  zwei  einstmals  isolirte  Quarzkörner  mit 
einander  verbunden  sind:  wenn  ein  Quarzkorn  mit  einer  Spitze  fest  mit 
der  breiten  Seite  eines  anderen  verbunden  ist,  dann  muss  man  doch  sagen, 
dass  ein  solcher  Complex  als  einzelnes  allothigenes  Quarzkorn  unmöglich 
ist.  Es  erweist  sich  als  nöthig,  für  diese  Erscheinung  den  neuen  Begriff 
der  ersehweissung  von  Qnarzkörnern^  einzuführen.  Seltener  ist  in 
diesem  Gestein  die  Erscheinung,  dass  nach  Art  der  Gerolle  mit  Ein- 
drücken ein  Quarzkorn  mit  kleinerem  Krümmungsradius  in  eine  Stelle 
eines  anderen  Quarzkorns  von  grösserem  Krümmungsradius  eingedrückt 
ist.  Beide  Erscheinungen  aber  weisen  darauf  hin,  dass  mechanische 
Kräfte  bei  der  Entstehung  des  Sandsteinganges  zur  Entfaltung  ge- 
kommen sind. 

Der  Sandstein  des  Ganges  enthält  im  Durchschnitt  30  Procent  Kalk- 
spath.  Da  nun  die  specifischen  Gewichte  von  Quarz  und  Kalkspath  nur 
wenig  von  einander  verschieden  sind,  so  kann  man,  ohne  einen  Fehler  zu 
begehen,  auch  30  Volumprocente  für  den  Kalkspath  in  Anspruch  nehmen. 
Der  durch  Kalkspath  verkittete  lockere  Sand  hatte  also  ein  Porenvolumen 
von  30  Procent,  für  diesen  Fall  ein  sehr  geringes  Porenvolumen.  Bei 
dichtester  Lagerung  gleichgrosser  kugelförmiger  Bodenbestandtheile  beträgt 
das  Porenvolumen  25,95  Procent.  E.  Rain ann  schreibt  dazu  in  seiner  „Forst- 
lichen Bodenkunde  und  Standortslehre“,  Berlin  1893:  „es  ist  nicht  ohne 
Bedeutung,  dass  feinkörnige  Sande,  welche  den  Boden  von  Seen  oder  den 
Untergrund  von  Mooren  bilden,  ein  Porenvolumen  besitzen,  welches  fast 
genau  dem  der  theoretisch  berechneten  dichtesten  Lagerung  entspricht“; 
er  giebt  aber  weiter  nichts  an  über  die  besondere  Beschaffenheit  dieser 
Sande.  An  einer  Probe  von  Braunkohlensand,  dessen  Körner  alle  scharf- 
kantig sind  und  einen  Durchmesser  von  0,1 — 0,4  mm  besitzen,  bestimmte 
ich  das  Porenvolumen  zu  37,8  Procent,  indem  dabei  der  unter  Wasser 
stehende  Sand  nur  durch  lange  fortgesetztes  Aufstossen  des  Masscylinders 
zu  engster  Lagerung  seiner  Theilchen  gebracht  wurde.  Ein  anderer  Braun- 
kohlensand, der  an  einer  Quelle  entnommen  war  und  fast  gar  keinen 
„Staub“  enthielt,  wies  sogar  ein  Porenvolumen  von  40, o Procent  bei  einer 
sehr  gleichmässigen  Grösse  der  scharfkantigen  Körner  von  0,2 — 0,4  mm 
Durchmesser  auf. 

Hieraus  dürfte  hervorgehen,  dass  der  Sand  des  Sandsteinganges  vor 
seiner  Cementirung  oder  vielleicht  auch  noch  während  seiner  Cementirung 
einer  Pressung  unterworfen  gewesen  ist,  die  einfach  vom  Nebengestein  der 
mit  Sand  erfüllten  Kluft,  die  sich  wieder  schliessen  wollte,  ausging.  Dieser 


85 


Druck  leitete  nun  die  Verschweissung  der  Sandkörner  ein,  indem  dabei 
wohl  auch  der  in  Lösung  hinzugeführte  kohlensaure  Kalk  als  Lösungs- 
mittel, als  Auflockerungsmittel  der  Grenzmolekeln  der  Quarze  eine  Rolle 
spielte. 

Es  wurde  schon  oben  erwähnt,  dass  als  zweiter  authigener  Gemeng- 
theil in  dem  Gangsandstein  Eisenkies  vorhanden  ist.  Seine  Individuen 
erscheinen  als  kleine,  oft  recht  scharf  ausgebildete  Würfel  von  0,03  bis 
0,1  mm  Kantenlänge.  Der  Eisenkies  ist  im  Gestein  in  geringer  Menge 
allgemein  verbreitet;  nicht  selten  tritt  er  dabei  auch  in  Gruppen  von 
Krystallen  auf,  die  auch  die  Form  von  längeren,  dünnen  Stäben  mit 
zackiger  Oberfläche  annehmen  können.  Die  gute  Formentwickelung  der 
Eisenkieskryställchen  scheint  darauf  hinzuweisen,  dass  sie  sich  vor  dem 
Kalkspath,  nicht  gleichzeitig  mit  ihm  gebildet  haben.  Damit  stimmt  es 
überein,  dass  der  Sandsteingang  in  seiner  Mitte  in  einer  2,5 — 3 cm 
mächtigen  Lage  recht  reich  an  Eisenkies  ist  und  dadurch  eine  gewisse 
Verwandtschaft  mit  Mineralgängen  mit  seitlich  symmetrischer  Structur 
erhält.  Doch  ist  diese  an  Eisenkies  reiche  Mittelzone  nicht  immer  vor- 
handen. Durch  Umwandlung  des  Eisenkieses  in  Brauneisenstein  und  da- 
mit Hand  in  Hand  gehende  Auslaugung  des  Kalkspathes  ist  gelegentlich 
die  Mittelzone  in  einen  ganz  mürben,  eisenschüssigen  Sandstein  umge- 
wandelt worden.  Eine  besondere  Kluft  oder  eine  nur  aus  Eisenkies  oder 
nur  aus  Kalkspath  oder  aus  beiden  Mineralien  bestehende  Mittelzone  auch 
etwa  von  nur  geringster  Mächtigkeit  ist  aber  niemals  vorhanden. 

Sonst  ist  in  der  ganzen  Masse  des  Sandsteinganges  kein  Kornunter- 
schied, keine  vertikale  Plattung,  keine  horizontale  Schichtung  zu  be- 
obachten; abgesehen  von  der  nicht  immer  vorhandenen  an  Eisenkies 
reicheren  Mittelzone  ist  das  Gestein  des  Ganges  homogen.  Höchstens  sieht 
man  im  Dünnschliff  bei  schwacher  Vergrösserung  ein  oder  ein  anderes 
Streifchen  von  feinerem  Korn  hervortreten;  es  wurde  ja  auch  schon  oben 
darauf  hingewiesen,  dass  das  Kalkspathcement  nicht  ganz  gleichmässig 
vertheilt  ist. 

Von  accessorischen  Bestandmassen  wurden  in  dem  Sandsteingange 
nur  wenige  Fetzen  von  Mergel  in  der  Nähe  der  Saalbänder  beobachtet, 
die  offenbar  unmittelbar  vom  Nebengestein  herstammen.  Wichtiger  aber 
ist  es,  dass  in  den  herumliegenden  Sandsteinblöcken  auch  ein,  und  zwar 
trotz  langem  Suchen  nur  ein  einziges  Gerolle  von  Pläner mergel  ge- 
funden wurde.  Das  Gerolle  ist  11  cm  lang  und  ca.  6 cm  dick  und  breit, 
gut  abgerundet,  aber  an  dem  einen  Ende  durch  eine  fast  ebene  Fläche, 
gleichsam  eine  Bruchfläche,  begrenzt.  Es  ist  ein  dunkler  Plänermergel 
mit  einem,  wenigstens  jetzt  als  Einschluss  im  festen  Gestein,  geringen 
Gehalt  an  Kalkspath. 

Viele  Blöcke  des  Sandsteinganges  sind  von  Kalkspathadern  von 
2—10  mm  Mächtigkeit  durchzogen,  die  bald  spärlicher,  bald  etwas  reich- 
licher auftreten  und  regellos  verth eilt  sind,  im  Allgemeinen  aber  doch 
den  Gang  vielfach  quer  durchsetzen.  Der  ganze  Gang  hat  offenbar  eine 
Zerklüftung  in  Quadern  aufgewiesen,  so  dass  er  den  Steinbrechern  wie 
eine  Cyclopenmauer  entgegentrat.  Es  besteht  in  ihm  aber  stellenweise, 
wie  die  umherliegenden  Blöcke  lehren,  auch  eine  Zerklüftung  mit  Ver- 
schiebung der  Stücke  quer  gegen  die  Gangplatte  um  1 — 2 cm  auf  Klüften, 
die  durch  Kalkspath  erfüllt  sind.  Die  Seitenflächen  des  Ganges  zeigen 
eben  stellenweise  scharfes  Hervortreten  oder  Einsinken  der  Theilstiicke. 


86 


Auch  das  Nebengestein  des  Ganges  ist  ja  mehrfach  sowohl  parallel  dem- 
selben als  senkrecht  gegen  ihn  zerklüftet,  und  im  Anstehenden  fand  sich 
nun  der  ganze  Gang  selbst  zerbrochen  und  verworfen  und  zwar 
so,  dass  zwei  Stücke  des  Ganges  an  einander  vorbeigeschoben  sind.  Im 
Grundriss  erscheint  der  Gang  auf  eine  horizontale  Strecke  von  6,6  m 
doppelt.  Die  beiden  schräg  abgebrochenen  Gangstücke  berührten  sich  an 
der  dem  Kalkbruch  zugewandten  Seite,  divergirten  aber  nach  hinten  um 
30  cm.  Die  Stücke  des  Ganges  sind  aber  offenbar  nicht  nur  in  horizon- 
taler Richtung  an  einander  verschoben  worden,  sondern  zugleich  auch  in 
verticaler  verworfen,  oder  aber  verschoben  in  einer  gegen  den  Horizont 
geneigten  Richtung,  die  sich  wohl  einfach  durch  die  mit  35°  in  SW  ein- 
fallenden Streifen  eines  ausgezeichneten  Harnisches  auf  der  inneren  Seite 
des  nördlichen  Gangstückes  (an  der  Seite  dieses  Gangstückes  gegenüber 
dem  anderen)  bestimmen  lässt.  Der  volle  Betrag  der  schrägen  Ver- 
schiebung liess  sich  an  dem  noch  erhaltenen  Reste  des  Ganges  nicht  mehr 
feststellen;  die  Verschiebung  betrug  noch  wie  oben  angegeben  6,6  m,  die 
Verwerfung  im  verticalen  Profil  ca.  1,5  m. 

Da  der  Sandsteingang  ungefähr  senkrecht  zu  der  Richtung  der  grossen 
Lausitzer  Verwerfung  streicht  und  in  ihrer  unmittelbarsten  Nachbarschaft 
aufsetzt,  so  ist  wohl  ohne  Weiteres  die  Verschiebung  des  Ganges  mit 
eben  dieser  Lausitzer  Ueberschiebung  in  Zusammenhang  zu  bringen;  man 
kann  auch  mit  Recht  vermuthen,  dass  die  Harnischstreifen  senkrecht  auf 
der  an  der  Stelle  des  Ganges  gerade  nicht  mehr  aufgeschlossenen  Ueber- 
schiebungsfläche  stehen,  die  somit  unter  55°  in  NO  einfallen  würde,  was 
sehr  gut  mit  den  älteren  aus  den  Steinbrüchen  von  Weinböhla  veröffent- 
lichten Profilen  übereinstimmt. 

Zur  Bestimmung  des  Alters  des  Sandsteinganges  müssen  wir, 
da  Petrefacten  in  ihm  fehlen,  zunächst  unsere  Zuflucht  nehmen  zu  einer 
Vergleichung  des  ursprünglich  vorhandenen  Sandes  mit  anderen  Sanden 
und  Sandsteinen  der  Umgegend.  Von  dem  Haidesand,  der  jetzt  den 
Gang  oberflächlich  verhüllte,  kann  sein  Material  nicht  abstammen,  denn 
die  Körner  des  Haidesandes  sind  grösser,  von  mannigfaltigerer  Beschaffen- 
heit und  vor  allem  stark  abgerollt  und  abgerundet.  Und  da  der  Sand- 
steingang augenscheinlich  zur  Zeit  der  Entstehung  der  Lausitzer  Ueber- 
schiebung schon  vorhanden  und  festes  Gestein  war,  so  kann  er  überhaupt 
nicht  diluvialen  Alters  sein,  da  die  Ueberschiebung  älter  ist.  Der  oben 
angeführte  Syenitgrus,  der  älter  ist  als  der  Haidesand,  kann  ebenfalls 
nicht  das  Material  geliefert  haben,  da  er,  abgesehen  von  seiner  Zusammen- 
setzung, ein  ganz  locales  Gebilde  und  nicht  einmal  über  der  Stelle  des 
Sandsteinganges  zur  Ablagerung  gelangt  ist. 

Nun  liegt  über  dem  Brongniarti-Pläner  resp.  Quader  im  Elbthale  bei 
Pirna  in  nicht  allzu  grosser  Entfernung  von  Weinböhla  noch  der  jüngere 
Ueberquader,  den  W.  Petraczek  in  diesen  Abhandlungen  1897,  I.  Heft, 
S.  24  fig.  als  dem  Untersenon  angehörig  bestimmt  hat.  Der  Ueberquader 
hat  bei  Pirna  noch  die  bedeutende  Mächtigkeit  von  über  50  m;  er  muss 
einstmals  noch  weiter  nordwärts  vorhanden  gewesen  sein.  Dass  also  jetzt 
keine  Relicte  von  ihm  in  der  Gegend  von  Weinböhla  Vorkommen,  dass 
dort  auch  nicht  mehr  das  Gebiet  der  Quadersandstein-Facies  des  Turons, 
sondern  das  der  Pläner-Facies  vorliegt,  dürfte  in  dieser  Frage  nicht  ent- 
scheidend sein.  Aber  die  Körner  des  Ueberquaders  sind  stets  gröber,  mannig- 
faltigerer Art,  und  es  sind  für  ihn,  wie  auch  für  manche  älteren  Quader- 


87 


Sandsteine  rosarothe  Quarzkörner  vielfach  geradezu  charakteristisch.  Könnte 
also  einstmals  über  dem  Pläner  von  Weinböhla  auch  noch  eine  Decke  von 
Ueberquader  vorhanden  gewesen  sein,  so  ist  das  doch  schon  nicht  sehr 
wahrscheinlich,  und  ein  anderer  Ursprung  des  Sandes  des  Sandsteinganges 
stimmt  besser  mit  den  gegebenen  Thatsachen  überein. 

J.  S.  Diller  hat  für  die  Sandsteingänge  im  nördlichen  Californien  er- 
kannt, dass  das  Sandmaterial  für  dieselben  aus  der  Tiefe  emporgepresst 
worden  ist.  Der  Pläner  von  Weinböhla  liegt  wahrscheinlich  über  einem 
wenig  mächtigen  System  von  cenomanen  Schichten , die  an  dem  weiter 
nordwärts  gelegenen  Tunnel  bei  Oberau  von  H.  B.  Geinitz  untersucht  worden 
sind  und  ,,aus  einem  theils  kalkigen,  theils  kalkfreien,  mehr  oder  weniger 
thonigen , dunkelgraugrünen  bis  schwarzgrünen , meist  glaukonitischen 
Sandstein  (Grünsandstein)  und  einem  sandigen,  glaukonitischen  Mergel, 
welche  nach  ihrer  Basis  hin  durch  Aufnahme  von  Gerollen  benachbarter 
Gesteine  zu  Conglomeraten  werden“,  bestehen  (Erl.  zu  Sect.  Kötzschen- 
broda, S.  34).  Damit  stimmt  nun  die  Beschaffenheit  des  Sandsteinganges 
gar  nicht  überein,  dem  ja  Glaukonit,  man  kann  dreist  sagen,  ganz  fehlt. 
Andere  sedimentäre  Formationen  liegen  aber  weiter  nicht  unter  dem  Turon; 
die  obere  Kreide  ruht  in  dortiger  Gegend  unmittelbar  auf  Granit,  Syenit 
und  Gneiss.  Es,  kann  also  das  Material  des  Sandsteinganges  nicht  von 
unten  emporgedrungen  sein. 

Als  jüngere  Bildungen  liegen  nun  auf  dem  krystallinen  Grundgebirge 
noch  oligocäne  Kiese,  Sande  und  Thone,  die  jetzt  in  der  Nachbarschaft 
von  Weinböhla  nur  noch  in  einzelnen  Belicten  erhalten  sind,  früher  aber, 
vor  der  Zeit  des  Diluviums,  entschieden  eine  grössere  Verbreitung  be- 
sessen haben.  Die  Sande  sind  bald  feinkörnig,  bald  grobkörnig,  sie  ent- 
halten stellenweise,  nicht  immer,  die  festen  Knollensteine.  Das  Sand- 
material der  letzteren  zeigt  nun  bei  mikroskopischer  Untersuchung  in 
Grösse,  Form  und  sonstiger  Beschaffenheit  der  Quarzkörner,  wie  besonders 
durch  oft  vorhandene  undulöse  Auslöschung,  ferner  in  dem  Fehlen  aller 
Feldspathbrocken  und  fast  aller  anderen  mineralischen  Gemengtheile 
die  allergrösste  Aehnlichkeit  mit  dem  Material  des  Sandsteinganges.  Es 
giebt  feinkörnige  Knollensteine,  deren  Quarzkörner  namentlich  auch  in 
Bezug  auf  Grösse  und  Form  so  genau  mit  denen  des  Sandsteinganges 
übereinstimmen,  wie  dies  nur  überhaupt  bei  den  allothigenen  Quarzen 
klastischer  Gesteine  zu  bestimmen  möglich  ist.  Auch  die  oben  in  Bezug 
auf  ihr  Porenvolumen  untersuchten  sächsischen  Braunkohlensande  stimmen 
hiermit  überein. 

Ueber  die  Plänerbrocken  an  den  Saalbändern  im  Sandsteingange  braucht 
weiter  nichts  ausgesagt  zu  werden;  es  sind  das  wenig  weit  transportirte 
Brocken  des  Nebengesteins.  Das  einzige  im  Sandsteingange  gefundene 
Gerolle  von  Plänermergel  spricht  durch  seine  geringe  Festigkeit  für  einen 
Transport  aus  der  Nähe;  der  Plänermergel,  sowohl  der  unter  dem  Pläner- 
kalkstein, wie  der  über  ihm  liegende,  muss  aber  früher  vor  der  Entstehung 
der  Lausitzer  Ueberschiebung,*  vor  der  Ablagerung  des  Oligocäns  eine 
weitere  oberflächliche  Verbreitung  gehabt  haben.  Im  Sande  des  Sand- 
steinganges kann  das  Stück  Plänermergel  nicht  seine  Form,  etwa  durch 
Bewegung  und  Verschiebung  des  Sandes  erhalten  haben;  es  fehlt  neben 
dem  Mergelgerölle  aller  Thon  ebenso  wie  sonst  in  dem  Gange,  die  Pläner- 
stücke im  Gange  sind  ja  sonst  scharfkantige  Fetzen,  und  die  Form  des  Ge- 
rölles ist  durchaus  die  eines  Fluss-  oder  Ufergerölles,  wobei  noch  daran 


88 


zu  erinnern  ist,  dass  es  vor  seiner  Einhüllung  im  Sande  des  Ganges  recht 
wohl  einen  etwas  grösseren  Gehalt  an  Kalkspath  und  dadurch  grössere 
Festigkeit  besessen  haben  kann. 

Da  nun  von  Eocän,  Miocän  und  Pliocän  in  der  Gegend  von  Weinböhla 
nichts  vorhanden  ist  und  wohl  wie  überhaupt  in  diesem  Theile  Sachsens 
auch  nie  vorhanden  gewesen  ist,  so  muss  nach  Allem  der  Sand  des  Sand- 
steinganges den  oligocänen  Sanden  entstammen,  die  hier  niemals  Petre- 
facten  enthalten,  deren  Alter  aber  nach  einer  gefälligen  Mittheilung  von 
Herrn  Professor  Th.  Siegert  doch  mit  Sicherheit  als  unteroligocän  ange- 
geben werden  kann. 

Es  bleibt  nun  noch  übrig,  die  Entstehung  und  die  Geschichte 
des  Sandsteinganges  von  Weinböhla  kurz  zu  skizziren. 

Nach  der  Ablagerung  des  turonen  Pläners  und  vielleicht  des  Ueber- 
quaders  wurde  ein  grosser  Theil  dieser  Sedimente  in  der  langen  Zeit  des 
oberen  Senons  und  des  Eocäns  durch  Erosion  entfernt.  Es  schlugen  sich 
in  einzelnen  Seebecken  und  vielleicht  Flussläufen  die  Kiese,  Sande  und 
Thone  des  Unteroligocäns  nieder,  die  im  jüngeren  Tertiär  auch  wieder 
durch  Erosion  zum  grossen  Theile  entfernt  wurden.  Aber  gegen  das  Ende 
der  unteroligocänen  Zeit  beginnen  im  Gebiete  der  nachmaligen  Lausitzer 
U eher  Schiebung  Bewegungen  im  Boden,  Erdbeben,  gleichsam  Vorläufer 
der  Ueberschiebung,  einzutreten.  Es  reisst  bei  einem  Erdbeben  der 
Boden,  das  feste  turone  Gestein,  in  einer  Spalte  auf,  in  die  sogleich  der 
darüberliegende  lockere  unteroligocäne  Sand  eindringt.  Der  Sand  ist  über 
der  Kluft  in  grösserer  Mächtigkeit  vorhanden,  er  füllt  die  Spalte  augen- 
blicklich, es  entsteht  keine  Schichtung  in  der  Kluftausfüllung.  Die  Kluft 
will  sich  wieder  schliessen,  ihre  Wände  pressen  den  Sand  zusammen,  der 
bereits  von  den  Sickerwassern  durchtränkt  ist.  Aus  diesen  scheidet  sich 
etwas  Eisenkies  ab,  dann  aber  Kalkspath,  der  augenscheinlich  dem  Neben- 
gesteine entstammt.  Dass  in  dem  Sandsteingange  Knollensteine  fehlen, 
ist  nicht  im  Geringsten  auffällig;  diese  sind  nicht  in  allen  oligocänen  Sand- 
ablagerungen vorhanden,  und  überdies  sind  es  wohl  jüngere  Bildungen,  über 
die  uns  allerdings  eingehendere  Untersuchungen  noch  fehlen.  Der  Sand- 
steingang entsteht  also  gegen  Ende  des  Unteroligocäns  oder  gleich  darnach. 
In  dieser  Zeit  muss  auch,  nur  noch  wenig  später,  die  Lausitzer  Ueber- 
schiebung eingetreten  sein;  das  Vorkommen  der  jüngeren  Eruptivgesteine 
beiderseits  der  Ueberschiebung  in  der  östlichen  Lausitz,  in  der  Zittauer 
Gegend,  spricht  dafür.  Die  Entstehung  der  Lausitzer  Ueberschiebung  hat 
zur  Folge  die  Zertrümmerung  und  Verschiebung  des  Sandsteinganges,  die 
Harnischbildung  und  die  Durchtrümmerung  mit  Kalkspathadern:  diese  haben 
sich  unzweifelhaft  erst  später  nach  der  Verfestigung  des  Gangsandsteins 
gebildet,  da  mehrfach  feinste  Aederchen  von  Kalkspath  mitten  durch  ein- 
zelne Quarzkörner  hindurchgehen,  deren  gleiche  optische  Orientirung  auf- 
weisende und  deshalb  augenscheinlich  zusammengehörige  Bruchstücke 
beiderseits  eines  Aederchens  unter  dem  Mikroskope  beobachtet  werden 
konnten.  Erosion  entfernt  im  jüngeren  Tertiär  weitere  Theile  des  Turons 
und  des  Oligocäns;  unter  einer  Decke  von  diluvialem  Haidesand  bleibt 
uns  der  Sandsteingang  erhalten  als  Zeuge  vorweltlicher  Erdbeben,  als 
Seismograph,  wie  Pawlow  sagt.  Leider  liess  sich  der  Gang,  der  ja  erst 
durch  Steinbruchsbetrieb  aufgeschlossen  wurde,  wegen  der  Decke  von 
diluvialen  Bildungen  nicht  weiter  verfolgen;  es  wäre  von  hohem  Interesse 
gewesen,  festzustellen,  ob  der  Gang  noch  über  die  Ueb  er  schiebungsfläche 


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hinaus  in  den  Syenit  fortsetzte  oder  nicht,  denn  darnach  hätte  sich  sein 
Alter  noch  genauer  oder  noch  sicherer  bestimmen  lassen. 

In  der  auf  Taf.  III  nach  einer  Photographie  wiedergegebenen  Ansicht 
des  Sandsteinganges  fällt  der  undeutlich  geschichtete  Pläner  im  Vorder- 
gründe flach  gegen  den  Beschauer  ein ; im  Hintergründe,  im  obersten  Theil 
der  Abbildung,  stehen  die  Schichten  fast  saiger,  indem  sie  sich  bis  dorthin 
auf  eine  Bildtiefe  von  12  m in  gleichmäßiger  Wölbung  aufgerichtet  haben. 


XIII.  Nachträge  zu  der  Abhandlung  von  0.  Schneider: 
Ueber  eine  zuerst  in  Dresden  aufgefundene  neue 
Pelzmilbe  des  Bibers*). 

Von  Dr.  E.  Trouessart  und  Prof.  Dr.  O.  Schneider. 


Herr  Dr.  E.  Trouessart  hat  die  Redaction  unserer  Jahresberichte 
um  Aufnahme  des  Nachstehenden  ersucht: 

Paris,  15.  Novembre  1897. 

Monsieur  le  President! 

On  me  communique  une  Note  du  Prof.  0.  Schneider  publiee  dans  les 
„Abh.  Naturw.  Ges.  Isis  in  Dresden“,  1897,  Heft  I,  sous  ce  titrp:  „Ueber 
eine  zuerst  in  Dresden  aufgefundene  neue  Pelzmilbe  des  Bibers“,  et  dans 
laquelle  M.  G.  Mingaud  (de  Nimes)  et  moi  sommes  accuses,  en  termes 
injurieux,  d’avoir  der  ob  e aux  naturalistes  Allemands  la  priorite  de  la  de- 
couverte  du  Schizocarpus  Mingaudi  que  j’ai  decrit,  dans  les  „Comptes- 
Rendus  hebdomadaires  de  la  Societe  de  Biologie“  du  31.  Janvier  1896. 

On  est  surpris  de  voir  M.  0.  Schneider  se  meler  de  cette  affaire  qui 
ne  le  regarde  pas,  puisque,  des  l’annee  1892,  il  avait  laisse  a d’autres  le 
soin  de  decrire  l’Acarien.  Messieurs  Kramer  et  Friedrich,  qui  seuls  pour- 
raient  se  considerer  comme  leses,  n’ont  pas  reclame,  et  .je  tiens  de  bonne 
source  qu’ils  n’ont  pas  Charge  M.  Schneider  de  le  faire  a leur  place. 

Ma  reporise  sera  facile  et  tres  nette  sur  tous  les  points: 

1.  J’ignorais  que  M.  0,  Schneider  eut  recolte  l’Acarien  sur  le  Castor 
des  1892.  Je  Tai  appris  seulement  par  la  Note  de  M.  Kramer  sur  Yllapto- 
soma  truncaium  publiee  dans  le  „Zoologischer  Anzeiger“  du  30.  Mars  1896, 
deux  mois  apres  la  mienne. 

2.  J’ai  connu  l’existence  d’un  Acarien  pilicole  sur  le  Castor  par  une 
lettre  de  M.  G.  Mingaud  en  date  du  8.  Janvier  1896,  relative  au  Platy- 
psyllus  castoris.  En  me  parlant,  incidemment,  de  cet  Acarien,  decouvert 
par  M.  Friedrich  au  mois  de  Juillet  1895,  M.  Mingaud  ne  pensait  pas 
commettre  une  indiscretion,  puisque  M.  Friedrich  ne  lui  avait  pas 
demande  le  secret.  Bien  plus,  M.  Mingaud  croyait  V Histiopliorus  castoris 
deja  decrit  et  publie  en  Allemagne. 

3.  M.  Mingaud  ne  m’a  pas  envoye  de  materiaux  avant  que  les  trois 
descriptions  ne  fussent  publiees.  J’ai  decrit  le  Schizocarpus , comme  je 
l’ai  dit  dans  mes  Communications  successives,  d’apres  des  Acariens  re- 


*)  Abhandl.  naturwiss.  Ges.  Isis  in  Dresden,  1897,  No.  III. 


91 


cueillis  par  moi  sur  des  peaux  de  Castor  d’Amerique,  au  Museum 
d’Histoire  Naturelle,  et  sur  une  peau  de  Castor  du  Rhone  montee  par 
M.  Petit  aine,  naturaliste  a Paris. 

Messieurs  Kramer  et  Friedrich  peuvent  affirmer  l’exactitude  de  tous 
ces  faits. 

J’avais  donc  absolument  le  droit  de  decrire  l’Acarien  sans  me 
preoccuper  des  etudes  faites  parallelement  en  Allemagne.  Les  naturalistes 
competents  comprendront  sans  peine  l’interet  que  presentait  cette  nou- 
velle  forme,  si  specialisee,  pour  moi  qui  avais  deja  decrit  toutes  les  autres 
formes  de  la  sous-famille  des  Chirodiscinae,  c’est-a-dire  les  genres 
Campylochirus , Chirodiscus  et  Labidocarpus , pres  desquels  vient  se  placer 
le  Schizocarpus. 

J’espere  qu’apres  cette  explication,  M.  Schneider  regrettera  une 
attaque  que  rien  n’avait  provoque,  et  surtout  les  expressions  malsonnantes 
qui  sont  echappees  a sa  plume. 

Veuillez  agreer,  Monsieur  le  President,  l’assurance  de  ma  conside- 
ration  distinguee, 

Dr.  E.  Trouessart. 

112,  Avenue  Victor  Hugo,  Paris. 

Zu  dem  vorstehenden  Briefe  bemerkt  Herr  Prof.  Dr.  0.  Schneider: 

Meine  Absicht  bei  der  von  Herrn  Trouessart  angegriffenen  Besprechung 
ging  dahin,  die  Thatsache,  dass  jene  merkwürdige  Milbe  zuerst  in  Dresden 
und  an  einem  Elbbiber  gefunden  worden,  in  den  Berichten  der  Isis  fest- 
zulegen, da  diese  sich  insbesondere  die  Erforschung  des  engeren  Vater- 
landes zur  Aufgabe  gestellt  hat;  ich  war  dazu  umsomehr  veranlasst,  da 
Herr  Professor  Kramer  jene  an  sich  nöthigen  Angaben  in  seiner  Ver- 
öffentlichung nicht  berücksichtigt  hatte.  Dass  ich  daran  eine  Mittheilung 
über  das  weitere  Schicksal  meiner  Milben  knüpfte,  das  war  durchaus 
selbstverständlich  und  mein  volles  Recht,  zumal  da  ich  das  neue  Thier 
zuerst  aufgefunden  hatte,  denn  der  Entdecker  einer  neuen  Art  hat  auch 
Verdienst  und  Recht  an  derselben,  und  zwar  oft  mehr  als  der  zufällige 
Beschreiber.  Für  die  Ueberraschung  des  Herrn  Trouessart  fehlt  also 
jeder  Grund,  dagegen  bieten  uns  seine  Mittheilungen  Veranlassung  genug 
zu  berechtigtem  Erstaunen. 

Herr  E.  Trouessart  hat  in  seiner  Veröffentlichung  die  von  Mingaud 
(nach  Friedrich’s  Anweisung)  gefundenen  Milben  an  erster  Stelle  erwähnt 
und  dann  hinzugefügt,  dass  er  das  Thier  dann  auch  an  ausgestopften 
Bibern  aus  Kalifornien  und  vom  Rhone  wiedergefunden;  er  hat  dasselbe 
nach  Mingaud  benannt  und  gelegentlich  erwähnt,  dass  es  nach  dem  Ab- 
sterben des  Bibers  noch  einige  Tage  am  Leben  bleibe,  was  er  an  seinen 
alten,  todten  Stücken  doch  gewiss  nicht  hat  beobachten  können;  wer  hätte 
darnach  vermuthen  können,  dass  Herr  E.  Trouessart,  wie  er  jetzt  versichert, 
diese  winzig  kleine  Milbe,  bei  der  es  sich  nicht  nur  um  Beschreibung  einer 
neuen  Art,  sondern  um  Feststellung  der  Unterscheidungsmerkmale  einer 
neuen  Gattung  handelte,  lediglich  nach  den  an  ausgestopften  Bibern  ab- 
gelesenen, doch  wohl  Jahre  (oder  Jahrzehnte?)  bereits  todten,  eingetrockneten 
Thieren  beschrieben  habe,  ohne  das  frische  Material  herbeizuziehen,  das 
er  doch  in  ein  oder  zwei  Tagen  von  Nimes  her  erhalten  konnte?  Für 
unsere  Streitfrage  ist  übrigens  die  Thatsache,  ob  Herr  Trouessart  Mingaud’s 
Material  mitbenutzt  oder  der  Beschreibung  nur  Thiere  zu  Grunde  gelegt 


92 


hat,  die  er  auf  Mingaud’s  Anregung  hin  selbst  gesammelt  hat,  durchaus 
unwesentlich,  dagegen  sehr  werthvoll,  dass  er  uns  selbst  mittheilt,  Mingaud 
habe  ihn  benachrichtigt,  dass  Friedrich  ein  halbes  Jahr  früher  eine  Biber- 
milbe gefunden  und  dieselbe  wohl  bereits  unter  dem  Namen  Histiophorus 
castoris  beschrieben  und  veröffentlicht  habe,  denn  damit  bestätigt  er  meine 
Yermuthung  und  giebt  mir  vollkommen  recht. 

Herr  E.  Trouessart  behauptet  freilich,  er  habe  also  (!?)  durchaus  das 
Recht  gehabt,  die  Milbe  zu  beschreiben,  ohne  sich  um  in  Deutschland 
ausgeführte  gleiche  Untersuchungen  zu  kümmern,  wir  aber  behaupten,  er 
hatte  dies  Recht  durchaus  nicht,  der  wissenschaftliche  Brauch  verlangte 
vielmehr,  dass  er,  ehe  er  an  die  Veröffentlichung  ging,  sich  unbedingt  erst 
Klarheit  verschaffte,  ob  die  fragliche  Veröffentlichung  Friedrich’s  wirklich 
erfolgt  sei  und  ob  die  in  derselben  beschriebene  Milbe  der,  welche  er 
beschreiben  wollte,  gleich  oder  nicht  gleich  sei;  denn  die  Pflicht  des  be- 
schreibenden Gelehrten  ist  nur  der  Wissenschaft  zu  dienen  und  diese  nicht 
mit  Synonymen  zu  belasten,  die  im  vorliegenden  Falle  um  so  schwerer 
wiegen,  da  sie  auch  die  Gattung  mitbetreffen.  Des  Herrn  Trouessart  Hin- 
weis darauf,  dass  die  Milbe  doch  für  ihn  hätte  besonderes  Interesse  haben 
müssen,  da  er  alle  anderen  Formen  der  Unterfamilie  Chirodiscinae  be- 
schrieben habe,  kann  die  Thatsache,  dass  er  sein  Interesse  über  das  der 
Wissenschaft  gestellt  hat,  weder  ändern  noch  rechtfertigen,  denn  ein  all- 
einiges Recht,  ein  Monopol,  die  Thiere  einer  bestimmten  Gruppe  zu  be- 
schreiben, wird  in  der  Wissenschaft  Niemandem  zuerkannt,  noch  viel 
weniger  aber  kann  es  sich  Jemand  selbst  anmassen. 

Ich  habe  somit  keine  Ursache  etwas  zu  bereuen,  hoffe  aber,  dass 
nach  dieser  Aufklärung  Herr  E.  Trouessart  bedauern  werde,  der  Wissen- 
schaft zum  Schaden  ein  Thier  mit  neuen  Namen  belegt  zu  haben,  das, 
wie  er  nach  den  ihm  zugegangenen  Mittheilungen  sicher  voraussetzen 
musste,  bereits  veröffentlicht  und  damit  in  gültiger  Weise  benannt 
worden  war. 

Prof.  Dr.  Oskar  Schneider. 

Blasewitz,  Südstr.  5. 


XIY.  Beiträge  zur  Flora  Saxonica. 

Von  Bürgerschullehrer  H.  Hofmann. 


Zum  letzten  Male  wurden  meine  floristischen  Beobachtungen  im 
Jahre  1895  der  botanischen  Section  der  Gesellschaft  „Isis“  vorgelegt 
und  in  dem  entsprechenden  Hefte  ihrer  Sitzungsberichte  veröffentlicht. 
Es  hat  sich  seitdem  wieder  eine  ziemliche  Menge  neuer  Beobachtungen 
angehäuft,  so  dass  eine  abermalige  Veröffentlichung  derselben  lohnend  er- 
scheint. Die  Beobachtungen  beziehen  sich  fast  ausschliesslich  auf  die 
polymorphen  Gattungen  unserer  Flora  und  es  wurden  die  Belegexemplare 
am  9.  December  1897  der  botanischen  Section  der  „Isis“  vorgelegt.  Um 
Irrthümer,  die  sich  gerade  bei  den  kritischen  Gattungen  so  leicht  ein- 
schleichen und  sich  dann  fast  unausrottbar  weiterschleppen,  nach  Mög- 
lichkeit zu  vermeiden,  habe  ich  meine  Funde  Autoritäten  zur  Bevision 
bez.  zur  Bestimmung  vorgelegt.  Ich  bin  in  dieser  Hinsicht  den  Herren 
Prof.  Dr.  Borb  äs -Budapest  (Mentha),  H.  Brau  n- Wien  {Mentha),  Fr.  Crepin- 
Brüssel (Rosa),  Dr.  W.  0.  F ocke -Bremen  (Ruhm),  K.  Friderichsen-Hoyer 
(Ruhus),  0.  Gelert-Kopenhagen  (Ruhm),  Prof.  Dr.  Oborny-Znaim  ( Hiera - 
cium ),  Prof.  Dr.  Sagorski-Pforta  (Rosa,  Hieraemm)  und  Prof.  Dr.  Wett- 
stein Ritter  von  Westers  heim-  Prag  (EupMasia)  für  ihre  mir  gütigst  ge- 
währte Unterstützung  und  ihre  Mühewaltung  zu  grossem  Danke  verpflichtet, 
und  es  ist  mir  eine  angenehme  Pflicht,  demselben  auch  an  dieser  Stelle 
Ausdruck  zu  verleihen. 

Zu  einigen  Gattungen  seien  noch  verschiedene  Vorbemerkungen  gestattet. 

Bieten  die  Brombeeren  an  sich  schon  manche  Schwierigkeiten  bezüg- 
lich der  Ab-  und  Umgrenzung  der  Arten,  so  sind  die  Rubi  corylifolii  ob 
ihrer  Widerspenstigkeit  bei  Versuchen,  sie  in  ein  System  zu  zwängen,  ge- 
radezu verrufen.  Diese  Gruppe,  welche  ausser  Ruhm  caesius  L.  alle 
Zwischenformen  zwischen  R.  caesius  einerseits  und  den  anderen  An- 
gehörigen des  Subgenus  Euhatus  andererseits  umfasst,  ist  besonders  reich 
im  Norden  entwickelt.  Es  waren  daher  namentlich  skandinavische  Bota- 
niker, welche  sich  besonders  mit  dieser  Gruppe  der  Brombeeren  befassten 
und  versuchten,  dieses  Chaos  zu  entwirren.  In  neuester  Zeit  sind  nament- 
lich die  Herren  K.  Friderichsen  und  0.  G eiert  nach  dieser  Richtung  hin 
thätig  gewesen  und  diese  haben  auch  die  deutschen  Corylifolier  in  den 
Kreis  ihrer  Studien  gezogen.  Sie  glauben  gefunden  zu  haben,  dass  diese 
und  speciell  auch  unsere  sächsischen  Formen  zum  Theil  recht  gut  mit  den 
nordischen  übereinstimmen.  Es  kann  daher  nur  zur  Klärung  dieser  Gruppe 
beitragen,  wenn  wir  uns  bezüglich  der  Auffassung  und  Benennung  der 
Arten  diesen  Botanikern  anschliessen. 


94 


Zunächst  schlagen  die  Herren  0.  Gelert  und  K.  Friderichsen  vor*), 
alle  diese  Zwischenformen  von  R.  caesius  und  den  anderen  Eubatus- Arten 
in  eine  Sammelart  zusammenzufassen  und  die  einzelnen  Formen  als  Unter- 
arten zu  betrachten.  Dies  lässt  sich  sehr  wohl  rechtfertigen,  da  trotz  der 
oft  bedeutenden  Unterschiede  der  Corylifolier  untereinander  doch  alle  un- 
verkennbar die  Merkmale  gemeinsam  haben,  die  ihnen  R.  caesius  auf- 
geprägt hat:  sitzende  Seitenblättchen,  breite  Nebenblätter,  verkürzte 
Blüthenstände  etc.  Die  genannten  Batographen  gebrauchten  in  ihren 
„Rubi  Daniae  exsiccati“  für  diese  Gruppe  zunächst  den  Namen  Rubus 
milliformis , neuerdings  verwendet  aber  K.  Friderichsen  in  seiner  Abhand- 
lung „Beiträge  zur  Kenntniss  der  Rubi  corylifolii“  (Bot.  Centralblatt  LXXI, 
1897)  den  älteren  Namen  R.  corylifolius  Smith  im  erweiterten  Sinne. 

Es  finden  sich  nun  hin  und  wieder  auch  Pflanzen,  die  man  mit 
völliger  oder  ziemlicher  Sicherheit  als  directe  Bastarde  des  R.  caesius 
deuten  kann,  zumal  wenn  man  das  Consortium  beachtet.  Diese  Pflanzen 
fallen  nach  ihren  morphologischen  Merkmalen  auch  unter  den  Begriff  des 
R.  corylifolius , aber  dieselben  sind  natürlich  mit  der  gebräuchlichen  Be- 
zeichnung für  Bastarde,  die  zugleich  ihre  Herkunft  angiebt,  zu  versehen* 
Dies  sollte  aber  eben  nur  dann  stattfinden,  wenn  Alles,  morphologische 
Beschaffenheit,  Consortium  etc.,  nur  für  die  eine  Deutung  spricht.  Meist 
kommen  solche  zweifellos  primäre  Bastarde  in  geringer  Individuenzahl 
vor.  Die  weitverbreiteten  Corylifolier  sind  häufig  bezüglich  ihres  Ursprungs 
mehr  als  einer  Deutung  zugänglich.  Auf  blosses  „Errathen“  hin,  wie  es 
gegenwärtig  von  verschiedenen  Seiten  beliebt  wird,  soll  man  aber  keine 
Bastarde  als  solche  aufstellen. 

Die  Anordnung  der  Menthen  habe  ich  nach  dem  System  H.  Braun’ s 
getroffen,  wie  er  es  in  seiner  Abhandlung  ,,Ueber  einige  Arten  und  Formen 
der  Gattung  Mentha“  in  den  Verhandlungen  der  zoologisch -botanischen 
Gesellschaft  in  Wien,  1890,  p.  351  aufgestellt  hat.  Die  unten  aufgeführten 
Formen  entstammen  zum  grössten  Theil  dem  bekannten  Schülerthal  bei 
Zittau.  Die  Ufer  der  Mand'au  zeigen  hier  eine  so  üppige  Fülle  von  In- 
dividuen und  Formen,  wie  sie  wohl  selten  auf  einem  so  eng  begrenzten 
Gebiete  angetroffen  wird.  Es  sind  hier  alle  Bedingungen  zur  Entstehung 
von  allen  möglichen  Bastardformen  erfüllt  und  wahrscheinlich  sind  manche 
der  angeführten  Formen  hybrider  Abkunft.  Leider  haben  aber  elementare 
Ereignisse  in  den  letzten  Sommern  eine  beabsichtigte  weitere  Nachforschung 
nach  dieser  Richtung  hin  vereitelt. 

Fiiices. 

Aspidium  montanum  Aschers.  Grossenhain:  im  Walde  bei  Brockwitz, 
11.  Juli  1896. 

Asplenium  Germanicum  Weis.  Meissen:  an  Felsen  bei  der  Buschmühle, 
mit  A.  septentrionale , während  A.  Trichomanes  gegenwärtig  zu  fehlen 
scheint,  15.  Juli  1896.  — Oberlausitz:  am  Steinberg  (Seidel’s  Berg)  bei 
Bertsdorf  mit  den  Eltern  sehr  zahlreich.  Hier  auch  die  forma  montana 
sehr  schön  entwickelt,  7.  Juli  1896.  PI.  er.  Sax.  49**).  Am  Roschers- 

*)  „Danmarks  og  Slesvigs  Rubi“,  in  Bot.  Tidsskrift  XVI,  p.  100. 

**)  „Plantae  criticae  Saxoniae“,  herausgegeben  vomRef.,  bringen  in  jährlichen  Fasch 
kein  von  25  Nummern  die  Formen  unserer  polymorphen  Gattungen  in  getrockneten  Exem- 
plaren. Gegenwärtig  erscheint  das  3.  Fascikel.  Diese  Exsiccaten  werden  u.  a.  den  öffent- 


95 


berge  seltener,  12.  August  1896.  Am  Breiteberge  bei  Grossschönau 
sparsam  unter  den  Eltern,  1.  October  1896. 

Cypcraceae. 

Car  ex  acuta  Good  x vulgaris  Fr.  Niederes  Erzgebirge:  am  Tauwald- 
teiche bei  Hohenstein,  24.  Mai  1895. 

— Buxbaumii  Wahlnb.  Grossenhain:  im  grossen  Spittelteiche,  11.  Mai 
1896.  PI.  er.  Sax.  47. 

— stricta  Good.  Grossenhain:  im  grossen  Spittelteiche  in  grosser  Menge, 
11.  Mai  1896.  PI.  er.  Sax.  46. 


Orckidaceae. 

Goodyera  repens  R.  Br.  Oberlausitz:  am  Oderwitzer  Spitzberg,  sparsam, 
4.  August  1897. 

Rosaceae, 

a)  Rosa. 

Rosa  trachyphylla  Ran.  var.  marginata  (Wallr.).  Grossenhain:  bei  Por- 
schütz,  27.  Juni  1896. 

— tomentosa  Sm.  var.  einer ascens.  (Dum.).  Meissen:  bei  Löbsal,  20.  Juni 
1896. 

— tomentosa  Sm.  var.  subglobosa  Baker.  Bei  Grossenhain,  23.  Juni  1896. 

— Gallica  L.  Grossenhain:  im  Grunde  bei  Blattersleben,  sehr  spärlich, 
25.  Juni  1897. 

— Gallica  X dumetorum.  Grossenhain:  im  Grunde  bei  Blattersleben, 
19.  September  1896.  PI.  er.  Sax.  65. 

— G allicax  coriifolia.  Meissen:  am  Tunnel  bei  Oberau,  19.  Juni  1897. 

b)  Rubus. 

Subgen.  Cylactis  Raf. 

Rubus  saxatilis  L.  Zittau:  im  Hofebusch  zwischen  Grossschönau  und  Spitz- 
kunnersdorf,  10.  August  1897. 


Subgen.  Eubatus  Focke. 
1.  Suberecti  Focke. 


/ 


— sulcatus  Yest.  Meissen:  am  linken  Elbufer,  Sörnewitz"  gegenüber, 
10.  Juli  1897. 


— nitidus  Wh.  et  N.  Grossenhain:  an  der  Röder  bei  der  Baudaer  Mühle, 
1.  Juli  1896.  Bei  Thiendorf  auf  trockenem  Sandboden,  22.  Juni  1897. 
— Meissen:  im  Golkwalde  häufig,  20.  Juni  1896.  PI.  er.  Sax.  26.  Bei 
Weinböhla,  24.  Juni  1896.  — WTaldenburg:  im  Grünefelder  Park,  6.  Juli 
1895.  Im  niederen  Erzgebirge  sowohl,  als  auch  in  der  Lausitz  scheint 
diese  im  Elbgebiet  so  häufige  Art  zu  fehlen.  Die  Waldenburger  Pflanze 


liehen  Herbarien  und  naturhistorischen  Sammlungen  der  Universität  zu  Leipzig,  der 
Technischen  Hochschule  zu  Dresden,  der  Forstacademie  zu  Tharandt,  des  Annen-Real- 
gymnasium  zu  Dresden,  des  Realgymnasium  zu  Zittau  und  des  Seminars  zu  Zschopau 
einverleibt,  und  dadurch  ist  den  Botanikern,  welche  sich  für  die  nachstehend  aufgezählten 
Funde  und  Formen  interessiren,  Gelegenheit  geboten,  dieselben  einzusehen. 


96 


stimmt  mit  der  mittelsächsischen  vollständig  überein  und  ist  ebenso- 
wenig wie  diese  typischer  R.  nitidus , den  ich  aus  Sachsen  über- 
haupt noch  nicht  gesehen  habe. 

II.  Rhamnifolii  Focke. 

Rubus  sentiöosus  Köhl.  1829  (=  R.  montanus' Wirtg.  1857).  Meissen:  im 
Golkwalde  nicht  selten,  27.  Juni  1896.  PI.  er.  Sax.  27.  — Königs- 
brück: auf  dem  Keulenberge  häufig,  22.  Juni  1897.  — Grossenhain:  im 
Walde  bei  Gävernitz,  10.  Juli  1897. 

— laciniatus  Willd.  Oberlausitz:  bei  Hirschfelde,  wohl  nur  verwildert, 

9.  August  1897. 

III.  Thyrsoidei  Focke. 

— Vestii  Focke.  Zittau:  im  Neissthale,  9.  August  1897.  Diese  bis  jetzt 
aus  Oesterreich -Ungarn  und  Bayern  bekannte  Art  dürfte  hier  den 
nördlichsten  Punkt  ihrer  Verbreitung  erreichen. 

— candicans  Wh.  Elbthal:  im  Golkwalde,  8.  Juli  1896.  PI.  er.  Sax.  28. 

— thyrsanthus  F.  Elbthal:  bei  Scharfenberg,  10.  Juli  1897;  bei  Coswig, 

10.  Juli  1897.  — Oberlausitz:  Paulsdorfer  Spitzberg,  27.  Juli  1897; 
bei  Hirschfelde,  9.  Juli  1897. 

— Saxonicus  nov.  spec.  (=  R.  amygdalantkus  var.  subcandicans  m. 
olim!)  Schössling  kräftig,  hochbogig,  kahl,  am  Grunde  rundlich 
oder  stumpf  kantig,  oberwärts  kantig  mit  ebenen  Flächen,  an  der 
Spitze  etwas  gefurcht,  rothbraun,  im  Herbste  wurzelnd,  mit  lanzettigen, 
etwas  rückwärts  geneigten,  ca.  7 mm  langen  Stacheln  bewehrt.  Blatt- 
stiele behaart,  mit  gekrümmten  Stacheln  besetzt,  am  Grunde  rinnig, 
sonst  flach.  Nebenblätter  lineal.  Blätter  fünfzählig,  bei  älteren 
die  Blättchen  sich  mit  den  Rändern  deckend,  grob  gesägt;  äussere 
Seitenblättchen  deutlich  gestielt,  Stielchen  derselben  ziemlich 
central  oder  auch  am  Grunde  der  Stielchen  der  mittleren  Blättchen 
entspringend.  Blattstiel  reichlich  zweimal  so  lang  als  das  Stielchen 
des  Endblättchens  und  letzteres  etwa  dreimal  so  lang  als  sein  Stielchen, 
elliptisch  bis  breit  elliptisch,  zugespitzt,  am  Grunde  etwas  herzförmig. 
Blättchen  derb,  oberseits  kahl  oder  fast  kahl,  unterseits  weichhaarig, 
besonders  auf  den  Nerven,  grauschimmernd.  Blüthenzweige  lang  mit 
dreizähligen  Blättern.  Blüthenstand  nur  am  Grunde  durchblättert, 
lang  und  schmal,  oft,  namentlich  an  jüngeren  Pflanzen,  ganz  traubig, 
kräftigere  Inflorescenzen  wenigstens  unterwärts  mit  mehrblüthigen 
Aestchen.  Achse  und  Aestchen  (und  Blüthenstiele)  mit  langen,  ge- 
raden, rückwärts  geneigten  Stacheln  bewehrt  (ähnlich  wie  bei  R.  villi- 
caulis  Koehl.,  nur  etwas  mässiger!).  Kelchzipfel  zur  Blüthe-  und  Frucht- 
zeit zurückgeschlagen.  Blumenblättchen  schmal  verkehrt  eiförmig, 
in  den  Nagel  verschmälert,  weiss  oder  röthlich.  Staubfäden  rötli- 
lich,  länger  als  die  Griffel,  nach  dem  Verblühen  zusammenneigend. 
Früchte  gut  entwickelt.  Blüthezeit:  Ende  Juni  und  Juli. 

R.  Saxonicus  wird  wegen  seines  kahlen  Schösslings  und  wegen 
des  Baues  seines  Bliithenstandes  den  Thyrsoidei-Formen  angeschlossen. 
Durch  einige  andere  Merkmale,  namentlich  durch  die  Bewehrung  des 
Blüthenstandes,  erinnert  er  aber  (namentlich  in  seiner  Sonnenform!) 
auch  an  R.  villicaulis  Koehler. 


97 


Holienstein-Ernstthal:  in  der  Nähe  des  Lampertusschachtes,  1.  Jali 
1895;  beim  Bade,  15.  Juli  1895.  — Waldenburg:  im  Walde  an  der 
Strasse  nach  Callenberg  mit  R.  Cimbricus  F.,  26.  Juni  1895. 

Rubus  Silesiaciis  Wh.  Bei  Königsbriick,  gesammelt  unter  Führung  des 
Herrn  A.  Schulz,  22.  Juni  1897. 

IV.  Villicaules  Focke. 

— villicaulis  Koehl.  Elbthal:  bei  Diesbar  häufig,  8.  Juli  1896.  PI.  er.  Sax.  80. 

— macrophyllus  Wh.  et  N.  Grossenhain:  an  humosen  Stellen  der  Wälder 
nördlich  von  Grossenhain  ziemlich  häufig,  z.  B.  Forsthaus  Pfeife, 
1.  Juli  1896.  PI.  er.  Sax.  52;  Zabeltitz,  9.  September  1896;  im  Walde 
bei  Gävernitz,  10.  Juli  1897.  — Meissen:  Wald  bei  Oberau,  15.  Juli  1896. 

— hirtifolius  Muell.  etWirtg.  Grossenhain:  im  Walde  bei  Gävernitz  mit 
R.  macrophyllus , senticosus , rudis,  hirtus  etc.,  10.  Juli  1897.  — Niederes 
Erzgebirge:  bei  Hohenstein -Ernstthal,  3.  Juli  1897.  PL  er.  Sax.  53. 

V.  Adenophori  Focke. 

— glaucovirens  Maas.  Oberlausitz:  am  Löbauer  Berge  (=  R.  rhombi- 
folius  aut.  Lusat.  non  Weihe),  28.  Juli  1896;  Paulsdorfer  Spitzberg, 
27.  Juli  1897.  Die  Pflanzen  von  diesen  beiden  Localitäten 
stimmen  vollständig  mit  einander  überein  und  stehen  dem 
R.  glaucovirens  am  nächsten,  wenn  sie  sich  auch  nicht  völlig  mit 
ihm  decken.  Eine  ähnliche  Form  auch  bei  Brockwitz  bei  Grossen- 
hain, 11.  Juli  1896. 

— chaerophyllus  Sagorski  et  Schultze  (=  R.  Bellardii  xplicatus  Utsch, 
ist  aber  sicher  kein  primärer  Bastard  dieser  Arten!).  Diese  gut 
charakterisirte  Form  ist  im  Zittauer  Gebirge  sehr  häufig  (Oybin, 
Jonsdorf,  31.  Juli  1896)  und  drängt  an  manchen  Oertlichkeiten  alle 
anderen  Arten  in  den  Hintergrund  (Breiteberg  bei  Grossschönau, 
30.  Juli  1895;  Hofebusch  zwischen  Grossschönau  und  Spitzkunners- 
dorf,  10.  August  1897).  Ferner:  Scheibenberg  bei  Zittau,  27.  Juli  1896; 
Oderwitzer  Spitzberg,  4.  August  1897;  Grosshennersdorfer  Spitzberg, 
27.  Juli  1897;  Neissthal,  28.  Juli  1895. 

VI.  Yestiti  Focke. 

— pyramidalis  Kaltenb.  Meissen:  bei  Weinböhla,  17.  Juli  1896. 
Pi.  er.  Sax.  31. 

VII.  Badulae  Focke. 

— radula  Wh.  Elbthal:  Golkwald,  8.  Juli  1896;  Scharfenberg,  10.  Juli 
1897.  — Oberlausitz:  Breiteberg  bei  Grossschönau,  6.  August  1897; 
Paulsdorfer  Spitzberg,  27.  Juli  1897. 

— rudis  Wh.  et  N.  Elbthal:  im  Golkwalde  sehr  häufig,  27.  Juni  1896. 
PL  er.  Sax.  54;  Seusslitzer  Grund,  27.  Juni  1896.  — Grossenhain: 
Gävernitzer  Wald,  10.  Juli  1897.  Diese  Standorte  sind  die  öst- 
lichsten dieser  Art. 

— scaber  Wh.  et  N.  Oberlausitz:  Breiteberg  bei  Grossschönau,  sparsam, 
6.  August  1897. 


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bus  piriicola  nov.  spec.  Schösslinge  aus  bogigem  Grunde  nieder- 
liegend,  im  Herbste  wurzelnd,  nur  kräftigere  stumpfkantig,  sonst  rund- 
lich, kurzhaarig,  mit  Drüsen  und  Stachelchen  massig  besetzt.  Grössere 
Stacheln  ziemlich  gleich,  aus  breiterem  Grunde  pfriemlich,  etwas 
rückwärts  geneigt,  ca.  4 mm  lang.  Blätter  3 — 5 zählig ; Seitenblättchen 
deutlich  gestielt.  Endblättchen  breit  elliptisch  oder  verkehrt  eiförmig, 
zugespitzt,  am  Grunde  seicht  herzförmig.  Blattstiel  am  Grunde 
schwach  rinnig,  sonst  eben,  mit  gekrümmten  Stacheln  besetzt.  Neben- 
blätter schmal  lineal-lanzettlich,  mit  Drüsen  und  Haaren  bewimpert. 
Stielchen  des  Endblättchens  kaum  halb  so  lang  als  der  Blattstiel, 
das  Endblättchen  reichlich  dreimal  so  lang  als  sein  Stielchen.  Blättchen 
oberseits  zerstreut,  unterseits  reichlicher  kurzhaarig.  Blüthenstand 
mit  dreizähligen  Blättern.  Rispe  mehr  oder  weniger  entwickelt, 
unten  durchblättert,  nach  oben  kaum  sich  verjüngend.  Rispenäste 
aufrecht  abstehend,  untere  mit  Beiästchen.  Achse  mit  wenigen, 
ungleichgrossen  Stacheln,  abstehend  behaart,  mit  Drüsen,  welche  die 
Haare  nicht  überragen.  Blüthenstiele  mit  verschieden  langen  Drüsen, 
einzelnen  Drüsenborsten  und  vereinzelten  Nadeistacheln.  Blüthen 
klein.  Kelche  graugrün,  drüsig,  mit  einzelnen  kleinen  Nadelstacheln, 
nach  dem  Verblühen  abstehend  oder  zurückgeschlagen.  Blüthe  weiss, 
Staubgefässe  die  Griffel  kaum  oder  wenig  überragend.  Griffel 
roth.  Früchte  gut  entwickelt.  Beginn  der  Blüthe  Ende  Juni. 

In  den  Wäldern  nördlich  von  Grossenhain  nicht  selten;  Zabeltitz, 
12.  Juli  1897;  Pfeifenholz,  12.  Juli  1897.  PI.  er.  Sax.  56. 

VIII.  Hystrices  Focke. 

Koehleri  Wh.  et  N.  Diese  montane  Art  wächst  in  einem  einzelnen 
Exemplare  in  trockenem  Sande  bei  Diesbar,  8.  Juli  1896.  PI.  er.  Sax.  32. 
pygmaeus  Wh.  et  N.  Oberlausitz:  bei  Grossschönau,  10.  August  1897. 

IX.  Glandulosi  Focke. 

hirtus  W.  et  K.  Grossenhain:  Gävernitzer  Wald,  10.  Juli  1897.  — Ober- 
lausitz: bei  Jonsdorf  eine  Form  mit  röthlichen  Blüthen  und  Griffeln, 
31.  Juli  1896.  Am  Breiteberge  bei  Grossschönau,  25.  Juli  1896. 
PL  er.  Sax.  57. 

Guentheri  Wh.  et  N.  Oberlausitz:  Wald  bei  Reichenau,  5.  August  1896. 
Kaltenbachii  Metsch.  Oberlausitz:  im  Hardtbusch  bei  Reibersdorf, 
2.  August  1897. 

rivularis  Muell.  et  Wirtg.  Eine  Form,  welche  „sich  eng  an  R.  serpens 
(Lusaticus  Rost.)  anschliesst“  (Focke!),  auf  dem  Keulenberge  bei 
Königsbrück,  22.  Juni  1897. 

X.  Corylifolii  Focke. 

corylifolius  (Sm.)  Aresch.  spec.  coli. 

subsp.  R.  dissimulans  (Lindeb.).  Grossenhain:  Zschieschener 
Windmühle,  15.  Juni  1896. 

subsp.  R.  serrulatus  Lindeb.  Oberlausitz:  Scheibenberg  bei  Zittau, 
25.  Juli  1897;  Breiteberg  bei  Grossschönau,  10.  August  1897. 


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subsp.  R.  Wahlbergii  (Arrh.).  Sachs.  Schweiz:  Schlossberg  bei 
Wehlen,  17.  Juli  1897.  — Oberlausitz:  Paulsdorfer  Spitzberg, 
27.  Juli  1897. 

subsp.  R.  vexatus  K.  Friderichsen.  Oberlausitz:  Grosshenners- 
dorfer  Spitzberg,  27.  Juli  1897. 

subsp.  R.  cyclophi/llus  Lindeb.  Elbthal:  Winkwitz  bei  Meissen, 
18.  Juni  1897. 

subsp.  R.  acuminatus  Lindblom.  Elbthal:  im  Golkwalde,  25.  Juni 
1897.  — Oberlausitz:  Löbauer  Berg,  28.  Juli  1896. 

subsp.  fasciculatus  (P.  J.  M.)  var.  ambifarius  (P.  J.  M.).  Ober- 
lausitz: auf  dem  Scheibenberge,  20.  Juli  1897. 

subsp.  fasciculatus  (P.  J.  M.)  var.  macranthus  K.  Friderichsen. 
Oberlausitz:  an  der  Schanze  bei  Zittau,  4.  August  1897. 

subsp.  oreogeton  Focke  var.  polycarpus  G.  Braun.  Elbthal:  bei 
Diesbar,  14.  Juni  1897.  — Oberlausitz:  auf  dem  Scheibenberge, 
7.  August  1897. 

f.  ruber  Focke  (sec.  Frid.).  Grossenhain:  auf  dem  Kupferberge, 
19.  Juni  1896.  PI.  er.  Sax.  37  (als  R.  nemorosus  Hayne). 

f.  ad  polycarpum  vergens.  Elbthal:  Golkwald,  16.  Juni  1897. 
— Sachs.  Schweiz:  bei  Mockethal,  16.  Juli  1897.  — Ober- 
lausitz: am  Breiteberg,  6.  August  1897. 

subsp.  oreogeton  Focke  var.  montanu s Wimmer.  Sachs.  Schweiz: 
auf  dem  Schlossberge  bei  Wehlen,  17.  Juli  1897.  — Oberlausitz: 
auf  dem  Oderwitzer  Spitzberge,  4.  August  1897;  am  Breiteberge 
bei  Grossschönau,  6.  August  1897 ; am  Löbauer  Berge,  23.  Juli  1897. 


Bastarde  des  R.  caesius  L. 

Rubus  caesius  L.  x Idaeus  L.  Meissen:  am  Tunnel  bei  Oberau,  19.  Juni  1897. 
PI.  er.  Sax.  61. 

— caesius  L.  X senticosus  Koehl.  Bei  Dippelsdorf  bei  Moritzburg, 
30.  Juni  1897. 

— per-thyrsanthus  x caesius.  Sachs.  Schweiz:  zwischen  Wehlen  und 
Rathen,  17.  Juli  1897. 


Scroplmlariaceae. 

Euphrasia  nemorosa  Pers.  Oberlausitz:  Grosshennersdorfer  Spitzberg, 
27.  Juli  1897;  Scheibenberg,  3.  August  1897. 

— stricta  Host.  Meissen:  Zadel,  30.  August  1897;  Weinböhla,  15.  Juli 
1896.  — Grossenhain:  Kupferberg,  28.  August  1896.  — Königsbrück: 
Reichenau,  7.  September  1897.  — Wehlen:  Schlossberg,  17.  Juli  1897. 
— Oberlausitz:  Scheibenberg,  26.  Juli  1895. 

— Rostkoviana  Hayne.  Grossenhain:  Brockwitz,  11.  Juli  1896.  — Ober- 
lausitz: Grosshennersdorf,  27.  Juli  1897. 

— gracilis  Fr.  Bei  Zöblitz  auf  Serpentinhalden,  25.  August  1895. 

** 


100 


Lafol  atae. 

Mentha. 

A.  Eumentha  Godr. 

Mentha  nemorosa  Wild.  Schülerthal  bei  Zittau. 

— silvestris  L. 

var.  typica.  Schülerthal  bei  Zittau, 
var.  snbnemorosa  Borb.  Schülerthal  bei  Zittau, 

var.  cuspidata  (Opiz).  „ „ „ 

var.  serrata  (Opiz).  „ „ „ 

yar.  Dossiana  Desegl.  et  Dur.  „ „ „ 

var.  discolor  (Opiz).  „ „ „ 

— piperita  L.  f.  genuina.  Herwigsdorf  bei  Zittau,  cult. 


B.  Trichomentha  H.  Br. 


I.  Tubulosae  H.  Br. 


— paludosa  Sole. 

var.  serotina  (Host.).  Schülerthal  bei  Zittau. 

— plicata  Opiz 

yar.  viretorum  H.  Br.  „ „ „ 

— aquatica  L. 

var.  Ortmanniana  (Opiz).  ,,  „ „ 

var.  minoriflora  Borb.  ,,  ,,  ,, 

var.  riparia  (Schreb.).  „ ,,  ,, 

f.  umbrosa  (Opiz).  ,,  ,,  „ 

f.  angustata  (Opiz).  „ „ „ 


— verticillata  L.  Meissen:  Laubach. 

var.  tortuosa  (Host.).  Schülerthal  bei  Zittau, 
var.  Motoliensis  (Opiz).  „ „ ,, 

var.  elata  (Host.).  „ „ 

var.  peduncularis  (Boreau).  ,,  „ 

var.  ovalifolia  (Opiz).  ,,  „ „ 

var.  heleophila  H.  Br.  ,,  „ ,, 

var.  Beneschiana  (Opiz).  „ „ „ 

var.  cechobrodensis  (Opiz).  ,,  ,,  „ 

var.  Prachinensis  (Opiz).  „ „ „ 

var.  statenicensis  (Opiz).  „ „ ,, 

var.  eupatoriaefolia  H.  Br.  „ „ „ 

var.  Hardeggensis  H.  Br.  Zittau:  bei  Hörnitz. 


II.  Campanocalyces  H.  Br. 

— origanifolia  Host.  Zittau:  bei  Hörnitz. 

— parietariaefolia  Becker. 

var.  tenuifolia  (Host.).  Zittau:  auf  dem  Scheibenberge, 
var.  praticola  (Opiz).  Zittau:  am  Mandauufer. 

— Austriaca  Jacq.  Grossenhain,  Meissen,  Zittau  etc. 

var.  foliicoma  (Opiz).  An  der  Mandau  bei  Zittau, 
var.  pulchella  (Host.).  Auf  dem  Scheibenberge. 


101 


var.  multiflora  (Host.).  Zittau:  bei  Hörnitz. 

var.  Zatecensis  (Opiz).  Zittau:  bei  Reichenau. 

Mentha  palustris  Mönch. 

var.  Nusleensis  (Opiz).  An  der  Mandau  bei  Zittau. 

— arvensis  L.  Zittau:  bei  Hörnitz. 

C,  Gentilis  H.  Br. 

— rubra  Smith. 

var.  resinosa  (Opiz).  Grossenhain:  bei  Walda,  verwildert. 

— grata  Host.  Am  Mandauufer  bei  Hainewalde. 

— gentilis  L.  Zittau:  in  Reichenau,  cult. 

— Hofmanni  H.  Br.  Hohenstein-Ernstthal.  --  Zittau,  cult. 

— B orbäsiana  Briquet. 

var.  suavifolia  H.  Br.  Am  Mandauufer  im  Schülerthal ; in  Reichenau, 
cult. 

Compositae. 

Hieracium. 

Hieracium  Peleterianum  Mer.  subsp.  Peleterianum  a genuinum  1.  pilosissi- 
mum  (Wallr.).  Elbthal:  in  Weinbergen  bei  Seusslitz,  6.  Juni  1896. 
PI.  er.  Sax.  68.  — Diese  Pflanze  ist  hier  bereits  am  21.  Mai  1894 
von  Herrn  F.  Fritzsche  gesammelt  worden. 

— pachylodes  Naeg.  et  Pet.  nov.  subsp.  longicrinis  Hofm.  et  Sagorski. 
Blätter  lanzettlich,  stumpflich.  Stolonen  verlängert,  kürzer  als  bei 

H.  Pilosella , dicklich,  mit  decrescirenden  Blättern.  Schäfte  1 selten 
2,  17 — 24  cm  hoch.  Plülle  13— 14  mm  lang,  kugelig;  Schuppen 

I, 5 — 2 mm  breit,  grau,  hellrandig,  zugespitzt.  Haare  an  Hülle  und 
Schaft  reichlich,  hell  mit  dunklem  Fuss,  am  Schaft  bis  8 mm  lang, 
auf  der  Oberseite  der  Blätter  mässig,  etwas  steif,  an  den  Stolonen 
sehr  reichlich,  weiss,  bis  10  mm  lang.  Drüsen  an  der  Hülle  fehlend 
oder  sehr  einzeln,  am  oberen  Schaft  mässig,  nach  unten  sich  ver- 
lierend. Flocken  an  der  Hülle  und  an  der  Schaftspitze  sehr  reich- 
lich, Blätter  oberseits  nackt,  Blattrücken  grau.  Blüthen  gelb,  rand- 
ständige aussen  stark  rothstreifig.  Früchte  abortiren.  Blüthe- 
zeit  Ende  Mai  und  Anfang  Juni. 

Die  Pflanze  ist  sicher  primärer  Bastard  von  H.  Pele- 
terianum Mer.  und  H.  Pilosella  subsp.  vulgare , in  deren  Gesell- 
schaft sie  wächst. 

Elbthal:  in  Weinbergen  bei  Seusslitz  unterhalb  Meissen,  31.  Mai 
1897.  PI.  er.  Sax.  69. 

— chaetocephalum  nov.  hybr.  = H.  collinum  x Peleterianum.  Dieser 
Bastard  wurde  unter  den  Eltern  im  Muldenthale  in  2 Exemplaren 
gefunden,  wovon  das  eine  mit  möglichster  Schonung  des  Wurzel- 
stockes gesammelt  wurde.  Dieses  zeigt  folgende  Merkmale: 

Blätter  breitlanzettlich;  Stolonen  dicklich,  13  cm  lang,  mit 
Anfangs  increscirenden,  dann  schnell  decrescirenden  Blättern  besetzt. 
Stengel  dicklich,  20  cm  hoch,  aufrecht.  Akladium  7,5  mm  lang, 
Strahlen  2.  Ordnung  3,  obere  sehr  genähert,  unterster  aber  weit 


102 


entfernt,  in  der  unteren  Hälfte  des  Stengels  entspringend;  Ord- 
nungen 3,  Köpfe  6,  Hülle  rundlich,  9 — 10  mm  lang,  Schuppen 
fast  2 mm  breit,  lang  zugespitzt,  dunkel,  breit  grünrandig.  Haare 
überall  sehr  reichlich,  hell,  an  der  Hülle  ca.  4,  am  Stengel  5—7  und 
an  den  Stolonen  bis  9 mm  lang,  auf  den  Blättern  borstlich,  4 mm 
lang.  Drüsen  an  der  Hülle  mässig,  im  Kopfstande  und  am  oberen 
Stengel  reichlich,  abwärts  fehlend.  Flocken  an  der  Hülle,  im  Kopf- 
stande und  am  oberen  Stengel  reichlich,  auf  dem  Blattrücken  mässig. 
Blüthen  gelb,  die  randständigen  aussen  rothstreifig.  Blüthezeit  An- 
fang Juni. 

Diese  Pflanze  steht  morphologisch  dem  H.  Prussicum  Naeg.  et  Pet. 
(=  H.  collinum  x Pilosella)  sehr  nahe,  ist  aber  durch  die  breiten 
Hüllkelchschuppen,  die  reiche,  helle  und  lange  Behaarung  etc. 
deutlich  als  Abkömmling  des  H.  Peleterianum  charakterisirt. 

Muldenthal:  an  trockenen  Abhängen  bei  Döbeln  unter  den  Eltern, 
9.  Juni  1896. 

Hieracium  Pilosella  L.  subsp.  trichoscapum  Naeg.  et  Pet.  Elbthal:  bei 
Seusslitz  unterhalb  Meissen,  31.  Mai  1897.  Hier  finden  sich  kräftige  Pilo- 
se^a-Formen,  welche  wegen  ihrer  grossen  Hülle,  ihren  breiten  Schuppen 
und  ihrer  reichen  Behaarung  zur  genannten  Subspecies  gezogen  werden 
müssen.  Es  ist  interessant,  dass  dieselben  gerade  hier  im  Gebiete  des 
H.  Peleterianum  auftreten,  und  es  lässt  sich  die  Möglichkeit  nicht  in 
Abrede  stellen,  dass  diese  Formen  unter  dem  Einflüsse  desselben  ent- 
standen sind. 

— Auricula  Lam.  subsp.  Magnauricula  Naeg.  et  Pet.  Muldenthal:  Ab- 
hänge bei  Döbeln,  selten,  9.  Juni  1896. 

. — collinum  Gochn.  subsp.  collinum  var.  gorlicicum  Naeg.  et  Pet.  Ober- 
lausitz: bei  Herrnhut,  12.  Juni  1897.  PI.  er.  Sas.  72. 

— collinum  Gochn.  subsp.  cölliniforme  Naeg.  et  Pet.  Erzgebirge : bei  Alten- 
berg, 18.  Juli  1896.  — Lausitzer  Gebirge:  zwischen  Tollenstein  und 
und  Tannenberg,  8.  Juni  1897. 

— flagellare  Willd.  Warnsdorf  i.  B.:  bei  Grund,  8.  Juni  1897. 

— magyaricum  Naeg.  et  Pet.  subsp.  cymanthum  Naeg.  et  Pet.  Ober- 
lausitz: zwischen  Herrnhut  und  Grosshennersdorf,  12.  Juni  1897. 

— florihundum  Wimm,  et  Grab,  subsp.  erubescens  Naeg.  et  Pet.  Ober- 
lausitz: am  Fusse  des  Scheibenberges,  selten,  7.  Juni  1897.  PI.  er.  Sax.  74. 

— cymosum  L.  subsp.  cymigerum  Reichb.  Lausitzer  Gebirge:  am  Tannen- 
berge i.  B.,  8.  Juni  1897. 

— umbelliferum  Naeg.  et  Pet.  subsp.  Saxonicum  Naeg.  et  Pet.  Grossen- 
hain:  bei  Porschütz,  8.  Juni  1896. 

— hyperdoxum  Sagorski  (==  H.  umbelliferum  X Pilosella).  Grossenhain : 
bei  Porschütz  unter  den  Eltern,  8.  Juni  1896. 

— brachiatoides  nov.  hybr.  = H.  hyperdoxum  Sag.  x Pilosella  L. 
Blätter  lanzettlich,  zugespitzt,  selten  etwas  spatelig-lanzettlich.  Sto- 
lonen zahlreich,  dünn,  mit  decrescirenden  Blättchen  besetzt.  Stengel 
20  — 28  cm  hoch,  schlank,  gabelig;  Akladium  x/4 — ]/2  ( — 1/1)  des 
Stengels.  Strahlen  2.  Ordn.  1 ( — 2);  Ordnungen  2;  Kopfzahl  2 
(■ — 3).  Hülle  6 — 8 mm  lang,  rundlich;  Schuppen  1 mm  breit,  spitz, 


103 


graulich,  etwas  heller  gerandet.  Haare  an  der  Hülle  zahlreich,  1 mm 
lang,  am  Stengel  oben  reichlich,  dunkel,  bis  3 mm  lang,  auf  der  Blatt- 
oberseite borstlich,  ca.  3 mm  lang.  Drüsen  an  Hülle  und  oberem 
Stengel  massig,  abwärts  fehlend.  Flocken  an  Hülle,  am  oberen 
Stengel  und  Blattrücken  reichlich.  Blüthen  gelb.  Blüthezeit:  An- 
fang Juni. 

Döbeln:  an  Strassenrändern  bei  Glaucha  unter  den  Stammarten, 
9.  Juni  1896. 

Hieracium  bifidum  Waldst.  et  Kit.  Lausitzer  Gebirge:  am  Tollenstein, 
8.  Juni  1897 

Grossenhain,  im  December  1897. 


Jbhandl . d.  Isis  in  Dresden , 1897.  Tafffl. 


IfH  - 


t 


der 


Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft 


in  Dresden. 


Herausgegeben 

von  dem  Redactions  - Comite. 


Jahrgang  1898. 


Mit  1 Tafel  und  32  Abbildungen  im  Text. 


Dresden. 

In  Commission  der  K.  Sachs.  Hofbuchhandlung  H.  Burdach. 

1899. 


Inhalt  des  Jahrganges  1899. 


A.  Sitzungsberichte. 

I.  Section  für  Zoologie  S.  3 und  19.  — Jenke,  A.:  Vorlagen  von  Schizoneura  lanigera 
S.  19.  — Nit  sehe,  H.:  Entwickelung  und  Wechsel  der  Hörner  bei  der  amerikanischen 
Gabelantilope,  Linne’sche  Systematik  der  Säugethiere,  elektrische  Fische,  R.  Leuckart  f 
S.  3;  zoologische  Reiseeindrücke  aus  England,  Vorkommen  von  Leucaspius  delineatus 
und  Rhodeus  amarus  S.  19. — Reibisch,  Th.:  Binnenconchylien  aus  Ecuador  S.  3; 

Einführung  von  Helix  candicans  im  Plauenschen  Grunde  S.  4; und  R.  Ebert: 

Berichtigungen  S.  4.  — Schiller,  K.:  Vorlagen  von  Cyclops  und  Daphnia  S.  19.  — 
Schorler,B.:  Kalkalgen  des  Süsswassers  und  ihre  Beziehungen  zu  den  sogenannten 
Furchensteinen  S.  20,  mit  Bemerkungen  von  0.  Drude,  H.  Nitsche  und  P.  Wagner. 

— Thallwitz,  J. : Stärke  der  Schläge  des  Zitterrochens  S.  4;  Vorkommen  von  Sper- 
mophilus  citillus  im  sächsischen  Erzgebirge  S.  19;  über  Hydroidpolypen  und  Medusen 
des  Mittelmeeres  S.  20,  mit  Bemerkungen  von  R.  Ebert  undH.  N it sch  e.  — Vogel,  CI.: 
Bastardirungsvorgänge  bei  Säugethieren  S.  3,  mit  Bemerkungen  von  H.  Nitsche  und 
A.  Schöpf.  — Wagner,  P. : Ueber  Rillensteine  S.  19.  — Geschenke  für  die  Biblio- 
thek S.  19. 

H.  Section  für  Botanik  S.  4 und  20.  — Drude,  0.:  Milchsaftröhren  der  Euphorbien, 
gegenwärtiger  Stand  der  Nomenclaturfrage  S.  4;  stickstoffsammelnde  Thätigkeit  der 
Bodenbakterien  S.  5;  Resultate  botanischer  Reisen  in  Sachsen  und  Thüringen  S.  20; 
neue  Litteratur  S.  5 und  20.  — Fritz  sehe,  F.:  Vorlagen  von  Blüthen- Abnormitäten 
S.  5.  — Gründler,  J.:  Ueber  Bacillariaceen  S.  5.  — Pohle,  R. : Demonstration 
des  Heu -Bakteriums,  Beginn  der  Cambium  - Thätigkeit  bei  Populus  canadensis  S.  5. 

— Schorler,  B.:  Antheil  der  Pflanzen  an  der  Selbstreinigung  der  Flüsse  S.  4;  stein- 
zerstörende Algen  S.  20;  Bereicherungen  der  Flora  Saxonica  S.  21.  — Stiefel- 
hagen, H.:  Neue  Carex- Formen  und  Hybriden  S.  21.  — Walther,  R.:  Neuer 
Desinfectionsapparat  für  geschlossene  Räume  S.  4. 

III.  Section  für  Mineralogie  und  Geologie  S.  5 und  21.  — Bergt,  W. : Geologie 
der  Antillen,  Bestimmung  von  Calamiten  S.  6;  neue  Litteratur  S.  6 und  21.  — Engel- 
hardt, H. . Pflanzen  aus  dem  Polirschiefer  von  Sulloditz,  neue  Litteratur  S.  6.  — 
Kalkowsky,  E.:  Zwillingsbildungen  des  Quarzes  S.  5;  Begriff  und  Werth  der  Edel- 
steine S.  6;  neuer  Aufschluss  im  Diluvium  in  Dresden,  Vorlagen  S.  21;  neue  Litte- 
ratur S.  5 und  6.  — Naumann,  E. : Concretionen  im  Glacialmergel  S.  6.  — N e s s i g , R : 
Studien  über  den  Dresdner  Haidesand  S.  6;  Graphit- Vorkommnisse  im  Lausitzer  Granit 
bei  Dresden  S.  21. 

IY.  Section  für  prähistorische  Forschungen  S.  6 und  21.  — Deichmüller,  J.: 
Schutz  der  vorgeschichtlichen  Alterthümer,  Bronzefund  von  Velem  St.  Veit  S.  7;  Vor- 
geschichte Sachsens,  mit  Vorlagen  S.  21.  — Döring,  H. : Prähistorisches  aus  dem 
Muldenthal  zwischen  Nossen  und  Rosswein  S.  21.  — Ebert,  0.:  Vorlagen  S.  23.  — 
Nitsche,  H. : Die  sogen.  Wetzikonstäbe  S.  6;  uralte  Formen  von  Angelgeräthen, 
über  Fischspeere  S.  7.  — Excursion  nach  Lockwitz  S.  7. 

Y.  Section  für  Physik  und  Chemie  S.  7 und  23.  — Fo  er  st  er,  F.:  Einwirkung  von 
Chlor  auf  Alkalien  S.  24.  — Heger,  R.:  Optische  Beobachtungen  in  den  Alpen 
S.  23,  mit  Bemerkung  von  F.  Pockels  S.  24.  — Lottermoser,  A.:  Das  colloidale 
Quecksilber  S.  9.  — Möhlau,  R.:  Neue  Anwendungsformen  der  Cellulose  S.  23.  — 
Pockels,  F. : Die  bei  Blitzentladungen  vorkommenden  Stromstärken  S.  8.  — Schloss- 
mann, A.:  Die  Milch  und  ihre  Bedeutung  als  Nahrungsmittel  S.  9.  — Toepler,  M.  : 
Schichtung  elektrischer  Funken  und  über  Gleitfunken  S,  8.  — Walther,  R.:  Ueber 
Explosivstoffe  S.  7. 


IV 


VI.  Section  für  Mathematik  S.  9 und  24.  — Gravelius,  H. : Grundgedanken  der 
Gylden’schen  Störungstheorie  S.  25. — Krause,  M.:  Partialbruchzerlegung  bei  trans- 
cendenten  Functionen  S.  10.  — Rohn,  K.:  Zusammensetzung  von  Bewegungen  und 
reguläre  Raumeintheilung  S.  9;  Eigenschaften  der  Curven  3.  und  4.  Ordnung  S.  24; 
Methode  der  Construction  des  Krümmungskreises  an  einem  der  fünf  gegebenen  Punkte 
eines  Kegelschnitts  S.  25.  — Witting,  A.:  Planimetrische  Constructionen  in  be- 
grenzter Ebene  S.  10. 

VII.  Hauptversammlungen  S.  11  und  25.  — Veränderungen  im  Mitgliederbestände  S.  13 
und  26.  — Beamte  im  Jahre  1899  S.  28.  — Rechenschaftsbericht  für  1897  S.  11  und  15. 
— Voranschlag  für  1898  S.  11.  — Freiwillige  Beiträge  zur  Kasse  S.  27.  — Bericht 
des  Bibliothekars  S.  30.  — Massregeln  zum  Schutz  der  vorgeschichtlichen  Alterthümer 
S.  11,  12  und  25.  — G.  Zeuner’s  70.  Geburtstag  S.  25.  — Bergt,  W. : Geologie  von 
Schantung  (Kiautschou)  S.  12.  — E n g e 1 h a r d t,  H. : Neue  Litteratur  S.  13.  — F i s c h e r,  H. : 
Die  Westinghouse- Bremse  S.  13.  — Grosse,  J.:  Carl  Gustav  Carus  in  seiner  Be- 
deutung für  die  Naturwissenschaften  S.  11.  — Krause,  M. : Ueber  Universität  und 
Technische  Hochschule  S.  26.  — Lewicki,  E.:  Ueber  Centrifugalguss  S.  12.  — 
Lewicki,  L.:  Das  maschinentechnische  Laboratorium  der  K.  Techn.  Hochschule 
S.  11.  — Lohmann,  H. : Ueber  Eishöhlen  und  Höhleneis  S.  11.  — Renk,  F.:  Das 
hygieinische  Institut  der  K.  Techn.  Hochschule  und  die  K.  Centralstelle  für  öffent- 
liche Gesundheitspflege  S.  26.  — Schlossmann,  A.:  Neue  Art  der  Wohnungsdes- 
infection  S.  12;  Reiseschilderungen  aus  Spanien  S.  25.  — Wagner,  P. : Physikalische 
und  geologische  Untersuchungen  der  Böhmerwaldseen  S.  12.  — Excursionen  nach 
Demitz  bei  Bischofswerda  S.  12  und  nach  Plauen  b.  Dr.  S.  25. 


B.  Abhandlungen. 

Drude,  0.:  Resultate  der  floristischen  Reisen  in  Sachsen  und  Thüringen.  S.  82. 
Engelhardt,  H.:  Sardinische  Tertiärpflanzen.  II.  S.  101. 

Ha  11  wachs,  W.:  Ueber  ein  Doppeltrogrefractometer  und  Untersuchungen  mit  dem- 
selben an  Lösungen  von  Bromcadmium,  Zucker,  Di-  und  Trichloressigsäure 
sowie  deren  Kaliumsalzen,  mit  3 Abbildungen.  S.  49. 

Nessig,  R.:  Studien  über  den  Dresdner  Haidesand.  S.  27. 

Schlossmann,  A.:  Ueber  die  Bedeutung  der  Milch  als  Nahrungsmittel.  S.  33. 
Schorler,  B.:  Bereicherungen  der  Flora  Saxonica  im  Jahre  1898.  S.  97. 

Thallwitz,  J. : Ueber  das  Vorkommen  des  Ziesels  in  Sachsen.  S.  95. 

Toepler,  M. : Geschichtete  Dauerentladung  in  freier  Luft  (Büschellichtbogen)  und 
Righi’sche  Kugelfunken,  mit  Tafel  I und  29  Abbildungen.  S.  3. 


Die  Autoren  sind  allein  verantwortlich  für  den  Inhalt  ihrer 

Abhandlungen . 


Die  Autoren  erhalten  von  den  Abhandlungen  50,  von  den  Sitzungsberichten  auf 
besonderen  Wunsch  25  Sonder  - Abzüge  gratis,  eine  grössere  Anzahl  gegen  Erstattung 

der  Herstellungskosten. 


Sitzungsberichte 

der 

Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft 

ISIS 

in  Dresden. 


1898, 


I.  Section  für  Zoologie. 


Erste  Sitzung  am  13.  Januar  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  H. 
Nit  sehe.  — Anwesend  27  Mitglieder. 

Lehrer  CI.  Vogel  spricht  über  Bastardirungsvorgänge  bei  Säuge- 
thieren. 

Director  A.  Schöpf  giebt  im  Anschluss  hieran  Mittheilungen  über 
Kreuzungsversuche  im  Dresdner  zoologischen  Garten  und 

Prof.  Dr.  H.  Nitsche  erwähnt  noch  die  angeblich  in  Südamerika 
häufigeren  und  von  den  Franzosen  „ chabin “ genannten  Kreuzungen  von 
Ziege  und  Schaf. 

Prof.  Dr.  H.  Nitsche  spricht  ferner  über  Entwickelung  und 
Wechsel  der  Hörner  bei  der  amerikanischen  Gabelantilope 
(Antilocapra  americana)  und  berichtet  unter  Vorlage  mikroskopischer 
Präparate  über  seine  histologischen  Untersuchungen  ihrer  Hornscheide. 


Zweite  Sitzung  am  3.  März  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  H. 
Nitsche.  — Anwesend  26  Mitglieder. 

Prof.  Dr.  H.  Nitsche  widmet  dem  am  6.  Februar  1898  verstorbenen 
Ehrenmitgliede  der  Isis  Prof.  Dr.  R.  Leuckart  einen  Nachruf.  Die  Ver- 
sammlung ehrt  das  Andenken  des  berühmten  Verstorbenen  durch  Erheben 
von  den  Sitzen. 

Institutsdirector  Th.  Reibisch  zeigt  und  bespricht  von  Dr.  Th.  Wolf 
gesammelte  und  von  dem  Redner  bearbeitete  Binnenconchylien  aus 
Ecuador. 

Prof.  Dr.  H.  Nitsche  erläutert  die  Wandelungen,  welche  die 
Linne’sche  Systematik  der  Säugethiere  in  den  verschiedenen  Aus- 
gaben des  „Systema  naturae“  durchgemacht  hat,  unter  Vorlegung  der 
wichtigeren  Ausgaben  dieses  Werkes  und  eines  in  seinem  Privatbesitz 
befindlichen  Collegienheftes  nach  den  Vorlesungen  Linne’s  vom  Jahre  1748. 


Dritte  Sitzung  am  5.  Mai  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  H.  Nitsche. 
— Anwesend  36  Mitglieder. 

Prof.  Dr.  H.  Nitsche  spricht  über  die  elektrischen  Fische  und 
erläutert  seinen  Vortrag  durch  Spirituspräparate  und  eine  Tafel. 


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Dr.  J.  Thallwitz  giebt  im  Anschluss  Auskunft  über  die  von  ihm  in 
der  zoologischen  Station  zu  Neapel  beobachtete  Stärke  der  Schläge  des 
Zitterrochens. 

Institutsdirector  Th.  R ei  bi  sch  und  Prof.  Dr.  R.  Ebert  stellen  einige 
in  der  „Zoologie“  von  C.  Baenitz,  Berlin  1880,  8°,  befindliche  Angaben 
über  Purpurschnecke  und  Bandwurm  richtig. 

Institutsdirector  Th.  Reibisch  berichtet  über  die  Einführung  von 
Helix  candiccins  im  Plauenschen  Grunde. 

Helix  ( Xerophila ) candicans  Ziegl.,  welche  neuerdings  auf  einer  Höhe  neben  dem 
Plauenschen  Grunde  gesammelt  worden  ist,  gehört  ursprünglich  nicht  in  die  sächsische 
Fauna.  Weder  Rossmaessler  noch  Andere  gedenken  ihrer  in  dieser  Beziehung.  Zur 
Erklärung  dieses  neuen  Vorkommens  theilt  der  Vortragende  mit,  dass  er  vor  ungefähr 
50  Jahren  die  Bekanntschaft  eines  Herrn  Karl  Grust  gemacht  habe,  welcher  die  Ross- 
maessler’sche  Iconographie  eifrig  stüdirte  und  fleissig  darnach  sammelte.  Auf  den  vielen 
Sammeltouren,  welche  derselbe  ausführte,  prägte  er  sich  auch  die  Bodenformen  und 
deren  Bestandteile,  wo  seine  Lieblinge  vorkamen,  besonders  ein.  Einstmals,  beim  Be- 
suche des  „Weissen  Berges“  bei  Prag,  fand  er  eine  ähnliche  Bergform  wie  hier  am 
„Plauenschen  Grunde“  und  fragte  sich  dabei:  Ob  wohl  die  Schnecken,  die  am  „Weissen 
Berge“  Vorkommen,  auch  am  „Plauenschen  Grunde“  leben  können?  Um  eine  bestimmte 
Antwort  auf  seine  Frage  zu  erhalten,  sammelte  er  eine  Menge  Schnecken,  die  er  für 
Helix  ericetorum  Müll,  hielt,  und  siedelte  dieselben  als  Colonisten  auf  der  genannten 
Höhe  an,  wo  sie  noch  heute  lustig  gedeihen. 


II.  Section  für  Botanik. 


Erste  Sitzung  am  20.  Januar  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  0. 
Drude.  — Anwesend  27  Mitglieder,  2 Gäste. 

Prof.  Dr.  0.  Drude  trägt  vor  über  die  Milchsaftröbren  der 
Euphorbien,  unter  Vorführung  eines  abgeschnittenen  Busches  aus  dem 
K.  Botanischen  Garten  und  zahlreicher  mikroskopischer  Präparate  von 
Euphorbia  piscatoria  Ait.,  die  letzteren  hergestellt  von  Herrn  R.  Pohle, 
Assistenten  am  botanischen  Institut  der  K.  Technischen  Hochschule. 

Hieran  schliesst  derselbe  Mittheilungen  über  den  gegenwärtigen 
Stand  der  Nomenclatur frage,  insbesondere  über  die  sehr  massvoll 
gehaltene  Erklärung  der  Beamten  des  Berliner  botanischen  Gartens  und 
Museums. 

Dr.  B.  Schorler  trägt  vor  über  den  Antheil  der  Pflanzen  an  der 
Selbstreinigung  der  Flüsse,  speciell  der  Elbe  bei  Dresden. 

Eine  ausführliche  Untersuchung  über  diesen  Gegenstand  ist  zunächst  als  Gut- 
achten an  den  Stadtrath  zu  Dresden  vom  Vortragenden  ergangen  und  wird  weiterhin 
verfolgt  werden.  Dieselbe  befindet  sich  auch  an  anderer  Stelle  in  Druck. 


Zweite  Sitzung  am  10.  März  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  0.  Drude. 
— Anwesend  44  Mitglieder,  2 Gäste. 

Dr.  R.  Walther,  Privatdocent  für  Chemie  an  der  K.  Technischen  Hoch- 
schule, bespricht  den  von  ihm  construirten  neuen  Desinfectionsapparat, 
welcher  geschlossene  Räume  mit  dampfförmig  zerstäubtem  Eormaldehyd 
zu  erfüllen  bestimmt  ist,  und  theilt  die  von  Dr.  med.  A.  Schloss  mann 


5 


ausgeführten  Controlen  über  die  energische  Wirkung  auf  die  lebens- 
fähigsten Bakterien  in  Kürze  mit. 

Assistent  R.  Pohle  hat  im  botanischen  Laboratorium  eine  mikro- 
skopische Demonstration  des  Heu-Bakteriums:  Bacillus  subtilis,  mit 
intensiver  Geisselfärbung  veranstaltet  und  bespricht  das  hierbei  an- 
gewendete Tinctionsverfahren. 

Prof.  Dr.  0.  Drude  hält,  anknüpfend  an  die  ausführlichen  Mit- 
theilungen von  Nobbe  in  der  November-Hauptversammlung  1896,  einen 
kurz  zusammenfassenden  Vortrag  über  die  jetzigen  Anschauungen,  welche 
der  stickstoffsammelnden  Thätigkeit  der  in  den  Leguminosen- 
Knöllchen  vegetirenden  Bodenbakterien  gelten,  besonders  über  die 
Frage  nach  Symbiose  oder  parasitärer  Infection  mit  späterem  für  die 
Ernährung  günstigen  Erfolge. 

Vorgelegt  werden  Prof.  Dr.  A.  Fischers  Vorlesungen  über  Bakterien. 


Dritte  Sitzung  am  12.  Mai  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  0.  Drude. 
— Anwesend  40  Mitglieder,  5 Gäste. 

Dr.  med.  J.  Grün  dl  er  hat  mit  20  aufgestellten  Mikroskopen,  unter 
welchen  die  doppelte  Anzahl  auserlesener  Präparate  seiner  selbst  ver- 
fertigten Sammlung  vorgeführt  wird,  einen  grossen  Demonstrationsvortrag 
über  Bacillariaceen  (Diatomeen)  vorbereitet. 

■ Der  Vortragende  erläutert  das  für  die  Aufbewahrung  und  den  Einschluss  der 
Bacillariaceen  übliche  Verfahren  und  die  Herstellung  der  sogen.  Typenplatten,  ver- 
anschaulicht ausserdem  den  Gegenstand  durch  zahlreiche  Tafelwerke  seiner  Privat- 
bibliothek, 

Assistent  B.  Pohle  hält  darauf  eine  zweite  mikroskopische  Demon- 
stration über  den  Beginn  der  Cambium-Thätigkeit  bei  Populus 
canadensis,  verfolgt  an  einem  dieser  Beobachtung  im  botanischen 
Garten  gewidmeten  Exemplare  im  April  und  der  ersten  Mai -Dekade 
dieses  Jahres. 

Vorgelegt  werden  von  Herrn  F.  Fritzsche  mehrere  Blüthen-Ab- 
normitäten,  besonders  die  Convallaria  majalis  fl.  roseo  von  dem  Original- 
Standorte  in  der  Lössnitz,  sowie 

vom  Vorsitzenden  verschiedene  neuere  Werke:  Annals  of  R.  Garden, 
Calcutta;  F.  von  Müller:  Salsolaceous  plants;  Tschirch:  Anatomischer 
Atlas  u.  a.  m. 


III.  Section  für  Mineralogie  und  Geologie. 


Erste  Sitzung  am  3.  Februar  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  E. 
Kalkowsky.  — Anwesend  41  Mitglieder  und  Gäste. 

Der  Vorsitzende  bespricht  die  Zwillingsbildungen  des  Quarzes 
unter  Vorlegung  von  Zwillingen  mit  gekreuzten  Axensystemen  aus  Japan 
und  von  Doppelzwillingen  von  Amethyst  aus  Brasilien  nebst  Präparaten. 

Sodann  bespricht  er  ausführlich  das  Werk  von  Dr.  Alphons  Stübel: 
Die  Vulkanberge  von  Ecuador,  Berlin  1897,  4°. 


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Zweite  Sitzung  am  17.  März  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  E. 
Kalkowsky.  — Anwesend  29  Mitglieder  und  Gäste. 

Der  Vorsitzende  macht  zu  der  von  Herrn  W.  Put  sc  her  ausgestellten 
Edelsteinsuite  einige  allgemeine  Bemerkungen  über  den  Begriff  der 
Edelsteine  und  ihren  Werth. 

Dr.  W.  Bergt  hält  seinen  an  gekündigten  Vortrag  über  die  Geologie 
der  Antillen. 

Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky  bespricht  die  zweite  Hälfte  der  von  Ober- 
lehrer Dr.  E.  Nessig  als  Programmschrift  des  Eealgymnasiums  zu  Dresden- 
Neustadt  ausgearbeiteten  „Geologischen  Excursionen  in  der  Umgegend 
von  Dresden“. 

Prof.  H.  Engelhardt  legt  vor  den  ersten  Theil  des  zweiten  Bandes 
der  Beschreibung  der  unter  der  Leitung  von  E.  von  Drygalski  1891 — 1893 
ausgeführten  Grönland-Expedition  und 

berichtet  über  seine  neuesten  Untersuchungen  von  Pflanzen  aus 
dem  Polirschiefer  von  Sulloditz  in  Böhmen. 


Dritte  Sitzung  am  9.  Juni  1898.  Vorsitzender:  Privatdocent  Dr.  W. 
Bergt.  — Anwesend  32  Mitglieder  und  Gäste. 

Oberlehrer  Dr.  E.  Nessig  hält  einen  Vortrag  über  Studien  über 
den  Dresdner  Haidesand.  (Vergl.  Abhandlung  II.) 

Dr.  E.  Naumann  berichtet  über  Concretionen  im  Glacialmergel 
von  Sellbu  in  Norwegen  und  von  den  Imatrafällen  in  Finnland. 

Der  Vorsitzende  legt  vor  die  neueste  Arbeit  von  Geh.  Eath  Prof. 
Dr.  II.  B.  G einitz:  Die  Calamarien  der  Steinkohlenformation  und  des 
Bothliegenden  im  Dresdner  K.  Mineralogisch-geologischen  Museum,  Leipzig 
1898,  4°,  und 

macht  im  Anschluss  daran  einige  allgemeine  Bemerkungen  über  die 
Bestimmung  von  Calamiten. 


IV.  Section  für  prähistorische  Forschungen. 


Erste  Sitzung  am  10.  Februar  1898.  Vorsitzender:  Dr.  J.  Deich- 
müller. — Anwesend  27  Mitglieder. 

Prof.  Dr.  H.  Nitsche  spricht  über  die  sogenannten  Wetzikon- 
stäbe als  angeblichen  Beweis  für  die  Existenz  des  Menschen  zur  Inter- 
glacialzeit  in  der  Schweiz. 

Die  in  den  interglacialen  Scliieferkolüen  von  Wetzikon  hei  Zürich  gefundenen,  an- 
geblich durch  Menschenhand  zugespitzten  Holzstücke,  welche  Kütimeyer  für  Zeugen 
der  Existenz  des  Menschen  zur  Interglacialzeit  in  Europa  erklärte,  sind  nach  den 
neuesten  Untersuchungen  von  C.  Schröter  (Festschr.  d.  naturforsch.  Ges.  Zürich,  1896, 
2.  Th. , S.  407  u.  f.)  nur  herausgewitterte  Aeste  von  Fichte  und  Kiefer,  sogen.  „Horn- 
äste“, ohne  jede  Spur  menschlicher  Bearbeitung.  Der  Vortragende  legt  verschiedene 
derartige,  aus  der  Sammlung  der  K.  Forstakademie  Tharandt  stammende  Homäste, 
theils  ausgewitterte,  theils  noch  im  Stammholz  sitzende,  vor. 


7 


Hieran  schliesst  derselbe  Bemerkungen  über  uralte,  bis  heute  im  Nor- 
den und  Osten  von  Europa  erhaltene  Formen  von  Angelgeräthen,  ver- 
bunden mit  Demonstrationen  und  der  Vorlage  von  Schriften  von  0.  Grimm: 
Der  erste  Fischer  und  die  erste  Angel,  und  von  F.  Trybom:  Angel- 
haken von  Holz  aus  den  Scheeren  von  Norbotten  (Tidning  för  Idrott.,  No.  24, 
1888). 

Diese  Geräthe,  die  von  den  Karelen  an  den  Nowgorod’schen  Seen  und  den  Finnen 
am  Nordende  des  botnischen  Meerbusens  zum  Fange  grosser  Aalraupen  gebraucht 
werden,  sind  mit  kleinen  lebenden  Fischen  geköderte  Setzangeln  mit  hölzernen  Haken. 
Ein  solcher  Haken  wird  dadurch  hergestellt,  dass  ein  gerades  Fichten-  oder  Birken- 
ästchen etwas  ober-  und  unterhalb  der  Stelle,  wo  von  ihm  ein  Seitenzweig  abgeht,  ab- 
geschnitten und  zugespitzt  wird.  Der  gleichfalls  passend  gekürzte  und  gespitzte  Seiten- 
zweig bildet  dann  den  Widerhaken,  an  dessen  Ursprungsstelle  die  Angelleine  angebunden 
wird.  Der  Haken  wird  derartig  in  den  Köderfisch  geschoben,  dass  nur  der  Seitenzweig 
am  Bauche  nach  hinten  vorragt  und  die  Schnur  in  einer  Schlinge  um  den  Köder  ge- 
legt ist. 

Prof.  Dr.  H.  Nitsche  erläutert  noch  den  Bau  der  Fischspeere  und 
die  Art  des  Fischfangs  mit  denselben. 

Dr.  J.  Deichmüller  berichtet  über  den  Erfolg  der  Eingaben  an  die 
K.  Ministerien,  den  Schutz  der  urgeschichtlichen  Alterthümer  in  Sachsen 
betreffend,  und 

bespricht  einen  zur  Ansicht  ausgestellten  Bronzefund  von  Velem 
St.  Veit  in  Ungarn  unter  Hinweis  auf  die  Beschreibung  dieses  Fundes 
in  den  Mittheil.  d.  Wien,  anthrop.  Ges.  1897,  XVII.  Bd. 


Excursion  am  18.  Juni  1898. 

Unter  Führung  von  Dr.  J.  Deichmüller  besuchten  13  Mitglieder  von 
Niedersedlitz  aus  zunächst  die  zum  Bittergut  Lockwitz  gehörende  Kies- 
grube westlich  der  Niedermühle,  in  welcher  Herdstellen  aus  der  jüngeren 
Steinzeit  mit  den  charakteristischen  Resten  der  Bandkeramik  aufgeschlossen 
sind,  und  später  den  Burgberg  südwestlich  von  Lockwitz,  wo  ein  dort 
angelegter  Steinbruch  Gelegenheit  gab,  Gefässscherben  aus  slavischer 
Zeit  in  reichlicher  Menge  zu  sammeln. 


Y.  Section  für  Physik  lind  Chemie. 


Erste  Sitzung  am  17.  Februar  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  F. 
Foerster.  — Anwesend  53  Mitglieder  und  Gäste. 

Privatdocent  Dr.  R.  Walther  spricht  über  Explosivstoffe  und  er- 
läutert seinen  Vortrag  durch  Versuche  und  durch  Vorlage  von  Präparaten. 

Nach  einem  geschichtlichen  Ueberblick  über  die  Erfindung  des  Schiesspulvers,  seine 
Herstellung  und  Yerbrennungsproducte  (feste  und  gasförmige)  geht  der  Vortragende  von 
diesen  impulsiven  auf  die  fulminanten  Explosivstoffe  (Knallquecksilber,  Knallgold, 
Acetylen -Metallverbindungen)  über,  von  denen  das  Knallquecksilber  als  Carbyloxim- 
quecksilber  (C=NO)2Hg  in  neuester  Zeit  von  Nef  erkannt  wurde.  Seit  1832  nitrirte 
man  Stärke,  Holzfaser  u.  s.  w.  und  gelangte  1845  (Böttger)  zur  Schiesswolle,  dem 
Vorläufer  des  Dynamits.  Dieses  Del,  als  Trinitroglycerin  1845  von  Sobrero  entdeckt, 


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wurde  1866  durch  Nobel  praktisch  anwendbar  gemacht  durch  seine  Vereinigung  mit 
Kieselguhr.  Hierauf  folgte  die  Entdeckung  der  Sprenggelatine  und  1886  die  des  rauch- 
losen Pulvers  (Schiessbaumwolle  und  Pikrinsäure).  Technische  Darstellung  der  Schiess- 
baumwolle, ihre  Anwendung  und  Wirkung,  sowie  eine  eingehende  Besprechung  des 
Nitroglycerins  neben  den  Pikraten  bilden  den  Schluss  des  Vortrags. 


Zweite  Sitzung  am  24.  März  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  F. 
Pockels.  — Anwesend  40  Mitglieder. 

Prof.  Dr.  F.  Pockels  spricht  über  die  bei  Blitzentladungen  vor- 
kommenden Stromstärken. 

Der  Vortragende  erwähnt  zunächst  die  bisher  vorliegenden  Schätzungen  der  bei 
Blitzschlägen  auftretenden  mittleren  Stromstärken  durch  W.  Kohlrausch  und  die  Be- 
rechnung der  entladenen  Elektricitätsmenge  durch  E.  Riecke.  Sodann  bespricht  er 
seine  eigenen  Versuche  über  die  Magnetisirung  von  Basaltstäben  durch  nicht  oscillirende 
Batterieentladungen,  durch  welche  nachgewiesen  ist,  dass  die  remanente  Magnetisirung 
als  Mass  für  das  Maximum  der  Entladungsstromstärke  dienen  kann.  Es  wird  ein  solcher 
Versuch  vorgeführt,  bei  dem  ein  in  einigen  Centimetern  Abstand  neben  einer  gerad- 
linigen Strecke  des  Schliessungskreises  der  Batterie  liegendes  kurzes  Basaltprisma  durch 
eine  nicht  oscillirende  Entladung  von  1500  Ampere  maximaler  Stromstärke  stark  magne- 
tisirt  wurde,  durch  eine  viel  stärkere  oscillirende  Entladung  dagegen  gar  nicht,  ja  sogar 
den  vorhandenen  Magnetismus  ganz  verlor.  Da  nun  die  Blitze  aller  Wahrscheinlichkeit 
nach  nicht  oscillirende  Entladungen  sind,  so  glaubt  der  Vortragende,  dass  diese  Methode 
auch  zur  Ermittelung  von  deren  Maximalstromstärke  würde  dienen  können,  indem  man  an 
besonders  exponirten  Blitzableitern  Basaltstäbe  in  geeigneter  Weise  anbrächte.  In  Er- 
mangelung derartiger  Beobachtungen  konnte  zunächst  nur  eine  rohe  Schätzung  der 
Stärke  von  Blitzschlägen,  welche  an  W aldbäumen  auf  Basaltbergen  ihre  Spuren  hinter- 
lassen haben,  durch  Messung  des  magnetischen  Momentes  von  am  Eusse  dieser  Bäume 
gesammelten  Basaltstücken  ausgeführt  werden;  es  ergaben  sich  dabei  in  3 Fällen  für 
die  Maximalstromstärke  untere  Grenzwerthe  von  6400—10800  Ampöre. 

Der  Vortragende  schliesst  mit  der  an  die  Isis  - Mitglieder  gerichteten  Bitte,  ihm 
von  ähnlichen  etwa  in  den  benachbarten  Basaltgebieten  beobachteten  Fällen  Mittheilung 
zu  machen. 

Dr.  M.  Toepler  spricht  über  die  Schichtung  elektrischer  Funken 
und  über  Gleitfunken. 

Der  Vortragende  bespricht  zunächst  die  eigenthümliche  Erscheinung,  dass  bei 
Elektricitätsentladung  durch  Luft  oder  Gase  die  Intensität  der  Licht-  und  Wärme- 
entwickelung nicht  an  allen  Stellen  der  Entladungsbahn  (des  Funkens,  Blitzes,  Licht- 
bogens u.  s.  w.)  die  gleiche  ist.  Es  bilden  sich  sogen.  Schichten  (Licht-  oder  Wärme- 
schichten) aus,  d.  h.  Stellen  grösserer  und  kleinerer  Licht-  und  Wärmewirkung  folgen 
einander  in  mehr  oder  minder  grosser  Regelmässigkeit.  Nach  Besprechung  hierher  ge- 
höriger Beobachtungen  von  A.  Toepler,  Lehmann,  Kayser,  von  Obermayer  u.  A.  wird  die 
noch  wenig  beachtete  Erscheinung , dass  auch  der  Metalldampf  dünner  (durch  eine 
Batterieentladung  zerstäubter)  Metalldrähte  unter  Umständen  klar  geschichtet  ist,  ein- 
gehender behandelt.  Nach  Projection  von  geschichteten  Metalldampf- Niederschlägen 
verschiedener  zerstäubter  Drähte  wird  die  Bildung  von  Gleitfunken  längs  Metallpulver, 
auf  Wasseroberflächen  und  Gipsplatten,  sowie  auf  einseitig  metallisch  belegten  Glas- 
platten (vergl.  hierzu  Abh.  d.  naturwissenschaftl.  Ges.  Isis  in  Dresden,  1897,  S.  41)  be- 
sprochen. Vortragender  weist  nach,  dass  man  zwei  Arten  von  Gleitfunken  zu  unter- 
scheiden hat;  die  Ausbildung  des  langen  Gleitfunkenkanales  kann  entweder  durch  eine 
einmal  in  geeigneter  Weise  an  den  Gleitfunkenpolen  auftretende  Potentialdifferenz 
veranlasst  werden,  oder  auch  dadurch,  dass  letztere  mehrmals  innerhalb  sehr 
kurzer  Zeit  (im  Rhythmus  elektrischer  Oscillationen)  ihr  Vorzeichen  wechselt.  Gleit- 
funken von  mehr  als  einem  Meter  Länge  werden  zum  Schlüsse  vorgeführt. 


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Dritte  Sitzung  am  23.  Juni  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  F. 

Foerster.  — Anwesend  37  Mitglieder  und  Gäste. 

Dr.  A.  Schlossinann  spricht  über  die  Milch  und  ihre  Bedeutung 
als  Nahrungsmittel  und  erläutert  den  Vortrag  durch  Versuche  und 
Vorlegung  von  Präparaten.  (Vergl.  Abhandlung  III.) 

Dr.  A.  Lottermoser  spricht  über  das  collo'idale  Quecksilber. 

Anschliessend  an  die  Arbeiten  E.  von  Meyers  und  des  Vortragenden  über  colloidales 
Silber  versuchte  Letzterer  auch  Quecksilber  in  colloidaler  Form  zu  gewinnen.  Nach  vielen 
vergeblichen  Versuchen,  dasselbe  durch  Einwirkung  der  verschiedensten  Reductionsmittel 
auf  Quecksilbersalze,  namentlich  Quecksilber  oxydulnitrat,  zu  gewinnen,  wobei  meist  un- 
lösliches graues  Metall  entstand,  führte  endlich  die  Anwendung  von  Zinnoxydulsalzen 
zum  Ziele.  Zur  technischen  Gewinnung  wird  eine  Lösung  von  Zinnoxydulnitrat  ver- 
wendet, welches,  mit  einer  Lösung  von  Quecksilberoxydulnitrat  versetzt,  eine  tiefbraune 
Flüssigkeit,  die  Lösung  des  collo'idalen  Quecksilbers,  giebt,  aus  welcher  durch  Ammon- 
citrat dasselbe  in  fester  Form  ausgesalzen  wird. 

Andere  Zinnoxydulsalze,  namentlich  Zinnchlorür,  zu  verwenden  bietet  noch  einige 
Schwierigkeiten,  doch  hofft  der  Vortragende,  durch  fortgesetzte  Versuche  dieselben  zu 
heben.  Zinnoxydulsulfat  erzeugt  einen  tiefbraunen  Niederschlag,  welcher  als  Analogon 
des  Goldpurpurs  des  Cassius  als  ein  basischer  Zinnsalzniederschlag,  auf  dem  sich  colloidales 
Quecksilber  abgeschieden  hat,  angesehen  werden  muss. 

Das  Präparat,  welches  von  der  Firma  von  Heyden  in  Radebeul  fabricirt  wird,  soll 
in  der  Medicin  als  Ersatz  des  gewöhnlichen  Quecksilbers  dienen;  Versuche  in  dieser 
Richtung  sollen  in  der  nächsten  Zeit  beginnen.  Das  collo'idale  Quecksilber  wird  wegen 
seiner  Löslichkeit  in  Wasser  entschiedene  Vortheile  vor  dem  gewöhnlichen  Quecksilber 
bieten. 


Yl.  Section  für  Mathematik. 


Erste  Sitzung  am  10.  Februar  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  K. 
Rohn.  — Anwesend  13  Mitglieder  und  Gäste. 

Prof.  Dr.  K.  Rohn  spricht  über  Zusammensetzung  von  Beweg- 
ungen und  reguläre  Raumeintheilung. 

Die  reguläre  Raumeintheilung  oder,  was  damit  gleichbedeutend  ist,  die  reguläre 
Anordnung  von  Punkten  im  Raume  ist  von  grösster  Bedeutung  für  die  Erklärung  der 
Molekularstructur  der  Krystalle.  Um  nicht  die  Grenzflächen  der  Krystalle  in  Betracht 
ziehen  zu  müssen,  denkt  man  sich  die  reguläre  Anordnung  der  Punkte  ins  Unbegrenzte 
fortgesetzt;  dann  kann  man  diese  Anordnung  so  definiren,  dass  man  sagt:  jeder  Punkt 
des  unbegrenzten  Systems  sei  von  der  Gesammtheit  der  übrigen  Punkte  in  ganz  gleicher 
Weise  umgeben,  wie  jeder  andere.  Darin  liegt  aber  das  Mittel,  solche  reguläre  Punkt- 
systeme zu  erzeugen;  denn  nach  der  Definition  wird  es  Bewegungen  des  Raumes  in 
sich  geben,  bei  welchen  das  reguläre  Punktsystem  mit  sich  selbst  zur  Deckung  kommt. 
Solcher  Raumbewegungen  werden  unendlich  viele  existiren  und  zwar  wird  dabei  irgend 
ein  Punkt  des  Systems  in  einen  beliebigen  anderen  übergeführt  werden  können.  Um- 
gekehrt kann  man  aus  einem  Punkte  alle  übrigen  Punkte  des  Systems  ableiten,  indem 
man  ihn  alle  jene  Raumbewegungen  ausführen  lässt.  Diese  Raumbewegungen  bilden 
aber  eine  Gruppe,  d.  h. : Kennt  man  irgend  zwei  Raumbewegungen,  welche  das  reguläre 
Punktsystem  mit  sich  selbst  zur  Deckung  bringen,  so  thun  dies  auch  alle  Raum- 
bewegungen, die  sich  aus  jenen  beiden  durch  Wiederholung  und  Combination  zusammen- 
setzen lasUu;  das  liegt  ja  ganz  auf  der  Hand.  Eine  allgemeine  Raumbewegung  lässt 
sich  aber  durch  eine  Schraubenbewegung  ersetzen.  Giebt  es  also  irgend  zwei  Schrauben- 
bewegungen, welche  das  reguläre  Punktsystem  in  sich  überführen,  so  thun  dies  alle 
Schraubenbewegungen,  die  aus  jenen  durch  Wiederholung  und  Zusammensetzung  her- 
vorgehen. Mit  anderen  Worten:  Aus  einem  Punkte  erhält  man  alle  Punkte  des  regu- 
lären Systems , indem  man  ihn  allen  Bewegungen  unterwirft , die  sich  aus  zwei 
Schraubungen  durch  Wiederholung  und  Combination  ergeben. 


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Es  wird  mm  die  Frage  sein,  ob  man  mit  zwei  beliebigen  Schraubungen  ein  regu- 
läres Punktsystem  erzeugen  kann.  Zum  näheren  Studium  dieser  Frage  werden  zunächst 
die  Zusammensetzung  und  Zerlegung  von  Bewegungen  in  der  Ebene  (Drehung  und 
Schiebung),  und  sodann  von  Bewegungen  im  Baume  (Drehung,  Schiebung  und 

Schraubung)  besprochen.  Als  die  wichtigsten  Sätze  hierbei  mögen  folgende  beide  her- 
vorgehoben werden:  1.  Jede  Schraubung  um  eine  Axe  kann  ersetzt  werden  durch  eine 

Schraubung  um  irgend  eine  dazu  parallele  Axe  und  eine  vorausgehende  oder  nach- 

folgende Schiebung;  die  zu  den  Schraubungen  gehörigen  Winkel  sind  gleich.  2.  Zwei 
aufeinanderfolgende  Schraubungen  lassen  sich  durch  eine  einzige  Schraubung  ersetzen; 
Axenrichtung  und  Winkel  der  letzteren  hängen  nur  von  den  Axenrichtungen  und  Winkeln 
der  ersteren  ab.  Diese  Abhängigkeit  ist  die  gleiche,  wenn  man  statt  der  Schraubungen 
drei  Drehungen  um  drei  durch  einen  Punkt  laufende  Axen  ausführt,  wenn  nur  die 
Drehungsaxen  den  bez.  Schraubenaxen  parallel  und  die  Drehungswinkel  den  bez. 

Schraubungs winkeln  gleich  sind. 

Mit  Hilfe  dieser  Sätze  wird  hierauf  ein  Beweis  von  Schön  flies  entwickelt,  worin 
gezeigt  wird,  dass  man  im  Allgemeinen  aus  zwei  Schraubungen  durch  Zusammensetzung 
stets  beliebig  kleine  Schraubungen  ableiten  kann,  d.  h.  solche,  die  sich  in  eine  beliebig 
kleine  Schiebung  und  in  eine  beliebig  kleine  Drehung  zerlegen  lassen.  Nur  wenn  die 
Schraubungs winkel  für  die  beiden  Schraubungen  ganzzahlige  Theile  von  2 n sind,  lassen 
sich  aus  ihnen  keine  beliebig  kleinen  Schraubungen  ableiten.  Im  ersten  Falle  werden 
die  Punkte  des  regulären  Systems  beliebig  dicht  bei  einander  liegen.  Solche  Systeme 
können  aber  nicht  die  Anordnung  der  Moleküle  eines  Krystalls  repräsentiren , denn  die 
Abstände  dieser  Moleküle  von  einander  werden  zwar  sehr  klein,  aber  immerhin  endlich 
sein.  Es  werden  also  nur  zwei  Schraubungen,  deren  Winkel  ganzzahlige  Teile  von  2 n 
sind,  zur  Erzeugung  regulärer  Punktsysteme,  wie  sie  die  Molekularstructur  fordert, 
Verwendung  finden  können.  Daraus  geht  sofort  hervor,  dass  es  auch  reine  Schiebungen 
in  der  Dichtung  der  Schraubenaxen  giebt,  welche  das  reguläre  Punktsystem  in  sich 
selbst  überführen.  Das  Punktsystem  lässt  sich  demzufolge  in  mehrere  Punktgitter  auf- 
lösen,  wobei  jedes  Gitter  einer  regulären  Eintheilung  des  Baumes  in  Parallelepipeda 
entspricht.  Diese  Bemerkung  ermöglicht  aber  die  Aufsuchung  aller  regulären  Punkt- 
systeme. 


Zweite  Sitzung  am  14.  April  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  K. 
Rohn.  — Anwesend  9 Mitglieder. 

Dr.  A.Witting  spricht  über  planimetrische  Constructionen  in 
begrenzter  Ebene. 

Der  Vortragende  führt  zunächst  ein  Beispiel  dafür  an,  dass  bei  sehr  bekannten 
planimetrischen  Elementaraufgaben  nicht  immer  die  einfachsten  mit  Zirkel  und  Lineal 
möglichen  Constructionen  ausgeführt  zu  werden  pflegen.  Sodann  wird  an  einer  Anzahl 
Fundamentalaufgaben  gezeigt,  wie  eine  exacte  Construction  praktisch  möglich  ist,  wenn 
einzelne  der  gegebenen  Punkte  ausserhalb  des  Bandes  des  Beissbretts  liegen.  Dabei 
wurde  insbesondere  angenommen,  dass  sich  gegebene  Geraden  in  weiter  Ferne  unter  so 
spitzen  Winkeln  schneiden,  dass  Parallelverschiebungen  und  Aehnlichkeitsconstructionen 
ausgeschlossen  werden  müssen.  Den  Schluss  bilden  einige  Aufgaben,  bei  denen  Punkte 
in  unendliche  Entfernung  gerückt  waren. 


Dritte  Sitzung  am  16.  Juni  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  K.  Rohn. 
— Anwesend  10  Mitglieder. 

Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  M.  Krause  spricht  über  Partialbruch- 
zerlegung bei  transcendenten  Functionen. 

Gegenstand  des  Vortrags  bildet  ein  Beweis  des  berühmten  Mittag-Leffler’schen 
Theorems  über  die  Zerlegung  der  sogen,  gebrochenen  transcendenten  Functionen.  Zu 
den  elementaren  Begriffen  der  ganzen  rationalen  und  der  gebrochenen  rationalen 
Function  hat  die  neuere  Functionentheorie  zwei  naturgemässe  Gegenstücke  geschaffen: 
die  Begriffe  der  ganzen  transcendenten  und  der  gebrochenen  transcendenten  Function. 
Nachdem  Weierstrass  gezeigt  hatte,  dass  jede  ganze  transcendente  Function  mit 
einer  endlichen  oder  unendlichen  Anzahl  von  Nullstellen  in  ähnlicher  Weise  wie  eine 


11 


ganze  rationale  Function  als  ein  Product  von  Ausdrücken  darstellbar  ist,  deren  jeder 
nur  an  einer  Stelle  verschwindet,  lag  die  Yermuthung  nahe,  dass  jede  gebrochene  trans- 
cendente  Function  sich  ähnlich  wie  eine  gebrochene  rationale  Function  als  eine  Summe 
von  Ausdrücken  darstellen  lassen  werde,  die  im  Endlichen  nur  je  eine  ausserwesentliche 
singuläre  Stelle  besitzen.  Diese  Yermuthung  wurde  durch  das  genannte  Theorem  be- 
stätigt. — Vortragender  zeigt  nun,  im  Anschluss  an  Betrachtungen,  welche  H.  Burk- 
hardt  in  seinem  jüngst  erschienenen  „Lehrbuch  der  Functionentheorie“  angestellt  hat, 
dass  der  schwierige  und  umständliche  Beweis,  den  Mittag-Leffler  ursprünglich  für 
sein  Theorem  gegeben  hat,  durch  einen  kürzeren  und  wesentlich  einfacheren  ersetzt 
werden  kann. 

An  der  kurzen  Besprechung,  die  sich  an  den  Vortrag  knüpft,  be- 
theiligen sich  Prof.  Dr.  K.  Rohn  und  Dr.  A.  Witting. 


VII.  Hauptversammlungen. 


Erste  Sitzung  am  27.  Januar  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  G. 
Helm.  — Anwesend  54  Mitglieder  und  Gäste. 

Oberlehrer  Dr.  H.  Lohmann  spricht  über  Eishöhlen  und  Höhleneis. 

Vortragender  erläutert  an  einer  grossen  Zahl  von  Zeichnungen,  Photographien, 
Gips-  und  Paraffinabgüssen  den  Charakter  der  Eishöhlen  und  die  Structur  und  Art  der 
Entstehung  des  in  denselben  abgelagerten  Eises.  Eine  eingehende  Bearbeitung  dieses 
Gegenstandes  durch  den  Vortragenden  wird  voraussichtlich  in  der  Zeitschrift  des  deutsch- 
österreichischen Alpenvereins  veröffentlicht  werden. 

Dr.  med.  J.  Grosse  spricht  über  Carl  Gustav  Carus  in  seiner 
Bedeutung  für  die  Naturwissenschaften. 

Zum  Schluss  giebt  der  Vorsitzende  eine  kurze  Uebersicht  über  die  bis- 
her erzielten  Erfolge  der  Eingaben,  in  welchen  die  Isis  und  der  K.  Sachs. 
Alterthumsverein  bei  den  K.  Ministerien  um  Schutz  der  vorgeschichtlichen 
Alterthümer  des  Landes  nachgesucht  haben. 


Zweite  Sitzung  am  24.  Februar  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  G. 
Helm.  — Anwesend  44  Mitglieder  und  Gäste. 

Der  Vorsitzende  des  Verwaltungsraths,  Prof.  H.  Engelhardt,  legt 
den  Rechenschaftsbericht  für  1897  (s.  S.  15)  und  den  Voranschlag  für  1898 
vor.  Letzterer  wird  einstimmig  genehmigt.  Als  Rechnungsrevisoren  werden 
Bankier  A.  Kuntze  und  Architect  R.  Günther  gewählt. 

Geh.  Hofrath  Prof.  L.  Lewicki  spricht  über  das  maschinen- 
technische Laboratorium  der  K.  Technischen  Hochschule. 

Hieran  schliesst  sich  unter  der  Führung  des  Vortragenden  eine  Be- 
sichtigung dieses  Laboratoriums  und  seiner  Einrichtungen. 


Dritte  Sitzung  am  31.  März  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  G.  Helm. 
— Anwesend  24  Mitglieder  und  Gäste. 

Nachdem  der  Rechenschaftsbericht  für  1897  von  den  Rechnungs- 
revisoren geprüft  und  richtig  befunden  worden  ist,  wird  dem  Kassirer 
Decharge  er th eilt. 


12 


Oberlehrer  Dr.  P.  Wagner  spricht  über  die  physikalischen  und 
geologischen  Untersuchungen  der  Böhmerwaldseen  und  erläutert 
seinen  Vortrag  durch  zahlreiche  Photographien  und  Zeichnungen. 

Vergl.  hierzu:  Wissenschaftl.  Veröffentlich,  d.  Vereins  für  Erdkunde  zu  Leipzig, 
1898,  Bd.  IV. 


Vierte  Sitzung  am  28.  April  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  G. 
Helm.  — Anwesend  31  Mitglieder  und  Gäste. 

Das  K.  Sächs.  Ministerium  des  Innern  wünscht  die  Einreichung  eines 
Entwurfs  einer  kurzen  Belehrung  und  Anweisung  über  die  den  urgeschicht- 
liclien  Alterthümern  zu  widmende  Beachtung  und  Fürsorge.  Mit  der 
Bearbeitung  eines  solchen  Entwurfs  wird  Dr.  J.  Deichmüller  beauftragt. 

Ingenieur  E.  Lewicki  hält  unter  Vorführung  von  Experimenten  einen 
Vortrag  über  Centrifugalguss. 

Vergl.  hierzu:  Zeitschrift  des  Vereins  deutscher  Ingenieure,  Bd.  XLII. 

An  den  Vortrag  schliesst  sich  eine  kurze  Discussion. 


Fünfte  Sitzung  und  Excursion  am  19.  Mai  1898.  14  Mitglieder 
der  Dresdner  Isis  vereinigten  sich  in  Demitz  bei  Bischofswerda  mit 
fünf  Mitgliedern  der  Bautzner  Schwestergesellschaft  zu  einem  gemein- 
schaftlichen Ausflug  in  das  Granitgebiet  der  dortigen  Gegend. 

Nach  Besichtigung  der  dicht  an  der  Haltestelle  Demitz  aufgedeckten 
Gletscher  schliffe  und  Rundhöcker  auf  dem  Granit  wanderten  die  Theil- 
nehmer  unter  Führung  des  Herrn  E.  Rodig,  Geschäftsführers  der  Firma 
C.  G.  Kunath,  nach  dem  Klosterberg,  um  hier  die  Lagerungsverhältnisse 
und  die  Gewinnung  des  Granits  in  den  ausgedehnten  Steinbrüchen  kennen 
zu  lernen. 

Hieran  schloss  sich  unter  Vorsitz  von  Prof.  H.  Engelhardt  eine 
kurze  Hauptversammlung  im  Bahnhofsrestaurant  Demitz,  in  welcher 
verschiedene  geschäftliche  Angelegenheiten  erledigt  wurden. 

Eine  Fusswanderung  nach  Bischofswerda  schloss  den  vom  Wetter 
begünstigten  Ausflug  ab. 


Sechste  Sitzung  am  26.  Mai  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  G.  Helm. 
— Anwesend  43  Mitglieder  und  Gäste. 

Dr.  med.  A.  Schlossmann  spricht  über  eine  neue  Art  derWohnungs- 
Desinfection  durch  Zerstäuben  von  Formaldehyd  und  führt  den 
hierzu  benutzten  Apparat  in  Thätigkeit  vor. 

Privatdocent  Dr.  W.  Bergt  hält  einen  Vortrag  über  die  Geologie 
von  Schantung  (Kiautschou). 


13 


Siebente  Sitzung  am  30.  Juni  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  G. 
Helm.  — Anwesend  48  Mitglieder  und  Gäste. 

Prof.  H.  Engelhardt  legt  vor  und  bespricht  die  „Jubiläumsschrift 
zur  Feier  des  25jährigen  Bestehens  der  Gelsenkirchener  Bergwerksactien- 
gesellschaft  zu  Bheinelbe  bei  Gelsenkirchen“,  Düsseldorf  1898,  4°,  mit 
zahlreichen  Tafeln. 

Prof.  H.  Fischer  hält  einen  Demonstrationsvortrag  über  die 
Westinghouse-Bremse,  an  welchen  sich  eine  kurze  Debatte  anschliesst. 


Veränderungen  im  Mitgliederbestände. 

Gestorbene  Mitglieder: 

Am  7.  Februar  1898  starb  in  Leipzig  Geh.  Rath  Dr.  Rudolf 
Leuckart,  Professor  der  Zoologie  und  Zootomie  an  der  dortigen  Uni- 
versität, einer  der  hervorragendsten  und  verdientesten  Zoologen  der 
Gegenwart.  Unserer  Gesellschaft  gehörte  der  Verewigte  seit  1869  als 
Ehrenmitglied  an. 

Am  12.  April  1898  starb  in  München  Geh.  Rath  Dr.  Fridolin  von 
Sandberger,  bis  vor  kurzer  Zeit  Professor  der  Mineralogie  und  Geo- 
logie an  der  Universität  Würzburg,  correspondirendes  Mitglied  der  Isis 
seit  1862. 

Am  17.  April  1898  verschied  in  Cambridge,  Mass.,  im  Alter  yon 
74  Jahren  Jules  Marcou,  früher  Professor  der  paläontologischen  Geo- 
logie am  Polytechnikum  in  Zürich,  später  Staatsgeolog  der  Vereinigten 
Staaten  von  Nordamerika,  bekannt  durch  seine  Forschungen  im  Gebiete 
der  „Dyas“,  Ehrenmitglied  unserer  Gesellschaft  seit  1866. 

Am  22.  April  1898  starb  in  Celle  im  83.  Lebensjahr  Oberappellations- 
rath a.  D.  Dr.  Karl  Nöldeke,  bekannt  als  Florist  wie  als  Bearbeiter 
der  hannoverschen  Landesgeschichte,  Ehrenmitglied  der  Isis  seit  1888. 

Am  18.  Juni  1898  starb  in  München  Dr.  Karl  Wilhelm  von  Gümbel, 
K.  Bayerischer  Oberbergdirector  und  Professor  an  der  dortigen  Universität, 
ein  um  die  geologische  Erforschung  Bayerns  hochverdienter  Gelehrter, 
seit  1860  Ehrenmitglied  unserer  Gesellschaft. 

Neu  aufgenommene  wirkliche  Mitglieder: 

Biedermann,  Paul,  Dr.  phil.,  Realgymnasial-Oberlehrer  in  Dresden,  am 
27.  Januar  1898; 

Heinrich,  Karl,  Buchdruckereibesitzer  in  Dresden,  am  24.  Februar  1898; 
Henke,  Rieh.,  Prof.  Dr.,  Conrector  am  Annenrealgymnasium  in  Dresden, 
am  27.  Januar  1898; 

Jorre,  Friedr.,  Dr.  phil.,  Chemiker  in  Dresden,  am  30.  Juni  1898; 
von  Laffert,  Rieh.,  Major  in  Dresden,  am  27.  Januar  1898; 

Lewicki,  Ernst,  Ingenieur  und  Adjunct  am  Maschinenbau-Laboratorium 
der  K.  Techn.  Hochschule  in  Dresden,  am  19.  Mai  1898; 
Lottermoser,  Alfr.,  Dr.  phil.,  Assistent  am  anorg.-chem.  Laboratorium 
der  K.  Teclm.  Hochschule  in  Dresden,  am  30.  Juni  1898; 


14 


Mühlfriedei,  Rieh.,  Bezirksschullehrer  in  Dresden,  am  27.  Januar  1898; 
Müller,  Erich,  Dr.  phil.,  Chemiker  in  Dresden,  am  30.  Juni  1898; 
Paulack,  Theodor,  Apotheker  in  Dresden,  am  24.  Februar  1898; 
Prinzhorn,  Joh.  Ludw.,  Realschuldirector  in  Dresden,  am  27.  Januar  1898; 
Röhner,  Wilh.,  Bezirksschullehrer  in  Dresden,  am  31.  März  1898; 
Scheid  hau  er,  Rieh.,  Civilingenieur  in  Dresden,  am  19.  Mai  1898; 
Struve,  Alex.,  Dr.  phil.,  Fabrikbesitzer  in  Dresden,  ) 9 . v , 

Viehmeyer,  Herrn.,  Bezirksschullehrer  in  Dresden,  > am  ' ® rUar 

Wähmann,  Friedr.,  Bezirksschullehrer  in  Dresden,  ) 

Aus  den  correspondirenden  in  die  wirklichen  Mitglieder  sind 

übergetreten: 

Menzel,  Paul,  Dr.  med.,  in  Dresden; 

Thallwitz,  Joh.,  Dr.  phil.,  Realschul-Oberlehrer  in  Dresden. 


Kassenabschluss  der  ISIS  vom  Jahre  1897. 

Position.  Einnahmen.  Position.  Ausgaben. 


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Dresden,  am  23.  Februar  1898.  H.  Warnatz,  z.  Z.  Kassirer  der  Isis. 


Abhandlungen 

der 

Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft 

ISIS 

in  Dresden. 


1898. 


I.  Geschichtete  Dauerentladung  in  freier  Lnft  (Büschel- 
lichtbogen) und  Kighi’sche  Kugelfunken. 

Yon  Dr.  Max  Toepler. 

(Mit  Tafel  I.) 


An  anderem  Orte*)  habe  ich  angegeben,  wie  man  leicht  geschichtete 
elektrische  Entladungen  in  freier  Luft  erhalten  kann  und  zugleich  nach- 
gewiesen, dass  die  Gesetze  der  Schichtenbildung  ähnlich  sind  denen  der 
bekannten  Schichtung  des  sogenannten  Anodenlichtes  in  stark  evacuirten 
Rohren. 

Ich  stellte  mir  nun  die  Aufgabe,  erstgenannte  geschichtete  Entladungs- 
art in  ihrer  Gestalt  und  Farbenanordnung  der  einzelnen  Lichtschichten  über 
einen  möglichst  grossen  Druckbereich  zu  verfolgen.  Es  zeigte  sich  hier- 
bei, dass  im  ganzen  Bereiche  von  Atmosphärendruck  bis  zu  0,oi  cm  Queck- 
silberdruck abwärts  eine  einheitliche  Beschreibung  der  in  Rede 
stehenden  Erscheinung  möglich  ist,  worüber  im  Nachfolgenden  be- 
richtet wird.  Es  wird  sich  dabei  zeigen,  dass  eine  von  Herrn  A.  Wüllner**) 
beobachtete  Form  der  Ruhmkorffentladung,  sowie  eine  von  Herrn  A.  Righi***) 
eingehend  untersuchte  stark  verlangsamte  Entladungsart  grosser  Leydener 
Batterien  (von  ihm  „Kugelfunken“  genannt)  mit  der  von  mir  behandelten 
geschichteten  Entladung  identisch  sind,  nur  beschränken  sich  die  Unter- 
suchungen von  Herrn  Wüllner  und  Herrn  Righi  auf  Drucke  zwischen  5 
und  1 cm.  Die  nähere  Beschreibung  der  Lichterscheinungen  im  Uebergangs- 
gebiete  zwischen  Kugelfunken  und  der  bekannten  gewöhnlichen  geschich- 
teten Entladung  (in  Geisslerröhren  bei  niedrigstem  Drucke)  wird  ergeben, 
dass  in  demselben  Rohre  bei  gleichem  Drucke  je  nach  der 
Stromstärke  beide  schichtenbildenden  Entladungsarten  auf- 
treten  können. 

Bei  der  bedeutenden  Veränderlichkeit  der  Schichtenstellung  je  nach 
der  Stromstärke  ist  sowohl  die  Ruhmkorff-  als  auch  die  (durch  Widerstände 
im  Schliessungskreise  stark  verlangsamte)  Batterieentladung  zur  Unter- 
suchung der  Schichtung  wenig  geeignet,  da  bei  beiden  die  Stromstärke 
während  jeder  einzelnen  Entladung  variirt.  Ich  habe  daher  in  vorliegender 
Notiz  von  diesen  Hilfsmitteln  abgesehen  und  einfach  den  directen  Ström 


*)  M.  Toepler,  Wied.  Ami.  63,  1897,  p.  109. 

**)  A.  Wüllner,  Pogg.  Ann.  Jubelband  1874,  p.  32. 

***)  A.  Righi,  Lum.  Electr,  42,  1891,  p.  501  u.  604;  Mem.  Accad.  Bol.  1895,  p. 445. 


4 


einer  60  plattigen  Toepler’schen  Maschine  benutzt*).  Der  Maschinenstrom 
ist  bei  Einschaltung  grosser  Flüssigkeitswid erstände  als  nahe  constant  zu 
betrachten;  auch  ist  seine  mittlere  Intensität,  wie  bekannt,  innerhalb  recht 
weiter  Grenzen  unabhängig  von  der  Spannungsdifferenz  der  Maschinen- 
pole, er  bot  also  für  meinen  Zweck  ganz  besonders  günstige  Verhält- 
nisse. 

Die  Art  des  entstehenden  Entladungsvorganges  in  einer  im  Stromkreise 
befindlichen  Funkenstrecke  hängt  ausser  von  der  mittleren  Stromstärke 
vor  Allem  ab  von  der  Grösse  und  Anordnung  eingeschalteter  Widerstände, 
der  Schlagweite,  dem  Drucke  der  Luft  im  Schlagraume  und  der  Tempe- 
ratur in  letzterem.  Die  Entladung  kann  dem  zeitlichen  Verlaufe  nach 
ausgesprochen  discontinuirlich,  nahe  continuirlich  oder,  soweit  zu  er- 
kennen, continuirlich  sein**);  eine  scharfe  Grenze  zwischen  diesen  Ent- 
ladungsarten giebt  es  freilich  nicht.  In  vorliegender  Arbeit  wird  nun  fast 
ausschliesslich  die  Schichtenbildung  bei  nahe  continuirlicher  Entladung 
(Dauerentladung)  behandelt  werden;  als  nahe  continuirlich  glaube 
ich  die  untersuchte  Art  von  elektrischen  Lichtbogen,  abgesehen  von  anderen 
Gründen,  deshalb  bezeichnen  zu  dürfen,  weil  sie,  wie  man  im  rotirenden 
Spiegel  erkennt,  zumeist  zwar  aus  einer  zeitlich  mehr  oder  minder 
zusammengedrängten  Reihe  von  Partialentladungen  bestand,  zwischen 
denen  jedoch  der  Lichtbogen  nie  ganz  erlosch  (vergl.  z.  B.  Phot.  17). 
Seine  Intensität  schwankte  nur  zwischen  mehr  oder  minder  einander  an 
Lichtstärke  nahe  kommenden  Leuchtmaximis  und  Minimis  ***). 

Herr  0.  Lehmann  unterscheidet  bekanntlich f)  vier  Typen  der  (leuch- 
tenden) Entladung  durch  Gase,  Glimm-,  Büschel-,  Streifen-  und  Funken- 
entladung. Will  man  eine  Zuordnung  vornehmen,  so  hätte  man  die 
geschichtete  Dauerentladung  (nahe  continuirliche  Entladung) 
und  demnach  auch  die  Righi’schen  Kugelfunken  als  specielle 
Fälle  der  Büschelentladung  aufzufassen;  man  würde  sie  dann 
zweckmässigerweise  als  „BiiscSielliclitfeogen^  zu  bezeichnen  haben. 
Ich  halte  es  jedoch  für  möglich,  dass  bei  eingehenderem  Studium  die 
nahe  continuirliche  Entladungsform  den  Weg  zu  einer  einheitlichen 
Beschreibung  aller  Entladungsformen  durch  Luft  zeigen  wird. 

Um  eine  klare  und  richtige  Auffassung  der  Lichterscheinungen  zu 
erleichtern,  glaubte  ich,  soweit  es  möglich  war,  besonderes  Gewicht  auf 
eine  Ergänzung  des  Textes  und  seiner  Figuren  durch  photographische 
Darstellungen  legen  zu  müssen.  Ich  habe  deshalb  von  meinen  mehr  als 
400  Einzelaufnahmen  der  Entladungen  die  am  meisten  charakteristischen 
auf  der  beigegebenen  Tafel  No.  I mitgetheilt.  Ein  Verzeichniss  der  Photo- 
gramme mit  Angaben  über  zugehörige  Einzelheiten  findet  sich  am  Schlüsse 


*)  Nur  wo  die  Stromstärke  der  benutzten  Maschine  nicht  voll  ausreicht,  habe  ich 
ganz  vorübergehend  zur  langsamen  Batterieentladung  gegriffen. 

**)  Ob  es  im  strengsten  Sinne  continuirliche  Entladung  selbst  durch  verdünnte 
Gase  überhaupt  giebt,  ist  bekanntlich  noch  immer  zweifelhaft. 

***)  Schaltet  man  in  den  Schliessungskreis  einer  grösseren  Influenzmaschine  hinter- 
einander ein  Geisslerrohr  und  eine  Eunkenstrecke , so  erhält  man  in  ersterem  keine 
Schichtenbildung,  solange  in  der  Funkenstrecke  der  Maschinenstrom  in  Form  einer  Reihe 
zeitlich  getrennter  Einzelfunken  übergeht  (vergl.  E.  Wiedemann,  Wied.  Ann.  20,  1883, 
p.  760).  Schichtung  im  Geisslerrohre  trat  aber  in  der  Regel  mit  dem  Augenblicke  ein, 
in  dem  in  der  Funkenstrecke  an  Stelle  der  Einzelfunken  nahe  continuirliche  Entladung 
zur  Ausbildung  kam;  dies  rechtfertigt  gleichfalls  die  Bezeichnung  „nahe  continuirlich“. 
f)  Q.  Lehmann,  Wied.  Ann.  11,  1880,  p.  687;  22,  1884,  p.  305. 


5 


der  Abhandlung.  Es  sei  jedoch  schon  hier  vörausbemerkt,  dass  die  Photo- 
gramme 1 bis  16,  23  bis  31  und  36  bis  45  Lichterscheinungen  wiedergeben, 
welche  bei  constantem  Drucke  und  constanter  Stromstärke  beliebig 
lange  (stundenlang)  nahe  ungeändert  dauernd  die  gleichen  bleiben. 
Die  Photographien  1 bis  11  zeigen  derartige  Dauererscheinungen  in 
freier  Luft,  desgleichen  12  bis  16  in  Glasröhren  bei  Atmosphärendruck, 
23  bis  31  bei  etwa  5 cm  Druck,  36  bis  45  schliesslich  bei  niedrigsten 
Drucken  unter  0,02  cm).  Die  Photogramme  17  bis  21  geben  geschichtete 
Batterieentladungen  in  freier  Luft  wieder. 

Die  Lichterscheinungen  in  unmittelbarer  Nähe  der  Kathode  sind  bei 
höheren  Drucken  wegen  ihrer  geringen  räumlichen  Ausdehnung  nur  auf 
Original-Photogrammen  klar  zu  unterscheiden*).  Es  sei  daher  schon  hier 
ein  für  alle  Mal  bemerkt,  dass  bei  nahe  continuirlicher  Entladung  (ganz 
wie  bei  den  bekannten  Lichterscheinungen  in  Geisslerröhren)  bei  allen 
Drucken  an  der  Kathode  auftreten: 

der  dunkele  (Goldstein’s)  Kathodenraum, 
das  helle  Kathodenlicht, 

der  Trennungsraum**)  (Faraday’s  Dunkelraum), 

auf  letzteren  folgten  dann  die  übrigen  Lichter,  deren  Beschreibung  Auf- 
gabe der  vorliegenden  Arbeit  sein  wird. 

I.  Nahe  contiirairliche  Entladung  (Büschellichtbogen)  in  freier  Luft. 

Im  Vergleiche  zu  den  Lichterscheinungen  in  sehr  verdünnten  Bäumen 
erscheint  die  geschichtete  Entladung  in  freier  Luft  als  ein  räumlich  sehr 
zusammengedrängtes  Gebilde.  Besonders  der  interessanteste  Theil,  das 
Funkengebiet  in  der  Nähe  des  negativen  Poles,  ist  so  zusammengeschrumpft, 
dass  eine  genaue  Beobachtung  desselben  schwer  ist.  Wir  denken  uns  da- 
her die  für  die  Beobachtung  günstigste  Versuchsanordnung  hergestellt: 
negativer  Maschinenpol,  metallische  Leitung,  negative  Polspitze  — Funken- 
strecke mit  Halbleiter  (Basaltplatte)***)  — positive  Polspitze,  metallische 
Leitung,  positiver  Maschinenpol. 

1.  Metallspitze  Kathode  — Halbleiter  Anode. 

Liegt  der  Halbleiter  an  der  positiven  Metallspitze  an,  so  beobachtet 
man,  solange  der  Schlagraum  zwischen  ihm  und  der  negativen  Polspitze 
klein  ist,  bei  wachsender  Stromstärke  Folgendes: 

Bei  geringer  Stromstärke  tritt  an  der  Metall- Kathode  zunächst  der 
bekannte  negative  Büschel  auf,  bestehend  aus  hellster  weissvioletter  Aus- 


*)  Von  den  Beproductionen  auf  Tat.  I lässt  Phot.  21  manche  Details  recht  gut 
erkennen. 

**)  Diese  Bezeichnungen  sind  von  E.  Wiedemann  eingeführt;  vergl.  Wied.  Ann. 
20,  1883,  p.  757. 

***)  Die  Vorzüge  speciell  des  Basaltes  bestehen  darin,  dass  in  ihm  ein  gegen 
Zerstörung  widerstandsfähiges,  leitendes  Material  (Magnetit)  in  kleinsten  Theilen  gleich- 
mässig  vertheilt  ist,  während  in  dem  sonst  auch  recht  geeigneten  Schiefer  die  Kohle- 
theilchen  rasch  verbrennen.  Auch  zwischen  Metallkathode  und  einer  Alkoholoberfläche 
als  Anode  erhielt  ich  schön  geschichtete  Kugelfunken.  Selbst  vorgeschaltete  Geissler- 
rohre  können  die  Ausbildung  geschichteter  nahe  continuirlicher  Entladung  in  freien 
Luftstrecken  begünstigen. 


6 


4 


+ 


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Fig.  i—ß'  trittsfläche  (dem  hellen  Kathodenlichte)  und  dem  von  ihm 
durch  einen  verwaschenen  dunklen  Trennungsraum  geschie- 
denen Büschel  (Fig.  1).  Aus  der  Mitte  des  Letzteren  wächst 
bei  gesteigerter  Stromintensität  eine  rosa  gefärbte  Licht- 
spitze heraus  (Fig.  2),  welche  bei  weiter  vermehrter  Strom- 
stärke nach  dem  Halbleiter  zu  sich  verlängert.  Die  Ober- 
fläche des  Halbleiters,  d.  h.  die  Anode,  zeigt  unterdessen 
folgende  Lichtentwickelung.  Aus  einer  violetten  Lichthaut 
(Phot.  1) wächst  ein  violetter  Lichtpilz*)  heraus  (Fig.  3).  Trifft 
bei  grösserer  Stromintensität  der  positive  Lichtpilz  mit  der 
,j  negativen  Lichtspitze  zusammen,  so  weicht  er  ihr  aus 
+ (Fig.  4 und  Phot.  2).  Diese  Deformation,  sowie  die  Rotation, 
welche  der  deformirte  Lichtpilz  bei  weiter  vermehrter 
Stromstärke  um  die  negative  Lichtspitze  zuweilen  aus- 
führt (Fig.  5 und  Phot.  3)  dürfte  durch  den  von  der  nega- 
-f-  tiven  Polspitze  ausgehenden  heissen  Luftstrom  veranlasst 
werden.  Schliesslich  verschmelzen  die  beiden  Theile  der 
Lichterscheinung  (Fig.  6 sowie  Phot.  4 und  5);  hierbei 
wird,  soviel  sich  erkennen  liess**),  die  Lichtspitze  zur 
_j_  ersten  Schicht,  d.  h.  zum  zweiten  Lichte  (das  helle  Kathoden- 
licht als  erstes  gezählt),  der  Lichtpilz  zur  zweiten  Schicht, 
d.  h.  zum  dritten  Lichte.  Der  Abstand  des  dritten  Lichtes 
von  der  Kathode  nimmt  mit  weiter  gesteigerter  Strom- 
i stärke  erst  rasch,  dann  langsamer  ab  (Phot.  6,  7 und  8 
zeigt  dies  bei  grösserer  Schlagweite***);  hierbei  ändert 
sich  auch  die  Färbung  der  einzelnen  Dauerfunkentheile  in  der  Weise,  dass 
die  Lichtspitze  (resp.  erste  Schicht)  ziegelrothe,  der  Lichtpilz  (resp. 
zweite  Schicht)  dagegen  karminrothe  Färbung  annimmt f). 

Der  geschilderte  allmähliche  Uebergang  aus  Büschelentladung  in. 
die  nahe  continuirliche  liess  sich  nur  bei  der  hier  angegebenen  Yersuchs- 
anordnung  und  nur  bei  kleinen  Schlagweiten  (unter  0,5  cm)  beobachten. 
Im  Allgemeinen  tritt  bei  successiver  Stromvermehrung  zunächst  ein  Funken- 
strom an  die  Stelle  der  Büschelentladung  und  erst  bei  wesentlich  höherer 
Stromintensität  geht  die  zeitlich  discontinuirliche  Funkenfolge  in  Dauer- 
entladung über.  Letztere  erscheint  dann  sogleich  in  dem  der  Poldistanz 
und  Stromstärke  entsprechenden  Entwickelungsstadium  (Phot.  9 zeigt  ver- 
grössert  dieses  Stadium  für  2 cm  Schlagweite).  Die  längsten  Dauer- 
funken, die  ich  erhalten  konnte,  waren  ca.  8 cm  lang  (Phot.  10  zeigt 
verkleinert  Dauerentladung  bei  5 cm  Schlagweite,  vergl.  auch  Phot.  11). 
Die  Lichtgestalt  langer  Funken  differirt  von  der  kurzer  nur  insofern,  als  zu 


f7//  . 


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*)  Der  obere  Theil  des  Pilzes  kann  sich  bei  constant  erhaltenem  Strome  von 
dem  Stiele  ablösen  und  nach  der  Kathode  zu  in  Bewegung  setzen,  wobei  er  rasch  ver- 
blasst; das  neu  entstehende  Pilzende  kann  dies  wiederholen  u.  s.  f.  (Vergl.  hierzu 
Abschnitt  8 und  Fig.  18.) 

**)  Dieser  Uebergang  bedarf  noch  eingehenderer  Untersuchung;  wahrscheinlich 
liegen  genau  genommen  die  Verhältnisse  nicht  immer  ganz  so  einfach,  wie  hier  ge- 
schildert ist. 

***)  Ueber  die  Abhängigkeit  des  Kathodenabstandes  des  zweiten  Lichtes  von 
der  Stromstärke  vergl.  das  Ende  des  sechsten  Abschnittes. 

f ) Besonders  deutlich  tritt  dieser  Unterschied  der  Färbung  bei  niedrigeren  Gas- 
drücken hervor.  Man  kann  diese  Färbung  als  typisch  für  Luft  (bei  mittleren  Strom- 
stärken) ansehen.  Vergl.  auch  0.  Lehmann,  Zeitschr.  f.  phys.  Chemie,  XVIII,  p.  104. 


7 


der  ersten  karminrothen  Schicht  noch  weitere  hinzutreten,  einfache  Wieder- 
holungen der  ersten.  Es  erscheint  mir  daher  zweckmässig,  die  Schichten- 
zählung nicht  mit  dem  oben  als  ziegelroth  (in  Luft)  gekennzeichneten 
Lichte  zu  beginnen,  sondern  mit  der  ersten  karminrothen  Schicht 

Die  vollständige  Lichtgestalt  der  Dauerentladung  zerfällt  also  in: 
[Metallkathode]  helles  weissviolettes  Kathodenlicht  mit  Trennungsraum 
— zweites  (ziegelrothes)  Licht  — drittes,  karminrothes  Licht,  eventuell  in 
eine  Anzahl  karminrother  Schichten  zerfallend  — Anodendunkelraum  — 
zahlreiche  aequivalente  *)  positive  Glimmlichtpunkte  [Halbleiter]. 

Für  die  Schichtung  des  karminrothen  Lichtes  gilt  nun: 

Die  Schichten  haften  an  der  Kathode;  (genauer  in  Hinsicht 
auf  Abschnitt  4 und  7:  Die  Schichten  des  negativen  Antheiles 
haften  an  der  Kathode;  bei  Schlagweitenvergrös serung  treten 
mehr  und  mehr  neue  Schichten  aus  der  ausgezeichneten  Stelle 
resp.  dem  dunklen  Anodenraume  hervor,  und  umgekehrt  ver- 
schwinden sie  daselbst  bei  Schlagweitenverkleinerung). 

Mit  wachsender  Stromstärke  verringert  sich  sowohl  der 
Abstand  der  ersten  (karminrothen)  Schicht  von  der  Kathode,  als 
auch  der  gegenseitige  Schichtenabstand;  bei  constanter  Schlagweite 
treten  demnach  zu  den  schon  vorhandenen  neue  Schichten  aus  der  Anode 
(genauer:  aus  der  ausgezeichneten  Stelle  resp.  dem  Anodendunkelraume) 
hervor. 

Die  Schichten  sind  wahrscheinlich  völlig  aequidistant,  wenn 
die  Entladungsbahn  gleich  breit,  d.  h.  die  Stromdichte  auf  derselben  die 
gleiche  bleibt**). 

Die  Schichten  wenden  in  freier  Luft  der  Kathode  stets  die  abgekugelte, 
der  Anode  die  zugespitzte  Seite  zu  (vergl.  Phot.  5 bis  11  sowie  19;  Phot.  12 
bis  16,  Schichten  in  Glasröhren  zeigend,  gehören  nicht  hierher). 

Während  der  Dauerentladung  herrscht  in  der  Nähe  der  Funkenbahn 
eine  starke  Luftbewegung  von  der  Kathodenspitze  nach  dem  Halbleiter 
hin.  Mit  dem  bekannten  Schlierenapparate  meines  Vaters  erkennt  man, 
dass  sich  an  die  Kathodenspitze  ein  Kegel  heisser  Luft  ansetzt,  dessen 
Spitze  das  helle  Kathodenlicht  ist.  In  der  Nähe  der  Kegelachse  befindet 
sich  der  Dauerfunken,  d.  h.  der  leuchtende  Theil  des  gesammten  Entladungs- 
vorganges. Bei  Anwendung  momentaner  Beleuchtung  konnte  ich  mit  dem 
Schlierenapparate  erkennen,  dass  in  den  leuchtenden  Dauerfunken- 
theilen  (karminrothen  Schichten)  eine  höhere  Temperatur 
herrscht  als  in  den  dunklen  Zwischenräumen***). 

Im  langsam  rotirenden  Spiegel  erscheint  der  Dauerfunken  meist  als  mattes 
Lichtband,  welches  von  hellen  Partialentladungen  durchsetzt  ist  (vergl.  die 
Einleitung).  Man  bemerkt  nun  folgende  auffallende  Thatsache.  Die  Bilder 
der  Partialentladungen  stehen  um  so  schiefer  im  Lichtbande,  je  rascher  der 
Spiegel  rotirt;  der  Sinn  der  Neigung  hängt  vom  Sinne  der  Spiegel- 


*)  „Aequivalent“  in  dem  Sinne,  als  sie  zusammen  eine  einzige  ausgedehntere 
Glimmfläche  ersetzen. 

**)  Da  hei  Gegenüberstellung  von  Metallspitze  und  Halbleiter  die  Strombahn  sich 
nach  dem  Halbleiter  zu  öffnet  und  somit  die  Stromdichte  abnimmt,  so  drängen  sich  die 
Schichten  meist  nach  der  Metallspitze  zu  etwas  zusammen.  Siehe  Phot.  17,  18,  19,  20. 
(Dies  gilt  sowohl,  wenn  letztere  Kathode  als  auch,  wenn  sie  Anode  ist). 

***)  Die  Temperatur  im  Dauerfunken  ist  nicht  unerheblich ; Siegellack  schmilzt  und 
entzündet  sich  an  ihm  wie  in  einem  Kerzenlichte,  dünne  Glasfäden  werden  geschmolzen. 


8 


drehung  ab.  Dies  scheint  darauf  hinzuweisen*),  dass  das  Aufleuchten 
der  einzelnen  Schichten  jeder  Partialentladung  nicht  gleichzei- 
tig, sondern  (von  der  Kathode  ausgehend)  nach  einander  erfolgt. 

2.  Metallspitze  Anode  — Halbleiter  Kathode. 

War  die  Metallspitze  Anode,  lag  also  der  Halbleiter  an  der 
negativen  Metallspitze  an,  so  änderte  sich  der  Charakter  der  Licht- 
erscheinungen nur  insofern,  als  es  nicht  möglich  war,  auch  bei  schwachen 
Strömen  Dauerentladungen  zu  erhalten.  Vielmehr  trat  bei  allmählicher 
Stromstärkenvermehrung  selbst  bei  kleinen  Polabständen  der  Dauerfunken 
plötzlich  in  voller  Ausbildung  an  die  Stelle  der  discontinuirlichen  Funken- 
folge. Figuren  7,  8 und  9 geben  verschiedene  Formen  der  discontinuir- 
lichen  Entladung,  Figuren  10,  11  und  12  der  Dauerentladung.  Letztere 
zeigt  auch  hier  von  der  Kathode  (Halbleiter)  ausgehend  den  Trennungs- 
raum, einen  ziegelrothen  (paraboloidischen)  Lichtstumpf  (oder  auch  mehrere, 
aequivalente,  in  einander  zusammenfliessende)  und  das  karminrothe  Licht. 

Bemerkenswerth  für  das  Verständniss  der  Analogien  der 
Lichterscheinungen  in  freier  Luft  und  in  gasverdünnten 
Räumen  ist  es,  dass,  wie  Fig.  11  andeutet,  manchmal 
vor  dem  karminrothen  Lichtkolben  nach  der  Kathode 
zu  noch  ein  ziegelrothes  Lichtwölkchen  erscheint; 
zuweilen  ist  dieses  auch  mit  dem  ziegelrothen  Licht- 
paraboloide  durch  eine  lichtschwache  Brücke  ver- 
bunden (Fig.  12).  Das  ziegelrothe  Licht  kann  also  in 
zwei  lichtstärkste  Theile,  einen  am  Trennungsraume 
und  einen  zweiten  am  karminrothen  Lichte  zerfallen. 

Bei  Verlängerung  der  Funken  gilt  hier  dasselbe 
wie  oben;  es  treten  auf  der  Funkenbahn  Wieder- 
holungen der  ersten  karminrothen  Schicht  auf.  Diese 
Schichten  haften  bei  S chlagweiten vergrös- 
serung  an  der  Anode,  oder  vielmehr  mit  Hinweis 
auf  Abschnitt  7 an  der  ausgezei chneten  Stelle, 
welche  sich  hier  stets  nahe  am  Halbleiter  ausbildete. 

Die  Lichterscheinungen  der  Dauerentladung 
unterscheiden  sich  also  nicht  wesentlich,  wenn  der 
Halbleiter  Kathode  oder  wenn  er  Anode  ist. 

Natürlich  kann  man  auch  zwischen  zwei 
Halbleitern  geschichtete  Dauerentladung  erhalten. 

Für  die  richtige  Auffassung  der  zeitlich  disconti- 
nuirlichen Entladung  ist  noch  hervorzuheben,  dass 
sich  das  karminrothe  Licht  offenbar  schon  bei 
dieser  angedeutet  findet  in  dem  Stiele  des  bekannten  positiven 
Lichtpinsels  (siehe  Figuren  7 bis  9**). 

*)  Leider  wird  die  Deutung  von  Beobachtungen  im  rotirenden  Spiegel  ausser  durch 
häufige  Unregelmässigkeiten  auch  dadurch  erschwert,  dass  auch  hei  grösserer  Schlagweite 
die  Dauerfunkenbahn  oft  rotirt,  und  zwar  beschreibt  sie  hierbei  einen  Kegelmantel,  dessen 
Spitze  in  dem  hellen  Kathodenlichte  liegt.  Der  Einfluss  der  Luftbewegung  infolge  der 
Spiegeldrehung  war  leicht  (durch  eine  zwischengeschobene  Glasplatte)  auszuschliessen. 

**)  Die  Färbung  des  hellen  Stieles  in  Fig.  7—9  ist  karminroth  bis  violettroth,  des 
lichtschwächeren  Theiles  violettblau  bis  blau.  Eine  der  Fig.  9 gleichende  Entladungs- 
form (gewundene,  halb  roth  und  blau  gefärbte  Lichtfäden)  tritt  bei  niederen  Drucken 
häufig  auf  ; vergl.  Abschnitt  9 und  Photogr.  23  und  24. 


Fig.  7—9 . 


+ 


+ 


+ 


Fig.  10—13. 

+ — «&f§|P> 


+ 


9 


3.  Halbleiter  mitten  im  Schlagramne. 

Steht  ein  plattenförmiger  Halbleiter  frei  mitten  zwischen  zwei 
gleichbeschaffenen  Metallpolen,  so  dass  links  und  rechts  je  ein 
Zwischenraum  bleibt,  so  bilden  sich  natürlich  zwei  Funken  aus,  deren 
einer  Metall  als  Kathode,  Halbleiterplatte  als  Anode  hat,  der  andere  um- 
gekehrt. Nur  bei  Anwendung  sehr  starker  Ströme  erhielt  ich  hier  ausnahms- 
weise beiderseits  Dauerfunken.  Diese  zeigen  dann  das  Aussehen  wie 
Fig.  6 und  10  combinirt.  Die  Entladung  erfolgt  also  in  diesem  Falle  voll- 
ständigster Ausbildung  nach  dem  Schema:  [Metallkathode]  helles  Kathoden- 
licht mit  Trennungsraum,  — zweites  (ziegelrothes)  Licht,  — drittes  eventuell 
geschichtetes  (karminrothes)  Licht,  — Anodendunkelraum,  — zahlreiche 
aequivalente  Anodenglimmstellen  [Halbleiter]  zahlreiche  aequivalente  helle 
Kathodenlichter  mit  zugehörigen  Trennungsräumen  - — zu  einem  zusammen- 
fliessende  aequivalente  zweite  (ziegelrothe)  Lichter,  — drittes,  karmin- 
rothes, eventuell  geschichtetes  Licht,  — Anodenglimmen  [Metallanode]. 

In  der  Regel  erhält  man  jedoch  nach  der  Seite  der  Metallkathode 
bei  Weitem  leichter  Dauerentladung  als  auf  der  anderen  Seite,  auf  letzte- 
rer tritt  meist  discontinuirliche  Entladung  auf;  wir  haben  daher  meist 
etwa  Fig.  8 mit  Fig.  6 combinirt*).  Hieraus  erklärt  es  sich,  dass  der 
Anblick  des  positiven  und  negativen  Antheiles  meist  sehr  verschieden  ist. 
(Vergl.  Fig.  1,  2 und  3 meiner  Eingangs  citirten  Arbeit  in  Wied.  Ann.) 

4.  Haften  der  Schichten  an  den  Elektroden. 

Der  Satz,  dass  alle  Schichten  an  einer  Elektrode  haften,  hat  nur  als 
Grenzfall  volle  Giltigkeit.  Bei  Dauerfunken  zwischen  Metallelektroden 
tritt  dagegen  in  der  Regel  der  Fall  ein,  dass  ein  Theil  der  Schichten  an 
der  Kathode,  ein  andrer  jedoch  bis  zu  einem  gewissen  Grade  an  der 
Anode  haftet**).  Aber  auch  bei  Anwendung  eines  Halbleiters  als  Anode 
kann  man  derartige  Entladungen  erhalten.  Bei  Phot.  11  war  z.  B.  die 
Versuchsanordnung  folgende:  positiver  Maschinenpol,  grosser  Wasserwider- 
stand, Metallspitze,  2 cm  starke  Basaltplatte,  — Funkenstrecke  — Messing- 
polspitze, negativer  Maschinenpol.  Um  die  successive  Entwickelung  der 
Lichterscheinungen  bei  geänderter  Schlagweite  in  einem  Bilde  zu  erhalten, 
wurde  die  Kathodenspitze  während  der  Aufnahme  continuirlich  zurück- 
gezogen, und  zugleich  die  photographische  Platte  langsam  senkrecht  zur 
Funkenrichtung  verschoben.  Das  so  entstandene  merkwürdige  Photo- 
gramm 11  zeigt,  dass  hier  in  der  That  nicht  alle  Schichten  sich  mit  der 
bewegten  Kathode  verschoben  haben. 

Da,  wie  Eingangs  erwähnt,  die  mittlere  Stromstärke  (bei  gleichmässigem 
Gange  der  Maschine)  unabhängig  von  der  Schlagweite  ist,  so  zeigt  Phot.  11, 
dass  für  die  an  der  Kathode  haftenden  Schichten  der  Satz  gilt:  Der  Ab- 
stand der  Schichten  von  der  Kathode  ist,  hei  gleichbleibender 
Stromstärke,  unabhängig  von  der  Schlagweite  des  Dauerfunkens. 

Für  die  Beurtheilung  des  Wesens  der  Schichtenbildung  ist  die  That- 


*)  Dieser  Unterschied  steht  im  Einklänge  mit  den  Versuchsergehnissen  von  G.  Wiede- 
mann und  Eühlmann  über  das  verschiedene  Ausströmen  positiver  und  negativer  Elektri- 
zität. Vergl.  Wied.,  Elektr.,  Bd.  IV,  S.  462.  1885. 

**)  Es  ist  dies  wahrscheinlich  eine  analoge  Erscheinung,  wie  sie  hei  Entladung  in 
einzelnen  Funken  in  der  Regel  eintritt,  nämlich  der  Zerfall  jedes  Funkens  in  einen 
positiven  und  einen  negativen  Antheil;  vergl.  hierzu  Abschn.  7. 


10 


Sache  von  hoher  Wichtigkeit,  dass  (wie  Phot.  11  dreimal  wiederholt  er- 
kennen lässt)  zwei  Schichten  ohne  Weiteres  ganz  allmählich  aus 
einer  entstehen  oder  umgekehrt  verschmelzen  können*).  Dies 
deutet  darauf  hin,  dass  die  Schichten  keineswegs  als  eine  Art 
stehender  Schwingungen  aufzufassen  sind.  Auf  weitere  Erschein- 
ungen, die  in  demselben  Sinne  sprechen,  werden  wir  bei  der  Leuchtmassen- 
bildung in  gasverdünnten  Räumen  stossen. 

5.  Entladung  in  Glasröhren. 

Ganz  besonders  schön  ausgebildet  waren  die  Lichterscheinungen, 
manchmal  bei  Dauerentladung  in  engen  (mit  der  freien  Luft  communi- 
cirenden)  Glasröhren.  Phot.  12  bis  16  zeigen  die  hier  auftretende  Gestalt 
und  Ausbildung  der  einzelnen  Lichter  in  einem  5 mm  weiten  Glasrohre 
bei  etwa  5 cm  Distanz  der  Metallpolspitzen,  wenn  in  den  Schliessungskreis 
ein  grosser  Basalt-  oder  Alkoholwiderstand  eingeschaltet  war.  Hier  nahmen 
die  karminrothen  Schichten  schon  ganz  das  Aussehen  an,  welches  sie,  wie 
wir  sehen  werden,  auch  in  Glasröhren  bei  nur  geringem  Luftdrucke  zeigen 
(vergl.  hierzu  z.  B.  Phot.  29  bis  31). 

Die  Photogramme  12  bis  16  sind  aufgenommen  bei  je  etwas  vermehrter 
Stromstärke;  die  Erscheinung  beginnt  (Phot.  12)  mit  zeitlich  getrennt  das 
ganze  Rohr  erfüllenden  Lichterscheinungen,  welche  beim  Anwachsen  der 
Stromstärke  in  geschichtete  Dauerentladung  (Phot.  13  bis  16)  übergeht.  Ein 
Vergleich  der  Phot.  13,  14  und  15  lässt  die  allmähliche  Umwandlung 
einer  Schicht  in  zwei  durch  Stromstärkenvermehrung  erkennen 
(ganz  analog  wie  oben  bei  Phot.  11  durch  Schlagweitenvergrösserung). 

Das  Glasrohr  erwärmte  sich  beim  Stromdurchgange  jedesmal  in  kurzer 
Zeit  so  sehr,  dass  bald  die  ganze  Entladung  weiterhin  durch  das  leitend 
gewordene  Glas  erfolgte. 

Fig.  13  zeigt  in  schematischer  Zeichnung  die  Lichtentwickelung  in 


Fig.  13. 


abj  b2  c1  c2  c3 

Glasröhren  bei  Atmosphärendruck;  es  folgen  nach  einander: 

(nach  Goldstein’s  Dunkelraum  zunächst) 
a = helles  Kathodenlicht, 

(dann  Trennungsraum,  hierauf) 
h±  = erstes  Lichtmaximum  des  zweiten  ziegelrothen  Lichtes, 
(lichtschwaches  Gebiet) 

b2  = zweites  Maximum  des  zweiten,  ziegelrothen  Lichtes, 
cv  c2  und  c3  drei  Schichten  des  dritten,  karminrothen  Lichtes. 

Fig.  13  kann  als  typisch  betrachtet  werden  für  die  nahe  continuir- 
liche  Entladung  in  Glasröhren  (auch  bei  niedrigeren  Drucken)**). 

*)  Bemerkenswerth  ist  auch , dass  ein  zur  Erde  abgeleiteter  Draht  (abgesehen  von 
einer  Ablenkung  der  Funkenbahn)  in  der  Umgebung  seines  dem  Dauerfunken  auf  etwa 
0,o5  cm  genäherten  freien  Endes  eine  dunkle  Stelle  in  der  Funkenbahn  erzeugt,  ohne 
den  Dauerfunken  zu  zerstören;  auf  diese  Weise  lässt  sich  z.  B.  eine  Schicht  des  Dauer- 
funkens während  der  Drahtannäherung  in  zwei  Hälften  zertheilen. 

**)  Zu  berücksichtigen  ist  freilich,  dass  diese  Lichtgestalt  sich  etwas  ändert,  je 
nach  der  speciellen  Lage  der  ausgezeichneten  Stelle  in  ihr  (vergl.  Abschnitt  7 und  12). 


11 


6.  Verlangsamte  Batterieentladung. 

Unter  den  zeitlich  discontinuirlichen  Entladungen  in  einzelnen  Funken 
steht  der  nahe  continuirlichen  wohl  am  nächsten  die  (in  der  1.  c.  von  mir 
angegebenen  Weise)  stark  verlangsamte  Entladung  grosser  Leyde- 
ner Batterien.  Jede  derartige  Entladung  besteht  (ähnlich  dem  kurzen 
Ruhmkorfffunken)  aus  einem  die  Entladung  einleitenden  Initialfunken  und 
dem  darauf  folgenden  nahe  continuirlichen  langsamen  Abfliessen  der  Elek- 
tricität  mit  rasch  abnehmender  Stromintensität  in  der  sogenannten  Aureole ; 
schliesslich  erlischt  der  langsame  Funken  und  nach  einiger  Zeit  setzt  eine 
neue  Entladung  mit  einem  neuen  Initialfunken  ein.  Die  Abnahme  der 
Stromintensität  während  jeder  langsamen  Entladung  erklärt  es,  dass  die 
zu  Beginn  derselben  dicht  gedrängten  Schichten  während  jeder  Entladung 
mehr  oder  minder  auseinander-,  von  der  Kathode  abrücken.  Phot.  17 
zeigt  derartige  stark  verlangsamte  Batterieentladungen  (Metallkathode, 
Basaltanode),  Phot.  18  eine  weniger  verlangsamte  (zwischen  Metallelektro- 
den*). 

Ist  bei  kleineren  Schlagweiten  die  Stromzuführung  hinreichend  ergiebig, 
um  Dauerentladung  zu  geben,  so  kann  auch  die  Batterieentladung  nur  der 
Dauerentladung  die  Strombahn  öffnen;  für  letztere  dient  die  Batterie 
weiterhin**)  nur  noch  als  stromregulirendes  Sammelbecken.  Phot.  19  zeigt 
einen  solchen  Uebergang  einer  langsamen  Batterieentladung  in  Dauer- 
entladung; zugleich  erkennt  man  hier  besonders  deutlich  die  Auflösung 
der  Entladung  in  geschichtete  Partialfunken. 

Als  eine  dritte  Form  langsamer  Batterieentladungen  kann  man  schliess- 
lich diejenigen  auffassen,  bei  denen  unter  sehr  grosser  Rückstandsbildung 
die  Reihe  der  Partialentladungen  abbricht,  noch  ehe  die  mittlere 
Stromstärke  der  Entladung  wesentlich  abgenommen  hat,  d.  h.  ehe  sich 
die  Schichtenstellung  im  Schlagraume  geändert  hatte.  Nur  solche  nach 
Kurzem  abbrechende  Entladungen  können  natürlich  auf  photographischen 
Platten,  die  während  der  Aufnahme  ruhten,  Photogramme  mit  klarer 
Schichtung  hervorrufen  (vergl.  Phot.  20). 

Trotz  der  Inconstanz  der  Stromstärke  langsamer  Batterieentladungen, 
wird  man  letztere  für  das  Studium  der  geschichteten  Entladung  zunächst 
kaum  ganz  entbehren  können,  da  die  in  ihnen  auftretenden  (hohen 
Spannungen  und  zugleich)  grossen  Stromstärken  auf  anderem  Wege  nur 
sehr  schwer  zu  erreichen  sind.  So  konnte  ich  nur  an  langsamen  Batterie- 
entladungen (vergl.  Phot.  21,  eine  Vergrösserung  des  betreffenden  Theiles 
einer  langsamen  Batterieentladung  nach  Art  von  Phot.  17)  constatiren,  dass 
sich  das  lichtschwache  ziegelrot  he  Licht  mit  abnehmender 
Stromstärke  der  Kathode  resp.  dem  hellen  Kathodenlichte  nähert, 
während  (wie  im  ersten  Abschnitte  schon  angegeben)  die  karminrothen 
Schichten  sich  gleichzeitig  von  der  Kathode  entfernen. 


*)  Bei  Phot.  17,  18,  19  und  21  war  die  photographische  Platte  während  der  Aufnahme 
gleichmässig  schnell  (je  circa  1 cm  pro  Secunde)  bewegt  worden;  bei  Phot.  20  ruhte  die 
Platte  während  der  Aufnahme.  Auf  Phot.  18  und  21  erkennt  man  deutlich  den  Initial- 
funken. Derselbe  besteht,  soweit  meine  Photogramme  erkennen  lassen,  aus  dem  hellen 
Kathodenlichte,  dem  (sehr  verwaschenen)  Trennungsraum  und  einer  in  der  Regel  unge- 
schichteten Lichtsäule.  In  Phot.  21  hegt  die  Kathode  unten,  sonst  links. 

**)  Natürlich  ist  stets  gleichmässiger  Gang  der  stromgebenden  Maschine  während 
der  Versuche  vorausgesetzt. 


12 


7.  Metallelektroden  ohne  Halbleiter;  ausgezeichnete  Stelle*)  der 

Entladung. 

Stehen  sich  zwei  Metallelektroden  in  grösserer  Entfernung  als  Kathode 
und  Anode  gegenüber,  so  bildet  sich  bei  genügender  Potentialdifferenz 
auf  ersterer  der  bekannte  negative  Büschel,  auf  letzterer  der  in  der  Regel 
gestielte  positive  Lichtpinsel. 

In  ihnen  lassen  sich  meist  nur  folgende  Lichttheile  der  Dauerentladung 
wiedererkennen:  [Metallkathode]  helles  Kathodenlicht  mit  Trennungsraum 
— zweites,  hier  meist  violett,  nicht  ziegelroth  gefärbtes  Licht  ■ — . . . . 
[Luftschicht  ohne  Licht]  ....  — drittes  (karminrothes)  Licht,  d.  h.  Stiel 
des  positiven  Pinsels  — Anodenglimmen  [Metallanode]. 

Bei  dem  Nähern  der  Elektroden  bleibt  (Widerstände  im 
Schliessungskreise  vorausgesetzt)  das  dunkle  Luftstück,  welches 
gewissermassen  die  Rolle  eines  Halbleiters  (einer  gasförmigen  Zwischen- 
elektrode) in  der  Funkenbahn  spielt,  auch  hei  nahestehenden  Elektroden 
erhalten.  Jeder  einzelne  verlangsamte  Funken  resp.  der  Dauerfunken 
zerfällt  deutlich  in  zwei  Theile,  in  einen  negativen  und  in  einen  positiven 
Antheil  (vergleichbar  dem  negativen  und  dem  positiven  Büschel);  der 
erhöhten  Stromdichte  entsprechend,  ist  hier  jedoch  die  Ausbildung  der 
Lichter  eine  vollkommenere.  Man  erkennt  jetzt: 


[Metallkathode] 

helles  Kathodenlicht  mit  Trennungsraum  . . . \ 

zweites  (ziegelrothes)  Licht JnegativerFunkenantheil, 

drittes  (karminrothes)  Licht  resp.  seine  Schichten  ) 

schmale  dunkle  Luftschicht  (ausgezeichnete  Dunkelstelle), 

drittes  (karminrothes)  Licht,  meist  ungeschichtet  1 positiver  Funkenantheil, 

Anodenglimmen J 

[Metallanode]. 

Folgen  eine  Reihe  verlangsamter  Einzelentladungen  rasch  hinter  ein- 
ander, oder  geht  der  Funkenstrom  in  Dauerentladung  über,  so  kann  die 
sich  ausbildende,  heftige,  von  den  Elektroden  abgewandte  Bewegung 
erhitzter  Luft  einen  wesentlichen  Einfluss  auf  die  Gestalt  der  Funken- 
bahn, speciell  auch  auf  Lage  und  Ausbildung  der  ausgezeichneten  Dunkel- 
stelle zwischen  positivem  und  negativem  Antheile  haben.  Dies  lässt 

sich  durch  folgendes  Experiment  zeigen. 
Zwei  Metallspitzen  seien  einander  bei  a 
und  c (Fig.  14)  gegenübergestellt.  Die  Ent- 
fernungen ab,  bc,  cd,  da,  seien  je  ca.  2 cm, 
dann  geht  der  Funkenstrom  (resp.  der 
Dauerfunken)  von  a über  b nach  c.  Der 
negative  Antheil  reicht  von  c bis  b,  der 
positive  von  a bis  b.  Bei  b liegt  die  aus- 
gezeichnete Dunkelstelle  zwischen  dem  posi- 
tiven und  negativen  Antheile,  wohl  zu 
unterscheiden  von  dem  bei  c angedeuteten 
dunklen  (GoldsteiiTschen)  Kathodenraum 
und  dem  gleichfalls  bei  c angegebenen 
Trennungsraum  (dem  Faraday’schen  Dunkel- 
raume zwischen  Kathoden  und  Anodenlicht 


Fig.14. 


*)  Vergl.  Wiedemann,  Elektr.  IV,  §§  816,  861,  868  und  1012. 


13 


in  hochverdünnten  Geisslerrohren).  Hierbei  kann  jeder  der  beiden  Antheile 
für  sich  mehr  oder  minder  klar  geschichtet  sein.  In  der  Verlängerung 
von  ab  und  cb  kann  man  je  einen  warmen  Luftstrom  fühlen  (welcher 
z.  B.  im  Stande  ist,  bis  auf  ca.  2 cm  von  b entfernt  Wachs  zu  schmelzen*). 
Am  bezeichnendsten  ist  aber  folgende  Erscheinung.  Bewegt  man  die 
Kathode  c parallel  sich  selbst  langsam  nach  d hin,  so  verschiebt  sich 
auch  mit  ihr  der  negative  Antheil  cb  parallel  sich  selbst,  während  der 
positive  Antheil  successive  kürzer  und  kürzer  wird.  Schliesslich  ver- 
schwindet letzterer  ganz,  wenn  die  Kathode  die  Stelle  d erreicht  hat;  von 
d nach  a findet  jetzt  geradlinig  Entladung  nur  negativen  Charakters 
statt.  Gerade  umgekehrt  verschwindet  der  negative  Antheil,  wenn  die 
Kathode  von  c nach  b hin,  oder  die  Anode  von  a nach  d hin  sich  selbst 
parallel  verschoben  werden.  Stehen  sich  die  Elektroden  direkt  gegen- 
über, sind  also  die  Gebläse  unter  180°  gegeneinander  gerichtet,  so  liegt 
die  ausgezeichnete  Stelle  bald  hier  bald  dort  auf  der  Funkenbahn,  meist 
bekanntlich  näher  der  Kathode  als  der  Anode.  Mit  dem  Schlierenapparate 
erkennt  man,  dass  auch  hier  die  ausgezeichnete  Dunkelstelle  stets 
dort  liegt,  wo  die  beiden  warmen  Luftströmungen  aufeinander 
treffen.  Hierdurch  erst  gewinnen  wir  volles  Verständniss  der  in  den 
vorigen  Abschnitten  geschilderten  Lichtgestalten  bei  nahe  continuirlicher 
Entladung  unter  Anwendung  von  Halbleiter elektroden. 

Eine  spitze  Metallelektrode  begünstigt  mechanisch  und  elektrisch  die 
Ausbildung  des  zugehörigen  Gebläses,  eine  plattenförmige  Halbleiter- 
elektrode erschwert  sie. 

Dies  giebt  uns  einen  Anhalt,  wo  wir  in  den  behandelten  Lichter- 
scheinungen die  ausgezeichnete  Stelle  zu  suchen  haben. 

Fehlt  das  positive  Gebläse  ganz,  so  erkennen  wir  die  ausgezeichnete 
Stelle  wieder  in  dem  in  diesem  Falle  meist  zu  beobachtenden  auffallend 
ausgedehnten  Anodendunkelraume  zwischen  Anodenglimmen  und 
den  karminrothen  Schichten  des  negativen  Antheiles.  Das  Anodenglimmen 
ist  der  letzte  Rest  des  unterdrückten  positiven  Antheiles  (vergl.  Phot.  17, 
19,  20  und  21). 

Fehlt  das  negative  Gebläse  ganz,  so  finden  wir  die  ausgezeichnete 
Stelle  meist  als  einen  ausgedehnten  Dunkelraum  wieder,  welche  zwischen 
der  letzten  karminrothen  Schicht  des  positiven  Antheiles  und  dem  ziegel- 
rothen  Lichte  des  negativen  liegt;  von  letzterem  bleibt  also  nur  die  helle 
Austrittsfläche  und  das  ziegelrothe  Licht  erhalten  (vergl.  Fig.  10).  Häufig 
freilich  ist  in  diesem  Falle  die  ausgezeichnete  Stelle  nur  wenig  markirt, 
wie  bei  Fig.  11  und  12. 

Oft  verschmelzen  auch  die  Lichter  beider  Antheile  continuirlich  in 
einander**),  wobei  jedoch  die  ausgezeichnete  Stelle  nur  scheinbar  ver- 
schwindet. Ihr  Vorhandensein  und  ihre  Lage  ist  dann  nur  indirect 
z.  B.  aus  dem  Verhalten  der  Lichttheile  bei  Aenderung  der  Schlagweite 
(wie  in  Phot.  11  Abschn.  4)  oder  der  Stromsstärke  (wie  in  Phot.  13  bis  16 
Abschn.  5)  zu  erkennen;  auch  der  Schlierenapparat  kann  hier  gute  Dienste 
leisten. 


*)  Besonders  bequem  und  deutlich  lassen  sich  die  beiden  Luftströme  (des  positiven 
und  des  negativen  Funkenanth  eiles)  natürlich  mit  dem  Schlierenapparate  beobachten. 

**)  Hierher  gehört  u.  A.  Fig.  5 und  6 sowie  Phot.  4 bis  mit  10 ; in  Fig.  3 und  4 
sowie  in  Phot.  2 und  3 gehörte  der  Lichtpilz  sicher  zum  positiven  Antheile,  die  wenig 
markirte  ausgezeichnete  Stelle  liegt  hier  zwischen  ihm  und  dem  ziegelrothen  Lichte. 


14 


Das  letzte  Beispiel  und  vor  Allem  das  Auftreten  der  ausgezeichneten 
Stelle  auch  in  luftverdünnten  Bäumen  (wo  von  heftigen  Luftströmungen 
kaum  die  Bede  sein  kann,  vergl.  Abschn.  12)  zeigt,  dass  zwar  in  freier  Luft 
die  Lage  der  ausgezeichneten  Stelle  durch  Luftströmungen  beeinflusst 
wird,  dass  jedoch  elektrische  Vorgänge  ihre  Ausbildung  veranlassen. 

Die  ausgezeichnete  Stelle  zwischen  negativem  und  positivem  Antheile  ist 
vielfach  untersucht  worden.  Sie  lässt  sich  bekanntlich  sogar  bei  immer 
weniger  verlangsamten  Entladungen  beobachten,  bis  weit  in  den  Be- 
reich nichtoscillirender  Funkenentladung  hinein.  Es  liegt  demnach 
nahe,  das  oben  angegebene  Schema  der  Lichterfolge  auch  hier  als  das  zu 
Grunde  liegende  anzusehen,  wenn  auch  die  Lichterscheinung,  wohl  infolge 
ihrer  Helligkeit,  keine  Unterschiede  mehr  auf  der  Funkenbahn  zeigt,  und 
solche  nur  noch  an  den  verschiedenen  Wärme  Wirkungen  längs  derselben 
(z.  B.  mittels  des  Schlierenapparates)  *)  nachweisbar  sind.  Selbstverständlich 
kann  man  jedoch  bei  dem  hervorragend  mitbestimmenden  Einflüsse  von 
Zufälligkeiten  auf  die  Funkenbildung  bei  dieser  bis  ins  Einzelne  gehende 
Begelmässigkeit  nicht  erwarten. 

Ganz  besonders  deutlich  lässt  sich  bekanntlich  die  ausgezeichnete 
Stelle  oft  in  den  Bussspuren  erkennen,  welche  Funken,  längs  berusster 
Glasplatten  entlang  schlagend,  hinterlassen*).  Nach  Beobachtungen  meines 
Vaters  kann  man  sogar  das  Auftreten  eines  augenförmigen  Bussgebildes 
an  der  ausgezeichneten  Stelle  als  Kriterium  dafür  betrachten,  dass  die 
Bussspuren  gebende  Entladung  soeben  nicht  mehr  oscillirend,  sondern 
gleichgerichtet  (jedoch  noch  ohne  Partialfunkenbildung)  erfolgte;  Phot.  22 
zeigt  in  natürlicher  Grösse  das  Bild  einer  derartigen  Bussspur  mit  aus- 
gezeichneter Stelle.  Die  Unzulänglichkeit  unserer  Kenntniss  über  das 
Wesen  der  ausgezeichneten  Stelle  und  über  den  Einfluss  ihrer  Lage  in 
der  Funkenbahn  auf  die  Lichterscheinung  der  elektrischen  Entladung  ist 
sicher  das  Haupthinderniss,  welches  uns  noch  immer  von  einer  einheitlichen 
Auffassungsweise  der  letzteren  (und  zwar  nicht  nur  bei  höheren  Drucken) 
fernhält. 

II.  Nahe  continuirliche  Entladung  (Büschellichtbogen)  in 
verdünnter  Luft. 

Mit  abnehmendem  Drucke  nimmt  die  Längendimension  der  Lichter 
rasch  zu,  und  nur  in  langen  Bohren  lassen  sich  infolge  dessen  bei  niederen 
Drucken  alle  Lichter  vollkommen  ausgebildet  erhalten. 

Da  in  dem  Druckbereiche  von  76  cm  bis  ca.  5 cm  hinunter,  soviel 
ich  beobachten  konnte,  der  Charakter  der  Lichterscheinungen  sich  in  regel- 
mässiger Weise  stetig  ändert,  so  genügt  es,  für  die  vorliegende  qualitative 
Untersuchung  die  Ausbildung  der  Lichter  zu  schildern,  wie  wir  sie  bei 
Drucken  um  5 cm  wiederfinden.  Erst  bei  weiter  abnehmendem  Drucke 
treten  dann  wesentliche  Complicationen  ein. 

Um  mich  möglichst  davor  zu  schützen,  auf  Nebenerscheinungen  Ge- 
wicht zu  legen,  welche  nur  von  dem  Einflüsse  der  Bohrwand  herrühren, 
habe  ich  die  Entladung  in  verschieden  weiten  Bohren  beobachtet.  Freilich 
konnte  ich  in  weiten  Bohren  manche  der  erwarteten  Erscheinungen  bei 
Dauerentladung  selbst  mit  der  benutzten  60 plattigen  Toepler’schen 
Maschine  nur  schwer  oder  überhaupt  nicht  erhalten. 


*)  A.  Toepler,  Wien.  Acad.  Anz.  1874,  Nr.  13,  p.  105;  Pogg*.  Ann.  134,  p.  194. 


15 


8.  Rohr  A. 

In  einen  15  cm  weiten  60  cm  hohen  Glascylinder  (Fig.  15)  führte  von 
oben  durch  eine  1 cm  starke  Glasplatte  ein  Messingstab  (umhüllt  von 
einer  den  Elektricitätsaustritt  verhindernden  Glasröhre),  dessen  Ende  eine 
Messingkugel  trug.  Den  Luftabschluss  unten  bewirkte  eine  2 cm  starke 
Schieferplatte.  Eine  gut  functionirende  Wasserstrahlpumpe  hielt  den 
Innenraum  constant  auf  dem  Maximum  der  von  ihr  geleisteten  Verdünn- 
ung (ca.  3 cm). 

Die  höchst  mannigfachen  Lichterscheinungen,  welche  man  hier  beobach- 
ten kann,  sind  Vergrösserungen  der  entsprechenden  bei  Atmosphärendruck. 

Speciell  die  bei  nahe  continuirlichem  Stromdurchgange  auftretenden 
Entladungsformen  sind  denen  in  freier  Luft  (z.  B.  Fig.  3)  ganz  ähnlich. 
(Vergl.  Fig.  16 — 19  in  1/8  natürlicher  Grösse  und  Fig.  20  in  *j2  natürlicher 
Grösse.) 


16 


sehr  lichtschwache  ziegelrothe  Lichtmasse.  Wird  die  Polkugel  auf  15  cm 
Abstand  zurückgezogen  (vergl.  Fig.  16),  so  erhebt  sich  über  der  Schiefer- 
platte eine  ca.  1 cm  breite  karminrothe  Lichtsäule  mit  karminrothem  End- 
knoten; letzterer  ist  von  einem  schwachen,  ziegelrothen  Lichte-  umhüllt. 
Wird  der  negative  Pol  bis  ca.  40  cm  von  der  Schief erplatte  entfernt 
(Fig.  17  und  18),  so  erhebt  sich  die  positive  karminrothe  Lichtsäule  etwa 
10  cm  hoch  mit  ca.  2 cm  dickem  Endknoten.  Bei  starkem  Strome  bewegt 
sich  letzterer  langsam  auf  und  nieder  und  kann  sich  auch  von  der  Lichtsäule 
ganz  loslösen  (Fig.  17),  ja  bei  weiter  vermehrter,  consta nt  er  mittlerer  Strom- 
stärke stösst  diese  Lichtsäule  successive  eine  Beihe  gleicher  Lichtkugeln  von 
sich,  welche  langsam  nach  oben  der  Kathode  zuschweben*,)  hierbei  jedoch 
je  immer  lichtschwächer  werden,  bis  sie  ganz  verschwinden,  wenn  sie  etwa 
die  Hälfte  des  "Weges  zum  negativen  Pole  zurückgelegt  haben  (Fig.  18). 
Diese  Erscheinung  vollzieht  sich  innerhalb  eines  sehr  lichtschwachen,  ziegel- 
rothen Lichtcylinders. 

Die  Lichterscheinungen  am  negativen  Pole  sind  bekannt;  sie  bestehen 
aus  hellem  Kathodenlichte  mit  Trennungsraume  und  dem  ziegelrothen 
Lichtparaboloide;  diese  Lichter  waren  zusammen  etwa  0,5  cm  lang. 

Ist  der  Schiefer  Kathode  (Fig.  19),  so  erhebt  sich  über  einer  grossen 
Zahl  aequivalenter  violetter  Lichtpunkte  (dem  hellen  Kathodenlichte)  eine 
bis  zu  5 cm  hohe,  1 cm  breite  ziegelrothe  Lichtsäule  von  paraboloidischer 
Begrenzung  (Fig.  19).  Unter  Umständen  bildet  sich  auch  über  jeder  ein- 
zelnen hellen  Kathodenschicht  je  das  zugehörige  ziegelrothe  Theilparaholoid 
aus  (Fig.  20);  diese  Paraboloide  convergiren  dann  nach  einem  gemeinsamen 
lichtlosen  Mittelpunkte  und  es  gewährt  einen  eigenartigen  Anblick,  wie 
sich  alle  bei  zufälliger  Lagenänderung  des  lichtlosen  Centrums  gemein- 
sam hin-  und  herneigen;  diese  Erscheinung  beweist,  dass  auch  die  unsicht- 
bare, lichtlose  Entladung  zwischen  den  Lichtern  an  den  Elektroden  nur 
auf  verhältnissmässig  schmaler  Bahn  erfolgt. 

Aus  der  (Metall-)  Anode  wuchs  hier  das  nur  ca.  1 cm  lange  karmin- 
rothe Anodenlicht  keulenartig  heraus  (Fig.  19);  an  das  knotige  Ende  setzte 
sich  auch  hier  eine  sehr  lichtschwache  ziegelrothe  Lichtsäule  an. 

Der  ausgedehnte  Dunkelraum  zwischen  den  Lichtern  an  der  Kathode 
und  denen  an  der  Anode  entspricht  offenbar  der  ausgezeichneten  Stelle 
des  siebenten  Abschnittes. 

Zu  voller  Ausbildung  der  Lichterscheinungen  reichte  der  Maschinen- 
strom nicht  aus ; mit  grossen  Batterien  konnte  ich,  wie  zu  erwarten,  auch 
hier  ganz  wie  in  freier  Luft  langsame  Entladungen  mit  mehreren  (je  etwa 
5 cm  langen  und  0,5  cm  breiten)  karminrothen  Schichten  erhalten. 


9.  Rohr  B. 

Als  ich  hei  Drucken  um  2 cm  an  Stelle  des  16  cm  weiten  Rohres 
ein  solches  von  3 cm  Weite  und  82,8  cm  Abstand  der  beiden  Kupfer- 
polspitzen benutzte,  erhielt  ich  den  oben  beschriebenen  ähnliche  Licht- 
erscheinungen. Diese  bildeten  sich  meist  in  der  Achse  des  Rohres  aus 
und  füllten  den  Querschnitt  desselben  noch  an  keiner  Stelle. 


*)  Derartige  bei  constanter  Stromstärke  wandernde  Leuchtkugeln  konnte  ich  bei 
Atmosphärendruck  nur  ganz  ausnahmsweise  (vergl.  Anmerkung  zu  Abschn.  1)  beobachten; 
hier  waren  sie  oft  und  leicht  zu  erhalten. 


17 


Die  Photogramme  23  bis  27,  aufgenommen  bei  immer  grösseren  aber 
je  constanten  mittleren  Stromstärken  (und  je  5 Secunden  Belichtung), 
zeigen  die  zu  besprechenden  Lichterscheinungen. 

Auf  das  helle  Kathodenlicht  mit  Dunkelraum  folgt  auch  hier  das  erste 
Lichtmaximum  des  zweiten,  ziegelrothen  Lichtes,  diese  Lichter  sind  jedoch 
auf  den  Photogrammen  wegen  ihrer  geringen  räumlichen  Ausdehnung  nicht 
von  einander  zu  unterscheiden*).  Nach  dem  ausgedehnten  lichtschwachen 
Theile  des  ziegelrothen  Lichtes  folgt  dann,  als  lange  ziegelrothe  Lichtsäule, 
dessen  zweites  Lichtmaximum. 

Als  auffallendster  Lichttheil  folgte  schliesslich  das  hier  sehr  helle 
dritte,  karminrothe  Licht.  Charakteristisch  war  auch  hier  für  dieses  Licht 
sein  pilzartiges,  der  Kathode  zugekehrtes  Ende.  Photogramm  28  zeigt  das 
Grenzgebiet  zwischen  ziegelrothem  und  karminrothem  Lichte  nochmals, 
jedoch  nur  mit  1 Sec.  Belichtung,  um  den  bedeutenden  Helligkeitsunter- 
schied beider  Lichttheile  deutlich  zu  machen. 

Vorübergehend  konnte  ich  auch  schon  in  diesem  Rohre  einen  Zerfall 
des  karminrothen  Lichtes  in  (drei)  ruhende,  klare  Schichten  — Leucht- 
massen, Lichtwolken  — erhalten. 

Die  Photogramme  23  bis  28  zeigen  aber  auch  folgende  interessante 
Thatsache ; man  sieht,  dass  das  karminrothe  Licht  schon  bei  ausgesprochen 
zeitlich  discontinuirlichen  Entladungen,  auf  Funkenbahnen,  welche  sonst  von 
einer  Schichtung  noch  keine  Spur  zeigen  (vergl.  Phot.  23  und  24),  deutlich 
zu  erkennen  ist.  In  all  den  Fällen,  in  denen  in  gasverdünnten  Räumen  die 
discontinuirliche  Entladung  aus  Lichtfäden  besteht,  die  je  aus  einem  blauen 
Theile  nach  der  Kathode  zu  und  einem  röthlichen,  violettrothen  oder 
karminrothen  nach  der  Anode  hin  bestehen,  müssen  wir  in  dieser  Zwei- 
theilung einen  Ansatz  zur  Ausbildung  des  zweiten  und  dritten  Lichtes 
erkennen,  mit  der  angegebenen,  den  veränderten  Verhältnissen  ent- 
sprechenden Farbentönung.  Der  rothe  Theil  der  Lichtfäden  in  (engen) 
Glasröhren  und  niederen  Drucken  entspricht  hiernach  und  nach  den 
Bemerkungen  in  Abschn.  2 dem  Stiele  des  positiven  Büschels  in  freier 
Luft  **). 

10.  Rohr  C. 

Bei  constanter  Stromstärke  absolut  ruhende  Schichten  des  dritten 
karminrothen  Lichtes  (Righi’sche  Leuchtmassen  — • „masse  luminose“) 
erhielt  ich  im  Druckbereiche  um  5 cm  mit  den  verfügbaren  Stromintensi- 
täten erst  in  einem  noch  etwas  engeren  Rohre  als  dem  im  vorigen  Ab- 
schnitte benutzten. 

In  dem  hier  verwendeten  2,3  cm  (im  Lichten)  weiten  Rohre  standen 
sich  im  Abstande  von  61,5  cm  als  Elektroden  zwei  Aluminium  scheiben 


*)  Das  erste  Lichtmaximum  des  ziegelrothen  Lichtes  zeigte  hier  oft  einen  eigen- 
tümlichen Zerfall  in  dichtgedrängte  Schichten,  Unterabteilungen.  ^-i 

Stromvermehrung  begünstigte  diese  secundäre  Schichtung , welche  9* 

sich  am  hellsten  und  deutlichsten  nach  dem  Trennungsraum  zu  aus- 
bildete.  Fig.  21  zeigt  (vergrössert)  diese  Erscheinung.  An  der  m,  m§m 

Metallkathode  K liegt  zunächst  das  helle  Kathodenlicht,  m etwas  J 
grösserer  Entfernung  folgt  das  in  Rede  stehende  geschichtete  ziegel- 
rothe Licht.  Der  Abstand  der  ersten  Schicht  des  letzteren  von  der  Kathode  nahm 
zu  mit  zunehmender  Stromstärke. 

**)  Die  karminrothe  Lichtsäule  zeigt  die  Tendenz  spiraliger  Anordnung  mit  conti- 
nuirlicher  Rotation  (auf  welche  hier  nicht  eingegangen  werden  soll),  man  sieht  sie  in 
Phot.  23  bis  27  angedeutet. 

* 


18 


gegenüber,  den  Roh rquer schnitt  fast  vollständig  ausfüllend.  Um  auch 
schon  bei  schwachem  Strome  und  höheren  Drucken  nahe  continuirliche 
Entladung  zu  erhalten,  war  auch  hier  der  Kathode  ein  (kleiner)  Flüssigkeits- 
Widerstand  vorgeschaltet. 

Bei  Drucken  oberhalb  5,5  cm  wurde  das  Rohr,  wenn  überhaupt,  nur 
von  zeitlich  getrennten  (discontinuirlichen)  Funkenentladungen  durchsetzt. 
Bei  einem  Drucke  von  5,3  cm  und  schwachem  Strome  war  die  Entladung 
auch  noch  discontinuirlich;  jeder  Funken  bestand  (ganz  wie  im  vorigen 
Abschnitte  behandelt)  aus  einer  blauen  Hälfte  nach  der  Kathode  zu  und 
einer  rothen  Anodenhälfte.  Bei  Stromvermehrung  erschienen  dann  die 
analogen  Lichterscheinungen  wie  Phot.  23  bis  27,  nur  waren  sie  hier  licht- 
schwächer und  unvollkommen  ausgebildet*). 

Wurde  (nach  Erreichung  des  Stadiums,  welches  Phot.  27  entsprach) 
die  Stromstärke  weiter  vermehrt,  so  schnürte  sich  der  der  Kathode  nächste 
Theil  des  karminrothen  Lichtes  ab  und  bildete  eine  bei  constantem  Strome 
absolut  ruhende  Schicht,  eine  Righi’sche  Leuchtmasse.  Zugleich  zerfiel 
der  übrige  Theil  des  karminrothen  Lichtes  in  eine  Reihe  von  Leucht- 
massen; letztere  ruhten  aber  bei  constantem  Strome  keineswegs,  vielmehr 
stiess  die  Anode  beständig  Leuchtmassen  von  sich,  welche,  nach  der  Ka- 
thode zu  eilend,  in  dem  Augenblicke  erloschen,  wo  sie  die  erste,  ruhende 
Leuchtmasse  erreichten. 

War  der  Strom  weiter  verstärkt  worden,  so  bildete  sich  zwischen  der 
ersten  ruhenden  Leuchtmasse  und  der  Anode  eine  zweite,  gleichfalls  ruhende 
Leuchtmasse  aus.  Die  von  der  Anode  aus  wandernden  Massen  erloschen 
jetzt  beim  Erreichen  der  zweiten  ruhenden  Leuchtmasse. 

Dieser  Process  wiederholte  sich  bei  abermaliger  passender  Stromver- 
mehrung; eine  dritte  Leuchtmasse  wurde  fest,  sodass  schliesslich  das 
61,5  cm  lange  Rohr  bei  constantem  Strome  drei  (oder  mehr)  beliebig  lange, 
absolut  ruhig  stehende  Leuchtmassen  zeigte  (vergl.  Phot.  31**). 

Ging,  nachdem  sich  die  drei  ruhenden  Schichten  gebildet  hatten, 
längere  Zeit  ein  constanter,  möglichst  starker  Strom  durch  das  Rohr,  so 
wurden,  offenbar  im  Zusammenhänge  mit  den  Temperaturverhältnissen, 
die  ruhenden  Leuchtmassen  immer  stabilere  Gebilde.  Wurde  jetzt  die 
Stromstärke  successive  geändert,  so  erschienen  wandernde  Schichten  nur 
vorübergehend.  Es  galten  jetzt  folgende  Sätze: 

Die  ruhenden  Leuchtmassen  sind  nahe  aequidistant. 

Die  Leuchtintensität  der  Leuchtmassen  ist  bei  den  von  der 
Kathode  fernsten  am  geringsten  (vergl.  Phot.  30  und  31). 

Mit  zunehmender  Stromstärke  nimmt  sowohl  der  Abstand 
der  ersten  ruhenden  Leuchtmasse  von  der  Kathode,  als  auch 
der  Abstand  je  zweier  ruhender  Leuchtmassen  von  einander  ab. 
Mit  abnehmender  Stromstärke  verschwand  daher  eine  Leuchtmasse  nach 
der  anderen  in  der  Anode;  im  Schlagraum  bilden  sich  nur  so  viel  ruhende 
Leuchtmassen  aus,  als  der  Stromstärke  entsprechend  zwischen  Anode  und 
Kathode  Platz  haben. 

Es  sind  das  dieselben  Sätze,  die,  wie  nachgewiesen  wurde,  auch  für 
die  Schichtenbildung  in  freier  Luft  Geltung  haben. 


*)  Besonders  lichtschwach  war  Mer  meist  der  zweite  Theil  des  ziegelrothen  Lichtes. 

**)  Wurde  das  Bohr  C in  geeigneter  Weise  vorgewärmt,  so  erfolgte  in  ihm  auch 
schon  bei  Drucken  von  9 cm  und  mehr  die  Bildung  ruhender  Leuchtmassen. 


19 


Phot.  29,  30  und  31  (aufgenommen  mit  je  5 Secunden  Beleuchtungs- 
dauer) zeigen  für  5,3  cm  Druck  geschichtete  Entladung  (Kugelfunken)  mit 
ruhenden  Leuchtmassen  bei  je  constantem  Strome  und  zwar  Phot.  29 
bei  kleinster  (ca.  1/2000  Amp.),  Phot.  30  bei  grösserer  und  Phot.  31  bei 
grösster  (ca.  1/600  Amp.)  Stromstärke. 

Das  zweite  Lichtmaximum  des  ziegelrothen  Lichtes  war  im  benutzten 
Rohre  meist  sehr  lichtschwach*),  das  erste  dagegen  sehr  deutlich; 
dieses  entfernt  sich  (ebenso  wie  bei  Atmosphärendruck,  vergl.  Abschn.  6) 
mit  wachsender  Stromstärke  von  der  Kathode.  Auch  das  helle 
Kathodenlicht  mit  Trennungsraum  war  scharf  ausgebildet**). 

11.  Nahe  eontinuirliehe  Entladung  (Büsehellichtbogen)  und 
Righi’sehe  Kugelfunken. 

Die  Lichterscheinungen  der  untersuchten  Entladungsart  zeigen  also 
vom  Atmosphärendruck  bis  zu  5 cm  herab  genau  die  gleichen  charak- 
teristischen Gestaltseigenthümlichkeiten  und  die  gleiche  Anordnung  der 
Lichter,  zeigen  auch  qualitativ  die  gleiche  Abhängigkeit  von  der  Strom- 
stärke. 

Ueber  die  hier  von  mir  behandelte  Entladungsart  liegen  meines 
Wissens  bisher  nur  zwei  eingehendere  Untersuchungen  vor,  nämlich  die 
schon  Eingangs  erwähnten***)  von  A.  Wüllner  und  A.  Righi,  beide  für  den 
Druckbereich  um  5 cm.  Dass  die  von  mir  behandelte  „nahe  eontinuirliehe“ 
Entladungsart  (Dauerfunken,  Büschellichtbogen)  mit  der  von  genannten 
Beobachtern  untersuchten,  von  A.  Righi  als  „Kugelfunken“  bezeichneten, 
identisch  ist,  lehrt  ohne  Weiteres  ein  Vergleich  meiner  Phot.  29,  30  und 
31  mit  den  von  Righi  mitgetheilten  Abbildungen. 

Bei  der  hier  untersuchten  geschichteten  Entladungsart  (Righi’schen 
Kugelfunken)  mit  Leuchtmassen  erfolgt  der  Elektricitätsfluss  zwischen  den 
Elektroden  offenbar  streckenweise  fast  lichtlos  auf  breiter,  streckenweise 
mit  Lichtentwickelung  auf  enger  Bahn f).  Diese  Bahnverengerung  kann 
sehr  weit  gehen,  und  man  hat  wahrscheinlich  jede  Leuchtmasse  aufzufassen 
als  einen  Funken  zwischen  lichtlosen  Räumen,  Gaselektroden  ff).  Die 
Leuchtmassenbildung  besteht  also  in  einem  Zerfalle  des  Gesammtfunkens 
in  mehr  oder  minder  ausgedehnte  Theilfunken  (gewissermassen  unter  Ein- 
fügung gasförmiger  Zwischenelektroden  fff ).  Hieraus  erklärt  sich  unge- 

*)  Daher  ist  auch  auf  Phot.  29  bis  31  die  ziegelrothe  Lichtsäule  nicht  zu  sehen. 
Es  sei  gleich  hier  vorausgreifend  bemerkt,  dass,  wohl  aus  demselben  Grunde,  auch  auf 
den  Photogrammen  von  Righi  die  ziegelrothe  Lichtsäule  fast  ausnahmslos  fehlt; 
dagegen  findet  sie  sich  deutlich  wiedergegehen  auf  der  Zeichnung  von  Wüllner; 
1.  c.  Taf.  I,  Eig.  4. 

**)  Wegen  ihrer  Kleinheit  ist  die  Lichterfolge  an  der  Kathode  auf  den  Phot.  29 
bis  31  nicht  klar  zu  unterscheiden. 

***)  Vergl.  die  Litteraturangah e in  der  Einleitung.  Zur  nahe  continuirlichen  Ent- 
ladungsart gehören  auch  die  Entladungsformen,  welche  0.  Lehmann,  Zeitschr.  f.  phys.^ 
Chemie  18,  107,  1895  beschreibt;  jedoch  war  hierbei  die  Schlagweite  zu  klein  im  Ver- 
hältnisse zu  dem  geringen  Drucke  und  zu  der  grossen  Rohrweite,  als  dass  sich  Leucht- 
massen hätten  bilden  können;  dagegen  ist  bei  diesen  Formen  die  ausgezeichnete  Stelle 
gut  zu  erkennen. 

f ) Die  Glasfluor  es  cenz  um  die  Orte  des  Leuchtens  in  der  Rohrachse  täuscht  leicht 
bei  erster  Betrachtung. 

ff)  Die  elektrische  Ladung  der  Glaswand  ist  hei  engen  Rohren  ebenfalls  zu  be- 
rücksichtigen. 

fff)  Vergl.  die  ähnliche  Deutung  von  Righi,  Lum.  El.  42,  1891,  p.  613. 

** 


20 


zwungen  die  Möglichkeit  des  leichten  Verschmelzens  zweier  Schichten 
(vergl.  Abschnitt  4),  sowie  die  Mehrzahl  der  Erscheinungen,  welche  im 
folgenden  Abschnitte  behandelt  werden  sollen.  Um  speciell  das  Wandern 
der  Schichten  mit  oder  gegen  den  elektrischen  Strom  zu  erklären,  braucht 
man  nur  anzunehmen,  dass  durch  die  Leuchtmassen  um  ein  Geringes 
weniger  resp.  mehr  Elektricität  in  der  Zeiteinheit  fiiesst  als  durch  die 
dunklen  Zwischenräume. 

12.  Gegeneinander  wandernde  Leuehtmassen. 

In  den  vorangegangenen  Abschnitten  sind  wir  fast  ausschliesslich  Licht- 
erscheinungen begegnet,  deren  Theile  ihre  Lage  im  Schlagraume  bei  con- 
stanter  Stromstärke  und  constantem  Drucke  constant  beibehalten.  Ganz 
anderen  Verhältnissen  begegnete  ich  jedoch  (bei  dem  zuletzt  benutzten 
Rohre  C)  in  dem  Druckbereiche  zwischen  4,6  cm  und  0,8  cm.  Sank  der 
Druck  nämlich  unter  4,6  cm,  so  wurde  mehr  und  mehr  der  Zustand  im 
Rohrinnern  labil  in  Bezug  auf  das  Entstehen  von  Leuchtmassen.  Zur 
Ausbildung  ruhender  Leuchtmassen  kam  es  hier  überhaupt  nicht  mehr, 
oder  nur  ganz  vorübergehend. 

Zunächst,  hei  Drucken  um  4 cm,  bildete  das  zweite  Lichtmaximum 
des  ziegelrothen  Lichtes  wie  bei  höherem  Drucke  noch  eine  zusammen- 
hängende lange  Lichtsäule  *).  Die  bei  constanter  Stromstärke  rasch 
wandernden  Schichten  des  karminrothen  Lichtes  Hessen  sich  aber  nicht 
mehr  durch  Stromvermehrung  fest  machen**);  sie  erloschen  auch  hier, 
sobald  sie  das  Ende  der  ziegelrothen  Lichtsäule  erreichten. 

Bei  möglichst  starkem  constanten  Strome  trat  nun  noch  eine  weitere 
höchst  bemerkenswerthe  Complication  der  Leuchtmassenbildung  ein.  Bei 
constantem  Strome  beobachtete  ich  folgende  sich  beliebig  oft  in  nahe 
gleichen  Zeiten  wiederholende  Erscheinung.  Das  der  Anode  zugekehrte 
Ende  des  ziegelrothen  Lichtes  rückte  nach  der  Anode  zu  vor,  schliesslich 
löste  sich  von  der  ziegelrothen  Lichtsäule  ein  Säulenstück  (von  nicht 
immer  gleicher  Länge***)  ab,  welches  sich  langsam  nach  der  Anode 
zu  in  Bewegung  setzte,  während  das  neue  Ende  der  ziegelrothen  Licht- 
säule nach  der  Kathode  zu  zurückschnellte.  Phot.  32  bis  35  zeigen  das 
der  Anode  zugekehrte  Ende  der  ziegelrothen  Lichtsäule  in  verschiedenen 
Stadien  des  Losreissens  langsam  der  Anode  zuwandernder  Leuchtmassen. 

Man  kann  den  Process  der  Losreissung  von  Leuchtmassen  beschleu- 
nigen oder  auch  unter  Verhältnissen,  hei  denen  er  noch  nicht  spontan 
erfolgt,  hervorrufen,  indem  man  mit  der  Hand  von  der  Kathode  nach  der 
Anode  zu  an  der  ziegelrothen  Lichtsäule  längs  des  Glasrohres  entlang 
streicht  f);  die  so  erzeugte  Schicht  setzt  dann  ebenso  wie  eine  selbständig 
gebildete  beim  Wegziehen  der  Hand  ihren  Weg  nach  der  Anode  zu  fort, 

*)  Es  kam  sogar  vor , dass  das  ziegelrothe  Licht  sich  bis  auf  etwa  5 cm  der 
Anode  näherte,  also  beinahe  60  cm  lang  war. 

**)  Die  Wanderungsgeschwindigkeit  nahm  zu  mit  wachsender  Stromstärke.  Bei 
sehr  raschem  Wandern  modificirte  sich  die  Gestalt  der  Leuchtmassen  etwas;  diese 
wurden  mehr  und  mehr  asymmetrisch  und  ihr  vorauseilendes  Ende  kugelte  sich  pilzartig  ah. 

***)  Das  bei  gleichem  Drucke  und  gleicher  Stromstärke  sich  ablösende  Säulenstück 
war  5 bis  20  cm  lang;  die  ganze  Lichtsäule  des  ziegelrothen  Lichtes  kann  man  daher 
auch  auffassen  als  eine  ruhende  Leuchtmasse  von  grosser  Länge,  welche  die  Fähigkeit 
besitzt,  sich  beliebig  zu  theilen. 

*f)  Die  Umspannung  mit  der  Hand  wirkt  analog  einer  Rohrverengerung  in  dem 
Sinne,  als  die  letztere  nach  Righi  die  Ausbildung  einer  Leuchtschicht  erleichtert. 


21 


bis  sie  auf  eine  der  von  der  Anode  ihr  entgegenkommenden  Leuchtmassen 
des  karminrothen  Lichtes  trifft*). 

Wir  haben  also  zwei  Schaaren  von  Leuchtmassen,  die  eine 
zeigt  von  der  Kathode  langsam  fortwandernde,  die  andere  von 
der  Anode  aus  der  ersteren  rasch  entgegeneilende  Leucht- 
massen. Es  bildeten  sich  also  ganz  wie  bei  Atmosphären  druck  (vergl. 
Abschnitt  4)  zwei  von  einander  unabhängige  Systeme  von  Schichten,  nur 
ruhten  dort  die  Schichten  (bei  ruhenden  Elektroden),  hier  wandern  sie; 
es  kann  demnach  hier  wie  dort  dte  Entladung  als  in  einen 
positiven  und  negativen  Antheil  (je  mit  selbständiger  Schichten- 
bildung) zerfallend  angesehen  werden**).  In  dem  Zusammentreff- 
punkte der  gegen  einander  wandernden  Leuchtmassen  erkennen  wir  dem- 
nach die  ausgezeichnete  Stelle  (vergl.  Abschn.  7)  wieder. 

Besonders  auffallend  war  es  hierbei,  dass  sich  beim  Aufeinandertreffen 
zweier  Schichten  weder  mit  blossem  Auge  noch  im  rotirenden  Spiegel 
irgend  welche  Eigentümlichkeit  zeigte;  zwei  aufein  andertreffende 
Leuchtmassen  verschmelzen  zunächst;  die  verschmolzene  Licht- 
säule verkürzt  sich  mehr  und  mehr  und  verschwin det  schliess- 
lich spurlos  ***). 

Die  Ausgleichstelle,  bis  zu  welcher  die  von  der  Anode  aus  wandernden 
Leuchtmassen  nach  der  Kathode  zu  Vordringen,  rückt  sowohl  mit  wach- 
sender Stromstärke,  als  auch  mit  wachsender  Verdünnung  immer  weiter 
nach  der  Kathode  zu  vor;  der  negative  Antheil  der  Entladung  verkürzt 
sich  dem,  entsprechend.  Mit  abnehmendem  Drucke  verwischen  sich  die 
Lichterscheinungen  und  bei  Drucken  unter  0,8  waren  zwar  bei  schwachem 
Strome  noch  deutlich  ruhende  Leuchtmassen  zu  erkennen,  diese  flössen  je- 
doch bei  Stromvermehrung  (ohne  deutliche  Ausbildung  wandernder  Schichten) 
in  einander  und  verschmolzen  schliesslich  zu  einer  homogenen  Lichtsäule. 

13.  Letzte  Spuren  der  nahe  continuirliehen  Entladungsart. 

Die  Grenzverhältnisse  zwischen  nahe  continuirlicher  Entladung  und  dem 
bekannten  Phänomen  der  zeitlich  continuirliehen  Entladung  in  Geisslerrohren 
hat  man  sich  etwa  folgendermassen  zu  denken.  Die  Grenzstromstärke,  bei 
der  soeben  die  letztgenannte  (continuirliche)  Entladungsart  auftritt,  nimmt 


*)  Oft  genügte  ein  Bewegen  der  Hand  schon  im  Abstande  von  10  cm  vom  Bohre,  um 
eine  derartig  fortschreitende  successive  Entladung  auszulösen;  man  sieht,  in  wie  hohem 
Grade  die  Entwickelung  der  Lichtphänomene  von  äusseren  Umständen  abhängig  sein  kann. 

**)  Zu  genauerer  Untersuchung  müssten  wohl  die  Elektroden  in  den  Kohren  ver- 
schieblich gemacht  werden,  auch  müsste  der  Einfluss  der  Anordnung  des  Widerstandes 
im  Stromkreise  berücksichtigt  werden. 

***)  Auf  die  vielfachen  Eigentümlichkeiten  der  wandernden  Leuchtmassen  einzu- 
gehen, würde  zu  weit  führen;  es  sei  nur  noch  auf  einige  sicher  zu  beobachtende  That- 
sachen  hingewiesen.  Die  Wanderungsgeschwindigkeit  der  von  der  Kathode  wegwan- 
dernden Leuchtmassen  war  stets  geringer  als  diejenige  der  entgegenkommenden.  Bei 
höheren  Drucken  zeigten  erstere  mehr  ziegelrote,  letztere  mehr  karminrote  Färbung; 
mit  abnehmendem  Drucke  verschwand  bald  dieser  Farbenunterschied  (bei  den  hier  be- 
nutzten höheren  Drucken  spielt  der  Quecksilberdampf  bez.  der  Schichtenfärbung  noch 
keine  wesentliche  Bolle).  Es  kam  vor,  dass  das  ganze  Bohr  bis  zur  Anode  hin,  nur 
Leuchtmassen  enthielt,  die  von  der  Kathode  weg wanderten ; erfolgte  dies  Wandern 
hinreichend  langsam  (ca.  1 cm  per  Secunde),  so  konnte  man  deutlich  erkennen,  dass 
die  Leuchtmassen  nicht  in  der  Anode  allmählich  untertauchten,  sondern  je  ganz  succes- 
sive an  der  Grenze  eines  erst  hierdurch  bemerkbar  werdenden  (bis  zu  2 cm  langen) 


22 


rasch  ab  mit  abnehmendem  Drucke* *).  Das  Stromstärkengebiet  der  nahe 
continuirlichen  Entladungsart  wird  daher  mit  abnehmendem  Drucke  immer 
schmäler  und  unterhalb  0,8  cm  geht  die  discontinuirliche  Entladung  bei 
successiver  Stromverstärkung  meist  direct  in  die  continuirliche  über.  Einen 
bestimmten  Druck  (oder  Druckbereich),  welcher  etwa  die  Grenze 
zwischen  Schichtenbildung  durch  Leuchtmassen  und  der  gewöhnlichen 
Schichtung  des  Anodenlichtes  niedrigster  Drucke  bildet,  giebt  es  nicht. 
Ich  konnte  vielmehr  selbst  bei  so  geringen  Drucken,  bei  denen  das 
Anodenlicht  schon  längst  in  der  bekannten  Weise  deutlich  geschichtet 
war,  in  der  Regel  noch  die  nahe  continuirliche  Entladungsart  unzweifel- 
haft erkennen,  wenn  ich  nur  auf  die  Lichterbildung  bei  sehr  schwachen 

Strömen  mein 
Augenmerk  rich- 
tete. Hierbei  bin 
ich  auf  manche 
eigenthiimliche 
Erscheinungen  ge- 
stossen,  von  denen 
die  bemerkens- 
wertheste  im  Fol- 
- - genden  geschildert 
ist. 

Böi  einem  Drucke 
von  0,007  cm  Hg.  er- 
hielt ich  im  Rohre 
C folgende  Licht- 
entwickelung. 

Bei  sehr  schwa- 
chem mittleren 
Strome  ruhte  nahe 
der  Anode  in  der 
Rohrachse  eine 
Lichtsäule , deren 
freies  Ende  (vergl. 
den  Pfeil  der 
Fig.  22)  nach  der 
Kathode  hin  rhyth- 
misch aufzuckte. 

Bei  etwas  stärkerem  Strome  war  zu  erkennen  Goldstein’s  Dunkel- 
raum, helles  Kathodenlicht  mit  ziemlich  ausgedehnten  Glimmlichtstrahlen 


Fig.  22.  | 

< 

Fiq.23.  W 

a 

b c d 

s 

Fig.  24.  1 Jgf 

s 

Fig.  25.  [ j§| 

# # 

Fig.  2 6. 


Fig.  27. 


Fig. 


Fig. 


IIB  l 

4 

zk 

laoaacc 

üt 

CCCXEXl 

* 

ccacxx: 

Anodendunkelraumes  verschwanden.  (Die  Leuchtmassen,  welche  nach  der  Kathode  zu 
wandern,  kamen  dagegen  direct  aus  der  Metallanode  heraus.)  Die  Ausbildung  eines 
ausgedehnten,  scharf  begrenzten  Anodendunkelraumes  scheint  demnach 
nur  stattzufinden,  wenn  der  negative  Entladungsantheil  bis  nahe  zur 
Anode  heranreicht.  Dasselbe  war  auch  bei  nahe  continuirlicher  Entladung  in  freier 
Luft  zu  beobachten  (vergl.  Phot.  17,  und  20  mit  11).  Der  Anodendunkelraum  dürfte 
also  hier  (vergl.  Abschn.  7)  der  ausgezeichneten  Stelle  entsprechen.  Die  Anode  selbst 
zeigt  auch  hier  ganz  wie  im  analogen  Falle  bei  Atmosphärendruck  zahlreiche  Anoden- 
glimmpunkte, d.  h.  den  letzten  Pest  des  positiven  Antheiles. 

*)  Vergl.  die  Zahlenangaben  von  Hittorf,  Wied.  Ann.  20,  1883,  p.  722.  Es  wird 
jedoch  sicher  möglich  sein,  bei  allen  Drucken  die  einzelnen  Entladungsarten  ganz  all- 
mählich in  einander  überzuführen,  wenn  man  nur  die  Versuchsbedingungen  geeignet  wählt. 


23 


(a  in  Figur  23)*)  und  Trennungsraum,  eine  äusserst  matte  ziegelrothe  Licht- 
säule (b),  eine  matte  rothe  ruhende  Leuchtmasse  (c)  und  nach  der  Anode 
zu  eine  Lichtsäule  (d)**).  Es  war  also  die  nahe  continuirliche  Ent- 
ladungsart bei  einem  Drucke  unter  0,oi  cm  noch  sicher  zu  be- 
obachten! Näherte  ich  in  diesem  Stadium  die  Hand  oder  ein  Stück 
abgeleitetes  Stanniol  (S  in  Figur  24  und  25)  dem  Rohre,  so  bildete  sich 
im  Rohre  auf  der  abgewandten  Seite  eine  Leuchtmasse,  ganz  wie  bei 
höheren  Drucken;  diese  zerfiel  aber  hier  in  eine  Reihe  von  Schichten 
(vergl.  Fig.  24  und  25).  Diese  lichtschwache  secundäre  Schichtung  ähnelte 
der  Schichtenbildung  des  bekannten  Anodenlichtes,  ist  aber  mit  dieser 
keineswegs  zu  verwechseln. 

Bei  stärkerem  Strome  erschien  plötzlich  die  helle,  rosa  gefärbte 
Säule  des  bekannten  Anodenlichtes  (Figur  26);  es  zeigte,  der  Verdünnung 
entsprechend,  schon  deutlich  seine  bekannte  Geisslerrohr  - Schichtung. 
Zwischen  seiner  ersten  Schicht  und  der  Kathode  blieb  aber  deutlich  ein 
lichtschwaches  ziegelrothes  Lichtwölkchen  (w)  zu  erkennen***).  Näherte 
ich  jetzt,  wie  oben,  Hand  oder  Stanniol  (S  in  Figur  27,  28  und  29), 
so  wurde  die  Säule  des  bekannten  Anodenlichtes  nur  wenig  beeinflusst, 
um  so  mehr  aber  das  ziegelrothe  Lichtwölkchen.  Hierbei  zeigte  sich,  dass 
diese  Lichtwolke  nur  ein  Theil  einer  die  Anodenlichtsäule  mindestens 
20  cm  wreit  durchdringenden,  von  dieser  aber  so  gut  wie  unabhängigen 
Lichterscheinung  war.  Durch  Nähern  des  Leiters  S liess  sich  auch  jetzt 
noch  (ganz  wie  in  Figur  24  und  25)  aus  der  Rohrmitte  an  die  entgegen- 
gesetzte Rohrwand  eine  geschichtete  Lichtsäule  drängen  (Figur  27  und  28), 
ganz,  als  ob  die  ihrerseits  geschichtete  Anodenlichtsäule  gar  nicht  vor- 
handen wäre.  Durch  Verschieben  des  Leiters  längs  des  Glasrohres  liess 
sich  constatiren,  dass  das  vom  Leiter  bewegte  Schichtensystem  stets  die 
erste  Schicht  gegenüber  der  Berührungsstelle  des  Leiters  ausbildete;  dass 
an  dieser  ersten  Schicht  nach  der  Anode  zu  eine  ganze  Reihe  (10  bis  15) 
weitere  aequidistante  Schichten  hingen,  welche  bei  einer  durch  Bewegung 
des  Leiters  veranlassten  Verschiebung  der  ersten  Schicht  sämmtlich  mit- 
genommen wurden,  dass  diese  lichtschwache  zweite  Schichtung  auch  vor- 
handen war  bei  Abwesenheit  des  Leiters  und  dass  die  lichtschwachen 
Schichten  in  diesem  Falle  meist  zusammenfielen  mit  den  Schichten  des 
Anodenlichtes  (mit  Ausnahme  der  ersten,  der  schwachen  Lichtwolke). 

Es  hatte  demnach  ganz  den  Anschein,  als  ob  zwei  von  einander  un- 
abhängige, gegen  äussere  Einflüsse  verschieden  empfindliche  Lichterschei- 
nungen, jede  mit  selbständiger  Schichtung,  sich  durchdrängen.  Mehr- 
maliges Lufteinlassen  in  das  Rohr  und  erneutes  Auspumpen,  Vorschalten 
von  Widerständen  an  Anode  oder  Kathode,  Ableitung  von  Kathode  oder 
Anode  zur  Erde,  alles  dies  änderte  die  Erscheinung  nicht  wesentlich. 
Durch  Stromstärkenvermehrung  bis  zu  1/600  Ampere  konnte  freilich  die 


*)  Fig.  22  und  23  sind  etwa  in  1/8  nat.  Grösse,  Fig.  24  bis  29  etwa  in  y4  nat.  Grösse 
schematisch  gezeichnet,  jedoch  ohne  genaue  Innehaltung  der  relativen  Grössenverhältnisse 
der  Lichter. 

**)  Auch  lichtschwache,  verwaschene,  wandernde  Leuchtmassen  waren  in  diesem 
Stadium  (im  rotirenden  Spiegel)  ah  und  zu  zu  bemerken. 

***)  Mit  der  ersten  Anodenschicht  war  das  Lichtwölkchen  keineswegs  zu  verwechseln; 
es  war  wesentlich  lichtschwächer  als  alle  Anodenschichten,  auch  stand  es  von  der  ersten 
derselben  weiter  ab  als  die  Anodenschichten  unter  einander.  Auch  sonst  zeigte  die 
Lichtwolke  besondere  Eigenthümlichkeiten. 


24 


Schichtenzahl  des  Geissler’schen  Anodenlichtes  vermehrt,  die  eigentüm- 
liche lichtschwache  zweite  Entladungserscheinung  aber  nicht  zum  Erlöschen 
gebracht  werden.  Beobachtungen  im  rotirenden  Spiegel  schienen  darauf 
hinzudeuten,  dass  beide  Entladungsarten  zeitlich  rasch  alterni- 
rend  im  Rohr  auftraten. 

Bei  Verdünnungen  unter  0,oi  cm  nimmt  die  Ausdehnung  und  Licht- 
intensität der  Glimmlichtstrahlen  rasch  zu,  ebenso  die  Gla'sfluorescenz, 
(erzeugt  durch  die  alle  Schichten  allmählich  durchdringenden  Kathoden- 
strahlen). Im  Glanze  dieser  Lichterscheinungen  verschwindet  zuerst  das 
(ziegelrothe)  Lichtwölkchen,  dann  auch  das  mehr  und  mehr  verblassende 
geschichtete  Anodenlicht,  schliesslich  erstrahlt  das  ganze  60  cm  lange 
Glasrohr  im  blendenden  hellgrünen  Fluorescenzlichte  und  sendet  seiner 
ganzen  Länge  nach  die  bekannten  Röntgenstrahlen  aus. 

Trotz  der  in  diesem  Abschnitte  geschilderten  und  anderer  weniger 
interessanten  Complicationen  der  Erscheinungen  ist  es  kaum  zweifelhaft, 
dass  die  nahe  continuirliche  Entladungsart  (Kugelfunken,  Büschellichtbogen) 
und  die  gewöhnliche  continuirliche  Geisslerrohrentladung  sich  ohne  Un- 
stätigkeit ineinander  überführen  lassen,  dass  beide  Entladungen  derselben 
Art  sind. 

Die  gewöhnlich  auftretende  Anodenlichtsäule  der  continuirlichen  Ent- 
ladung ist  wahrscheinlich  aufzufassen  als  eine  Leuchtmasse  (resp.  auch 
nach  den  Angaben  am  Schlüsse  des  12.  Abschnittes  als  mehrere  vollständig 
ineinander  geflossene  Leuchtmassen)  des  positiven  Antheiles.  Der  aus- 
gezeichneten Stelle  entspricht  dann  das  Gebiet  zwischen  der  Anodenlicht- 
säule und  dem  ziegelrothen  Lichtwölkchen,  wir  haben  also  dieselbe 
Entladungsform  vor  uns,  welche  Fig.  10  Abschnitt  2 für  den 
Elektricitätsdurchgang  durch  Funkenstrecken  in  freier  Luft 
zeigt.  Fehlt,  wie  es  wohl  in  der  Regel  der  Fall  ist,  das  ziegelrothe 
Licht  ganz,  so  fallen  Trennungsraum  und  ausgezeichnete  Stelle  zusammen. 
Bei  der  Entladung  in  freier  Luft  (Fig.  10)  bildete  sich,  wie  schon  an- 
gegeben, die  ausgezeichnete  Stelle  immer  in  nahe  gleichem  Abstande  von 
der  Halbleiterkathode  aus,  das  positive  karminrothe  Licht  endigte  stets 
in  gleicher  Entfernung  von  der  Kathode ; das  Analogon  hierzu  ist  die  von 
Faraday  bemerkte  Thatsache,  dass  die  Anodenlichtsäule  (in  gasverdünnten 
Räumen)  bei  Verschieben  der  Elektroden  stets  in  nahe  demselben  Abstande 
von  der  Kathode  endigt. 

In  Abschnitt  7 wurde  nun  gezeigt,  dass  die  Entladungsform  der 
Fig.  10  nur  ein  Specialfall  einer  allgemeineren,  vollständigeren  ist,  deren 
Schema  sich  gleichfalls  in  Abschnitt  7 angegeben  findet.  Wir  haben 
demnach  anzunehmen,  dass  auch  die  gewöhnliche  Geisslerrohrentladung 
(ebenso  wie  ihr  Analogon  Fig.  10)  nur  ein  (in  der  Regel  auftretender) 
specieller  Fall  einer  ganzen  Anzahl  möglicher  Entladungsformen  ist*), 
deren  Lichterbildung  sich  auf  das  Abschnitt  7 angegebene  allgemeinere 
Schema  zurückführen  lässt.  Letzteres  würde  freilich  noch  durch  einige 
erst  in  gasverdünnten  Räumen  zu  beobachtende  Einzelheiten  zu  er- 
gänzen sein. 


*)  Welche  Entladungsform  speciell  bei  den  Beobachtungen  im  Abschnitt  13  mit 
der  gewöhnlichen  alternirend  auftrat,  muss  dahingestellt  bleiben.  Mehrere  Schichten- 
systeme bei  denselben  Druckbedingungen  beobachtete  auch  Y.  Felix;  vergl.  Sitzungsber. 
des  naturwiss.  Vereins  f.  Schleswig-Holstein,  Bd.  XI,  1896,  p.  21. 


25 


Der  Zerfall  der  Anodenlichtsäule  in  die  bekannten  Anodenschichten 
(vergl.  Phot.  36 — 45)  ist  nur  ein  specieller  Fall  der  oft  zu  beobachtenden 
Thatsache,  dass  ausgedehntere  Lichter  leicht  in  Unterabtheilungen  zer- 
fallen (wie  es  z.  B.  Fig.  21  für  das  erste  Lichtmaximum  des  ziegelrothen 
Lichtes  zeigt;  vergl.  vor  Allem  auch  Fig.  24).  Diese  Schichtung  des 
(Greissler’schen)  Anodenlichtes  ist  nach  den  verschiedensten  Seiten  durch- 
forscht. Der  Vollständigkeit  halber  sei  durch  Phot.  36  bis  45  für  das 
Rohr  C die  Abhängigkeit  der  Stellung  dieser  Schichten  von  Druck  und 
Stromstärke  illustrirt*);  zugleich  wollte  ich  durch  den  Anblick  letzterer 
Photogramme  im  Vergleiche  mit  Phot.  29,  30  und  31  den  grossen  Unter- 
schied zwischen  dem  Zerfalle  der  Gesammtentladung  in  Leuchtmassen  und 
der  Schichtung  des  Anodenlichtes  anschaulich  hervortreten  lassen. 

Beiden  Schichtenbildungen  (Leuchtmassen  und  Anodenschichten)  sind 
gemeinsam : 

Die  Abnahme  der  Ausbildungsschärfe  der  Schichten  mit 
zunehmender  Entfernung  von  der  Kathode. 

Die  Aequidistanz  der  Schichten. 

Die  Abnahme  des  Abstandes  benachbarter  Schichten  mit 
wachsender  Stromstärke. 

Dagegen  unterscheiden  sich  beide  Schichtungsarten  dadurch,  dass 
bei  höheren  Drucken  die  erste  der  alsdann  entstehenden  Leuchtraassen 
(von  der  Kathode  aus  gezählt)  mit  wachsender  Stromstärke  sich  der 
Kathode  nähert,  während  die  erste  Anodenschicht  der  bei  niederen  Drucken 
entstehenden  Lichterscheinung  sich  mit  wachsender  Stromstärke  von  der 
Kathode  entfernt  (vergl.  Phot.  29  bis  31  mit  36  bis  40). 

In  dem  Druckbereiche,  in  welchem  beide  Schichtungserscheinungen 
zugleich  auftreten,  besitzen  die  „Leuchtmassen“  viel  grössere  (ca.  die 
10  fache)  Längenausdehnung  als  die  Anodenschichten. 

Januar  1898. 

Physikalisches  Institut 
der  K.  Technischen  Hochschule  zu  Dresden. 


*)  Es  war  hierbei 


No.  des  Phot. 

36 

37 

38 

39 

40 

41 

42 

43 

44 

45 

Druck  in  cm  Hg 
Mittl.  Strömst, 
in  Tausentel 

0,019 

0,019 

0,019 

0,019 

0,019 

0,0027 

0,0027 

0,0027 

0,0027 

0,0027 

Ampere 

0,27 

0,56 

0,88 

1,18 

1,42 

0,31 

0,58 

0,89 

1,17 

1,51 

Bei  allen  Photogrammen  (36  bis  45)  war  die  Expositionszeit  die  gleiche , je  ca. 
5 Secunden. 

Da  bei  Stromvermehrung  der  Abstand  der  ersten  Anodenschicht  von  der  Kathode 
zu-,  der  Abstand  der  Schichten  unter  einander  jedoch  abnimmt,  so  rückt  zwar  die  erste 
Anodenschicht  bei  Stromvermehrung  von  der  Kathode  ab,  gleichzeitig  kommen  jedoch 
ferner  stehende  Schichten  der  Kathode  näher  (vergl.  in  Phot.  41  bis  45  die  Lagen- 
änderung der  ersten  etwa  mit  der  zehnten  Schicht , beide  von  der  Kathode  aus  ge- 
zählt). 


26 


Erklärung  zu  Tafel  I. 


No. 

der  Photo- 
graphie 

Ver- 

grösser- 

ung 

(Gegenst.=  1) 

Druck  in 

cm 

Queck- 

silber 

Kathode 

Anode 

Abschn., 
indem  das 
Phot,  be- 
handelt ist 

Phot.-Pl. 
während 
der  Auf- 
nahme 

Art  der 
Ent- 
ladung 

1 his  5 

2 

ca.  76 

Messingsp. 

Basaltpl. 

1 

ruhend 

nahe  con- 

6 bis  9 

2 

99 

1 

« 

l tinuirl. 

10 

0,70 

99 

19 

n 

1 

99 

(Entldg.  in 

11 

0,70 

» 

99 

» 

4 

bewegt 

(frei  er  Luft 

12  bis  16 

0,70 

ca.  76 

Messingsp. 

Messingsp. 

5 

ruhend 

i.  Griasrohr 

17  bis  19 

0,63 

ca.  76 

Messingkugel 

Basaltpl. 

6 

bewegt 

I Verlangs. 

20 

0,76 

„ 

„ 

Scbieferpl. 

6 

ruhend 

1 Batterieentl. 

21 

1,5 

99 

99 

Basaltpl. 

6 

bewegt 

I in  freier  Luft 

22 

1 

- 

— 

— 

7 

— 

23  bis  28 

0,138 

ca.  4 

Kupfersp. 

Kupfersp. 

9 

ruhend 

(nahe  cont. 

29  bis  31 

0,158 

5,3 

Alum.-Pl. 

Alum.-Pl. 

10 

99 

> Entl.  bei 

32  bis  35 

0,25 

ca.  4 

J? 

99 

12 

J Luftverd. 

36  bis  40 

0,167 

0,019 

99 

9? 

13 

99 

40  bis  45 

0,167 

0,0027 

99 

19 

13 

»9 

Alle  Photogramme  geben  elektrische  Entladungen  in  Luft  wieder. 
Die  Kathode  liegt  in  allen  Photogrammen  links  (nur  in  Phot.  21  unten, 
in  Phot.  22  oben).  Die  je  zusammengehörigen  Phot.  1—5,  6 — 8,  12 — 16, 
23 — 27,  29—31,  36 — 40,  41 — 45  zeigen  Lichterscheinungen  je  unter 
sonst  gleichen  Umständen  nur  bei  schrittweise  vermehrter  Stromstärke. 


II.  Studien  über  den  Dresdner  Haidesand. 

Von  Oberlehrer  Dr.  R.  Nessig. 


Wenn  es  heute  nicht  mehr  zweifelhaft  erscheint,  dass  die  ausgedehnten 
Ablagerungen  sandiger  Sedimente,  sowohl  im  Dresdner  Elbthalkessel,  wie 
am  Abfalle  und  auf  der  Lausitzer  Hochfläche  selbst,  den  Fluthen  der 
diluvialen  Elbe  zuzuschreiben  sind,  so  wissen  wir  doch  über  die  Herkunft 
des  klastischen  Materials,  über  die  Antheilnahme  von  eruptiven  und  von 
Schichtgesteinen  der  näheren  und  weiteren  Umgehung  noch  recht  wenig.  Im 
Allgemeinen  begnügt  man  sich  damit,  die  Beisteuer  zur  Sandbildung  den 
im  heutigen  Stromgebiet  der  Elbe  anstehenden  Felsarten  zuzuschreiben, 
obwohl  viele  dieser  Gesteine,  z.  B.  die  Lausitzer  Granite,  nach  ihrem  grusigen 
Zerfall  und  nach  Abrollung  der  discreten  Gesteinspartikel  so  wenig 
charakteristische  Bestandtheile  liefern,  dass  man  sie  aus  dem  wirren  Durch- 
einander der  Sandkörner  nicht  mehr  auf  ihr  Ursprungsgebiet  zurückführen 
kann.  Was  vom  Granite  gilt,  lässt  sich  auch  von  dem  archäischen  Grund- 
gebirge sagen,  welches  bei  der  jedenfalls  ganz  erheblichen  Erosion  der 
Wasserläufe  im  Quellgebiet  der  Elbe  angeschnitten  und  nach  der  Zer- 
störung als  von  granitischen  Zerfallproducten  nicht  unterscheidbares  Ge- 
trümmer den  Schwemmgebilden  einverleibt  worden  ist.  Es  erscheint  dem- 
nach geradezu  unmöglich,  die  im  Elbsande,  Thalsande  und  Haidesande 
vorherrschenden,  gewöhnlichen  Quarze,  das  relativ  widerstandsfähigste 
Material  dieser  Bildungen,  auf  Granit  oder  Gneiss  zurückzuführen.  Anders 
steht  es  mit  den  spärlicheren  Quarzen  von  grauer  bis  graublauer,  ja  bis- 
weilen Cordierit-ähnlicher  Färbung,  bei  denen  es  möglicherweise  gelingen 
wird,  das  Ursprungsgebiet  zu  ermitteln.  Es  dürften  die  grauen  bis  rauch- 
grauen Quarze  zumeist  aus  dem  Granitit  oder  einglimmerigen  Granit  der 
Lausitz  und  des  Kiesengebirgsmassivs,  die  mehr  Cordierit-ähnlichen *)  aus 
dem  nur  in  untergeordneteren  Partieen  im  Granitit  vorkommenden,  zwei- 
glimmerigen  Granit  stammen.  So  beobachtete  Jokely**)  Cordierit-ähnliche, 
hlaugraue  Quarze  im  Granit  von  Hohenwald  und  Wetzwalde  im  Isergebirge, 
und  mir  gelang  es,  solche  ganz  charakteristische  Quarze  zu  entdecken  in 
einer  Probe  von  rothliegenden  Conglomeraten,  die  ich  aus  Schlesien,  von 
dem  am  Bober  gelegenen  Frauenberge  zwischen  Löwenberg  und  Lähn 


*)  Erläuterungen  zu  der  geologischen  Uebersiehtskarte  von  Schlesien,  von  Dr.  Georg 
Gürich.  Breslau  1890,  S.  9 und  13. 

**)  Jahrbuch  der  geologischen  Reichsanstalt  1859,  S. 376;  vergl.  auch  Zirkel: 
Petrographie  II,  S.  7. 


28 


erhielt.  Diese  Mineralkörner  sind  mit  Sicherheit  auf  die  Hirschberger 
Graniteinlagerung  zurückzuführen.  Im  Gegensatz  hierzu  fehlen  die  blauen 
Quarze  in  einer  Probe  des  Rothliegenden  vom  „Rothen  Berge44  zwischen 
Löwenberg  und  Hagendorf,  da  Granit  in  der  Umgebung  nicht  auftritt. 
Koch  günstiger  wie  für  diese  grauen  und  graublauen  Quarze  scheinen  die 
Verhältnisse  für  die  in  den  Sanden  so  auffälligen,  gelblichen  und  rosen- 
rothen  Körner  dieses  Minerals  zu  liegen.  Sie  finden  sich  nicht  nur  in  den 
recenten  Flusssanden  des  Elbstromes,  sondern  auch  in  den  diluvialen 
Thal-  und  Haidesanden,  ja  sie  bilden  einen  oft  recht  häufigen  Bestandtheil 
vieler  grobkörnigen  Quadersandsteine,  besonders  des  Brongniarti-Hori- 
zontes.  *)  Massenhaft  konnte  ich  dieselben  im  verwitterten  Sandstein 
des  mittleren  Gipfels  der  Kaiserkrone,  im  Quader  oberhalb  des  Schramm- 
thores  und  an  anderen  Orten  nachweisen. 

Was  zunächst  die  Färbung  dieser  Körner  anbetrifft,  so  scheint  die 
rosenrothe  Farbe  bewirkt  zu  werden  durch  Titan  oxyd-haltiges  Eisenoxyd, 
welches  die  ganze  Mineralmasse  gleichmässig  durchtränkt,  auf  feinsten 
Haarrissen  und  Mikrospalten  infiltrirt  erscheint.  Daher  erklärt  es  sich 
auch,  dass  eine  Behandlung  mit  Säuren  keine  Entfärbung  zur  Folge  hatte. 
Um  nun  zu  entscheiden,  ob  etwa  ein  Gehalt  an  Bitumen  die  Färbung 
bewirkt,  wurden  rothe  Quarzkörner  im  Gebläsefeuer  geglüht,  aber  keine 
Zerstörung  der  färbenden  Substanz  erzielt,  im  Gegentheil,  die  gelblichen 
Quarze  wurden  durch  das  Glühen  zu  rosenrothen,  eine  Erscheinung,  die 
uns  erkennen  lässt,  dass  das  gelbfärbende  Pigment  Eisenoxydhydrat  ist, 
welches  durch  Wasserverlust  in  Eisenoxyd  übergeht. 

Woher  stammen  nun  diese  charakteristischen  Bestandtheile  der 
schüttigen  Sande  wie  der  cementirten  Sandsteine?  Dass  diese  Körner  in 
die  diluvialen  Sande  zumeist  erst  aus  zerstörten  Quadersandsteinen  gelangt 
sind,  ist  bei  der  weiten  Verbreitung  derselben  in  solchen  Felsarten  und  bei 
der  ausgiebigen  und  noch  heute  fortgesetzten  Erosion  dieses  cretaceischen 
Schichtencomplexes  leicht  einzusehen,  anders  steht  es  mit  der  Frage,  von 
woher  diese  farbigen  Mineralkörner  in  die  Sandsteine  gelangt  sind.  Nimmt 
man  die  geologischen  Karten  der  Sudeten  und  des  Böhmerlandes  zur  Hand, 
überhaupt  des  Elbstromgebietes,  so  erkennt  man,  dass  die  Urgesteine, 
Gneiss-  und  Glimmerschiefer  zumal,  ebenso  der  Granit  grosse  zusammen- 
hängende Areale  einnehmen,  dass  aber  die  Sedimentärformationen  in  mehr 
oder  minder  zerschlitzten  und  isolirten  Lappen  und  Fetzen  erscheinen. 
Dies  gilt  namentlich  von  den  Bildungen  der  oberen  Kreide,  weniger  von 
denen  der  Cenomanstufe,  besonders  aber  noch  von  dem  Rothliegenden  und 
dem  Silur.  Es  unterliegt  keinem  Zweifel,  dass  alle  diese  Formationen  einst 
zusammenhängende  Gesteinsfelder  gebildet  haben,  dass  aber  eine  gewaltige 
Erosion  und  Abtragung  sie  auf  die  heute  noch  vorhandenen  Reste  reducirt 
hat.  Am  greifbarsten  ist  die  Ausnagung  der  cenomanen  Felsgebilde  im 
Gebiet  der  Heuscheuer,  wo  die  Adersbacher  und  Weckelsdorfer  Felslabyrinthe 
eine  verständliche  Sprache  reden.  Die  Formation  nun,  welche  infolge  ihrer 
beträchtlichen  Abtragung  namentlich  in  Frage  kommt,  wenn  es  sich  darum 
handelt,  für  unsere  rothen  Elbquarze  die  Heimath  zu  ermitteln,  ist  das 
Rothliegende.  Es  findet  sich  am  Nordabfalle  des  Riesen-  und  Eulengebirges 
im  Verein  mit  dem  Zechstein  in  vielen  isolirten  Fetzen  erhalten,  füllt  im 


*)  Sect.  Königstein,  S.  12;  Isisberichte  1895,  S.  78,  und  1897,  S.  27. 


29 


Süden  den  Innenraum  der  Waldenburger  Kohlenmulde*)  aus,  in  dessen 
Mitte  es  vom  Kreidegebirge  überdeckt  wird,  und  greift  dann  bei  Schatzlar 
über  das  Carbon  in  einem  inselartigen  Reste  über,  der  letzte  Zeuge  der 
einst  zwischen  dem  nordböhmischen  Rothliegenden  und  dem  der  Glatzer 
Mulde  vorhanden  gewesenen  Verbindung.  Hier,  wo  eine  intensive  Erosion 
den  Zusammenhang  zerstörte,  fliesst  heute  ein  Nebenfluss  der  Elbe,  die  bei 
Josephstadt  in  die  Elbe  sich  ergiessende  Aupa,  die  unterhalb  Trautenau 
noch  Zuflüsse  aus  dem  Rothliegenden -Rest  von  Schatzlar  und  dem  der 
Waldenburger  Carbonmulde  empfängt.  In  Nordböhmen  bildet  das  von  der 
Aupa  und  Elbe  durchflossene  Rothliegende  eine  breite  Zone,  die  zwischen 
Iser  und  Aupa  auf  dem  krystallinischen  Schiefermantel  der  Riesengebirgs- 
Granitellipse  aufruht.  Hier,  meine  ich,  hat  man  den  Ursprung  vieler  Be- 
standtheile  des  Quaders  und  der  Thal-  und  Haidesande,  vielleicht  auch  die 
Heimath  unserer  farbigen  Quarze  zu  suchen.  Die  Gesteine,  welche  daselbst 
das  Rothliegende  aufbauen,  sind  rothe  Sandsteine  und  Conglomerate, **) 
und  von  den  letzteren  wird  berichtet,  dass  sie  namentlich  aus  Quarzen 
bestehen.  Auch  das  Gebiet  des  Rothliegenden,  welches  sich  nördlich  von 
Pilsen  ausdehnt  und  von  der  Beraun  durchflossen  wird,  dürfte  mit  seinen 
Zerstörungsproducten  zur  Sandbildung  des  Elbstromes  beigetragen  haben, 
zugleich  mit  den  silurischen  Kieselschiefern,  die  im  Berauner,  Rakonitzer 
und  Leitmeritzer  Kreis  von  der  Uslawa,  Rakonitza  und  Beraun  aufge- 
nommen und  in  die  Elbe  eingeschwemmt  worden  sind,  in  deren  jüngsten 
Geröllabsätzen  sie  so  häufig  erkennbar  sind.***)  Wir  haben  bisher  das 
Rothliegende  nur  für  die  Mitbildung  der  Quader-  und  Diluvialschichten  in 
Anspruch  genommen,  doch  sind  auch  von  einem  böhmischen  Geologen, 
Herrn  Prof.  Hibschf)  Gerolle  und  Geschiebe  aus  dem  Rothliegenden  im 
Tertiär  (Oligocänsande)  erkannt  und  ein  Transport  aus  dem  Osten  des 
Böhmerlandes  nach  dem  Elbgebiet  angenommen  worden. 

Selbstverständlich  haben  auch  die  vom  Ostabhange  des  Böhmerwaldes 
und  vom  mährischen  Hügelland  herabkommenden  Zuflüsse  des  Elbstromes 
sich  an  der  Schutt-  und  Geröllabfuhr  betheiligt,  doch  kommen  dieselben  aus 
Gebieten,  wo  fast  ausschliesslich  archäische  Schichten  abgetragen,  also  keine 
charakteristischen  Gesteinstrümmer  geliefert  wurden.  Bei  der  ausseror- 
dentlichen Mächtigkeit  der  noch  vorhandenen  Kreideformation  muss  auf 
eine  ganz  gewaltige  Abtragung  in  den  archäischen  Gebieten  sowohl,  wie  im 
Bereich  der  paläozoischen  Formationen  geschlossen  werden,  die  in  der  meso- 
zoischen Zeit  fortgesetzt,  in  der  Zeit  des  Diluviums  ihr  Maximum  erreichte 
und  die  z.  B.  in  der  heutigen  sächsischen  Schweiz  fast  den  ganzen  Ueber- 
quader  abtrug,  der  sicher  einst  in  grösserer  Ausdehnung  den  Oberquader  be- 
deckte. In  der  Richtung  der  Elbthalspalte  wurde  die  Erosion  weiter  ge- 
führt, bis  bei  Niedergrund  die  Grundschwelle  des  Lausitzer  Granites  erreicht 
und  das  canonartige  Elbthal  fertiggestellt  wurde.  Leider  ist  es  mir  bisher 
noch  nicht  gelungen,  geeignete  Proben  des  Rothliegenden  vom  Südfusse 
des  Sudetenzuges  zu  erhalten,  um  die  Frage  nach  der  Herkunft  der  rosen- 
rothen  Quarze  endgültig  zu  entscheiden,  immerhin  aber  hat  die  Prüfung  der 
schon  erwähnten  Proben  des  Rothliegenden,  wie  es  in  der  Umgebung  von 

*)  G.  Gürich,  a.  a.  0.  S.90;  Credner:  Geologie,  8.  Aufl.,  1897,  S.510. 

**)  G.  Gürich,  a.  a.  0.  S.  91. 

***)  F.  Zirkel:  Petrographie  III,  S.  545. 

f)  J.  E.  Hibsch:  Geologische  Karte  des  böhmischen  Mittelgebirges , Blatt  I 
(Tetschen),  S.  27;  Blatt  III  (Bensen),  S.  9, 10. 


30 


Löwenberg  entwickelt  ist,  die  Abstammung  der  fraglichen  Mineralkörner 
aus  dieser  Formation  höchst  wahrscheinlich  gemacht.  Vor  einer  Täuschung 
hat  man  sich  bei  diesen  Untersuchungen  zu  hüten.  Die  feinkörnigen  Trümmer- 
gesteine, wie  sie  auch  in  unserem  Döhlener  Becken  Vorkommen  und  im 
Profil  des  Windbergesund  des  Backofenfelsens  aufgeschlossen  sind,  enthalten 
gleichfalls  zahlreiche  durch  eisenschüssigen  Detritus  pigmentirte  Quarze, 
doch  hier  durchdringt  das  färbende  Eisenoxyd  meist  nicht  das  Mineral- 
korn, sondern  überzieht  es  nur  als  abwaschbare  oder  durch  Säure  ent- 
fernbare Haut. 

Die  Betheiligung  der  rothen  und  gelben  Quarze  an  der  Zusammen- 
setzung der  diluvialen  und  recenten  Sande  des  Elbthales  ist  meist  eine 
solche,  dass  von  einem  Einflüsse  auf  die  allgemeine  Färbung  dieser 
schüttigen  Sedimente  nicht  wohl  geredet  werden  kann.  Der  Farbenton 
wird  vornehmlich  bestimmt  durch  die  überwiegenden  grauen  und  weissen 
Quarze  und  die  anderen  Gesteinspartikel,  unter  denen  die  gerundeten 
Grusbrocken  des  Lausitzer  Granites  bisweilen  eine  hervorragende  Rolle 
spielen.  In  der  Hauptsache  wird  die  Färbung  durch  einen  mehr  oder 
minder  starken  Gehalt  von  Eisenoxydhydrat  bedingt,  der  den  Sanden  eine 
gelbliche  Farbe  verleiht.  Neben  diesem  vorherrschenden  Farbenton  sind 
es  besonders  noch  zwei  Färbungen,  die  unser  Interesse  erregen,  einmal 
die  intensiv  dunkelrothbraune  Pigmentirung , wie  sie  im  Bereich  des 
Eisenborngrundes  und  in  der  Sandstufe  südlich  vom  Wolfshügel  entwickelt 
ist,  und  eine  fast  schneeweisse,  an  Oligocänsande  erinnernde  Beschaffenheit. 
Die  chemische  Prüfung  der  rothbraunen  Sande  ergab,  dass  die  als  Pigment- 
haut die  Sandkörner  überziehende  Schicht  vorzugsweise  aus  Eisenoxyd 
und  etwas  Manganoxyd  besteht.  Woher  rührt  aber  der  starke  Eisengehalt 
dieser  Sedimente?  Nun  der  Name  Eisenbornbach  verräth  uns  schon,  dass 
er  seinen  Ursprung  an  einem  Orte  hat,  wo  eisenhaltiges  Wasser  dem  Boden 
entquillt,  und  damit  sind  wir  zugleich  in  ein  Gebiet  unseres  Haideplateaus 
verwiesen,  in  dem  mir  die  Lösung  der  interessanten  Frage  nach  der  Her- 
kunft des  Eisenpigmentes  in  schöner  Weise  gelungen  ist. 

Wie  bekannt,  enthält  unsere  Haide  zwischen  dem  der  Elbe  zuge- 
wandten Steilrande  und  dem  erst  in  Lausitzer  Richtung  eingeschnittenen, 
dann  in  die  zwischen  dem  Meissner  und  Lausitzer  Massiv  vorhandene  Ver- 
werfungskluft einlenkenden  Priessnitzbache  ein  zerlapptes  Sumpfgebiet. 
Das  granitische  Grundgebirge  weist  vielfach  Senkungen  und  flach  mulden- 
förmige Vertiefungen  auf,  die  meist  miteinander  communiciren.  Vereinzelt 
heben  sich  Rücken  und  Buckel  des  Grundgebirges  aus  dem  flachen  Sumpf- 
lande heraus,  so  dass  es  dadurch  seinen  zerlappten  Charakter  gewinnt. 
In  früheren  Zeiten  jedenfalls  fast  abflusslos,  wird  es  jetzt  durch  eine  Anzahl 
kleiner  Rinnsale,  welche  die  granitische  Randschwelle  durchsägt  haben, 
nach  der  Elbe  zu  durch  das  verlorene  Wasser,  den  Eisenbornbach,  den 
Gutebornbach,  den  Mordgrund-  und  den  Loschwitzbach  entwässert.  Auch 
nordwärts,  nach  der  Priessnitz  zu  findet  eine  theilweise  Entwässerung 
statt.  Wenn  nun  durch  die  muldenförmigen  Depressionen  des  Granites 
die  Gelegenheit  zur  Bildung  von  Moorgebieten  gegeben  war,  so  wurde  sie 
factisch  bewirkt  durch  die  Verwitterung  dieses  Gesteines,  dessen  Zer- 
setzungsrückstände bekanntlich  Wasser  undurchlässige  Thone  sind.  Dieser 
mechanisch-chemische  Umwandlungsprocess  liess  aber  auch  Minerallösungen 
entstehen,  die  theils  durch  die  natürlichen  Abzugskanäle  fortgeführt,  theils 
im  Sumpfgebiet  zurückgehalten  wurden  und  dort  Mineralstoffe  zur  Aus- 


31 


Scheidung  brachten.  Ein  solcher  Bestandtheil  ist  das  Eisen.  Vergleicht 
man  chemische  Analysen  von  Graniten  im  frischen  und  im  angewitterten, 
schliesslich  im  verwitterten  Zustande,  so  erkennt  man  sofort  eine  relative 
Anreicherung  der  Kieselsäure,  der  Thonerde  und  des  Eisens,  während  der 
Alkaliengehalt  schnell  abnimmt.  Zum  Vergleich  dienen  drei  Analysen  des 
Granites  vom  Hauzenberg  bei  Passau.*) 


I. 

II. 

III. 

Frisch: 

Verwittert: 

Gefüge  gelockert: 

Si  02  . . 

. . 73,13 

73,71 

73,78 

A1.2  ü3  . 

. . 10,50 

10,78 

11,61 

Fe2  03  . 

. . 3,16 

3,18 

3,76 

Mg  0 . . 

. . 1,12 

0,82 

0,99 

K20  . . 

. . 9,04 

8,51 

7,07 

Na,  0 . . 

. . 1,80 

0,92 

0,33 

H20  . . 

. . 0,45 

0,92 

1,76. 

Diese  Zunahme  namentlich  des  Eisenoxydgehaltes  unter  gleichzeitiger 
Abnahme  des  Gehaltes  von  Eisenoxydul  wurde  neuerdings  von  der  geo- 
logischen Landesuntersuchung  des  Grossherzogthums  Hessen  am  Granit 
von  Weinheim**)  beobachtet.  In  unserer  Haide,  wo  in  den  Depressionen  die 
Verwitterung  des  Granites  grosse  Fortschritte  gemacht  und  thonige  Lagen 
im  Grunde  geschaffen  hat,  sind  nun  die  Bedingungen  für  die  Abfuhr  der 
durch  die  Granitverwitterung  geschaffenen  Rückstände  verschieden.  Stellen- 
weise wird  nach  der  Vergrusung,  d.  h.  nach  dem  schüttigen  Zerfall  der 
Felsart,  das  zersetzte  Gestein  schnell  seiner  leicht  abschlämmbaren  Be- 
standtheil e,  wie  der  Glimmerblättchen  beraubt,  es  verliert  beim  Abrollen 
der  Grusbrocken  in  den  Rinnsalen  alsbald  die  braune,  auf  hohen  Eisen- 
gehalt deutende  Färbung,  und  die  in  kürzester  Frist  abgerollten  Körner 
erscheinen  dann  als  Bestandtheile  des  Sandes  in  den  Bächen.  Ein  Ort, 
wo  man  dies  auf  einer  Strecke  von  wenigen  Metern  beobachten  kann,  ist 
der  Wassergraben  zur  Rechten  der  Strasse,  die  'von  der  Haidemühle  auf- 
wärts nach  der  Hofewiese  führt.  Nicht  immer  aber  gelangen  die  Ver- 
witterungsproducte  gleich  in  schnellfliessende  Gewässer.  In  den  Sumpf- 
regionen schwängern  • sich  die  stagnirenden  Wasser  mehr  und  mehr  mit 
Mineralsolutionen  und  es  kommt  alsbald  zum  Absatz  dieser  Producte, 
namentlich  der  Eisenverbindungen  gewöhnlich  direct  auf  dem  in  der  Zer- 
setzung begriffenen  Granitgesteine,  dessen  Feldspath,  mehr  noch  dessen 
Glimmer  das  Eisen  geliefert  haben.  So  kommt  es  zur  Bildung  von  Braun- 
eisen, und  wo  organische  Säuren  mitwirken,  zur  Bildung  von  Raseneisen- 
stein,***) während  das  in  Lösung  bleibende  und  vom  fliessenden  Wasser 
weggeführte  Eisen  sich  entweder  in  den  von  den  Abflussrinnen  durch- 
schnittenen Sandschichten  absetzt  und  dieselben  dann  roth  färbt  oder  durch 
die  Lebensthätigkeit  von  Mikroorganismen  allmählich  ausgeschieden  wird. 

Es  ist  mir  gelungen,  in  der  Umgebung  des  Flügel  C,  zwischen 
Schneise  16  und  14,  wo  man  in  diesem  Frühjahr  gerodet  und  neue  Culturen 
angelegt  hat,  die  Verwitterung  des  Granites,  der  hier  übrigens  von  einem 
schönen  Schriftgranitgang  durchsetzt  zu  werden  scheint,  die  Eisenab- 


*)  Zirkel:  Petrographie  II,  S.  31. 

**)  Erläuterungen  zur  geol.  Karte  des  Grossherzogthums  Hessen,  IV.  Lieferung: 
Blätter  Zwingenberg  und  Bensheim,  S.  42. 

***)  Vergl.  Section  Pülnitz,  S.  56. 


32 


Scheidung  in  Form  von  Brauneisen  und  Raseneisen  nachzuweisen.  Wir 
sehen  hier  den  übrigens  nicht  aufgeschlossenen,  sondern  nur  in  Form  von 
zahlreichen  Fragmenten  im  Moorboden  eingebetteten  Granit  mit  einer 
eisenschüssigen  Yerwitterungskruste  auftreten,  die  sich  bei  fortschreitender 
Zersetzung  verdickt  und  auf  welcher  alsbald  kleine  Inkrustate  von  Braun- 
eisen sich  zeigen,  bis  endlich  bei  dem  schaligen  und  schüttigen  Zerfall  des 
alterirten  Gesteines  das  Eisenerz  die  restirenden  Granitkerne  und  den 
sandigen  Schutt  verkittet  und  in  mehr  oder  minder  dicken,  schwammigen 
Lagen  im  Boden  zur  Ausscheidung  gelangt.  Was  hier  von  dem  Eisen- 
gehalt in  das  Bereich  der  Abflussrinnen  gelangt,  erscheint  alsbald  als 
schmierig  rostbrauner  Belag  auf  dem  Boden  der  leise  sickernden  und  träge 
rinnenden  Wasseradern.  Die  chemische  Untersuchung  der  Brauneisenerze 
ergab  neben  dem  Eisenoxyd  nur  einen  schwachen  Gehalt  von  Manganoxyd, 
ein  Umstand,  der  seine  Erklärung  darin  findet,  dass  die  Granite  über- 
haupt entweder  gar  kein  Mangan  oder  nur  Spuren  desselben  enthalten. 
Bekannt  ist  ein  Mangangehalt  eigentlich  nur  von  britischen  Graniten. 
Auffällig  bleibt  nun  noch,  dass  gerade  in  diesem  Sumpfgebiet,  wo  die 
färbenden  Eisensolutionen  Alles  durchdringen,  ganz  schneeweisse  Haide- 
sande Vorkommen,  und  zwar  entweder  auf  breiten,  höher  liegenden  Moor- 
rücken oberflächlich  oder  in  den  Abflussrinnen  schnellfliessender  Ge- 
wässer. Hier  ist  es  das  schnell  zu  Thal  rinnende  Wasser,  auf  höher  ge- 
legenen Moorrücken  das  aufschlagende  Regenwasser,  welches  den  Eisen- 
schuss rasch  auswäscht  und  Quarze  und  Granitkörner  ohne  Brauneisen- 
steinhaut zurücklässt. 

Interessant  ist  hier  ein  Vergleich  mit  der  rasch  fliessenden  Priessnitz. 
Zum  Zwecke  der  Wasserversorgung  der  Militäranstalten  der  Albertstadt 
hat  man  vor  Kurzem  drei  Bohrlöcher  unten  im  Grunde  zwischen  der 
„Neuen  Brücke“  und  der  „Küchenbrücke“  geschlagen,  aber  in  den  durch- 
teuften Sanden  keine  oder  nur  unbedeutende  Spuren  von  Eisenschuss 
beobachtet.  Die  Bohrlöcher  stehen  bei  25,50  na  Tiefe  im  kiesigen  Haide- 
sande, der  neben  zahlreichen  rosenrothen  und  gelben  Quarzen  in  den  Kies- 
lagen auffällig  viel  Geschiebe  von  böhmischen  Basalten  aufwies,  zum 
Zeugniss  dafür,  dass  auch  hier  die  diluvialen  Gewässer  böhmisches  Ge- 
schiebematerial zum  Absatz  brachten. 


III.  Ucber  die  Bedeutung  der  Milch  als  Nahrungsmittel. 

Yon  Dr.  med.  Arthur  SeMossmann. 


Unter  Milch  versteht  man  ein  Secret  des  thierischen  Körpers,  das 
von  gewissen  Thierarten,  nämlich  den  Sängethieren,  und  zwar  im  Allgemeinen 
nur  von  den  weiblichen  Individuen  dieser  Klasse  und  auch  nur  in  gewissen 
Entwickelungsphasen  ausgeschieden  wird.  Das  Organ,  dem  die  Secretion 
der  Milch  zukommt,  sind  bekanntlich  die  Brustdrüsen,  die  im  Anschluss 
an  die  der  Befruchtung  folgenden  Vorgänge  während  der  Schwanger- 
schaft resp.  Trächtigkeit  sich  successive  entwickeln  und  so  in  der  Lage 
sind,  nach  der  Geburt  dem  jungen  Individuum,  das  bisher  direct  alles 
zu  seinem  Aufbau  Möthige  von  der  Mutter  bezogen  hatte,  wenigstens  in- 
direct  noch  eine  gewisse  Zeit  in  ähnlicher  Weise  als  Nahrungsquelle  zu 
dienen.  Die  Ernährung  des  eigenen  Jungen,  das  ist  also  die  Aufgabe  der 
Milch  eines  jeden  Individuums  und  dieser  seiner  Aufgabe  vermag  die 
Milch  einer  jeden  Thierart  auch  vollständig  gerecht  zu  werden,  denn  die 
Milch  jeder  Thierart  enthält  alles  das,  was  das  betreffende  Junge  zum 
Aufbau  seines  Körpers  sowie  zum  Unterhalt  seiner  vitalen  Functionen 
wenigstens  für  eine  gewisse  Zeit  seines  Lebens  bedarf.  Hierüber  lässt  ja 
schon  die  tägliche  Erfahrung  gar  keinen  Zweifel  auf  kommen,  die  uns 
immer  von  Neuem  zeigt,  wie  durch  die  Milch  des  mütterlichen  Organismus 
das  junge  Säugethier  und  allen  voran  der  junge  Mensch  in  seiner  Ent- 
wickelung gefördert  wird.  Da  somit  die  Milch  jeder  Säugethierart  für 
kürzere  oder  längere  Zeit  Individuen  derselben  Klasse  als  einzige  Nahrung 
dient  und  auch  genügt,  so  müssen  wir  die  Milch  als  ein  Nahrungsmittel 
im  allerweitesten  Sinne  dieses  Wortes  auffassen.  Ja,  kein  anderes  Nahrungs- 
mittel kann  sich  der  Milch  in  dieser  Beziehung  an  die  Seite  stellen,  da 
keins  im  Stande  ist,  für  sich  allein  genossen  dauernd  dem  Menschen  in 
irgend  einer  Phase  seines  Lebens  alles  das  zuzuführen,  was  er  zur  Ver- 
richtung der  ihm  obliegenden  Lebensthätigkeiten  bedarf.  Ist  die  Milch 
ein  vollständiges  Nahrungsmittel,  das  den  Anforderungen  des  Säuglings 
als  einzige  Nahrung  ganz  genügt,  so  muss  sie  auch  alles  enthalten,  was 
zur  Unterhaltung  des  thierischen  Lebens  erfahrungsgemäss  unbedingt 
nöthig  ist,  nämlich  Wasser,  Eiweiss,  Fett,  Kohlehydrate  und  anorganische 
Salze,  denn  aus  diesen  Bestandtheilen  setzt  sich  ja  bekanntlich  der  thierische 
Körper  zusammen,  und  da  fortgesetzt  einzelne  Theile  dieser  Substanzen 
zu  Grunde  gehen  und  ausgeschieden  werden,  so  muss  eben  für  ihren 
Ersatz  Sorge  getragen  werden.  Dieser  fundamentalen  Anforderung  wird 
also  die  Milch  in  vollem  Maasse  gerecht,  indem  sie  alle  diese  Bestand- 


34 


theile  enthält.  Ich  füge  hier  gleich  ein,  dass  das  quantitative  Verhältnis, 
in  dem  die  verschiedenen  Bestandtheile  der  Milch  zu  einander  stehen,  ein 
sehr  verschiedenes  ist,  je  nachdem  von  welchem  Säugethiere  die  Milch 
stammt;  ja,  auch  bei  ein  und  derselben  Thierart  ist  ganz  abgesehen  von 
individuellen  oder  durch  die  Ernährung  bedingten  Verschiedenheiten  die 
Zusammensetzung  quantitativ  keine  ganz  gleichmässige , sondern  je  nach 
der  seit  der  Geburt  des  Jungen  verflossenen  Zeit  in  gewissen  Grenzen 
differirend.  Auf  die  Bedeutung  dieser  Thatsachen  komme  ich  nochmals 
zurück. 

Die  Milch  aller  Thierarten  ist  eine  weissliche  bis  weisslich- gelbe 
Flüssigkeit,  die  zum  grössten  Theile  aus  Wasser  besteht  und  die  übrigen 
Bestandtheile  theils  gelöst,  theils  in  suspendirtem  Zustande  enthält.  Be- 
trachten wir  zunächst  den  Wassergehalt,  so  ist  derselbe  bei  den  ver- 
schiedenen Thierarten  ganz  besonderen  Schwankungen  unterworfen  und 
übt  natürlich  auf  Farbe  und  Consistenz  der  Milch  einen  ganz  hervor- 
ragenden Einfluss  aus.  So  enthält  z.  B.  die  Milch  des  Delphins  nur  etwa 
48  °/0  Wasser,  während  bei  den  uns  vorwiegend  interessirenden  Milcharten, 
nämlich  der  Kuhmilch  und  etwa  noch  der  Frauenmilch,  auch  vielleicht 
noch  der  Ziegen-  und  Eselsmilch  der  Wassergehalt  ein  bedeutend  höherer 
ist  und  zwischen  85  und  90  °/0  schwankt  (siehe  auch  Tabelle  auf  Seite  38). 

In  dem  das  Constituens  der  Milch  bildenden  Wasser  gelöst  finden 
sich  die  Kohlehydrate,  die  anorganischen  Salze  und  ein  Theil  der  stick- 
stoffhaltigen Substanzen.  Von  Kohlehydraten  findet  sich  in  der  Milch 
aller  uns  interessirenden  Thierarten  ein  und  dasselbe  und  zwar  nur  dieses 
eine,  nämlich  der  Milchzucker.  Der  Milchzucker  gehört  zu  der  Klasse  der 
Disaccharide  und  es  ist  eine  jedenfalls  auffällige  und  bis  jetzt  noch  nicht 
genügend  erklärte  Thatsache,  warum  die  Milch  gerade  ausschliesslich  einen 
Repräsentanten  dieser  Zuckerart  enthält  an  Stelle  der  sonst  im  Thierkörper 
verbreiteteren  Monosaccharide.  Diese  Thatsache  wird  um  so  auffallender, 
wenn  wir  berücksichtigen,  dass  der  Milchzucker  im  Organismus  des  jungen 
Individuums  erst  wieder  in  Monosaccharide  gespalten  wird,  ehe  er  zur  Ver- 
brennung gelangt.  Es  zerfällt  der  Milchzucker  dabei  in  seine  beiden 
Componenten,  in  Galactose  und  Dextrose.  Somit  findet  in  der  Milchdrüse 
zunächst  eine  Synthese  statt;  denn  unzweifelhaft  wird  der  Milchzucker 
daselbst  aus  den  Hexosen  des  Blutes  aufgebaut,  und  dieses  synthetische 
Product  wird  im  jugendlichen  Organismus  sofort  wieder  gespalten.  Man 
könnte  nun  daran  denken,  dass  die  Bindung  der  beiden  Hexosen  als  ein 
Vorgang  aufzufassen  sei,  der  dazu  dient,  dem  jugendlichen  Organismus  Spann- 
kräfte zuzuführen  derart,  dass  durch  die  Spaltung  des  Milchzuckers  mehr 
Wärmequellen  zugeführt  würden,  als  wie  wenn  einfach  die  beiden  Hexosen 
direct  consumirt  würden.  Diese  von  mir  ursprünglich  gehegte  Anschauung 
ist  jedoch  eine  irrige,  denn  wie  mir  Herr  Professor  Ostwald,  an  den  ich 
mich  als  die  auf  diesem  Gebiete  hervorragendste  Capacität  wandte,  freund- 
lichst  mittheilte,  beträgt  die  Verbrennungswärme  der  Galactose  6586  Calorien, 
die  der  Dextrose  6646  Calorien,  in  Summa  also  13  232  Calorien,  die  des 
Milchzuckers  13  259  Calorien  (alles  auf  ein  Gramm  Molekulargewicht  be- 
rechnet). Es  wird  somit  also  beim  Zerfall  des  Milchzuckers  eine  geringe 
Wärmemenge  gebunden,  da  diese  aber  nur  2 pro  Mille  von  der  gesammten 
Verbrennungswärme  beträgt,  so  kommt  sie  praktisch  nicht  in  Betracht. 
Dahingegen  weist  mich  Professor  Ostwald  auf  ein  anderes  Moment  hin,  das 
in  der  That  sehr  beachtenswert!!  ist  und  uns  den  Schlüssel  für  die  be- 


35 


sprochene  Erscheinung  an  die  Hand  geben  dürfte.  Es  liegt  ja  die  Noth- 
wendigkeit  vor,  dass  der  mütterliche  Organismus  den  Milchzucker  aus  dem 
Blute  aufspeichern  muss,  da  ja  die  Zellen  der  Brustdrüse  und  das  diese 
umspülende  Serum  während  der  Ruhezeiten,  während  der  Zeiten  also,  in 
welchen  Anforderungen  an  die  Drüse  nicht  gestellt  werden,  dafür  besorgt 
sein  müssen,  alle  die  Stoffe,  die  bei  der  Milchausscheidung  von  Nöthen  sind, 
in  grösserer  Menge  in  Vorrath  bereit  zu  stellen.  Der  Organismus  des  Kindes 
hat  umgekehrt  die  Aufgabe,  den  Milchzucker  der  Verdauung  zugänglich 
zu  machen.  Da  nun  aller  Wahrscheinlichkeit  nach  Milchzucker  schwerer 
dissociirt  als  seine  Bestandteile,  so  ist  seine  Bildung  in  der  Milchzelle 
ein  ebenso  nützlicher  Vorgang  als  seine  Spaltung  im  Darme  des  Kindes. 
Was  die  Menge  an  Milchzucker  anbetrifft,  die  in  den  verschiedenen  Milch- 
arten enthalten  ist,  so  steht  die  Frauenmilch  obenan  mit  einem  Gehalt 
von  6,  ja  sogar  häufig  noch  höherem  bis  zu  7 °/0  reichendem  Gehalt, 
während  die  Kuhmilch  nur  3,5—4  °/0  aufzuweisen  hat;  Ziege  und  Esel 
stehen  in  dieser  Beziehung  zwischen  Kuh  und  Mensch.  An  anorganischen 
Bestandteilen  übertrifft  die  Kuhmilch  ganz  bedeutend  die  der  anderen 
Haustiere  sowie  des  Menschen;  ihr  nahe  steht  die  Ziege,  es  folgen  Esel 
und  Mensch.  Der  Gehalt  an  Salzen  beeinflusst  im  Speciellen  ebenso  wie 
die  Gesammtzusammensetzung  der  Milch  überhaupt  die  Entwickelung  des 
jungen  Individuums  und  so  konnte  erst  vor  Kurzem  Pröscher*)  in  Bunge’s 
Laboratorium  zeigen,  wie  der  Aschengehalt  und  die  Gewichtszunahme 
in  einem  ganz  eclatanten  Verhältniss  zu  einander  stehen.  Dabei  ergiebt 
sich  Folgendes:  Es  verdoppelt  sein  Gewicht  von  der  Geburt  ab 

der  Mensch  in  180  Tagen,  Asche  der  menschlichen  Milch  2,2 
das  Pferd  „ 60  „ Aschengehalt  der  Milch  . . 4,1 

das  Rind  „ 41  „ „ „ „ . . 8,o 

der  Hund  „ 8 „ „ „ „ . . 13, l pro  Mille. 

In  ähnlicher  Weise  habe  ich**)  bereits  vor  geraumer  Zeit  auf  den 
Zusammenhang  zwischen  der  Zusammensetzung  der  Milch  und  der  Ent- 
wickelung der  verschiedenen  Thierarten  hinweisen  können. 

Gelöst  finden  sich  endlich  in  der  Milch  gewisse  stickstoffhaltige  Be- 
standteile der  Milch,  so  in  erster  Linie  die  sogenannten  Extractivstoffe, 
die  wohl  in  keiner  Milch  fehlen  und  die  direct  aus  dem  Blute  stammen. 
Erwähnenswert,  weniger  durch  die  Wichtigkeit,  die  sie  für  den  Werth 
der  Milch  besitzen,  als  durch  die  Regelmässigkeit  ihres  Vorkommens,  sind 
Harnstoff,  Kreatin  und  Kreatinin.  Ungleich  bedeutungsvoller  sind  die- 
jenigen stickstoffhaltigen  Substanzen,  die  in  der  Milch  gelöst  enthalten 
sind  und  sich  unbedingt  nur  zu  den  Eiweisskörpern  rechnen  lassen.  Es 
enthält  nämlich  die  Milch  aller  Thiere,  soweit  man  bisher  dieselbe  darauf- 
hin untersucht  hat,  ebenso  wie  die  der  Frau  ausser  dem  Hauptmilch- 
eiweisskörper, dem  Casein,  noch  andere  Eiweisskörper,  die  sich  gerade  in 
Bezug  auf  die  Art  und  Weise,  wie  sie  in  der  Milch  enthalten  sind,  von 
diesem  unterscheiden.  Das  Casein  nämlich  ist  nicht  eigentlich  in  der 
Milch  gelöst,  es  ist  vielmehr  in  derselben  in  einem  Zustande  enthalten, 
den  man  als  den  der  colloidalen  Quellung  bezeichnen  kann.  Gerade  in 
neuester  Zeit  haben  ja  derartige  colloidale  Körper  das  Interesse  der 


*)  Zeitschr.  für  physiol.  Chemie,  Bd.  XXIV. 

**)  Zeitschr.  für  physiol.  Chemie,  Bd.  XXII. 


36 


Chemiker  in  hohem  Grade  erregt  und  ich  brauche  nur  an  die  Mittheilungen 
der  Herren  Professor  von  Meyer  und  Dr.  Lottermoser  in  dieser  Gesell- 
schaft über  das  von  ihnen  dargestellte  colloidale  Silber  und  Quecksilber 
zu  erinnern.  Nun,  ganz  ähnlich  scheint  die  Sache  sich  bei  dem  Casein 
zu  verhalten,  auch  dieses  findet  sich  in  einem  colloidalen  Zustande  in  der 
Milch.  Neben  dem  Casein  enthält  nun  die  Milch  noch  andere  Eiweiss- 
körper, die  im  Gegensatz  hierzu . wirklich  gelöst  sind.  Es  sind  dies 
Globulin  und  vor  Allem  ein  Albumin,  also  ein  Körper,  der  dem  Serum- 
albumin des  Blutes  und  dem  Ovalbumin  des  Hühnereies  sehr  nahe  steht 
und  mit  diesen  die  Eigenschaft  gemein  hat,  bei  höheren  Temperaturen 
zu  coaguliren,  andererseits  aber  sehr  leicht  resorbirbar  zu  sein.  In 
Bezug  auf  das  Verhältniss,  in  dem  Casein  zu  dem  gelösten  Eiweiss  steht, 
finden  sich  nun  ganz  eclatante  Unterschiede  zwischen  den  verschiedenen 
Milcharten.  Wenn  auch  so  manches  in  dieser  Beziehung  noch  strittig 
ist,  so  lassen  sich  doch  zwei  Thatsachen  als  fest  erwiesen  annehmen, 
erstlich  einmal,  dass  die  Milch  aller  Thierarten  unmittelbar  nach  der 
Geburt  des  Jungen  wesentlich  mehr  an  gelöstem  Eiweiss  im  Verhältniss 
zum  Gesammteiweiss  enthält,  als  in  späteren  Stillperioden.  Das  geht  so 
weit,  dass  die  Milch  der  ersten  Tage  oder  Wochen  so  viel  gelöstes  Eiweiss 
und  zwar  im  Speciellen  gerade  Lactalbumin  enthält,  dass  dieses  seine 
Eigenschaft,  bei  Erhitzung  zu  gerinnen,  auf  die  gesammte  Milch  überträgt. 
Wenn  Sie  also  eine  solche  Milch  sieden,  so  gerinnt  dieselbe  in  feinen 
Flocken.  Man  benennt  eine  solche  Milch,  die  sich  auch  anderweit  in 
Bezug  auf  ihre  Zusammensetzung  noch  wesentlich  von  der  der  späteren 
Milchperiode  unterscheidet,  Colostrum.  Dieser  colostrale  Zustand  der  Milch 
hält  bei  den  verschiedenen  Thierarten  verschieden  lange  an,  im  Allgemeinen 
etwa  10  Tage  in  maximo.  Es  nimmt  alsdann  der  Gehalt  an  Lactalbumin 
ganz  wesentlich  ab.  Als  zweite  Thatsache  in  dieser  Beziehung  müssen 
wir  aber  daran  festhalten,  dass  keine  andere  Milchart  relativ  im  Verhältniss 
zum  Gesammteiweiss  soviel  Albumin  dauernd  enthält  als  die  Frauenmilch. 
Hierin  ist  einer  der  Hauptunterschiede  zwischen  Frauen-  und  Kuhmilch 
begründet,  hierin  liegt  aber  auch  die  Ursache  zu  der  ebenso  bedauerlichen 
als  bisher  durch  nichts  aus  der  Welt  zu  schaffenden  Thatsache,  dass 
Säuglinge  die  Kuhmilch  um  so  viel  schlechter  vertragen  als  die  Mutter- 
milch. Der  Grund  für  diese  Thatsachen  wird  uns  leicht  verständlich, 
wenn  wir  uns  vergegenwärtigen,  welche  Schicksale  denn  die  Eiweisskörper 
der  Milch  bei  ihrer  Verdauung  im  thierischen  Organismus  erleiden.  Wenn 
die  Milch  in  den  Magen  kommt,  so  gelangt  dieselbe  nämlich  zur  Gerinnung. 
Diese  Gerinnung  beruht  darauf,  dass  das  Casein  ausgefällt  wird  und  zwar 
kommt  diese  Ausfällung  durch  zwei  Momente  zu  Stande,  einmal  nämlich 
durch  die  saure  Reaction  des  Magensaftes,  die  in  erster  Linie  durch  den 
Gehalt  an  Salzsäure  desselben  bedingt  ist,  und  zweitens  durch  die  Gegen- 
wart eines  durch  die  Magendrüsen  abgeschiedenen  Fermentes,  des  Lab- 
fermentes, dem  eben  die  merkwürdige  Eigenschaft  zukommt,  die  Gerinnung 
des  Caseins  herbeizuführen.  Wenn  Sie  den  Labmagen  eines  Kalbes  mit 
Glycerin  ausziehen  und  sich  auf  diese  Weise  eine  Lablösung  beschaffen, 
oder  wenn  Sie  ein  getrocknetes  Stück  Kalbsmagen  in  eine  beliebig  grosse 
Menge  Milch,  in  5 — 10  Liter  werfen  und  die  Milch  etwa  eine  halbe  Stunde 
auf  Körpertemperatur  — 37  Grad  Celsius  — erwärmen,  so  gerinnt  die  ge- 
sammte Milch  zu  einem  dicken  Kuchen,  über  dem  eine  durchsichtige 
Flüssigkeitsschicht,  das  Milchsei  um,  steht,  das  aus  dem  Wasser,  den  Kohle- 


37 


hydraten,  den  Salzen  sowie  dem  gelösten  Eiweiss  bestellt,  während  das 
ganze  Casein  ausgefällt  ist  und  eben  den  vorerwähnten  Kuchen  bildet. 
Aehnlich  wohl,  aber  nicht  gerade  analog,  ist  das  Schicksal  der  Milch  im 
Magen  des  lebenden  Thieres,  nur  kommt  es  hier  nicht  zur  Bildung  eines 
zusammenhängenden  Coagulums,  vielmehr  bewirkt  die  motorische  Kraft 
des  Magens,  dass  der  Inhalt  desselben  bei  der  Verdauung  fortgesetzt  be- 
wegt wird,  es  bilden  sich  dabei  also  statt  eines  zusammenhängenden 
Gerinnsels  zahlreiche  kleine.  Die  Grösse  und  die  Festigkeit  dieser  Ge- 
rinnsel ist  nun  einerseits  eine  recht  verschiedene  je  nach  der  Milchart, 
denn  offenbar  ist  das  Casein  der  verschiedenen  Milcharten  nicht  ein  und 
derselbe  Körper,  sondern  es  sind  chemisch  verschiedene,  wenn  auch  zu 
einer  grossen  Familie  gehörige  Körper.  Die  verschiedenen  Caseinarten 
haben  aber  die  Eigenschaft,  verschieden  zu  gerinnen,  und  zwar  gerinnt 
am  feinflockigsten  das  Casein  der  Frauenmilch,  während  das  der  Kuh- 
milch im  Gegensatz  hierzu  sehr  compacte,  zähe  Gerinnsel  bildet.  Aber 
noch  durch  andere  Umstände  wird  die  Gerinnungsart  des  Caseins  beeinflusst. 
So  hängt  dieselbe  wesentlich  von  dem  Fettgehalt  der  Milch  mit  ab,  indem 
die  Coagula  um  so  feinflockiger,  um  so  zarter  werden,  je  mehr  Fett  in 
der  Milch  enthalten  ist.  Der  weit  verbreitete  Glaube,  dass  eine  magere 
Milch  leichter  zu  verdauen  ist  als  eine  fette,  ist  daher  in  dieser  Allgemein- 
heit gefasst  als  Irrthum  zu  bezeichnen.  Weiter  hängt  die  Gerinnungsart 
des  Caseins  von  der  procentualen  Menge  ab,  die  dieselbe  an  Casein  ent- 
hält. Eine  Milch,  die  wenig  Casein  enthält  oder  bei  der  der  Caseingehalt 
durch  Verdünnen  herabgesetzt  worden  ist,  wird  immer  feinflockiger  aus- 
geschieden werden  als  eine  mit  höherem  Caseingehalt.  Endlich  spielt  in 
gleicher  Richtung  auch  die  Gegenwart  von  gelöstem  Eiweiss  eine  bedeu- 
tende Rolle.  Aus  allen  diesen  Punkten  ist  ersichtlich,  dass  die  Frauen- 
milch vor  der  Kuhmilch  — ich  will  mich  auf  die  Gegenüberstellung  dieser 
beiden  Milcharten  beschränken  — in  jeder  Beziehung  den  Vortheil  der 
feineren  Caseingerinnung  voraushaben  muss.  Denn  einmal  enthält  die 
Frauenmilch  ein  Casein,  das  schon  an  und  für  sich  ungleich  feiner 
gerinnt,  dann  enthält  die  Frauenmilch  noch  nicht  einmal  ganz  1 °/0 
Casein,  während  die  Kuhmilch  gegen  3 °/o  aufzuweisen  hat,  ferner 
ist  die  Frauenmilch  relativ  viel  fettreicher,  denn  dieselbe  schwankt  in 
ihrem  Fettgehalt  zwischen  3 und  4 °/0,,  während  unsere  Marktmilch 
selten  viel  über  3 °/0  enthält,  endlich  aber  finden  wir  in  der  Frauen- 
milch ganz  bedeutende  Mengen  gelösten  Fiweisses,  während  die  Kuh- 
milch hierin  sehr  arm  ist.  So  sind  denn  alle  Bedingungen  gegeben, 
die  dazu  führen  müssen,  dass  die  Frauenmilch  im  kindlichen  Magen  sehr 
fein  und  zartflockig  gerinnt,  während  die  Kuhmilch  in  zähen  compacten 
Coagulis  durch  den  Magensaft  niedergeschlagen  wird.  Die  Art  der  Milch- 
gerinnung ist  aber  von  allergrösstem  Einfluss,  denn  die  Ausscheidung  in 
Coagulis  bedeutet  ja  nur  den  ersten  Schritt  bei  der  Verdauung,  müssen 
doch  nunmehr  die  Milchgerinnsel  ordentlich  von  den  Säften  des  Magens 
und  des  Darmes  durchtränkt  werden  und  die  Caseinflocken  wieder  gelöst 
und  in  solche  Eiweisskörper  übergeführt  werden,  die  sich  zur  directen 
Aufsaugung  durch  die  Drüsen  des  Darmes  eignen.  Es  ist  aber  ohne 
Weiteres  leicht  verständlich,  dass  eine  feine  zarte  Caseinflocke  leichter 
von  den  Verdauungssäften  angegriffen  und  gelöst  werden  kann,  als  ein 
zähes  dickes  Coagulum.  Der  Vortheil  der  Frauenmilch  vor  der  Kuhmilch 
ist  somit  ein  doppelter,  erstlich  enthält  dieselbe  einen  namhaften  Theil 


38 


ilires  Eiweisses  gar  nicht  als  Casein,  sondern  als  Albumin,  und  dieser 
Eiweisskörper  braucht  gar  nicht  erst  coagulirt  und  wieder  gelöst  zu  werden, 
sondern  kann  direct  im  Magen  und  Darm  aufgesaugt  werden,  andererseits 
wird  das  Casein  der  Frauenmilch  bei  der  Verdauung  des  Kindes  feiner 
ausgeschieden  und  rascher  und  vollständiger  wieder  gelöst.  Ungelöste 
Eiweissmassen,  die,  um  verdaut  zu  werden,  lange  im  Darme  weilen  müssen, 
bilden  aber  eine  grosse  Gefahr  für  das  betreffende  Individuum,  da  es 
alsdann  leicht  zur  Fäulniss  und  zur  Zersetzung  der  im  Darmkanal  stagni- 
renden  Eiweissmassen  kommen  kann,  die  zu  den  schwersten  Erscheinungen, 
zu  langwierigen  Darmkatarrhen  und  dem  erschreckenden  Bilde  der  Kinder- 
cholera zu  führen  vermögen.  Der  Verdauungsapparat  des  Menschen  und 
vor  Allem  der  des  Kindes,  ist  eben  von  dem  des  Thieres  — hier  des 
Kalbes  — - wesentlich  verschieden  eingerichtet.  Wer  je  den  mächtigen  Magen 
eines  neugeborenen  Kalbes  und  dasselbe  Organ  eines  jungen  Kindes  ge- 
sehen hat,  dem  wird  es  auch  völlig  selbstverständlich  erscheinen,  dass 
eine  Aufgabe,  die  von  dem  ersteren  spielend  gelöst  wird,  von  dem  letzteren 
nicht  verlangt  werden  kann,  und  dass  jeder  Versuch  zu  dauernden  Schä- 
digungen führen  muss.  Von  der  Darreichung  unverdünnter  Kuhmilch  ist 
man  denn  auch  wenigstens  bei  jüngeren  Säuglingen  völlig  abgekommen 
und  versucht  auf  mancherlei  mehr  oder  weniger  zweckmässige  Art  und 
Weise  die  Unterschiede  zwischen  Kuh-  und  Frauenmilch  auszugleichen, 
deren  Erörterung  an  dieser  Stelle  uns  freilich  zu  weit  führen  würde. 


Durchschnittliche  Zusammensetzung  der  Milch  in  Procent: 


Frau 

Kuh 

Ziege 

Esel 

Fett  .... 

3,5 -4,0 

3,0  3,5 

3,5— 4,0 

0,3  — 1,0 

Eiweiss  . . . 

0,8— 1,2 

3,0  — 3,5 

2,8  — 3,3 

1,2  — 1,8 

Milchzucker 

6,0 — 7,0 

3,5— 4,5 

4,o— 4,5 

4,5— 5,5 

Salz  .... 

0,25 

0,70 

87—88 

0,70 

0,35 

Wasser  . . . 

88—89 

86—87 

88—89 

Was  das  Fett  der  Milch  anbetrifft,  so  ist  es  in  derselben  in  feinsten 
kleinen  Tröpfchen  suspendirt  und  keineswegs  in  gelöstem  Zustande.  Um 
das  in  der  Milch  suspendirte  Fett  zu  lösen,  ist  es  nöthig,  die  feine  aus 
Eiweiss  bestehende  Membran,  die  jedes  dieser  nur  mikroskopisch  wahr- 
nehmbaren Fetttröpfchen  umgiebt,  zu  lösen,  was  durch  eine  geringe  Menge 
von  Säure  oder  Lauge  mit  Leichtigkeit  geschehen  kann.  Alsdann  kann 
man  das  Milchfett  in  Aether  oder  Amylalkohol  lösen  und  seine  Menge 
gewichtsanalytisch,  volumetrisch  oder  aerometrisch  feststellen.  Wie  schon 
erwähnt,  beträgt  der  Fettgehalt  unserer  Marktmilch  in  der  Regel  3 °/0, 
bei  geeigneter  Fütterung  gelingt  es  aber,  eine  Kuhmilch  zu  erzielen,  die 
ungleich  fettreicher,  die  4,  ja  5 °/0  Fett  enthält.  Die  Frauenmilch  enthält 
in  der  Regel  31/2  — 4 °/0  Fett,  doch  spielt  auch  hier  die  Ernährung  eine 
wichtige  Rolle.  Etwa  gleich  in  Bezug  auf  den  Fettgehalt  kommt  der 
Frauenmilch  der  Fettgehalt  der  Ziegenmilch,  während  die  Eselsmilch,  die 
eine  veraltete  Lehranschauung  für  der  Muttermilch  sehr  ähnlich  hielt,  von 
dieser  aber  sich  mehr  als  irgend  eine  andere  Milchart  unterscheidet,  kaum 
1 °/0,  häufig  sogar  noch  viel  weniger  Fett  enthält  und  sich  somit  als  völlig 
ungeeignet  zur  Ernährung  von  Säuglingen  erweist,  für  die  schon  der  hohe 


39 


Preis  hinderlich  sein  würde.  In  Bezug  auf  die  Art,  in  der  sich  das  Fett 
in  der  Milch  findet,  wäre  noch  zu  erwähnen,  dass  die  Fettkügelchen 
am  kleinsten,  dass  die  Yertheilung  derselben  am  feinsten  in  der  Frauen- 
milch ist,  während  die  Milch  aller  übrigen  Thierarten  grössere  Fett- 
tröpfchen enthält. 

Die  Zusammensetzung  der  Milch  lässt  es  ohne  Weiteres  als  verständ- 
lich erscheinen,  dass  die  Ausnutzung,  die  die  Milch  im  menschlichen  Ver- 
dauungskanal erfährt,  eine  ganz  vorzügliche  ist.  Das  letzte  Wort  über 
diese  Frage  ist  zwar  noch  nicht  gesprochen,  doch  lässt  sich  so  viel  mit 
Sicherheit  sagen,  dass  in  vielen  Fällen,  vor  Allem  dann,  wenn  keine  allzu 
reiche  Zufuhr  statthat,  der  Säugling  die  Muttermilch  nahezu  ideal  ausnutzt, 
das  heisst,  dass  alle  in  der  Nahrung  enthaltene  Energie  auch  seinem  Organis- 
mus zu  Gute  kommt  und  nicht  unverbraucht  wieder  ausgeschieden  wird. 
In  ganz  besonderem  Maassstabe  gilt  dies  für  die  Kohlehydrate,  nicht  viel 
weniger  für  das  Eiweiss,  während  von  Salzen  und  Fett  sich  mitunter 
etwas  grössere  Mengen  in  den  Stühlen  wiederfinden,  doch  dürfte  nur 
ausnahmsweise  der  Verlust  mehr  als  10  °/0  betragen,  wenn  die  Er- 
nährung eine  genau  beobachtete  war.  Etwas  schlechter,  immerhin  aber 
noch  ausgezeichnet  wird  die  Kuhmilch  vom  Kinde  wie  vom  Erwachsenen 
ausgenutzt.  Während  aber  für  das  Kind  die  Milch  als  einzige  Nahrung 
genügt,  ja,  während  der  ersten  Monate  seines  Lebens  sogar  seine  einzige 
Nahrung  bilden  muss,  wenn  anders  man  seine  Lebensaussichten  nicht  ge- 
fährden will,  kann  man  einen  Erwachsenen  nicht  dauernd  rationell  mit 
Milch  ernähren,  wie  eine  kurze  Betrachtung  der  einschlägigen  Verhältnisse 
uns  ohne  Weiteres  erkennen  lässt.  Ein  erwachsener  arbeitender  Mann 
bedarf  täglich,  um  die  Ausgaben  seines  Stoffwechsels  zu  decken,  105  Gramm 
Eiweiss,  50  Gramm  Fett  und  400  — 500  Gramm  Kohlehydrate.  Diese  be- 
nöthigten  105  Gramm  Eiweiss  würden  sich  in  3^2  Liter  Milch  finden  (pro 
Liter  3 °/0  Eiweiss  gerechnet),  mit  diesen  3x/2  Liter  Milch  würde  der  Be- 
treffende auch  105  Gramm  Fett  consumiren,  an  Kohlehydraten  jedoch  kaum 
140  Gramm  aufnehmen.  Nun  enthalten  ja  die  372  Liter  Milch  statt  der 
benöthigten  50  Gramm  Fett  deren  105,  also  55  Gramm  mehr,  und  diese 
55  Gramm  Fett  entsprechen  etwa  125  Gramm  Kohlehydrat,  da  1 Gramm 
Fett  9,3  Calorien,  1 Gramm  Kohlehydrat  4,1  Calorien  ausmacht,  und  bei 
der  Ernährung  des  Erwachsenen  eine  Vertretung  der  einzelnen  Nahrungs- 
mittel in  gewissem  Grade  nach  ihrem  Calorienwerthe  möglich  ist.  Immer- 
hin würden  dem  mit  3 Liter  Milch  genährten  Individuum  noch  140  bis 
240  Gramm  Kohlehydrat  fehlen.  Es  müsste  somit  hierfür  eine  entsprechende 
Menge  Brot  mitgenossen  werden.  Eine  ausschliessliche  Milchernährung 
hat  übrigens  den  Nachtheil  für  Erwachsene,  dass  sich  gegen  den  ausschliess- 
lichen Genuss  von  Milch  in  Bälde  ein  Widerwille  einstellt.  Ist  eine  aus- 
schliessliche Milchernährung,  abgesehen  vom  frühen  Kindesalter,  also  un- 
rationell und  verwerflich,  so  ist  doch  die  Milch  ein  ganz  vorzügliches  und 
überaus  wohlfeiles  Hilfsmittel  bei  der  Ernährung  und  verdiente  als  solches 
sogar  noch  viel  mehr  Beachtung,  als  ihr  hier  bei  uns  zu  Theil  wird. 
Ganz  besonders  in  der  Form  der  milchhaltigen  Mehlspeisen,  wie  man 
solche  in  Oesterreich  und  auch  in  Süddeutschland  geniesst,  kann  dieselbe 
für  die  Tafel  von  Arm  und  Reich  empfohlen  werden.  Wie  billig  man  in 
der  Milch  Nährstoffe  zu  kaufen  bekommt,  zeigt  folgende  Rechnung:  Für 
eine  Mark  erhält  man  circa  6 Liter  Milch  mit  180  Gramm  Eiweiss,  180  Gramm 
Fett  und  mit  240  Gramm  Kohlehydraten.  Für  dasselbe  Geld  erhält  man 


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1 Kilo  Ochsenfleisch  und  dabei  sogar  blos  eine  geringe  Qualität,  und  mit 
diesem  Kilo  mageren  Ochsenfleisches  210  Gramm  Eiweiss,  17  Gramm  Fett 
und  so  gut  wie  gar  keine  Kohlehydrate.  Hierbei  ist  pro  Pfund  Rindfleisch 
nur  50  Pf.  gesetzt,  was  entschieden  doch  bei  den  heutigen  Fleischpreisen 
zu  niedrig  gegriffen  sein  dürfte. 

Aus  dem  eben  Angeführten  geht  hervor,  welche  Bedeutung  die  Milch 
als  Nahrungsmittel  hat,  und  lässt  es  erklärlich  erscheinen,  dass  der  Milch- 
consum  ein  ganz  bedeutender  ist,  und  die  Milchgewinnung  und  der  Ver- 
kehr und  Handel  mit  Milch  eine  Ausdehnung  angenommen  hat,  die  der 
ferner  Stehende  in  der  Regel  wohl  unterschätzen  dürfte.  So  consumirt 
Dresden  — ich  entnehme  diese  Zahlen  einer  sehr  lesenswerthen  Schrift 
des  Herrn  Dr.  Pfund  — täglich  etwa  90000  Liter  Milch,  von  denen  5500 
in  der  Stadt  selbst  producirt  werden,  33000  Liter  werden  per  Wagen  von 
den  umliegenden  Ortschaften  eingeführt  und  51000,  also  der  bei  Weitem 
grösste  Theil,  kommt  per  Bahn,  also  wie  man  wohl  annehmen  kann,  aus 
dem  weiteren  Umkreise  der  Stadt.  Dabei  erweist  sich  Dresden  durchaus 
nicht  als  eine  stark  Milch  consumirende  Stadt,  da  ja  pro  Tag  und  Kopf 
noch  nicht  einmal  ein  Drittelliter  verbraucht  wird. 

Ein  derartiger  Consumartikel,  als  den  wir  somit  die  Milch  betrachten 
müssen,  wird  natürlich,  umsomehr  als  sehr  zahlreiche  und  ökonomisch 
schwache  Hände  bei  Gewinnung,  Transport  und  Verkauf  in  Betracht  kommen, 
menschlicher  Habsucht  als  willkommenes  Ausnutzungsobject  dienen,  und 
in  der  That  giebt  es  kein  Nahrungsmittel,  das  so  oft  verfälscht  oder 
minderwerthig  in  den  Handel  gebracht  wird,  deshalb  ist  die  Aufmerksam- 
keit der  Behörden  schon  seit  langer  Zeit  auf  den  Wandel  und  Handel  der 
Milch  gerichtet. 

Fassen  wir  zunächst  die  Verfälschungen,  denen  die  Milch  ausgesetzt 
ist,  ins  Auge,  so  ist  als  die  häufigst  vorkommende  diejenige  anzusehen, 
die  durch  Wasserzusatz  das  Volumen  der  Milch  vermehren,  und,  da  ja 
allgemein  nach  volumetrischen  Maassen  gekauft  wird,  somit  die  zu  er- 
zielende Einnahme  erhöhen  will.  Der  Nachweis  des  erfolgten  Wasser- 
zusatzes kann  mit  grossen  Schwierigkeiten  verknüpft  sein,  vorausgesetzt, 
dass  der  Milchfälscher  vorsichtig  zu  Werke  geht,  was  ja  glücklicherweise 
nicht  der  Fall  zu  sein  pflegt.  So  vermag  der  Nachweis  von  Salpetersäure, 
die  sich  im  Brunnenwasser  fast  ausnahmslos  findet,  während  sie  der  reinen 
Milch  stets  fehlt,  schon  zur  Erkennung  des  Wasserzusatzes  hinzuführen. 
An  und  für  sich  wird  ja  ein  Wasserzusatz  zur  Milch  sogar  häufig  nöthig 
sein,  wenn  man  dieselbe  zum  Beispiel  kleinen  Kindern  geben  will,  und 
natürlich  kann  man  einer  Mutter,  die  ihrem  Säugling  die  Milch  ent- 
sprechend verdünnt,  keine  Fälschung  vorwerfen.  Die  Benachtheiligung 
aber,  die  der  Milchkäufer  durch  den  Wasserzusatz  seitens  des  Milch- 
producenten oder  seitens  des  Miichhändlers  erfährt,  liegt  einmal  darin, 
dass  die  werthvollen,  der  Ernährung  dienenden  Bestandteile  hierdurch 
verdünnt  werden,  der  Käufer  somit  weniger  davon  erhält,  als  er  in  dem 
Glauben,  reine  Milch  zu  erhalten,  bezahlt.  Andererseits  ist  das  zu- 
gesetzte Wasser  aber  meist  von  recht  fragwürdiger  Güte  und  Reinheit 
und  kann  so  direct  zu  Gesundheitsschädigungen  führen.  Da  sich  ein  be- 
deutenderer Wasserzusatz,  besonders  wenn  derselbe  zu  an  und  für  sich 
schon  nicht  sehr  guter  Milch  erfolgt,  sich  leicht  durch  die  durchsichtige 
bläuliche  Farbe  der  so  behandelten  Milch  verräth,  so  wird  nicht  selten 
durch  Zusatz  von  Stärke,  Mehl  oder  sogar  von  Gyps  die  Farbe  wieder 


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aufgebessert.  Natürlich  ist  der  Nachweis  dieser  Körper  unschwer  zu  er- 
bringen. 

Eine  weitere  und  wohl  die  allerhäufigste  betrügerische  Manipulation, 
der  die  Milch  unterworfen  wird,  ist  die  des  Abrahmens.  Bekanntlich  ist 
die  Sahne,  das  Milchfett  das  relativ  Werthvollste  an  der  ganzen  Milch, 
da  diese  ja  in  ihrer  Verarbeitung  zu  Butter  sowie  in  ihrer  Verwendung 
als  Sahne  und  Schlagsahne  viel  begehrt  ist.  Es  liegt  also  sehr  nahe, 
dass  man  die  Milch  durch  Abschöpfen  des  sich  oben  abscheidenden 
Fettes  von  einem  Theil  ihrer  werthvollsten  Nährsubstanzen  beraubt.  An 
und  für  sich  ist  ein  derartiges  Vorgehen  durchaus  nichts  Ungerechtes  und 
geschieht  in  allen  Molkereien,  ja  die  moderne  Technik  hat  sogar  vortreff- 
liche Apparate  ersonnen,  mit  Hilfe  deren  es  möglich  ist,  das  Fett  aus  der 
Milch  so  gut  wie  vollständig  abzuscheiden.  Die  so  mit  Centrifugen  ent- 
fettete Milch  nennt  man  Magermilch.  Unbedingt  nöthig  und  zu  verlangen 
ist  es  nun  aber,  dass  der  Käufer  der  Milch  genau  weiss,  ob  er  säinmt- 
liche  von  vornherein  in  der  Milch  befindliche  Bestandtheile  der  Milch  auch 
wirklich  erhält  oder  ob  solche  derselben  entnommen  worden  sind.  Daher 
fordert  mit  Recht  die  Behörde,  dass  jedes  Milchgefäss  eine  genaue  Be- 
zeichnung trägt,  ob  in  derselben  Magermilch  oder  Vollmilch  enthalten  ist. 
So  kann  sich  der  Käufer  genügend  orientiren  und  entweder  eine  Milch 
erstehen,  die  nur  einen  Theil  der  naturgemäss  in  ihr  vorkommenden  Nähr- 
stoffe enthält,  oder  aber  eine,  die  in  dieser  Beziehung  vollwerthig  ist. 
Der  Kauf  von  Magermilch  bedeutet  übrigens  keinen  Nachtheil,  sondern 
vielmehr  sogar  einen  Vortheil  für  den  Käufer  und  ist  daher  armen  Leuten 
anzurathen,  denn  der  Marktpreis  der  Magermilch  ist  im  Verhältnis  zu  den 
darin  enthaltenen  Nährstoff einheiten  ein  geringerer,  wie  die  folgende  Er- 
wägung zeigt:  Ein  Liter  Vollmilch  enthält  in  30  Gramm  Fett  273  Calorien,  in 
30  Gramm  Eiweiss  123  Calorien  und  in  45  Gramm  Milchzucker  184  Calorien, 
zusammen  580  Calorien;  ein  Liter  centrifugirte  Magermilch  enthält  etwa 
3 Gramm  Fett  entsprechend  27  Calorien,  wieder  30  Gramm  Eiweiss  mit 
123  Calorien  und  45  Gramm  Milchzucker  mit  187  Calorien,  zusammen 
333  Calorien.  Es  enthält  also  die  Magermilch  etwa  56  °/0  der  hi  der  Voll- 
milch zu  findenden  Nährstoffe  in  Calorien,  der  Preis  derselben  ist  jedoch 
nur  wenig  mehr  als  ein  Drittel  der  Vollmilch,  da  nach  der  Regel  für  einen 
Liter  gute  Vollmilch  18,  für  einen  Liter  Magermilch  nur  7 Pf.  gezahlt 
werden.  Die  Magermilch  ist  somit  nicht  nur  absolut,  sondern  auch  relativ 
billiger  als  die  Vollmilch.  Freilich  muss  das  dabei  weniger  verabreichte 
Fett  auf  andere  Weise  dem  Organismus  zugeführt  werden.  Ganz  anders 
ist  die  Entrahmung  natürlich  zu  beurtheilen,  wenn  dieselbe  ohne  Vorwissen 
des  Käufers  geschehen  ist,  wie  dies  überaus  häufig  vorkommt.  Es  sind 
daher  gesetzliche  Bestimmungen  getroffen,  die  der  Entrahmung  der  Milch 
Einhalt  gebieten  sollen.  Doch  leiden  alle  hierauf  abzielenden  Maassregeln 
unter  der  Schwierigkeit,  sie  exact  durchzuführen.  Da  nämlich  der  Fett- 
gehalt bei  verschiedenen  Kühen  — und  um  Kuhmilch  handelt  es  sich  ja 
so  gut  wie  ausschliesslich  — nach  Rasse  und  Ernährungsart  äusserst  ver- 
schieden ist,  so  lässt  sich  natürlich  keine  Zahl  finden,  die  wirklich  als 
stricte  Grenze  aufgefasst  werden  kann,  bis  zu  der  der  Fettgehalt  in  minimo 
sinken  darf.  An  verschiedenen  Orten  ist  diese  Grenze  verschieden  hoch 
angenommen,  hier  bei  uns  beträgt  dieselbe  zur  Zeit  3 °/0.  Enthält  also 
eine  Milch  weniger  als  3 °/0  Fett,  so  wird  angenommen,  dass  dieselbe  ent- 
weder abgerahmt  oder  mit  Wasser  verdünnt  worden  ist.  Nach  beiden 


42 


Seiten  hin  wird  diese  Annahme  freilich  im  einzelnen  Falle  falsch  sein, 
können.  Einmal  steht  es  nämlich  demjenigen  Milchproducenten  oder  Milch- 
händler, dessen  Milch  etwa  3LI2 — 4 °/0  oder  mehr  Fett  enthält,  frei,  seine 
Milch  bis  auf  einen  Fettgehalt  von  3 °/0  abzurahmen,  ohne  dass  er  für 
diese  That  Entdeckung  oder  Strafe  zu  erwarten  hat,  andererseits  kann 
es  aber  auch  Vorkommen,  dass  eine  Milch  wirklich  nur  2,9  oder  sogar 
noch  weniger  Fett  enthält,  ohne  dass  irgend  ein  betrügerischer  Eingriff 
erfolgt  ist,  und  der  Betreffende  kann  somit  in  den  falschen  Verdacht  der 
Milchpanscherei  kommen.  Die  Controle  der  Milch  erfolgt  hier  durch  Beamte 
der  Wohlfahrtspolizei,  die  alle  diejenigen  Milcharten,  die  ihnen  verdächtig 
erscheinen,  der  Behörde  zur  Vornahme  der  chemischen  Analyse  anzuhalten 
haben.  Zur  vorläufigen  Bestimmung  des  Fettgehaltes  an  Ort  und  Stelle  der 
Entrahmung  dienen  calorimetrische  Methoden,  verbunden  mit  der  Bestim- 
mung des  specifischen  Gewichts.  Alle  diese  Methoden  sind  vollkommen  un- 
genügend und  es  steht  zu  erhoffen,  dass  seitens  der  Wohlfahrtspolizei 
nunmehr  eine  neue  zur  Einführung  gelangt,  die  allen  Anforderungen,  die 
man  an  eine  marktpolizeiliche  stellen  darf,  genügt,  und  zwar  sowohl  in 
Bezug  auf  die  Einfachheit  und  Schnelligkeit  in  der  Ausführung,  als  auch 
in  Bezug  auf  die  Genauigkeit.  Es  ist  dies  die  Gerber’sche  Methode,  die 
vermittelst  einer  Hugershoff’schen  Centrifuge  volumetrisch  den  Fettgehalt 
der  Milch  ermittelt.  Es  werden  zu  diesem  Zwecke  in  bestimmten  graduirten 
Messgefässen  11  Cubikcentimeter  Milch  mit  10  Cubikcentimeter  concentrirter 
Schwefelsäure  versetzt  und  hierdurch  die  Eiweisskörper  zunächst  ausgefällt 
und  alsdann  wieder  zur  Lösung  gebracht;  hierauf  wird  1 Cubikcentimeter 
Amylalkohol  zugesetzt,  der  das  Fett  in  durchsichtiger  Flüssigkeit  löst,  und 
das  Gemisch  gut  centrifugirt.  Man  vermag  in  kurzer  Zeit  den  Fettgehalt  direct 
abzulesen.  Die  ganze  Methode  gestattet,  eine  grosse  Anzahl  von  Bestimmungen 
zu  gleicher  Zeit  vorzunehmen,  und  ich  kann  aus  vielen  Hunderten  von  Unter- 
suchungen, die  ich  auf  diese  Weise  mit  der  Milch  verschiedener  Thierarten 
vorgenommen  habe,  bestätigen,  dass  die  Bestimmung  eine  überaus  genaue 
ist,  die  mit  den  gewichtsanalytisch  gefundenen  Besultaten  sehr  gut  überein- 
stimmt. 

Die  Abrahmung  der  Milch  hat  uns  schon  darauf  hinweisen  lassen, 
dass  manche  Milch  nur  sehr  wenig  Fett  enthält;  und  solche  Milch,  die  von 
vornherein  sehr  fettarm  ist,  müssen  wir  als  minderwerthig  bezeichnen. 
Statt  im  Melkeimer  verdünnen  nämlich  manche  Milchproducenten  die  Milch 
schon  im  Euter  des  Thieres,  indem  sie  demselben  eine  wasserreiche,  an 
festen  Bestandth eilen,  vor  Allem  an  Fett  arme  Nahrung  gewähren.  Auf 
diese  Weise  bringen  sie  die  Kühe  dahin,  viel,  aber  fettarme  Milch  zu  geben. 
Die  Grossconsumenten  wissen  sich  nun  neuerdings  sehr  gut  gegen  derartige 
Manipulationen  zu  schützen,  indem  sie  die  Milch  nicht  mehr  per  Liter, 
sondern  nach  dem  gelieferten  Fett  bezahlen.  Sie  untersuchen  jeden  Tag 
auf  die  vorhin  angedeutete  Weise  die  zur  Ablieferung  gebrachte  Milch  und 
bezahlen  dieselbe  je  nach  ihrem  Fettgehalte  mit  höherem  oder  geringerem 
Preise.  Eine  immer  weitere  Verbreitung  dieser  Maassnahmen  lässt  er- 
hoffen, dass  die  Landwirthe  mehr  und  mehr  auch  in  ihrem  Interesse 
darauf  sehen  werden,  eine  fetthaltige  Milch  zu  produciren. 

Als  minderwerthig  ist  ferner  ausnahmslos  alle  Milch  zu  bezeichnen, 
die  von  kranken  Thieren  stammt.  Dem  Laien  erscheint  dies  eigentlich 
ganz  selbstverständlich,  doch  ist  man  in  Wirklichkeit  noch  sehr  weit 
davon  entfernt,  diese  Forderung  des  Hygienikers  anzuerkennen.  Ja,  vor 


43 


nicht  langer  Zeit  hat  ein  Oekonom  in  der  vom  preussischen  Ministerium 
zur  Besprechung  dieser  Fragen  zusammengerufenen  Commission  erklärt, 
dass  bei  Durchführung  einer  solchen  Forderung  die  Landwirthe  es  sich 
wohl  überlegen  würden,  weiter  Milchwirthschaft  zu  betreiben.  Diese 
Behauptung  entbehrt  jeder  Berechtigung,  denn  diejenigen  Oekonomen, 
die  ausschliesslich  gesundes  Vieh  zur  Milchgewinnung  benutzen,  machen 
hierbei  brillante  Geschäfte.  Betrübend  ist  allerdings  die  Thatsache,  dass 
es  in  ganz  Deutschland  wohl  kaum  ein  Dutzend  Ställe  giebt,  in  denen 
nur  gesundes  Vieh  steht.  Bei  den  meisten  Ställen  leiden  ein  Drittel,  die 
Hälfte  oder  noch  mehr  Thiere  an  der  Perlsucht,  dieser  der  Tuberkulose 
des  Menschen  entsprechenden  Krankheit,  welche  in  gar  nicht  zu  seltenen 
Fällen  auch  wirklich  auf  diese  Weise  eben  durch  den  Genuss  der  rohen, 
von  perlsüchtigen  Thieren  stammenden  Milch  auf  den  Menschen  übertragen 
wird.  Ebenso  können  auch  die  Erreger  anderer  Seuchen  auf  den  Menschen 
überschleppt  werden. 

Ebenfalls  als  minderwerthig  ist  alle  diejenige  Milch  zu  bezeichnen, 
die  nicht  sauber  gemolken  und  nicht  zweckentsprechend  aufbewahrt  wird. 
Schon  was  die  Reinlichkeitsverhältnisse  in  den  Ställen  anbelangt,  so  be- 
kommt man  da  manchmal  fast  Unglaubliches  in  Bezug  auf  Unreinlichkeit 
zu  sehen.  Ein  Herkules  würde  da  an  der  Möglichkeit  einer  Säuberung 
verzagen.  Der  Volksmund  rechnet  übrigens  hiermit  schon  als  einer  fest- 
stehenden Thatsache  und  nennt  eben  einen  besonders  schmutzigen  Ort 
einen  Stall.  Dieses  Vorurtheil  zu  widerlegen  ist  der  erste  Schritt  auf  dem 
Wege  der  Besserung. 

Es  ist  nämlich  eine  durch  die  Erfahrung  immer  wieder  bestätigte 
Thatsache,  dass  durch  Unsauberkeit  bei  der  Gewinnung  und  der  Auf- 
bewahrung der  Milch  die  Haltbarkeit  derselben  nachtheilig  beeinflusst  wird. 
Es  kommen,  wenn  man  nicht  die  nöthigen  Vorsichtsmaassregeln  bewahrt, 
in  die  von  Haus  aus  keimfreie  Milch  zahlreiche  Mikroorganismen  hinein, 
die  sich  in  dem  für  ihre  Entwickelung  sehr  geeigneten  Nährboden,  zumal 
wenn  die  Aussentemperatur  hierzu  günstig  ist,  schrankenlos  vermehren. 
Hierbei  findet  eine  Veränderung  statt,  die  der  regelmässig  im  Magen  ein- 
tretenden bis  zu  einem  gewissen  Grade  ähnelt;  nämlich  auch  durch  die 
Vermehrung  der  Mikroorganismen  kann  es  zu  einer  Gerinnung  der  Milch 
kommen,  indem  der  Milchzucker  in  Milchsäure  gespalten  wird.  Ist  auf 
diese  Weise  eine  bestimmte  Menge  Milchsäure  entstanden,  so  kommt  es 
durch  dieselbe  ebenso  zur  Gerinnung  der  Milch,  wie  durch  die  Salzsäure 
des  Magens.  Andere  Keime  wieder,  die  durch  Unsauberkeit  in  die  Milch 
gelangen  können,  sind  noch  verhängnisvoller  gerade  dadurch,  dass  sie 
keine  Säurebildner  sind;  sie  vermehren  sich,  ohne  zur  Gerinnung  zu  führen. 
Gerade  die  Gerinnung  der  Milch  ist  aber  auch  dem  Laien  ein  deutlicher 
Hinweis  darauf,  dass  die  betreffende  Milch  verdorben  ist.  Im  Uebrigen 
ist  es  ja  bekannt,  dass  auch  eine  sauer  gewordene  Milch  sich  sehr  gut 
zur  Nahrung  eignen  kann  und  von  manchen  Menschen  sehr  gern  genommen 
wird.  Gefährlich  ist  aber  jede  angesäuerte  Milch  für  kleine  Kinder,  die 
auf  den  Genuss  derselben  schwer  zu  erkranken  pflegen.  Für  diese  und 
ebenso  für  Erwachsene  kann  aber  eine  nicht  sauere  Milch  auch  im  höchsten 
Grade  schädlich  sein,  wenn  dieselbe  die  vorhin  erwähnten  anderen  Keime 
enthält.  Von  der  Zahl  der  Mikroorganismen,  die  sich  in  der  Kuhmilch 
finden,  wenn  diese  nicht  sauber  gemolken  worden  ist,  kann  sich  der  mit 
diesen  Verhältnissen  nicht  Vertraute  kaum  eine  Vorstellung  machen.  So 


44 


kann  es  Vorkommen,  dass  in  einer  Milch,  die  noch  nicht  einmal  so  weit 
verdorben  ist,  dass  sie  durch  Gerinnung  Jedermann  als  minderwerthig  ins 
Auge  fällt,  im  Cubikcentimeter  15  Millionen  Keime  enthalten  sind.  Ausser 
den  Keimen  enthält  jedoch  eine  unsauber  gemolkene  Milch  auch  noch  eine 
beträchtliche  Menge  anderer  directer  Verunreinigungen.  Auf  diese  That- 
sache  ist  zuerst  von  einem  Mitgliede  unserer  Gesellschaft,  Herrn  Professor 
Renk,  mit  dem  nöthigen  Nachdruck  hingewiesen  und  zugleich  eine  Methode 
ausgesonnen  worden,  mit  Hülfe  derselben  es  leicht  gelingt,  die  Menge  des 
Milchschmutzes  zu  bestimmen.  Es  ist  nun  die  Pflicht  des  Milchproducenten, 
uns  eine  Milch  zu  liefern,  die  möglichst  wenig  Keime  und  möglichst  wenig 
Milchschmutz  enthält.  Die  ideale  Forderung,  ganz  keimfreie  und  reinliche 
Milch  zu  erhalten,  würde  sich  ja  doch  vorläufig  noch  nicht  realisiren  lassen, 
den  guten  Willen  hierzu  könnte  man  aber  wenigstens  verlangen.  Die  Ställe 
müssten  luftig  gebaut  sein,  und  ebenso  wie  unsere  Wohnungspolizei  darauf 
sieht,  dass  in  keinem  Raume  mehr  Menschen  zusammengepfercht  werden, 
als  hygienisch  gedacht  darin  Platz  haben,  ebenso  müsste  jedem  Landwirth, 
der  die  Milch  seiner  Kühe  zu  Markt  bringen  will,  genau  vorgezeichnet 
sein,  wie  geräumig  und  wie  hoch  sein  Stall  sein  muss.  Ebenso  erwächst 
der  Behörde  meines  Erachtens  die  Pflicht,  die  Entwässerungs-  und  Ent- 
kothungsvorrichtungen  zu  überwachen.  Mindestens  einmal  am  Tage  ist  der 
helle  geräumige  Idealstall  sorgfältig  zu  reinigen.  Vor  dem  Melken  sind 
die  Euter  der  Thiere  ahzuwaschen,  desgleichen  die  Hände  des  Melkenden 
sorgfältigst  zu  säubern.  Das  übliche  schmutzige  Kostüm,  das  die  Schweizer 
oder  Kuhmägde  dabei  zu  tragen  pflegen,  vermag  den  Appetit  auf  die  so 
gemolkene  Milch  auch  nicht  zu  erhöhen  und  die  Haltbarkeit  der  Milch 
nicht  günstig  zu  beeinflussen.  Man  wird  dem  melkenden  Personal  zweck- 
entsprechend weisse  Kittel  zum  Anziehen  geben  und  schliesslich  auch  noch 
dafür  Sorge  tragen,  dass  die  Kuh  nicht  mit  ihrem  Schwänze  die  Milch  zu 
verunreinigen  vermag.  Die  ersten  Striche  lässt  man  nicht  in  den  Melk- 
eimer, sondern  in  ein  extra  Gefäss,  da  diese  ersten  Portionen  der  Milch 
noch  die  in  den  Milchgängen  sitzenden  Unreinlichkeiten  mit  enthalten. 
Dieselbe  kann  an  die  Schweine  verfüttert  werden  oder  ist  sofort  abzu- 
kochen, um  dann  auch  noch  für  menschlichen  Gebrauch  geniesshar  zu  sein. 
Die  Gefässe,  in  welche  hinein  gemolken  wird,  müssen  peinlichst  sauber,  wenn 
möglich  durch  Auskochen  oder  Sterilisiren  im  Dampfe  keimfrei  gemacht 
sein.  Die  gemolkene  Milch  ist  sofort  zuzudecken  und  andauernd  zugedeckt 
zu  halten,  auch  das  Umschütten  in  andere  Gefässe  möglichst  zu  vermeiden. 
Aeusserst  wichtig  ist  ferner,  dass  die  Milch  sofort  nach  dem  Melken  nach 
Möglichkeit  abgekühlt  wird,  jedenfalls  soll  die  Temperatur,  auf  der  sie 
erhalten  wird,  nicht  über  8 Grad  Celsius  liegen,  denn  es  entwickeln  sich 
hei  einer  derartig  niedrigen  Temperatur  die  eventuell  doch  in  die  Milch 
gelangten  Keime  gar  nicht  oder  doch  nur  spärlich  und  langsam.  Auch 
beim  Transport  in  das  Haus  des  Abnehmers  und  bis  zum  Consum  soll  die 
Milch  andauernd  auf  gleicher  Temperatur  erhalten  werden.  Eine  so  ge- 
wonnene Milch  — natürlich  unter  der  Voraussetzung,  dass  sie  ausschliess- 
lich von  gesunden  Thieren  stammt,  ist  als  tadellose  Milch  zu  bezeichnen 
und  könnte  innerhalb  24  Stunden  nach  der  erfolgten  Gewinnung  anstands- 
los von  Gross  und  Klein  sogar  in  unabgekochtem  Zustande  genossen  werden. 
Freilich  in  der  Wirklichkeit,  da  wird  es  heute  wohl  kaum  irgendwo  eine 
Milch  gehen,  die  diesen  idealen  Anforderungen  entspricht.  Ich  freilich 
für  meine  Person  zweifle  nicht  daran,  dass  wir  noch  einmal  hierzu  ge- 


/ 


45 


langen  werden.  Wie  viel  Zeit  bis  dahin  vergehen  wird,  wie  viele  Tausende 
von  Kindern  vorher  noch  zu  Grunde  gehen  werden,  bis  man  durch  Schaffung 
der  nöthigen  Thierseuchen-  und  Milchhandelsgesetze  die  erwünschte  Sicher- 
heit hierin  schaffen  wird,  das  steht  dahin.  An  unermüdlichen  Mahnern 
wird  es  nicht  fehlen.  Natürlich  wird  es  nicht  möglich  sein,  all  den  auf- 
gestellten Forderungen  auf  einmal  gleich  Geltung  zu  schaffen.  Zweierlei 
thut  aber  eiligst  Noth;  einmal  nämlich,  dass  wenigstens  diejenige 
Milch,  die  unter  dem  Namen  Kindermilch  verkauft  wird,  im 
Wesentlichen  den  oben  aufgestellten  Grundsätzen  entsprechend 
gewonnen  werden  muss;  denn  jetzt  bedeutet  die  Bezeichnung 
Kindermilch  vielfach  weiter  nichts,  als  dass  das  betreffende 
Product  theurer  ist  als  andere  Milch.  Zum  anderen  aber 
müssten  staatliche  oder  städtische  Musterställe  eingerichtet 
werden,  in  denen  den  Landwirthen  gezeigt  wird,  wie  man  eine 
ideale  Milch  gewinnen  kann,  und  aus  denen  nicht  nur  für  die 
entsprechenden  Krankenanstalten  eine  einwandfreie  Milch  ge- 
wonnen wird,  sondern  auch  die  ärmeren  Bevölkerungsschichten 
mit  einem  tadellosen  und  preiswerthen  Product  besonders  zum 
Zwecke  der  Säuglingsernährung  versorgt  werden  könnten.  Da 
ja  viele  Städte  Landbesitz  haben,  ist  der  Gedanke  jedenfalls 
ausführbar. 

Heute  sind  wir  nun  noch  sehr  weit  davon  entfernt,  diese  Idealmilch 
zu  einem  Idealpreise  uns  im  städtischen  Musterstall  holen  zu  können,  wir 
müssen  also  erwägen,  wie  wir  uns  vor  den  Gefahren  schützen  können,  die 
uns  aus  dem  Genüsse  weniger  subtil  gewonnener  Milch  drohen.  Bis  zu 
einem  gewissen  Grade  giebt  uns  nun  das  Abkochen  und  noch  mehr  das 
Sterilisiren  eine  relative  Sicherheit,  da  ja  bei  einer  höheren,  dem  Siede- 
punkt nahe  liegenden  Temperatur  die  meisten  Mikroorganismen  zu  Grunde 
gehen.  Freilich  verliert  die  Milch  durch  das  Kochen  und  Sterilisiren  in 
ganz  beträchtlichem  Grade  an  Nährwerth.  Ganz  neuerdings  hat  man 
übrigens  auf  einem  dem  Kochen  gerade  entgegengesetzten  Wege  eine  Ver- 
besserung der  einschlägigen  Verhältnisse  erstrebt,  indem  man  die  Milch 
unmittelbar  nach  dem  Melken  zum  Gefrieren  gebracht  hat.  Dadurch 
kann  man  die  Milch  auch  beliebig  lange  haltbar  machen  und  milcharme 
Gegenden  durch  die  Milch  aus  milchreichen  Gegenden  entsprechend  ver- 
sorgen. In  einer  sehr  geschickten  Weise  benutzt  die  Firma  Gebr.  Pfund 
bereits  diese  Verbesserung  der  Molkerei-Technik,  indem  sie  in  die  Milch, 
die  sie  auf  ihren  Wagen  zu  den  Kunden  fahren  lässt,  solche  Stücken  ge- 
frorene Milch  hineinwirft.  Hierdurch  wird  die  Temperatur  der  Milch 
herabgedrückt  und  die  Wahrscheinlichkeit  ihres  Verderbens  herabgesetzt. 

Ich  bin  am  Schlüsse  meiner  Auseinandersetzung;  sollte  dieselbe  den  Er- 
folg haben,  dass  Sie  mit  mir  die  enorme  Wichtigkeit  der  Milch  als  Nahrungs- 
mittel anerkennen,  und  dass  Sie  Jeder  von  seiner  Stelle  aus  die  Besserung 
besserungsbedürftiger  Zustände  in  Bezug  auf  Gewinnung  und  Vertrieb 
derselben  erstreben  wollen,  so  hat  dieselbe  in  vollstem  Maasse  ihren 
Zweck  erreicht. 


Sitzungsberichte 

der 

Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft 

ISIS 

in  Dresden. 


1898, 


I.  Section  für  Zoologie. 


Vierte  Sitzung  am  6.  October  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  H. 
Nitsche.  — Anwesend  40  Mitglieder. 

Prof.  Dr.  0.  Schneider  überreicht  durch  Vermittelung  des  Vorsitzen- 
den für  die  Bibliothek  der  Gesellschaft  ein  Exemplar  seiner  neuesten 
Arbeit:  Die  Thierwelt  der  Nordsee-Insel  Borkum  unter  Berück- 
sichtigung der  von  den  übrigen  ostfriesischen  Inseln  bekannten  Arten. 
(Sonder -Abdruck  aus  den  Abhandl.,  herausgeg.  vom  naturwissenschaftl. 
Verein  zu  Bremen,  Bd.  XVI,  Heft  1.) 

Lehrer  A.  Jenke  zeigt  verschiedene  von  ihm  im  Zimmer  gezüchtete 
Entwickelungsstufen  der  Blutlaus,  Schizoneura  lanigera , vor. 

Dr.  P.  Wagner  legt  einige  sogenannte  Billensteine  aus  dem  Starn- 
berger See  vor  und  bespricht  die  augenblicklichen,  noch  nicht  ganz  ge- 
klärten Anschauungen  über  deren  Entstehung,  welche  meist  der  Thätig- 
keit  von  Insectenlarven  zugeschrieben  wird. 

Prof.  Dr.  H.  Nitsche  berichtet  über  seine  zoologischen  Reise- 
eindrücke aus  England. 

Der  Vortragende  hat  an  dem  vierten  internationalen  Zoologencongresse,  der  Ende 
August  in  Cambridge  tagte,  theilgenommen,  das  Rothschildmuseum  zu  Tring,  den  Hirsch- 
park des  Herzogs  von  Bedford,  den  zoologischen  Garten  und  die  grossen  Sammlungen 
zu  London,  sowie  das  Aquarium  in  Brighton  besucht  und  schildert  in  zwangloser 
Plauderei  die  so  gewonnenen  reichen  Eindrücke. 

Dr.  J.  Thallwitz  berichtet  über  das  Vorkommen  des  Ziesels, 
Spermophilus  citillus , im  sächsischen  Erzgebirge.  (Vergl.  Abhand- 
lung VI.) 

Prof.  Dr.  H.  Nitsche  theilt  mit,  dass  er  kürzlich  das  Vorkommen 
des  Moderlieschens,  Leucaspius  delineatus,  und  des  Bitterlings, 
Rhodens  amarus,  in  einigen  der  Moritzburger  Teiche,  im  Jäger- 
teiche und  oberen  Altenteiche  feststellen  konnte. 

Herr  K.  Schiller  legt  mikroskopische  Präparate  kleiner  Crustaceen 
aus  der  Elbe  vor,  besonders  aus  den  Gattungen  Cyclops  und  Daphnia. 


Fünfte  Sitzung  am  1.  Deceinber  1898  (in  Gemeinschaft  mit  der 
Section  für  Botanik).  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  H.  Nitsche.  — Anwesend 
32  Mitglieder. 

Dr.  J.  Grosse  überreicht  durch  den  Vorsitzenden  für  die  Bibliothek 
der  Gesellschaft  einen  Abdruck  seines  in  der  Gesellschaft  für  Natur-  und 


20 


Heilkunde  in  Dresden  gehaltenen  und  in  deren  Jahresberichte  1897 — 98 
veröffentlichten  Vortrags:  Leuckart  in  seiner  Bedeutung  für  die 
Natur-  und  Heilkunde. 

Dr.  J.  Thallwitz  spricht  über  Hydroidpolypen  und  Medusen  des 
Mittelmeeres  und  erläutert  seinen  Vortrag  durch  zahlreiche  mikrosko- 
pische Präparate  und  Wandtafeln.  Er  giebt  ferner  auf  Anregung  von 
Prof.  Dr.  0.  Drude  Auskunft  über  die  bei  der  Herstellung  der  Präparate 
angewandten  Methoden. 

Anschliessende  Bemerkungen  machen  Prof.  Dr.  R.  Ebert  und  Prof.  Dr. 
H.  Nitsche,  welch’  Letzterer  berichtet,  dass  es  neuerdings  Hickson  ge- 
lungen ist,  auch  bei  Hydroidpolypen  mit  Kalkskelett,  bei  der  so  variabeln 
Gattung  Millepora , medusoide  und  zwar  männliche  Geschlechtsindividuen 
nachzuweisen. 

Dr.  B.  Schorler  spricht  im  Anschluss  an  R.  Chodat:  Rtudes  de  biologie 
lacustre  (Genf  1898)  über  Kalkalgen  des  Süsswassers  und  ihre  Be- 
ziehungen zu  den  sogenannten  „Furchensteinen“. 

Zu  der  noch  nicht  endgiltig  gelösten  Frage  über  die  Entstehung  der 
letzteren  sprechen  Dr.  P.  Wagner,  Prof.  Dr.  H.  Nitsche  und  Prof.  Dr. 
0.  Drude. 


II.  Section  für  Botanik. 


Vierte  Sitzung  am  20«  October  1898  (in  Gemeinschaft  mit  der 
Section  für  Zoologie).  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  0.  Drude.  — Anwesend 
39  Mitglieder  und  2 Gäste. 

Prof.  Dr.  0.  Drude  hält  einen  Vortrag  über  die  Resultate  bota- 
nischer Reisen  in  Sachsen  und  Thüringen.  (Vergl.  Abhandlung  V.) 

Die  Reisen  bezweckten  das  Studium  des  pflanzengeographischen  Charakters  des 
hercynischen  Ländergebietes  für  das  vom  Vortragenden  in  Angriff  genommene  Buch: 
Grundzüge  der  Pflanzenverbreitung  im  hercynischen  Berg-  und  Hügellande,  welches  einen 
Theil  der  in  der  „Vegetation  der  Erdeu  von  Engler- Drude  erscheinenden  (etwa  .12) 
pflanzengeographischen  Monographien  des  deutschen  Ländergebietes  bilden  wird. 

Der  Vortragende  betont  schliesslich  das  Bedürfniss,  zur  Erhöhung  des  Verständ- 
nisses für  das  organische  Leben  in  den  uns  zunächst  umgebenden  Ländern  auch  die 
Verbreitungsverhältnisse  der  Thiere  mit  den  getroffenen  pflanzengeographischen  Ein- 
theilungen  in  Vergleich  zu  bringen  und  zu  erproben,  in  wie  weit  deren  Lebensbedin- 
gungen an  die  Existenz  bestimmter  Formationen  geknüpft  sind,  welche  nur  einzelnen 
Landschaften  angehören  (z.  B.  steppenartig  bekleidete  Geröllhänge,  Hochmoore,  Gebirgs- 
wald  u.  s.  w.). 

Dr.  B.  Schorler  berichtet  über  steinzerstörende  Algen,  deren 
Wirkung  Vielen  bis  dahin  als  Spuren  von  thierischer  Thätigkeit  er- 
schienen war. 

Vergl.  auch  die  zoologisch -botanische  Section  vom  1.  December  d.  J. 


Fünfte  Sitzung  am  8.  December  1898  (Floristenabend).  Vorsitzender: 
Oberlehrer  K.  Wobst.  — Anwesend  28  Mitglieder. 

Prof.  Dr.  0.  Drude  legt  vor  und  bespricht  eingehend  die  Schrift  von 
W.  M ei  gen:  Die  deutschen  Pflanzennamen,  Berlin  1898,  und  macht  ferner 


21 


eine  kurze  Mittheilung  über  eine  vortreffliche  süddeutsche  Localflora  von 
Dr.  R.  Gradmann:  Pflanzenleben  der  Schwäbischen  Alb,  2 Bände, 
Tübingen  1898;  über  dieselbe  soll  später  ausführlicher  berichtet  werdeo. 

Hierauf  hält  Lehrer  H.  Stiefelhagen  seinen  angekündigten  Vortrag: 
Neue  Carex- Formen  und  -Hybriden  und  erläutert  denselben  durch 
viele  von  ihm  selbst  gesammelte  charakteristische  Belegexemplare. 

Zum  Schlüsse  berichtet  Dr.  B.  Schorler  über  Bereicherungen  der 
Flora  Saxonica  und  bringt  die  im  K.  Herbarium  eingegangenen  zahl- 
reichen Pflanzen  zur  Vorlage.  (Vergl.  Abhandlung  VII.) 


III.  Section  für  Mineralogie  und  Geologie. 


Vierte  Sitzung  am  3.  November  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  E. 
Kalkowsky.  — Anwesend  42  Mitglieder  und  Gäste. 

Dr.  W.  Bergt  bespricht  die  Abhandlung  von  H.  Credner:  Die  säch- 
sischen Erdbeben  während  der  Jahre  1889  — 97  (K.  S.  Ges.  d.  Wissensch. 
math.-phys.  CI.  Bd.  24). 

Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky  macht  auf  einen  neuen  Aufschluss  im 
Diluvium  beim  Schnittpunkte  der  Reichenbach-  und  Franklinstrasse  in 
Dresden  aufmerksam;  derselbe  legt  einige  für  das  K.  Mineralogische 
Museum  neu  erworbene  Mineralien  vor  und  berichtet  über  einige  Verände- 
rungen im  K.  Mineralogisch -geologischen  Museum. 


Fünfte  Sitzung  am  15.  December  1898.  Vorsitzender:  Privatdocent 
Dr.  W.  Bergt.  — Anwesend  32  Mitglieder. 

Oberlehrer  Dr.  R.  Nessig  hält  seinen  angekündigten  Vortrag  über 
Graphit-Vorkommnisse  im  Lausitzer  Granit  südlich  von  Dresden. 


IV.  Section  für  prähistorische  Forschungen. 


Zweite  Sitzung  am  17.  November  1898.  Vorsitzender:  Dr.  J.  Deich- 
müller. — Anwesend  28  Mitglieder  und  Gäste. 

Dr.  J.  Deichmüller  hält  einen  Vortrag  über  die  Vorgeschichte 
Sachsens. 

Zur  Vorlage  kommen  hierbei  merovingische  Funde  aus  Skelettgräbern  und  die  Ab- 
bildung eines  Hacksilberfundes  aus  Sachsen. 

Lehrer  H.  Döring  spricht  über  Prähistorisches  aus  dem  Mulden- 
thal zwischen  Nossen  und  Rosswein. 

Der  Vortragende  berichtet  über  die  von  ihm  auf  einer  prähistorischen  Excursion 
gewonnenen  Beobachtungen,  welche  sich  auf  die  bereits  von  Preusker  (Blicke  in  die 
vaterländische  Vorzeit  III,  S.  230)  erwähnten  Burg  wälle  auf  dem  Rodig  bei  Nossen, 
auf  dem  Burgberg  bei  Gleisberg  und  der  Wund  er  bürg  bei  Rosswein  erstrecken. 


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Bei  wiederholten  Besuchen  der  genannten  Oertlichkeiten  stellte  sich  der  Vortragende 
die  Aufgabe,  auch  andere  hervortretende  Höhen  der  Thalgehänge  zu  besichtigen  und 
auf  das  Vorhandensein  von  Burgwällen  hin  zu  prüfen.  Es  gelang  ihm  hierbei,  ganz 
nahe  bei  Nossen  einen  in  der  Litteratur  der  Alterthumswissenschaft  noch  unbekannten 
Wall,  der  selbst  von  den  nächsten  Anwohnern  nicht  gekannt  war,  aufzufinden.  Die 
Höhe  wird  in  der  Gregend  als  Texeisberg,  Dechantsberg  oder  Diegensberg 
bezeichnet  und  liegt  den  Buinen  des  Klosters  Altzella  direct  gegenüber. 

Der  Burgwall  liegt  auf  steiler  Felshöhe  an  der  Mulde  ca.  50  m über  dem  Wasser- 
spiegel des  Flusses.  Die  Felswände  des  Muldenthaies  werden  hier  von  Diabastuffen 
oder  Schalsteinen  gebildet  und  gehören  den  cambrischen  Grünsteinen  an.  Auf  der  direct 
über  einem  Steinbruch  liegenden  Höhe  wurde  ein  190  Schritt  langer,  unregelmässig 
geformter  Wall  vorgefunden,  der  den  Innenraum  nach  W,  N und  0 schützt,  während 
nach  S hin  der  Steilabsturz  natürlichen  Schutz  bietet.  Der  Wall  hat  eine  Höhe  von 
1,5  m und  wird  an  zwei  Seiten  durch  verschlacktes  Gestein  gebildet,  an  der  Nord- 
seite dagegen  ist  ein  Erd  wall  zu  erkennen.  Es  konnte  leider  wegen  des  dichten  Wald- 
bestandes nicht  festgestellt  werden,  ob  unter  demselben  der  Schlackenwall  verborgen 
liegt.  Das  Auftreten  der  verschlackten  Masse  beschränkte  sich  nicht  blos  auf  einzelne, 
aus  verschiedenen  Stücken  zusammengeschmolzene  Klumpen,  wie  man  sie  auf  Burg- 
wällen fast,  überall  findet  und  als  „Burgwallschlacke“  bezeichnet,  sondern  es  ragen  hier 
gemäuerartige  Schlackenmassen  aus  dem  Waldboden  hervor,  sodass  man  wohl  die  Anlage 
einen  Schlackenwall  nennen  darf.  Bisher  sind  innerhalb  des  Königreichs  Sachsen  drei 
derartige  Wälle  aufgefunden  worden  und  zwar  auf  dem  Stromberge  bei  Weissenberg, 
auf  dem  Rothstein  und  auf  dem  Löbauer  Berge.  Die  Annahme,  dass  verschlackte  Wälle 
innerhalb  Sachsens  nur  in  der  Lausitz  auftreten,  ist  nach  Auffindung  des  Schlacken- 
walls auf  dem  Texeisberge  bei  Nossen  als  eine  irrige  zu  bezeichnen.  Auf  dem  Walle 
wurden  keinerlei  Artefacte  gefunden. 

In  einer  Entfernung  von  70  Schritt  nach  N zeigten  sich  zwei  parallele  Wallgräben, 
welche  in  der  Richtung  von  NO  nach  SW  sich  zur  Muldenaue  hinabsenken.  Die  Ge- 
sammtlänge  der  Gräben  beträgt  356  Schritt.  Die  Anlage  wird  von  der  Nossen -Lom- 
matzscher  Bahnlinie  so  geschnitten,  dass  auf  den  nordöstlichen  Theil  220  Schritt  und 
auf  den  südwestlichen  135  Schritt  kommen.  Die  Tiefe  des  äusseren  Grabens  beträgt 
ca.  2V8  m,  die  des  inneren  dagegen  1 m.  Der  zwischen  beiden  Gräben  gelegene  Wall 
ragt  nicht  über  das  Niveau  des  Waldbodens  hervor. 

Da  die  hier  beobachtete  Erscheinung  von  den  auf  Burgwällen  sonst  vorhandenen 
Wallanlagen  wesentlich  abweicht,  so  ist  eine  sichere  Deutung  zur  Zeit  nicht  möglich. 
Wahrscheinlich  stammt  die  Anlage  nicht  aus  der  urgeschichtlichen,  sondern  aus  früh- 
geschichtlicher Zeit  und  wurde  nicht  zum  Zwecke  der  Abwehr  von  Feinden,  sondern 
zur  Abgrenzung  eines  grösseren  Besitzgebietes  angelegt.  Es  könnten  die  parallel  ver- 
laufenden Gräben  demnach  als  eine  Art  Limes  oder  Grenzgräben  betrachtet  werden. 

Derartige  Parallelgräben  sind  in  der  Gegend  noch  häufig  anzutreffen,  z.  B.  zwischen 
Kammergut  Altzella  und  der  Chaussee,  an  der  „Alten  Zelle“  im  Zellwald  (Semmelflügel), 
am  neuen  Wege  nach  Siebenlehn  und  an  der  Grube  „Gesegnete  Bergmanns  Hoffnung“ 
in  Obergruna. 

Der  Zellwald  bietet  noch  manche  räthselhafte  Erscheinung  und  stellt  sowohl  dem 
Historiker  als  auch  dem  Urgeschichtsforscher  manche  Aufgabe,  deren  Lösung  der  Zu- 
kunft Vorbehalten  bleiben  wird.  Das  reiche  Urkundenmaterial  aus  dem  Cistercienser- 
kloster  Altzella  vermag  vielleicht  noch  über  die  frühgeschichtliche  Zeit  jener  Gegend 
einiges  Licht  zu  verbreiten,  sodass  ein  Schein  desselben  auch  dem  Prähistoriker  zugute 
kommt.  In  der  Nähe  der  „Alten  Zelle“  im  Zellwald  fand  der  Vortragende  noch 
Scherben  von  spätslavischem  Typus. 

Hier  mögen  am  Ufer  des  Pietschbaches  die  slavischen  Bewohner  bis  ins  zwölfte 
Jahrhundert  gewohnt  haben.  Darauf  deutet  die  älteste  Klosteranlage  hin,  welche  zwischen 
1141  und  1146  sich  hier  befand.  Diesen  ersten  Versuch,  den  Wald  zu  lichten  und  das 
Land  anzubauen  und  vor  Allem  die  heidnischen  Bewohner  zu  bekehren,  machten  die 
schwarzen  Mönche  (also  Brüder  vom  Benedictinerorden).  Tammo  von  Strehla,  der  das 
Stück  Wald  vom  Bisthum  Meissen  zu  Lehen  hatte,  gab  es  unter  Einwilligung  des 
Bischofs  Meginward  an  die  schwarzen  Mönche  ab.  Das  hier  erbaute  Kloster  war  der 
heiligen  Walpurgis  gewidmet,  wurde  aber  wegen  der  Rauhigkeit  der  Gegend  von  den 
Mönchen  bald  wieder  verlassen. 

Das  1162  gegründete  Cistercienserkloster  Altzella  wurde  an  anderer  Stelle,  näm- 
lich an  der  Mündung  des  Pietschbaches  in  die  Mulde  errichtet,  also  da,  wo  wir  heute 
die  Klosterruinen  bemerken.  Die  schwarzen  Mönche,  also  jene  ersten  Ansiedler 


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hatten  sich  die  Bekehrung  der  Wenden  zur  besonderen  Aufgabe  gemacht. 
Sie  mögen  also  wohl  durch  die  Anwesenheit  der  Slaven  am  Pietschbache  zu  jener 
Niederlassung  im  Zellwald  veranlasst  worden  sein.  — Möge  es  der  vergleichenden  For- 
schung gelingen,  das  Dunkel,  welches  über  der  Urgeschichte  dieser  Gregend  liegt,  zu 
durchdringen. 

Zum  Schluss  wird  ein  schönes  Räuchergefäss  aus  dem  Urnenfeld 
von  Stetzsch  aus  der  Sammlung  des  Lehrers  0.  Ebert  vorgelegt. 


V.  Section  für  Physik  und  Chemie. 


Yierte  Sitzung  am  10.  November  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  F. 
Fo erster.  — Anwesend  50  Mitglieder  und  Gäste. 

Prof.  Dr.  R.  Möhlau  hält  einen  Vortrag  über  neue  Anwendungs- 
formen der  Cellulose  und  erläutert  seine  Ausführungen  durch  Versuche 
und  zahlreiche  Vorlagen. 

Die  neuere  Richtung  der  Textilindustrie  erhält  ihr  Gepräge  wesentlich  dadurch, 
dass  sie  die  Cellulosefaser  chemisch  umzuwandeln  sucht  Sie  fusst  damit  in  erster  Linie 
auf  der  Entdeckung  John  Mercer’s,  welcher  zeigte,  dass  die  Cellulosefaser  durch  Be- 
handeln mit  Natronlauge  tiefgreifende  Veränderungen  erfährt.  Die  Faser  wird  stärker 
und  kürzer,  ihre  Wand  verdickt  sich,  während  das  Lumen  auf  ein  feines  Capillarrohr 
zusammenschrumpft ; zugleich  ist  aber  auch  ihre  Affinität  gegenüber  Farbstoffen  grösser 
geworden. 

Praktische  Bedeutung  erhielten  die  Mercer’schen  Versuche  zunächst  durch  Depouilly, 
welcher  die  Schrumpfung  der  Baumwollenfaser  bei  Einwirkung  von  Natronlauge  benutzte, 
um  einen  Kreppeffect  der  Gewebe  zu  erreichen.  Es  gelang  ihm,  diesen  Effect  auch  auf 
reinem  Baumwollengewebe  durch  streifenweises  Bedrucken  mit  Natronlauge  zu  erzielen 
unter  Anwendung  einer  entsprechend  aufgetragenen  Reserve  aus  Leinöl  und  Gummi 
arabicum. 

Thomas  und  Prevost  ferner  vermochten  der  Baumwolle  einen  seidenartigen 
Glanz  zu  ertheilen,  indem  sie  durch  Ausrecken  während  des  Mercerisirens  die  Schrumpf- 
ung der  Faser  verhinderten  und  darauf  in  ausgerecktem  Zustande  auswuschen.  Nur 
gewisse  Baumwollsorten  erwiesen  sich  für  diesen  Zweck  geeignet,  namentlich  die  ägyp- 
tische Baumwolle.  Die  nähere  Untersuchung  zeigt,  dass  die  betreffenden  Sorten  eine 
leicht  veränderliche  Cuticula  besitzen,  welche  bei  dem  Spannungsprocess  jedenfalls  sich 
mechanisch  loslöst. 

Als  ein  weiteres  Product  der  chemischen  Umwandlung  von  Cellulose  tritt  sodann 
die  Viscose  auf,  ein  lösliches  Cellulosexanthogenat,  welches  sich  beim  Behandeln  der 
Faser  mit  Natronlauge  und  Schwefelkohlenstoff  ergiebt.  Dieses  Präparat  lässt  sich 
leicht  beliebig  formen  und  ermöglicht  auch  die  einfache  Herstellung  sogenannter  Opalin- 
artikel, da  sich  auf  Geweben,  welche  mit  Viscose  bedruckt  wurden,  schon  durch  die 
Trockenwärme  regenerirte  Cellulose  unabwaschbar  ausscheidet. 

Die  von  de  Chardonnet  aus  Collodium  erhaltene  sogenannte  künstliche  Seide  besitzt 
leider  wenig  Zugfestigkeit,  besonders  im  feuchten  Zustande. 

Als  neuestes  Cellulosepräparat  erscheint  das  Pegamoid,  ein  aus  Nitrocellulose 
gewonnener  Lederersatz,  sehr  widerstandsfähig  gegen  Wasser  und  Seifen,  infolge  seiner 
glatten  Oberfläche  nicht  schmutzend.  Durch  dünnes  Aufträgen  des  Pegamoids  auf  Ge- 
webe erhält  man  Stoffe  mit  seidenartigem  Glanz,  durch  Aufträgen  einer  dickeren  Schicht 
wachstuchartige  Stoffe. 

Prof.  Dr.  R.  Heger  macht  Mittheilungen  über  zwei  optische  Be- 
obachtungen in  den  Alpen. 

An  dem  durch  besonders  klares  Wasser  ausgezeichneten  Karersee  erschien  — von 
einem  Boote  aus  gesehen  — in  sehr  auffälliger  Weise  das  Brechungsbild  wagerechter 
Stellen  des  Bodens  in  Gestalt  einer  unter  dem  Boote  vertieften  Schüssel  mit  breitem, 
flachem,  dem  Spiegel  rasch  sich  näherndem  Rande.  Die  beim  Durchgang  durch  eine 


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ebene  Grenzfläche  zweier  Mittel  gebrochenen  Strahlen  eines  Punktes  A sind  bekanntlich 
nach  der  Brechung  nicht  mehr  Strahlen  eines  Punktes,  selbst  nicht,  wenn  man  sich  auf 
Betrachtung  eines  sehr  dünnen  Kegels  beschränkt  (des  in  die  Pupille  gelangenden  Lichtes) ; 
das  dünne  Strahlenbüschel,  das  in  einer  Ebene  enthalten  ist,  die  zur  brechenden  Ebene 
senkrecht  steht,  ergiebt  einen  wesentlich  anderen  Bildpunkt,  als  die  Mantellinien  des 
Umdrehungskegels,  der  den  mittleren  dieser  Strahlen  als  Mantellinie,  A zur  Spitze  und 
auf  der  brechenden  Ebene  einen  Parallelkreis  hat.  Nach  den  Beobachtungen  scheint  das 
Auge  den  erstgenannten  Bildpunkt  zu  bevorzugen. 

Die  andere  Beobachtung  betrifft  das  Auftreten  schöner  Beugungserscheinungen 
beim  Durchgänge  des  Sonnenlichtes  durch  Nadelbäume,  besonders  beim  Auf-  und  Unter- 
gang der  Sonne.  Erheblich  über  der  Geraden  Sonne-Beobachter  stehende  Bäume  erscheinen 
in  glänzender  Gluth,  anfangs  orangegelb,  mit  bräunlicher  Tönung  der  dichteren  Theile, 
näher  der  Sonne  weissglühend. 

Prof.  Dr.  F.  Pockels  macht  auf  ähnliche,  aus  der  Litteratur  bekannte 
Beobachtungen  aufmerksam;  auch  in  unseren  Gegenden  ist  Gelegenheit, 
diese  auffällig  schöne  Erscheinung  wahrzunehmen,  nur  tritt  sie  infolge 
der  geringeren  Feinheit  und  Klarheit  der  Luft  viel  seltener  und  wohl 
kaum  je  so  schön  auf  wie  im  Hochgebirge. 

Prof.  Dr.  F.  Foerster  berichtet  über  die  Einwirkung  von  Chlor 
auf  Alkalien,  insbesondere  über  den  Process  der  Chloratbildung  und 
über  die  Deutung  der  Vorgänge  bei  der  elektrolytischen  Gewinnung  von 
Kaliumchlorat. 


VI.  Section  für  Mathematik. 


Vierte  Sitzung  am  13.  October  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  K. 

Rohn.  — Anwesend  13  Mitglieder. 

Prof.  Dr.  K.  Rohn  spricht  über  einige  Eigenschaften  der  Curven 
dritter  und  vierter  Ordnung,  abgeleitet  aus  den  Schnittpunkt- 
systemsätzen. 

In  dem  Vortrage  werden  zunächst  in  bekannter  Weise  die  Schnittpunktssystem- 
sätze für  ebene  Curven  abgeleitet,  um  dann  an  einzelnen  Beispielen  zu  zeigen,  wie 
mannigfach  die  Anwendung  derselben  sich  gestalten  kann.  So  folgt  der  Pascal’sche 
Satz  für  einen  Kegelschnitt  oder  ein  Geradenpaar  daraus.  Ebenso  ergiebt  sich  der 
Satz:  Schreibt  man  einem  Kegelschnitt  ein  Achteck  ein,  so  schneiden  die  ungeraden 
Seiten  die  geraden  in  acht  Punkten  eines  neuen  Kegelschnitts;  beide  Achtecke  besitzen 
also  die  nämlichen  ungeraden  und  die  nämlichen  geraden  Seiten.  Noch  verschiedene 
andere  Sätze  über  Kegelschnitte  können  aus  jenen  Sätzen  abgeleitet  werden. 

Für  die  Curven  dritter  Ordnung  ergeben  sich  mit  ihrer  Hilfe  folgende  Resultate. 
Alle  Kegelschnitte  durch  vier  feste  Punkte  einer  Curve  dritter  Ordnung  schneiden  diese 
in  Punktepaaren,  deren  Verbindungslinien  durch  den  nämlichen  Punkt  auf  ihr,  den  Rest- 
punkt, gehen.  Die  drei  reellen  Wendepunkte  einer  solchen  Curve  liegen  auf  einer  Ge- 
raden. Aus  jedem  Punkt  der  Curve  kann  man  vier  Tangenten  an  dieselbe  legen;  ihre 
Berührungspunkte  liegen  auf  einem  Kegelschnitt,  der  die  Curve  in  jenem  Punkt  berührt. 
Die  Verbindungslinien  dieser  vier  Berührungspunkte  schneiden  sich  paarweise  auf  der 
Curve  dritter  Ordnung.  Im  Speciellen  liegen  die  Berührungspunkte  der  drei  Tangenten 
aus  einem  Wendepunkte  auf  einer  Geraden. 

Für  die  Curven  vierter  Ordnung  führen  die  Schnittpunktssystemsätze  zu  den 
Systemen  von  viermal  berührenden  Kegelschnitten  und  den  Doppeltangenten.  Jedem 
System  gehören  sechs  Doppeltangentenpaare  an,  die  Berührungspunkte  je  zweier  Paare 
liegen  auf  einem  Kegelschnitt  u.  s.  w. 


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Fünfte  Sitzung  am  8.  December  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  K. 
Rohn.  — Anwesend  11  Mitglieder. 

Dr.  H.  Gravelins  spricht  über  einen  Grundgedanken  der  Gylden- 
schen  Störungstheorie. 

In  einer  kurzen  historischen  Einleitung  werden  die  älteren  Methoden  zur  Ermitte- 
lung der  absoluten  Störungen  der  Planeten  nach  ihren  grundlegenden  Principien  skizzirt. 
Es  wird  gezeigt,  dafs  — ganz  abgesehen  von  der  keineswegs  immer  hinreichend  ver- 
sicherten Convergenz  dieser  Methoden  — der  Grund  dafür,  dass  diese  Methoden  für 
eine  Darstellung  der  Störungen  auf  50  bis  100  Jahre  hinaus  nicht  ausreichen,  in  dem 
Festhalten  der  Kepler’schen  Bahn  auch  für  die  gestörte  Bewegung  zu  suchen  ist.  In- 
dem der  Vortragende  eine  Darlegung  der  Gylden’schen  Integrationsmethoden  und  Con- 
vergenzbeweise  für  später  sich  vorbehält,  entwickelt  er,  vom  Begriff  der  periplegmati- 
schen  Curve  ausgehend,  die  Gleichung  der  absoluten  Bahn  Gylden’s. 

Prof.  Dr.  K.  Rohn  zeigt  mit  Hilfe  eines  Satzes  von  den  perspectiven 
Figuren  eine  einfache  Methode,  den  Krümmungskreis  an  einem 
d'er  fünf  gegebenen  Punkte  eines  Kegelschnitts  zu  con- 
struiren.  Die  Construction  erfordert  nur  das  Zeichnen  von  Parallelen 
und  Normalen. 


VII.  Hauptversammlungen. 


Achte  Sitzung  und  Excursion  am  29.  September  1898. 

Am  Nachmittag  dieses  Tages  besichtigten  20  Mitglieder  die  Hof- 
kunstmühle und  Oelfabrik  von  T.  Bienert  in  Plauen  b.  Dr.,  deren 
Einrichtungen  ihnen  in  der  zuvorkommendsten  Weise  durch  Ingenieur 
F.  Pleissner  erläutert  wurden. 

Hieran  schloss  sich  eine  Hauptversammlung  im  Rathskeller- 
Restaurant  zu  Plauen,  in  welcher  unter  Vorsitz  von  Prof.  H.  Engel- 
hardt geschäftliche  Angelegenheiten  erledigt  werden  und 

Dr.  J.  Deichmüller  die  von  ihm  auf  Veranlassung  des  K.  Ministeriums 
des  Innern  entworfene  „Belehrung  und  Anweisung  über  die  den  urgeschicht- 
liehen  Alterthümern  zu  widmende  Beachtung  und  Fürsorge“,  Dresden  1898, 
vorlegt. 


Neunte  Sitzung  am  27.  October  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  G. 
Helm.  — Anwesend  64  Mitglieder  und  Gäste. 

Dr.  med.  A.  Schlossmann  hält  einen  Vortrag  über  seine  Reise  nach 
Spanien  und  erläutert  denselben  durch  eine  grosse  Anzahl  von  Photo- 
graphien und  Projectionsbildern. 


Zehnte  Sitzung  am  24.  November  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  G. 
Helm.  — Anwesend  51  Mitglieder  und  Gäste. 

Zunächst  werden  die  Beamten  der  Gesellschaft  für  das  Jahr  1899 
gewählt.  (Vergl.  die  Uebersicht  auf  Seite  28.) 

Hierauf  wird  beschlossen,  Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  G.  Zeuner  zu  seinem 
70.  Geburtstage  die  Glückwünsche  der  Gesellschaft  durch  den  Vorstand  in 


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Gemeinschaft  mit  dem  ersten  Secretär  und  dem  Bibliothekar  überbringen 
zu  lassen. 

Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  M.  Krause  spricht  nun  über  Universität  und 
Technische  Hochschule. 

An  den  Vortrag  schliesst  sich  eine  lebhafte  Debatte. 


Elfte  Sitzung  am  22.  December  1898.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  G. 
Helm.  — Anwesend  54  Mitglieder  und  Gäste. 

Der  Vorsitzende  giebt  eine  Uebersicht  über  den  gegenwärtigen  Mit- 
gliederbestand der  Gesellschaft,  nach  welcher  die  Zahl  der  wirklichen 
Mitglieder  gegen  das  Vorjahr  um  19  gewachsen  (z.  Z.  230),  die  der  Ehren- 
mitglieder um  6 (28)  und  die  der  correspondirenden  Mitglieder  um  3 (132) 
zurückgegangen  ist. 

Geh.  Medicinalrath  Prof.  Dr.  Fr.  Renk  hält  einen  Vortrag  über  das 
hygienische  Institut  der  K.  Technischen  Hochschule  und  die  K. 
Centralstelle  für  öffentliche  Gesundheitspflege. 

Der  Vortragende  giebt  einen  kurzen  Ueberblick  über  Geschichte,  Entwickelung 
und  Zweck  beider  jetzt  in  einem  Raume  vereinten  und  unter  einer  Direction  stehenden 
Institute  und  erläutert  an  einem  ausgestellten  Plane  die  Vertheilung  der  einzelnen  Ab- 
theilungen in  den  beiden  Geschossen  des  Hauses  und  deren  Bestimmung.  Ein  unter 
Führung  des  Vortragenden  unternommener  Rundgang  durch  die  verschiedenen  Räume 
giebt  den  Anwesenden  Gelegenheit,  Einblick  in  die  Thätigkeit  beider  Institute  zu  nehmen. 


Veränderungen  im  Mitgliederbestände. 

Gestorbene  Mitglieder: 

Am  7.  August  1898  starb  James  Hall,  Professor  und  Director  des 
New- York  State  Museum  in  Albany,  einer  der  bedeutendsten  amerikani- 
schen Paläontologen,  Ehrenmitglied  der  Isis  seit  1873. 

Am  25.  September  1898  verstarb  in  St.  Germain- en-Laye  im  Alter 
von  77  Jahren  Gabriel  de  Mortillet,  Professor  und  Subdirector  der 
Ecole  d’anthropologie  de  Paris,  correspondirendes  Mitglied  seit  1867. 

Am  15.  October  1898  verschied  inDresden Dr.  Ewald  Albert  Geissler, 
Professor  an  der  K.  Thierärztlichen  Hochschule  und  Apothekenrevisor,  wirk- 
liches Mitglied  seit  1877. 

Am  14.  November  1898  starb  in  Charlottenburg  Oberberghauptmann 
und  Ministerial director  a.  D.  Dr.  Albert  Ludwig  Serlo,  Ehrenmitglied 
seit  1870. 

Am  8.  December  1898  starb  Maler  Karl  Friedrich  Seidel  in  Wein- 
böhla, wirkliches  Mitglied  seit  1860.  Der  Verewigte  gehörte  in  den  Jahren 
1867 — 68,  1875  — 76  und  1878  — 81  dem  Vorstande  der  Section  für  Botanik 
als  erster  oder  zweiter  Vorsitzender  an  und  hat  verschiedene  botanische 
Beobachtungen  in  unseren  Sitzungsberichten  veröffentlicht,  die  letzte  noch 
im  Jahre  1888  über  Peucedanum  aegopodioides. 

Am  10.  December  1898  starb  in  Tharandt  Alfred  Bartel,  Assistent 
am  chemischen  Laboratorium  der  K.  Forstakademie,  wirkliches  Mitglied 
seit  1897. 


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Neu  aufgenommene  wirkliche  Mitglieder: 

Baensch,  Wilh.,  Buchdruckerei  und  Verlagshandlung  in  Dresden,  am 
24.  November  1898; 

Berger,  Karl,  Dr.  med.  in  Dresden,  am  22.  Decemher  1898; 

Bidlingmaier,  Friedr.,  Assistent  am  physikalischen  Laboratorium  der 
K.  Technischen  Hochschule  in  Dresden,  am  24.  November  1898; 

Dickhoff,  Alphons,  Privatus  in  Blasewitz,  am  27.  October  1898; 

Lehmann,  Georg,  K.  Hofbuchhändler  in  Dresden,  am  29.  September  1898; 

Müller,  Felix,  Prof.  Dr.,  in  Oberloschwitz,  am  24.  November  1898; 

Naumann,  Ernst,  Dr.  phil.,  Assistent  am  mineral.-geologischen  Institut  der 
K.  Technischen  Hochschule  in  Dresden,  am  29.  September  1898; 

Osborne,  Wilh.,  Dr.  phil.,  Chemiker  in  Radebeul,  am  24.  November  1898; 

Range,  Ernst  Albert,  K.  Strassen-  und  Wasserbauinspector 
in  Dresden, 

Richter,  Wilh.,  Dr.  med.  in  Dresden, 

Schmidt,  Hermann,  Lehrer  in  Dresden,  am  24.  November  1898; 

Sommer,  Karl,  Gymnasiallehrer  a.  D.  in  Meissen,  am  22.  Decemher  1898; 

Thoss,  Friedr.  Aug.,  Seminaroberlehrer  in  Plauen  bei  Dr.,  am  29.  Sep- 
tember 1898. 

In  die  correspondirenden  Mitglieder  ist  übergetreten: 

von  Baensch,  William,  K.  Hofverlagsbuchhändler,  in  Stralsund. 


am  27.  October 
1898. 


Freiwillige  Beiträge  zur  Gesellschaftskasse 

zahlten:  Dr.  Amthor,  Hannover,  3 Mk.;  Prof.  Dr.  Bach  mann,  Plauen 
i.  V.,  3 Mk.;  K.  Bibliothek,  Berlin,  3 Mk.;  naturwissensch.  Modelleur 
Blaschka,  Hosterwitz,  3 Mk.  5 Pf.;  Privatus  Eisei,  Gera,  3 Mk.;  Berg- 
meister Hartung,  Lobenstein,  5 Mk.;  Prof.  Dr.  Hibscli,  Liehwerd,  3 Mk. 
1 Pf.;  Bürgerschullehrer  Hof  mann,  Grossenhain,  3 Mk.;  Apotheker  Dr. 
Lange,  Werningshausen,  6 Mk.  10  Pf.;  Oberlehrer  Dr.  Lohr  mann,  Anna- 
berg,  3 Mk.;  Stabsarzt  Dr.  Naumann,  Gera,  3 Mk.;  Oberlehrer  Nau- 
mann, Bautzen,  6 Mk.;  Betriebsingenieur  Prasse,  Leipzig,  3 Mk.;  Dr. 
Reiche,  Santiago,  Chile,  3 Mk.;  Director  Dr.  Reidemeister,  Schöne- 
beck, 3 Mk.;  Prof.  Dr.  Schneider,  Blasewitz,  10  Mk.;  Oberlehrer  Seidel  I, 
Zschopau,  3 Mk.  10  Pf.;  Rittergutspachter  Sieber,  Grossgrabe,  3 Mk.  15  Pf.; 
Fabrikbesitzer  Siemens,  Dresden,  100  Mk.;  Chemiker  Dr.  Stauss,  Ham- 
burg, 3 Mk  ; Oberlehrer  Dr.  Sterzei,  Chemnitz,  3 Mk.;  Privatdocent  Dr. 
Steuer,  Jena,  3 Mk.;  Prof.  Dr.  Vater,  Tharandt,  3 Mk.  5 Pf.;  Baurath 
Wiechel,  Chemnitz,  3 Mk.  15  Pf.;  Oberlehrer  Wolff,  Pirna,  3 Mk.;  Prof. 
Dr.  Wünsche,  Zwickau,  3 Mk.  — • In  Summa  190  Mk.  61  Pf. 

H.  Warnatz. 


28 


Beamte  der  Isis  im  Jahre  1899. 

Torstand. 

Erster  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky. 

Zweiter  Vorsitzender:  Prof.  H.  Engelhardt. 

Kassirer:  Hofbuchhändler  G.  Lehmann. 

« 

Directorium. 

Erster  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky. 

Zweiter  Vorsitzender:  Prof.  H.  Engelhardt. 

Als  Sectionsvorstände: 

Privatdocent  Dr.  W.  Bergt, 

Dr.  J.  Deichmüller, 

Prof.  Dr.  0.  Drude, 

Prof.  Dr.  F.  Förster, 

Prof.  Dr.  H.  Kitsche, 

Prof.  Dr.  K.  Rohn. 

Erster  Secretär:  Dr.  J.  Deichmüller. 

Zweiter  Secretär:  Institutsdirector  A.  Thümer. 

V erwaltungsrath. 

Vorsitzender:  Prof.  H.  Engelhardt. 

Mitglieder:  1.  Fabrikbesitzer  L.  Guthmann, 

2.  Privatus  W.  Putscher, 

3.  Fabrikant  E.  Kühnscherf, 

4.  Dr.  Fr.  Raspe, 

5.  Prof.  H.  Fischer, 

6.  Fabrikbesitzer  Fr.  Siemens. 

Kassirer:  Hofbuchhändler  G.  Lehmann. 

Bibliothekar : Privatus  K.  Schiller. 

Secretär:  Institutsdirector  A.  Thümer. 

Sectionslbeamte. 

I.  Seetion  für  Zoologie. 

Vorstand:  Prof.  Dr.  H.  Kitsche. 

Stellvertreter : Oberlehrer  Dr.  J.  Thallwitz. 

Protokollant:  Institutsdirector  A.  Thümer. 

Stellvertreter:  Dr.  A.  Kaumann. 

II.  Seetion  für  Botanik. 

Vorstand:  Prof.  Dr.  0.  Drude. 

Stellvertreter:  Oberlehrer  K.  Wobst. 

Protokollant:  Garteninspector  F.  Le  dien. 

Stellvertreter:  Dr.  A.  K aumann. 


29 


III.  Section  für  Mineralogie  und  Geologie. 

Vorstand:  Privatdocent  Dr.  W.  Bergt. 

Stellvertreter:  Oberlehrer  Dr.  R.  Nessig. 

Protokollant:  Dr.  H.  Francke. 

Stellvertreter:  Dr.  E.  Naumann. 

IV.  Section  für  Physik  und  Chemie. 

Vorstand:  Prof.  Dr.  F.  Förster. 

Stellvertreter:  Prof.  Dr.  F.  Pockels. 

Protokollant:  Oberlehrer  Dr.  0.  Schulze. 

Stellvertreter:  Dr.  R.  Engelhardt. 

V.  Section  für  prähistorische  Forschungen. 

Vorstand:  Dr.  J.  Deichmüller. 

Stellvertreter:  Lehrer  H.  Döring. 

Protokollant:  Lehrer  0.  Ebert. 

Stellvertreter:  Lehrer  A.  J ent  sch. 

VI.  Section  für  Mathematik. 

Vorstand:  Prof.  Dr.  K.  Rohn. 

Stellvertreter:  Oberlehrer  Dr.  A.  Witting. 

Protokollant:  Oberlehrer  Dr.  J.  von  Vieth. 

Stellvertreter:  Privatdocent  Dr.  E.  Nätsch. 


Redactions  - Comite. 

Besteht  aus  den  Mitgliedern  des  Directoriums  mit  Ausnahme  des 
zweiten  Vorsitzenden  und  des  zweiten  Secretärs. 


Bericht  des  Bibliothekars. 


Im  Jahre  1898  wurde  die  Bibliothek  der  „Isis“  durch  folgende  Zeit- 
schriften und  Bücher  vermehrt: 


A.  Durch  Tausch. 

I.  Europa. 

1.  Deutschland. 

Altenburg : Naturforschende  Gesellschaft  des  Osterlandes. 

Annaber g -Buchholz : Verein  für  Naturkunde. 

Augsburg : Naturwissenschaftlicher  Verein  für  Schwaben  und  Neuburg. 
Bamberg:  Naturforschende  Gesellschaft. 

Bautzen:  Naturwissenschaftliche  Gesellschaft  „Isis“.  — Sitzungsber.  und 
Abhandl.,  1896—97.  [Aa  327.] 

Berlin:  Botanischer  Verein  der  Provinz  Brandenburg.  — Verhandl.,  Jahrg.  39. 
[Ca  6.] 

Berlin:  Deutsche  geologische  Gesellschaft.  — Zeitschr.,  Bd.  49,  Heft  3 
und  4;  Bd.  50,  Heft  1 und  2.  [Da  17.] 

Berlin:  Gesellschaft  für  Anthropologie,  Ethnologie  und  Urgeschichte.  — 
Verhandl.,  October  1897  bis  Mai  1898.  [G  55.] 

Bonn:  Naturhistorischer  Verein  der  preussischen  Rheinlande,  Westfalens 
und  des  Reg. -Bez.  Osnabrück.  — Verhandl.,  54.  Jahrg.,  2.  Hälfte. 
[Aa  93.] 

Bonn:  Niederrheinische  Gesellschaft  für  Natur-  und  Heilkunde.  — Sitzungs- 
ber., 1897,  2.  Hälfte.  [Aa  322.] 

Braunschiveig:  Verein  für  Naturwissenschaft. 

Bremen:  Naturwissenschaftlicher  Verein.  — Abhandl.,  Bd.  XIV,  Heft  3; 
Bd.  XV,  Heft  2.  [Aa  2.] 

Breslau:  Schlesische  Gesellschaft  für  vaterländische  Cultur.  — 75.  Jahre sb er., 
1897,  mit  Ergänzungsheft  bibliograph.  Inhalts.  [Aa  46.] 

Chemnitz:  Naturwissenschaftliche  Gesellschaft. 

Chemnitz:  K.  Sächsisches  meteorologisches  Institut.  — Abhandl.,  Heft  3. 
[Ec  57b.]  — Klima  des  Königreichs  Sachsen,  Heft  5.  [Ec  79.]  — 
Jahrbuch,  XIII.  Jahrg.,  3.  Abth.;  XIV.  Jahrg.,  1.  u.  2.  Abth.  [Ec  57.] 
Danzig:  Naturforschende  Gesellschaft. 

Darmstadt:  Verein  für  Erdkunde  und  mittelrheinischer  geologischer 
Verein.  — Notizbl.,  4.  Folge,  18.  Heft.  [Fa  8.] 

Donaueschingen:  Verein  für  Geschichte  und  Naturgeschichte  der  Baar  und 
der  angrenzenden  Landestheile. 

Dresden:  Gesellschaft  für  Natur-  und  Heilkunde.  — Jahresber.,  1897 — 98. 
[Aa  47.] 


31 


Dresden : Gesellschaft  für  Botanik  und  Gartenbau  ,, Flora“.  — Sitzungsber. 

und  Abhandl.,  n.  F.,  Jhrg.  1 — 2,  mit  Bücherverzeichnis.  [Ca  26.] 
Dresden : K.  Mineralogisch -geologisches  und  praehistorisches  Museum.  — 
Mittheil.,  Heft  XIV.  [Db  51.] 

Dresden : K.  Zoologisches  und  Anthrop.-ethnogr.  Museum.  — Catalog  der 
Handbibliothek.  [Je  117.] 

Dresden : K.  Oeffentliche  Bibliothek. 

Dresden : Verein  für  Erdkunde.  — Jahresberichte,  Jahr.  XXVI.  [Fa  6.] 
Dresden:  K.  Sächsischer  Altertums  verein.  — Neues  Archiv  für  Sachs. 
Geschichte  und  Altertumskunde,  Bd.  XIX.  [G  75.]  — Die  Samm- 
lung des  K.  Sachs.  Altertums  Vereins  in  ihren  Hauptwerken.  Lief.  1, 
Bl.  I-X.  [G  75  b.] 

Dresden:  Oekonomische  Gesellschaft  im  Königreich  Sachsen.  — Mittheil. 
1892—93,  1897—98.  [Ha  9.] 

Dresden:  K.  Thierärztliche  Hochschule.  — Bericht  über  das  Veterinär  wesen 
in  Sachsen,  33.,  37.,  40.  und  42.  Jahrg.  [Ha  26.] 

Dresden:  K.  Sächsische  Technische  Hochschule.  — Bericht  über  die  K.  Sachs. 
Techn.  Hochschule  a.  d.  Jahr  1897 — 98.  [Je  63.]  — Personalverz.  Nr. 
X— XVIII.  [Je  63  b.] 

Dürkheim:  Naturwissenschaftlicher  Verein  der  Rheinpfalz  „Pollichia“. 
Düsseldorf:  Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Elberfeld:  Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Emden:  Naturforschende  Gesellschaft.  — 82.  Jahresbericht,  1896  — 97. 


[Aa  48.] 

Emden:  Gesellschaft  für  bildende  Kunst  und  vaterländische  Altertümer. 

Erfurt:  K.  Akademie  gemeinnütziger  Wissenschaften.  — Jahrbücher, 
Heft  XXIV.  [Aa  263.] 

Erlangen:  Physikalisch-medicinisclieSocietät. — Sitzungsber.,  29. Heft,  1897. 
[Aa  212.J 

Frankfurt  a.  M.:  Senckenbergische  naturforschende  Gesellschaft.  — Bericht 
für  1898.  [Aa  9 a.] 

Frankfurt  a.  M.:  Physikalischer  Verein.  — Jahresber.  für  1896  — 97. 
[Eb  35.] 

Frankfurt  a.  0.:  Naturwissenschaftlicher  Verein  des  Regierungsbezirks 
Frankfurt.  — * „Helios“,  15.  Bd.  — Societatum  litterae,  Jahrg.  XI, 
Nr.  7 — 12;  Jahrg.  XII,  Nr.  1 — 4.  [Aa  282.] 

Freiberg:  K.  Sächs.  Bergakademie.  — Programm  für  das  133.  Lehrjahr 
1898-99.  [Aa  323.] 

Freiburg  i.  B.:  Naturforschende  Gesellschaft. 

Gera:  Gesellschaft  von  Freunden  der  Naturwissenschaften. 

Giessen:  Oberhessische  Gesellschaft  für  Natur-  und  Heilkunde. 

Görlitz:  Naturforschende  Gesellschaft.  — Abhandl.,  22.  Bd.  [Aa  3.] 

Görlitz:  Oberlausitzische  Gesellschaft  der  Wissenschaften.  — Neues  Lau- 
sitzisches  Magazin,  Bd.  73,  2.  Heft;  Bd.  74.  [Aa  64.] 

Görlitz:  Gesellschaft  für  Anthropologie  und  Urgeschichte  der  Oberlausitz. 

Greifswald:  Naturwissenschaftlicher  Verein  für  Neu -Vorpommern  und 
Rügen.  — Mittheil.,  29.  Jahrg.,  1897.  [Aa  68.] 

Greif sivald:  Geographische  Gesellschaft.  — Jahresber.  Nr.  VI,  II.  Theil, 
1896-98.  [Fa  20.] 

Guben:  Niederlausitzer  Gesellschaft  für  Anthropologie  und  Urgeschichte. — 
Mittheil.,  V.  Bd.,  Heft  1 — 7.  [G  102.] 


32 


Güstroiv : Verein  der  Freunde  der  Naturgeschichte  in  Mecklenburg. 

Halle  a.  S.:  Naturforschende  Gesellschaft. 

Halle  a.  S.:  Kais.  Leopoldino-Carolinische  deutsche  Akademie.  — Leopoldina, 
Heft  XXXIII,  Nr.  12;  Heft  XXXIV,  Nr.  1—11.  [Aa  62.] 

Halle  a.  Sr.  Verein  für  Erdkunde.  — Mitteil.,  Jahrg.  1898.  [Fa  16.] 
Hamburg'.  Naturhistorisches  Museum.  — Jahrbücher,  Jahrg.  XIV,  mit  Bei- 
heft 1—5.  [Aa  276.] 

Hamburg : Naturwissenschaftlicher  Verein.  — Verhandl.,  IV.  Folge,  5.  Heft. 
1897.  [Aa  293b.] 

Hamburg'.  Verein  für  naturwissenschaftliche  Unterhaltung. 

Hanau:  Wetterauische  Gesellschaft  für  die  gesammte  Naturkunde. 
Hannover:  Naturhistorische  Gesellschaft.  — Jahresber.,  44. — 47.  Bd. 

[Festschrift.]  [Aa  52.] 

Hannover:  Geographische  Gesellschaft. 

Heidelberg : Naturhistorisch  -medicinischer  Verein. 

Hof:  Nordoberfränkischer  Verein  für  Natur-,  Geschichts-  und  Landes- 
kunde. 

Karlsruhe:  Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Kassel:  Verein  für  Naturkunde.  — Abhandl.  und  Berichte,  Nr.  42  u.  43. 
[Aa  242.] 

Kassel:  Verein  für  hessische  Geschichte  und  Landeskunde.  — Zeitschr., 
22. — 23.  Bd.  u.  12.  Suppl.;  Mittheil.,  Jahrg.  1896 — 97.  [Fa  21.] 

Kiel:  Naturwissenschaftlicher  Verein  für  Schleswig -Holstein. 

Köln:  Redaction  der  Gaea.  — Natur  und  Leben,  Jahrg.  34.  [Aa  41.] 
Königsberg  i.  Pr.:  Physikalisch -ökonomische  Gesellschaft.  — Schriften, 
38.  Jahrg.,  1897.  [Aa  81.] 

Köniasberq  i.  Pr.:  Altertums-Gesellschaft  Prussia.  — Sitzungsber.  Nr.  46, 
1890  [G  114.] 

Krefeld:  Verein  für  Naturkunde.  — Jahresber.  II  und  III,  1895  — 98. 
[Aa  329.] 

Landshut:  Botanischer  Verein.  — Bericht  15.  [Ca  14.] 

Leipzig:  Naturforschende  Gesellschaft. 

Leipzig:  K.  Sächsische  Gesellschaft  der  Wissenschaften.  — Berichte  über 
die  Verhandl.,  mathem.-physikal.  Klasse,  1897,  V— VI;  1898,  I — V. 
[Aa  296.] 

Leipzig:  K.  Sächsische  geologische  Landesuntersuchung.  — Geologische 
Specialkarte  des  Königreichs  Sachsen:  Sect.  Ostritz-Bern stadt,  Bl.  73; 
Sect.  Hinterhermsdorf- Daubitz,  BL  86;  Sect.  Plirschfelde- Reichenau, 
Bl.  89;  Sect.  Zittau -Oybin -Lausche,  Bl.  107;  Sect.  Bobenneukirch- 
Gattendorf,  Bl.  150,  mit  5 Heften  Erläuterungen.  [De  146.] 

Lübeck:  Geographische  Gesellschaft  und  naturhistorisches  Museum. 
Lüneburg:  Naturwissenschaftlicher  Verein  für  das  Fürstentum  Lüneburg. 

— Jahresheft  XIV,  1896 — 98.  [Aa  210.] 

Magdeburg:  Naturwissenschaftlicher  Verein.  — Jahresber.  und  Abhandl., 
Jahrg.  1896-98.  [Aa  173.] 

Mannheim:  Verein  für  Naturkunde. 

Marburg:  Gesellschaft  zur  Beförderung  der  gesummten  Naturwissenschaften. 

— Sitzungsber.,  Jahrg.  1897.  [Aa  266.] 

Meissen:  Naturwissenschaftliche  Gesellschaft  „Isis“.  — Beobacht,  d.  Isis- 
Wetterwarte  zu  Meissen  i.  J.  1897.  [Ec  40.] 


33 


Münster : Westfälischer  Provinzialverein  für  Wissenschaft  und  Kunst.  — 
25.  Jahresber.,  Jahrg.  1896—97.  [Ca  231.] 

Neisse:  Wissenschaftliche  Gesellschaft  „Philomathie“.  - — Bericht,  25.-28., 
1888-96.  [Aa  28.] 

Nürnberg : Naturhistorische  Gesellschaft.  — Jahresber.  für  1897,  nebst 
Abhandl.,  XI.  Bd.  [Aa  5.] 

Offenbach : Verein  für  Naturkunde. 

Osnabrück : Naturwissenschaftlicher  Verein.  — 12.  Jahresber.,  1897.  [Aa  177.  J 
Passau : Naturhistorischer  Verein.  — 17.  Bericht  für  1896 — 97.  [Aa  55. J 
Posen : Naturwissenschaftlicher  Verein.  — Zeitschr.  der  botan.  Abtheil., 
4.  Jahrg.,  Heft  3;  5.  Jahrg.,  Heft  1—2.  [Aa  316.] 

Regensburg\  Naturwissenschaftlicher  Verein.  — Berichte,  Heft  VI,  1896—97. 
[Aa  295.] 

Regensburg:  K.  Bayerische  botanische  Gesellschaft. 

Reichenbach  i.  V .:  Vogtländischer  Verein  für  Naturkunde.  — Mitteil., 
Jahrg.  29.  [Aa  70.] 

Reutlingen'.  Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Schneeberg:  Wissenschaftlicher  Verein. 

Stettin:  Ornithologischer  Verein.  — Zeitschr.  für  Ornithologie  und  prakt. 
Geflügelzucht,  Jahrg.  XXII.  [Bf  57.] 

Stuttgart : Verein  für  vaterländische  Naturkunde  in  Württemberg.  — Jahres- 
hefte, Jahrg.  54.  [Aa  60.] 

Stuttgart:  Württembergischer  Altertums  verein.  — Württemberg.  Viertel- 
jahrshefte für  Landesgeschichte,  n.  F.,  6.-7.  Jahrg.  [G  70.] 
Tharandt:  Redaction  der  landwirtschaftlichen  Versuchsstationen.  — Land- 
wirtsch.  Versuchsstationen,  Bd.  XLIX,  Heft  4 — 6;  L;  LI,  Heft  1. 
(In  der  Bibliothek  der  Versuchsstation  im  botan.  Garten.) 

Thorn:  Coppernicus -Verein  für  Wissenschaft  und  Kunst. 

Trier:  Gesellschaft  für  nützliche  Forschungen. 

Ulm:  Verein  für  Mathematik  und  Naturwissenschaften.  — Jahreshefte, 
8.  Jahrg.  [Aa  299.] 

Ulm:  Verein  für  Kunst  und  Altertum  in  Ulm  und  Oberschwaben. 
Weimar:  Thüringischer  botanischer  Verein.  — Mittheil.,  n.  F.,  11.  Heft. 
[Ca  23.] 

Wernigerode:  Naturwissenschaftlicher  Verein  des  Harzes. 

Wiesbaden:  Nassauischer  Verein  für  Naturkunde.  — Jahrbücher,  Jahrg.  51. 
[Aa  43.] 

Würzburg:  Physikalisch-medicinische  Gesellschaft.  — Sitzungsber.,  Jahrg. 
1897.  [Aa  85.] 

Zivickau:  Verein  für  Naturkunde.  — Jahresber.  1897.  [Aa  179.] 

2.  Oesterreich-Ungarn. 

Aussig:  Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Bistritz:  Gewerbeschule. 

Brünn:  Naturforschender  Verein. 

Budapest:  Ungarische  geologische  Gesellschaft.  — Földtani  Közlöny,  XXVII. 

köt.,  11. — 12.  füz.;  XXVIII.  köt.,  1. — 9.  füz.  [Da  25.] 

Budapest:  K.  Ungarische  naturwissenschaftliche  Gesellschaft,  und:  Ungarische 
Akademie  der  Wissenschaften.  — Mathemat.  und  naturwissenschaftl. 
Berichte,  Bd.  13.  [Ea  37.] 


Graz:  Naturwissenschaftlicher  Verein  für  Steiermark.  — MittheiL,  Jahrg. 
1897.  [Aa  72.] 

Hermannstadt:  SiebenbürgischerV erein  für  Naturwissenschaften.  — V erhandl. 

und  MittheiL,  XLVII.  Jahrg.  [Aa  94.] 

Iglo:  Ungarischer  Karpathen -Verein.  — Jahrbuch,  XXV.  Jahrg.  [Aa  198.] 
Innsbruck:  Naturwissenschaftlich -medicinischer  Verein. 

Klagenfurt:  Naturhistorisches  Landes -Museum  von  Kärnthen.  — Festschrift 
z.  50jähr.  Bestehen,  1898.  [Aa  42.] 

Krakau:  Akademie  der  Wissenschaften.  — Anzeiger,  1897,  Nr.  9—10;  1898, 
Nr.  1—4  und  6 — 8.  [Aa  302.] 


Laibach:  Musealverein  für  Krain. 

Linz:  Verein  für  Naturkunde  in  Oesterreich  ob  der  Enns.  — Jahres- 
ber.  19,  26  und  27.  [Aa  213.] 

Linz:  Museum  F rancisco-Carolinum.  — 56.  Bericht  nebst  der  50.  Lieferung 
der  Beiträge  zur  Landeskunde  von  Oesterreich  ob  der  Enns.  [Fa  9.] 
Hag:  Naturwissenschaftlicher  Verein  „Lotos“. 

Prag:  K.  Böhmische  Gesellschaft  der  Wissenschaften.  — Sitzungsber., 
mathem.-naturw.  CI.,  1897.  [Aa  269.]  — Jahresber.  für  1897.  [Aa  270.] 
Prag:  Gesellschaft  des  Museums  des  Königreichs  Böhmen.  — Pamätky 
archaeologicke,  dilu  XVII,  ses.  4 — 8;  XVIII,  ses.  1 — 2.  [G  71.] 

Prag:  Lese-  und  Redehalle  der  deutschen  Studenten. 

Prag:  Ceska  Akademie  Cisare  Frantiska  Josefa.  — Rozpravy,  Trida  II, 
Rocnik  6.  [Aa  313.]  — Bulletin  international,  classe  des  Sciences 
mathematiques  et  naturelles,  Nr.  IV.  [Aa  313  b.J 
Pressburg:  Verein  für  Heil-  und  Naturkunde.  — Verhandl.,  n.  F.,  Heft  9. 
[Aa  92.] 

Reichenberg : Verein  der  Naturfreunde.  — Mittheil.,  Jahrg.  29.  [Aa  70.] 
Salzburg:  Gesellschaft  für  Salzburger  Landeskunde.  — Mittheilungen, 
Bd.  XXXVII  und  XXXVIII.  [Aa  71.] 

Temesvär:  Südungarische  Gesellschaft  für  Naturwissenschaften.  — Termes- 
zettudomänyi  Füzetek,  XXII.  köt.,  füz.  2 — 3.  [Aa  216.] 

Trencsin:  Naturwissenschaftlicher  Verein  des  Trencsiner  Comitates.  — 
Jahresheft,  Jahrg.  XIX— XX.  [Aa  277.] 

Triest:  Museo  civico  di  storia  naturale. 

Triest:  Societä  Adriatica  di  scienze  naturali. 

Wien:  Kais.  Akademie  der  Wissenschaften.  * — Anzeiger,  Jahrg.  1897, 
Nr.  27;  1898,  Nr.  1—12.  [Aa  11.] 

Wien : Verein  zur  Verbreitung  naturwissenschaftlicher  Kenntnisse.  — 
Schriften,  Bd.  XXXVIII.  [Aa  82.] 

Wien:  K.  K.  naturhistorisches  Hofmuseum.  — Annalen,  Bd.  XII,  Nr.  2 — 4; 
Bd.  XIII,  Nr.  1.  [Aa  280/ 

Wien:  Anthropologische  Gesellschaft.  — MittheiL,  Bd.  XXVII,  Heft  6; 
Bd.  XXVIII,  Heft  1—4.  [Bd  1.] 

Wien:  K.  K.  geologische  Reichsanstalt.  — Verhandl.,  1897,  Nr.  14  — 18; 

1898,  Nr.  1 — 12.  [Da  16.]  — AbhandL,  Bd.  XVII,  Heft  4.  [Da  1.] 
Wien:  K.  K.  zoologisch-botanische  Gesellschaft.  — Verhandl.,  Bd.  XLVII. 
[Aa  95.] 

Wien:  Naturwissenschaftlicher  Verein  an  der  Universität. 

Wien:  Central  - Anstalt  für  Meteorologie  und  Erdmagnetismus.  — Jahr- 
bücher, Jahrg.  1894  und  1897.  [Ec  82.] 


35 


3.  Rumänien. 

Bukarest : Institut  meteorologique  de  Roumanie.  — Annales,  tome  XII,  1896. 
[Ec  75.] 

4.  Schweiz. 

Aarau : Aargauische  naturforschende  Gesellschaft.  — Mitteil.,  Heft  VIII. 
[Aa  317.] 

Basel:  Naturforschende  Gesellschaft.  — Verhandl.,  Bd.  XII,  Heft  1.  [Aa  86.] 
Bern : Naturforschende  Gesellschaft. 

Bern : Schweizerische  naturforschende  Gesellschaft. 

Chur : Naturforschende  Gesellschaft  Grauhündens.  — Jahresber.,  n.  F., 
Jahrg.  XXXVI,  XL  und  XLI.  [Aa  51.] 

Frauenfeld : Thurgauische  naturforschende  Gesellschaft.  — Mitteil.,  Heft  13. 
[Aa  261.]  ^ ^ 

Freiburg : Societe  Fribourgeoise  des  Sciences  naturelles.  — Compte  rendu, 
1893—97.  [Aa  264.] 

St.  Gallen:  Naturforschende  Gesellschaft.  — Bericht  für  1895  — 96.  [Aa  23.] 
Lausanne:  Societe  Vaudoise  des  Sciences  naturelles.  — Bulletin,  4.  ser., 
yoI.  XXXIII,  no.  126;  vol.  XXXIV,  no.  127 — 129.  [Aa  248.] 

Neuchatel : Societe  des  Sciences  naturelles. 

Schaffhausen:  Schweizerische  entomologische  Gesellschaft.  — Mittheil., 
Vol.  X,  Heft  2—4.  [Bk  222.] 

Sion:  La  Murithienne,  societe  Valaisanne  des  Sciences  naturelles.  — 
Bulletin,  fäsc.  XXVI.  [Ca  13.] 

Zürich:  Naturforschende  Gesellschaft.  — Viertel]  ahrsschr. , Jahrg.  42, 
Heft  3 — 4;  Jahrg.  43,  Heft  1—3.  [Aa  96.]  — Neujahrsblatt  für  1898. 
[Aa  96b.] 

Zürich:  Schweizerische  botanische  Gesellschaft.  — Berichte,  Heft  8.  [Ca  24.] 


5.  Frankreich. 

Amiens:  Societe  Linneenne  du  nord  de  la  France.  — Memoires,  tome  IX, 
1892  — 98.  [Aa  252  b.]  — Bulletin  mensuel,  tome  XIII,  no.  283 — 292. 
[Aa  252.] 

Bordeaux:  Societe  des  Sciences  physiques  et  naturelles.  — Memoires, 
ser.  5,  tome  I — II;  III,  cah.  1;  proces-verbaux,  annee  1896  — 97. 
[Aa  253.] 

Cherbourg:  Societe  nationale  des  Sciences  naturelles  et  mathematiques.  — 
Memoires,  tome  XXX.  [Aa  137.] 

Dijon:  Academie  des  Sciences,  arts  et  belles  lettres.  — Memoires,  ser.  4, 
tome  V.  [Aa  138.] 

Le  Mans:  Societe  d’agriculture,  Sciences  et  arts  de  la  Sarthe.  — Bulletin, 
tome  XXVIII,  fase.  2 — 3.  [Aa  221.] 

Lyon:  Societe  Linneenne.  — Annales,  tome  43 — 44.  [Aa  132.] 

Lyon:  Societe  d’agriculture,  d’histoire  naturelle  et  des  arts  utiles.  — 
Annales,  ser.  7,  tome  4.  [Aa  133.] 

Lyon:  Academie  nationale  des  Sciences,  belles  lettres  et  arts.  — Memoires, 
ser.  3,  tome  4.  [Aa  139.] 

Paris:  Societe  zoologique  de  France.  — Bulletin,  tome  XXII.  [Ba  24.] 

Toulouse:  Societe  Franchise  de  botanique.  - Bulletin  mensuel,  tome  XIII, 
Nr.  147—156.  [Ca  18.] 


36 


6.  Belgien. 

Brüssel : Societe  royale  malacologique  de  Belgique.  — Annales,  tome 
XXVIII — XXX [,  fase.  1.  [Bi  1.]  — Proces-verbaux  des  seances,  tome 
XXV— XXVII,  Jan. — Juli.  [Bi  4.] 

Brüssel:  Societe  entomologique  de  Belgique.  — Annales,  tome  41.  [Bk  13.] 
— Memoires,  tome  VI.  [Bk  13  b.] 

Brüssel:  Societe  royale  de  botanique  de  Belgique.  — Bulletin,  tome  XXXVI. 
[Ca  16.] 

Gembloux:  Station  agronomique  de  l’etat.  — Bulletin,  no.  64  — 65. 
[Hb  75.] 

Lüttich:  Societe  geologique  de  Belgique. 

7.  Holland. 

Gent:  Kruidkundig  Genootschap  „Dodonaea“. 

Groningen:  Naturkundig  Genootschap.  — 97.  Verslag,  1897.  [Je  80.] 
Hartem:  Musee  Teyler.  — Archives,  ser.  II,  vol.  V,  p.  4;  vol.  VI,  p.  1 — 2. 

[Aa  217.]^  ^ ; . 

Hartem:  Societe  Hollandaise  des  Sciences.  — Archives  Neerlandaises, 
ser.  II,  tome  I,  livr.  4—5;  tome  II,  livr.  1.  [Aa  257.] 

8.  Luxemburg. 

Luxemburg:  Societe  botanique  du  Grandduche  de  Luxembourg.  — Recueil 
des  memoires  et  des  travaux,  no.  XIII.  [Ca  11.] 

Luxemburg:  Institut  royal  grand-ducal. 

Luxemburg:  Verein  Luxemburger  Naturfreunde  .,Fauna‘;. — Mittheil.,  1897. 
[Ba  26.] 

9.  Italien. 

Brescia:  Ateneo.  — Commentari  per  Fanno  1897.  [Aa  199.] 

Catania:  Accademia  Gioenia  di  scienze  naturale.  — Atti,  ser.  IV,  vol. 

10 — 11.  — Bollettino,  fase.  L,  LH— LIV.  [Aa  149.] 

Florenz:  B.  Instituto.  — Sect.  f.  Physik  und  Naturgesch.,  Bd.  19  — 21; 

Sect.  f.  Medicin,  7.  Publicat.  [Aa  229.] 

Florenz:  Societa  entomologica  Italiana.  — Bullettino,  anno  XIX.  [Bk  193.] 
Mailand:  Societa  Italiana  di  scienze  naturali.  — Atti,  vol.  XXXVII, 
fase.  2—3.  [Aa  150.] 

Mailand:  R.  Instituto  Lombardo  di  scienze  e lettere.  — Rendiconti,  ser.  2. 

vol.  XXX.  [Aa  161.]  — Memorie,  vol.  XVIII,  fase.  2-5.  [Aa  167.J 
Modena:  Societa  dei  naturalisti. 

Padua:  Societa  Veneto  Trentina  di  scienze  naturali.  — Bullettino,  tomo  VI, 
no.  3.  [Aa  193b.] 

Parma:  Redazione  del  Bullettino  di  paletnologia  Italiana.  — Bullettino, 
ser.  III,  anno  XXIII,  no.  7 — 12;  anno  XXIV,  no.  1—3.  [G  54.] 

Pisa:  Societa  Toscana  di  scienze  naturali.  — Processi  verbali,  vol.  X 
(22.  XI.  96—4.  VII.  97);  vol.  XI  (28.  XI.  97—1.  V.  98).  [Aa  209.] 

Rom:  Accademia  dei  Lincei.  — Atti,  Rendiconti,  ser.  5,  vol.  V— VII, 
2.  sem.,  fase.  1 — 10.  [Aa  226.] 

Rom:  R.  Comitato  geologico  dTtalia. 


37 


Turin : Societä  meteorologica  Italiana.  — Bollettino  mensuale,  sei*.  II, 
Y0l.  XVII,  no.  9—12;  vol.  XVIII,  no.  1-8.  [Ec  2.] 

Venedig : R.  Instituto  Veneto  cli  scienze,  lettere  e arti. 

Verona:  Accademia  di  Verona.  — Memoire,  ser.  III,  vol.  LXXIII,  fase.  1 — 2. 
[Ha  14.] 

10.  Grossbritannien  und  Irland. 

Dublin:  Royal  geological  society  of  Irland. 

Edinburg:  Geological  Society.  — Transactions,  vol.  VII,  p.  3.  [Da  14.] 
Edinburg:  Scottish  meteorological  society.  — Journal,  3.  ser.,  no.  13 — 14. 
[Ec  3.] 

Glasgow:  Natural  history  society.  — Transactions,  vol.  V,  p.  1.  [Aa  244.] 
Glasgow:  Geological  society. 

Manchester:  Geological  society.  — Transactions,  vol.  XXV,  p.  12—15, 
20-21.  [Da  20.]  . 

Newcastle-upon-Tyne:  Tyneside  naturalists  field  club,  und:  Natural  history 
society  of  Northumberland,  Durham  and  Newcastle-upon-Tyne.  — 
Nat.  history  transactions,  vol.  XIII,  p.  2.  [Aa  126.] 


11.  Schweden,  Norwegen. 

Bergen:  Museum.  — Aarbog  for  1897.  [Aa  294.] 

Christiania:  Universität.  — Universitets- Programm  for  2.  sem.  1894. 
[Aa  251.] 

Christiania:  Foreningen  til  Norske  fortidsmindesmerkers  bevaring.  — Aars- 
beretning  for  1896.  [G  2.]  — Kunst  og  handverk  fra  Norges  fortid, 
2.  Reihe,  2.  Heft.  [G  71.] 

Stockholm:  Entomologiska  Föreningen.  — Entomologisk  Tidskrift,  Arg.  18. 
[Bk  12.1 

Stockholm:  K.  Vitterhets  Historie  och  Antiqvitets  Akademien.  — Antiquarisk 
Tidskrift,  Del  XVI,  4.  [G  135.]  — Mänadsblad,  1894.  [G  135  a.] 

Tromsoe:  Museum.  — Aarsberetning  1894.  [Aa  243.] 

Upsala:  The  geological  institution  of  the  university.  — Bulletin,  vol.  III,  p.  2 
(no.  6),  1897.  [Da  30.] 

12.  Russland. 

Ekathar inenhur g:  Societe  Ouralienne  d’amateurs  des  Sciences  naturelles.  — 
Bulletin,  tome  XVI,  livr.  2;  tome  XVII;  tome  XtX,  livr.  1.  [Aa  259.] 

Helsingfors : Societas  pro  fauna  et  flora  fennica. 

Kharkow:  Societe  des  naturalistes  ä l’universite  imperiale.  — Travaux, 
tome  XXXI  u.  XXXII.  [Aa  224.] 

Kiew:  Societe  des  naturalistes.  — Memoires,  tome  XIV,  livr.  2;  tome  XV, 
livr.  1 — 2.  [Aa  298.] 

Moskau:  Societe  imperiale  des  naturalistes.  — Bulletin,  annee  1897,  no.  2 — 4; 
annee  1898,  no.  1.  [Aa  134.] 

Odessa:  Societe  des  naturalistes  de  la  Nouvelle-Russie.  — Memoires,  tome 
XXI,  p.  2;  tome  XXII,  p.  1.  [Aa  256.] 

Petersburg:  Kais,  botanischer  Garten.  — Acta  horti  Petropolitani,  tom.  XIV, 
fase.  2.  [Ca  10.] 


38 


Petersburg : Comite  geologique. — Bulletins,  vol.  XVI,  no.  3 — 9;  vol.  XVII, 
no.  1 — 5;  supplem.  au  tome  XVI.  [Da  23.]  — Memoires,  vol.  XVI,  no.  1. 
[Da  24.] 

Petersburg : Physikalisches  Centralobservatorium.  — Annalen,  Jahrg.  1896. 

[Ec  ?.]  . / 

Petersburg : Academie  imperiale  des  Sciences.  — Bulletin,  nouv.  serie  V, 
tome  VII,  no.  2—5;  tome  VIII,  no.  1—4.  [Aa  315.] 

Petersburg : Kaiserl.  Russische  mineralogische  Gesellschaft.  — Verhanal., 
2.  Ser.,  Bd.  35.  [Da  29.] 

Riga:  Naturforscher -Verein.  — Korrespondenzblatt,  XL— XLI.  [Aa  34.] 


II.  Amerika. 

1.  Nord -Amerika. 

(Canada,  Vereinigte  Staaten,  Mexiko.) 

Albany : New  York  state  museum  of  natural  history. 

Baltimore : John  Hopkins  university.  — University  circulars,  vol.  XVII, 
no.  134  — 136.  [Aa  278.]  — American  journal  of  mathematics,  vol.  XIX; 
XX,  no.  1—3.  [Ea  38.]  — American  Chemical  journal,  vol.  XIX,  5—10; 
vol.  XX,  no.  1—7.  [Ed  60.]  — Studies  in  histor.  and  politic.  Science, 
ser.  XV,  no.  6—12;  ser.  XVI,  no.  1 — 9.  [Fb  125.]  — American  journal 
of  philology,  vol.  XVIII;  XIX,  1.  [Ja  64.] 

Berkeley:  University  of  California.  — Departement  of  geology,  Register 
f.  1896—97.  [Da  31.]  — Agriculturial  experiment  Station,  bull.  116 — 
119;  report  of  1895—96.  [Da  31  b.J 
Boston:  Society  of  natural  history.  — Proceedings,  vol.  XXVHI,  p.  1 — 12. 
[Aa  111.] . 

Boston:  American  academy  of  arts  and  Sciences.  — Proceedings,  new  ser., 
vol.  XXXII — XXIII;  XXXIV,  1.  — Memoirs,  vol.  V,  no.  3.  [Aa  170.] 
Buffalo:  Society  of  natural  Sciences.  — Bulletin,  vol.  V,  no.  5;  vol.  VI,  no.  1. 
[Aa  185.] 

Cambridge:  Museum  of  comparative  zoology.  — Annual  report  for 
1896 — 1897.  — Bulletin,  vol.  XXVIII,  no.  4 — 5;  vol.  XXXI,  no.  5 — 7; 
vol.  XXX II,  no.  1-8.  [Ba  14.] 

Chicago:  Academy  of  Sciences. 

Chicago : Field  Columbian  Museum.  — Publications  12  — 13,  21 — 28. 
[Äa  324.] 

Davenport:  Academy  of  natural  Sciences. 

Halifax:  Nova  Scotian  institute  of  natural  Science.  — Proceedings  and 
transactions,  2.  ser.,  vol.  II,  p.  3.  [Aa  304.] 

Lawrence:  Kansas  University.  — Quarterly,  series  A:  science  and  mathe- 
matics, vol.  VI,  no.  2;  vol.  VII,  no.  3.  [Aa  328.] 

Madison:  Wisconsin  Academy  of  Sciences,  arts  and  letters.  — Transactions, 
vol.  XI.  [Aa  206.] 

Mexiko:  Sociedad  cientifica  „Antonio  Alzate“.  — Memorias  y Revista, 
tomo  X,  cuad.  5 — 12;  tomo  XI,  cuad.  1 — 8.  [Aa  291.] 

Mihvaukee:  Wisconsin  natural  history  society. 

Montreal : Natural  history  society.  — The  canadian  record  of  science, 
vol.  VII,  no.  6 — 7.  [Aa  109.] 


39 


New  -Häven : Connecticut  academy  of  arts  and  Sciences. 

New- York:  Academy  of  Sciences.  — Annals,  vol.  IX,  no.  6 — 12;  vol.  X; 

yoI.  XI,  no.  1 — 2.  [Aa  101.]  — Transactions,  vol.  XVI.  [Aa  258.] 
New -York:  American  museum  of  natural  liistory. 

New- York:  State  geologist. 

Philadelphia:  Academy  of  natural  Sciences.  — Proceedings,  1897,  p.  II— III; 
1898,  p.  I.  [Aa  117.] . 

Philadelphia:  American  philo sophical  society.  — Proceedings,  vol.  XXXV, 
no.  153;  vol.  XXXVI,  no.  155—156;  vol.  XXXVII,  no.  157.  [Aa  283.] 
Philadelphia : Wagner  free  Institute  of  Science.  — Transactions,  vol.  V. 
[Aa  290.] 

Philadelphia : Zoological  society.  — Annual  report  26.  [Ba  22.] 
Pochester:  Academy  of  Science. 

Pochester:  Geological  society  of  America. 

Salem:  Essex  Institute.  — Bulletin,  vol.  XXVI,  no.  7—12;  vol.  XXVII; 

vol.  XXVIII,  no.  1—6;  vol.  XXIX,  no.  1—6.  [Aa  163.] 

San  Francisco:  California  academy  of  Sciences.  — Occasional  papers, 
vol.  V.  [Aa  112b.] 

St.  Louis:  Academy  of  Science.  — Transactions,  vol.  VII,  no.  17—  20; 
vol.  VIII,  no.  1—7.  ■ [Aa  125.] 

St.  Louis:  Missouri  botanical  garden.  — 3.  annual  report,  1892.  [Ca  25/ 
Topeka:  Kansas  academy  of  Science.  — Transactions,  vol.  XV.  [Aa  303. 
Toronto:  Canadian  institute.  — Proceedings,  5.  ser.,  vol.  I,  p.  4—6;  Supplem. 

to  vol.  V,  p.  1.  [Aa  222.]  — Transactions,  vol.  V,  p.  2.  [Aa  222  b.] 
Tufts  College : Studies,  no.  V.  [Aa  314.] 

Washington : Smithsonian  institution.  — Report  of  tbe  U.  St.  nat.  museum, 
1893-95.  [Aa  120c.] 

Washington : United  States  geological  survey.  — XVII.  annual  report,  1895 
bis  1896,  p.  1—2.  [De  120a.]  — Bulletin,  no.  87,  127,  130,  135 — 148. 
[De  120b.]  — Monographs,  vol.  XXV— XXVIII  mit  Atlas.  [De  120c.] 
Washington:  Bureau  of  education. 

Washington:  Geograph,  and  geolog.  survey  of  the  Rocky  mountain  region. 

2.  Süd -Amerika. 

(Argentinien,  Brasilien,  Chile,  Costarica.) 

Buenos- Aires:  Museo nacional.  — Communicaciones,  tomol,  no.l.  [Aa  147b.] 
Buenos- Aires : Sociedad  cientifica  Argentina.  — Anales,  tomo  XLIV, 
tomo  5 — 6;  tomo  XLV ; tomo  XL VI,  entr.  1 — 4;  Inhaltsverzeichnis 
d.  B.  1—40.  [Aa  230.] 

Cordoba : Academia  nacional  de  ciencias.  — Boletin,  tomo  XV,  entr.  4. 
[Aa  208  b.] 

Montevideo : Museo  nacional.  — Anales,  fase.  I— III,  VIII — IX.  [Aa  326. 
Pio  de  Janeiro:  Museo  nacional. — Revista,  vol.  I (=  Archivos,  vol.  IX).  [Aa211. 
San  Jose : Instituto  fisico-geografico  y del  museo  nacional  de  Costa- Rica.  — 
Informe  1897—98.  [Aa  297.] 

Säo  Paulo:  Commissao  geographica  e geologica  de  S.  Paulo.  — Boletim, 
1897,  no.  10—14.  [Aa  305  a.] 

La  Plata : Museum.  — Revista,  tomo  VIII.  [Aa  308.] 

Santiago  de  Chile:  Deutscher  wissenschaftlicher  Verein. 


40 


III-  Asien. 

Batavia : K.  natuurkundige  Vereeniging.  — Natuurk.  Tijdsclirift  voor 
Nederlandsch  Indie,  Deel  57.  — Boekwerken,  1897.  [Aa  250.] 

Calcutta : Geological  survey  of  India.  — Records,  vol.  XXX,  no.  4.  [Da  11.] 
— Memoirs,  vol.  XXV;  XXVI;  vol.  XXVII,  p.  2.  [Da  8.]  — Palaeon- 
tologica  Indica,  Ser.  XV,  vol.  1,  p.  1,  vol.  2,  p.  1;  Ser.  XVI,  vol.  1, 
p.  1—3.  [Da  9.] 

Tokio : Deutsche  Gesellschaft  für  Natur-  und  Völkerkunde  Ostasiens.  — 
Supplem.:  Ehmann,  japan.  Sprichwörter,  Th.  II — IV.  [Aa  187.] 


IV.  Australien. 

Melbourne : Mining  department  of  Victoria.  — Annual  report  of  the  secretary 
for  mines,  1897.  [Da  21.] 


B.  Durch  Geschenke. 

Aquila:  Zeitschrift  für  Ornithologie,  Jahrg.  II — IV.  [Bf  68.] 

Baden  b.  Zürich:  Ein  römischer  Militärhospital  in  Baden  bei  Zürich. 

(Gesch.  des  Herrn  Dr.  Gründler.)  [G  143.] 

Boettger , 0. : Katalog  der  Reptiliensammlung  im  Museum  der  Sencken- 
bergischen  naturforschenden  Gesellschaft  in  Frankfurt  a.  M.  II.  Teil. 
(Schlangen).  [Bg  28b.] 

Brandes , W.\  Verzeichniss  der  in  der  Provinz  Hannover  vorkommenden 
Gefässpflanzen.  1897.  [Cd  117.] 

Calcutta:  Pamir  boundari  commission.  — Report  on  the  natural  history 
results.  1898.  [Ab  86.] 

Central -Commission,  k.  k.,  für  Erforschung  und  Erhaltung  der  Kunst- 
und  historischen  Denkmale:  Normative  und  Berichte.  Wien  1895,  1897. 
[G  142.] 

Clemen,  P.:  Die  Denkmalpflege  in  der  Rheinprovinz.  1896.  [G  141.] 
Conklin,  E.:  The  embryology  of  Crepidula.  1897.  [Bm  57.] 

Credner , H.\  Die  sächsischen  Erdbeben  während  der  Jahre  1889  — 97. 
Sep.  1898.  [De  137  h.] 

Dathe,  E.\  Bemerkungen  zum  schlesisch-sudetischen  Erdbeben  vom  11.  Juni 
1895.  Sep.  1898.  [De  196k] 

Daubree,  A.:  Sein  Leben  und  seine  Werke.  Von  Bertrand,  1896.  [Jb  77.] 
France,  P. : Der  Organismus  der  Craspedomonaden.  Sep.  1897.  [Bm  58.] 
Friedrich,  0.:  Die  geologischen  Verhältnisse  der  Umgebung  von  Zittau. 
Progr.  1898.  [De  109  b.] 

Gebirgsverein  für  die  Sächsische  Schweiz:  Ueber  Berg  und  Thal,  237 — 244. 
[Fa  19.] 

Geinitz,  E.\  Mittheil.  a.  d.  Grossherzogi.  Mecklenburgischen  geologischen 
Landesanstalt.  Mergellager  in  Sandgebieten.  Sep.  1898.  [De  217  e.] 
Grus,  G.\  Zäkladove  theoreticke  astronomie.  1897.  [Ea  45.] 

Hannover:  Provinzial- Museum.  — Verzeichniss  der  vorhandenen  Säuge- 
thiere  und  Vögel.  [Bf  71  u.  72.] 


41 


Hauser , 0.:  Das  Amphitheater  Vindonissa.  1898.  [G  189.] 

Kohaut , R.:  Die  Libellen  Ungarns.  1896.  [Bk  242.] 

KHz,  M.:  Ueber  die  Quartärzeit  in  Mähren.  Sep.  1898.  [De  238.] 
Kurländer , J. : Erdmagnetische  Messungen  in  Ungarn  in  den  Jahren  1892 
bis  1894.  [Ec  88.] 

Laube,  G.:  Die  geologischen  Verhältnisse  des  Mineralgebietes  von  Giess- 
hübel-Sauerhrunn.  [De  140  f.] 

Lewicki,  E .:  Ueber  Centrifugalguss.  Sep.  1898.  [Hb  127.] 

Maiden,  J.\  Botanic  gardens  and  domains  in  Sydney.  [Cd  118.] 
Mindesmaerker  fra  oltiden.  — National  müsset,  1.  afd.  Koppenhagen,  1891 
bis  1896.  [G  136.] 

Nessig , W.  R.:  Geologische  Excursionen  in  der  Umgegend  von  Dresden. 
Progr.  II.  Teil,  1897.  [De  236.] 

Osirisblatt : Der  Lange.  1.  Jahrg.  1861,  1 — 6;  2.  Jahrg.  1862,  14;  3.  Jahrg. 
1863,  16—21 , 24-25;  5.  Jahrg.  1866,  27-28.  (Gesch.  des  Herrn 
Geh.  Rath  Prof.  Dr,  Geinitz.)  [Ja  78.] 

Raleigh : Elisha  Mitchell  scientific  society.  — Journal,  vol.  XIV.  [Aa  300.] 
Salonique : Bulletin  annuaire  de  la  Station  meteorologique  pres  du  Gymnas 
pour  l’annee  1897.  [Ec  89.] 

Sars,  G.:  An  account  of  the  Crustacea  of  Norway,  vol.  II,  p.  9 — 12.  [Bl  29  b.] 
Schneider,  0.:  Die  Tierwelt  der  Nordsee-Insel  Borkum.  Sep.  1898.  [Bk  63.] 
Schube,  Th.:  Die  Verbreitung  der  Gefässpflanzen  in  Schlesien.  [Cd  116.] 
Stossich,  M.:  Saggio  di  una  Fauna  elmintologica  di  Trieste  e Provincie 
contermini.  Sep.  1898.  [Bm  54bb.] 

Temple , R.\  Thierschutzfreundliche  Besprechungen.  1897.  [Bb  62.] 
Töpler,  M. : Geschichtete  Entladung  in  freier  Luft.  Sep.  1897.  [Eb  44c.] 
Verein  zur  Erhaltung  der  Denkmäler  der  Provinz  Sachsen.  Jahresber.  1 
bis  III,  1894-96.  [G  140.] 

Voretzsch , M.:  Die  Stätte  des  Herzogi.  Ernst -Realgymnasiums  in  Alten- 
burg. Sep.  [Aa  69.] 

Weber , Fr.:  Die  Hügelgräber  auf  dem  bayrischen  Lechfeld.  Sep.  1898. 
[G  138.] 

Weber,  Fr.:  Zur  Frage  der  keltischen  Wohnsitze  im  jetzigen  Deutschland. 
Sep.  1897.  [G  138a.] 

W.ilisch,  E.:  Zur  Vorgeschichte  des  Oybin.  1897.  [G  137.] 


C.  Durch  Kauf. 

Abhandlungen  der  Senckenbergischen  naturforschenden  Gesellschaft, 
Bd.  XXI,  Heft  1—2;  Bd.  XXIV,  Heft  1-3.  [Aa  9.] 

Anzeiger  für  Schweizer  Alterthümer,  Jahrg.  XXX,  Nr.  2 — 4;  XXXI,  Nr.  1 — 3. 

[G  1.] 

Anzeiger,  zoologischer,  Jahrg.  XXI,  Nr.  549 — 576.  [Ba  21.] 

Bronn's  Klassen  und  Ordnungen  des  Thierreichs,  Bd.  III  (Mollusca),  Lief. 
30—34;  Suppl.,  Lief.  11 — 20;  Bd.  IV  (Vermes),  Lief.  56—58;  Suppl., 
Lief.  5—13;  Bd.  V,  Abth.  2 (Crustacea),  Lief.  47—52;  Bd.  VI,  Abth.  4 
(Aves),  Lief.  50 — 52;  Abth.  5 (Mammalia),  Lief.  51 — 53.  [Bb  54.] 
Hedivigia,  Bd.  37.  [Ca  2.] 

Jahrbuch  des  Schweizer  Alpenclub.  Jahrg.  33.  [Fa  5.] 

Monatsschrift,  deutsche  botanische,  Jahrg.  16.  [Ca  22.] 

Nachrichten,  entomologische,  Jahrg.  14.  [Bk  235.]  (Vom  Isis-Lesezirkel.) 


42 


Natur , Jahrg.  46.  [Aa  76.]  (Vom  Isis-Lesezirkel.) 

Falaeontographical  society,  London,  vol.  L — LI.  [Da  10.] 

Prähistorische  Blätter , Jahrg.  X.  [G  112.] 

Wochenschrift , naturwissenschaftliche,  Bd.  XIII.  [Aa  311.]  (Vom  Isis-Lese- 
zirkel.) 

Zeitschrift  für  die  gesammten  Naturwissenschaften,  Bd.  70,  Nr.  3— -6; 

Bd.  71,  Nr.  1—3.  [Ca  98.] 

Zeitschrift  für  Meteorologie,  Bd.  16.  [Ec  66J 

Zeitschrift  für  wissenschaftliche  Mikroskopie,  Bd.  XIV,  Heft  3 — 4;  Bd.  XV, 
Heft  1 — 2.  [Ee  16.] 

Zeitschrift , Oesterreichische  botanische,  Jahrg.  48.  [Ca  8.] 

Zeitung , botanische,  Jahrg.  56.  [Ca  9.] 

Abgeschlossen  am  31.  December  1898. 

C.  Schiller, 
Bibliothekar  der  „Isis“. 


Zu  besserer  Ausnutzung  unserer  Bibliothek  ist  für  die  Mitglieder  der 
„Isis“  ein  Lesezirkel  eingerichtet  worden.  Gegen  einen  jährlichen  Beitrag 
von  3 Mark  können  eine  grosse  Anzahl  Schriften  bei  Selbstbeförderung 
der  Lesemappen  zu  Hause  gelesen  werden.  Anmeldungen  nimmt  der  Biblio- 
thekar entgegen. 


Abhandlungen 

der 

Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft 

ISIS 


in  Dresden. 


1898. 


IV.  Ueber  ein  Doppeltrogrefractoineter  und  Unter- 
suchungen mit  demselben  .an  Lösungen  von  Bromcad- 
uiium,  Zucker,  Di-  und  Trichloressigsäure  sowie  deren 

Kaliumsalzen. 

Yon  Wilhelm  Hallwachs. 


§ 1.  Einleitung. 

Vor  einiger  Zeit  habe  ich  eine  Differentialmethode  mit  streifender 
Incidenz  zur  Bestimmung  der  Unterschiede  der  Lichtbrechungsverhältnisse 
von  Lösungen  beschrieben*).  Diese  Methode  eignet  sich  insbesondere  für 
verdünnte  Lösungen  und  gestattet  Brechungsunterschiede  bis  zu  etwa 
3X10“4  hinab  mit  grosser  Genauigkeit  auszuwerthen,  also  in  einem 
Gebiet  zu  arbeiten,  welches  sonst  nur  mit  dem  Interferentialrefractor  zu 
erreichen  ist.  Sie  füllt  eine  Lücke  aus,  zwischen  dem  mit  letzterem 
ohne  unbequem  grosse  Streifenzahlen  oder  zu  dünnen  Flüssigkeitsschichten 
zu  durchmessenden  Gebiet  und  demjenigen,  welches  mit  den  gewöhnlichen 
Prismen-  oder  totalrefractometrischen  Methoden  genügend  grosse  Ab- 
lenkungen ergiebt. 

Früher  konnte  ich  die  Methode  nur  durch  wenige  Versuche  stützen. 
Inzwischen  ist  dieselbe  von  Herrn  Tornöe  in  die  technische  Bieranalyse 
eingeführt  worden**).  In  letzter  Zeit  habe  ich  die  Müsse  gefunden  die 
Methode  weiter  zu  verfolgen  und  durch  Messungen  damit  völlig  sicher 
zu  stellen.  Früher  war  1.  c.  das  Umfüll  verfahren  angewendet  worden, 
weil  gerade  nur  zwei  geeignete  Planplatten  zur  Verfügung  standen.  Unter 
Anwendung  von  drei  Planplatten  lässt  sich  das  Umfüllen  vermeiden,  indem 
statt  dessen  der  Trog  von  entgegengesetzten  Seiten  her  beobachtet  wird. 


*)  W.  Hallwachs,  Wied.  Ann.  50,  1893,  p.  577. 

**)  W.  Hallwaöhs,  68.  Naturforschervers.  1896,  II,  1,  p.  54;  H.  Tornöe, 
Spectrometrisch-aräometrische  Bieranalyse  mit  Hilfe  des  Differentialprisma’s  von  Hallwachs. 
Zeitschr.  für  das  gesammte  Brauwesen  (München,  Oldenbourg)  XX,  1897;  E.  Prior, 
Bayerisches  Brauerjournal  (Nürnberg,  Tümmel)  VII,  1897,  p.  469;  s.  a.  Pharmaceutische 
Centralhalle  (Berlin,  Springer)  38,  1897,  p.  871.  Herr  Tornöe  hat  Tafeln  berechnet, 
welche  gestatten,  direct  aus  den  mittelst  meiner  Methode  gewonnenen  Ablesungen  und 
dem  aräometrisch  bestimmten  specifischen  Grewicht  der  Biere  Alkohol-  und  Extractgehalt  zu 
entnehmen.  Diese  Tafeln  sind  im  Verein  mit  einem  von  Herrn  Tornöe  zum  vorliegenden 
Zweck  möglichst  einfach  construirten  Spectrometer  und  Doppeltrog  von  Schmidt  & Haensch 
für  265  M.  zu  beziehen. 


50 


Dieses  zweite  Verfahren  benutzte  schon  Herr  Tornöe,  der  sich  für  seine 
Zwecke  mit  einem  Trog  aus  Spiegelglas  begnügen  konnte.  Die  grösste 
Schärfe  der  Beobachtungen  ergiebt  sich,  wenn  sowohl  umgefüllt  als  auch 
hei  jeder  Füllart  von  entgegengesetzten  Seiten  beobachtet  wird. 

Das  Folgende  geht  einerseits  auf  die  Methode  selbst  weiter  ein,  giebt 
die  Theorie  des  Umdrehverfalirens,  Untersuchungen  über  den  Genauigkeits- 
grad, den  Temperatureinfluss  u.  s.  w.,  andererseits  sucht  es  durch  geeignete 
Wahl  der  Messobjecte  eine  Vervollständigung  meiner  früheren  Unter- 
suchungen über  Lichtbrechung  und  Dichte  zu  liefern*).  Dieser  Gegen- 
stand erhielt  in  letzter  Zeit  weitere  Förderung  durch  Arbeiten  von 
Dijken**)  in  derselben  und  solche  von  Leblanc  und  Rohland***)  in 
ähnlicher  Richtung. 

§ 2.  Yersuchsanordnung.f) 

Die  Glasplatten  für  den  Doppeltrog  lieferte  Steinheil  ff).  Während 
Stirn-  und  Rückplatte  (B.  u.  C.  Fig.  1),  welche  aus  dickerem  Glas  bestehen 
können,  so  gut  waren,  dass  ihr  Keilwinkel  unter  0,5"  blieb,  dem  kleinsten 
mit  meinen  Mitteln  noch  erkennbaren  Betrag,  hatte  die  nothwendigerweise 
dünnere  Scheidewand  einen  solchen  von  4".  Durch  geeignetes. Ausschneiden 
dieser  Platte  aus  dem  Ganzen  wurde  erstrebt,  die  brechende  Kante  mög- 
lichst horizontal  zu  stellen,  was  soweit  gelang,  dass  in  einem  Horizontal- 
schnitt der  Keilwinkel  nur  noch  1,3"  betrug  (s.  p.  61).  Das  Zusammen- 
kitten des  Troges,  dessen  weitere,  aus  Spiegelglas  bestehende  Platten 
ebenfalls  von  Steinheil  herrührten,  besorgte  ich  selbst  und  verwendete 
dabei  theilweise  Asphalt,  da  das  früher  verwendete  Wachs  und  Colophonium 
bei  Temperaturänderungen  zuweilen  abspringt,  was  Aenderungen  der 
Trogwinkel  veranlasste.  Hart  gewordener  Asphaltlack  mit  etwas  Chloro- 
form dickflüssig  in  der  Wärme  angerührt,  kittete  ausserordentlich  constant. 
Der  Winkel  / (Fig.  1)  . zwischen  Stirn-  und  Rückplatte  betrug  z.  B. 
Januar  1898  4'  2",  August  1898  wieder  4'  2".  Da  der  Nonius  des  Spectro- 
metersfff)  20"  angab  und  5"  im  Allgemeinen  zu  schätzen  gestattete,  ist 
die  Uebereinstimmung  beider  Werthe  zum  Theil  Zufall. 

Um  die  erforderliche  Temperaturconstanz  zu  erhalten,  befand  sich 
das  Spectrometer  in  einem  fensterlosen  Zimmer  des  Sockelgeschosses, 
welches,  rings  von  anderen  Zimmern  umgeben,  keine  Aussenwand  besass. 
Die  Temperatur  hielt  sich  viel  constanter  wie  in  den  „Räumen  für  constante 
Temperatur“  im  Keller,  welche  ich  früher  a.  a.  0.  benutzte.  Ueber  Nacht 
traten  nur  Aenderungen  von  0,1°  ein.  Durch  Heizen  der  einen,  Lüften 
der  anderen  umliegenden  Zimmer  und  Oetfnen  der  geeigneten,  vom 
Beobachtungsraum  zu  diesen  führenden  Thüren  liess  sich  die  Temperatur 
auch  während  des  Arbeitens  halten. 


*)  W.  Hallwachs,  Gott.  Nachr.  1892,  Nr.  9;  Wied.  Ann.  47,  1892,  p.  380; 
50,  1893,  p.  577;  53,  1894,  p.  1;  55,  1895,  p.  282.  | 

**)  Dijken,  De  Moleculairrefractie  van  verdunde  Zoutoplossingen.  Diss.  Groningen 
(Hoitsema)  1897;  s.  ferner  Borgesius,  Wied.  Ann.  54,  1895,  p 221. 

***)  Leblanc  und  Hohl  and,  Zeitschr.  f.  phys.  Chem.  XIX,  2,  1896,  p.  261;  s.  a. 
Leblanc,  1.  c.  IV,  1889,  p.  553. 

f)  S.  a.  Wied.  Ann.  50,  1893,  p.  580  und  581. 
ff)  Tröge  aus  prima  Glas  wird  derselbe  zu  ca.  90  M.  incl.  Kittung  (Asphalt)  liefern, 
fff)  Das  Spectrometer  hatte  mir  Herr  A.  Toepler  die  Freundlichkeit  zu  leihen, 
wofür  ich  ihm  auch  hier  meinen  besten  Dank  ausspreche. 


51 


Eine  Nische  von  120  cm  Höhe  ging  nach  einem  der  Nebenzimmer 
durch  eine  60  cm  starke  Wand  hindurch.  Vom  Beobachtungsraum  schloss 
dieselbe  ein  Glasfenster,  vom  Nebenraum  ein  Holzladen  ab.  In  der 
Nische  befand  sich  oben  eine  Glühlampe,  welche  den  Beobachtungsraum 
erleuchtete,  und  in  der  Höhe  des  Spectrometers  die  Natriumflamme  für 
die  Versuche.  Letztere  wurde  mit  Na  Br  gespeist,  um  auch  bei  sehr 
geringen  Brechungsdifferenzen  die  genügende  Lichtstärke  zu  erhalten. 

Zur  Beinigung  des  mit  Klebwachs  auf  dem  Spectrometer  befestigten 
Troges  dienten  wie  früher  Schlauchpipetten,  zum  Umrühren  kleine  Federchen. 
Alle  zu  verwendenden  Flüssigkeiten  wurden  vor  der  Einfüllung  auf  die 
Temperatur  des  Beohachtungsraumes  gebracht,  gewöhnlich  dadurch,  dass 
sie  über  Nacht  darin  standen. 

Die  Temperaturbestimmung  der  Flüssigkeiten  geschah  gewöhnlich 
mit  einem  in  1j10,  zuweilen  mit  einem  in  1/50  Grad  getheilten  Thermometer. 
Im  Allgemeinen  lag  ein  Deckel  auf  dem  Trog.  Zwei  am  Bande  des 
letzteren  aufgehängte  Blenden  schlossen  die  eine  Troghälfte  vorn,  die 
andere  hinten  gegen  das  Licht  ab,  z.  B.  im  Fall  der  Fig.  1,  bei  Beobachtung 
von  Sj  aus  die  linke  Hälfte  von  B und  die  rechte  von  C.  Namentlich 
bei  kleinen  Brechungsdifferenzen  ist  der  dadurch  erzielte  Schutz  des 
Beobachters  gegen  Blendung  unerlässlich.  Bei  den  Nonienablesungen 
lieferte  ein  Glühlämpchen  das  Licht. 


§ 3.  Theorie  des  Umdreirangs  Verfahrens. 


Der  folgende  Paragraph  enthält  die  Herleitung  der  Beziehung  zwischen 
den  mittelst  des  „Umdrehungsverfahrens“  (s.  nächster  Absatz)  beobachteten 
Winkeln  und  der  Brechungs- 
differenz der  beiden 
Flüssigkeiten  unter  Berück- 
sichtigung der  Unvoll- 
kommenheit des  Paral- 
lelismus zwischen  Stirn- 
und  Bückplatte,  sowie  der 
Keilförmigkeit  und  der 
Orientirungsfehler  der 
Scheidewand.  Auch  der  im 
Allgemeinen  zu  vernach- 
lässigende Einfluss  von  Keil- 
förmigkeit der  Stirn-  und 
Bückplatte  gelangt  zur  Be- 
sprechung. Die  an  der 
Grundformel 


n — nA  = 


sin2c* 

rrr*)' 


welche  auch  hier  gilt,  anzu- 
bringenden Correctionen  fallen,  wenn  auch  die  Herleitung  derselben  nicht 
ganz  kurz  abgemacht  werden  kann,  schliesslich  doch  sehr  einfach  aus. 


;)  Wied'.  Ann.  50,  1893,  p.  577. 


52 


Beim  „Umdrehungsverfahren“  tritt  zuerst  das  Licht  von  Lt  aus 
(Fig.  1)  in  die  mit  Wasser  (bezw.  der  Flüssigkeit  mit  n0)  gefüllte  Zelle  D 
und  dann  in  die  Scheidewand  A ein.  Der  letztere  streifende  Strahl  ist 
in  der  Figur  eingezeichnet.  Das  auf  unendlich  stehende  Fernrohr  wird 
zuerst  auf  die  in  der  Richtung  S4  auftretende  Grenze  zwischen  hell  und 
dunkel  eingestellt  und,  nachdem  sodann  die  Lichtquelle  nach  L4  verbracht 
ist,  auf  die  in  der  Richtung  S4  erscheinende  Grenze.  Statt  die  Lichtquelle 
zu  verstellen,  dreht  man  einfacher  das  ganze  Spectrometer  auf  seinem 
Zapfen  so  herum,  dass  die  Richtung  L4  von  der  Lichtquelle  bestrichen 
werden  kann.  Während  dessen  muss  der  Trog  mit  seinem  Theilkreis 
bezw.  seinen  Nonien  fest  verbunden  bleiben. 

Es  ist  aufzusuchen  die  Beziehung  des  gemessenen  2$.  S4  S4  zu  den 
Winkeln  a±  und  welche  diese  Richtungen  mit  den  Normalen  Nß  und  Nc 
der  Rück-  und  Stirnplatte  machen,  und  der  Zusammenhang  von  a±  und  cq 
mit  dem  Brechungsunterschied  n — n0  der  in  E und  D befindlichen 
Flüssigkeiten. 

Es  mögen  bezeichnen  (vergl.  Fig.  1): 
y den  sehr  kleinen  Winkel  zwischen  den  möglichst  parallel  auf- 
zukittenden Platten  B und  C;  er  ist  positiv  gerechnet,  wenn  seine 
Spitze  nach  der  Zelle  mit  dem  grösseren  Brechungsexponent  n 
hin  liegt  (wie  in  der  Figur  gezeichnet),  anderenfalls  ist  er  negativ; 
d den  Keil winkel  der  Scheidewand  A;  für  denselben  berücksichtigt 
die  folgende  Rechnung  Werthe  von  1 — 5".  Feinste  Planplatten 
haben  zwar  geringere  Winkel,  aber  nur  bei  genügender  Dicke, 
die  für  die  Scheidewand  des  Temperaturausgleichs  halber  nicht 
anwendbar  ist; 

sv  e2,  f3,  s4  den  Ueberschuss  der  Winkel,  welchen  die  Scheidewand 
mit  der  Stirn-  und  Rückplatte  bildet,  über  90°; 

N den  Brechungsexponent  der  Scheidewand; 
n,  n0  den  höheren  bezw.  den  tieferen  der  Brechungsexponenten  der 
beiden  Flüssigkeiten;  in  unserem  Falle  bezieht  sich  n0  auf  Wasser; 

eq  und  die  Winkel,  welche  die  Grenzstrahlen  S4  und  S4  mit  der 
Normale  Nc  bezw.  NB  bilden; 

N'  die  Abkürzung  für  yN2 — nj; 
cp  den  2$.  S4  S4. 

Dann  ist,  wie  früher  hergeleitet*) 

1)  sin  = (l  — |)  'Sjv?  — (n0  — N'  S) 2 + s±  (n0  — N'  &). 

Mittelst  entsprechender  Herleitung  würde  sich  finden: 

2)  sin  «4  = (l  y n2-K  + N' + *4  (n0  + N'  <f). 

Aus  der  Figur  folgt: 

3)  st  + €4  + y ==  0,  sowie  s2  + s5  — y =?  0, 
letzteres  wird  später  gebraucht. 

Indem  wir  die  Summe  der  Gleichungen  1)  und  2)  bilden,  vernach- 
lässigen wir  erstens  das  unter  der  Wurzel  auftretende  Glied  von  der 


:)  Formel  7 a in  Wied.  Ann.  50,  1893,  p.  582. 


53 


Ordnung  d2,  ferner  das  Glied  N'd  (s4  — sj,  welche  bei  einem  d von  selbst 
5"  und  Werthen  s von  selbst  10'  zusammen  nur  einen  Fehler  liefern,  der 
höchstens  3,6X10~6  des  Ganzen  beträgt,  nämlich  dann,  wenn  die 


geringsten  zu  messenden  n — n0  (etwa  0, 00027)  vorliegen.  Ebenso  sind 


und  X gegen  die  1 zu  vernachlässigen,  wodurch  sich,  für  den  Extrem- 

2 

fall,  dass  die  e auf  10'  ansteigen,  n — n0  erst  um  8 Milliontel  seines 
Werthes  ändert.  Die  Erreichung  einer  solchen  Genauigkeit  würde  ver- 
langen, dass  die  Winkel  auf  0,i",  die  Temperaturdifferenzen  der  Trog- 
hälften auf  0,0015°  bekannt  wären  und  zwar  für  mittlere  Wertlie  von 
n — n0  z.  B.  0,02.  Für  grössere  n — n0  würde  proportional  damit  die 
Genauigkeit  der  Winkelmessungen  steigen  müssen,  die  der  Temperatur- 
bestimmung fallen  dürfen. 

Mit  diesen  Vernachlässigungen  erhalten  wir  durch  Addition  von  1) 
und  2)  unter  Berücksichtigung  von  3) : 


no 


2 n0  d N'. 


sin  a±  + sin  -ff  n0  y = n2  — nj  -ff  2 n0  d N'  -ff  ^ ri 

Nach  Einführung  der  halben  Summe  und  Differenz  der  Winkel  und 
Quadriren  ergiebt  sich,  wenn  noch  zur  Abkürzung 


c*i  + 

2 — a 

gesetzt,  und  das  Glied 
vernachlässigt  wird: 

4)  4 sin  2cc  cos  2£  -ff  4 n0  y sin  a cos  £ 


a , 


2 


= { 


no  (€i  + 2 = Ho  y2 


“»(“-«[i+V'-cSS]- 


Hierin  kann  cos  £ im  zweiten  Glied  gleich  1 gesetzt  werden;  ebenso 
cos  2£  des  ersten  Gliedes,  denn  nach  Subtraction  von  1)  und  2)  erhält  man: 

t = «0  (®i  + I)  + no  N'  X 


5) 


sin  cc 

um  welchen  cos2£  von  der  Einheit 

2';  Z-jil';  <)  < 1,5")  Wertlie 
2 


Danach  nimmt  £2,  der  Betrag 

abweicht,  z.  B.  hei  einem  guten  Trog  (^<1 

zwischen  0,08XlO-5  und  0,2  X 10-5,  bei  einem  schlechten  Trog  (^  = 10'; 
y — 5';  d = 5")  Werthe  von  2,5  bis  3,sX10~5  an.  Der  durch  die  Ver- 
nachlässigung bewirkte  Fehler  ist  an  sich  schon  sehr  klein,  wird  aber 
überdies  zum  Theil  noch  durch  die  oben  vorgenommene  Vernachlässigung  der 
£2 

Grössen  compensirt. 

Auf  der  rechten  Seite  der  Gleichung  4)  entsteht  aus  der  Klammer 
nach  dem  Ausziehen  der  Wurzel  der  Ausdruck 


2 


r n2d2N'H 

L (n2 — nl)2J 


(n — h|) 

Bei  einer  schlechten  Scheidewand,  d = 5",  bewirkt  die  Vernachlässigung 
des  Correctionsgliedes  in  dieser  Klammer  absolut  genommen  im  Maximum, 
nämlich  bei  den  verdünntesten  der  messbaren  Lösungen,  nur  eine  Aenderung 


54 


um  4 — 5 Einheiten  der  siebenten  Decimale  des  Brechungsverhältnisses, 
bei  einer  guten  Scheidewand,  d = 1,5",  eine  solche  von  2 — 3 Einheiten 
der  achten  Decimale,  so  dass  diese  Vernachlässigung  ebenfalls  vorzu- 
nehmen ist. 

Nach  Einführung  der  erwähnten  Vereinfachungen  erhalten  wdr  dann: 


6a) 


sin  2 a 

r \~ 

n + n0 


n + n0 


y sin  a. 


Diese  Formel  setzt  voraus,  dass  sich  die  Flüssigkeit  mit  dem 
grösseren  Brechungsexponent  n in  der  Troghälfte  befindet,  welche  nach 

der  Spitze  des  Winkels  y zu 
liegt  (Fig.  2).  Ist  umgekehrt 
derartig  eingefüllt,  dass  n nach 
der  Oeffnung  von  y liegt,  so 
tritt  eine  Ablenkung  a ' ein 
(Fig.  3),  und  fx  in  der  Formel  6a) 
erhält,  da  y sein  Zeichen 
wechselt,  ebenfalls  entgegen- 
gesetztes Zeichen.  Es  ergiebt 
sich  also: 


6 b) 


n — n. 


sm -1 a 


n + n0 


[X. 


Die  Beobachtung  liefert  nun 
nicht  direct  a und  a\  sondern 
den  von  Sx  und  S4  ein- 
geschlossenen 2$.  <p,  bezw.  nach  Umfüllung  einen  2$.  <p Für  diese 
Winkel  hat  man  (Fig.  1,  2 und  3): 


ftyJ. 


T\ 


7 a)  2 a — 180  — cp  — y 
7b)  2 2=  180  — y'+y. 

Da  hiernach  die  beob- 
achteten Winkel  doch  eine 
Correction  erfordern,  ist 
es  bequemer  auch  die  in  6) 
vorkommende  Correction 
[x  statt  am  Resultat  am 
abgelesenen  Winkel  anzu- 
bringen. Diese  Correction 
des  Winkels  heisse  Ja 
bezw.  Ja',,  dann  ist 
nach  6) 


8) 


A f N 2 sin  a cos  a . 

A (n — n0)  = — Aa. 


55 


Es  soll  nun 


A (n  — n0)  = db  u = d= 


n, 


y sm  m 


0 1 n + n0 

gemacht  werden,  wo  sich  das  obere  Vorzeichen  auf  Fall  a (Fig.  2),  das 
untere  auf  b (Fig.  3)  bezieht.  Dann  findet  sich: 

-Y-  1 — ; AK>=  n0y 

2 cos  a * 


Au  = -f- 


2 COS  M 

Nennen  wir  den  wegen  corrigirten  Winkelf  mcott,  so  ist 


180 


9) 


| ^corr  d-  

)^corr  = ^ + J^-180“^ 


— jp  , y_ 
2 ^ 2 


(sfH 

(ä-1)' 


2 K \COS  M 

Für  kleine  Werthe  von  m nimmt  die  Correction  den  einfachen  Werth 

— 1 . y 

— y,  speciell  falls  n0  sich  auf  Wasser  bezieht  dt  --  an,  so  dass  in 


2 : 0 

letzterem,  häufigsten  Fall 

180  — (p 


(%corr  


2 


y . 
6 ’ 


180  — cp ' 
2~ 


ist.  Mcorr  und  m' corr  würden  bei  absolut  richtiger  Beobachtung  einander 
gleich  sein,  ihr  Unterschied  liefert  daher  ein  Urtheil  über  die  Genauigkeit 
der  Beobachtungen;  y lässt  sich  natürlich  mit  grosser  Genauigkeit  direct 
bestimmen. 

Unter  Einführung  von  Mcorr  erhalten  wir  als  Schlussformel 
10)  sin^corr 


^corr 


180  — cp  _J_  y 

I 2 iS  2 


wo  cp  der  beobachtete  Winkel,  y der  Trogwinkel  ist  (s.  pag.  52), 
und  das  obere  Vorzeichen  gilt,  falls  die  Flüssigkeit  mit  n nach 
der  Spitze,  das  untere,  falls  sie  nach  der  Oeffnung  des  2$.  y hin 
liegt  (Fig.  2 und  3). 

Genauigkeit  der  Formel.  Die  weitere  Ueberrechnung  der  Fehler 
zeigt,  dass  sämmtliche  eingeführten  Vernachlässigungen  im  Zusammen- 
wirken das  Resultat  n— n0  nur  um  1 — -2  Milliontel  seines  Werthes  bei 
sehr  guten  Trögen  (s  = 2';  y = 2';  d = 1,5"),  um  1 bis  2X10-5  bei  schlech- 
teren Trögen  (e  = 10' ; y — 5';  d = 5"-)  beeinflussen.  Zur  Erzielung  letzterer 
Genauigkeit  müssten  indess  die  Winkel  auf  einige  Zehntelsecunden  scharf 
beobachtet  sein,  was  sich  natürlich  nicht  erreichen  lässt.  Die  einfache 
Schlussfor  m el  1 0)  berü  ck  sich  tigt  da  her  alle  Co  rrectionen,  welche 
erforderlich  sind,  um  keine  den  Beobachtungsfehlern  gegenüber 
in  Betracht  kommenden  Fehler  in  n — ;n0  zu  veranlassen. 

Wird  für  die  nämlichen  Flüssigkeiten  auf  beide  Weisen,  a und  b, 
beobachtet,  so  liefert  6a)  und  6b),  da  sich  pi  weghebt: 

sin2&  4-  sin2ß:' 
n — n0  = jr-7 — r v — 

2 (n  + n0) 


56 


Berechnen  wir  abkürzend: 

2 « = «-|-«' 


(180  — <p)  + (180  — ($') 
2 


2 7]  — «— «' 


(pf — (f  — 2 y 
~~ 2 ’ 


so  ergiebt  sieb  durch  Vereinigen  der  beiden  Sinus,  wenn  der  im  Laufe  der 


Rechnung  bei  sin2«  auftretende  Factor 
setzt  wird: 


in 


sm 


n -f-  n0 

Die  soeben  eingeführte  Vernachlässigung  ist  zulässig,  wie  nach  Aus- 
rechnung von  sin2«' — sin2«  aus  6a)  und  6b),  welches 

= _ 2 

^ 3 cos« 


liefert,  leicht  erhellt. 

Einfluss  der  Keilförmigkeit  von  Stirn-  und  Rückplatte. 
Dieser  Einfluss  kann  bei  nicht  zu  starker  Abweichung  vom  Planparallelismus 
immer  vernachlässigt  werden  Hat  nämlich  die  Platte,  durch  welche  der 
Strahl  austritt,  den  Keilwinkel  fl',  so  wird  die  beobachtete  Ablenkung  « 
unrichtig  um 

& = ± V Vn2  + tgV  (N2—  1). 


Die  Wurzel  durchläuft  von  « = 0 bis  « = 45°  die  Werthe  von  1,5 
bis  1,9,  so  dass  also  die  beobachteten  Winkel  um  1,5  bis  1,9  X fl'  zu  gross, 
bezw.  bei  umgekehrter  Lage  des  Keils  zu  klein  ausfallen. 

«)  Bei  der  Umfüllmethode  fällt,  falls  nur  die  Flächen  der  Platten 
eben  sind,  der  Fehler  ganz  heraus,  weil  nach  Vertauschung  der  Flüssig- 
keiten der  entgegengesetzt  gleiche  Fehler  eintritt. 

ß)  Bei  dem  Umdrehverfahren  fällt  unter  derselben  Voraussetzung  der 
Fehler  heraus,  wenn  noch  Stirn-  und  Rückplatte  denselben  Keilwinkel 
haben  und  entgegengesetzt  liegen.  Sind  im  letzteren  Fall  die  Keilwinkel 
verschieden  (fl'  und  fl"),  so  ist  der  Fehler  1,5  bis  1,9  (fl' — fl")  und  liegen 
selbst  die  Kanten  nach  derselben  Seite,  so  wird  der  Fehler  immer  erst 
1,5  bis  1,9  (fl'-f-  fl").  Da  bei  meinen  Platten  die  fl  weniger  als  0,5"  betragen, 
betrüge  der  Fehler  nur  1,5"  in  diesem  ungünstigsten  Fall. 

Bei  schlechteren  Platten  wird  man  die  Ablenkung  eines  geeigneten 
Objectes  (Spalt)  beobachten,  welche  bei  Zwischenschaltung  des  leeren 
Troges  entsteht,  sie  giebt  den  Fehler  bei  ß)  für  kleine  2$.  a direct  an,  für 
grössere  wäre  sie  mit  den  angegebenen  Factoren  zu  berechnen,  z.  B.  für 
1 9 

« ==  45°  mit  — 1,27;  für  30°  mit  1,09;  für  15°  mit  1,02  zu  multipliciren. 
1,5 


§ 4.  Genauigkeit  der  Methode. 

Zur  Beurtheilung  der  Genauigkeit  der  Methode  diente  eine  Reihe  von 
Bestimmungen  mit  verdünnten  wässrigen  Lösungen  gegen  Wasser,  bei 
welchen  alle  vier  Einstellungen  S4,  S2,  S3,  S4  zur  Aufnahme  gelangten. 
Indem  dann  z.  B.  an  S4  S4  und  S2  S3  die  Correctionen  des  vorigen  Paragraphen 


57 


(s.  Gleichung  9)  angebracht  wurden,  ergab  der  Grad  der  Uebereinstimmung 
der  beiden  daraus  erhaltenen  Wertbe  aco rr  und  a'corr  einen  Massstab  für 
die  Genauigkeit. 

Der  zur  Correction  erforderliche  Winkel  y findet  sich  aus  directer 
Messung  mittelst  gespiegeltem  Fadenkreuz  mit  genügender  Genauigkeit. 
Während  beim  Umdrehverfahren  die  Correction  die  Ordnung  y sin  a hat, 
hat  sie  beim  Umfüllverfahren  die  Ordnung  (ohne  den  Factor  sin  a). 
Die  directe  Bestimmung  des  nur  nach  wenig  Secunden  zählenden  Winkels  S 
reicht  deshalb,  aussergewöhnlich  feine  Hilfsmittel  ausgenommen,  hier  nicht 
aus.  Man  benutzt  deshalb  das  Verfahren  selbst  zur  Ermittelung  von  d, 
wobei  sich  unter  Anwendung  geeigneter,  mittlerer  Werthe  von  n — n0  leicht 
d in  50facher  Vergrösserung  einer  scharfen  Messung  darbietet,  so  dass 
die  Methode  zur  Bestimmung  des  Keilwinkels  von  Planplatten  sehr 
gut  ist. 

Die  in  der  folgenden  Tabelle  mitgetheilten  Messungen  wurden  mit 
verdünnten  Tri-  und  Dichloressigsäurelösungen  gegen  Wasser  ausgeführt, 
sie  finden  später  weitere  Verwendung.  Die  beiden  ersten  Spalten  ent- 


halten die  beobachteten  Werthe 


180  — (f 
"2 


und 


180 


<P 


2 


, die  dritte  Spalte 


die  nach  9)  anzubringende  Correction.  Der  darin  vorkommende  Winkel  y 
betrug  4'  2"  (s.  § 2) ; für  a in  der  Correction  dient  natürlich  der  un- 
corrigirte  Werth  davon.  Spalte  4 und  5 enthalten  die  mittelst  Spalte  3 
erhaltenen  Werthe  ccC0 rr,  die  sechste  Spalte  giebt  die  Differenzen  der  jeweils 
zusammengehörigen  gj,  iri  der  letzten  Spalte  finden  sich  die  zugehörigen 
Werthe  n — n0.  Die  Sicherheit  der  Einstellung  auf  die  Grenze  wächst  mit 
Vergrösserung  von  n—  n0. 


Tabelle  I. 


180  -cp 

2 

180  — cp' 

2 

Z(-n»  _i) 

2 \cos  a J 

ttcorr 

a'corr 

Ja  = 

^(«corr— w'corr) 

n — n0 

1°  43'  3,5" 

1°  44'  27" 

40,4" 

1°  13'  43,9" 

1°  43'  46,e" 

-1,4" 

0,0003414 

2°  25'  21" 

2°  26'  48,5" 

40,4" 

2°  26'  1,4" 

2°  26'  8,1" 

— 3,4" 

6768 

3°  25'  47,5" 

3°  26'  52,3" 

40,7" 

3°  26'  28,2" 

3°  26'  11,6" 

+ 8,0" 

13487 

4°  49'  44  8" 

4°  51'  2,2" 

41, 0" 

4°  50' 25,s" 

4°  50'  21,2" 

+ 2,3" 

2667 

6°  49'  38,5" 

6°  50'  53,2" 

41,5" 

6°  50'  20,o" 

6°  50'  11,7" 

+ 4,2" 

5306 

9°  37'  55,o" 

9°  39'  0,6" 

42,6" 

9°  38'  37,e" 

9°  38'  18, 0" 

+ 9,8" 

10478 

13°  36'  48, 0" 

13°  36'  13,e" 

44,s" 

13°  35'  32,8" 

13°  35'  28,s" 

+ 2,0" 

0,020553 

1°  32'  40,9" 

1°  34'  2,3" 

40,4" 

1°  33'  21,3" 

1°  33'  21,9" 

—0,3" 

0,0002765 

2°  9' 20,s" 

2°  10'  39  6" 

40,4" 

2°  10'  1,2" 

2°  9'  59,2" 

+1,0" 

5359 

3°  0'  52,ö" 

3°  2' 14,5" 

40,6" 

3°  1'  33,i" 

3°  1'  33,9" 

— 0,4" 

10446 

5°  51'  38, 0" 

5°  52'  49,5" 

41,2" 

5°  52' 19,2" 

5°  52'  8,3" 

+5,4" 

0,003918 

Man  wird  bei  Messungen  nach  dieser  Methode  gewöhnlich  nur  eine 
der  beiden  Bestimmungen,  a oder  vornehmen.  Die  Abweichung  eines 
dieser  Werthe  von  ihrem  Mittel  giebt  also  ein  Mass  des  für  gewöhnlich 


zu  erwartenden  Fehlers,  sie  ist  gleich 


ac  — ac' 

~~2~ 


welcher  Werth  jetzt  unter 


58 


Aa  verstanden  wird, 
in  (n— n0): 

12) 


Wir  haben  dann  für  den  Aa  entsprechenden  Fehler 


A , \ sin  2a  . . 

A (n — nft)  = — : Aa  und 

n + n0 

A (n — n0) 2 Aa 

n — n0  ~ tga 


Damit  ergieht  sich  aus  der  obigen  Tabelle,  dass  A (n — n0)  im  Durch- 
schnitt 1,46X10-6  beträgt,  dass  also  der  Brechungsexponent  relativ  zu 
Wasser  bis  auf  etwa  IX 10-6  seines  Werthes  gefunden  wird.  Diese 
Genauigkeit  reicht  nahe  an  diejenige  heran,  welche  bei  den  schärfsten 
Dichtebestimmungen  von  Lösungen  erreicht  wurde*),  ausserdem  überstreicht 
die  Methode  ein  Intervall  der  n — n0,  welches  einerseits  in  das  Gebiet 
des  Interferentialrefractors,  andererseits  in  das  der  gewöhnlichen  Prismen- 
und  totalreflectometrischen  Methoden  eingreift. 

Was  andererseits  die  relative  Genauigkeit  betrifft,  so  beträgt  dieselbe  im 
Durchschnitt  etwa  4X10-4.  Zur  quantitativen  Beurtheilung  der  Werthe  Aa 
der  Tabelle  I möge  die  Bemerkung  dienen,  dass  in  jedes  Aa  sechs  Spec- 
trometereinstellungen  eingehen:  je  zwei  für  <p,  cp'  und  y.  Da  die  directe 


Messung  180 — (p  und  180 — cp\  d.  h.  2 a und  2 a'  giebt,  während  Aa 


2 


ist,  würden  also,  falls  sich  die  einzelnen  Einstellungsfehler  im  Zusammen- 
wirken addiren,  Aa  ein  Viertel  von  vier  Einstellungsfehlern  haben,  oder 
der  Fehler  von  Aa  würde  etwa  dem  einer  Einstellung  gleich  kommen. 
Daran  fügt  sich  dann  noch  der  durch  y bewirkte  Fehler,  der  aber  sehr 
klein  ist,  da  y nur  mit  etwa  seinem  sechsten  Theil  auf  das  Resultat  wirkt. 

Nun  gab  der  Nonius  des  Spectrometers  direct  20",  im  Allgemeinen 
waren  5"  zu  schätzen,  aber  ein  Ablesefehler  von  10"  ist  wohl  auch 
öfters  unterlaufen,  besonders  auch  weil  an  manchen  Stellen  der  Theilung 
die  letzte  Schätzung  von  der  Beleuchtungsweise  der  Theilung  nicht  ganz 
unabhängig  war.  Die  Winkelwerthe  gingen  gewöhnlich  aus  2 — 3,  bei  der 
zweiten  und  achten  Bestimmung  der  obigen  Tabelle  aus  5 Einzeleinstellungen 
hervor.  Nimmt  man  dies  hinzu,  so  ergiebt  sich,  dass  die  Werthe  von 
Aa  etwa  bis  zu  5"  hin  durch  die  Ablesefehler  des  Spectrometers  erklärt 
werden  könnten. 


Hierzu  kommen  nun  noch  die  Fehler  beim  Einstellen  auf  die  Grenze 
und  die  Temperaturfehler,  über  letztere  s.  § 5.  Berücksichtigt  man  dies, 
so  erklären  sich  die  Werthe  Aa  der  Tabelle  nicht  nur,  sondern  die  Fehler 
bei  kleinen  Werthen  von  An  erweisen  sich  als  geringer  wie  wegen  der 
ungenaueren  Einstellung  auf  die  Grenze  bei  verdünnteren  Lösungen 
erwartet  werden  kann.  Bei  An  unterhalb  0,003  würde  ein  feineres  Spec- 
trometer  zwecklos  sein,  bei  den  concentrirteren  Lösungen,  bei  denen  die 
Grenzeinstellung  äusserst  scharf  ist,  würde  dadurch  an  Genauigkeit  noch 
gewonnen  werden  können.  Der  verhältnissmässig  grosse  Werth  von  Aa 
in  der  sechsten  Reihe  der  Tabelle  beruht  wohl  auf  einer  kleinen  Unschärfe 
der  Theilstriche;  im  Beobachtungsjournal  ist  ,, Ablesungsschwierigkeit  des 
Nonius“  notirt,  der  verhältnissmässig  grosse  Werth  von  a aber  erst  bei 
der  leider  nur  sehr  viel  später  möglichen  Ausrechnung  bemerkt  worden, 


s)  F.  Kohlrausch  u.  W.  Hallwachs,  Wied.  Ann.  53,  1894,  p.  14. 


59 


als  eine  Wiederholung  der  Beobachtung  nicht  mehr  möglich  und  auch 
für  die  anderen  Zwecke  der  Beobachtungen  (s.  § 8)  nicht  erforderlich  war. 

Als  Beleg  für  die  Genauigkeit  der  Einzelbeobachtungen  mögen  zunächst 
die  Einzelwerthe  der  Versuchsreihe,  welche  der  ersten  Beobachtung  der 
Tabelle  (in  = 3,4XlO~4)  entspricht,  mitgetheilt  werden,  aus  welchen 
zugleich  der  Gang  der  Beobachtungen  ersichtlich  ist. 


Tabelle  II. 


1h2  o 

t Lösung 

Stellung 

Nr.  der 
Ablesung 

Nonius  I 

Nonius  II 

12,25° 

12,25° 

s2 

1 

85°49'10" 

265°  48'  30' 

2 

49'  8" 

48' 30' 

S8 

1 

262°19'55" 

82°  20' 27' 

2 

20' 10" 

20' 45' 

s2 

1 

85°49'25" 

265°48'37' 

2 

49' 22" 

48' 35' 

12,69° 

12,71° 

Umgefüllt 

12,22° 

12,20° 

S, 

1 

82° 24'  5" 

'262°  23' 25' 

2 

23' 45" 

23'  5' 

s4 

1 

265°  49' 10" 

85°  49' 38' 

2 

49' 20" 

49' 48' 

s. 

1 

82°23'45" 

262°  22' 55' 

2 

23' 52" 

23'  5' 

12,51°  12,54° 


Daraus  würde  sich  ein  mittlerer  Einstellungsfehler  von  etwa  9"  er- 
gehen. Ueber  die  Berücksichtigung  der  Temperatur  siehe  § 5. 

Als  zweites  Beispiel  diene  die  letzte  Beobachtung  von  Tabelle  I,  wo 
An  etwa  den  zehnfachen  Werth  wie  im  vorigen  Falle  hat,  und  die  Ein- 
stellungen wegen  der  grösseren  Lichtstärke  viel  schneller  von  statten  gehen 
und  wohl  auch  genauer  sind.  Die  zusammengehörigen  Paare  von  Minuten 
und  Secunden  anzugeben  ist  ausreichend.  Man  erhält: 


19' 55" 

19'  10" 

83'  35" 

34' 10" 

35' 40" 

35' 10" 

18'  28" 

19'  0" 

6' 5" 

6' 30" 

49' 52"  49' 5" 

00 

5" 

30" 

5" 

40" 

10" 

25" 

18'  50" 

5" 

40" 

ö 

o 

Je  4 Zahlen  entsprechen  derselben  Trogstellung,  der  Verticalstrich 
dazwischen  trennt  die  Werthe  der  beiden  Nonien.  Hier  bleibt  der  mittlere 
Fehler  einer  Einstellung  etwas  unter  4".  Genauere  Abschätzung  als  auf 
5",  wie  sie  in  den  vorigen  Angaben  enthalten  sind,  haben  nur  unter- 
geordneten Werth,  da  der  Nonius  direct  20"  liefert. 

Es  ist  erforderlich,  für  sehr  helles  Licht,  namentlich  bei  den  ver- 
dünntesten Lösungen,  Sorge  zu  tragen,  auch  gelingt  es  erst  nach  einiger 
Uebung,  die  Einstellungen  bis  zu  der  aus  den  angegebenen  Zahlen  ersicht- 
lichen Schärfe  zu  treiben.  Bei  den  Vorversuchen  waren  die  drei  ersten 
Lösungen  der  Tabelle  I zur  Einübung  schon  einmal  bestimmt  worden. 
Dabei  unterschieden  sich  die  Einzel ablesungen  erheblich  mehr.  Es  wird 


60 


indess  zum  Urtheil  darüber,  wie  weit  ein  ungeübter  Beobachter  kommt, 
dienen,  wenn  die  damals  erhaltenen  Werthe  hier  aufgeführt  werden. 


Vorversuche 
1°  44'  0" 
2°  25'  54" 
3°  26'  25" 


Hauptversuche 

1°  43'  45" 

2°  26'  5" 
3°  26'  20" 


Man  sieht,  dass  es  bereits  zu  Anfang,  um  den  ungünstigsten  Fall  zu 
nehmen,  kleine  n — n0,  z.  B.  3,4  X 10-4  so  genau  zu  messen  möglich  war, 
dass  die  Differenz  von  dem  schliesslich  erhaltenen  Werth  nur  x/2  °/0  beträgt. 

Es  möge  noch  darauf  hingewiesen  werden,  dass  es  besser  ist,  mit 
breitem  als  mit  schmalem  Licht  zu  arbeiten.  Eine  geeignete  Drehung 
des  ganzen  Spectrometers  bewirkt  nämlich,  dass  sich  das  Licht  auf  einen 
beliebig  schmalen  Streif  zusammenzieht,  der  auf  der  einen  Seite  von  der 
Einstellungsgrenze  und  dem  anschliessenden  dunkeln  Gebiet,  auf  der  andern 
Seite  von  einem  durch  Abblendung  verdunkelten  Gebiet  begrenzt  wird. 
Das  mit  der  Einstellungsgrenze  endigende  dunkle  Gebiet  erscheint  dann 
zwar  schwärzer,  aber  die  Grenze  ist,  da  auch  der  beleuchtete  Theil  dunkler 
ist,  weniger  scharf,  wodurch  die  Einstellung  unsichrer  wird.  Bei  möglichst 
ausgebreitetem  und  hellem  Licht  diesseits  der  Grenze  scheint  zwar  Anfangs 
infolge  von  Blendung  die  Grenze  matter,  indess  ist  sie  schärfer  und  ge- 
stattet bessere  Einstellung. 

Die  Bestimmung  von  d,  auf  welche  zu  Anfang  dieses  Paragraphen  ver- 
wiesen wurde,  möge  jetzt  erläutert  werden.  Gleichung  9)  der  früheren 
Arbeit*)  giebt: 


n — n. 


+ v, 


wo 


v = — d [l 


n+n0 
(n  — Dc)]  (N'—  f sin  a). 


a bedeutet  hier  den  halben  Winkel,  welchen  Sj  und  S2  der  Fig.  1 
dieser  hier  vorliegenden  Arbeit  einschliessen.  Analog  würde  man  für  den 
halben  Winkel  zwischen  S3  und  S4,  der  mit  «'  bezeichnet  werden  möge, 
erhalten 


sin2«' 


n — n, 


n + n0 

Durch  Subtraction  beider  Gleichungen  findet  sich  durch  eine  einfache 
Rechnung 

sin  («  + «') 

V~~  ^ “ 2(n  + n0)  ’ 

oder  wenn  man  den  vorher  angeführten  Werth  von  v einsetzt: 

13)  * «' — a sin  («+«') 


(n  + n0)  (l  — f-  (n— d0))  (N'—  ~ sin  a) 


Fällt  d positiv  aus,  so  liegt  die  Spitze  des  Keilwinkels  nach  derjenigen 
Platte  zu,  aus  welcher  die  den  2j.cd  bildenden  Strahlen  S3  und  S4  aus- 


*)  Wied.  Ann.  50,  1893,  p.  583. 


61 


treten  (in  Fig.  Platte  B),  fällt  4 negativ  aus,  so  liegt  sie  nach  der  andern 
Platte  zu. 

Die  Formel  zeigt,  dass  a' — a für  stärkere  Lösungen  sehr  klein  wird, 
so  dass  die  Ablesefehler  erheblichen  Einfluss  gewinnen,  für  schwächere 
Lösungen  sind  zwar  die  Werthe  af — a grösser,  aber  die  Einstellungsfehler 
auf  die  Grenze  ebenfalls.  Zur  Bestimmung  von  d eignen  sich  daher 
mittlere  Lösungen  am  besten,  etwa  solche,  welche  3/2  Minute  für  a' — a 
geben.  Dem  entsprechend  findet  sich  aus  der  dritten,  vierten  und  zweit- 
letzten Bestimmung  von  Tabelle  I (für  die  letzte  Lösung  wurden  cp  und  (p ' 
nicht  unmittelbar  hintereinander  bestimmt,  inzwischen  war  der  Trog  weg- 
genommen gewesen,  so  dass  a und  a'  nicht  zu  ermitteln  sind),  für  d die 
Werthe  1,34",  1,35"  und  1,24",  im  Mittel  l,3l",  bei  der  Verwerthung  aller 
Bestimmungen  der  Tabelle  I findet  sich  1,4"  für  den  Mittelwerth. 

Benutzt  man  diese  Werthe  von  d zur  Berechnung  der  Correction  v, 


so  finden  sich  die  Abweichungen  der  berechneten  Werthe 


von  den 


beobachteten  für  die  Bestimmungen  unter  Tabelle  I (ohne  die  letzte  Lösung) 
nach  der  dortigen  Beihenfolge  zu: 


10,5";  —11,8";  +0,5";  +l,i";  +1,6 


0,8";  +2,3";  — 0,8";  —3,5";  +3,o' 


woraus  der  Genauigkeitsgrad  von  Neuem  entnommen  werden  kann  und 
eher  noch  etwas  höher  wie  früher  bewerthet  würde. 


§ 5.  Temperatureinflüsse. 

Zweierlei  Temperaturcorrectionen  sind  zu  erörtern,  erstens  die  durch 
Unterschiede  der  Temperatur  in  den  beiden  Troghälften,  zweitens  die  durch 
Aenderung  der  Gesammttemperatur  veranlassten.  Die  ersteren  bleiben 
meist  sehr  klein,  um  sie  richtig  zu  messen,  müsste  eine  thermoelektrische 
Temperaturmessung  eingerichtet  werden.  Von  der  Erstrebung  der  damit 
zu  erreichenden  Vergrösserung  der  Genauigkeit  konnte  ich  in  den  meisten 
Fällen  bei  meinen  Versuchen  abstehen.  Ist  ß der  Temperaturcoefficient 
des  Brechungsexponenten  n0  (z.  B.  für  Wasser  bei  12,5°,  meine  Beobachtungs- 
temperatur, gleich  — 6 X 10-5)  und  t — 10  die  Temperaturdifferenz  der 
beiden  Troghälften,  so  würde  sich  n0  bei  der  Verbringung  der  Flüssigkeit 
mit  n0  auf  die  Temperatur  t vermehren  um  dn0: 

Jn0=/S  (t— 10). 

Die  damit  verknüpfte  Aenderung  von  a wäre  (siehe  auch  p.  58  Formel  12): 


14) 


Aa  — — 


3 Dp  ß 
sin  2 a 


(t— 10). 


Für  jedes  0,oi°,  um  welches  die  Temperatur  von  Flüssigkeit  n0  tiefer 
ist,  wie  die  von  n,  ist  daher  a um  einen  Betrag  Aa0,0 1 zu  vermehren, 
bezw.  bei  höherer  Temperatur  zu  vermindern,  der  sich  für  unser  Temperatur- 
intervall aus  folgender  Tabelle  für  verschiedene  Werthe  von  a ergiebt: 


a=  1.5°  3 6 12  24 

Aot  0,01=6,3"  3,1  1,6  0,8  0,46. 


Bei  meinen  Beobachtungen  heben  sich  diese  Correctionen  im  Mittel- 
werth von  a fast  überall  bis  auf  sehr  kleine  Beträge  heraus.  Bei  den 


62 


verdünnteren  Lösungen  wurden  sie  indess  angebracht,  insbesondere  für 
die  Bildung  der  im  vorigen  Paragraph  zur  Beurtheilung  der  Genauigkeit 


angegebenen  Werthe 


Die  Correctionen  sind  an  jeder  einzelnen  Ein- 


stellung S nicht  erst  an  den  daraus  resultirenden  Winkeln  (ß1  S2;  180 — Sj  S4 
u.  s.  w.)  anzubringen,  wobei  etwas  Vorsicht  wegen  des  Vorzeichens  noth- 
wendig,  zu  berücksichtigen  ist,  dass  die  a die  2$.  der  S mit  den  Platten- 
normalen bedeuten. 

Die  Abnahme  der  Brechungsdifferenz  mit  steigender  Gesammttemperatur 
wurde  für  die  untersuchten  Substanzen  beobachtet.  Aus  Gleichung  6 a) 
und  7a)  ergiebt  sich: 

15)  _ __  1 d (n— n0)  1 ä cp 

n — n0  dt  tg a d t ’ 

wo  y,  die  Bezeichnung  für  den  Temperaturcoefficienten  ist,  und  worin  statt 
( p natürlich  auch  cp'  genommen  werden  kann. 

Die  Bestimmung  ist  einfach  auszuführen,  indem  man  den  mit  Deckel 
versehenen  Trog,  nach  Vornahme  einer  Messung  nach  dem  Umdreh- 
verfahren in  einem  Raum  von  tieferer  Temperatur,  in  ein  Zimmer  von 
höherer  Temperatur  verbringt  und,  sobald  er  letztere  angenommen,  eine 
neue  Bestimmung  macht. 

Auf  diese  Weise  ergab  sich  (n0  bezieht  sich  immer  auf  Wasser)  für 


* 


Trichloressigsäure,  t;  = 8,  zwischen 
„ . ? v = 2,  „ 

Dichloressigsäure  , v = 0,2, 

,,  , v - — 1,0, 

Zucker,  v = 2,56, 

Bromcadmium,  v = 0,52, 


12,4  und  17,6°  (Jy  = 3'17")  2,18 -IO-3 

12,6  „ 17,6°  {Acp  = 6'  3")  2,08  • 10-3 

bei  12,5°  2,69 -IO-3 

„ 12,5°  3,03 -10-3 

„ 17,8°  0,95  • 10-3 

„ 18,6°  1,30 -IO”3. 


Alle  Beobachtungen  an  den  verschiedenen  Lösungen  eines  Körpers 
sind  mit  diesen  Temperaturcoefficienten  auf  dieselbe  Temperatur  reducirt 
worden.  Dabei  fanden  die  Correctionen  wieder  direct  an  den  beobachteten 
Winkeln  statt,  welche  um 

A(f  = 7t  (t  - tN), 

wo  t die  Beobachtungs-,  tN  die  Normaltemperatur,  vergrössert  wurden. 

Während  der  Ausführung  der  verschiedenen  Einstellungen  an  einer 
Lösung  geht  die  Gesammttemperatur  langsam  etwas  in  die  Höhe,  etwa 
0,2 — 0,3°,  wodurch  die  Einstellungen,  wie  sich  aus  den  vorstehend 
gegebenen  Temperaturcoefficienten  findet,  Aenderungen  von  einigen 
Secunden,  bei  den  concentrirtesten  Lösungen  etwas  mehr  (bis  12"  im 
Maximum)  erleidet.  In  den  meisten  Fällen  ist  durch  die  Anordnung  der 
Beobachtungen  schon  für  die  Elimination  dieses  Temperatureinflusses 
gesorgt,  indem  z.  B.  erst  S4  dann  S4,  dann  nochmals  S1  ermittelt  wurde. 
Durch  Anbringung  der  Temperaturcorrection  an  den  einzelnen  Beobachtungen 
ergab  sich  eine  Controle,  welche  fast  immer  zeigte,  dass  die  angegebene 
Anordnung  genügte. 

Im  Uebrigen  wurden  nicht  nur  die  an  einem  Flüssigkeitspaar  gewonnenen 
tp  und  (p\  sondern  wie  erwähnt  sämmtliche  der  nämlichen  Substanz  zu- 
gehörigen Messungen  auf  eine  gemeinsame  Mitteltemperatur  reducirt. 

Vielleicht  liesse  sich  die  Genauigkeit  durch  Anwendung  eines  Bades 
noch  etwas  vergrössern. 


/ 


63 


§ 6.  lieber  die  Abhängigkeit  des  Brechungsvermögens  von  Lösungen 

von  der  Concentration. 

In  einigen  früheren  Arbeiten  habe  ich  mich  mit  der  Abhängigkeit 
der  Lichtgeschwindigkeit  in  verdünnten,  wässerigen  Lösungen  von  deren 
Concentration  beschäftigt.  Es  zeigte  sich,  dass  die  molecularen  Brechungs- 
differenzen vAn,  wo  v die  Verdünnung  der  Lösung,  An  die  Brechungs- 
exponentdifferenz bedeutet,  auch  bis  in  sehr  grosse  Verdünnungen  hinein 
noch  in  vielen  Fällen  stark  ansteigen*). 

Da  die  grössere  oder  geringere  Stärke  dieses  Anstieges  im  Allgemeinen 
mit  der  Dissociation  der  Lösungen  parallel  lief  (1.  c.  p.  394),  lag  es  nahe, 
diese  für  die  Erklärung  heranzuziehen.  Indess  war  auch  der  Verlauf  des 
Molecularvolumens  mit  der  Verdünnung  zu  beachten,  welcher  zunächst 
für  so  verdünnte  Lösungen  noch  nicht  hatte  beobachtet  werden  können. 
Nachdem  er  bekannt  geworden  war**),  ergab  sich  das  Resultat***):  „der 
Gang  in  den  Werthen“  von  vAn  ist  „durch  den  Gang  des  sogenannten 
Molecularvolumens  bedingt:  die  Dichtigkeit  ist  es  im  Wesentlichen,  auf 
die  sich  constitutive  Einflüsse  (Dissociation)  geltend  machen,  das  Brechungs- 
vermögen wird  von  ihnen  nur  sehr  wenig  berührt.“  Letzteres  behielt 
nämlich  noch  einen  Rest  von  Zunahme,  der  indess  sehr  klein  war,  etwa 
l°/0  bei  Anwendung  der  R'- Formel.  Es  fragte  sich,  ob  dieser  Rest  noch 
weiter  erklärbar  sein  würde.  Es  konnte  die  mit  der  Verdünnung 
fortschreitende  Dissociation  einen  Einfluss  haben,  aber  es  konnten  auch 
andere  Umstände  einwirken,  denn  es  ergaben  z.  B.  auch  Lösungen  von 
Körpern,  die  sich  nicht  dissociiren,  wie  z.  B.  von  Zucker,  einen  Anstieg, 
auch  ist  das  Brechungsvermögen  von  Mischungen  nicht  aufeinander 
reagirender  Flüssigkeiten  aus  dem  Brechungsvermögen  der  Componenten 
nur  annäherungsweise  zu  berechnen  u.  A.  m.  Es  hat  sich  eben  bei  allen 
einschlägigen  Untersuchungen  gezeigt,  dass  das  Brechungsvermögen,  nach 
welcher  der  dafür  aufgestellten  Formeln  es  auch  berechnet  werden  mag, 
zwar  die  Aenderungen  der  chemischen  Natur  wiederspiegelt,  aber  doch 
nur  als  annäherndes  Mass  dafür  betrachtet  werden  kann,  da  es  eine  nur 
annäherungsweise  nicht  vollständig  von  anderen  Einflüssen  befreite  Grösse 
istf).  Jene  nur  auf  etwa  l°/0  bei  den  R',  2°/0  bei  den  R-Werthen 
anwachsenden  Reste  des  Anstieges  vom  Brechungsvermögen  Hessen  nun 
irgend  einen  Schluss  darauf,  ob  einer  der  erwähnten  Ursachen  in  hervor- 
ragender Weise  der  Anstieg  zuzuschreiben  sei,  nicht  zu,  somit  war  das 
Resultat  jener  Versuche,  dass  der  Anstieg  mit  der  Verdünnung  „nahezu 
durch  die  Dichteänderungen  erklärt“  werde,  dass  die  letzteren  die  oben 
genannten  Constitutionsänderungen“,  des  Dissociationsgrades,  „wieder- 
spiegeln, während  das  Brechungsvermögen  von  ihnen  einen  Einfluss  von 
sicher  deutbarer  Grösse  nicht  erleidet  ff).“ 

Dabei  blieben  es  offene  Fragen,  ob  die  Dissociation  vielleicht  doch 
einen  directen  Einfluss  hätte,  der  aber  quantitativ  zu  gering  wäre,  um  in 
den  beobachteten  Fällen  erkennbar  zu  sein  und  wenn  dies  der  Fall  war, 


*)  W.  Hallwachs,  Gott.  Nachr.  1892,  Nr.  9;  Wied.  Ann.  47,  1892,  p.  391. 

**)  F.  Kohlrausch  und  W.  Hallwachs,  Gött.  Nachr.  1893,  p.  350;  Wied  Ann. 
50,  1893,  p.  118;  53,  1894,  p.  14;  F.  Kohlrausch,  Wied.  Ann.  56,  1895,  p.  185. 

***)  Wied.  Ann.  50,  1893,  p.  587. 

f)  s.  a.  p.  79  Anmerkung  ***). 
ff)  Wied.  Ann.  53,  1894,  p.  1 und  2. 


64 


ob  es  vielleicht  einzelne  Jonen  gebe,  welche  beim  Uebergang  in  den 
neutralen  Zustand  eine  Aenderung  des  Brechungsvermögens  von  beträcht- 
licherer Grösse  bewirkten.  Ein  Einfluss  derselben  auf  den  Gang  des 
Brechungsvermögens  bei  fortschreitender  Verdünnung  konnte  etwa  erkennbar 
werden,  wenn  sich  Lösungen  damit  bilden  Hessen,  welche  in  dem  Gebiet 
zwischen  den  mit  den  optischen  Methoden  erreichbaren  grössten  Ver- 
dünnungen und  nicht  allzu  grossen  Concentrationen,  bei  denen  andere 
Complicationen  in  Aussicht  standen,  ihren  Dissociationsgrad  genügend 
änderten. 

§ 7.  Versuche  von  Herrn  Dijken. 

Eine  grössere  Anzahl  von  Beobachtungen  der  Brechungsdifferenz 
und  des  Molecularvolumens  von  Lösungen  bis  zu  stärkeren  Verdünnungen 
hinab,  hat  inzwischen  Herr  Dijken*)  veröffentlicht.  Dieselben  liefern  das 
mit  dem  meinigen  übereinstimmende  Resultat,  dass  das  Brechungs- 
vermögen „bij  verschallende  graad  van  dissociatie  bijna  constant  blijft“. 

Die  optischen  Grössen  hat  Herr  Dijken  mittelst  des  Interferential- 
refractors  unter  Anwendung  eines  Flüssigkeitscompensators  bestimmt. 
Mit  letzterem  hatte  schon  vor  einiger  Zeit  Herr  Borgesius  gearbeitet**), 
aber,  wie  ich  früher  darlegte***),  keine  zu  weiteren  Schlüssen  genügend 
genaue  Resultate  erhalten.  Herr  Dijken  hat  eine  sehr  beträchtliche 
Fehlerquelle  dabei  nachgewiesen,  nämlich  dass  Herr  Borgesius  das  Wasser 
in  dem  Flüssigkeitstrog  nicht  regelmässig  erneuerte.  Herr  Dijken  zeigt 
p.  42  und  43  durch  Versuche,  dass  dann  zu  kleine  Werthe  für  n — n0 
erhalten  werden,  da  natürlich  das  Wasser  Verunreinigungen  sowohl  vom 
Trog  als  von  der  Umgebung  aufnimmt.  Da  der  Gang  in  den  Werthen 
für  die  moleculare  Brechungsdifferenz  bei  Dijken  ganz  normal  ist  und  mit 
dem  früher  von  mir  beobachteten  gut  übereinstimmt,  dürfte  der  erwähnte 
Fehler  in  den  meisten  Fällen  die  Abweichung  der  Resultate  des  Herrn 
Borgesius  grösstentheils  erklären , so  dass  sich  die  Einwände  gegen  diese 
Methode  vermindern  und  man  im  Allgemeinen  sagen  kann,  dass  Herr 
Dijken  den  Flüssigkeitscompensator  brauchbar  gemacht  hat. 

Es  bleibt  bestehen  eine  Vergrösserung  der  Fehler  im  Vergleich  mit 
meinen  früheren  Beobachtungen,  welche  aus  zu  geringer  Troglänge  hervor- 
gehen. Dijken  vertauscht  nur  35  mm  lange  Flüssigkeitsschichten,  während 
ich  210  mm  dazu  benutzte,  so  dass  er  nur  den  sechsten  Theil  der  Streifen 
erhält  und  das  zu  bearbeitende  Gebiet  nur  bis  zum  sechsten  Theil  der 
Verdünnung  hinab  erstrecken  kann.  Es  wird  demgemäss  angegeben  (p.  26), 
dass  für  NH4  NO3  Lösung  mit  einem  v = 128  (n — n0  = 0,76  X 10~4)  nur 
4 — 5 Streifen  am  Fadenkreuz  vorübergehen  und  die  Messungen  dadurch 
weniger  genau  sind,  so  dass  dann  grössere  Tiefe  der  Flüssigkeit  vor- 
zuziehen ist.  Da  nun  aber  mit  anderen  Methoden  (s.  § 1 — 5 dieser  Arbeit) 


*)  D.  Dijken,  De  Moleculairrefractie  van  verdunde  Zoutoplossingen,  Groningen, 
Hoitsema,  1897;  s.  a.  Ztschr.  phys.  Chem.  24,  1897,  p.  81,  wo  indess  Theile  der  Arbeit 
nur  im  Auszug  mitgetheilt  sind,  weshalb  im  Folgenden  die  Seiten  der  Originalabhandlung 
citirt  werden.  Beobachtet  sind  an  je  etwa  8 Concentrationen,  v=l  bis  v=128, 
NH4  NO3;  NH4  CI;  (NH4)2  SO4;  KCl;  V2Mg(N03)2;  4/2MgS04;  72MgCl2;  72Zn(N03)2; 
V2  Zn  CI2. 

**)  Borgesius,  Wied.  Ann.  54,  1895,  p.  221. 

***)  Wied.  Ann.  55,  1895,  p.  282. 


65 


bis  zu  sehr  grossen  Verdünnungen  (entsprechend  etwa  n — n0  = 3X10-4), 
die  Brechungsdifferenzen  viel  einfacher  und  schneller  wie  mit  dem  Inter- 
ferentialrefractor  bestimmbar  sind,  wäre  dieser  gerade  für  die  äussersten 
Verdünnungen  auszubilden,  also  auf  grössere  Zellenlänge  des  Flüssigkeits- 
compensators  hin  zu  arbeiten.  Vielleicht  möchten  aber  dann  durch  die 
Schwierigkeit,  die  Temperatur  in  dem  ganzen  Apparat  constant  zu  halten, 
grössere  Fehler  entstehen.  Wenigstens  fand  sich  bei  meiner  früheren 
Anordnung  eine  grössere  Rohrlänge  als  etwa  200  mm  zwecklos*). 
Hinsichtlich  Temperaturausgleich  und  Constanz  war  diese  aber  dem 
Flüssigkeitscompensator  überlegen,  indem  Wasser  und  Lösung  nur  durch 
eine  dünne  Platinwand,  statt  durch  dicke  Glasplatten  und  eine  Flüssigkeits- 
schicht, getrennt  waren  und  sich  die  Flüssigkeiten  innerhalb  einer  ge- 
schlossenen Röhre  mitten  in  einem  grossen  Wasserbad  von  6 Liter  Inhalt 
befanden,  während  der  Trog  des  Compensators  wohl  nur  etwa  */5  Liter 
fasst.  Dass  man  den  Compensator  auf  200  mm  Länge  zu  bringen  ver- 
mag, ist  mir  der  Temperatureinflüsse  halber  daher  zweifelhaft,  wenigstens 
so  lange  nicht  sehr  umfangreiche  Anordnungen  getroffen  werden. 

Die  früher  hervorgehobene  Schwierigkeit,  dass  bei  sehr  geringer 
Streifenzahl  die  Streifen  breit  und  verwaschen  werden,  eliminirt  Herr 
Dijken  dadurch,  dass  er  für  Brechungsdifferenzen,  die  kleiner  als  6X10~4 
sind,  die  Phasendifferenz  nicht  durch  Null  hindurchschlägt,  sondern  durch 
Drehung  der  einen  Refractorplatte  einen  anderen  Theil  des  Streifen  Systems, 
wo  dann  die  Streifen  schärfer,  wenn  auch  schmäler  werden,  ins  Gesichts- 
feld des  Fernrohrs  bringt.  Die  Einstellung  ist  dann  genauer. 

Ein  Hauptvortheil  des  Flüssigkeitscompensators  besteht  darin,  dass 
die  Vertauschung  der  Flüssigkeiten  ohne  den  Zeitverlust,  welchen  das 
Umfüllen  mit  sich  bringt,  geschieht,  so  dass  sie  öfters  wiederholt  und 
dadurch  die  Genauigkeit  gesteigert  werden  kann. 

Die  Differenzen  der  Beobachtungstemperaturen  bei  den  verschiedenen 
Concentrationen  derselben  Substanz  sind  bei  Dijken  sehr  gross.  Sie 
steigen  auf  nahezu  7 Grad  an,  während  ich  früher  ihre  Beschränkung 
auf  einige  Zehntel  Grad  für  nöthig  fand;  dazu  kommt,  dass  gerade  wo 
die  stärksten  Temperaturdifferenzen  eintreten,  die  Temperaturcoefficienten 
von  n — n0  nicht  bestimmt  sind. 

Wenn  nun  auch  nicht  überall  die  grösste  Genauigkeit  erreicht  ist, 
so  liefern  doch  die  Beobachtungen  des  Herrn  Dijken  [Mg  (NO3)2  vielleicht 
ausgenommen]  ein  sehr  brauchbares  Material. 

Was  Mg  (NO3)2  betrifft,  so  findet  sich  von  v=l  bis  ^ = 128  eine 

Abnahme  von  R,  dem  Brechungsvermögen  nach  der  n ^ Formel,  von 

nicht  weniger  als  8°/0,  während  alle  anderen  sowohl  von  Herrn  Dijken 
als  auch  von  mir  ausgeführten  Bestimmungen  eine  Zunahme  liefern  und 
zwar  von  etwa  2 °/0  im  Maximum,  Man  darf  wohl  vermuthen,  dass  dies 
abnorme  Resultat  auf  Fehlern  in  den  Werthen  des  Molecularvolumens 
beruht.  Denn  bei  den  Sulfaten,  sowohl  nach  F.  Kohlrausch  und  mir, 
wie  auch  bei  den  Chloriden,  nach  Dijken,  haben  Zink  und  Magnesium 
einen  ganz  analogen  Verlauf  der  Curven,  welche  die  Molecularvolumina 
als  Function  der  Concentration  darstellen.  Bei  den  Nitraten  findet  aber 


*)  Wied.  Ann.  47,  1892,  p.  384. 


66 


Dijken  einen  durchaus  verschiedenen  Verlauf.  Zugleich  ist  die  Abnahme 
des  Molecularvolumens  im  Intervall  von  v = 1 bis  v=  128  grösser  als 
die  irgend  eines  der  bisher  in  diesem  Intervall  beobachteten  Körper  und 
dazu  haben  sich  die  stärksten  Aenderungen  bisher  bei  den  Säuren  ergeben, 
während  die  Salze  viel  kleinere  Aenderungen  zeigen.  Die  Resultate  mit 
Mg  (NO3)2  sind  also  sowohl  hinsichtlich  der  R-Werthe,  als  auch  hin- 
sichtlich der  Molecularvolumina  ohne  Vergleich.  Bei  der  Beachtung,  die 
ein  so  abweichendes  Verhalten  erforderte,  wäre  eine  Wiederholung  dieser 
Versuche  sehr  zu  wünschen. 

Hinsichtlich  der  Dichtebestimmungen  ist  noch  auf  eine  Ungenauigkeit 
hinzuweisen.  Die  Einzeltemperaturen  weichen  von  der  Mitteltemperatur 
für  die  Lösungen  einer  Substanz  um  Beträge  ab,  die  0,5  — 1°,  bei  einer 
Substanz  sogar  mehr  als  2°  erreichen.  F.  Kohlrausch  und  ich  haben 
es  bei  unseren  Versuchen  für  nöthig  gefunden,  die  Temperatur  auf 
einige  0,oi°  constant  zu  halten.  Der  Einfluss  der  Temperaturschwankungen 
könnte  durch  eine  grössere  Anzahl  von  Ausdehnungscoefficienten- 
bestimmungen  corrigirt  werden.  Solche  Bestimmungen  hat  nun  Herr 
Dijken  fast  durchaus  für  ein  beträchtlich  höher  liegendes  Temperatur- 
intervall, als  dasjenige,  über  welches  corrigirt  werden  muss,  gemacht; 
ebenso  werden  die  Reductionen  des  Gewichts  des  Glaskörpers  in  Wasser 
alle  mit  einem  Mittelwerth  des  Ausdehnungscoefficienten  ausgeführt,  ohne 
Rücksicht  auf  die  Lage  des  Correctionsintervalls.  Dadurch  treten  beträcht- 
liche Fehler  auf.  Zum  Beispiel:  Bei  Mg  (NO3)2  ist  das  Gewicht  in  Wasser 
von  15,13°  auf  16,00°  zu  reduciren.  Dafür  würde  sich  mit  dem  zugehörigen 
«h 20  = 1,56X10' 4 und  einem  «Glas  — 0,26b  10~4  eine  Correction  von  18,5mg 
ergeben,  während  Dijken  mit  einem  mittleren  Temperaturcoefficienten 
20,img'  berechnet,  was  volle  l,6mg  Unterschied  macht.  Aehnlich  wie  . bei 
diesem  Beispiel  mit  Wasser  ist  es,  wie  es  scheint,  bei  den  Lösungen, 
deren  Ausdehnungscoefficienten  noch  überdies  immer  nur  an  der  con- 
centrirtesten  ermittelt  wurden,  was  hier  der  grossen  Temperaturintervalle 
wegen,  über  die  corrigirt  werden  muss,  nicht  genügt.  Dadurch  entstehen 
beträchtliche  Fehler  für  die  Molecularvolumina;  so  würde  z.  B.,  wenn 
man  die  richtigen  a einsetzt,  letzteres  für  die  dritte  Mg  (NO3)2  Lösung 
(p.  54)  um  eine  Einheit  anders  ausfallen. 

§ 8.  Untersuchung  der  Abhängigkeit  des  Brechungs Vermögens  von 
der  Concentration  hei  wässerigen  Lösungen  von  Brom  cadmium, 
Zucker,  Di-  und  Trichloressigsäure  und  deren  Kaliumsalzen. 

A.  Bromcadmium. 

Bei  den  im  ersten  Theil  erwähnten  Untersuchungen  wählte  ich  die 
Substanzen  so,  dass  gleichzeitig  die  § 6 letzter  Absatz  erwähnte  Frage 
nach  dem  eventuellen  quantitativen  Hervortreten  einzelner  Jonen  geprüft 
werden  konnte.  Diese  Wahl  konnte  nach  vorhandenen  Untersuchungen 
über  die  Aenderung  des  Brechungsvermögens  bei  der  Neutralisation 
getroffen  werden*).  Die  Arbeit  des  Herrn  Le  Blanc  hatte  ich  schon 


*)  Ostwald,  Journ.  prakt.  Chem.  (NF)  18,  1878,  p.  328;  Le  Blanc,  Zeitschr. 
phys.  Chem.  4,  1889,  p.  553;  Le  Blanc  und  ß o hl  and,  Zeitschr.  phys.  Chem.  19,  1896, 

p.  261. 


67 


früher*)  erwähnt  und  auch  seine  Beobachtungen  an  H2S04  zum  Ver- 
gleich herangezogen.  In  dieser  Arbeit  stiess  ich  bei  einer  Nachrechnung 
einiger  Angaben  wiederholt  auf  Fehler**),  so  dass  ich  mich  zunächst 
darauf  beschränken  musste,  eine  Revision  des  Zahlenmaterials  von  Herrn 
Le  Blanc  als  wünschenswerth  zu  bezeichnen.  Dies  ist  nun  in  dankens- 
werther  Weise  durch  die  Herren  Le  Blanc  und  Rohland  1.  c.  geschehen, 
die  meisten  Bestimmungen  wurden  wiederholt,  so  dass  man  sich  nur 
an  die  neue  Arbeit  zu  halten  hat***).  In  dieser  Arbeit  werden  die 
Differenzen  der  Aequivalentrefractionen  von  Säuren  und  ihrem  Na- Salz, 
sowie  von  Salzen  und  anderen  Salzen  untersucht,  wobei  die  Substanzen 
so  gewählt  sind,  dass  sie  sehr  verschiedenen  Dissociationsgrad  zeigen. 
Durch  Vergleich  jener  Differenzen  für  sehr  stark  und  sehr  schwach 
dissociirte  Substanzen  kann  dann  ein  directer  Einfluss  von  Dissociation 
wahrscheinlich  gemacht  werden.  Die  Unterschiede  dieser  Differenzen 
sind  im  Allgemeinen  klein,  so  dass  wegen  bestehender  Nebeneinflüsse 
(s.  p.  74,  75,  79)  auf  den  Einfluss  der  Dissociation  nicht  mit  voller 
Sicherheit  geschlossen  werden  kann. 

Nur  in  einem  Falle  kommt  eine  grössere  Differenz  vor,  welche  einen 
völlig  einwandfreien  Nachweis  für  die  Einwirkung  der  Dissociation  geben 
würde:  einer  Differenz  der  Aequivalentrefractionen  stark  dissociirter 
Bromide  und  Jodide  von  11,4  steht  nämlich  gegenüber  eine  Differenz 
zwischen  dem  schwach  dissociirten  Brom-  und  Jodcadmium  von  nur 


*)  Wied.  Ann.  53,  1894,  p.  11. 

**)  So  auch  Herr  Dijken  1.  c.  p.  60. 

***)  Le  Blanc,  Zeitschr.  phys.  Cliem.  19,  1896,  p.  262,  Anmerkg.  „Alle  in  Betracht 
kommenden  Daten  kommen  in  dieser  Arbeit  vor,  so  dass  auf  die  Tabellen  meiner 
früheren  Arbeit  nicht  mehr  zurückgegriffen  werden  darf.“  In  dieser  Anmerkung  sagt 
Herr  Le  Blanc  auch,  dass  er  die  Gehalte  der  verschieden  concentrirten  Lösungen  einer 
und  derselben  Substanz  einzeln  durch  Titriren  erhalten  hat.  Da  die  relative  Richtigkeit 
der  Concentrationen  durch  Verdünnen  mit  Messkolben  und  Pipette  weit  schärfer  erhalten 
werden  kann,  wie  durch  Titration,  werden  durch  die  Einzeltitration  vermeidbare  Fehler 
in  die  Concentrationsverhältnisse  eingeführt.  Man  sollte  die  relativen  Verdünnungen 
daher  für  sich  bestimmen  und  das  Resultat  der  Titrationen  zu  einem  Mittel  vereinigen. 
Hätte  ich  aus  der  Arbeit  des  Herrn  Le  Blanc  entnehmen  können,  dass  dies  nicht  ge- 
schehen ist,  so  würde  ich  natürlich  keine  Muthmassungen  über  den  Grund  der  gefun- 
denen Irrthümer  gemacht,  insbesondere  diese  nicht  in  Fehlern  der  Dichtigkeitsbestimmungen 
gesucht  haben.  — Auf  p.  268  1.  c.  werden  meine  Beobachtungen  an  H‘2S04,  HOI  und 
Weinsäure  mitgetheilt,  aber  nur  die  AR-Werthe  angegeben,  dazu  wird  eine  Stelle  aus 
einer  früheren  Arbeit  von  mir  (Wied.  Ann.  53,  1894,  p.  13)  citirt,  welche  sich  auf  die 
R'-Werthe  bezieht.  Da  der  im  Original  vorhandene  Buchstabe  R'  im  Citat  irrthümlich 
weggeblieben  ist,  in  den  Zahlen  hingegen,  wie  erwähnt,  gerade  umgekehrt  die  R'-Werthe 
weggeblieben  sind,  so  erscheint  meine  Behauptung  ganz  ungereimt.  Ferner  ist  innerhalb 
des  citirten  Satzes  meiner  früheren  Arbeit  eine  Verweisung  auf  eine  Anmerkung,  welche 
besagt:  „sollten  sich  diejenigen  Substanzen  des  Herrn  Le  Blanc,  welche  ich  nicht 
untersucht  habe,  anders  verhalten,  wie  die  untersuchten,  so  wären  sie  hier  auszunehmen“. 
Ich  hätte  gewünscht,  dass  diese  zu  dem  Satze  gehörige  Anmerkung  mit  ihm  erwähnt 
worden  wäre,  weil  aus  ihr  hervorgeht,  dass  ich  die  Eventualität  von  Substanzen  mit 
anderem  Verhalten  anerkannte.  — Herr  Le  Blanc  macht  mir  sodann  den  Vorwurf,  dass 
ich  seine  Resultate  nicht  versucht  hätte  mit  den  meinigen  in  Einklang  zu  bringen. 
Wie  erwähnt,  habe  ich  seine  Versuche  an  H2S04,  die  sich,  bis  auf  die  22°/0ige  Lösung, 
bei  welcher  ein  Fehler  vorliegen  musste,  zu  meinem  Zwecke,  nämlich  den  Gang  der 
molecularen  Brechungsdifferenz  bei  Concentrationsänderungen  auf  seine  Ursachen  zurück- 
zuführen, verwerthen  liess,  p.  12  1.  c.,  aufgenommen.  Sie  ergaben  dasselbe  Resultat  wie 
meine  eigenen  Beobachtungen.  Auf  die  übrigen  Versuche  hatte  ich  auch  die  Absicht 
einzugehen,  stiess  aber,  indem  ich  dies  versuchte,  sofort  und  wiederholt  auf  Irrthümer, 
so  dass  ich  nicht  weiter  kam,  und  nur  den  Wunsch  auf  Revision  der  Beobachtungen 
aussprechen  konnte.  Diese  ist  nunmehr  inzwischen  erfolgt. 

** 


68 


ß58  Einheiten.  Die  Differenz  ist  4,6  bei  ihrem  Bestehen  würden  secundäre 
Einflüsse  den  Schluss  auf  Einwirkung  der  Dissociation  nicht  mehr  stören. 
Die  Herren  Le  Blanc  und  Rohland  geben  an  (p.  281):  „diese  Salze,  in 
sehr  verschiedener  Verdünnung  untersucht,  müssen  (ebenso  wie  bei  Dichlor- 
essigsäure)  mit  steigender  Dissociation  ihr  Brechungsvermögen  ändern“. 
Gelegentlich  des  ersten  Theils  dieser  Arbeit  habe  ich  das  Brechungs- 
vermögen von  Bromcadmiumlösungen  in  Wasser  für  verschiedene  Concen- 
trationen  untersucht,  konnte  aber  die  Versuche  von  Herren  Le  Blanc  und 
Rohland  an  Br2  Cd  nicht  bestätigen  und  gelangte  schliesslich  dazu  zu 
vermuthen,  dass  sie  auf  einem  Irrthum  beruhen,  der  wohl  darin  besteht, 
dass  der  Procentgehalt  an  krystallisirtem  statt  an  wasserfreiem  Salz  in 
die  Rechnung  eingesetzt  wurde. 

Zunächst  theile  ich  meine  eigenen  Versuche  mit.  Das  Cd  Br2  war 
von  Gehe  & Co.,  frisch  bezogen  und  zeigte  keine  Verwitterung.  Unter 
Rücksicht  auf  4 Molecüle  Kry  stallwasser  ergab  sich  aus  der  Herstellung, 
durch  Abwägen  von  Substanz  und  Wasser,  der  Gehalt  meiner  Original- 
lösung zu  35,84  °/o*  £*as  spec.  Gewicht  derselben  fand  ich  s ^ = 1,4231, 
den  Ausdehnungscoefficienten  a — 4,6X10-4.  Mit  Hülfe  dieser  beiden 
letzten  Daten  erhält  man  aus  den  Angaben  von  Grotrian*)  einen  Procent- 
gehalt von  36,14,  der  mit  dem  obigen  gut  übereinstimmt.  Nach  den  An- 
gaben von  Krem  er  s **)  über  specifisches  Gewicht  und  Procentgehalt  würde 
sich  36,7  Anden,  was  bis  auf  l,5°/0  mit  Grotrian  übereinstimmt,  wobei  zu 
berücksichtigen,  dass  Krem  er  s nur  drei  Decimalen  giebt. 

Bei  den  folgenden  Resultaten  habe  ich  den  nach  Grotrian  erhaltenen 
Werth  36,1  zu  Grunde  gelegt,  da  seinen  Angaben  eine  Analyse  zu  Grunde 
liegt,  während  ich  mich  darauf  beschränkte,  durch  Abwägen  von  Substanz 
und  Wasser  eine  Controle  zu  erhalten;  überdies  sind  die  specifischen  Ge- 
wichte von  Grotrian  sehr  zuverlässig. 

Aus  der  Originallösung  ergaben  sich  durch  Verdünnen  mittelst  selbst 
nachgeaichter  Pipetten  und  Messkolben  vier  verdünntere  Lösungen,  deren 
Brechungsdiffereriz  und  deren  Dichte  beobachtet  und  zur  Berechnung  des 
Brechungsvermögens  verwendet  wurden. 

Die  Bestimmung  von  n — n0  erläutert  § 1 — 5,  hinsichtlich  der  Re- 
cluction  auf  gemeinsame  Temperatur  siehe  speciell  § 5,  wo  auch  der 
Temper atur co efficient  von  n — n0  angegeben  ist.  Die  Bestimmung  der 
specifischen  Gewichte  erfolgte  in  der  früheren  Weise***)  mit  der  Abänderung, 
dass  als  Auf  hängefaden  ein  matter  Platindraht  von  mm  Dicke  zur 
Verwendung  kamf).  Das  Volum  des  Glaskörpers  betrug  etwa  80  ccm, 
sein  Gewicht  in  Wasser  3,2  bis  9,5  g,  ersteres  ohne,  letzteres  mit  der  grösseren 
von  zwei  Platinzulagen,  welche  die  Bestimmung  der  concentrirteren  Lösungen 
möglich  machten. 

Die  Ausdehnungscoefficienten  berechnete  man  aus  dem  oben  an- 
gegebenen der  Ausgangslösung  unter  der  Annahme,  dass  a — «H2o  der 
Concentration  proportional  sei.  Diese  Annahme  lieferte  z.  B.  für  die  ver- 


*)  G-rotrian,  Wied.  Ann.  18,  1883,  p.  190. 

**)  Krem  er s,  Pogg.  Ann.  104,  1858,  p.  162;  Angaben  und  Citat  nach  Grotrian, 
1.  c.,  p.  187. 

***)  F.  Kohlrausch  und  W.  Hallwachs,  Wied.  Ann.  53,  1894,  p.  14. 
f)  F.  Kohlrausch,  Wied.  Ann.  56,  1895,  p.  186. 


69 


dünnteste  Lösung  bei  18,1°  eine  Gewichtszunahme  des  Glaskörpers  in 
der  Lösung  von  13,2  mg  pro  Grad,  während  die  directe  Bestimmung 
13,15  mg  ergab. 

Für  die  Verdünnung  v der  Originallösung  [Liter  auf  Grammäquivalent 
1/2  Cd  Br2]  folgt  aus  den  p.  68  gegebenen  Werthen  nach  Reduction 
auf  18,50°  ^orig  = 0,26426.  Aus  dieser  Zahl  und  den  Inhalten  der  Kolben 
und  Pipetten  finden  sich  die  in  Tabelle  III  angegebenen  Verdünnungen. 

Die  sich  entsprechenden  optischen  und  Dichtebestimmungen  fanden 
immer  an  ein  und  derselben  Lösung  statt. 

In  den  folgenden  Tabellen  bedeuten: 
t0,  t die  Mitteltemperatur  und  die  Versuchstemperatur. 

= — lj  siehe  Gleichung  9)  p.  55,  Trogcorrection. 

7t 

dat— — tga  At  siehe  Gleichung  15)  und  7a),  Temperaturcorrection. 

«Corr  den  mit  beiden  Correctionen  versehenen  in  Gleichung  10)  einzu- 
führenden Winkel. 

v,  n — n0  Verdünnung  bezw.  Brechungsdifferenz  gegen  Wasser, 
cp  siehe  p.  52. 


Tabelle  III. 

VCdBr*;  t0  = 18,50°. 


V 18,5  0 

t 

H-i 

00 

-T 

NS 

[ 

R 

Aab 

C^corr 

18,50° 

n — n0 

1,0590 

18,21° 

19,08° 

11°  58' 46,o" 
58'  21,2" 

+ •43,9" 

-8,5" 

11°  59' 21" 

0,016082 

4,2438 

18,41° 

6°  r o,o" 

+ 41,2" 

— 1,3" 

6°  1'  40" 

0,004128 

17,008 

18,44° 

3°  1'  6,o" 

+ 40,6" 

— 0,4" 

3"  1'  46" 

0, 0010470 

34,059 

18,46° 

2°  8' 20,8" 

+ 40,4" 

7» 

2°  9'  1" 

0,0005277 

Die  nächste  Tabelle  giebt  die  specifischen  Gewichte:  T ist  die  Be- 
obachtungstemperatur, g das  Gewicht  in  Flüssigkeit,  gcorr  das  auf  18,500° 
corrigirte  Gewicht,  s das  specifische  Gewicht  bei  18,5°  bezogen  auf 
Wasser  gleicher  Temperatur,  cp  das  Molecularvolumen 

9 = ~ — 1000  v (s— 1)*), 

0 

wo  A das  Aequivalentgewicht,  Q die  Dichtigkeit  des  Wassers  bedeutet. 


*)  Wied.  Ann.  58,  1894,  p.  3 und  37. 


70 


Tabelle  IV. 

'%  Br2  Cd  = 135,96;  ~ = 136,16;  % = 18,60°. 


^18,5°. 

T 

g 

§ corr 

18,5°  (bez.  17,66°) 

18,5  i *\ 

b 18,5  X / 

(bez.  17,66°) 

1000 
'■{«-'  1) 

V 1 8,5° 

Glaskörper 
in  H2  0 

17,656° 

3,28572 

3,29625 

— 

— 

1,; 

Glask.  -j-  Pt  - 
Zulage  in  H2  0 

17,656° 

9,31594 

9,32565 

/0, 0034219**) 
(17,656°) 

"-0,0034208 

(18,50°) 

— 

— - 

34,059 

17,767° 

3,00996 

3,00811  V" 

(17,656°)^ 

116, 5lN 

b 19,65 

— 

18,516  0 

3,01982 

3,01915 

0,0034219 

116,55/ 

17,008 

18,648° 

2,74433 

2,74191 

0,0068455 

116,42 

19,74 

4,2438 

18,504° 

1,08717 

1,08695 

0,027283 

115,78 

20,38 

1,0590 

18,316° 

’ 0,53775 

0,54137 

0,108078 

114,45 

21,71 

0,26426 

19,40° 

8^=1,4254 

0,4260 

112,57 

23,59 

Aus  den  Werthen  vorstehender  beider  Tabellen  ergiebt  sieb  nun  die 
Aequivalentrefraction  AR  nach  der  Gleichung 

AR  = 1000  v (n  — n0)  -|-  ^ 9***), 

ö 

und  AR'  nach  der  am  gerade  citirten  Ort  p.  4 gegebenen  Formel,  a be- 
deutet den  Dissociationsgrad.  Alle  einzelnen  Werth e sind  auf  18,50°  reducirt. 


Tabelle  V. 

V 

1000 

v (n  — n0) 

Vs  9 

AR 

AR' 

a 

1,0590 

17,030 

7,237 

24,267 

13,966 

0,16 

4,2438 

17,520 

6,793 

24,313 

14,003 

0,29 

17,008 

17,806 

6,580 

24,39 

14,04 

0,46 

34,059 

17,973 

6,543 

24,52 

14,n 

0,54 

Die  Vergrösserung  von  AR  mit  steigender  Concentration  beträgt  1 °/0 
und  ist  etwa  von  derselben  Grössenordnung,  wie  in  den  früher  beobachteten 


*)  VQ,  d.  h.  Volum  des  Glaskörpers  x Wasserdichte  hei  18,5°  ist  hei  Versuch  7) 
81,2791  g;  bei  Versuch  6)  5)  und  4 ) 80,9790  g;  bei  Versuch  3)  für  17,656°  80,990  g. 

**)  Die  obere  Zahl  gilt  für  17,656°,  die  untere  ist  daraus  durch  Reduction  auf  18,5° 
mittelst  a — «h2o  — 1,5  x 10—«  entstanden.  Für  gu20  wurde  3,28572  — 0,47  — 3,28525  be- 
nutzt, da  allgemein  die  Gewichtsstücke  auf  luftleeren  Raum  reducirt  sind. 

***)  Wied.  Ann.  53,  1894,  p.  3. 


71 


Fällen.  Bei  Zuckerlösung  von  gleichem  Procentgehalt  wächst  AR  absolut 
genommen  um  0,50,  also  um  mehr  als  Cd  Br'2,  procentisch  um  0,4°/0,  also 
weniger.  Im  Allgemeinen  müsste  man  annehmen,  dass  sich  ein  Einfluss 
der  Dissociation  darin  zeigt,  dass  AR  um  einen  bestimmten  numerischen 
Betrag  geändert  wird,  so  dass  die  absoluten  Beträge  zu  vergleichen  wären. 
Aber  auch  beim  Vergleich  der  relativen  wird  man  bei  der  Kleinheit  der 
Unterschiede  zwischen  Zucker  und  Bromcadmium  einen  Schluss  auf  directen 
Einfluss  der  Dissociation  auf  AR  nicht  wagen  können. 

Vergleichen  wir  nun  mit  den  angegebenen  Werthen  die  von  Le  Blanc 
und  Rohland  1.  c.  p.  282.  Sie  finden  für  AR  28,33  und  28,66,  für  AR'  16,68 
und  16,86,  welche  Werthe  sich  um  17  °/0  von  den  meinigen  unterscheiden, 
ganz  abgesehen  davon,  dass  die  zwei  Angaben,  welche  für  Lösungen  von 
noch  nicht  20  °/0  verschiedener  Concentration  gelten,  untereinander  um 
mehr  als  einen  Procent  abweichen. 

Um  die  Ursache  davon  aufzuklären,  mögen  in  folgender  Tabelle  die 
von  Le  Blanc  und  Rohland  für  Cd  CI2,  Cd  Br2  und  Cd  J2  Lösungen  beob- 
achteten specifischen  Gewichte  und  Procentgehalte  zusammengestellt  werden 
mit  den  aus  denselben  specifischen  Gewichten  nach  Grotrian  und  Kremers 
folgenden  Gehalten: 


Tabelle  VI. 


Substanz 

S- 
b 20 

Zu  s^  gehörige  °/o Gehalt  nach 

(Le  Blanc) 

Le  Blanc 

Grotrian 

Kremers 

Cd  CP 

1,0982 

8,91 

7,78 

8,o 

Cd  Br'2 

1,1378 

18,06 

14,67 

14,6 

1,1666 

21,39 

17,41 

17,3 

CdJ2 

1,0982 

10,97 

10,88 

11,1 

,5 

1,1562 

16,53 

16,58 

16,8 

Die  Interpolation  dieser  Gehalte  aus  den  Angaben  von  Grotrian  ge- 
schah so,  dass  seine  s ^ auf  s 1|  und  dann  mit  dem  genügend  genau 
bekannten  Ausdehnungscoefficienten  gegen  Wasser  (« — «h2o)  auf  die  von 
Le  Blanc  angegebenen  s — umgerechnet  wurden.  Aus  diesen  ergab  sich 
die  wegen  ihrer  geringen  Aenderungen  mit  der  Concentration  zum  Inter- 

— welche  mittelst  der  aus  Le  Blanc’s 
ps 

g 

Beobachtungen  folgenden  Werthe  von  dann  p lieferten  (p  = Procent- 

s 

gehalt).  Diese  Interpolirform  ist  sehr  scharf,  so  dass  sie  bei  den  Gehalten 
Fehler  von  auch  nur  einer  Einheit  der  dritten  Decimale  nicht  veranlasst. 


poliren  geeignetste  Grösse  lg 


Aus  der  Tabelle  ergiebt  sich:  erstens  stimmen  Grotrian  und  Kremers 
miteinander  durchgängig  überein,  auch  hinsichtlich  meiner  Originallösung 
war  dies  der  Fall  und  der  für  diese  von  mir  durch  Ab  wägen  von  Substanz 
und  Wasser  ermittelte  Controlwerth  stimmte  ebenfalls  damit;  zweitens: 
die  Werthe  von  Le  Blanc  und  Rohland  weichen  für  die  beiden  ersten  Sub- 


:)  Da  Kremers  nur  drei  Decimalen  giebt,  haben  die  Gebalte  eine  Stelle  weniger. 


72 


stanzen  weit  ab,  um  14 °/0  bei  Cd  CI2,  um  23  °/0  bei  Cd  Br2,  sie  stimmen 
indess  bei  Cd  J2  vollkommen  mit  denen  der  anderen  Beobachter  überein. 

Dies  Ergebniss  liefert  den  Fingerzeig  zur  Erklärung  der  Abweichungen: 
J2  Cd  enthält  kein  Krystallwasser,  Br2  Cd  und  CI2  Cd  thun  dies.  Offenbar 
ist  dies  von  Herren  Le  Blanc  und  Rohland  übersehen  und  in  die  Rech- 
nung der  Gehalt  an  krystallisirtem  Salz  eingesetzt  worden.  Denn  multi- 
plicirt  man  die  von  ihnen  angegebenen  Procentgehalte  mit 

Br2  Cd  _ 272,o  _ „ 

Br2  Cd  + 4H2  0 — 344, 1 — °’7906’ 

so  ergeben  sich  die  Zahlen  14,28  und  16,91,  wodurch  U eher  ein  Stimmung 
bis  auf  2,8  bezw.  2,6  °/0  mit  Grotrian  und  Kremers  erreicht  ist.  Für 
CI2  Cd  würde  sich  unter  der  Annahme  von  2 Molecülen  Krystallwasser 
7,45  Procent  ergeben,  was  ebenfalls  mit  Grotrian  und  Kremers  viel  besser 
übereinstimmt*). 

Da  der  Grund  des  Irrthums  wohl  klar  liegt,  sind  im  Folgenden  die 
Werthe  an  Cd  Br 2 in  der  Weise  umgerechnet,  dass  man  die  von  Le  Blanc 
und  Rohland  angegebenen  Procentgehalte  p'  auf  Gehalte  an  wasserfreiem 
Salz  p durch  Multiplication  mit  0,7906  umrechnete.  Dann  ergiebt  sich 


Bromcadmium. 


(ii— n0)200 

P' 

P 

V 

0,0203 

18,06 

14,28 

0,838 

0,0250 

21,39 

16,91 

0,691 

1000 

1000 

AR 

y 

v (n  n0) 

115,6 

20,6 

17,o 

28,9 

115,0 

21,2 

17,3 

24,3 

Ein  Vergleich  mit  Tabelle  V zeigt,  dass  die  Werthe  AR  nunmehr 
mit  den  von  mir  gefundenen  genügend  übereinstimmen,  so  dass  also  die 
Annahme,  der  Krystallwassergehalt  sei  übersehen  worden,  zu  allseitiger 
Uebereinstimmung  sowohl  hinsichtlich  der  Dichten  mit  Grotrian  und 
Kremers  als  auch  hinsichtlich  der  optischen  Beobachtungen  mit  mir  führt. 

Auf  p.  67,  68  wurde  nun  erwähnt,  dass  das  quantitativ  hervorstechendste 
Resultat  von  Herren  Le  Blanc  und  Rohland  darin  besteht,  dass  sie  für 
die  Differenz  der  AR-Werthe  von  Jod-  und  Bromcadmium  den  Werth 
6*8  finden,  während  sie  für  stark  dissociirte  Salze  11,4  erhalten,  so 
dass  also  ein  Unterschied  von  nicht  weniger  als  4,6  Einheiten  bestünde. 
Dieser  Unterschied  fällt  nun  nach  der  vorstehend  erläuterten  Berichtigung 
der  Procentgehalte  weg,  an  die  Stelle  von  6,8  tritt  35, 33  — 24, i3  = 11, 20, 
was  mit  dem  für  stark  dissociirte  Salze  gefundenen  Werthe  so  gut  über- 
einstimmt, wie  nur  irgend  gefordert  werden  kann.  Für  Cd  J~  ist  hier  der 
Werth  von  Le  Blanc  und  Rohland  direct  eingesetzt,  da  derselbe  nach 
p.  71  und  72  keine  stärkeren  Fehler  vermuthen  lässt. 

Legt  man  bei  den  Cd  CP  Werthen  die  Dichten  von  Le  Blanc  und  Rohland 
zu  Grund  und  berechnet  daraus  den  Procentgehalt,  so  findet  sich  daraus 
AR  = 18,7.  Die  Differenz  der  AR-Werthe  für  Cd  CP  und  Cd  J2,  welche 


*)  Die  Angaben  für  den  Krystallwassergehalt  von  Cd  CI 2 schwanken  in  der  Litteratur. 


73 


jene  Verfasser  zu  15,56  angeben,  würde  sieb  dadurch  auf  16,6  erhöhen, 
dem  für  stark  dissociirte  Werthe  nach  Le  Blanc  und  Rohland  17,4  zu 
vergleichen  ist.  Die  Differenz  dieser  beiden  Werthe  ist  zu  klein,  als 
dass  man  unter  Rücksicht  auf  die  Genauigkeit  der  Beobachtungen  und 
die  Unsicherheit  im  Wassergehalt  des  Ausgangsmaterials  etwas  daraus 
schliessen  könnte.  Hätte  sich  die  oben  angegebene  Differenz  von  4,6 
Einheiten  für  die  Bromid- Jodid  Differenz  der  Cadmium-  und  der  sehr 
stark  dissociirten  Salze  andererseits  bewahrheitet,  so  wäre  zwingend  zu 
schliessen  gewesen,  dass  die  Cd-Jonen  beim  Uebergang  aus  dem  neutralen 
in  den  dissociirten  Zustand  ihre  Refraction  ändern.  Mit  dem  Verschwinden 
der  Differenz  fällt  auch  das  Resultat  weg. 

Die  für  die  übrigen  schwach  dissociirten  Salze  gefundenen  Differenzen 
in  den  Differenzen  von  AR  gegenüber  stark  dissociirten  Salzen  1.  c.  p.  282 
sind  zu  klein,  als  dass  man,  besonders  wegen  der  weiter  unten* **))  zu  be- 
sprechenden Fehlerquellen  (Concentrationseinffuss,  Differenzen  der  Differenzen 
von  Differenzen),  weitere  Schlüsse  ziehen  könnte. 


B.  Zuckerlösungen. 

Da  die  in  dieser  Arbeit  verwendeten  Lösungen  im  Allgemeinen  eine 
etwas  grössere  Concentration  besassen,  wie  die  früher  untersuchten,  fanden 
zur  Orientirung,  wie  gross  etwa  der  Anstieg  von  AR  bei  einem  Nicht- 
elektrolyten sein  möchte,  wieder  Beobachtungen  an  analog  concentrirten 
Zuckerlösungen  statt. 

Die  Concentration  der  Originallösung  wurde  aus  ihrem  specifischen 
Gewicht  nach  den  früheren  Bestimmungen  von  F.  Kohlrausch  und  mir  unter 
Berücksichtigung  der  Zahlen  von  Ger  lach  ermittelt  und  das  Moleeular- 
volumen  der  übrigen  Lösungen  ebenfalls  diesen  früheren  Versuchen 
entnommen. 

Die  folgende  Tabelle  enthält  zunächst  das  Ergehniss  der  optischen 
Versuche  (über  die  Bezeichnung  s.  p.  69),  sodann  die  aus  der  genannten 
Quelle  stammenden  Werthe  von  cpjs , ferner  die  moleculare  Brechungs- 
differenz und  die  Aequivalentrefraction.  Die  Acty  sind  mit  dem  § 5 
gegebenen  x berechnet. 


Tabelle  VII. 
Zucker;  t0  = 17,78°. 


V 17,78° 

t 

180  — cp 

2 

JCSy 

«corr  (17,70°) 

n — n0 

<P'h  3 

1000 
v (n-n0) 

AR 

2,5647 

17,70° 

13°  5' 28,8" 

+.44,5" 

- kB" 

13°  16'  12" 

0,OJ9137 

70,12 

49,07 

119,19 

10,288 

17,66° 

6°  28'  51,3" 

+ 41+ 

- 1.4" 

6°  29'  31" 

0,004786 

69,94 

49,23 

119,17 

41,387 

17,64° 

3°  13'  43,4" 

+ 40,6" 

- 0,8" 

3°  13'  23" 

0,0011971 

69,88 

49,55 

119,43 

83,012 

17,785° 

2°  16'  52,e" 

+ 40,4" 

+ 

2°  17'  33" 

0,0005999 

69,87 

49,82 

119,69 

Meine  früheren  Beobachtungen  über  Zuckerlösungen**)  ergeben  unter 
Benutzung  meiner  optischen  Werthe  und  der  Ausdehnungscoefficienten 


*)  S.  p.  '80. 

**)  Wied.  Ann.  53,  1894,  p.  9. 


74 


von  Marignac,  wenn  man  für  die  beiden  eoncentrirteren  und  die  beiden 
verdünnteren  Lösungen  je  das  Mittel  nimmt,  bei  i;=24  AR  = 119,30  und 
bei  v = 580  AR  = 119,56.  Diese  Werthe  reihen  sich  in  die  der  Tabelle 
genügend  ein.  Die  Tabelle  zeigt,  dass  die  Aequivalentrefraction  beim 
Uebergang  von  einer  nahezu  13°/0  Lösung  zu  einer  von  0,4°/0  um  etwa 
0,5  Einheiten  steigt.  Dies  giebt  einen  Anhaltspunkt  für  die  Grössenordnung 
des  Betrags,  um  welchen  die  Aequivalentrefraction  einer  Lösung  aus  anderen 
Gründen  als  wegen  Dissociation  ansteigen  mag. 

Einen  directen  Einfluss  der  Dissociation  auf  die  Aequivalentrefraction 
durch  den  Anstieg  der  letzteren  zu  begründen,  liegt  also  gegenwärtig  die 
Möglichkeit  nicht  vor,  wenn  bei  wachsender  Verdünnung  in  den  angegebenen 
Grenzen  der  Anstieg  nur  von  der  Grössenordnung  von  0,5  Einheiten  ist. 
Die  etwa  20  von  mir  und  von  Herrn  Dijken  untersuchten  Körper  in 
wässeriger  Lösung  zeigen  keinen  grösseren  Anstieg , so  dass  sich  also  bei 
diesen  ein  erkennbarer  Einfluss  der  Dissociation  auf  das  Brechungs- 
vermögen nicht  ergiebt*). 

Herr  Le  Blanc  hat  Versuche  gemacht,  aus  welchen  in  gleicher  Weise 
folgt,  dass  die  nicht  durch  Dissociation  erklärbaren  Einflüsse  auf  die 
Aequivalentrefraction  noch  grössere  Beträge  erreichen  können,  diese  bis 
zu  zwei  Einheiten  zu  ändern  vermögen.  So  ergab  z.  B.  CdJ2  in  Aceton 
eine  um  eine  Einheit,  KJ  in  Aceton  eine  um  zwei  Einheiten  grössere 
Aequivalentrefraction  wie  in  Wasser.  Dabei  ist  noch  besonders  bemerkens- 
werth,  dass  die  dissociirte  wässerige  Lösung  den  kleineren  Werth  liefert, 
während  doch  nach  den  übrigen  Versuchen  des  Herrn  Le  Blanc  der 
directe  Einfluss  der  Dissociation  eine  Vergrösserung  bewirkt.  Unter  diesen 
Umständen  wird  man  zu  keinem  anderen  Schluss  gelangen  können,  als 
dass  sowohl  die  Anstiege  der  Aequivalentrefraction  bei  wachsender  Ver- 
dünnung als  auch  die  bei  der  Neutralisation  mit  verschieden  dissociirten 
Säuren  auftretenden  Differenzen  nur  mit  grösster  Vorsicht  zu  weiteren 
Schlüssen  über  den  Einfluss  der  Dissociation  benutzt  werden  können. 


C.  Di-  und  Trichloressigsäur e sowie  deren  Kaliumsalze. 

Das  einzige  Jon,  welches,  nach  den  bisherigen  Untersuchungen  zu 
schliessen,  beim  Uebergang  aus  dem  neutralen  in  den  dissociirten  Zustand 
seine  Refraction  etwas  beträchtlicher  ändert,  scheint  der  Wasserstoff  zu 
sein.  13  Säuren  sind  von  Herrn  Le  Blanc  und  Rohland  1.  c.  untersucht 
auf  die  Differenz  ihrer  Aequivalentrefraction  mit  derjenigen  ihres  Natrium- 
salzes und  ergehen  einen  Anstieg  dieser  Differenz  um  etwa  zwei  Einheiten, 
wenn  man  sie  in  umgekehrter  Reihenfolge  des  für  halbnormale  Lösungen 
gütigen  Dissociationsgrades  der  Säure  durchläuft. 

Es  tritt  die  Frage  auf,  ob  sich  in  dem  bei  der  Verdünnung  ein- 
tretenden Anstieg  des  molecularen  Brechungsvermögens,  der,  wie  wir  sahen, 
im  Allgemeinen  durch  den  Verlauf  des  Molecularvolumens  erklärt  wird, 
vielleicht  wenigstens  beim  H-Jon  ein  Einfluss  der  Dissociation  noch  er- 
kennen lasse,  ob  dort  etwa  nach  Berücksichtigung  der  Aenderung  des 
Molecularvolumens  noch  eine  genügend  grosse  Aenderung  des  molecularen 


*)  S.  auch  Anmerkung  ***)  p.  79. 


75 


Brechungsvermögens  bestehen  bliebe,  um  trotz  des  Vorhandenseins  des 
erwähnten  Nebeneinflusses,  den  wir  kurz  Concentrationseinfluss  nennen 
wollen,  noch  einen  einwandfreien  Schluss  zuzulassen. 

Zur  Beantwortung  dieser  Frage  können  die  bereits  in  den  ersten 
Paragraphen  zum  Theil  verwendeten  Versuche  an  Triehlor-  und  Dichlor- 
essigsäure  dienen.  Darauf,  dass  gerade  die  letztere  hier  die  meiste  Aus- 
sicht bietet,  hat  schon  Herr  Le  Blanc  hingewiesen. 

Zunächst  mögen  die  Versuche  an  den  genannten  Körpern  mitgetheilt 
werden.  Ich  habe  dieselben  bis  zu  grossen  Concentrationen  fortgesetzt, 
obwohl  bei  diesen  Concentrationseinfliisse  auf  die  Aequivalentrefraction 
im  Allgemeinen  stärker  wirken  werden,  so  dass  es  nicht  möglich  ist,  den 
Einfluss  der  Dissociation  daneben  einigermassen  sicher  zu  bestimmen. 
Diese  concentrirteren  Lösungen  sollten  dann  beim  Vergleich  mit  den  ver- 
dünnteren  einen  Anhaltspunkt  für  den  Concentrationseinfluss  liefern. 

Die  folgenden,  die  Resultate  der  Messungen  enthaltenden  Tabellen 
sind  im  Allgemeinen  ebenso  angeordnet,  wie  die  § 8 für  Cd  Br 2 gegebenen. 
Da  bei  Di-  und  Trichloressigsäure  alle  vier  Einstellungen  genommen,  nicht 
nur  «,  sondern  auch  af  (siehe  p.  54)  beobachtet  worden  war,  ergaben  sich 
die  oTcorr  einfach  als  deren  Mittel.  Die  Reduction  auf  12,5°  war  hier  bereits 
an  den  Einzelbeobachtungen  bewirkt  worden. 


Tabelle  VIII. 

Trichloressigsäure,  Dichtebeobachtungen. 
t0  = 12,50°;  CCPCCFH  = 163,35;  Q = 0,99948;  A/Q  = 163,44. 


v 12,5° 

T 

g 

£>corr 

s 12’5  — 1 
s W5  1 

1000 

v(s — 1) 

<f  12,5° 

oo 

12,636° 

3,23610 

3,23457 

— - 

— 

62,96 

12,792° 

3,13108 

3,12833 

0,001311 

82,5 

80,9 

00*) 

12,560° 

3,23517 

3,23422 

— 

— 

— 

31,49 

12.529° 

3,02487 

3,02419 

0,002592 

81,60 

81,84 

15,725 

12,530° 

2,81639 

2,81572 

0,005164 

81,21 

82,23 

7,873 

12,529° 

2,40113 

2,40051 

1 0,010288 

80,99 

82,45 

3,930 

12,501° 

1,57121 

1,57096 

0,020524 

80,66 

82,78 

Pt  Zulage**) 
in  H‘20 

12,50° 

1,59108 

1,59084 

— 

— 

— 

1,9681 

12,464° 

1,51776 

1,51800 

0,040767 

80,23 

83,21 

0,9814 

12,70° 

s = 1 

.,08092 

0,08094 

79,43 

84,01 

0,19676 

12,60° 

s = 1 

,36124 

0,36133 

71,10 

92,34 

*)  Ein  Stückchen  Platindraht  war  verloren.  Ausserdem  befand  sich  von  hier  ab 
von  zwei  durch  sehr  dünnen  Pt  Draht,  der  durch  die  Flüssigkeitsoberfläche  ging,  ver- 
bundenen Platinringen,  in  deren  einen  der  Glaskörper,  in  deren  anderen  der  zur  Wagschale 
führende  Draht  eingehängt  war,  der  andere  wie  beim  ersten  Versuch  innerhalb  der 
Flüssigkeit.  Deshalb  neue  Wägung  in  H20. 

**)  Glaskörper  erhielt  eine  Platinbeschwerung,  so  dass  das  Gewicht  in  Wasser 
von  12,50°  nun  3,23422  + 1,59084  = 4,82506  wurde. 


76 


Tabelle  IX. 


Trichloressigsäure,  0 

Dtische  Beobachtungen;  12,50°. 

1000 

SP/s 

AR 

AR' 

v 12,5° 

ß^corr  12,5° 

n — n0 

v (n— no) 

a 

62,96 

1°  43'  50"*) 

0,0003419 

21,53 

26,97 

48,50 

48,56 

28,72 

0,96 

31,49 

2°  26'  0" 

0,0006758 

21,27s 

27,280 

28,77 

0,93 

15,725 

3°  26'  22" 

0,0013490 

21,21,  . 

27,410 

48,62 

28,81 

0,91 

7,873 

4°  50'  24" 

0,0002667 

20,99, 

27,483 

48,48 

28,73 

0,88 

3,930 

6°  50'  16" 

0, 0005306 

20,85j 

27,593 

48,44 

28,71 

28,65 

0,81 

1,9681 

9°  38'  28" 

0,0010478 

20,622 

27,737 

48,36 

0,71 

0,9814 

13°  35'  23" 

0,0020547 

20,16, 

28,oo 

48,16 

28,52 

0,54 

0,19676 

28°  55'  59" 

0,85059 

1 6,736 

30,78 

47,52 

28,14 

0,06 

Von  den  benutzten  Lösungen  wurde  gelegentlich  auch  das  Leit- 
vermögen k für  die  hier  benutzten  tiefen  Temperaturen  bestimmt.  Aus 
den  Curven  für  das  moleculare  Leitvermögen  X ergab  sich  unter  Mit- 
benutzung der  Curven,  welche  nach  Ostwald’s  für  25°  gütigen  Werthen 
construirt  wurden,  X oo;  12,5°  = 292.  Damit  sind  die  Dissociationsgrade  a 
berechnet.  Die  Bestimmungen  der  Leitvermögen  mögen  hier  Platz  finden. 

Tabelle  X. 


Trichloressigsäure,  Leitvermögen,  12,50°. 


^12,5° 

n0V3 

t 

107k 

107k 

12,5° 

X 

12,5° 

a 

62,96 

0,2514 

12,45° 

4,405 

4,415 

277,4 

0,955 

31,49 

0,3167 

12,31 

8,62 

8,646 

272,3 

0,933 

15,725 

0,3991 

12,71 

16,97 

16,92 

266,1 

0,911 

3,930 

0,6337 

12,79 

60,52 

60,25 

236,9 

0,811 

1,968 

0,7980 

12,57 

105,4 

105,3 

207,4 

0,711 

0,9814 

1,006 

12,52 

161,7 

161,6 

158,6 

0,545 

0,1968 

1,719 

12,55 

87,5 

87,4 

17,21 

0,056 

Tabelle  XI 

Di 

chloressigsäure,  Dichtebeobachtungen 

. 

t0  ==  12,50° 

; A = C C12H  C02H  ==  128,91 

; q-  = 128,98;  Q = 

= 0,99948- 

12,5 

1000 

^12,5° 

T 

g 

§corr 

siA_1 

v (s  — 1) 

SPl2,5° 

00**) 

12,560° 

3f23517 

3,23422 

— 

— 

64,4 

12,515 

3,15608 

3,15550 

0,000971 

62,6 

66,4 

32,18 

12,539 

3,07913 

3,07837 

0,001923 

61,89 

67,09 

16,068 

12,497 

2,92904 

2,92862 

0,003771 

60,59 

68,39 

4,017 

12,580 

2,05283 

2,05176 

0,014593 

58,62 

70,36 

1,0054***; 

112,528 

0,25589 

0,25537 

0,056333 

56,635 

72,34 

0,20110 

13,42 

1 = 

1,25321 

0,25389 

52,90 

76,08 

*)  Die  Werthe  sind  der  Tabelle  auf  p.  57  entnommen,  in  einigen  Fällen,  wo 
zwei  Versuchsreihen  ansgeführt  worden  waren,  siehe  p.  60,  wurde  deren  Mittel  benützt, 
wodurch  sich  die  in  der  7.,  bezw.  bei  der  v — 1 Lösung  in  der  6.  Decimale  eintretenden 
kleinen  Aenderungen  erklären. 

**)  Siehe  Tabelle  VIII  und  p.  75  Anmerkung  *). 

***)  Glaskörper  mit  Pt-Zulage  gebraucht,  siehe  p.  75  Anmerkung  **). 


77 


Tabelle  XII. 


Dichlor  essig  säure, 

Optische  B 

eobachtr 

mgen; 

12,50°. 

V 12,5° 

W corr  12,5° 

n- 

100° 

1J0  -u(n  — n0) 

We 

AR 

AR' 

a 

64,40 

1°  33'  22"*) 

0,0002765  17,74 

22,14 

39,88 

23,62 

0,81 

32,18 

2°  10'  13" 

0,0005377  17,30 

22,36 

39,67 

23,50 

0,77 

16,068 

3°  1'  34" 

0,0010446  16,785 

22,797 

39,58 

23,48 

0,69 

4,017 

5°  52'  15" 

0,003918  15,738 

23,453 

39,19 

23,30 

0,43 

1,0054 

11°  26'  14" 

0,014664  14,743 

24,113 

38,86 

23,12 

0,23 

0,20110 

24°  50'  7" 

0,064589  12,987 

25,360 

38,35 

22,80 

0,025 

Tabelle  XIII. 

Dichloressigs 

äure,  Leitvermögen; 

12,50° 

v12,5° 

m Vs 

t 

107k 

107.k 

12,5° 

X 

12,5° 

a 

1284 

0,0920 

12,39 

0,2160 

0,2164 

277,3 

0,934 

64,40 

0,2495 

12,38 

3,773 

3,780 

243,4 

0,813 

4,017 

0,6290 

12,54 

31,80 

31,78 

127,6 

0,431 

2,011 

0,7923 

12,71 

48,15 

48,01 

96,5 

0,330 

1,005 

0,9982 

12,43 

65,91 

65,98 

66,3 

0,229 

0,201] 

L 1,707 

12,58 

37,71 

37,67 

7,57 

0,025 

Analog  wie  oben  für  C C13C02H  angegeben  ist,  fand  sieb  ^oo . 12,5°  — 297. 


Tabelle  XIV. 

Kafiumsalze  der  beiden  Säuren. 

A 

Q (pT 
201,59  90,05 
167,13  73,91 


C C13C02K 
CC12HC02K 


^12,5° 

7,852 

7,921 


T 

12,640° 

,554 


grc 

2,08444 

2,28149 


ö H 20,  T 

3,23577 

3,23512 


0,014205  111,* 
0,011766  93, : 


t - deiy  4 a t a00„  n— n0  v (n_n0)  Aß  AR' 

CC13C02K  12,64°  5°  4' 33"  +41, o"  +3,3"  5°  5' 17"  0, 002946  23,130°  53,15  31,49 
CC12HC02K  ,55  4°42'25"  +41, o +1,2"  4° 43'  7"  0, 002535  20,085  44,72  26,46 

Der  Gehalt  der  Lösungen  beruht  auf  Titrirung  mit  0,1  KOH  Lösung. 
BeiCCl3C02H  ergab  letztere  bei  etwa  1/16  normalen  Säurelösung  — 
15,724,  bei  einer  etwa  normalen  Lösung  v12o=  3,9353.  Berechnet  man 
aus  diesen  Werthen  den  Gehalt  der  Originallösung,  aus  welcher  alle  anderen 
durch  Verdünnen  mit  Pipette  und  Messkolben  hervorgingen,  so  findet  sich 
dafür  v12o  — 5,082  bezw.  5,076.  Die  Werthe  stimmen  bis  auf  1,2  °/00  überein; 
der  erstere  derselben  wurde,  da  er  auf  umfangreicheren  Beobachtungen 
beruht,  zu  Grund  gelegt.  Aus  dem  Gewicht  der  zur  Originallösung  ver- 
wendeten Substanz  (Kahlbaum)  und  dem  Lösungsvolumen  fand  sich 
Vi20  = 5,054  5 was  in  guter  Uebereinstimmung  mit  dem  obigen  ist. 


*)  Siehe  p.  76  Anmerkung  *). 


78 


Für  CC12HC02H  ergab  die  Titrirung  der  etwa  t/16  Lösung  für  die 
Originallösung  t»i3,7o  = 0,2012,  während  aus  der  Herstellung  0,2005  folgt. 
Der  erstere  Werth  war  in  den  Tabellen  anzuwenden. 

Den  Gehalt  der  K- Salzlösungen  lieferte  deren  Herstellung.  Eine  der 
Säurelösungen  wurde  mit  KOH  scharf  neutralisirt,  der  Haltbarkeit  wegen 
eine  Spur  Säure  zugesetzt  und  dann  auf  gemessenes  Volum  aufgefüllt. 

Den  Temperaturreductionen  der  optischen  Beobachtungen  liegen  die 
x des  § 5 zu  Grunde.  Die  für  die  Dichtereductionen  erforderlichen  Aus- 
dehnungscoefficienten  wurden  bestimmt  und  ergaben: 


Tabelle  XV. 


■ V 

10% 

t 

C C13C02H 

0,197 

7,47 

12,6° 

3,93 

1,47 

12,6° 

63,o 

1,17 

12,6° 

CC12HC02H 

0,201 

Ui 

12,5° 

•n 

4,02 

1,46 

12,5° 

CC13C02K 

7,85 

1,51 

12,4° 

CC12H  C02K 

7,92 

1,50 

12,5° 

Was  den  Vergleich  mit  meinen  früheren  Beobachtungen  betrifft,  so 
ist  zu  berücksichtigen,  dass  jetzt  ein  viel  grösseres  Concentrationsintervall 
benutzt  ist.  Dadurch  wird,  wie  sich  aus  dem  Folgenden  ergiebt,  schon 
wegen  des  Concentrationseinflusses  ein  Ansteigen  der  Aequivalentrefraction 
bewirkt.  Beschränkt  man  sich  auf  das  früher  benutzte  Intervall,  so  ist 
der  Anstieg  von  R,  procentisch  genommen,  etwa  so  gross,  wie  früher  bei 
Schwefelsäure,  indess  bleibt  er  jetzt  aber  auch  in  den'  R'- Werth en  bestehen. 
Absolut  genommen,  ist  er  etwa  so  gross,  wie  früher  bei  Zucker,  bei  dem 
jedoch  der  Grösse  der  Molecularrefraction  wegen  der  absolute  Betrag  der 
Aenderung  nur  mit  geringer  Genauigkeit  «bestimmt  werden  kann. 

Um  etwas  darüber  schliessen  zu  können,  inwieweit  der  aus  den  Tabellen 
ersichtliche  Anstieg  der  Refraction  mit  der  Verdünnung  von  der  Dissociation 
abhängt,  mögen  zunächst  die  Refractionsunterschiede  zwischen  Salz  und 
Säure  für  gleich  dissociirte  Lösungen  von  Salzsäure,  Di-  und  Trichlor- 
essigsäure  zusammengestellt  werden.  Der  erste  Absatz  der  Tabelle  enthält 
die  von  Herrn  Le  Blanc  und  Rohland  gegebenen  Werthe,  die  folgenden 
wesentlich  auf  meinen  Bestimmungen  beruhende.  Die  Bezeichnungen  sind 
die  oben  gebrauchten. 


Tabelle  XVI. 


a 

AR 

Diffe- 

AR' 

Diffe- 

Säure 

Na- Salz 

Säure 

Na-Salz 

renz 

Säure 

Na-Salz 

renz 

HCl*) 

0,65 

0,66 

14,5 

15,9 

1,4  j 

8,48 

9,23 

0,75 

CC13C0‘2H 

0,65 

0,74 

48,1 

50,2 

2,1 

28,52 

29,68 

1,17 

C CRH  C02H 

0,13 

0,66 

38,8 

41,6 

2,8 

23,n 

24,50 

1,39 

*)  Dieser  erste  Theil  der  Tabelle  nach  Le  Blanc  und  Rohland. 


79 


d 

AR 

Diffe- 

AR' 

Diffe- 

Säure 

K-Salz 

Säure 

K-Salz 

renz 

Säure 

K-Salz 

renz 

CC13C0-H 

0,056 

0,81 

47,52 

53,14 

5,62 

28,14 

31,49 

3,35 

C (TU  CO  II 

11 

ii 

38,42 

44,78  1 

6,36 

22,84 

26,46 

| 3,62 

HCl*) 

0,21 

0,81 

14,26 

19,04 

4,78 

8,30 

11,18 

2,88 

C C13C02H 

. H 

ii 

47,72 

53,14 

5,42 

28,27 

31,49 

3,22 

ccnico  h 

V 

11 

38,82 

44,78 

5,96 

23,12 

26,46 

3,34 

HCl 

0,65 

0,81 

14,5 

19,04 

4,54 

8,48 

11,18 

2,70 

CC13C02H 

n 

ii 

48,29 

53,14 

4,85 

28,62 

31,49 

2,87 

C C12HC02H 

•,i 

ii 

39,5 

44,78 

5,28 

23,49 

26,46 

2,97 

HCl 

0,81 

0,81 

! 14,44 

19,04 

4,66 

8,43 

11,18 

2,75. 

CCPCOHI 

11 

ii 

48,44 

53,14 

4,70 

28,71 

31,49 

2,78 

CCPHCOHI 

11 

ii 

39,88 

44,78 

4,90 

23,62 

26,46 

2,84 

H2S04**) 

0,75 

ii 

11,64 

16,39 

4,75 

9,60 

6,74 

2,86 

Aus  der  Tabelle  sind  die  für  eine  Reihe  gleicher  Dissociationsgrade 
bestehenden  Refractionsdifferenzen  der  drei  Säuren  gegen  ihr  Kaliumsalz 
zu  ersehen.  Sie  sind  bei  sehr  grosser  Dissociation  (grosser  Verdünnung) 
für  die  verschiedenen  Säuren  einander  fast  gleich,  werden  aber  mit  ab- 
nehmender Concentration  immer  ungleicher.  Bei  20  °/0  Dissociation  unter- 
scheiden sie  sich  für  Salz-  und  Dichloressigsäure  um  1,2  Einheiten.  Daraus 
ergiebt  sich  wieder  eine  quantitative  Schätzung  des  Concentrationsein- 
flusses***),  derselbe  ist,  falls  bei  andern  Substanzen  ähnliche  Aenderungen 
eintreten,  wie  bei  den  obigen  drei  Säuren,  von  gleicher  Grössenordnung 
wie  ein  wahrscheinlich  bestehender  Einfluss  der  Dissociation. 

Dass  der  letztere  besteht,  dass  er  zur  Erklärung  eines  Theiles  des 
Anstieges  der  Aequivalentrefraction  jedenfalls  bei  der  Dichloressigsäure 
sehr  wahrscheinlich  herangezogen  werden  muss,  ist  ebenfalls  aus  der 
Zusammenstellung  ersichtlich.  Wenn  darüber  wegen  des  verhältnissmässig 
grossen  Concentrationseinflusses  noch  Zweifel  Zurückbleiben  könnten,  so 
heben  sich  diese  bei  einer  Vergleichung  mit  den  für  Essigsäure  früher 
gefundenen  Werthen,  bei  denen  innerhalb  der  Verdünnungen  von  1 bis  100 
eine  Constanz  der  21,45  betragenden  Aequivalentrefraction  bis  auf  0,02 
Einheiten  nachgewiesen  werden  konnte.  Von  solchen  Einflüssen,  welche 


*)  Die  Werthe  für  HCl  nach  Le  Blanc,  die  für  IC  CI  nach  Dijken. 

**)  Für  H2S04  ans  eigenen  Werthen  für  diese  Säure,  und  Werthen  von  Herrn 
Dijken  für  % (NH^SO^  NH4C1  und  KCl  berechnet. 

***)  Den  Umstand,  dass  auf  die  Werthe  AK  bezw.  AR'  noch  unbekannte  Einflüsse, 
hier  Concentrationseinflüsse  genannt,  wirken,  hielt  ich  beim  Abfassen  früherer  Arbeiten 
für  allgemein  bekannt  und  beschränkte  mich  deshalb  auf  die  Untersuchung  möglichst 
verdünnter  Lösungen.  Ich  wies  auf  denselben  (z.  B.  Wied.  Ann.  53,  1894,  p.  11)  mit 
den  Worten  hin:  . . . „andererseits  ist  ja  die  Unveränderlichkeit  des  Brechungsvermögens 
auch  sonst  nur  annäherungsweise  vorhanden  und  zu  erwarten.“  Zu  diesen  Worten  fügt 
Herr  Dijken  nicht  in  seiner  Dissertation,  aber  in  dem  Auszug  derselben  in  Ztschr. 
phys.  Chem.  1.  c.  die  Bemerkung , dass  sie  ihm  nicht  klar  seien.  Aus  dem  Obigen  ist 
ersichtlich,  was  ich  damit  gemeint  habe.  Uebrigens  möchte  ich  hinzufügen,  dass 
Herr  Dijken  meine  Schlüsse  in  seiner  Dissertation  zwar  genügend  vollständig  citirt, 
dass  dieselben  in  dem  erwähnten  Auszug  aber  infolge  des  Zusammenstreichens  meine 
Anschauung  nicht  mehr  genügend  wiedergeben. 


80 


mit  der  Dissociation  weder  direct  noch  indirect  Zusammenhängen,  dürfte 
aber  ' hei  der  Essigsäure  auch  noch  etwas  constatirbar  sein  müssen, 
wenn  sie  bei  ihren  Chlorsubstitutionsproducten  eine  grössere  Rolle  spielen 
würden. 

Wenn  sich  also  die  Schlüsse  der  Herren  Le  Blanc  und  Rohland  in 
einem  der  beiden  von  ihnen  angegebenen  Fällen,  beim  Bromcadmium, 
als  irrthümlich  erwiesen  haben,  so  erhalten  wir  in  dem  anderen,  bei 
Dichloressigsäure,  durch  den  Verlauf  der  Aequivalentrefraction  bei  Ver- 
änderung der  Concentration  eher  eine  Bestätigung  derselben.  Der  H nimmt 
sehr  wahrscheinlicher  Weise  eine  quantitative  Ausnahmestellung  in  der 
Richtung  ein,  dass  bei  ihm  die  Dissociation  genügend  grossen  Einfluss 
auf  die  Aequivalentrefraction  hat,  um  auch  trotz  sich  überlagernder  anderer 
Einwirkungen  wahrgenommen  werden  zu  können. 

Hinsichtlich  der  Frage,  von  welcher  Art  der  „Concentrationseinfluss“ 
ist,  folgt  zunächst  aus  den  Beobachtungen  mit  Zucker,  dass  er  jedenfalls 
zum  Theil  mit  der  Dissociation  auch  indirect  nicht  zusammenhängt,  zum 
Theil  könnte  er  aber  auch  von  der  Dissociation  mit  veranlasst  sein, 
indem  beispielsweise  eine  von  der  Concentration  abhängige  Wechsel- 
wirkung zwischen  Jonen  und  Lösung,  welche  einen  Einfluss  auf  die 
Aequivalentrefraction  hätte,  bestehen  könnte. 

Was  die  Quantität  des  Einflusses  der  Dissociation  auf  das  Brechungs- 
vermögen des  H betrifft,  so  lässt  sich  darüber  weder  aus  den  hier  ange- 
gebenen Versuchen  noch  aus  denen  der  Herren  Le  Blanc  und  Rohland 
etwas  schliessen,  da  über  den  Concentrationseinfluss  genügende,  quantitative 
Annahmen  nicht  gemacht  werden  können.  Die  Messungen  an  den  Essig- 
säuren würden  für  den  Uebergang  vom  undissociirten  in  den  vollständig 
dissociirten  Zustand  etwa  0,8  Einheiten  ergeben  (für  AR').  Bei  Salzsäure 
kann  ein  ähnlicher  Vergleich,  wie  der  mit  Essigsäure,  nicht  herangezogen 
werden.  Wenn  man  aber  die  Werthe  für  Salzsäure  überblickt  und  mit  denen 
für  Essigsäure  vergleicht,  so  sieht  man  sich  zu  der  im  vorigen  Absatz 
angegebenen  Folgerung  gedrängt,  so  dass  für  die  Dissociirung  des  H 
ein  von  der  Substanz,  in  welcher  er  enthalten  ist,  unabhängiger  Werth 
der  Steigerung  der  Aequivalentrefraction,  vielleicht  gar  nicht  zu  erhalten 
ist  (d.  h.  experimentell  könnte  ein  constanter  und  ein  variabeler  Theil 
untrennbar  sein),  was  ja  mit  der  Dissociationstheorie  keinen  Widerspruch 
bildet. 

Bei  weiteren  Versuchen  etwa  die  verschiedenen  Einflüsse  zu  trennen, 
dürfte  es  angezeigt  sein  zu  berücksichtigen,  dass  die  Schlussweise  des  Herrn 
Le  Blanc  auf  Werthen  beruht,  welche  Differenzen  von  Differenzen  von 
Differenzen  sind.  Es  handelt  sich  ja  um  die  Unterschiede  der  Aequivalent- 
refractionsdifferenzen  von  Säure  und  zugehörigem  Salz.  Die  Aequivalent- 
refractionen  bilden  aber  selbst,  wie  aus  der  p.  70  citirten  Formel  ersicht- 
lich ist,  die  Summe  zweier  Differenzen,  nämlich  der  molecularen 
Brechungsdifferenz  und  des  Molecularvolumens,  welch5  letzteres  die 
Differenz  des  Volumens  von  Lösung  und  darin  befindlichem  Wasser  dar- 
stellt. Daraus  folgt,  dass  für  weitere  Bestimmungen  die  schärfsten 
Methoden,  insbesondere  auch  für  die  optischen  Bestimmungen,  Differential- 
methoden, anzuwenden  sind.  Ferner  wäre  zu  berücksichtigen,  dass  der 
Schlussweise  des  Herrn  Le  Blanc  wesentlich  durch  die  systematische  Folge 
der  untersuchten  Verbindungen  Wahrscheinlichkeit  verliehen  wird,  so  dass 
es  erwünscht  ist,  die  Zahl  der  untersuchten  Säuren  zu  vermehren. 


81 


Schliesslich  möge  noch  darauf  hingewiesen  werden,  dass  die  Durch- 
sicht der  Tab.  XVI  zeigt,  dass  die  R'-Werthe  den  Concentrationseinfluss 
besser  eliminiren  wie  die  R-Werthe*). 

Zusammenstellung  der  Resultate.  Es  ist  die  Theorie  des 
Umdrehverfahrens  bei  der  Differentialmethode  mit  streifender  Incidenz 
des  Verfassers  gegeben  und  zwar  unter  Berücksichtigung  der  Winkelfehler 
des  Trogs  und  der  Abweichungen  der  Platte  vom  Planparallelismus.  Die 
Genauigkeit  der  Methode  ist  experimentell  nachgewiesen,  die  Brechungs- 
differenzen lassen  sich  bis  auf  etwa  1,5  Einheiten  der  sechsten  Decimale 
bestimmen.  Die  untere  Grenze  der  erreichbaren  n — n0  ist  etwa  3X10-4, 
wobei  man  noch  über  3/2  °/0  Genauigkeit  hat.  Der  Einfluss  der 
Temperatur  auf  die  Beobachtungen  und  die  daraus  entspringenden 
Temperaturcorrectionen  sind  dargelegt. 

Die  Frage  nach  der  Abhängigkeit  des  Brechungsvermögens  von  der 
Concentration,  insbesondere,  ob  sich  dabei  ein  Einfluss  der  Dissociation 
zeigt,  ist  dahin  zu  beantworten,  dass  ein  solcher  Einfluss  von  sicher  deut- 
barer Grösse  im  Allgemeinen  nicht  vorhanden  ist,  dass  etwa  bestehende 
Aenderungen  zu  klein  sind,  um  sicher  gedeutet  werden  zu  können. 
Die  Zunahme  der  Brechungsdifferenz  mit  wachsender  Verdünnung  findet 
im  Allgemeinen  eine  Erklärung  durch  den  Gang  der  Dichte.  Dass  der 
H wahrscheinlicher  Wreise  hiervon  eine  Ausnahme  bildet,  worauf  Herr 
Le  Blanc  geschlossen  hat,  wurde  bestätigt.  Ueber  die  Grösse  des  Einflusses 
lässt  sich  nichts  Sicheres  aussagen,  da  der  sich  überlagernde  Concentrations- 
einfluss von  derselben  Grössenordnung  ist.  Der  bei  Bromcadmium  von 
Herren  Le  Blanc  und  Rohland  gefundene  grosse  Einfluss  der  Dissociation, 
der  einzige  Fall,  in  dem  der  Concentrationseinfluss  gegenüber  dem  anderen 
verschwindet,  und  der  somit  einen  einwandfreien  Schluss  gestattet  hätte, 
beruht  auf  einem  Irrthum. 


*)  S.  auch.  Wied.  Ann.  53,  1894,  p.  11. 

December  1898. 

Technische  Hochschule  Dresden. 


V.  Resultate  der  floristischen  Reisen  in  Sachsen  und 

Thüringen.*) 

Yon  Prof.  Dr.  O.  Drude. 


In  der  Festsitzung  unserer  Gesellschaft  am  14.  Mai  1885  hatte  ich 
die  Ehre,  als  wissenschaftliches  Vortragsthema  „Sachsens  pflanzengeo- 
graphischen Charakter“  zu  behandeln;  eine  Anmerkung  im  Referat  über 
diese  Sitzung  besagt,  dass  von  einer  Drucklegung  dieses  Vortrages  ab- 
gesehen werden  sollte  in  Hinsicht  auf  die  geplante  Erweiterung  des  ganzen 
Gegenstandes  zu  einer  grösseren,  durch  Karten  erläuterten  Abhandlung. 

Dreizehn  Sommer  sind  inzwischen  in  das  Land  gegangen,  und  jeder 
fügte  wesentliche  Bausteine  zu  der  Lösung  jener  Aufgabe  hinzu.  Vom 
Jahre  1888  an  stellte  das  Ministerium  des  Cultus  und  öffentlichen  Unter- 
richts einen  besonderen  Etat  für  die  Vorbereitungen  zu  einer  „Flora 
Saxonica“  dem  botanischen  Institut  zur  Verfügung,  so  dass  die  vielen 
nothwendigen  Excursionen  und  weiteren  Reisen  gleichzeitig  mit  dessen 
Assistenten  veranstaltet  und  auch  der  Sammlungsdiener  zur  Unterstützung 
beim  Sammeln  und  Trocknen  der  Belegexemplare  herangezogen  werden 
konnten.  Dr.  C.  Reiche,  Dr.  A.  Naumann  und  Dr.  B.  Schorler  traten  so 
der  Reihe  nach  in  den  Dienst  der  schönen  Aufgabe,  in  unserem  Herbarium 
zunächst  einmal  eine  grosse,  das  nächstliegende  Landesinteresse  berück- 
sichtigende Sammlung  zusammenzubringen  und  die  speciellen  Ausarbei- 
tungen vorzubereiten  in  einer  consequent  durchgeführten  Etikettirung  und 
Aktenführung;  Dr.  Schorler,  nunmehr  als  Gustos  unserer  botanischen 
Sammlungen  an  der  Technischen  Hochschule,  übernahm  dann  später  auch 
die  zeitraubende  Abtheilung  der  niederen  Sporenpflanzen  und  hat  häufig 
der  botanischen  Section  Proben  seiner  andauernden  Untersuchungen  mit- 
getheilt.  258  Tage  habe  ich  persönlich  in  meinen  Florennotizbüchern 
verzeichnet  als  solche,  die  ich  in  den  ganzen  Jahren  mit  pflanzengeogra- 
phischem Studium  des  hercynischen  Florenbezirks  zwischen  Weser  und 
Lausitzer  Neisse  in  freier  Natur  zugebracht,  Tage  genussreich  und  arbeits- 
voll zugleich,  die  das  volle  Gefühl  einer  harmonischen  Befriedigung  zurück- 
gelassen haben,  indem  sie  zeigten,  dass  auch  in  unseren  gut  durchforschten 
Gauen  die  Arbeit  für  den  Naturforscher  nicht  aufhört,  dass  im  Gegentheil 
jede  neue  Idee  dazu  zwingt,  die  alten  Pfade  der  Vorgänger  wieder  zu  be- 
treten und  die  Naturvorgänge  in  neuem  Lichte  wiederum  an  der  Quelle  zu 


*)  Vortrag,  gehalten  in  der  botanisch -zoologischen  Section  der  naturwissenschaft- 
lichen Gesellschaft  Isis  in  Dresden  am  20.  October  1898. 


88 


beobachten,,  Zugleich  enthält  eine  solche  pflanzengeographische  Landes- 
durchforschung die  Grundziige  über  die  Vertheilung  der  Gunst  und  Ungunst 
in  der  Bodencultur.  — Die  grössere  „pflanzengeographische  Abhandlung“ 
über  Sachsen  und  Thüringen  ist  nunmehr  im  Werden;  sie  soll  einen  Band 
des  grossen,  von  mir  in  Gemeinschaft  mit  A.  En  gier -Berlin  unter  dem 
Titel  „Vegetation  der  Erde“  in  Einzelbearbeitungen  herauszugebenden 
Werkes  bilden.  Im  Augenblicke,  wo  der  ganze  Stoff  zur  'ausführlichen 
Verarbeitung  herangezogen  wird,  drängt  es  mich,  unserer  Section  in 
freierer  Weise  über  die  leitenden  wissenschaftlichen  Principien  kurze 
Mittheilung  zu  machen. 

Wenn*  heute  naturwissenschaftliche  Reisen  und  Ausflüge  unternommen 
werden,  so  hängen  die  zu  erwartenden  Resultate  wesentlich  von  den  Ideen  ab, 
die  auf  den  Schienengleisen  der  Eisenbahn  in  die  Natur  hinausgetragen  wer- 
den, von  den  wissenschaftlichen  Vorbereitungen,  die  dafür  getroffen  sind, 
von  den  Zwecken,  die  als  Beobachtungsziele  vorschweben.  In  floristischer 
Beziehung  gab  es  in  alten  Zeiten  nur  eine  Hauptrichtung,  die  der  Species- 
systematik;  in  neuer  Zeit  ist  die  geographisch -biologische  Forschung  als 
selbständiges  und  neues,  sich  in  mannigfache  Aufgaben  theilendes  Gebiet 
dazugekommen.  Wenn  ich  mit  meinen  wissenschaftlichen  Reisebegleitern 
hauptsächlich  der  letzteren  Richtung  zu  dienen  mir  vorgenommen  hatte, 
so  geschah  das  in  Erkenntniss  der  veränderten  Anschauungen  über  das 
wandelbare  Wesen  der  Species , welche  nur  auf  dem  Umwege  der  zweiten 
Richtung  erfolgreicher  Forschung  weichen  können,  während  die  ältere 
Herbarium -Richtung  der  einfachen  diagnostischen  Definition  unter  Hinzu- 
fügung eines  Namens  in  vielfacher  Hinsicht  zur  Belastung  und  Verwirrung 
der  höheren  Ziele  in  der  Naturbeschreibung  beiträgt.  Jedenfalls  stehen 
sich  die  beiden  Richtungen  nicht  fremdartig  gegenüber,  sondern  ergänzen 
sich  zu  einer  nothwendigen  Einheit  und  durchdringen  sich  gegenseitig; 
dass  ausserdem  die  ältere  Speciessystematik  das  Grundgerüst  der  ganzen 
Flora  liefert,  an  dessen  correctem  Ausbau  und  Verbessern  unausgesetzt 
weitergearbeitet  werden  muss,  ist  so  selbstverständlich,  wie  etwa  die  An- 
lehnung von  Geschichtsforschern  an  die  nackten,  in  den  Geschichtstabellen 
überlieferten  Namen  und  Jahreszahlen,  welche  gleichwohl  nicht  das  Wesen 
der  Geschichte  ausmachen.  Zudem  muss  betont  werden,  dass  die  Weiter- 
entwickelung des  schwierigen  Speciesbegriffs  auf  Reisen  viel  weniger  ge- 
fördert werden  kann,  als  durch  Versuche  in  botanischen  Gärten  und  durch 
analytische  Vergleiche  im  Herbarium,  wozu  allerdings  eine  formenreiche 
Sammlung  unermüdlich  zusammengetragen  sein  will.  Und  wie  dies  unsere 
Absicht  war,  davon  legt  das  sächsisch -thüringische  Herbarium  im  bota- 
nischen Institut  Zeugniss  ab,  welches  sich  aus  den  unbedeutenden  An- 
fängen weniger  Fascikel  unter  Mitwirkung  so  mancher  eifriger  Floristen 
im  Lande  zu  einer  ansehnlichen  Sammlung  vergrössert  hat. 

Es  musste  sich  also  darum  handeln,  durch  eigene  Beobachtungen  den 
grösseren  floristischen  Bezirk  zu  erkennen,  der  Sachsen  und  Thüringen  ein- 
schliesst,  dessen  Grenzen  festzusetzen  und  eine  naturgemässe  Eintheilung 
seiner  einzelnen  Glieder  vorzunehmen.  Dies  konnte  nur  geschehen  auf 
Grundlage  der  natürlichen  Bestände  oder  Vegetatio  ns- Formationen 
sammt  ihren  hervorragenden  „Leitpflanzen“,  wie  dieselben  in  der  Isis- 
Festschrift  vom  Jahre  1885  (S.  81)  erklärt  sind. 

Es  ist  die  grössere  floristische  Einheit  gefunden  worden  in  der  Zu- 
sammenfassung eines  „hercynischen  Florenbezirkes“,  welcher  sich 


S4 


vom  Lausitzer  Gebirge  bis  zu  den  westlichen  Wasserscheiden  der  Weser 
gegen  das  rheinische  Gebiet  erstreckt,  im  Norden  den  Harz  mit  seinem 
ganzen  Yorlande  Braunschweig  — Magdeburg  umfasst,  als  Südgrenze  den 
grossen  zusammenhängenden  Gebirgswall  Lausitzer  Bergland  — Erzgebirge  — 
Fichtelgebirge  — Frankenwald — Thüringer  Wald  nimmt,  dabei  aber  den  am 
Fichtelgebirge  angeknoteten  Böhmerwald  als  südöstlichste  Zunge  mit  ein- 
schliesst,  und  endlich  im  Süd  westen  als  Grenzmark  gegen  Franken  und 
den  Rhein  die  basaltische  Rhön  zum  Eckpfeiler  wählt,  so  dass  das  vom 
Thüringer  Becken  nicht  abzutrennende  Werraland,  von  Meiningen  an  bis 
herüber  zur  Fulda,  mit  eingeschlossen  wird.  Dieser  hercynische  Bezirk 
nimmt  noch  Theil  an  den  gemeinsam  um  die  Alpen  herum  gruppirten  und 
zum  Theil  von  ihnen  ausstrahlenden  Pflanzenbeständen  der  Berg-  und 
Hügelregion;  er  hat  demnach  grössere • Beziehungen  zum  Süden  als  zum 
Norden  und  macht  gegen  die  norddeutsche  Niederung  Front  mit  seinem 
Grenzwall  von  Hügelketten  aus  den  Trias-,  Jura-  und  Kreideschichten  von 
Hannover  bis  Magdeburg.  Besonders  deutlich  ist  die  Grenze  gegen  den 
deutschen  Nordwesten,  gegen  die  sogenannte  ,, nordatlantische  Niederung“; 
von  den  1564  im  hercynischen  Florenbezirk  zusammenkommenden  Arten 
an  Blüthenpflanzen  und  Farnen  kann  man  nur  ungefähr  die  Hälfte  noch 
zum  wirklichen  Besitz  dieses  nordwestlichen  Deutschlands  rechnen,  wie 
allerdings  auch  ebenso  unter  den  1564  hercynischen  Arten  nicht  wenige 
sind,  welche  nur  als  äusserste  Vorposten  und  gleichsam  verschlagene  Stand- 
orte an  einzelnen  Stationen  mitgezählt  sind  und  als  fremdartige  Zuzügler 
erscheinen. 

Das  hercynische  Berg-  und  Hügelland  ist  demnach  in  seinem  Floren- 
charakter wesentlich  mitteldeutsch  und  theilt  daher  viele  Eigenschaften 
mit  seinen  östlich  und  westlich  angrenzenden  Nachbargauen,  zwischen 
welche  es  sich  wie  ein  Keil  hineinschiebt  und  naturgemäss  Verbindungs- 
glieder in  den  Grenzlandschaften  erzeugt.  Im  Osten  hat  es  den  sudeti- 
schen  Florenbezirk,  im  Westen  den  rheinischen  zum  Nachbarn;  die  Sudeten 
haben  mit  ihrer  karpathischen  Verwandtschaft  zugleich  eine  viel  stärkere 
Entwickelung  von  Formationen  des  oberen  Berglandes,  als  irgend  eines 
der  hercynischen  Gebirge;  sogar  schon  in  den  niederen  Regionen  stecken 
ganz  neue  Areale,  wie  das  grünlich  blühende  Veratrum  album  Jedem  zeigt, 
der  vom  Jeschken  ausgehend  das  der  Lausitz  angrenzende  Isergebirge 
betritt.  Und  am  Rhein  nehmen  Pflanzenarten  des  Südwestens  ihre  Grenze 
(z.  B.  Acer  monspessulanum  und  Prunus  Mahaleb ),  welche  im  hercynischen 
Hügellande  nur  noch  als  Culturpflanzen  der  geschützten  Hügelregion  ge- 
deihen. 

Der  hercynische  Bezirk  ist  am  besten  in  seinen  Bergwald-  und  Hügel- 
formationen ausgeprägt,  während  z.  B.  die  Wasserpflanzen -Formationen 
eine  unbedeutendere  Rolle  spielen.  Selbstverständlich  herrschen  ähnliche 
Verhältnisse  in  den  sudetischen  und  rheinischen  Gauen,  doch  in  vielfach 
geänderter  Zusammensetzung  und  Ausprägung;  besonders  aber  muss  die 
Erwägung,  dass  die  von  dem  sächsisch-thüringischen  Grenzwall  umschlos- 
senen und  mit  dem  Harz  im  Norden  zu  neuem  Gebirge  aufgethürmten 
Landschaften  eine  geographische  Einheit  bilden,  in  der  die  Eigenschaften 
des  Beckens  von  den  Gebirgen  selbst  abhängen,  den  Grundgedanken  zu 
dieser  hercynischen  Gruppenbildung  liefern,  und  dann  wird  die  Angliede- 
rung des  Böhmerwaldes  im  Süden  und  die  des  Werra- Fulda -Weserlandes 
im  Westen  zur  weiteren  Notlr wendigkeit,  um  zu  der  einfachsten  Dreithei- 


85 


lung  des  mitteldeutschen  Berg-  und  Hügellandes  im  vorhingenannten  Sinne 
zu  gelangen.  In  diesem  hercynischen  Bezirke  erfreuen  sich  nun  die  Berg- 
wälder überall  des  Besitzes  von  Acer  Pseudoplatanus,  alle  mit  Ausschluss 
des  Harzes  auch  noch  der  Abies  pedinata,  überall  ist  Sambucus  racemosa 
Charakterstrauch,  vielfach  auch  Lonicera  nigra ; die  Massen staude  Senecio 
nemorensis,  das  wogende  Gehalm  von  Calamagrostis  Halleriana , die  Rudel 
von  Atropa  Belladonna , im  westlichen  Theil  die  ungeheuren  Massen  von 
Digitalis  purpurea\  sie  alle  zeigen  den  hercynischen,  gen  Norden  scharf 
abschliessenden  Florencharakter  an.  In  den  Hügelformationen  herrscht 
neben  der  allgemeinen  Salvia  pratensis  auch  S.  verticillata , selten  auch 
S.  silvestris;  die  Teucrium-  Arten  spielen  zumal  auf  Kalkboden  eine  im- 
posante Rolle;  Ornithogalum  umbellatum  blüht  in  Masse  auf  den  Hügel- 
wiesen und  Meum  athamanticum  bildet  im  Berglande  fast  überall  die 
Zierde  torfiger  Wiesen;  von  den  unteren  Hainen  bis  zu  den  kahlen  Berg- 
gipfeln hinauf  steigen  die  Rudel  von  Luzula  nemorosa  ( albida ),  und  in 
manchen  östlichen  Gauen  ist  Car  ex  brizoides  wie  in  Süddeutschland  eines 
der  gemeinsten,  ganze  Hainbestände  dicht  erfüllenden  Riedgräser:  auch 
diese  enden  alle  mit  Nordgrenzen  gegen  die  Niederung  oder  verlieren  sich 
nach  dorthin  unregelmässig.  Es  fehlt  aber  in  dieser  gedrängten  Skizze  an 
Raum,  um  in  die  floristischen  Einzelheiten  tiefer  einzudringen. 

Die  Frage  drängt  sich  dagegen  von  selbst  als  eine  von  hervorragen- 
der Bedeutung  auf:  wie  sieht  es  mit  der  inneren  Gliederung  des  ganzen 
Florenbezirkes  aus?  Sind  etwa  nur  Berg-  und  Hügellandschaften  zu  unter- 
scheiden, oder  drückt  sich  ein  weiterer  Unterschied  in  deren  Lage  nach 
0.,  W.  oder  S.  aus?  Diese  Frage,  die  Abgrenzung  natürlicher  Landschaften 
im  Ganzen,  war  selbstverständlich  eine  der  wichtigsten  Aufgaben  für  die 
pflanzengeographische  Durchforschung  und  hat  zu  der  Aufstellung  von 
14  „Lands chaften“  (oder  Territorien)  geführt,  deren  Namen  nachher 
folgen  werden.  Wovon  hängt  diese  innere  Gliederung,  die  Beschaffenheit 
der  einzelnen  Theile  ab?  Drei  Ilauptfactoren  lassen  sich  dafür  angeben: 

a)  Der  Einfluss  der  verschiedenen  Florenelemente,  welche  zur  Be- 
siedelung zur  Verfügung  standen,  und  je  nach  südöstlicher,  nord- 
östlicher, südwestlicher  oder  nordwestlicher  Lage  der  Landschaft 
nicht  unerheblich  verschieden  waren;  in  dieser  Lage  muss  sich 
zugleich  der  Einfluss  des  sudetischen,  böhmischen,  fränkischen 
oder  rheinischen  Nachbarbezirkes  ausdrücken.  Hierbei  handelt 
es  sich  also  hauptsächlich  um  den  Einfluss  der  posttertiären  und 
postglacialen  Entwickelung,  die  Ablagerungen  von  Löss  für  steppen- 
artige Formationen  (und  es  ist  sicher,  dass  die  östlichen  Genossen- 
schaften von  Meissen  bis  Magdeburg  alle  auf  Bodensorten  mit 
gewissen  gleichmässigen,  staubig-trockenen  Eindruck  hervorrufen- 
den Eigenschaften  Vorkommen);  die  Erklärung  der  Relicte  fällt 
hier  hinein. 

b)  Der  Einfluss  der  Höhenlage  und  des  davon  abhängigen  Klimas 
nach  den  beiden  wichtigsten  Hebeln  der  Vegetationsprocesse,  Wärme 
und  Nässe.  Bei  400  — 500  m Höhe  beginnt  an  Nordhängen  im 
Allgemeinen  die  Bergzone,  bei  1100 — 1300  m endet  die  letztere 
mit  dem  Fichtenwalde  und  es  beginnt  ein  schwacher  Anfang  von 
subalpiner  Zone,  welche  zu  Ende  ist,  ehe  sie  zum  ordentlichen 
Ausdruck  gelangen  konnte.  In  diesem  Mangel  der  Entwickelung 
einer  besonderen  Hochgebirgsregion  liegt  ein  wesentlicher  hercy- 


86 


nischer  Charakter;  ihm  ist  die  im  Grossen  und  Ganzen  herrschende 
Einförmigkeit  in  den  dichten  Fichtenbeständen  der  Bergkämme 
zuzuschreiben,  die  sich  nur  einmal  da  ändert,  wo  ein  Hochmoor 
ausgebreitet  liegt,  oder  wo  für  hochgelegene  quellige  Schluchten 
und  geröllführende  Berghaiden  genügender  Platz  vorhanden  ist. 
c)  Der  Einfluss  des  Bodens,  in  seiner  Zusammenwirkung  mit  Ver- 
witterung, Insolation  und  Befeuchtung,  welche  dem  Boden  erst 
die  eigentliche  Bedeutung  verleihen.  Die  Bodenarten  sind  im 
hercynischen  Bezirke  in  allen  möglichen  Abstufungen  von  Ur- 
gesteinen, paläozoischen  Grauwacken,  Thon-  und  Kieselschiefern, 
in  der  Abwechselung  von  Buntsandstein  und  Muschelkalk  in  den 
Triaslandschaften,  seltener  mit  Keupersandsteinen,  in  Quadersand- 
steinen, diluvialen  Geschieben  und  endlich  in  mächtigen  Basalt- 
erhebungen und  Porphyrmassen  vertreten;  bis  zu  einem  gewissen, 
mit  floristischem  Takt  einzuhaltenden  Grade  sind  einzelne  Land- 
schaftsgrenzen sehr  wohl  mit  bestimmten  geognostischen  Boden- 
klassen in  Uebereinstimmung  zu  bringen;  oft  ist  aber  eine  rein 
orographische  Linie  wichtiger  als  das  Auftreten  einer  anderen 
geologischen  Formation. 

Das  waren  die  wesentlichen  Gesichtspunkte,  welche  an  der  Hand  der 
nöthigen  Hilfsmittel  auf  unseren  Botanisirreisen  den  Leitfaden  für  die 
Florenaufnahmen  bildeten  und  welche  mit  den  wirklich  Vorgefundenen 
Beständen  in  Uebereinstimmung  zu  bringen  waren.  Und  welche  Viel- 
heit in  diesen  Beständen!  Gleichen  sich  schon  die  Wiesen  selten,  wie 
viel  weniger  noch  der  Wald  in  seiner,  je  nach  Baumarten  wechselvollen 
Zusammensetzung.  Hierüber  kann  ich  heute  um  so  rascher  hinweggehen, 
als  ich  schon  früher  (Isis  1888,  S.  68)  eine  ausführliche  Formationsliste 
von  den  hercynischen  Landschaften  als  Ergebniss  der  darauf  gerichteten 
Untersuchungen  entworfen  habe.  Dieselbe  ist  aber  vielleicht  noch  etwas 
zu  mannigfaltig,  was  eher  zu  Schwierigkeiten  in  der  Verwendung  führt 
als  das  Gegentheil;  daher  gebe  ich  hier  eine  kurze,  handlichere  Zusammen- 
ziehung unter  Anführung  mancher  charakteristischer  Pflanzenarten  als 
Beispiele.  Diese  Zusammenziehung  entspricht  einer  biologischen  Gliede- 
rung der  Standorte  nach  dem  geringsten  Maasse. 

Die  10  hercynischen  Formationsgruppen  in  charakteristischer 

Y Ausprägung.  (Höhenangaben  im  Mittel.) 

I.  Wälder,  trocken,  100 -—500  m ( Carpinus , Tilia,  Betula , Quercus, 
Fagus).  — ( Acer  campestre,  L.  Xylosteum). 

II.  Wälder,  bruchig,  80  — 300  m {Ainus!  Fraxinus,  Quercus,  Car- 

pinus). (Frangula!  Angelica  silvestris  9|). 

III.  a)  Wälder,  montan,  500 — 1200  m (Abies,  Fagus , Acer  Pseudoplat., 

Picea).  — ( Sambucus  racemosa,  Lonicera  nigra). 
b)  Quellflur.  {Chrysosplenium,  Chaerophyllum  hirsutum.  — Mul- 
gedium  alpinum  600  — 1200  m). 

IV.  Kiefernhaidewald.  ( Pinus  silvestris,  Betula).  ( Calluna , Saro- 

thamnus , Gnaphal.  dioicum). 

V.  Hain-,  Fels-  und  Geröllfluren  auf  dysgeogen-pelit.  Boden. 
(. Rosaceae : Crataegus,  Bosa,  Prunus  spinosa,  Cotoneaster, 
Aronia,  Sorbus  Aria.) 


87 


a)  Kalk:  Bupleurum  falcatim,  Sesleria,  Clematis  Vitalba.  Gen- 
tiana ciliata.  — Die  Teucriam  - Gruppe. 

b)  Silicat  und  indifferent:  Anthericum , Lactuca  perennis.  Carex 
humilis,  Peuced.  Cervaria.  (Puls,  pratensis,  Potentilla  arenaria). 

c)  montan -subalpin:  Dianthus  caesius.  Woodsia  ilvensis.  Saxifraga 
decipiens.  Aster  alpinus.  — Andreaea!  Gyrophora  und  TJm- 
bilicaria. 

VI.  Wiesen,  a)  100— 500  m (Cirsium  oleraceum,  Geranium pratense, 
Carum  und  Heracleum i,  Crepis  biennis). 
b)  500  — 1200  m (Meum  alhamanticum,  Geranium  silva- 
ticum,  Crepis  succisifolia , Cirsium  heterophyllum). 

VII.  Moore,  a)  Caricetum  ohne  Sphagna  und  Vaccinium  Oxycoccus. 

Erioph.  polystachyum ; Carex  vulgaris,  panicea  etc.), 
b)  Sphagneta  mit  Erioph.  vaginatum , Vaccinia!  Cal- 
luna.  — (Pinus  montana,  Andromeda,  Empetrum  etc.) 

VIII.  Berghaide  und  Borstgrasm atte.  ( Calluna  und  Vitis  idaea! 

Calamagrostis  Haller iana!  Nardus ! Luzula  sudetica.  Juncus 
squarrosus.  Empetrum.  Trientalis.  Cetraria). 

IX.  a)  Binnengewässer- (Ufer-  und  Wasserpflanzen-) Formationen. 

b)  Salicornia-  Salzsümpfe. 

X.  Culturfo  rmationen:  Unkräuter,  Brachpflanzen,  Ruderalpflanzen. 

Nach  dem  Auftreten  dieser  Formationsgruppen  in  besonderer  ört- 
licher Ausgestaltung  („Facies“)  und  mit  besonderen  oder  allgemein  durch- 
gehenden Leitpflanzen  versehen,  bestimmen  sich  die  Charaktere  der  14 
Landschaften  im  hercynischen  Florenbezirk.  Um  von  ihrer  Bestandesab- 
wechselung eine  flüchtige  Skizze  zu  zeichnen,  versetzen  wir  uns  in  die 
Eindrücke  einer  Botanisirfahrt  durch  einen  grossen  Theil  unseres  Gebietes 
und  verlassen  die  uns  am  genauesten  bekannten  Gefilde  im  Dresdner  Elb- 
thal zu  raschem  Aufstieg  auf  die  Höhen  des  Erzgebirges  bei  Oberwiesen- 
thal und  Gottesgab.  Hier,  an  den  Abhängen  des  Fichtel-  und  Keilberges, 
finden  wir  die  Formationen  F.  IHa  und  Illb,  VI b,  VII b und  VIII,  während 
fast  alles  Andere  fehlt.  Die  Quellflur  erhält  ihre  besondere  Ausprägung 
hier  durch  Streptopus , Bergwald  und  Borstgrasmatte  durch  Homogyne , 
während  Mulgedium  und  Panunculus  aconitifolius  als  gemeinsame  Ler- 
cynische  Bestandtheile  auftreten;  Scheuchzeria,  Carex  limosa,  Betida  nana, 
Sivertia  und  die  dichten  Bestände  von  Pinus  montana  und  Betula  carpathica 
machen  die  Hochmoore  besonders  interessant. 

Im  raschen  Wechsel  der  Unterholzflora  in  den  Bergwäldern  steigen 
wir  am  Südabhang  des  Gebirges  von  unseren  1200  m überragenden  Höhen 
herab  und  treffen  hier,  in  voller  Sonnenwirkung,  schon  bei  relativ  bedeu- 
tenden Höhen  (über  600  m)  in  den  zahlreichen  die  Gebüsche  durchsetzen- 
den Trauben  goldgelber  Bliithen  von  Cytisus  nigricans  die  obersten  Merk- 
zeichen von  F.  Vb,  während  rasch  Meum  athamanticum  nebst  Arnica  montana 
auf  den  Bergwiesen  abnimmt  und  schwindet.  Nicht  lange  dauert  es  und 
Salvia  pratensis  tritt  dafür  an  deren  Stelle,  auf  kahlen  Felsen  erblühen 
die  Sedum -Arten,  Labiaten  häufen  sich  und  bei  Hauenstein  oberhalb  der 
Eger  ist  Campanula  glomerata  ein  gemeiner  Bestandteil  der  Raine.  Das 
Egerthal  tritt  hier  ein  in  das  böhmische  Mittelgebirgsland;  wir  eilen  strom- 
auf nach  den  Höhen  des  Kaiserwaldes,  wo  uns  (wie  im  Elstergebirge)  in 
Erica  carnea  und  Polygcda  Chamaebuxus  zwei  am  Fichtelgebirgsknoten 


150 
bis  ; 
500  m 


88 


allein  im  Gebiet  auftretende  nordalpine  Arten  aufstossen,  hier  als  selt- 
sames Beigemisch  zu  der  unteren  Stufe  der  Bergwälder,  im  Schutze  mäch- 
tiger Weisstannen  und  Fichten.  Ueber  Eger  geht  es  zum  Fichtelgebirge 
hinauf,  über  Pinguicula  und  Meum  führende  Bergwiesen,  zum  alten  Moor 
am  Fichtelsee  im  Bereich  hochstämmiger  Pinus  montana.  Im  Südosten 
schimmern  die  Kuppen  des  tannenreichen  Böhmerwaldes  herüber,  auf 
denen  das  gemeine  Meum  athamanticum  durch  beschränkteres  Auftreten 
von  Ligusticum  Mutellina  ersetzt  wird.  Wir  wollen  aber  unsere  botanische 
Reise  nordwärts  fortsetzen  und  wählen  als  Wegweiser  die  Thüringer  Saale. 
Ihre  Quelle  hat  sie  728  m hoch  unter  dem  Granitwall  des  Waldsteins  und 
von  hier  bis  zu  ihrer  Einmündung  in  die  Elbe  durchströmt  sie  wechsel- 
volle  Landschaften  in  anziehender  Abwechselung  der  Hauptformationen. 
Die  Saale  ist  von  allen  hercynischen  Flüssen  der  bedeutungsvollste,  weil 
sie  der  hercynischen  Flora  durchaus  treu  bleibt;  die  reizvollen  Abschnitte 
des  Elbe-  und  Weser-Stromthales,  soweit  sie  unserem  Bezirke  angehören, 
enthalten  die  Marksteine  der  östlichen  und  der  westlichen  Hügelformationen 
an  ihren  beiderseitigen  Ufern,  aber  die  Saale  bezeichnet  in  ihrem  mit 
vielen  Krümmungen  nordwärts  gerichteten  Laufe  selbst  eine  der  wichtig- 
sten Scheiden  von  östlichen  und  westlichen  Formations-Ausprägungen,  wenn 
auch  der  eine  und  andere  Floren  Charakter  bald  hier,  bald  da  über  den 
Fluss  herübergreift  und  sich  seiner  ganzen  Gehänge  bemächtigt.  Zuerst 
greift  der  östlich-montane  Florencharakter  nach  West  herüber:  Prenanthes, 
Aruncus , in  den  Gebüschen  Cytisus  nigricans , finden  sich  zahlreich.  In 
den  schluchtenartigen  Engpässen  von  Burgk  und  Ziegenrück  bis  Saalfeld 
ist  die  F.  Yc  mit  Dianihus  caesius , Woodsia  ilvensis  und  Aster  alpinus 
recht  hübsch  vertreten,  und  bei  Ziegenrück,  wo  der  Saalespiegel  nur  noch 
etwa  300  m Höhe  besitzt,  trifft  sich  ein  merkwürdiges  Gemisch  von  Berg- 
waldarten (Digitalis  purpurea , Lonicera  nigra , Aruncus)  mit  Hügelpflanzen 
wie  Digitalis  ambigua , Sedum  rupestre  und  Anthemis  tinctoria , welche 
stromabwärts  bald  zahlreichere  Genossen  finden.  Einen  lehrreichen  For- 
mationswechsel kann  man  sich  vor  Augen  führen,  indem  man  von  Ziegen- 
rück aus,  da  wo  die  Saale  sich  westwärts  nach  Saalfeld  wendet,  um  als- 
bald in  den  Triasschichten  nordwärts  umzubiegen  und  dann  nach  Osten 
zurückzukehren,  quer  über  das  zwischenliegende  Gefilde  nach  Ranis-Pössneck 
zu  marschirt,  wo  schon  der  hier  auftretende  Zechsteingürtel  ganz  neue 
Yegetationsbilder  schafft,  und  nun  von  Pössneck  weiter  nordwärts  auf  die 
Saale  zustrebt,  die  man  in  ca.  170  m Höhe  bei  Orlamünde  wieder  erreicht. 
Und  wie  findet  man  sie  wieder!  Breite  Wiesenthäler  an  einer  Seite  des 
Stromes,  bedeckt  mit  F.  Yla,  an  der  anderen  Seite  die  Steilmauern  rothen 
Sandsteines,  und  an  diesen  im  Gebüsch  oder  in  den  Felsspalten  eine  ge- 
wöhnliche warme  Hügelflora  der  Gruppe  Yb  mit  Conyza  als  Leitpflanze, 
darin  schon  Isatis  tinctoria.  Aber  über  Orlamünde  steigen  auf  dem  breiten 
Sockel  des  Buntsandsteines  spitzere  Kuppen  von  Muschelkalk  auf,  die  sich 
schon  aus  der  Ferne  durch  hellen  Schimmer  verrathen;  ihr  Schotterboden 
ist  mit  zerstreut  stehenden,  ganz  kurzen  Kiefern  überdeckt,  dazwischen 
ganz  kahle,  sonnenheisse  Stellen:  hier  wogt  im  Winde  eine  kleine  Steppe 
von  Melica  ciliata  und  im  Geröll  ist  anstatt  des  Thymian  Alles  erfüllt 
von  Teucrium  Chamaedrys ; Anthericum  ramosum  wetteifert  an  Häufigkeit 
mit  Bupleurum  falcatum  und  in  den  Ligustrum-  wie  Cbrmts-Büschen  klettert 
weithin  die  Clematis  Vitalba.  Da  ist  zum  ersten  Male  auf  diesem  unserem 
Reisewege  die  Vollentwickelung  der  F.  Va  uns  entgegen  getreten  und  sie 


89 


bezeichnet  nebst  den  humusreichen  Buchenwäldern  mit  vielerlei  neuen  Arten 
den  Charakter  des  Thüringer  Beckens  am  schönsten. 

Wir  folgen  der  Saale  bis  zur  Unstrutmündung  nahe  Freyburg;  neue 
Arten  beginnen  hier  sich  zu  zeigen,  seltenere  Areale  reichen  bis  hierher. 
Der  fest  anstehende  Kalk  wird  spärlicher;  Geschiebe  treten  dazwischen, 
Porphyrhügel  umsäumen  das  Flussbett  bei  Halle:  hier  sind  die  Uferhöhen 
bei  Wettin  und  Bothenburg  durch  eine  ganz  andere  Variante  der  Hügel- 
formationen bekleidet,  südöstliche  Arten  sind  häufig  wie  im  böhmischen 
Mittelgebirge;  Seseli  Hippömarathrum  giebt  den  Ton  an,  weniger  häufig 
zu  sehen  stimmen  Astragalus  exscapus  und  Oxytropis  pilosa  in  dieselbe 
Melodie. 

Wir  wählen  den  letzten  Nebenfluss  der  Saale  von  Westen  her,  die 
Bode,  zu  einer  erneuten  Bergwanderung  zum  Harz.  Sie  führt  uns  aus 
dem  Hügelgelände  mit  Steppencharakter  und  Abhängen  voll  fliegender 
Grannen  der  Stipa  capillata  heraus  in  die  Engpässe  eines  steilen  Gebirgs- 
thales,  wo  an  200  m hohen  Granitwänden  Saxifraga  decipiens,  spärlich 
auch  Aster  alpinus  den  Montancharakter  verrathen,  während  die  geringe 
Durchschnittshöhe  den  Arten  von  F.  Vb  (wie  Allium  fallax)  die  Ansiede- 
lung auch  noch  gestattete.  Aus  dem  Bodekessel  wandern  wir  zu  den 
schweigsamen  Hochwäldern  des  Oberharzes,  bis  uns  der  kleiner  werdende 
Bach  stromauf  bis  zum  Brockenfelde  geleitet  und  nordwärts  hinauf  zum 
Vater  Brocken  selbst,  durch  die  letzten  mit  dem  Sturme  kämpfenden 
Fichten  auf  die  kahle  Höhe  mit  ihrer  Berghaide.  Keine  Homogyne , kein 
Streptopus  ist  hier  zu  sehen,  wohl  aber  dieselben  Rosetten  von  Athyrium 
alpestre  wie  am  Keilberge,  und  — ein  neuer  Reiz  an  dieser  Stelle  — die 
Brockenblume  mit  ihren  zu  „Hexenbesen“  verwandelten  Früchten,  Pulsa- 
tilla  alpina , und  neben  richtigem  Hieracium  alpinum  auch  eine  beson- 
dere Abart  des  H.  nigrescens.  Wie  hier  die  F.  VHl  in  anderer  Ausprä- 
gung durch  neue  Artgenossenschaft  erscheint,  so  auch  die  Moore,  die 
Fichtenwälder.  Betula  nana  wird  hier  an  ihren  seltenen  Stellen  fast 
erstickt  von  den  grossen  Basen  des  Scirpus  ( Tricliophorum ) caespitosus , 
aber  kein  Sumpf kiefergeblisch  unterbricht  den  graugrünen  Ton  des  Moores 
mit  den  weissen  Köpfen  von  Eriopliorum  vaginatum . In  den  Wäldern  kein 
Prenanthes,  kein  Thalictrum  aquilegifolium  oder  Aruncus , keine  Eupliorbia 
dulcis ; aber  bei  Andreasberg  tritt  uns  zuerst  auch  hier  in  Eu . amygdaloides 
eine  Art  des  Westens  entgegen,  Digitalis  purpurea  erfüllt  alle  Gehänge, 
in  den  Quellgründen  wächst  Midgedium  mit  Panunculus  aconitifolius  wie 
in  allen  hercynischen  Gebirgen. 

Durch  den  Hildesheimischen  Gau  lenken  wir  zur  Weser;  Budel  von 
Rosa  arvensis  auf  Aengern  mit  Spiranthes  autumnalis  sind  wohl  der  Auf- 
merksamkeit werth,  noch  mehr  auf  den  Kalkhöhen  bei  Holzminden  und 
Höxter  die  seltene  Dolde  Siler  trilobum.  Weniger  reiche  Bergwälder  der 
unteren  Stufe  geleiten  uns  die  Weser  aufwärts  bis  zu  der  Stätte,  wo  Werra 
und  Fulda  sich  zum  Hauptstrom  vereinigen,  und  diese  beiden  westlichsten 
Ströme  führen  uns  durch  das  Casseler  und  Meininger  Land  bis  zu  den 
Südwestgrenzen  unserer  Hercynia.  Zunächst  lockt  uns  die  Werra  in  dem 
Bereich  zwischen  Eisenach  und  Witzenhausen,  wo  sie  in  prächtigen  Win- 
dungen um  den  Binggau  herum  durch  die  Schichten  der  Trias  bricht  und 
westwärts  ihres  Thaies  den  mächtigen  Basaltklotz  des  Meissner  zum 
Wächter  hat.  Zwischen  quellenreichen  Buntsandsteinwaldungen  wechselt 
hier  die  Landschaft  mit  Steilmauern  von  Muschelkalk,  einer  neuen  präch- 


90 


tigen  Entfaltung  von  F.  Va  in  ähnlicher,  doch  anderer  Zusammensetzung 
wie  an  der  Saale.  Amelanchier  krönt  mit  Sorbits  Aria,  Cornus  mas  und 
Cotoneaster  viele  Steilhänge,  Laserpitium  und  Libanotis  sind  häufige 
Charakterdolden,  Aster  Amellus  mischt  sich  mit  Linum  tenuiflorum. 

Und  so  können  wir  zum  Schluss  den  südwestlichen  Eckpfeiler,  die 
Rhön,  betreten,  ein  Gebirge  mit  schon  weit  mehr  südlichem  Anstrich  als 
irgend  . eines  der  anderen.  Denn  hier  fehlt  auch  bei  Erhebungen  über 
900  m der  montane  hercynische  Fichtenwald,  nur  das  untere  Glied  von 
F.  lila  mit  vorwaltender  Buche  ist  entwickelt,  und  in  deren  Schatten 
wächst  hier  Ranunculus  aconitifolius  mit  Aconitum  Lycoctonum  und  Cen- 
taurea montana , zeigen  sich  die  schönen  Blüthensträusse  von  Campanula 
latifolia  und  ganze  gesellige  Unterwuchsbestände  von  Lunaria  rediviva. 
An  einzelner  Stelle  ist  Pleurospermum  austriacum  üppig  entwickelt,  wie 
in  der  Tatra  oder  dem  Gesenke;  die  weiten  Rasenflächen  sind  bis  hoch 
hinauf  auf  die  Höhen  mit  Prunella  grandiftora  geschmückt.  Aber  auch 
hercynische  Moore  sind  eingestreut  in  820  m Höhe  und  nahe  den  obersten 
Kuppen  der  östlichen  Gebirgserhebung,  monoton  und  nicht  so  pflanzen- 
reich  wie  die  ersten  auf  unserem  Reisewege,  doch  durch  Car  ex  limosa 
und  Scheuchzeria  ihnen  verwandt;  Sumpf kiefer  fehlt,  nur  Empetrum  mit 
Andromeda  sind  neben  den  nie  fehlenden  Bestandtheilen  der  F.  VILb 
eben  so  häufig,  und  es  fehlt  auch  nicht  an  den  Krüppelgehölzen  der 
Sumpfbirken. 

So  können  wir  vom  Gipfel  des  Kreuzberges  aus,  der  besser  als  die 
waldlose  Wasserkuppe  das  Aushalten  der  Buche  im  Gemenge  mit  Fichte 
und  Tanne  zeigt,  hinüberschauen  auf  die  Thalzüge  der  fränkischen  Saale 
und  wir  verstehen  bei  der  Geringfügigkeit  der  Erhebungen,  welche  deren 
Wasserscheide  gegen  die  Werra  bilden,  wie  an  der  Ostflanke  der  hohen 
Rhön  die  fränkische  Flora  ihre  Sendlinge  nordwärts  ausbreiten  konnte  bis 
zum  südlichen  Hannover  und  mit  ostwärts  gerichteter  Abschwenkung  auch 
theilweise  in  das  Thüringer  Becken,  wo  immer  die  Gesteinsbildung  vor- 
nehmlich des  Muschelkalkes  die  für  wärmere  Hügelpflanzen  erforderlichen 
Plätze  bot.  Das  böhmische  Mittelgebirge  gab  seine  Sendlinge  an  die 
Lausitz  und  das  Dresdner  Elbthal  ab,  das  Frankenland  an  die  von  Werra 
und  Fulda  durchströmten  Lande. 

Fassen  wir  nun  entsprechende  Wahrnehmungen  im  ganzen  hercyni- 
schen  Bezirke  zusammen  zu  einer  Gliederung  des  Ganzen,  so  ergeben 
sich  als  ziemlich  natürlich  folgende  14  Landschaften:  Das  Weserland, 
Braunschweiger  Land,  Werra-  und  Fuldaland  mit  der  Rhön,  das  Thüringer 
Becken,  das  Land  der  unteren  Saale,  das  Land  der  Weissen  Elster  (Gera- 
Leipzig),  das  vogtländische  Berg-  und  Hügelland  mit  dem  PTankenwalde, 
das  sächsische  Muldenland,  das  Hügelland  der  mittleren  Elbe  (Pirna-Strehla), 
das  Lausitzer  Hügel-  und  Bergland;  diesen  zehn  Landschaften  mit  vor- 
wiegendem Charakter  der  Hügel-  und  niederen  Bergzone  gesellen  sich 
nunmehr  noch  die  vier  hercynischen  bedeutenderen  Bergländer  zu:  der 
Harz,  Thüringer  Wald,  das' Erzgebirge  und  der  Böhmer  Wald.  Sie  liefern 
die  kleineren  Einheiten  für  Schilderung  der  pflanzengeographischen  For- 
mationen, für  die  Untersuchungen  der  Wanderung  und  Florenbesiedelung 
nach  Beurtheilung  der  geologischen  Entwickelung  und  der  Arealstudien 
(siehe  Anhang!),  oder  für  die  ganz  andere  ökologische  Seite  der  Forschung, 
welche  die  Mittel  zu  prüfen  hat,  mit  denen  die  einzelnen  Arten  sich  an 
ihren  oft  heiss  umstrittenen  Standorten  zu  erhalten  vermögen. 


91 


Von  grosser  Bedeutung  würde  es  sein,  wenn  die  zoologischen  Fach- 
genossen in  unserer  Gesellschaft  nach  den  von  der  Pflanzengeographie 
gelieferten  Grundzügen  die  Verbreitungsverhältnisse  der  heimischen  Thier- 
welt und  deren  Abhängigkeit  entweder  direct  von  bestimmten  Vegetations- 
formationen, oder  aber  von  den  gleichen  zwingenden  Verbreitungsursachen 
in  Hinsicht  auf  Areal  und  geologisches  Ausbreitungsvermögen,  zu  ent- 
sprechenden Bildern  verarbeiten  wollten.  In  manchen  Fällen,  wie  z.  B. 
hei  der  Verbreitung  des  Hamsters  und  ähnlicher,  erscheint  es  schon  jetzt 
nicht  schwierig;  in  anderen  Fällen  werden  wahrscheinlich  die  Resultate 
je  nach  Thierklassen  verschiedenartig  ausfallen  und  da  wären  vielleicht 
die  Schnecken  und  die  Schmetterlinge  zunächst  mit  einander  zu  ver- 
gleichen. 


Anhang. 

Die  Arealstudien,  die  Zugehörigkeit  der  charakteristischen  Arten 
bestimmter  Formationen  zu  verschiedenen  Verbreitungsgruppen,  bilden 
den  streng  pflanzengeographischen  Tlieil  der  im  Vorhergehenden  kurz  an- 
gedeuteten Formationsschilderungen.  Nach  einem  weiteren  Vortrage  in 
der  botanischen  Section  der  Isis  am  9.  Februar  1899  über  diesen  Gegen- 
stand sei  daher  zur  Ergänzung  des  ersten  Vortrages  noch  Folgendes  hier 
kurz  angeführt: 

Die  Areale,  welche  für  die  Mehrzahl  der  Arten  in  einzelnen  Ländern 
geschlossene  Figuren  bilden  und  von  deren  Rändern  aus  sich  noch  als 
„sporadische  Standorte“  in  weiteren  Umkreisen  ausdehnen,  werden  zweck- 
mässiger Weise  nach  besonderen  Typen  zusammengefasst.  Die  für  Deutsch- 
land gütigen  Typen  umfassen  sowohl  geschlossene  Areale,  wie  z.  B.  das 
Areal  der  Buche  und  Tanne  in  wichtigen  Antheilen,  als  auch  sporadische 
Standorte  jenseits  der  Grenzen  nordischer,  östlicher,  westlicher  und  süd- 
licher Hauptareale,  wie  z.  B.  derjenigen  von  Linnaea  borealis , Adonis  ver- 
naliS)  Erica  cinerea  und  Ruta  graveolens.  Nach  der  Form  und  Lage 
dieser  Areale,  welche  Deutschland  theils  mit  der  geschlossenen  Hauptfigur, 
theils  nur  mit  den  sporadischen  Standorten  erreichen  und  durchsetzen, 
unterscheide  ich  für  das  ganze  in  „Deutschlands  Pflanzengeographie“,  Bd.  I 
durchmusterte  Gebiet  von  3020  Blüthenpflanzenarten  24  Typen,  welche 
ich  zur  leichteren  Kennzeichnung  mit  einer  abgekürzten  Signatur  versehe; 
dabei  bedeuten  die  Buchstaben: 

H.  Hochgebirge  (Alpen,  Karpathen,  ausstrahlend  auf  die  Mittelgebirge), 
E.  Europa,  bezw.  europäischer  Antheil  borealer  Areale, 

M.  Mitteleuropa  im  Sinne  des  Florengebietes, 

B.  Boreal,  d.  h.  von  weiter  nördlicher  Verbreitung, 

U.  Uralisch,  d.  h.  für  Europa  besonders  von  Westsibirien  und  dem  nord- 
östlichen Russland  herkommend, 

Po.  Pontisch,  d.  h.  mit  dem  Hauptareal  in  den  südrussischen  Steppen 
vorkommend, 

P.  Pontisch  im  weiteren  Sinne,  d.  h.  mit  dem  Hauptareal  auf  das  untere 
Donaugebiet  fallend, 

Atl.  Atlantisch,  NAtl.  Nordatlantisch, 

W.  Westeuropäisch  in  der  Bergregion  Pyrenäen  — Rhein  etc.  und 
A.  Arktisch,  d.  h.  in  Island  — Grönland  — Spitzbergen  vorkommend. 


92 


Diese  Arealtypen  und  Abkürzungen  sind  auf  mitteleuropäische  Pflanzen- 
geographie zugeschnitten  und  würden  für  andere  Gebiete  zweckmässig 
anders  zu  fassen  sein;  sie  schliessen  gleichzeitig  bestimmte  Vegetations- 
linien in  sich,  z.  B.  den  bekannten  Gegensatz  pontischer  Areale  mit  nord- 
westlichen, und  atlantischer  Areale  mit  südöstlichen  Vegetationslinien. 

Die  deutschen  Arealtypen  mit  ihren  Signaturen  sind  in  der  folgen- 
den Liste  zusammengestellt  und  durch  bequem  vorliegende  Beispiele  ge- 
kennzeichnet; diejenigen,  welche  für  den  hercynischen  Florenbezirk  von 
Bedeutung  sind,  erhalten  Fettdruck. 

ME1  Fagus  silvatica : engeres  Mitteleuropa. 

ME'  Ainus  glutinöser.  Mitteleuropa,  erweitertes  Gebiet. 

Mm  Alles  pectinata , Acer  Pseudoplatanus : engeres  montanes  Areal 
von  dem  den  Alpen  vorgelagerten  Theile  Mitteleuropas. 

S Castanea , Ostrya:  Südeuropäische,  Deutschland  im  SW.  und  SO. 
berührende  Areale. 

Mb1  Picea  excelsa : erweitertes  mitteleuropäisch -boreales  Areal. 

MbA  Vaccinium  Vitis  idaea : das  Fichtenareal  Mb1  bis  zum  arktischen 
Gebiet  erweiternd. 

HU  Cembra,  Larix:  mitteleuropäische  Hochgebirge  und  uralisches 
Europa,  das  Areal  disjunct,  d.  h.  durch  einen  breiten  Länderraum 
getrennt. 

Hl  Wulfenia  carinthiaca : auf  die  Alpen  als  Endemismen  beschränkte 
Areale. 

H2  Saxifraga  carpathica , perdurans:  auf  die  Karpathen  als  Endemis- 
men beschränkte  Areale. 

H3  Rhododendron  ferrugineum , hirsutum.  — Palsatüla  alpina , Homo- 
gyne:  alpin  - karpathische,  auch  sonst  weiter  in  den  Hoch-  und 
Mittelgebirgen  des  Gebietes  Mm  verbreitete,  den  Harz  nach 
Norden  nicht  überschreitende  Areale. 

M4  Swertia  perennis:  dem  Areal  wie  unter  H3  gesellen  sich  noch 
sporadische  Standorte  in  der  atlantisch -baltischen  Niederung  zu. 

H5  Ranunculus  aconitifolius : das  Areal  wie  unter  H3  ist  auf  Skan- 
dinavien ausgedehnt,  wo  die  Montanarten  in  tieferen  Regionen 
wiederkehren. 

AH  Dryas  odopetala : ein  der  Hauptsache  nach  arktisch-circumpolares 
Areal  ist  gleichzeitig  auf  die  in  H3  bezeichneten  Gebirge  ausgedehnt 
(nicht  auf  die  Niederung). 

AE1  Pedicularis  sudetica:  ein  arktisches  Areal  hat,  durch  weite  Länder- 
räume getrennt,  in  den  mitteleuropäischen  Gebirgen  beschränkte 
Standorte  und  ist  nicht  alpin-verbreitet. 

AE2  Betula  nana : ein  arktisches  Areal  von  weiter  nordeuropäischer 
Hauptfigur  durchsetzt  mit  nach  S.  abnehmenden  sporadischen 
Standorten  die  baltische  und  mitteldeutsche  Flora  bis  zu  den 
Alpen. 

BU1  Chamaedaphne  calyculata : boreale,  in  Europa  uralische  Areale 
schliessen  mit  einer  westlichen  Vegetationslinie  vor  den  Arealen 
ME1  bezw.  Mm  ab. 

BIT2  Pleurospermüm  austriacum:  die  gleichen  Areale  durchsetzen  Mittel- 
europa weit  gen  W. 


93 


WM ra  Digitalis  purpur ea , Meum  aihamanticum : westeuropäische  Berg- 
areale, welche  von  den  Pyrenäen  bezw.  Centralfrankreich  an  über 
die  den  Rhein  begleitenden  Bergländer  bis  in  die  hercynischen 
Berge  ausgedehnt  sind,  die  Alpen  aber  nur  berühren  oder  aus- 
schliessen. 

Atl  Ilex  Aquifolium : Areale  des  ganzen  südwestlichen  Europas. 

NAtl  Erica  Tetralix , Myrica  Gale : Areale,  welche  ihre  Hauptfigur  an 
der  Atlantischen  Küste  von  Frankreich  — Holland  — England  be- 
sitzen. 

Po1  Jurinea  cyanoides : politische  Areale  von  enger  Ausbreitung  nach  W. 

Po2  Stipa  pennata,  capillata : pontische  Areale  von  weiter  Ausbreitung 
nach  W.,  zugleich  auch  in  der  nördlichen  Mediterranregion  ver- 
breitet. 

PM1  Daphne  Blagayana : endemische  Arten  des  westpontischen  Be- 
zirkes, welche  von  Serbien  — Bosnien  aus  die  Ostalpen  berühren. 

PM2  Cytisus  nigricans : weite  Areale  desselben  Bezirkes,  deren  Haupt- 
figur vom  südwestlichen  Russland  bis  zum  östlichen  Deutschland 
reicht  und  die  russischen  Steppen  am  Don  ausschliesst. 

Diese  Arealtypen  lassen  sich  nun  zur  Ermittelung  des  eigentlichen 
pflanzengeographischen  Charakters  der  Formationen  benutzen,  indem  man 
sowohl  auf  die  Arten  achtet,  welche  deren  Grundton  ausmachen,  als  be- 
sonders auf  die  charakteristischen,  als  ,, Leitpflanzen“  bezeichneten  Arten. 
(Siehe  Festschrift  der  Isis  1885,  S.  81  u.  flg.)  Wenn  wir  z.  B.  die  Areale 
der  in  den  Abhandlungen  unserer  Gesellschaft  1895,  S.  47  aufgeführten 
Formationsglieder  unserer  Elbhügel -Flora  daraufhin  prüfen,  so  ergiebt 
sich  eine  Hauptmasse  von  politischen  und  westpontischen  Arealen  der 
Gruppe  Po2  und  PM2,  kein  einziges  atlantisches  oder  arktisch -boreales. 
Diese  letzteren  sind  dagegen  in  den  Gebirgsformationen  zahlreich  vor- 
handen, von  denen  ich  hier  zunächst  eine  Probe  aus  den  quelligen  Matten 
und  Hochmooren  des  Erzgebirges  am  Fichtel-  und  Keilberge  mittheile. 

Zusammenstellung  von  Charakterarten  aus  der  Formationsgruppe  VII b 
und  VIII  des  oberen  Erzgebirges  nach  typischen  Arealformen. 

AH  (Dryas- Typus)  Streptopus  amplexifolius. 

AE2  Betula  nana  und  ?*  carpcithica,  Empetrum  nigrum , Andromeda 
polifolia , Vaccinium  Oxycoccus  und  uliginosum , Gymnadenia  albida. 

BU2  {Pleurospermum  - Typus.)  Scheuche  eria  palustris,  Car  ex  limosa  * ir- 
rigem, C.pauciflorä , Trientalis  europaea. 

H5  B anunculus  aconitifolius  * platanifolius , Peucedanum  (Sect. 
Imp  erat  oria)  Ostruthium. 

H4  Swertia  perennis. 

M3  ( Pulsatilla  alpina- Typus)  Homogyne  alpina , Pinus  montana  *uli- 
ginosa. 

Wim  Meum  aihamanticum . 

Mb A Vaccinium  Vitis  idaea,  Juncus  squarrosus. 

Mb1  {Picea- Typus)  Vaccinium  MyrtiUus , Arnica  montana. 

In  dem  oberen  Erzgebirgswald  derselben  Landschaft  am  Fichtel-  und 
Keilberge  treten  bekanntlich  auch  als  Charakterpflanzen  Homogyne  alpina 
mit  Trientalis  ein;  dennoch  ist  es  für  die  Homogyne  wohl  nicht  zweifel- 
haft, dass  sie  ursprünglich  zu  den  Mattenformationen  der  Gebirge  gehört, 


94 


während  wir  in  Trientalis  vielleicht  eine  ursprünglich  nordische  Waldpflanze 
vor  uns  haben  könnten.  Lassen  wir  aber  diese  beiden  Arten  bei  Seite 
und  stellen  ohne  sie  eine  Reihe  von  Charakterarten  des  oberen  Erzgebirgs- 
waldes  zusammen,  so  erhalten  wir  folgende  Typen: 

H5  Ranunculüs ■ aconitifolius,  Athyrium  alpestre , Luzula  silvatica. 
Mm  (Äbies- Typus)  Chaerophyllum  hirsutum , Lonicera  nigra , Prenanthes 
purpurea. 

Mb1  Picea  excelsa , Pirola  uniflora , Sorbus  aucuparia , Polygonatum 
verticillatum,  Melampyrum  silvaticum.  — 

Diese  kurzgefassten  Beispiele  mögen  genügen,  um  die  pflanzengeo- 
graphische Charakteristik  der  Formationen  durch  die  Arealformen  der 
Leitpflanzen  zu  erläutern.  Wie  man  sieht,  kommt  es  darauf  an,  bei 
solcher  pflanzengeographischer  Analyse  sich  an  die  natürlichen  Einheiten 
zu  halten  und  diese  sind  in  den  Vegetationsformationen  gegeben.  Nicht 
um  eine  summarische  Statistik  handelt  es  sich,  wie  man  sie  nach  einem 
Florenkataloge  von  Sachsen  entwerfen  könnte,  sondern  um  den  Hinweis 
darauf,  dass  sich  entwickelungsgeschichtlich  verschiedenartige  Ele- 
mente in  demselben  Lande  dadurch  zusammengefunden  haben,  dass 
dieses  Land  verschiedenen  Formationen  geeignete  Besiedelungs-  und  Er- 
haltungsbedingungen bot. 


VI.  Ueber  das  Vorkommen  des  Ziesels  in  Sachsen. 

Von  Dr.  J.  Thallwitz. 


Ueberall,  wo  man  das  Ziesel  ( Spermophilus  citillus  L.)  als  Bürger 
der  deutschen  Fauna  aufgeführt  findet,  knüpft  sich  daran  die  einschränkende 
Bemerkung,  dass  es  nur  in  Ostdeutschland  heimisch  sei.  Weiter  östlich 
reicht  sein  Verbreitungsbezirk  allerdings  bis  Sibirien.  Als  europäische 
Heimathländer  des  Ziesels  sind  insbesondere  Schlesien,  Polen,  Oesterreich, 
Ungarn  und  Russland  verzeichnet.  Neuerdings  machte  Prof.  W iesb  aur 
in  den  „Mittheilungen  des  nordböhmischen  Excursionsclubs“,  1894,  Heft  3 
Angaben  über  die  Verbreitung  und  Benennung  des  Ziesels  im  nordwest- 
lichen Böhmen.  Er  konnte  feststellen , dass  Spermophilus  citillus  fast  in 
der  ganzen  Nordhälfte  Böhmens  verbreitet  ist.  Obwohl  auch  dort  das 
Ziesel  in  der  Niederung  häufiger  ist,  fehlt  es  doch  in  den  Bergen  nicht 
und  ist  selbst  auf  dem  Erzgebirge  heimisch.  Es  sei  wahrscheinlich,  meint 
Wiesbaur,  dass  das  Thier  auch  jenseits  der  sächsischen  und  bayrischen 
Grenze  noch  vorkomme,  und  dass  es  überhaupt  weiter  westwärts  ver- 
breitet sei,  als  bisher  angenommen  wird.  In  Th.  Reibisch’s  „Verzeichniss 
der  Säugethiere  Sachsens“  (Isisbericht  1869,  S.  86 — 89)  ist  die  Lausitz 
als  einziger  Fundplatz  angeführt. 

Es  interessirte  mich,  nachzuforschen,  ob  das  Ziesel  anderwärts  in 
Sachsen  noch  anzutreffen  sei,  und  ob  sich  insbesondere  Wiesbaur’s  Ver- 
muthung  bestätige,  dass  der  Verbreitungsbezirk  des  Thieres  die  Erzgebirgs- 
grenze  nach  Sachsen  zu  überschreite.  Unter  freundlicher  Beihilfe  des 
Herrn  Oberförsters  a.  D.  Lasse  aus  Lauenstein  gelang  es  festzustellen, 
dass  das  Ziesel  in  der  Gegend  der  Orte  Oelsen,  Oelsengrund,  Breitenau, 
Liebenau,  sowie  auch  um  Lauenstein  sich  vorfindet  und  daselbst  durchaus 
nicht  selten  ist.  Um  Oelsengrund  und  auf  Breitenauer  Flur  hat  Ober- 
förster Lasse  selber  in  kurzer  Zeit  30  Stück  mit  Hilfe  von  Klappfallen 
gefangen,  die  er  in  der  Nähe  der  Baue  auf  Halden  und  Feldrändern 
aufstellte,  wobei  er  Schoten  als  Lockspeise  benützte.  Der  Landbevölkerung 
der  oben  genannten  Orte  ist  das  Ziesel  unter  dem  Namen  „Kritschel“ 
wohlbekannt,  einem  Namen,  den  es  nach  Wiesbaur  in  einigen  Gegenden 
Nordböhmens*)  ebenfalls  führt.  Auch  bei  uns  wird  das  Thier  als  Getreide- 
schädling von  der  Bevölkerung  verfolgt.  Gewiss  wird  sich  schliesslich 
heraussteilen,  dass  das  Ziesel  in  Sachsen  noch  anderwärts  vorkommt, 


*)  In  Böhmen  führt  es  noch  die  Localnamen  Tritschel,  Sislich,  Erdhundel,  Rätzel, 
nirgends  aber  scheint  es  hier  wie  dort  „Ziesel“  genannt  zu  werden. 


96 


doch  habe  ich  trotz  wiederholter  Bemühung  Belege  über  sein  Vorkommen 
in  anderen  Gegenden  bisher  nicht  erlangen  können. 

Nachdem  ich  dies  niedergeschrieben,  erhielt  ich  von  Herrn  Cantor 
Böhme  in  Markersbach  bei  Pirna  noch  die  briefliche  Mittheilung,  dass 
auch  auf  Hellendorfer  Feldern  das  Ziesel  anzutreffen  ist  und  insbesondere 
im  Sommer  1894  sehr  häufig  dort  gefangen  worden  ist.  Cantor  Böhme 
fing  selbst  innerhalb  dreier  Tage  auf  einem  Brachfelde  fünf  dieser  Nager 
in  von  ihm  gelegten  Schlingen.  In  den  folgenden  Jahren  konnte  er  keine 
neuen  Baue  auffinden,  ‘doch  versichern  ihn  Personen,  welche  das  Thier 
genau  kennen,  einzelne  Ziesel  letztes  Jahr  auf  dortiger  Flur  gesehen 
zu  haben.  Dass  solche  um  Bienhof  und  Peterswald  jenseits  der  Landes- 
grenze vielfach  gefangen  und  getödtet  werden,  war  auch  Herrn  Lasse 
bekannt.  Vielleicht  gelingt  es  Herrn  Böhme  in  diesem  Jahre,  mir  doch 
noch  ein  Exemplar  aus  der  Gegend  von  Markersbach  und  Hellendorf  zu 
übermitteln. 


VII.  Bereicherungen  der  Flora  Saxonica  im  Jahre  1898. 

Von  Dr.  B.  Schorler. 


Auch  in  diesem  Jahre  sind  wieder  eine  Anzahl  bemerkenswertster 
Pflanzenfunde  in  unserem  engeren  Vaterlande  gemacht  worden,  darunter 
auch  einige  Arten,  die  für  das  Gebiet  neu  sind.  Neben  verschiedenen 
Adventivpflanzen,  die  in  der  folgenden  Liste  durch  das  übliche  j*  hervor- 
gehoben wurden,  sind  hier  besonders  Helianthemum  guttatuni  Mill.  und 
Spergularia  echinosperma  Cel.  zu  nennen.  Die  erstere,  eine  südliche,  resp. 
südwestliche  Form,  ist  in  Mitteleuropa  recht  selten,  die  letztere,  von 
Celakovsky  ursprünglich  als  Varietät  von  Sp.  rubra  aufgestellt,  ist  wohl 
bisher  nur  vielfach  übersehen  worden.  Die  meisten  Funde  wurden  im 
Elbhügellande  gemacht  und  Belegexemplare  von  den  Findern,  die  in  der 
Liste  bei  jeder  Art  angegeben  sind,  in  dankenswerther  Weise  dem  Herbarium 
der  Flora  Saxonica  zur  Verfügung  gestellt. 

Equisetum  hiemale  L.  var.  Schleichen  Milde.  Elbthal : auf  Kiesbänken  im 
alten  Elbbette  unterhalb  der  Niederwarthaer  Brücke,  cop.  (Stiefelhagen). 

Woodsia  ilvensis  Babington*  rufidula  Aschers.  Lausitz:  am  Tollenstein 
bei  Warnsdorf  i.  B.  (Hofmann). 

Phegopteris  Pobertianum  A.  Br.  Dresden:  zwischen  Neundorf  und  Lang- 
hennersdorf auf  Kalkblöcken.  In  derselben  Schlucht  wächst  Carex 
maxima  (Stiefelhagen). 

Anthericum  Liliago  L.  Wurzen:  Hohburger  Berge  (Müller). 

Juncus  tenuis  Willd.  Dresden:  Kiefernhaine  nördlich  vom  Lössnitzgrunde 
und  Wegrand  bei  Lindenau.  cop.  (Drude,  Stiefelhagen). 

Potamogeton  obtusifolius  M.  et  K.  Dresden:  bei  Steinbach  in  den  Tümpeln 
von  Lehmgruben  (Stiefelhagen).  — Grossenhain:  bei  Skassa  (Müller). 

— triclioides  Cham,  et  Schldl.  Dresden:  Volkersdorf  im  oberen  Waldteich, 
cop.  (Stiefelhagen). 

Carex  paradoxa  Willd.  Rochlitz:  bei  Tautenhain  (Schorler). 

Cyperus  fuscus  L.  Dresden:  in  diesem  Jahre  bei  Loschwitz,  Saloppe, 
Gehege,  Uebigau  und  Kötzschenbroda  auf  Elbschlamm  nicht  selten 
(Stiefelhagen). 

f Phalaris  iruncata  Guss.  Dresden:  auf  einem  Schuttplatze  bei  Plauen, 
spärlich  (Dr.  Wolf). 

f — paradoxa  L.  Dresden:  sandiges  Elbufer  gegenüber  Uebigau  (Dr.  Wolf), 
f Panicum  capillare  L.  Dresden:  bei  Kötzschenbroda  am  sandigen  Elbufer 
unter  Weiden  (Fritzsche). 


98 


\ Potamogeton  proliferum  Lam.  (Nach  der  Bestimmung  von  Hackel.)  Dresden: 
sandiges  Elbufer  gegenüber  Uebigau  mit  Eragrostis  major  und  E.  minor , 
Panicum  capillare  etc.  (Stiefelhagen). 

Melica  uniflora  Retz.  Wurzen:  Hohburger  Berge  (Müller). 

j* Eragrostis  major  Host.  Dresden:  sandiges  Elbufer  gegenüber  Uebigau 
mit  Solanum  rostratum , Diplotaxis  etc.  (Stiefelhagen). 

f — minor  Host.  Dresden:  1898  am  ganzen  Elbufer  von  Pirna  bis  Meissen 
vereinzelt  (Stiefelhagen). 

Glyceria  distans  Wahlbg.  Meissen:  Schuttplatz  in  Cölln  (Stiefelhagen). 

Festuca  sciuroides  Roth.  Riesa:  bei  Zeithain  nicht  selten  (Müller). 

Bromus  erectus  Huds.  Meissen:  Trockene  Hügel  zwischen  Schieritz  und 
Piskowitz  (Stiefelhagen). 

f — unioloides  Humb.  Kth.  Dresden:  Schuttplätze  unter  der  Marienbrücke, 
spärlich  (Dr.  Wolf). 

t — squarrosus  L.  Dresden:  im  Gehege  (Müller). 

f — commutatus  Schrad.  Dresden:  im  Gehege  (Müller). 

Polygonum  minus  Huds.  Dresden:  bei  Brockwitz  und  Volkersdorf.  Hier 
auch  eine  sehr  üppige  Form  von  P.  minus , die  mit  dem  Reichen- 
bach’schen  P.  multispicatum  übereinstimmt  (Stiefelhagen). 

f—  orientale  L.  Dresden:  Elbufer  unterhalb  Uebigau  unter  Weiden 
(Stiefelhagen). 

* \Kochia  scoparia  L.  Dresden:  Elbufer  gegenüber  Uebigau  in  nur  einem 
üppigen  Exemplare.  Die  Art  ist  schon  1890  einmal  am  Neustädter 
Elbquai  gefunden  worden  (Stiefelhagen). 

Chenopodium  ficifolium  Sm.  Dresden : von  Pirna  bis  Meissen  am  Elbufer 
unter  Weiden  nicht  selten  (Stiefelhagen). 

— album  X Vulvaria.  Diesen  bisher  wohl  noch  nicht  beobachteten  Bastard 
fanden  Dr.  Wolf  und  Stiefelhagen  auf  Schuttplätzen  an  der  Marien- 
brücke unterhalb  Dresden  unter  den  Eltern.  Die  Pflanze  war  fast 
meterhoch,  sehr  üppig,  aber  die  Blüthenstände  verkümmert  und  un- 
fruchtbar. Blätter  zwischen  denen  der  Eltern,  dem  C.  opulifolium 
sich  nähernd.  Geruch  genau  wie  C.  Vulvaria. 

-\  Amarantus  albus  L.  Dresden:  Elbufer  gegenüber  Uebigau  (Stiefelhagen). 
Der  in  den  Isis-Abhandlungen  1897,  2.  H.  erwähnte  Amarantus  Silvester , 
welcher  als  neuer  Bürger  der  Flora  Saxonica  angegeben  war,  stellte 
sich  beim  Vergleich  mit  den  Arten  des  Kg.  Herbariums  auch  als  die 
nordamerikanische  Art  A.  albus  heraus.  An  dem  ersten  Standort 
Meissen:  unterhalb  der  Knorre,  war  sie  auch  in  diesem  Jahre  noch 
zu  finden. 

f — paniculatus  L.  Dresden:  Elbkies  zwischen  Kötzschenbroda  und  Meissen 
(Stiefelhagen). 

Spergularia  echinosperma  Celak.  Dresden:  bei  Loschwitz  (Dr.  Wolf).  Ein 
für  Sachsen  neuer  Fund,  der  die  bisher  weit  von  einander  entfernten 
Standorte  in  Böhmen  und  Wittenberg,  resp.  der  Altmark  (Billberge 
und  Arneburg)  einander  etwas  näher  bringt.  Kommt  wahrscheinlich 
auch  an  anderen  Stellen  des  Elbufers  vor,  ist  aber  bis  jetzt  über- 
sehen worden.  (Näheres  über  diese  Art  s.  b.  Ascherson  und  Gräbner 
in  Ber.  d.  d.  Botan.  Ges.  1893,  S.  516.) 

Cerastium  brachypetalum  Desp.  Im  ganzen  Meissener  Gebiet  auf  trockenen 
Hügeln  überall  zu  finden,  bei  Zadel  copiös  (Stiefelhagen). 


99 


Silene  Otites  Sm.  Riesa:  bei  Gohlis  und  Glaubitz,  hier  in  und  an  den 
Steinbrüchen  mit  Potentilla  cinerea , Carex  humilis,  Phleam  Boehmeri 
und  Festuca  Myurus.  Auch  weiter  nördlich  ausserhalb  Sachsens  bei 
Mühlberg.  Hier  mit  Jurinea,  Stachys  recta,  Biscutella  laevigata  und 
Alyssum  montanum  (Müller). 

Nigella  arvensis  L.  Riesa:  bei  Gohlis  auf  einem  Brachfelde  häufig  (Müller). 

Nasturtium  armoracioid.es  Tausch.  Meissen:  am  Elbufer  bei  Meissen  und 
Zehren  (Stiefelhagen). 

f Sisymbrium  Columnae  L.  Dresden:  Plauenscher  Grund,  auf  Schuttplätzen 
am  Hohen  Stein.  Stiefelhagen  beobachtete  diese  Art  nicht  nur  an 
dem  angegebenen,  sondern  zahlreichen  anderen  Standorten,  auch  bei 
Meissen.  Sie  hält  sich  jedoch  überall  nirgends  lange  und  gewinnt 
nicht  so  an  Ausdehnung  wie  Sisymbrium  Sinapistrum.  Auch  ist 
auffallend,  dass  die  Schoten  sehr  häufig  nicht  recht  zur  Entwickelung 
gelangen. 

f Erysimum  repandum  L.  Dresden:  Plauenscher  Grund  auf  Schuttplätzen 
auf  dem  Hohen  Stein  schon  seit  mehreren  Jahren  (Stiefelhagen). 

f — odoratum  Ehrh.  Dresden:  Elbufer  im  Grossen  Gehege  (Stiefelhagen). 

Alyssum  montanum  L.  Riesa:  bei  Gohlis  (Müller).  Auch  ausserhalb  der 
Grenze  bei  Mühlberg  mit  der  folgenden  Art. 

Biscutella  laevigata  L.  Riesa:  bei  Gohlis.  War  bisher  auch  nur  aus  der 
Umgebung  von  Dresden  und  Meissen  bekannt  (Müller). 

j* Lepidium  perfoliatum  L.  Dresden:  in  Coswig  auf  Schutt  (Stiefelhagen), 
an  der  Spitzgrundmühle  bei  Coswig  (Müller). 

Papistrum  perenne  All.  Dresden:  Plänerkalkhügel  an  der  Leutewitzer 
Windmühle  mit  Lepidium  perfoliatum , doch  nur  vereinzelt  (Stiefel- 
hagen). 

f — rugosum.  All.  Dresden:  Altstädter  Elbquai,  selten  und  stets  nur  ver- 
einzelt auftretend,  auch  im  Plauenschen  Grunde  und  im  Grossen 
Gehege  (Stiefelhagen). 

Helianthemum  guttatum  Mill.  Riesa:  unweit  Gohlis  bei  Zeithain.  In 
lichtem  Kiefernwald  auf  sandigen  begrasten  Boden  mit  Helianthemum 
vulgare,  Helichrysum  arenarium,  Centaurea  paniculata , Jasione 
montana  und  Biscutella  laevigata.  Neu  für  Sachsen  "(Müller).  Viel- 
leicht findet  sich  diese  interessante  Art  zwischen  Elsterwerda,  dem 
nächsten  aussersächsischen  Standorte,  und  Riesa  auch  noch  ander- 
weitig. 

Hypericum  pidchrum  L.  Oschatz:  Striesaer  Haide  (Müller). 

Malva  rotundifolia  L.  Dresden:  auf  Schuttplätzen  unter  der  Marienbrücke, 
im  Plauenschen  Grunde  und  verschiedenen  anderen  Standorten.  Um 
Dresden  gar  nicht  selten,  aber  bis  jetzt  übersehen  (Dr.  Wolf),  zwischen 
Loschwitz  und  der  Saloppe  im  Elbkies  sehr  üppig  (Stiefelhagen). 

Geranium  divaricatum  Ehrh.  Wünsche  giebt  als  Standorte  für  diese  Art 
nur  Schwarzenberg  und  Wolkenstein  an.  Sie  kommt  jedoch  auch 
noch  bei  Dohna  (1890  Prof.  Drude)  und  Dresden  bei  Zitzschewig 
1893  (Fritzsche)  vor. 

Potentilla  arenaria  Borkh.  Riesa:  unweit  Gohlis  bei  Zeithain  (Müller). 

ülex  europaeus  L.  Dresden:  bei  Königsbrück  an  der  Waldstrasse  zwischen 
Schwepnitz  und  Cosel  (Stiefelhagen).  Ob  angepflanzt? 

Lotus  cornicidatus  L.  var.  tenuifolius  Rchb.  Dresden:  zwischen  Dresden  und 
Plauen  an  mehreren  Stellen  in  einer  aufgelassenen  Gärtnerei  (Dr.  Wolf). 


100 


Rirola  umbellata  L.  Dresden:  bei  Königsbrück  zwischen  Cosel  und  Gute- 
born im  Kiefernwalde  sparsam  (Stiefelhagen), 
f Solanum  rostratum  Dum.  Dresden:  Sandflächen  am  Elbufer  gegenüber 
Uebigau,  hier  schon  1889  einmal  gesammelt  (Stiefelhagen).  Ist  bis- 
her aus  Sachsen  nur  von  Bautzen  bekannt,  wo  ihn  1893  und  94 
Neumann  beobachtete.  (Verbreitung  etc.  s.  bei  Ascherson  in  Naturw. 
Wochenschr.  1894,  Nr.  2,  u.  1895,  S.  177). 

Verbascum  phoeniceum  L.  Riesa:  unweit  Gohlis  bei  Zeithain  (Müller). 
Diese  interessante  Art  wurde  in  diesem  Jahre  am  22.  September  1898 
in  wenigen  blühenden  Exemplaren  von  Stiefelhagen  auf  Elbkies  ober- 
halb Kötzschenbroda  gesammelt. 

Linaria  Elatine  Milk  Dresden:  am  Windberg  bei  Deuben.  Hier  schon 
seit  1889  (Stiefelhagen). 

Melampyrum  cristatum  L.  Meissen:  Waldschlag  bei  Naundörfel  bei  Cölln 
mit  Rosa  gallica  und  Potentilla  alba.  cop.  (Stiefelhagen). 

Stachys  recta  L.  Mühlberg:  bei  Weinberge  an  der  Elbe  (Müller). 

Teucrmm  Botrys  L.  Dresden:  an  der  Elbe  bei  Kötitz  unter  Elaeagnus- 
Sträuchern  (Stiefelhagen). 

f Ambrosia  artemisiifolia  L.  Dresden:  am  Elbufer  auf  Geröll  bei  Kötzschen- 
broda, ca.  20  kräftige  Exemplare  (Fritzsche). 
f — trifida  L.  Dresden:  am  Elbufer  bei  Kötzschenbroda  unter  Weiden  in 
nur  einem  Exemplar  (Fritzsche). 

-\  Artemisia  Tournefortiana  B chb.  Dresden:  bei  Striesen  auf  dem  Brach- 
land einer  aufgelassenen  Gärtnerei  (Dr.  Saupe). 

Anthemis  austriaca  Jacq.  Dresden:  alljährlich  am  Elbufer  von  Pirna  bis 
Meissen  vereinzelt  auftretend,  z.  B.  bei  Pirna,  Tolkewitz,  Loschwitz, 
Gehege,  Serkowitz  und  Kötzschenbroda  (Dr.  Wolf,  Stiefelhagen). 

— ruthenica  MB.  Tritt  auch  von  Dresden  bis  Meissen  am  Elbufer  oft 
mit  der  vorigen  zusammen  sporadisch  auf.  Wurde  1898  von  Dr.  Wolf 
und  Stiefelhagen  beobachtet  bei  Tolkewitz,  Uebigau,  Briesnitz,  Gohlis, 
Kötzschenbroda  und  Kötitz.  An  dem  Standort  im  Birkenwäldchen 
scheint  sie  in  den  letzten  Jahren  verschwunden  zu  sein. 

Cirsium  lanceolatum  Scop.  var.  nemorale  Rchb.  Leipzig:  in  der  Lauer 
(Müller). 

Cirsium  canum  X palustre.  Meissen:  nasse  Aue,  unter  den  Eltern  (Stiefel- 
hagen). 

Thrincia  hirta  Roth.  Dresden:  am  Karauschenbruch  an  der  Grossenhainer 
Strasse  sehr  häufig,  auch  bei  Steinbach  (Stiefelhagen). 


VIII.  Sardinische  Tertiärpflanzen.  II. 

Von  Prof.  H.  Engelhardt. 


Im  Jahre  1897  gab  ich  in  Heft  II  unserer  Abhandlungen  ein  Ver- 
zeichniss von  Tertiärpflanzen,  welche  von  Herrn  Prof.  Lovisato  in 
Cagliari  auf  Sardinien  gesammelt  worden  waren.  Bei  dem  Interesse,  das 
fossilen  Pflanzen,  welche  aus  weniger  durchforschten  Gebieten  stammen, 
entgegen  gebracht  wird,  halte  ich  es  für  meine  Pflicht,  mich,  wenn  auch 
in  aller  Kürze,  über  die  zu  verbreiten,  welche  mir  in  zweiter  Sendung 
von  derselben  Insel  zukamen. 

Mittleres  Eocän. 

Aus  dem  feinkörnigen  Sandstein  von  Bacu-Abis  (Gonnesa,  Cagliari): 

Sabal  major  Ung.  sp.  Die  untere  Seite  eines  Fächerstücks  mit  Spindel 
und  Blattstiel.  Der  stachellose  Blattstiel  ist  bis  zur  Länge  von  15  cm 
vorhanden,  3 cm  breit,  fein  gestreift;  die  dreieckige,  spiessförmig  in  den 
Fächer  eindringende  Rhachis  reichlich  5 cm  lang;  die  Blattstrahlen  sind 
bis  zur  Länge  von  10  cm  erhalten,  am  Grunde  schmal  (die  unteren  am 
meisten,  die  oberen  breiter),  nach  vorn  erweitert,  stark  gefaltet,  die  Längs- 
nerven deutlich  sichtbar. 

Darunter  befindet  sich  in  schräger  Lage  ein  ebenfalls  flacher  Blatt- 
stiel, auf  dessen  einem  Theile  die  Spindel  des  oben  beschriebenen  Blattes 
auflagert.  Er  ist  sogar  4 cm  breit.  Auf  der  einen  Seite  desselben  zeigen 
sich  Strahlen  aus  der  mittleren  Partie  eines  Fächers,  der  derselben  Art 
zugerechnet  werden  muss,  auf  der  anderen  solche,  die  vielleicht  hierher 
zu  ziehen  sind. 

Ein  zweites  Stück  von  geringerer  Grösse.  Der  Blattstiel  ist  nur  bis 
zur  Länge  von  5 cm  erhalten  und  3 cm  breit,  die  Spindel  4 cm  lang;  die 
Strahlen  zeigen  eine  Länge  bis  5 cm.  Alle  Theile  sind  von  Kohlen- 
substanz, die  am  vorigen  Stücke  nur  stellenweise  zu  sehen  ist,  geschwärzt. 

Ein  Fächerstück  von  9 starkgefalteten  Strahlen,  das  man  leicht  zu 
Sabal  Lamanonis  Brongn.  sp.  rechnen  könnte,  aber  der  zahlreicheren  Nerven 
wegen  wohl  hierher  zu  ziehen  ist. 

Stücke  eines  Fächers,  dessen  Strahlen  1,5 — 2 cm  breit  waren  und  die 
Nervatur  ausgezeichnet  sehen  Hessen. 

Ein  solches  von  13  Strahlen  mit  ausgezeichnet  erhaltener  Nervatur. 

Eine  wenig  gut  erhaltene  Fächerpartie. 


102 


Flabellaria  latiloba  Heer.  Es  sind  nur  neben  einander  liegende 
Strahlenstücke  eines  zerfetzten  Fächers  vorhanden,  nicht  Spindel,  nicht 
Stiel.  Dieselben  zeigen  eine  Breite  von  3 cm,  in  der  Mitte  einen  starken 
Mittelnerven,  dem  eine  Menge  sehr  deutlich  sichtbarer  Längsnerven 
parallel  laufen.  Die  Faltung  ist  gering. 

Dazu  kommt  noch  ein  kleineres  Fächerstück,  das  hierher  gehören 
dürfte. 

Ein  grösseres  Stück  Blattstiel,  an  dessen  Grunde  sich  einige  Dornen 
zeigen,  welche  auf  eine  dritte  Palmenart  ( Cliamaerojpsl ) hinweisen.  Neben 
ihm  einige  nicht  bestimmbare  Blattfetzen. 

Sonst  noch  Blattstücke,  die  Palmen  angehören  können,  aber  mit 
Sicherheit  nicht  zu  diesen  gezogen  werden  dürfen. 

Ein  Stammstück  von  15  cm  Breite,  54  cm  Länge  und  2 cm  Dicke 
liegt  in  zusammengepresstem  Zustande  vor.  An  der  Aussenseite  ist  es 
von  dicht  an  einander  liegenden,  senkrecht  verlaufenden  Gefässbündeln 
bedeckt.  An  einigen  Stellen  sieht  man  darunter  schräg  verlaufende. 
Das  Innere  zeigt  nur  feinen  Sandstein,  der  wohl  als  Ausfüllungsmasse  des 
ausgefaulten  Inneren  anzusehen  ist.  Dasselbe  gehört  wahrscheinlich  einer  der 
Palmenarten  an,  von  denen  Blattstücke  gefunden  worden  sind.  Bestimmteres 
lässt  sich  wegen  der  ungenügenden  Erhaltung  des  Ganzen,  die  eine 
mikroskopische  Untersuchung  nicht  zulässt,  nicht  sagen. 

Ein  Stammstück,  von  dem  nicht  gesagt  werden  kann,  zu  welcher 
Familie  oder  Gattung  es  gehöre.  Es  zeigt  unter  dem  weicheren  Aeusseren 
einen  harten  cylindrischen  Kern  von  elliptischem  Durchmesser. 

Ein  Stammstück  von  geringerem  Durchmesser,  das  an  der  Ober- 
fläche Gefässbündel  zeigt. 

Juglans  acuminata  A.  Braun.  Neben  einem  sehr  verdrückten  Blatt- 
fetzen liegt  eine  wohl  erhaltene  flach  gerunzelte  Frucht  dieser  Art. 
Länge  2 cm,  Breite  1,5  cm.  — Ein  Blatt,  dem  die  Spitze  fehlt  und  das 
sich  am  einen  Rande  etwas  verletzt  zeigt.  Es  gehört  der  Form  latifolia 
an,  ist  am  Grunde  spitz  und  hat  in  der  Mitte  6—7  cm  grösste  Breite. 
Wahrscheinlich  betrug  die  Länge  13— 14  cm.  Nervillen  sind  gut  sichtbar. 

Terra  Segada  (Gonnesa,  Cagliari): 

Stücke  mit  Blätterdetritus. 

Tongrien  oder  Aquitanien. 

Aus  dem  Sandstein  von  Nurri  (Prov.  Cagliari): 

Ein  fossiler  Rest,  von  dem  mir  nur  das  in  Wasserfarben  ausgeführte 
Bild  vorlag.  Es  steckt  in  einem  50  cm  breiten  und  gegen  30  cm  hohen 
Steinblock  und  dürfte  wohl  zu  Bambusa  zu  rechnen  sein.  Es  ist  reichlich 
40  cm  lang,  8 — 9 cm  breit  und  an  drei  Stellen  geknickt  oder  ganz  ge- 
brochen. Das  Innere  erweist  sich  da,  wo  die  obere  Halmpartie  verloren 
gegangen,  so  dass  die  infolge  von  Quetschung  unmittelbar  darunter 
liegende  untere  sichtbar  wird,  als  hohl,  nicht  ausgefüllt.  Der  Halm  hat 
die  Dicke  eines  lebenden  Bambus  von  gleicher  Grösse.  Zwei  Knoten  sind 
sichtbar,  am  einen  auch  der  Ansatz  eines  Blattes. 


108 


Ein  unbestimmbares  Ast-  oder  Stammstück,  dem  die  Spitze  fehlt, 
von  5 cm  Länge.  Es  ist  an  dem  einen  Ende  8,4  cm  breit,  am  anderen 
nach  der  einen  Richtung  1,8  cm,  nach  der  anderen  1,1  cm  breit  und  an 
der  Oberfläche  mit  6 mm  von  einander  entfernten,  wenig  hervortretenden 
Längsstreifen  versehen.  Das  Innere  bildet  feiner  Sandstein. 

LangMen. 

Aus  dem  Thonmergel  von  Bingia  Fargeni  (Fangana,  Cagliari): 

Ein  Rindenstück  mit  Ausfüllungen  von  sich  dicht  an  einander 
reihenden  Larvengängen.  Dieselben,  im  Durchmesser  von  2 — 4 mm, 
machen  zuerst  eine  Biegung,  laufen  dann  gerade  aus,  um  sich  darauf 
wieder  umzubiegen. 

Sonst  waren  noch  vorhanden  Stücke  mehrerer  Arten  von  Cylindrites , 
ein  Stück  versteinertes  Holz  und  aus  dem  Sandstein  von  FesdaS  de  Fogu, 
der  zahlreiche  Einschlüsse  von  Chalcedon  zeigt,  eine  nicht  vollständig 
erhaltene  Muschelschale  (PectenT). 


/ 0 


in  Dresden. 


Herausgegeben 

von  dem  Redactions-Comite. 


Jahrgang  1897. 

Januar  bis  Juni, 


Mit  einer  Tafel  und  3 Abbildungen  im 


Dresden. 

In  Commission  von  Warnatz  &.  Lehmann,  K.  Sachs.  Hofbuchhändler. 


1897. 


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: !l  , 

Redactions  -Comit6  für  1897: 

Vorsitzender:  Prof.  Dr.  G-.  Helm. 

Mitglieder:  Dr.  J.  Deichmüller,  Prof.  Dr.  0.  Drude,  Prof.  Dr.  W.  Hallwachs, 
Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky,  Prof.  Dr.  H.  Nit  sehe,  Prof.  B.  Pattenhausen  und 

Rentier  W.  Osbor ne. 

Verantwortlicher  Redacteur:  Dr,  J.  Deichmüller, 


Inhalt. 

I.  Sitzungsberichte. 

I.  Section  für  Zoologie  S.  3.  — Drude,  O. : P.  Matschie’s  Karte  der  geographischen  Ver- 
breitung der  Säugethiere,  naturwissenschaftliche  Nomenclatur  S.  4.  — Engelhardt,  H. : 
Vorlage  einer  Abhandlung  über  böhmische  Tertiärpflanzen  S.  4.  — Kuntze,  A.:  Eine 
seltene  Diptere  vom  Osterberge  und  eine  Tanzmücke  von  Borkum  S.  4.  — Kitsche,  H.: 
Arbeiten  der  biologischen  Station  zu  Helgoland  S.  3;  Kunde  von  Cancans -Larven 
und  Noctua-  Raupen  auf  dem  Schnee  im  Erzgebirge,  Dipteren -Familie  der  Pupipara 
S.  4.  — Schiller,  K.:  Berichte  der  ornithologischen  Beobachtungsstationen,  neue 
Litteratur  S.  3.  — Schneider,  0.:  Entdeckungsgeschichte  einer  Pelzmilbe  des  Bibers, 
Thierwelt  Borkums  S.  3 

II.  Section  für  Botanik  S.  4.  — Drude,  0,:  Historische  Entwickelung  der  farbigen 
Pflanzenabbildungen  S.  4;  System  - Anordnung  zu  floristischen  Zwecken  S.  5. 

III.  Section  für  Mineralogie  und  Geologie  S.  6.  — Bergt,  W. : Geologische  Be- 
schaffenheit der  Lausitz  S.  6;  neue  Litteratur  S.  6 und  7.  — Kalkowsky,  E : Ge- 
birgsbau  der  skandinavischen  Halbinsel  S.  6;  über  Rogenstein  und  Napfstein  S.  7; 
zur  Erinnerung  an  0.  Fr.  Naumanns  hundertjährigen  Geburtstag,  mit  Bemerk,  von 
H.  Engelhardt  und  0.  Schneider,  S.  6._ — Nessig,  R.:  Das  tertiäre  Thonlager 
von  Löthhain  S.  6. — Schiller,  K.:  Neue  Litteratur  S.  7. 

IV.  Section  für  prähistorische  Forschungen  S.  7.  — Deichmüller,  J.:  Massregeln 

zum  Schutze  und  zur  Erhaltung  prähistorischer  Alterthümer  in  Sachsen,  Vorlagen 
S.  8.  — Döring,  H.:  Neolithische  Funde  in  Löbtau  S.  8.  — Jentsch,  A.:  Vor- 
slavische  Burgwarte  bei  Klotzsche  S.  7.  — Osborne,  W.:  Bericht  über  eine  Reise 
nach  Aegypten,  prähistorische  Funde  bei  Worms  S.  7;  gleichzeitiges  Vorkommen  des 
Menschen  und  des  Mammuth  in  Sibirien,  neue  Litteratur  S.  8.  — Put  sch  er,  W. 
Vorlagen  S.  7.  ■ - 

V.  Section  für  Physik  und  Chemie  S.  8.  — Foerster,  F.:  Demonstration  eines 
Apparates  zur  Sichtbarmachung  der  Complementärfarbg  einer  lichtstarken  Farbe  S.  9. 
— Meyer,  E.  von:  Justus  von  Liebig  in  seiner  Bedeutung  für  den  chemischen 
Unterricht  S.  8.  — Schlossmann,  A.:  Chemie  des  Blutes  S.  9.  — Toepler,  M. : 
Structur  der  Atomgewichtsskala  S.  8.  — Walther,  R. : Natur  der  Flamme  S.  8. 

VI.  Section  für  Mathematik  S.  9.  — Krause,  M.:  Einige  Punkte  aus  der  Theorie 
der  elliptischen  Functionen  S.  9.  — Naetsch,  E.:  Geodätische  Linien  auf  Rotations- 
flächen S.  10.  — Pockels,  F.:  Die  gegenwärtige  Kenntniss  von  der  Dichtigkeit  des 
Erdkcirpers  S.  9. 

VII.  Hauptversammlungen  S.  10.  — Veränderungen  im  Mitgliederbestände  S.  12.  — 
Kassenabschluss  für  1896  S.  11  und  14.  — Voranschlag  für  1897  S.  11.  — Massregeln 
zum  Schutze  und  zur  Erhaltung  der  vorgeschichtlichen  Alterthümer  S.  10  und  12.  — 
Lesemuseum  in  Dresden  S.  10.  — Vorlagen  S.  11.  — Deichmüller,  J.:  Neue 
Litteratur  S.  10.  — Drude,  0.:  Floristischer  Charakter  des  Elbsandsteingebirges 
und  der  Lausitz  im  Vergleich  zu  dem  böhmischen  Mittelgebirge  S.  11.  — Fischer,  H. : 
Technische  Verfahren  zur  Trennung  von  Körpergemengen  S.  11.  — Kalkowsky,  E.: 
Erosionserscheinungen  im  Elbsandsteingebirge  S.  11.  — Möhlau,  R.:  Grundlagen 
und  Entwickelung  der  Färberei  S.  11.  — Nits  che,  H.:  Stimmen  der  Thiere  S.  12.  — 
Schneider,  0.:  Thierwelt  von  Borkum  S.  11.  V Toepler,  M.:  Geschichtete  Funken- 
entladungen in  freier  Luft  S.  11.  — Vater,  H.:  Ueber  Krystalliten  S.  10.  — Ex- 
cursionen:  Ausflug  nach  den  Tyssaer  Wänden  S.  11;  nach  Tharandt  S.  12. 


II.  Abhandlungen. 

Kuntze,  A Tethina  illota  Hai.  ’S.  19. 

Menzel,  P.:  Beitrag  zur  Kenntniss  der  Tertiärflora  des  Jesuitengrabens  bei  Kundratitz, 
mit  Taf.  I.  S.  3. 

Petraczek,  W.:  Ueber  das  Alter  des  Ueberquaders  im  sächsischen  Elbthalgebirge. 
S.  24. 

Schneider,  0.:  Ueber  eine  zuerst  in  Dresden  aufgefundene  neue  Pelzmilbe  des  Bibers. 
S.  21. 

Toepler,  M.:  Ueber  elektrische  Gleitfunken  von  ausserordentlicher  Länge,  mit  8 Ab- 
bild. S.  4L 


Die  Autoren  sind  allein  verantwortlich  für  den  Inhalt  ihrer 

Abhandlungen • 

• ■ * 


Die  Autoren  erhalten  von  den  Abhandlungen  50,  von  den  Sitzungsberichten  auf 
besonderen  Wunsch  25  Sonder -Abzüge  gratis,  eine  grössere  Anzahl  gegen  Erstattung 

der-  Herstellungskosten. 


Sitzungskalender  für  1897. 

September.  30.  Hauptversammlung. 

Octöber.  7.  Physik  und  Chemie.  14.  Mathematik.  21.  Zoologie.  28.  Hauptversammlung. 
November.  4.  Botanik  und  Zoologie.  11.  Mineralogie  und  Geologie.  18.  Prähistorische 
Forschungen.  25.  Hauptversammlung. 

December.  2.  Physik  und  Chemie.  9.  Zoologie.  — Mathematik.  16.  Hauptversammlung. 


Die  Preise  für  die  noch  vorhandenen  Jahrgänge  der  Sitzungs- 
berichte der  „Isis“,  welche  durch  die  Burdach’sche  Hofbuch- 
handlung in  Dresden  bezogen  werden  können,  sind  in  folgender 
Weise  festgestellt  worden: 

Denkschriften.  Dresden  1860.  8.  . . . . . . . . . ...  I M.  50  Pf. 

Festschrift,  Dresden  1885.  8.  178  S.  4 Tafeln  . . . . 3 M.  — Pf. 

Dr;  Oscar  Schneider:  Natu ^wissensch.  Beiträge  znr  Kenntniss 

der  Kaukasusländer.  1878.  8.  160  S.  5 Tafeln  ..  . , 6 M.  4-  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1861  . . 1 M.  20  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1863  . . . ...  . .•  ...  „ ..  ..  . 1 M.  80  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1864  und  1865.,  pro  Jahrgang1  . . 1 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1866.'  April-December 2 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1867  und  1868,  pro  Jahrgang  . . 3 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1869  . . , . . 3 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1870.  April-Juni,  October-December  2 M.  — Pf. 
Sitzungsberichte.  Jahrgang  1871.  April-December  . . . V . 3 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1872.  Januar-September  . . . . 2 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1873  bis  1876,  1878,  pro  Jahrgang  4M.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1877.  Janüär-März,  Juli-December  3 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1879  5 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1880,  Juli-December  . / V . . 3 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.  Jahrg.  1881.  Juli-December  3 M.  — Pf. 
Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.  Jahrgang  1882  bis  1884, 

1886  bis  1896,  pro  Jahrgang  . . . . ....  . 5 M.  — Pf. 
Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.  Jahrgang  1885  . . . . 2 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.  Jahrgang  1897.  Januar- Juni  2 M.  50  Pf. 

Mitgliedern  der  „Isis“  wird  ein  Rabatt  von  25  Proc.  gewährt. 
Alle  Zusendungen  für  die  Gesellschaft  „Isis“,  sowie  auch 

Wünsche  bezüglich  der  Abgabe  und  Versendung  der  „Sitzungs- 
berichte der  Isis“  werden  von  dem  ersten  Secretär  der  Gesell- 
schaft, d.  Z.  Dr.  Deichmiiller,  Dresden- A.,  Zwingergebäude, 
K.  mineral. -geolog.  Museum,  entgegengenommen. 

Die  regelmässige  Abgabe  der  Sitzungsberichte  an  aus- 
wärtige Mitglieder,  sowie  an  auswärtige  Vereine  erfolgt  in  der 
Regel  entweder  gegen  Austausch  mit  anderen  Schriften  oder  einen 


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in 

hrlichen  Beitrag  von  3 Mark  zur  Vereinskasse,  worüt 
den  Sitzungsberichten  quittirt  wird. 

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Königl.  Sachs.  Hofbuchhandlung 

M.  Burdach 

Warnatz  &,  Lehmann  ■ 

Schloss -Strasse  32.  DRESDEN.  Fernsprecher  152. 
empfiehlt  sich 

zur  Besorgung  wissenschaftlicher  Litteratur. 

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Druck  von  Wilhelm  Baensch  in  Dresden. 

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der 


Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft 

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in  Dresden. 


Herausgegeben 

von  dem  Redactions- Comite. 


Jahrgang  1897. 

«Juli  bis  JD ecembe i\ 


Mit  zwei  Tafeln. 


Dresden. 

In  Commission  von  Warnatz  & Lehmann,  K.  Sachs.  Hof  Buchhändler. 

1898. 


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Redactions  -CoimtG  für  1897: 

Vorsitzender:  Prof.  Dr.  G-.  Helm. 

Mitglieder:  Dr.  J.  Deichmüller,  Prof.  Dr.  0.  Drude,  Prof.  Dr.  W.  Hallwachs, 
Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky,  Prof.  Dr.  H.  Ritsche,  Prof.  B.  Pattenhausen  und 

Rentier  W.  Osborne. 

Verantwortlicher  Redacteur:  Dr.  J.  Deichmüller. 


Sitzungskalender  für  1898. 

Januar.  13.  Zoologie.  20.  Botanik.  27.  Hauptversammlung. 

Februar.  3.  Mineralogie  und  Geologie.  10  Prähistorische  Forschungen.  — Mathematik. 

17.  Physik  und  Chemie.  24.  Hauptversammlung. 

März.  3.  Zoologie.  10.  Botanik  (Floristenabend).  17.  Mineralogie  und  Geologie. 

24.  Physik  und  Chemie.  31.  Hauptversammlung. 

April.  14.  Mathematik.  21.  Prähistorische  Forschungen.  28.  Hauptversammlung. 

Mai.  5.  Zoologie.  12.  Botanik.  19.  Excursion  oder  26.  Hauptversammlung. 

Juni.  9.  Mineralogie  und  Geologie.  16.  Prähistorische  Forschungen.  — Mathematik. 

23.  Physik  und  Chemie.  30.  Hauptversammlung. 

September.  29.  Hauptversammlung. 

October.  6.  Zoologie.  13.  Mathematik.  20.  Botanik  und  Zoologie.  27.  Hauptver- 
sammlung. 

November.  3.  Mineralogie  und  Geologie.  10.  Physik  und  Chemie.  17.  Prähistorische 
Forschungen.  24.  Hauptversammlung. 

December.  1.  Zoologie  und  Botanik.  8.  Botanik  (Floristenabend).  — Mathematik. 
15.  Mineralogie  und  Geologie.  22.  Hauptversammlung. 


Die  Preise  für  die  noch  vorhandenen  Jahrgänge  der  Sitzungs- 
berichte der  „Isis“,  welche  durch  die  Burdach’sche  Hofbuch- 
handlung in  Dresden  bezogen  werden  können,  sind  in  folgender 


Weise  festgestellt  worden: 

Denkschriften.  Dresden  1860.  8.  . . ...  1 M.  50  Pf. 

Festschrift.  Dresden  1885.  8.  178  S.  4 Tafeln 3 M.  — Pf. 

Dr.  Oscar  Schneider:  Naturwissensch.  Beiträge  znr  Kenntniss 

der  Kaukasusländer.  1878.  8.  160  S.  5 Tafeln  . . 6 I.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1861 1 M.  20  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1863  1 M.  80  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1864  und  1865,  pro  Jahrgang  . . 1 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1866.  April-December 2 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1867  und  1868,  pro  Jahrgang  . . 3 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1869  . . . 3 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1870.  April-Juni,  October-December  2 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1871.  April-December 3 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1872.  Januar-September  . . . . 2 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1873  bis  1876,  1878,  pro  Jahrgang  4M.  — Pf. 
Sitzungsberichte.  Jahrgang  1877.  Januar-März,  Juli-December  3 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1879  5 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1880.  Juli-December  . . . . . 3 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.  Jahrg.  1881.  Juli-December  3 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.  Jahrgang  1882  bis  1884, 

1886  bis  1897,  pro  Jahrgang 5 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.  Jahrgang  1885  . . . . 2 M.  50  Pf. 


Mitgliedern  der  „Isis“  wird  ein  Rabatt  von  25  Proc.  gewährt. 

Alle  Zusendungen  für  die  Gesellschaft  „Isis“,  sowie  auch 
Wünsche  bezüglich  der  Abgabe  und  Versendung  der  „Sitzungs- 
berichte der  Isis“  werden  von  dem  ersten  Secretär  der  Gesell- 
schaft, d.  Z.  Dr.  Deichmiiller,  Dresden- A.,  Zwingergebäude, 
K.  mineral. -geolog.  Museum,  entgegengenommen. 

Die  regelmässige  Abgabe  der  Sitzungsberichte  an  aus- 
wärtige Mitglieder,  sowie  an  auswärtige  Vereine  erfolgt  in  der 
Regel  entweder  gegen  Austausch  mit  anderen  Schriften  oder  gegen 
einen  jährlichen  Beitrag  von  3 Mark  zur  Vereinskasse, 
worüber  in  den  Sitzungsberichten  quittirt  wird. 


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König!.  Säclis.  Hofbuchhandlung 

PI.  Burdach 

— = — - Warnatz  So  Lehmann 

Schloss -Strasse  32.  DRESDEN.  Fernsprecher  152. 
empfiehlt  sich 

zur  Besorgung  wissenschaftlicher  Litteratur. 

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Druck  von  Wilhelm  Baensch  in  Dresden, 


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der 


Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft 


ISIS 


in  Dresden. 


Herausgegeben 

von  dem  Redaetions-Comitö. 


Jahrgang  1898. 

Januar  bis  Juni. 


Mit  einer  Tafel  und  Abbildungen  im  Text. 


Dresden. 

In  Commission  von  Warnatz  & Lehmann,  K.  Sachs.  Hof buchhändler. 

1898.  _ 

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Redactions -Comitö  für  1898: 

Vorsitzender:  Prof.  Dr.  Gr.  Helm. 

Mitglieder:  Dr.  J.  Deichmüller,  Prof.  Dr.  0.  Drude,  Prof.  Dr.  P.  Foerster, 
Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky,  Prof.  Dr.  H.  Nitsche  und  Prof.  Dr.  K.  Rohn. 

Verantwortlicher  Redacteur:  Dr.  J.  Deichmüller. 


Inhalt. 

I.  Sitzungsberichte. 

I.  Section  für  Zoologie  S.  3.  — Nitsche,  H.:  Entwickelung  und  Wechsel  der  Hörner 
bei  der  amerikanischen  Gabelantilope,  Linne’sche  Systematik  der  Säugethiere,  elektrische 
Fische,  R.  Leuckart  f S.  3.  — Reibisch,  Th.:  Binnenconehylien  aus  Ecuador  S.  3; 
Einführung  von  Helix  candicans  im  Plauenschen  Grunde  S.  4;  . . . . und  R.  Ebert: 
Berichtigungen  S.  4.  — Thallwitz,  J. : Stärke  der  Schläge  des  Zitterrochens  S.  4.  — 
Vogel,  CI. : Bastardirungsvorgänge  hei  Säugethieren,  mit  Bemerkungen  von  A.  Schöpf 
und  H.  Nitsche,  S.  3. 

II.  Section  für  Botanik  S.  4.  — Drude,  0.  : Milchsaftröhren  der  Euphorbien,  gegen- 
wärtiger Stand  der  Nomenclaturfrage  S.  4;  stickstoffsammelnde  Thätigkeit  der  Boden- 
bakterien, neue  Litteratur  S.  5.  — Fritzsche,  F.:  Vorlage  von  Blüthen- Abnormitäten 
S.  5.  — Gründler,  J.:  Heber  Bacillariaceen  S.  5.  — Pohle,  R.:  Demonstration 
des  Heu-Bakteriums,  Beginn  der  Cambium-Thätigkeit  bei  Populus  canadensis  S.  5.  — 
Schorjer,  B.:  Antheil  der  Pflanzen  an  der  Selbstreinigung  der  Flüsse  S.  4.  — 
Walther,  R.:  Neuer  Desinfectionsapparat  für  geschlossene  Räume  S.  4. 

III.  Section  für  Mineralogie  und  Geologie  'S. ■5.  — Bergt,  W.:  Geologie  der  An- 

' tillen,  Bestimmung  von  Calamiten,  neue  Litteratur  S.  6.  — Engelhardt,  EL:  Pflanzen 

aus  dem  Polirschiefer  von  Sulloditz,  neue  Litteratur  S.  6.  — Kalkow;sky,  E.  : Zwillings- 
bildungen des  Quarzes  S.  5,  Begriff  und  Werth  der  Edelsteine  S.  6;  neue  Litteratur 
S.  5 und  6.  — Naumann,  E.:  Concretionen  im  Glacialmergel  S.  6.  — Nessig,  R.: 
Studien  über  den  Dresdner  Haidesand  S.  6. 

IV.  Section  für  prähistorische  Forschungen  S.  6.  — Deichmüller,  J. : Schutz 
der  vorgeschichtlichen  Alterthümer,  Bronzefund  von  Velem  St.  Veit  S.  7.  — 
Nitsche,  H. : Die  sogen.  Wetzikonstäbe  S.  6;  uralte  Formen  von  Angelgeräthen,  über 
Fischspeere  S.  7.  — Excursion  nach  Lockwitz  S.  7. 

V.  Section  für  Physik  und  Chemie  S.  7.  — Lottermoser,  A.:  Das  colloidale 
Quecksilber  S.  9.  — Pocke ls,  F.:  Die  bei  Blitzentladungen  vorkommenden  Strom- 
stärken S.  8.  — Schloss  mann,  A. : Die  Milch  und  ihre  Bedeutung  als  Nahrungs- 
mittel S.  9.  — Toepler,  M.:  Schichtung  elektrischer  Funken  und  über  Gleitfunken  S.  8. 

— Walther,  R. : Ueber  Explosivstoffe  S.  7. 

VI.  Section  für  Mathematik  S.  9.  — Krause,  Partialbruchzerlegung  bei  trans- 
cendenten  Functionen  S.  10.  — Rohn,  K.:  Zusammensetzung  von  Bewegungen  und 
reguläre  Raumeintheilung  S.  9.  — Witt  in g,  A.:  Planimetrische  Constructionen  in 
begrenzter  Ebene  S.  10. 

VII.  Hauptversammlungen  S.  11.  — Veränderungen  im  Mitgliederbestände  S.  13.  — 
Rechenschaftsbericht  für  1897  S.  11  und  15.  — Voranschlag  für  1898  S.  11.  — Massregeln 
zum  Schutz  der  vorgeschichtlichen  Alterthümer  S.  11  und  12.  — Bergt,  W. : Geo- 
logie von  Schantung  (Kiautschou)  S.  12.  — Engelhardt,  H.:  Neue  Litteratur  S.  13. 

— Fischer,  H.:  Die  Westinghouse- Bremse  S.  13.  — Grosse,  J. : Carl  Gustav 
Carus  in  seiner  Bedeutung  für  die  Naturwissenschaften  S.  11.  — Lewicki,  E.: 
Ueber  Centrifugalguss  S.  12.  — Lewicki,  L. : Das  maschinentechnische  Laboratorium 
der  K.  Techn.  Hochschule  S.  11.  — Lohmann,  H.:  Ueber  Eishöhlen  und  Höhleneis 
S.  11.  — Schlossmann,  A.:  Neue  Art  der  Wolmungsdesinfection  S.  12.  — 
Wagner,  P. : Physikalische  und  geologische  Untersuchungen  der  Böhmerwaldseen 
S.  12..-—  Excursion  nach  Demitz  bei  Bischofswerda  S.  12. 


II.  Abhandlungen. 

Nessig,  R:  Studien  über  den  Dresdner  Haidesand.  S.  27. 

Schlossmann,  A.:  Ueber  die  Bedeutung  der  Milch  als  Nahrungsmittel.  S.  33. 
Toeplei,,  M.:  Geschichtete  Dauerentladung  in  freier  Luft  (Büschellichtbogen)  und 
Bighi’sche  Kugelfunken,  mit  Tafel  I und  Abbildungen  im  Text.  S.  3. 


Die  Autoren  sind  allein  verantwortlich  für  den  Inhalt  ihrer 

Abhandlungen . 


Die  Autoren  erhalten  von  den  Abhandlungen  50,  von  den  Sitzungsberichten  auf 
besonderen  Wunsch  25  Sonder  - Abzüge  gratis,  eine  grössere  Anzahl  gegen  Erstattung 

der  Herstellungskosten. 


Sitzungskalender  für  1898. 

September,  29.  Hauptversammlung. 

October.  6.  Zoologie.  13.  Mathematik.  20.  Botanik  und  Zoologie.  27.  Hauptver- 
sammlung. 

November,  3.  Mineralogie  und  Geologie.  10.  Physik  und  Chemie.  17.  Prähistorische 
Forschungen.  24..  Hauptversammlung. 

December.  1.  Zoologie  und  Botanik.  8.  Botanik  (Floristenabend).  — Mathematik. 
15.  Mineralogie  und  Geologie.  22.  Hauptversammlung. 


Die  Preise  für  die  noch  vorhandenen  Jahrgänge  der  Sitzungs- 
berichte der  „Isis“,  welche  durch  die  Burdach’sche  Hofbuch- 
handlung  in  Dresden  bezogen  werden  können,  sind  in  folgender* 
Weise  festgestellt  worden: 

Denkschriften.  Dresden  1860.  8 1 M.  50  Pf. 

Festschrift.  Dresden  1885.  8.  . . . 8 M.  — Pf. 

Dr.  Oscar  Schneider:  Naturwissensch.  Beiträge  zur  Kenntniss 

der  Kaukasusländer.  1878.  8.  160  S.  5 Tafeln  . , 6 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1861 1 M.  20  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1863  1 M.  80  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1864  und  1865,  pro  Jahrgang  . . 1 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1866.  April-December  . . . 2 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1867  und  1868,  pro  Jahrgang  . . 3 I.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1869  3 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1870.  April-Juni,  October-December  2 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1871.  April-December 3 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1872.  Januar-September  . . . . 2 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1873  bis  1876,  1878,  pro  Jahrgang  4M.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1877.  Januar-März,  Juli-December  3 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1879  . . 5 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1880.  Juli-December  . . . . . 31.  — Pf. 

Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.  Jahrg.  1881.  Juli-December  3 M.  — Pf. 
Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.  Jahrgang  1882  bis  1884, 

1886  bis  1897,  pro  Jahrgang  . . . 5 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.  Jahrgang  1885  . . . . 2 M.  50  Pf. 
Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.  Jahrg.  1898.  Januar-Juni  2 M.  50  Pf. 

Mitgliedern  der  „Isis“  wird  ein  Rabatt  von  25  Proc.  gewährt. 


Alle  Zusendungen  für  die  Gesellschaft  „Isis“,  sowie  auch 
Wünsche  bezüglich  der  Abgabe  und  Versendung  der  „Sitzungs- 
berichte der  Isis“  werden  von  dem  ersten  Secretär  der  Gesell- 
schaft, d.  Z.  Dr.  Deichmüller,  Dresden- A.,  Zwingergebäude, 
K.  mineral. -geolog.  Museum,  entgegengenommen. 

Die  regelmässige  Abgabe  der  Sitzungsberichte  an  . aus- 
wärtige Mitglieder,  sowie  an  auswärtige  Vereine  erfolgt  in  der 
Regel  entweder  gegen  Austausch  mit  anderen  Schriften  oder  gegen 
einen  jährlichen  Beitrag  von  3 Mark  zur  Vereinskasse, 
worüber  in  den  Sitzungsberichten  quittirt  wird. 


Druck  von  Wilhelm  Baensch  in  Dresden. 


der 


Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft 


in  Dresden. 


Herausgegeben 

von  dem  Redactions-ComitO. 


Jahrgang  1898. 

Juli  b is  December. 

Mit  3 Abbildungen  im  Text. 


Dresden. 

In  Commission  der  K.  Sachs.  Hofbuchhandlung  H.  Burdach. 

1899. 


Redactions -Comite  für  1898: 

Vorsitzender;  Prof.  Dr.  G-.  Helm. 

Mitglieder;  Dr,  J.  Deichmüller,  Prof.  Dr.  0.  Drude,  Prof.  Dr.  P,  Foerster, 
Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky,  Prof.  Dr.  H.  Hitsche  und  Prof.  Dr.  K.  Rohn. 
Verantwortlicher  Redacteur : Dr.  J.  Deichmüller. 


Sitzungskalender  für  1899. 

Januar.  12.  Physik  und  Chemie.  19.  Prähistorische  Forschungen.  — Mathematik. 
26.  Hauptversammlung. 

Februar.  2.  Zoologie.  9.  Botanik.  16.  Mineralogie  und  Geologie.  23.  Hauptver- 
sammlung. 

März.  2.  Physik  und  Chemie.  9.  Mathematik.  16.  Prähistorische  Forschungen. 
23.  Hauptversammlung. 

April.  6.  Zoologie.  13.  Botanik.  20.  Mineralogie  und  Geologie.  27.  Hauptversamm- 
lung. 

Mai.  4.  Physik  und  Chemie.  11.  Excursion  oder  18.  Hauptversammlung. 

Juni.  1.  Zoologie.  8.  Prähistorische  Forschungen.  — Mathematik.  15,  Botanik. 

22.  Mineralogie  und  Geologie.  29.  Hauptversammlung. 

September.  28.  Hauptversammlung. 

October.  5.  Physik  und  Chemie.  12.  Mathematik.  19.  Zoologie.  26.  Hauptver- 
sammlung. 

November.  2.  Botanik  und  Zoologie.  9.  Mineralogie  und  Geologie.  16.  Prähistorische 
Forschungen.  23.  Physik  und  Chemie.  30.  Hauptversammlung. 

Deceinber.  7.  Zoologie  und  Botanik.  14.  Mineralogie  und  Geologie.  21.  Hauptver- 
sammlung. 


Die  Preise  für  die  noch  vorhandenen  Jahrgänge  der  Sitzungs- 
berichte der  „Isis“,  welche  durch  die  Burdacli’sche  Hofbuch- 
handlung in  Dresden  bezogen  werden  können,  sind  in  folgender 
Weise  festgestellt  worden: 

Denkschriften.  Dresden  1860.  8. 1 M.  50  Pf. 

Festschrift.  Dresden  1885.  8 8 M.  — Pf. 

Dr.  Oscar  Schneider:  Naturwissensch.  Beiträge  zur  Kenntniss 

der  Kaukasusländer.  1878.  8.  160  S.  5 Tafeln  . . 6 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1861 1 M.  20  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1863  1 M.  80  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1864  und  1865,  pro  Jahrgang  . . 1 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1866.  April-December 2 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1867  und  1868,  pro  Jahrgang  . . 3 I.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  , Jahrgang  1869  3 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1870.  April-Juni,  October-December  2 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1871.  April-December 3 M.  -r-  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1872.  Januar-September  . . . . 2 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1873  bis  1876,  1878,  pro  Jahrgang  4 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1877.  Januar-März,  Juli-December  3 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1879  . . . . , . . . . . , 5 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1880.  Juli-December  . . » . . 3 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.  Jahrg.  1881.  Juli-December  3 M.  — Pf. 
Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.  Jahrgang  1882  bis  1884, 

1886  bis  1898,  pro  Jahrgang  . . . . . . . . . 5 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.  Jahrgang  1885  ...  2 M.  50  Pf. 

Mitgliedern  der  „Isis“  wird  ein  Rabatt  von  25  Proc.  gewährt. 

Alle  Zusendungen  für  die  Gesellschaft  „Isis“,  sowie  auch 
Wünsche  bezüglich  der  Abgabe  und  Versendung  der  „Sitzungs- 
berichte der  Isis“  werden  von  dem  ersten  Secretär  der  Gesell- 
schaft, d.  Z.  Dr.  Deichmüller,  Dresden- A.,  Zwingergebäude, 
K.  mineral,  -geolog.  Museum,  entgegengenommen. 

Die  regelmässige  Abgabe  der  Sitzungsberichte  an  aus- 
wärtige Mitglieder,  sowie  an  auswärtige  Vereine  erfolgt  in  der 
Regel  entweder  gegen  Austausch  mit  anderen  Schriften  oder  gegen 
einen  jährlichen  Beitrag  von  3 Mark  zur  Vereinskasse, 
worüber  in  den  Sitzungshi&hten  quittirt  wird. 


König!  Sachs.  Hofbuchhandlung 

H.  Burdach.  ——— 


Schloss -Strasse  32.  DRESDEN.  Fernsprecher  152. 
empfiehlt  sich 

zur  Besorgung  wissenschaftlicher  Litteratur. 


Druck  von  Wilhelm  Baensch  in  Dresden. 


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